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10.09.2014

Lidl: Bampfield Weine

Lidl dreht die Weinschraube, betritt man aktuell eine Filiale, kann man sich vor Wein kaum retten. Die teureren Flaschen liegen in Holzkisten, schön in 45Grad Neigung zum Kunden ausgerichtet. Und die Kampagne mit Richard Bampfield scheint erst jetzt so richtig loszugehen. Bampfield, seit 1990 Master of Wine, wird online und auch in Prospekten groß herausgestellt. Er agiert als Autorität und Punktrichter. Im Parkerstil unterwirft er die Aktionsweine aber auch Flaschen aus dem regulären Sortiment dem 100 Punkte System. 


Grundsätzlich herrrscht hier eine gewisse Zurückhaltung. Bewertet wird zwischen 80 Punkten ("guter solider, ordentlich gemachter Wein") bis maximal 89 ( "sehr gut, mit besonderen Eigenschaften"). 90 und mehr vergibt er für einen Wein nicht. Das heißt also, im Lidl Sortiment befindet sich kein Wein mit "außerordentlichem, herausragenden Charakter". Solcherart Realismus tut im voraus schonmal ganz gut.

Also was solls, ein paar Flaschen müssen mit. Für Fachhändler ist ja alles von Aldi & Co. reines Teufelszeug. Auch in der Weinszene greifen bei diesem Thema oft reflexhaft Ablehnungsrituale, als stünde der Untergang des Abendlandes bevor. Ich empfehle da mehr Gelassenheit. Außerdem: Discounter-Posts gab es hier beim Weindeuter ja schon öfters. Und die hatten und haben nicht gerade die niedrigsten Zugriffszahlen. Und man kann Cordula Eich ja auch nicht alles alleine machen lassen...


"Alte Rebe" Serriger Vogelsang Riesling feinherb 2013 Mosel/Saar (11%/3,79€) Also hier gibt es nix zu meckern. Zumindest nicht für Freunde restsüßen Rieslings. Schöner Aprikosenduft, frisch, im Mund eine leichte Sweetyladung, dann kontert ausreichend Säure, um das Ganze pikant tänzeln zu lassen. Völlig in Ordnung, sehr gutes PGV (88 Bampfield Punkte).



Valdehermoso Joven 2012 Bodegas y Viñedos Valderiz / Riberadel Duero (14%/5,99€) Renommiertes Weingut aus dem Ribera, Tomás Esteban ist mit seinen Valderiz Weinen kein Nobody. Frucht dominiert hier, kein zarter Schmeichler. Der Wein hat Biß, sehr straight, kein Holz, saftige Säure. Braucht etwas Luft, sehr schöne Aufmachung (86 Bampfield Punkte).

wird fortgesetzt...


01.05.2014

1. Mai: Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse


Der 1. Mai, Tag der Wende, Tag des Beginns, Tag des Aufbruchs. Man tanzt hinein, man vögelt hinein, endgültig den Winter hinter sich lassend, den Frühling begrüssend. Die Knospen spriessen, die Säfte fliessen. Aber: Es gilt auch, sich zu erinnern, was in den Maitagen 1886 auf dem Haymarket in Chicago geschehen ist. Und wer dort aus welchem Grund sein Leben ließ. Daran zu gedenken wurde drei Jahre später der 1. Mai als „Kampftag der Arbeiterbewegung“ ausgerufen.
Darum kam heute was Rotes ins Glas, Wein vom Rotschieder, vom Roten Hang in Nierstein: Niersteiner Oelberg Riesling 2012 (12,5% / 5,40€) vom Friedrichshof, ein typisches Weingut der zweiten Reihe. Mit einem Riesensortiment von Bacchus Kabinett halbtrocken bis zum Winzerkaffeelikör. Friedrich Peter Schmitt ist emsig und fährt seine Stammkundenrentner mit dem Trecker durch die Weinberge mit "Weck, Worscht und Woi". Und dann kam der verkostete Kandidat auch noch mit einer mediokren Plakette daher, auf der Flasche klebte die berüchtigte Bronzene Kammerpreismünze. Es ist mir völlig unverständlich, warum ein Winzer sowas überhaupt macht, schreckt doch nur ab. Im Glas dann aber Überraschung, schöne kompakte Rieslingfrucht, frisch, reifes Steinobst, steht in Nase und Mund, hat Länge. Der Underdog gefällt, heraus zum 1. Mai...!


30.01.2014

Bekannte Namen aus dem Supermarkt...

