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03.08.2011

Weinradler in Holland


Eine Radtour am letzten Wochende mit zwei Zeltübernachtungen um das südliche Ijsselmeer, heute auch Markermeer geheißen. Alte holländische Kulturlandschaft, weite Wiesen, Deiche, traditionsreiche Städte. Leider war das Wetter mau, der Himmel bedeckt, für Ende Juli viel zu kalt. Die auf der Etappe verkosteten Weine können unter dem Motto "originell" zusammengefasst werden. Damit sowas auch draußen schmeckt, sollte man generell etwas stärkere Aromen bevorzugen, allzu Feines geht bei solchen Bedingungen leicht unter.
  1. Auf der schönen Insel Marken mit Blick auf den Leuchtturm ging es schon mal los. Ins Glas kam ein Würtemberger ! "Villa Bodi Bura" Lemberger Auslese trocken 2009 Bottwartal Kellerei e.G. Großbottwar (13,%% / 15€) Intensiver, warmduftiger Wein, reiche kirschige Frucht in Nase und Mund, weich und geschmeidig, recht süffig, leichter Karamellton.
  2. Dann auf dem Camping in Edam ein Mazedonier, eingekauft im Kaaswinkel Edam, direkt gelegen im idyllischen Dorfkern:  Temjanika Royal Reserve Stobi Winery Mazedonie (12% / 6€) Der Wein ist zwar als "semidry" deklariert, kommt aber keineswegs süß daher. Überraschend frisch, leicht, säuremild, überzeugender und konkurrenzfähiger Konsumtropfen.
  3. Im gutsortierten Weinladen De Dijk in Enkhuizen dann ein Etikettenkauf (Bild unten links), der Rolling 2007 Cabernet-Merlot  Cumulus Wines Australien (= schöne Homepage). Die Region Orange liegt relativ hoch, für australische Verhältnisse cool climate. Der Wein steht stramm in der Frucht, ohne Vanille und Holzgedöns, kommt direkt zur Sache, hat fruchtigen (Cassis)Biß.
  4. Dann nochmal Exotik. Mitten im Ijsselmeer, auf dem 30 Kilometer langen Houtribdijk zwischen Enkhuizen und Lelystad dann ein Gewürztraminer aus Spanien:  El Arino 2009 Gewürztraminer Somontano (13% / 7€). Sehr erfrischend und duftig, etwas Blütenhonig, nicht zu starke Traminer-Aromatik, auch der Alkohol für einen Gewürz nicht zu dominant...


Zur Orientierung für Weinradler eine Routenkarte, die Gesamtstrecke Amsterdam bis Lelystad sind ca. 130 Kilometer. Von Lelystad dann mit dem Zug über Almere zurück nach Amsterdam.




18.07.2011

Durch das Roussillon ins Languedoc: Gauby und Mas Jullien

Roter Kadett vor 20 Jahren, unermüdlich drehte er seine (letzte) große Schleife durch die Weingebiete des Midi .
Oben vor den Zinnen von Carcassonne

Die Strecke von den Pyrenäen raus durch das Roussillon und durchs Languedoc bin ich auf ähnlichen Pisten wie die Pedaleure der TdF 2011 auch schon in unterschiedlichen Richtungen gefahren. Allerdings mit Autos, auch mit dem alten roten Kadett, der in Lourdes durch Heiliges Wasser den Segen der Gottesmutter empfangen hatte (klick hier). Die Weine zu Füßen der Pyrenäen in Richtung Mittelmeer sind eine Klasse für sich. Unter dem Dach der  AOC Roussillon werkeln  Genossenschaften, aber auch eine Riege von sehr individuell-handwerklich arbeitenden Weintüftlern. Immer wieder auch Neueinsteiger, wie die erst kürzlich hier vorgestellte Domaine des Enfant (klick) mit absolut ausgereizten Qualitäten. Ein Qualitätspionier und immer noch Schrittmacher für die Weine des Roussillon weltweit ist Gérard Gauby in Calce. Nach allem, was über ihn zu erfahren ist, ist Gauby kein Routinewinzer, sondern ein Suchender, ein Experimentator. Er hat komplett auf biodynamischen Anbau umgestellt. Die Aromatik seiner Weine geht seit einigen Jahren weg von Überkonzentration, Holz, und süßem Schmelz. Was steht stattdessen auf der Geschmacksagenda ?