In der Weinszene ist Ärger vorprogrammiert, wenn das Thema auf Discountwein oder Wein im LEH kommt. Da wird vor allem der Fachhändler empfindlich, sieht sein Geschäftsmodell in Gefahr, reklamiert für sich unverzichtbare Beratungskompetenz.
Dabei bieten viele inhabergeführte Läden wie Edeka und Rewe etc. mittlerweile zum Teil beachtliche Flaschensammlungen. Auch deutsche Winzer lassen sich da nicht lumpen, bekannte Namen wie Othegraven, Breuer, Dr. Loosen, Molitor, Meyer-Näkel finden sich da. Es sind natürlich nie ganze Linien, die da präsentiert werden, sondern meist ein Einsteiger oder auch eine Sonderedition. Das funktioniert und ist für uns Konsumenten nur zu begrüßen.
Der Fachhandels warnt da gerne vor dem Verlust des Kulturgutes Wein und beschwört den Untergang des Abendlandes herauf. Solcherart Verbissenheit ist z.Bsp. in Frankreich völlig unbekannt, da liegen die Crus aus Bordeaux und Burgund ganz selbstverständlich in Hyper U oder Géant.





Markus Molitor Riesling 2011 Mosel (11.5% 7,99€) Ohne nähere Angabe, auf dem Rücketikett ist von Steillagen die Rede. Nun, Markus Molitor hat ja genug Fläche an der Mosel, vielleicht ist der hier auch aus zugekauften Trauben. Wie auch immer, der Wein ist völlig korrekt. Schöne frische Rieslingnoten, Apfel, Zitrus, saftig, süffig.




Waldbach Fruchtspiel Riesling feinherb 2011 Balthasar Ress Rheingau (11,5% / 9,90€) Hier spielt Dirk Würtz seit einiger Zeit mit. Und der hat ja ohnehin keine Berührungsängste ggü. Supermarkt und Co. Erinnert sei nur an sein Lidl Projekt zum Superschoppenshopper zusammen mit Cordula Eich (klick). Der Wein wird wohl exklusiv über Rewe vertrieben, in seiner klaren, modernen typographischen Aufmachnung ein Hinkucker.
Der Ress ist resch. Es steht zwar feinherb auf dem Etikett, der Rheingauer kommt aber straff und durchtrainiert daher. Kein Fett, frische Säure, Limette, am zweiten Tag dann leichter Tropic-Touch, Ananas, noch feste Mango, durchaus reichhaltig, macht viel Spaß, entwickelt Trinkfluss, Top.





Meyer - Näkel Edition 100 Rotwein Cuvée Ahr (13%/10€) Der Altmeister von der Ahr ist schon seit einiger Zeit hier im Umfeld des Ruhrgebiets in vielen Rewe Märkten vertreten, auch mit seine beiden Einsteigerweinen aus Südafrika. Deshalb wohl auch diese Edition zum 100. Bestehen von Rewe Dortmund. Drin sind Spätburgunder und Dornfelder, im Prospekt wird der Inhalt angegeben mit  "2011er Cuvée aus Blauschiefer, Spätburgundertrauben und Dornfelder". 
Nun ja, auch ohne "Blauschiefer" ist der Wein ist schön abgestimmt zwischen Frucht und Eleganz, sehr feine ahrtypische Spätburgunderkirschnase mit etwas Rauch, vor allem im Mund dann unterfüttert mit Beerenfrucht und Reichhaltigkeit der Dornfelder, recht lang, ein Spaßroter, guter Kauf.



24.12.2013

Atzwentzweine...(3)



Advent ist nicht nur rot (hier und hier), im Gegenteil, die Weißen nehmen einen immer größeren Anteil auch in der dunklen Jahreszeit ein. Und das Recht gebührt ihnen auch, aktuell dazu eine Betrachtung auf Cicero online "FESTTAGSALTERNATIVE Weißwein zur Weihnacht" (klick). Da wird zwar eher einigen Chardonnays das Wort geredet, hier gab es aber einige Rieslinge in die aufnahmebereiten Gläser. Alle mit etwas Restsüße, keine Säurebomber, das passt zum Fest, das entspannt...




Steinerd II Riesling 2012 Axel Pauly Mosel (11,5%/7,90€) Feinherbe Qualität, der Wein sitzt auf Anhieb, Restzucker trifft auf hohe Moselsäure, herrlich süffige Mischung.
Alte Reben Riesling 2012 Carl Loewen Mosel (12,5%/12€) Hier konzentriert man sich auf Riesling und sonst nix, kein ausuferndes Portfolio von Dornfelder bis Huxelrebe wie sonst oft in deutschen Landen. Auch hier enormer Trinkfluß durch Restsüße, insgesamt aber dichter gebaut als der Pauly, macht mehr Munddruck, Top.
Röttgen Riesling 2009 Heymann-Löwenstein Mosel (13%/22€) Wieder mal eine Bombe vom Altmeister, vor kurzem der 2008er, ähnlich hier jetzt im Glas: Goldgelb, hohe Konzentration, reichlich Fruchtwumms in der Nase, tropische Fruchtsüße, Hedonist im Glas. Nicht für jede Gelegenheit, als Weihnachtswein ideale Balance zwischen Frische und Ohrensessel...