Hier wachsen sie, die Grenache-Reben von Gauby.
Im Hintergrund der Pic du Canigou
  • Les Calcinaires 2009 Domaine Gauby (Grenache, Carignan, Mourvedre, Syrah /13,5% / ) Gauby macht nur drei Rote, das Flagschiff Muntada, den Vieilles Vignes und als Einstiegsroten den Les Calcinaires. Wobei Einstieg hier knapp 14€ bedeutet, was z.Bsp. bei Pierre Clavel schon mit dem Copa Santa die Spitze markiert. Der Wein ist von großer Tiefe und Dichte. Schon farblich völlig undurchdringlich, tiefe dunkle Tinte. Die Nase ist voll dunkler Frucht, dazu deutlich frisch gemahlener schwarzer Pfeffer. Sehr pur, kein Rauch, kein Toast, keine lockendes Vanilleschoko. Im Mund kommt er zunächst fast schmeichelnd, täuscht etwas Süße an,  um aber dann doch einen pikant - herben Akzent zu setzen. Ist zwar etwas abgedroschen, aber er ist ein bißchen die Faust im Samthandschuh. Im Abgang schöne lange Zartbitternote. Am zweiten Tag dazu dann etwas Uhu, nicht der Vogel, sondern der Kleber. Was nach dem Schwenken des Glases aber immer wieder verfliegt, dann aber wiederkommt. Dazu dann auch was speckiges, animalisches. Ein Weincharakterkopf, der macht, was er will. Speziell. Ein Top-Wein, den man in 10 Jahren nochmal pobieren sollte.

Wächst aus dem Fels: Katharerburg Peyrepertuse
Vom Roussillon gehts es vorbei an den Kartharerburgen ins nördlich gelegene Corbieres. Wildromantisch, dünnbesiedelt, Heimat der Wildschweine, die sich in der heißen Strauchheide tummeln. Auch dort jede Menge interessante, individuelle Winzer. Am Nordrand der Corbieres, von Limoux aus startete gestern die Etappe. Der Ort ist ein Nest für Weißwein, auch schäumenden Crémant de Limoux, hauptsächlich bereitet aus Chardonnay. Die Radroute schlängelte sich dann weiter durch viele weitere Weinbauzonen des Languedoc. Gequert wurden, immer in nordöstlicher Richtung, zunächst das Minervois (bekannte Winzer hier z.Bsp. die Chabberts (Clos de l´ Escandil), dann St.Chinian ( z.Bsp. Domaine Guy Moulinier) und schließlich Faugeres (Jean-Michel Alquier).

Weinurlaub 2005: Weindeuter-Verkostung im Minervois
Es folgt dann die weite hügelige Zone bis Montpellier, überall Reben, soweit das Auge reicht. Am nördlichen Rand der Küstenebene, an den Ausläufern der Cevennen, liegen die Côteaux du Languedoc. Überall agieren hier qualitätshungrige Winzer, Alteingesessene wie Aime Guibert mit seinem Daumas Gassac, Quereinsteiger, Newcomer. Bekannte Qualitätsnester sind hier u.a. Montpeyroux, Aniane und Jonquières. Ein Name ist prägend geworden für die Region: Olivier Jullien. Mit sein Mas Jullien Weinen hat er ähnliche Schrittmacherfunktion wie Gauby im Roussillon. 
  • Les Etats d ´Amme (Grenache, Cinsault, Syrah, Carignan / 14% / 18€) Ebenfalls sein roter Einsteiger, ebenfalls schon in der gehobenen Preisklasse, übersetzt die "Seelenzustände". Einen Tick heller als der Gauby, aber immer noch tiefrot. In der Nase zunächst ein Stinker, da wurde was Lebendiges aus der Flasche gelassen, quasi ein "Weinfurz". Dann ebenfalls viel dunkelwürizge Frucht. Im Mund reiten die Seelenzustände Attacke, eher im Zustand der Manie. Überhaupt kein fruchtweicher Kuschler, der sich anschmiegt und verwöhnt. Lakritz, Tannin, fordernde Aromatik. Braucht Zeit... 


Zwei Klassiker aus dem Süden im Direktvergleich:
Gauby und Jullien
Ich sah den Gauby etwas weiter vorne...


Zum gleichen Komplex auch hier der Priorat-Hammer (klick)


21.06.2011

Weinradler Etappe 2: Assmannshausen - Winningen (86 Km)

Die Pfalz bei Kaub 
Nach der Übernachtung in der Krone Assmannshausen ("eine Hotellegende seit 1541") lockte am zweiten Tag der Mittelrhein, der klassische Teil zwischen Rheingau und Koblenz. Inbegriff der Rheinromantik mit zahlreichen Burgen und Orten mit langer Tourismusgeschichte, mittlerweile Unesco Weltkulturerbe. Nur mit dem Weinbau geht es seit langem, zumindest mengenmäßig, bergab. Rebhänge machen sich nämlich mittlerweile eher rar an den Ufern, der Weinbau ist seit Jahren stark rückläufig. Von noch über 2000 ha im Jahr 1900 sind 2008 nur noch 460 ha übriggeblieben. Der Mittelrhein ist damit das zweitkleinste deutsche Anbaugebiet.

Zwei starke Marken unter einem Dach:
Weinkitsch in St. Goar
Bei Sonnenschein und Rückenwind ist schnell Bacharach erreicht (Besuch im letzten Jahr hier), ein paar Kilometer flußabwärts dann schließlich die Loreley. Direkt gegenüber lockt eine neue Vinothek des Weinguts Philipps - Mühle in St. Goar. Die beiden Jungwinzer Martin und Thomas Philipps wollen dem Flächenrückgang Einhalt gebieten, Brachflächen rekultivieren, vorhandene Rebflächen erhalten und somit einen Beitrag zur Erhaltung der Kulturlandschaft im Mittelrheintal leisten. Sehr verdienstvoll ! Mit Blick auf den berühmten Felsen schmeckte sehr gut der 2008 St. Goarer "Frohwingert" Riesling (11,50€), frische saftige Fruchtigkeit, Limette, ganz leichtes Petrol. Die Weine der Philipps Brüder gibts übrigens auch in der Weinhandlung Rolf Kaspar in Essen (klick)

Verkostung an der Loreley:
Ein Chinese knipst erst den Fels, dann mein Rad.
Mein Ziel am Rhein war Boppard mit seiner lebhaften Rheinpromenade. Da gibt es einen sehr gut mit Weinen vom Mittelrhein bestückten Weinladen direkt am Marktplatz (Vineum klick). Den ließ ich aber aus, denn eine Bergetappe war zu bewältigen. Ich wollte zur Mosel abkürzen, und das bedeutet stramme und steile 7 Kilometer hoch auf auf die kargen und windigen Höhen des Hunsrück. Schweißtreibend und sehr durstfördernd. Außerdem ist es da oben ungemütlich, düstere Kreuze an der Straße... 

Düsterer Hunsrück
Also schnell auf der anderen Seite der Hunsrückhöhenstraße wieder runter, man rollt mit hohem Tempo direkt hinab ins Moseltal. Nach 20 Kilometern auf dem Moselradweg kündigt dann die große Autobahnbrücke der A61 die Ankunft in Winningen an. Links grüßen die berühmten Lagen "Uhlen" und "Hamm" mit ihren steilen Terrassen. 
Winninger Uhlen
Im beschaulichen Winnigen selbst blieb nach Quartiersuche gerade noch Zeit für einen Besuch in der "Vinothek im Winninger Spital". Auch dies ist ein relativ neues Projekt, Lothar Kröber präsentiert in stilvoll renovierten Räumen ausgewählte Weine von 17 Winninger Winzern. Man zahlt pro Glas eine kleine Probengebühr und kann Flaschen zu Weingutspreisen direkt mitnehmen. Dabei merkte ich wieder, wie auch schon bei der Verkostung bei Martin Tesch an der Nahe: Wenn man 80 Kilometer stramm geradelt ist, ist der Gaumen sehr offen für vinophilen Genuß. Es schmeckt einfach enorm gut. Probiert wurde eine Auswahl von ´09er Rieslingen, u.a. von Fries, Knebel-Lehnigk, Löwensteinhof (Bruder von Reinhard Löwenstein) und Knebel.
Vinothek im Winninger Spital
Abendessen dann direkt nebenan, als Kontrast zum Menü in der Krone ein einfaches Schnitzel im "Winzercafé Zur alten Post": Gute knusprige Qualität mit frischer Champignonsauce und Bratkartoffeln. Ein Gericht, das half, die Akkus des Weinradlers wieder aufzuladen. Außerdem war man so freundlich, meine in der Vinothek gekauft Flasche "Vom blauem Schiefer" von Heymann - Löwenstein vorzukühlen. Der fruchtsanfte Riesling vom Altmeister war dann mein Schlummertrunk für den weiteren Abend im Hotel Moselblick...


2 Linktips
  • Ein schöner Text zur Weinlandschaft Mittelrhein hier bei Axel Biesler.
  • "Gipfelstürmer" Winzerinitiative Mittelrhein: 4 Junge Winzer zwischen dem Mäuseturm und dem Siebengebirge haben sich zusammen gefunden, um die Vielfalt der malerischen Landschaft des Mittelrheintals, der Böden und der davon geprägten Weine sowie der Persönlichkeiten, die dahinter stehen, mit Spaß und Elan zu repräsentieren und gemeinsam etwas zu bewegen.



18.06.2011

Weinradler - Etappe : Abend in der Krone Assmanshausen


Wenn man viel strampelt, braucht der Körper abends was Gutes. Darum war das Etappenziel und Nachtquartier des ersten Tages auch die Krone in Assmannshausen. Ein altes Haus der Rheinromantik, Kaiserin Sissi hat dort geschlafen, auch der Heinz Rühmann. Der hat ja immerhin schon versucht, uns die alkoholische Gährung zu erklären. Darum war die erste Tat im Hotel auch eine kleine Verkostung. Ich hatte im Gepäck zum Glück noch eine Nahe -Wein von Martin Tesch. Der wurde als Aperitif auf dem kleinen Balkon mit Blick auf die Weinberge eingenommen. Ein lebhafter Erfrischer auf hohem Niveau.