29.11.2013

Weiß, weiß, weiß...


So, genug auf der faulen Bloggerhaut gelegen, es gibt hier wieder mehr Posts. Ist ja nicht so, daß nichts verkostet wurde in letzter Zeit, im Gegenteil. Einiges von dem, was in die stets aufnahmebereiten Gläser kam, wird jetzt in lockerer Folge im Advent hier vorgestellt.
Gleich vorweg. Weindeuter ist auf dem Weißweintrip. Vor allem der Riesling - Kleine und Große, Frische und Ältere, stahlige Mineraliker und gerne auch Kandidaten mit dem bei Puristen verpönten Zuckerschwänzchen. 



Und da ist man auch sofort beim Stichwort. Zwei Charaktertypen vom Trendsetzer und Qualitätspionier Reinhard Löwenstein, Moselaner die sehr reichhaltig auftrunpfen.
Uhlen "Laubach" 2009 Heymann Löwenstein (13% / 32€) Ein Klassiker, ein Vollschmecker, ein wahres Maul voll Riesling mit druckvollem Süß-Säure-Spiel. Röttgen 2008 Heymann-Löwenstein (13% / 22€) Weißgoldgelb im Glas, reichlich Frucht in der Nase, der Wein ist schon in der Nase ein Spaßmacher, wie gewohnt recht tropisch, deutliche Fruchtsüße, Hedonist.




Zwei Rieslinge aus dem Rheingau und aus der Pfalz, ein paar Stufen drunter: Der Kesseler R 2012 (die Edition, die für 8€ über Netto vertrieben wurde) kommt schmeichelnd feinherb rüber, der Schmitt S "Drei Steine" 2012 (10€) gibt dagegen den knackigen kernigen Typus, Zitrus, trocken, pur.


Da war noch der Sommer, zwei schöne Gartenrieslinge: Der Hexamer "Schlossböckelheimer in den Felsen" 2011 von der Nahe kommt klassisch mit schönem Säuregerüst, aber auch mit viel Frucht und deutlichem Mundvolumen (13,5% !). Dagegen steht Bopparder Hamm Ohlenberg Spätlese 2011 vom Weingut Walter Perl schlanker da, sehr frisch, straff, grüner Apfel.


Der Perl als 2012er wurde übrigens auch direkt im Hamm getrunken, hoch über dem großem Strom bei phantastischem Herbstlicht. Unten der Rheingoldbogen zwischen Lahnstein und Boppard, im Glas zusätzlich Bopparder Hamm Feuerlay 2012 von Lorenz, auch ganz auf der frischen und trockenen Spur, leichtes Brizzeln.


Der Hexamer von der Nahe durfte nochmal ran zum knusprig panierten Schnitzel, da mußte er sich aber gegen die Reichhaltigkeit und Cremigkeit eines Kandidaten aus Washington State/USA geschlagen geben: Chateau Ste. Michelle Chardonnay 2010.


Auch hier zu Pestospaghetti kam ein Chardonnay gut, diesmal aus der Pfalz: Bernhard Koch Chardonnay Rosengarten.

Und jetzt ein Exot, der ganz unverhofft auftauchte. Eine Studentin beim Boskop Weinkurs hatte das elterliche Kellerregal inspiziert und dabei eine 1989er Duttweiler Ruländer Auslese von Reinhard Momm (12%) gefunden. Und der war durchaus noch in guter, genußreicher Verfassung. Bernsteinfarbe, Honig, im Mund feine süße Cremigkeit.

In diesem Konzert spielt auch was aus dem Elsass mit und gibt einen sehr duftigen, floralen Akkord, leichte Süße, Minze, feminine Exotik: Pinot Auxerrois 2012 Domanie Saint Remy Ehrhardt.


Zum Abschluß aber nochmal Riesling, ganz feine Sache von der Mosel: Karl Erbes "Ürziger Würzgarten" Alte Reben 2012(12,60€). Old-School Aufmachung mit Bildchen vom schönen Moseltale, im Glas dann großes Kino, geschliffen klare, klassische Rieslingnoten, frische noch leicht feste Aprikosen, tolles Gaumenspiel, anregende Säure.