Nahe - Wein, verkostet im Rheingau:
Trotzdem lecker
"St.Remigiusberg" Riesling 2010 Weingut Tesch Langenlonsheim / Nahe (12,5% / 12€ ab Weingut) Saftiger Apfel in der Nase. Jugendliche Frische, lebhafte Säure, knackig, Mineralik, Stein, Salz. Kompromissloser purer Wein.
Ein solches Gewächs regt den Appetit an. Weinradeln sowieso, darum war mein Weg wenige Meter hinab ins Erdgeschoß Richtung Restaurant. Auf dem Weg dorthin, über knarzige Holztreppen, lauern  hochherrschaftliche Sitzgruppen und große Tierköpfe an den Wänden. Das hat Atmosphäre, ist nachts auf dem Rückweg aber auch etwas unheimlich.

Das Restaurant positioniert sich, dem Ort entsprechend, als "Gourmetlokalität". Das Ambiente sehr traditionell, viel dunkles Holz, schummrig geradezu. Aber auch sehr lecker. Die Abfolge:
  • Brot, Cremes, pikante Kleinigkeiten
  • Garnelen in Kakaobohnen, Pekannußpesto mit Avocadosalat und Grapefruit
  • Kalbrbries mit Pinienkernpanada mit Limonen / Tomaten Risotto
  • Rehrücken mit Haselnußkruste auf Geneverrahm, Waldmeister - Kirschen, Pfifferlinge und Sesam-Schupfnudeln.
  • Riegel von Nougat und weißer Schoko, Pistazieneis, Rieslingsauce, Rhabarber, Mango

Fazit: Die Küche hat Vorliebe für nussig-herzhafte Aromen, passt zum barocken Umfeld, Highlight das Bries. Das war knusprig-kross außen, innen dann schmelzig. Das Reh mit den Kirschen perfekt. 
Weine dazu waren erst ein Rheingau Riesling von Prinz, dann (natürlich) ein Roter vom Hang hinterm Haus: "Assmannhäuser Höllenberg" 2008 Spätburgunder Alte Reben vom Weingut Mohr. Überraschend reichhaltig, rauchige Frucht und Dichte.


17.06.2011

Weinradler - Etappe 1: Mainz-Assmanshausen (80 Km)

Rheinhessen, Nahe, Rheingau:
Wein und Wahnsinn liegen dicht beieinander
Start in Mainz ! Westlich von Gonsenheim schwingen sich sanfte Hügel fruchtbaren Landes mit prallen Kirschgärten, Äpfeln und Ingelheimer Spargel. Natürlich auch mit Wein. Das ist das nördliche Rheinhessen, nach "oben" begrenzt durch den Rhein. Auf dem anderen Flußufer liegt der Rheingau mit seinen lebhaften Weindörfern. Auf "meiner" Seite in Rheinhessen jedoch geht es ruhig zu. Kaum Gastronomie, die Winzer verschanzen sich hinter dicken Mauern und festen Holztoren. So waren die 50 Kilometer durch Orte wie Gau Algesheim oder Dromersheim ("Geburtsort des Eisweines") schnell erledigt. Die erste Mahlzeit, fest sowie flüssig, also erst an der Nahe in Langenlonsheim. Ein schneller Imbiss, dazu ein sehr süffiger, aprikosenfruchtiger Riesling von Sitzius (Oberhäuser Kieselberg Spätlese 2008). Der hatte etwas Restzucker, passte gut zum Schnitzel Hawaii: Ideale Radfahrernahrung auf der Etappe.

In Langenlonsheim dann noch was Feines: Ein Kurzbesuch bei Martin Tesch in seinem Designerausschank. Darf man ruhig so sagen, reduzierte Einrichtung, coole Optik, allein wie das Portfolio aufgereiht ist... Die komplette Rieslingpalette aus 2010 vom Unplugged bis zu den Einzellagen wurde auch gleich durchprobiert. Kompromisslose Qualitäten, pur, klar, (noch) knackig mit strammer Säure.

Bodenproben bei Tesch
Bei Bingen mündet die Nahe in den Rhein, gegenüber liegt Rüdesheim. Ein Weinballermann erster Ordnung. In der berüchtigten Drosselgasse Weinkitsch ohne Ende. Lokale, Geschäfte und Situationen, die nun doch zum Schmunzeln anregen. Da fing es auch prompt an zu regnen. Also schnell ein paar Kilometer flußabwärts am Mäuseturm vorbei nach Assmannshausen. Da war ein Zimmer gebucht, in der Krone. Motto des Hauses: "Eine Hotellegende seit 1541".



(Fortsetzung folgt...)


10.04.2011

Weinfrühling

Hinaus ins Offene ! Zum Trunke und Genuße !
Dernauer Weinfrühling
Frühlingserwachen in den deutschen Weingebieten, überall locken die Winzer die Trinker an. Am 16./17. April gibt es das WeinWanderWochenende:  "Ob zu Fuß, hoch zu Ross oder im Planwagen: „Wein- und Wanderfreude finden in diesem Jahr ein Angebotsvielfalt vor, wie noch nie zuvor“ (DWI)
Für alle Weinfreunde im Ruhrgebiet ist es am nächsten ins romantische Ahrtal, da findet zum zweiten Mal der Dernauer Weinfrühling statt: Wandern & Genießen auf dem Rotweinwanderweg. Die Wein-Wanderroute führt durch die Einzellagen Hardtberg, Pfarrwingert, Schieferlay in Dernau und den Klostergarten in Marienthal. Entlang des rund 6 km langen Weges laden zahlreiche Weingüter und Gastronomen zu regionalen Genüssen, Ahrwein und (wenns unbedingt sein muß) Traubensaft ein.
Ich kann das nur empfehlen, es lohnt sich, im letzten Jahr war das eine sehr ansprechende Veranstaltung. Die Winzer und Gastronomen geben sich wirklich Mühe mit Speis und Trank. Außerdem ist ja diese Jahr die  amtierende Deutsche Weinkönigin dabei ! Mandy Großgarten stammt aus Dernau...
Romantik und kräftiger Genuß an der Ahr