30.04.2013

Frühlingsgefühle: Von Winning Sauvignon Blanc I


Nicht nur die Winzer folgen dem Rythmus der Jahreszeiten, auch das Weinmarketing richtet sich nach Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Kein Händler, der zur Zeit keine Frühlingsweine anbietet. Aber auch in den Blogs und Gruppen zwischen Facebook und google+ sind allerorten Weine, die den Frühling preisen, den langersehnten, nach dem längsten Winter seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.
Mal abgesehen vom Kommerz, es hat natürlich auch was (wein)romantisches, und darum auch hier beim Weindeuter ein Frühlingswein. Ein Wein der hinausführt aus der Kälte und Dunkelheit, hinaus ins Offene, in die sprießenden Gärten und Auen. Das gefüllte Glas nicht gerichtet Richtung dunkler Zimmer Kerzenschein, sondern hoch in der hellen Himmel Sonnenstrahl...

Sauvignon Blanc I Von Winning / Pfalz (12,5 %/ 17€) "Von Winning" ist die Neuerfindung des Weingutes Dr. Deinhard in Deidesheim, quasi das veredelte Segment, die Marke für die aufwändiger und mit hohem Anspruch produzierte Premiumlinie. Man will hier ganz nach vorne.
Der Werbe - und Medienunternehmer Achim Niederberger hat nach Bassermann - Jordan und Reichsrat von Buhl auch das VdP - Weingut Dr. Deinhard gekauft und wurde dadurch zum größten privaten Weinerzeuger Deutschlands. Die drei Traditionsgüter an der deutschen Weinstraße gehörten schon mal zusammen, wurden aber im Rahmen der Jordanschen Erbteilung im Jahre 1848 getrennt. Mit viel Geld wurde bis heute umgestaltet, ein Restaurant und ein Hotel sind eröffnet worden - Deidesheim, das Genußeldorado in der Pfalz. Schon Helmut Kohl hat ja gerne im Deidesheimer Hof mit Michail Gorbatschow und Maggie Thatcher Saumagen gegessen ("Deidesheimer Hof, Kohls zweites Wohnzimmer", klick).

Doch zurück zu Von Winning. Zuständig für den Wein dort ist Stephan Attmann, ein Mann der für seine Sache brennt und lebhaft zu erklären weiß, wie ich vor ein paar Wochen wieder beim Hugenpoet Weinevent in Essen erleben konnte. Kerngeschäft sind natürlich die Rieslinge aus den klassischen Lagen um Deidesheim, die stellen über 80% der zur Zeit 40 ha Rebfläche. Hinzu kommen im weißen Bereich Chardonnay und, ganz einem Trend in der Pfalz und in Rheinhessen folgend, seit dem Jahrgang 2008 Sauvignon Blanc.
Der kommt gleich dreifach: Der Einsteiger für 10€ ist der Sauvignon II, die Spitze markiert der 500 (Selektion von 500 Liter-Holzfässern, in denen der Wein spontan vergoren wurde) und der verkostete I. 70% wurde hier im Holz vergoren, reiche Exotik-Fruchtnase, Im Mund merkt man das starke Fundament. Ein saftiger Gaumenfüller, gepuffert durch kräftige Säure im Caipirinha-Stil, Limette, kräutrige Würze. Ein intensiver Wein mit Wumms, kein leichter Terrassenschlotzer, obwohl er auch da seine Figur macht.








04.02.2013

Hugenpoet Rundgang 2013



Anders als der Betriebsname Vino Grande vermuten läßt, ist das Ladengeschäft von Thomas Kierdorf in Essen-Rüttenscheid eher klein, verkostet wird in einem gemütlichen Hinterzimmer. Viel Stammkundschaft trifft sich da, Leute mit "Weinabitur" und elaboriertem Geschmack. Das Motto ist hier klein aber fein.
Einmal im Jahr, im kalten Januar, verlagert sich aber das Geschehen, dann gibt es wirklich Vino Grande. Im Schloßhotel Hugenpoet, einer edlen von Wassergräben umsäumten Anlage in den Ruhrauen zwischen Essen Kettwig und Mülheim, inszeniert Kierdorf seine Hausmesse. Das ist jedesmal großes Weinkino, die Veranstaltung ist das Gegenteil von Beliebigkeit. Man will es hier nicht jedem recht machen. Wer auf der Suche ist nach Bordeaux, Burgund oder dem neuesten "Parker-Spanier" für 7€ oder gar Übeersee ist hier falsch, das kommt alles nicht vor.
Den Schwerpunkt der Qualitäts- und Geschmacksvorstellungen von Thomas Kierdorf bilden deutsche Rieslinge und Weine aus Österreich, dazu etwas Iberien und Südfrankreich. Eine solche Ausrichtung mit deutlicher Handschrift ist nicht ohne Risiko. Die Weine müßen erklärt werden, lautes Anpreisen, Schnäppchenangebote, Prahlerei mit Punkten und dergleichen passen hier nicht ins Konzept. Doch auch vornehmes Undersatement mobilisiert die Fans, wenngleich mir in diesem Jahr mehr Platz in den Räumen und an den Probentischen zu sein schien...