Ebenfalls an der Ahr ein weiteres bizarr anmutendes Angebot ist das Wandern mit Wanderlamas. Zitat: "Ihr ruhiges und distanziertes Wesen überträgt auf Wanderer eine Gelassenheit, die einen vom Alltag abschalten und die Natur erleben lässt."




30.11.2010

München: Schweinsbraten + Wein


Ich war am Wochenende in München, mal kein Weintrip ! Stattdessen geht man da ins Bräuhaus, in eine der "Schwemmen". Das sind heute durchrationalisierte Großbetriebe wie das Hofbräuhaus, in denen die Folklore - Bayern in Lederhosen und Hut mit Gamsbart auf dem Kopf von der Brauerei bezahlt werden. Das Hacker - Pschorr an der Theresienwiese hat sich zielgruppengerecht breit aufgestellt: Neben dem Biertempel gibt es die Trattoria für Pizza/Pasta und die Sportsbar mit Großleinwand ("B7 sportlich, stylisch, sexy").

Daneben gibts aber natürlich noch "reguläre" Wirtshäuser, Traditionshäuser in denen tatsächlich ein breiter Querschnitt der Stadtbevölkerung verkehrt. Und in denen man sehr gut und preiswert essen kann.
Zum Beispiel im Hofer in der Altstadt, nur ein paar Schritte vom Marienplatz entfernt. Bestellt wurde ein Schweinsbraten, ein Gradmesser für die Qualität einer Wirtshausküche. Anders als bei Leberkäse oder Weißwurst kann bei einem solchen Bratenstück mit einer dunklen, aber klaren, ungebundenen Sauce nicht gemogelt werden. Im Hofer wars gut gelungen, das Fleisch saftig, die knusprige Kruste extra, cremige Semmel - und Kartoffelknödel mit abgeschmolzener Butter, dazu süß-saurer Speckkrautsalat. Und dazu mal kein Bier (hatte ich schon vorher), sondern ein schönes großes Glas Rotwein, ein einfacher süffiger Cabernet - Sauvignon von Lergenmüller /Pfalz.

25.10.2010

Nordseeweine

Lekker drinken en eten aan de Zee:
Sushi-Bordeaux und Musar
 

Die Herbstwoche in Holland an der Nordsee: Viel Wind, etwas Wein - auch aus Trauben, die auf niederländischem Boden gewachsen sind, ganz unten bei Maastricht und auf den saftig - grünen Polderwiesen direkt hinter der Käsestadt Alkmaar - mehr dazu hier.
Zunächst wieder Bordeaux und Sushi, ein erprobter Snack für zwischendurch, diesmal am Strand von Egmond aan Zee, auch wenn der Wind einige Sandkörner auf den Reishäppchen verteilte. Das Sushi war nicht schlecht, eine kleine Bento-Box von Albert Heijn, allerdings nicht von der Qualität wie vor 3 Wochen in Hamburg von Hensler & Hensler.
Dazu ein einfacher Medoc: Chateau Le Chene 2007 (Fabre Viticulteurs in Cissac, eine klassisch - kräftige Mischung aus Cabernet Sauvignon 70% - Merlot 26% - Petit Verdot 4% / 10€).

Im Beauvin Wijnhandel in Alkmaar dann eine Flasche, die einen Kaufreflex auslöste: Chateau Musar, der Cru aus dem Libanon, Cabernet Sauvignon, Cinsault und Carignan – ungefähr 1/3 von jeder Sorte. Ein Exot, ein Mythos, eine Legende aus in 1000 Meter Höhe im Bekaa Tal gereiften Trauben, wird in Beirut in einer im Jahr 1930 gegründeten Kellerei bereitet.
Im Glas diesmal der aktuelle 2003 (ca. 29€) . Wie immer relativ hell in der Farbe, duftige Nase, ein exotischer Gewürzladen, feine vibrierende Frucht. Genauso im Mund, süßer Fruchtextrakt, samtige Gerbstoffe, dabei aber keineswegs dick und plump - der Musar wirkt beinahe "leicht", transparent, hält Balance. Dazu ein rosa gebratenes Biefstuk mit karamellisiertem grünen Spargel und etwas Pestokaas obendrauf - heerlijk genieten...

Bezugsquelle für Chateau Musar in D:  Le Marché du Levant

15.10.2010

Wein am Mittelrhein (Teil 1)


Die Landschaft ist großartig am Burgenrhein zwischen Koblenz und Bingen, der deutsche "Grand Canyon" lockt viele an: Loreleyromantiker, Bötchenfahrer, Kegelbrüder- und Schwestern, natürlich auch Weinfreunde. Rebhänge machen sich allerdings eher rar an den Ufern, der Weinbau ist seit Jahren stark rückläufig. Von noch über 2000 ha im Jahr 1900 sind 2008 nur noch 460 ha übriggeblieben. Der Mittelrhein ist damit das zweitkleinste deutsche Anbaugebiet.
Dabei haben die Dörfer am Rhein einiges zu bieten, beeindruckend altes Fachwerk und verwinkelte Gassen prägen das Bild von Boppard, St. Goar, Oberwesel, Kaub. Natürlich gibt es auch allerorten durch Kitschtourismus verursachte kleine Sünden in diesen Dörfern. Hier soll aber mal die malerische Schönheit betont werden. Und da liegt Bacharach ganz weit vorne. Bekannte Weinerzeuger dort sind Bastian, Dr. Kauer, Heidrich und natürlich der Klassiker, das VDP - Weingut Toni Jost.
Der Traditionsbetrieb liegt mitten im Ort, die Verkostungsstube - dunkles Holz, Bleiglasfenster mit Zechermotiven - strahlt konservative Wertigkeit aus. Umso überraschender der erfrischende Auftritt von Cecilia Jost, Geisenheimabsolventin, Jungwinzerin. Peter Jost kann nämlich nicht nur Riesling, sondern auch Töchter. Eine von dreien, Katharina, war vor fünf Jahren deutsche Weinprinzessin. In die Fußstapfen des Vaters tritt aber nur Cecilia, die zunehmend Verantwortung für die Vinifikation im Betrieb übernimmt und beeindruckend locker die Rieslinge des Hauses präsentiert.


Schon der Einsteiger "Toni Jost 2009" für 6,40€ zeigt klare Kante - ein schlanker, klarer, feinduftiger Erfrischer mit zarter Grapefruitnote. Mehr Kraft dann im Devon S Riesling, in der Nase schöne helle Frucht, am Gaumen salzige Würze. Reichhaltiger, cremiger die Spätlese 2009 (12,90€) vom Bacharacher Hahn. Die exponierte Lage mit Rheinblick ist fast im Alleinbesitz der Familie Jost. Auch die Spitze kommt natürlich daher, Bacharacher Hahn GG 2007 (13,5% / 20,50€). Dichtgebauter Riesling mit Schmelz, konzentriert ("eine Traube pro Trieb, auf der Feinhefe bis Juni 2008"), dabei aber in der ganzen Aromatik ein "nördlicher" Riesling ohne überreife Süßenoten. Süße kam dann ins Glas mit der Auslese und der Beerenauslese (beide 2006),  besonders die Auslese mit delikat leichtem "femininen" Süße-Säure Spiel.
Vorläufiger Höhepunkt des ersten Tages dann eine ganze Flasche Bacharacher Hahn GG im Weinberg mit Blick auf den Rhein, in dieser Gegend auch gerne "Vater Rhein" genannt. Mußte allerdings mit drei weiteren Verkostern geteilt werden...



Mittelrhein und Wein Teil 2: hier

08.10.2010

Hamburg & Wein

Bordeaux und Sushi, das war das (wein)kulinarische und für die Stadt passende Highlight am letzten Wochenende (Post hier). Doch auch beim Schlendern durch die Stadt fallen einem Weinfreund mit einer auf den Rebensaft fixierten Wahrnehmung natürlich (kuriose) Dinge auf.

So kombiniert z.Bsp. die Vinothek des Südhangs im Schanzenviertel (in Sichtweite zu Tim Mälzers Bullerei) seine Produkte mit Schuhmode, schwere Stiefel stehen da neben den Flaschen. Ich finds merkwürdig, dieser Ledergeruch im Weinladen stört.

Eine Überraschung: Der F.C. Sankt Pauli ist doch nicht nur Astra Pils und Kalte Muschi (das offizielle Fangetränk, Cola - Rotwein Mix, hier verkostet). In einer Fanauslage gibt es auch den Sancti Pauli, ein Tempranillo aus dem spanischen Valdepenas, natürlich auch gleich als Magnum. 

Leider nicht anschauen konnte ich mir Hamburgs Weingarten, aus dessen Trauben auch tatsächlich Wein vergoren wird. Die Lehmitz - Weinstuben rühmen sich einer Jahresproduktion von 100 Litern, ausgebaut in französischer Eiche von Hardy Weis, Wallhausen zum Preis von 29,50€ / 0,375.

Die langweilige Rückfahrt mit der Deutschen Bahn wurde durch was leckeres aufgelockert. Gosch im Hauptbahnhof bot "Lister Matjes" an, große vollfleischige Filets von mild-cremiger und saftiger Konsistenz. Die schmeckten im Zug dann sehr - zusammen mit einem Dr. Deinhard 2009er Weißburgunder.

Lecker: Pfälzer Wein, Sylter Matjes


07.09.2010

(Ferien)weingeschichten aus der Provence (5)


In den Weingebieten in Frankreich wird viel beim Winzer gekauft, natürlich. Wobei man den Eindruck hat, daß die vielen "Degustation"-Schilder allerorten vor allem Urlauber und (Wein)reisende zum Erlebniseinkauf anlocken. Der Vor-Ort-Franzose kauft im Hyper-U, im Géant, im Carrefour - den mehrere fußballplatzgroßen Einkaufszentren. Da gibts ja nicht nur gut bestückten Fischtheken, sondern auch gewaltige Weinregale mit zum Teil erstaunlichen Beständen. Immer sind auch hochwertige und bekannte Namen dabei. Selbst in einem kleinen Casino-Markt in Les Issambres standen neben billigem Plastikspielzeug aufgereiht einige Flaschen Chateau L´Arrosée 2006, ein Grand Cru aus St. Emilion für allerdings völlig überteuerte 61€ (eine Flasche aus dem´85 Jahrgang gab es als Zugabe zur Primeurverkostung in der Weinzeche Essen).

Zum Abschluß noch ein paar Buchtips. Immer noch ein Treffer ist der schöne Band "Provence, Küche Land und Leute" von Martina Meuth und Bernd Neuner-Duttenhofer (16,95 hier): Mit Liebe und Leidenschaft geschriebene und fotografierte kulinarische Reportagen.
Für Weinkrimifreunde zwei Titel, die in der Provence spielen, beides leichte Kost: Peter Mayles "Ein guter Jahrgang" und Michel Böcklers "Sterben wie Gott in Frankreich".
Zwar ohne Wein, dafür für mich immer noch die schönste Erzählung zur Provence ist Marcel Pagnols autobiographische Romantrilogie "Souvenirs d’enfance / Eine Kindheit in der Provence", verfilmt als "Der Ruhm meines Vaters" und "Das Schloß meiner Mutter".



01.09.2010

(Ferien)weingeschichten aus der Provence (4)


Im vierten Teil noch mal ohne viel Worte was für Provence-Romantiker und überhaupt alle, die den Süden lieben: Gefüllte Gläser, Tigel, Teller und Tische an und in einem Haus in Bormes les Mimosas am Südhang des Maurenmassivs, nicht weit vom Meer bei Le Lavandou. Sehr malerisch gelegen mit engverschachtelten Häusern und steilen Treppen ist Bormes durchaus ein "In-Dorf" geworden, mit schicken Restaurants und kleinen Mode-und Keramikläden. Doch was Jahrhunderte gewachsen ist, behält seinen Charakter, auch wenn es sich in der Saison an Markttagen drängelt...


"Mange avec joie ton pain
et bois ton vin gaiement"
Ecclesiastes 9.7



31.08.2010

(Ferien)weingeschichten aus der Provence (3)


Die "wahre" Provence, die Genießerprovence, die Wunschprovence für nordeuropäische Romantiker gibt es noch: Außerhalb der Zentren, in den im Reiseführer nicht oder nur am Rande erwähnten Orten und Gegenden im Hinterland. Ruhige Plätze unterm Platanendach, plätschernde Brunnen, buntes Gedränge zwischen duftenden Marktständen, das Klacken der Kugeln beim Petanque...


Und natürlich Weingüter, abgelegen, von der Hauptstraße weg. Die überraschen oft, wie (wieder mal) die Domaine Grand Cros. Charmant wurde bei einem Besuch eine kleine Degustation zusammengestellt. Hier geht es, wie man auch auf dem Foto unten sieht, recht sinnlich zu. Die Spitzenweine heißen "Nectar", die roséfarbenen Schaumweine "La Maitresse" und "La Rivale". Eine modern gemachte Basislinie wird unter dem Namen "Jules" vermarktet.



Solche Domainen, die neben dem Rosé auch substanzielle Rote machen, gibt es zwar überall, man muß sie aber suchen. Eine gute Übersicht ermöglicht das Maison des Vins in Les Arc sur Argens. Dort sind viele Güter mit ihrem Sortiment vertreten, man kann degustieren und zu Weingutspreisen kaufen. Nicht dabei sind hier allerdings die großartigen Bandols, die dichten Mourvedre-Klopfer von der Küste westlich von Toulon. Um da einen Überblick zu bekommen, fährt man am besten nach Le Castellet. Dort liegt mitten in den Weinhügeln mit Blick aufs Meer das offizielle Maison des Vins oder direkt nach Bandol selbst ins Maison des Vins du Bandol. Natürlich auch nicht dabei die großen Roten von der südlichen Rhone. Die wachsen zwar alle geographisch in der Provence, gehören aber weintechnisch nicht zu den Provence-A.O.C.s. 
Ansonsten ist Genuß ohne Hektik angesagt, es ist warm, man sollte seinen Radius durchaus beschränken, die Zeit sich mehr seitwärts als nach vorn bewegen lassen, auch in der (Ferienhaus)küche. Trotzdem muß natürlich was kräftiges auf den Teller, allein schon um eine Grundlage für die Getränke zu schaffen. Links zum Rosé ein bunter Salat mit geräucherter Entenbrust, rechts Entrecote mit Rotweinschalotten.


28.08.2010

(Ferien)weingeschichten aus der Provence (2)

St. Tropez, Lifestyle - Protzerei überall, Normalos kucken Reiche, Yachten und dicke Autos. Im Sommer übervoll - trotzdem natürlich großes Kino mit Unterhaltungswert. Und ein paar Meter vom Hafen weg in den malerischen Gassen der Altstadt sogar Ruhe. Weinbau gibt es im Hinterland jede Menge, auf der Halbinsel Ramatuelle und bei Grimaud und Gogolin zu Füßen des Maurenmassivs.

Ein Marketing - Kuriosum ist der ICE TROPEZ, eine Art Weincocktail in Designerflasche. Er ist natürlich "Créé à St. Tropez", ein cleveres Erzeugnis der Domaine Tropez und mittlerweile international erhältlich, auch bei uns (hier). Der Geschmack ist furchtbar, süßliches Alcopop für Nicht-Weintrinker. Dann schon lieber die kalte Muschi ! Ansonsten regiert Luxuskonsum, auch beim Wein. Es gibt ein Fachgeschäft für Großflaschen (Cave Jeroboam), beständiger Nachschub für die Champagnerduschen am Nikki Beach ist also sichergestellt.
Was Preise angeht kann man sich übrigens irren. Für ein kleines französisches Frühstück ließ ich mich direkt am am Hafen im Senequier nieder. Eine Institution, die mit ihren rotleuchtenden Dreieckstischen den ganzen Aufstieg und Wandel des Ortes seit Jahrzehnten begleitet. Ein großer Milchkaffe (je eine Kanne mit Milch und Kaffe) + ein Croissant kosteten zusammen gerade 6,60€. Auch im Ort gibt es mittags die Plat du Jour in vielen Lokalen für 15€, oft mit einem Glas Wein oder einem Kaffee + kleinem Dessert.
Die Klassiker ziehen noch in St. Tropez: Brigitte Bardot ist aktuell eine Ausstellung gewidmet und auch der cholerische Gendarm ist nach wie vor sehr präsent. Am Gebäude der alten Gendarmerie National treffen sich Schaulustige zum Fototermin und es gibt einen Wein, die "Cuvée Gendarme". Hab ich aber nicht probiert...
Petit déjeneur im Senequier, preislich noch moderat...

26.08.2010

(Ferien)weingeschichten aus der Provence (1)


Provence - Kulturland, Genußland, Roséland !
Die "Römische Provinz" mit ihren Arenen und Theatern: 2000 Jahre alt und immer noch fit und im Betrieb ! Die Provence der Maler: Van Gogh in Arles, Cézanne an den Montagne Sainte Victoire bei Aix, Picasso begraben auf Chateau Vauvenargues. Die Provence der Sinne: Der Duft des Lavendels auf dem Plateau Valonsole, das tiefe Blau der Cote d´ Azur. 
Die Provence des Weines: Rosé, Rosé und nochmals Rosé. Der Anteil in den Provenceappellationen liegt bei über 70 %, so viel wie sonst nirgends in der Wein(bau)welt. Sie haben da eine Markenidentität geschaffen, ein Konzept das seit vielen Jahren aufgeht. Jede Menge Rosé wird vor Ort vor allem in den Sommermonaten an der Küste zwischen Menton und Marseille getrunken. Und das nicht nur von Urlaubern, den sonnenhungrig Auswärtigen. Der Rosé ist im Alltag fest verwurzelt, in den Regalen und auf den Tischen allgegenwärtig. Ich hatte vom Ferienhaus einen guten Blick auf das Nachbargrundstück, bewohnt von einer französischen Oma (geschätzte 80 +). Jeden morgen stand um 8.30 zum Petit Dejeneur neben dem Croissant eine schlanke Flasche Rosé auf dem Tisch, aus der zwei Gläser geleert wurden.
Da wollte ich nun nicht zurückstehen und habe jede Menge Rosé probiert. Man soll sich ja an die Sitten und Gebräuche des Gastlandes anpassen, oder ? Und es geht einfach perfekt zusammen: Was sieht zum Blau des Wassers und des Himmels besser aus als eine Flasche Rosé ? Was streichelt sinnlicher die Zunge und erfrischt besser als diese Mischung aus Saft, Säure, Schmelz und Biß, die seriöse Provencerosés durchweg draufhaben. Das geht schon bei knapp über 5€ los, ab 8€ ist schon richtig Musik im Glas wie beim  Bailly (Bild oben) und beim Minuty (unten). Beide  sind zudem in der klassischen Flasche abgefüllt, ein Produktdesign, das wie bei Coca-Cola die sinnlichen Proportionen eines Frauenkörpers zitiert - purer Genuß...

Ein Stein, wer da widersteht...