Hugenpoet: Genießer und Weindeuter (links) mit Rolli und Zaltoglas...

36 Weingüter mit 250 offenen Flaschen verteilten sich in den ehrwürdigen Salons des Hauses, Drinkers Paradise. Alles probieren geht natürlich nicht, hier ein paar Schlaglichter des Rundgangs, ohne jeglichen Anspruch auf Vollständigkeit. Zunächst Rieslingklassik von Mosel/Saar und weiteren Weißweinwonnen...

Van Volxem gewohnt stark, Dominik Völk präsentiert 2011 Scharzhofberger und 2011 Altenberg Alte Reben: Herrliche Verbindung von reichhaltiger, cremiger und gaumenfrischer Frucht und solidem Schieferfundament. Top.
Gegenüber Clemens Busch, die Pündericher zeigen die verschiedenen 2011er aus ihrer Toplage Marienburg. Anderer Stil, kompromisslos trocken, pure Mineralik, druckvoll, männliche Mundfüller, brauchen Zeit.
Leichter und im Kontrast fast erholsam kommt danach Heymann-Löwenstein in die aufnahmebereiten Gläser. Röttgen und Uhlen scheinen ganz von der weichen, sehr zugänglichen Frucht getragen.
Großes Tennis dann aus der Pfalz, aus Deidesheim. Stephan Attmann (Von Winning) erklärt intensiv, schenkt freudig ein und alles schmeckt einfach enorm gut. 2011er Langenmorgen und Pechstein sind Rieslinge am Anschlag, volle Konzentration, saftige Frucht, viel Exotik drin, mitreißend, Lustmacher pur. Überraschung dann die Sauvignon-Blancs. Eine Mode in der Pfalz? Egal, die drei Sauvignons I, II und 500 sind sensationell, werden hier nochmal gesondert vorgestellt...
Fehlt noch Chardonnay. Und da steht natürlich wieder Karlheinz Milch aus Monsheim aus Rheinhessen bereit, der sich auf diese Rebsorte spezialisiert hat. Ein eher ruhiger Winzer, er läßt seine Weine für sich sprechen. Und die befriedigen sehr, vom Einsteiger Kalkstein für unter 8€ über den Blauarsch bis zum XXL für 25€. Die müßte man mal direkt gegen Burgund stellen...



Im Obergeschoß geht es ohne Umschweife zu Terroir al Limit, Priorat extrem. Preislich, wie auch aromatisch sind diese Weine nicht unumstritten. Torsten Hammer ("The Priorat-Guide") beklagte sich bei einer früheren Verkostung mal über allzu knapp bemessene Probenschlückchen von Dominik Huber, die ein reguläres Verkosten kaum zuliessen. Aber auch jenseits solcher Anekdoten polarisieren diese Weine die Prioratgemeinde. Man strebt hier Finesse an. Die auf den Schieferböden des Priorat intensiv-kräftige Grenache wird gebändigt, sozusagen "burgundisiert". 
Wiederum ein Kontrast dann die Weine der Domaine Horizon aus dem Roussillon, neu im Programm bei Vino Grande. Thomas Teibert ist ein barock-salopper Typ mit roter Hose und Hosenträger und macht Wein im Hinterland von Perpignan. Irgendwie fällt mir da sofort Gerard Gauby ein. Der kommt ja auch aus Calce und sieht auf Fotos immer ähnlich aus. Und tatsächlich gibt es eine, sogar sehr enge Verbindung: Teibert und die Tochter von Gauby haben ein gemeinsames Kind...



Nun, die Teibertschen Reben haben Meerblick, deshalb der "Horizont." Preislich sind die Weine nicht schüchtern kalkuliert, schon der rote Einsteiger Esprit de l ´Horizon kostet 19,50€. Für den Domaine de l ´Horizon werden 33€ fällig. Beide sind aber top, der neue Südstil ohne Überkonzentration, haben delikate Frucht, trotzdem natürlich genug satte Sinnlichkeit und Schmelz, sehr gut.

Dann Österreich, ein Schwerpunkt von Thomas Kierdorf. Dorli Muhr und Fritz Wieninger nebst ihren Weinen glänzten diesmal durch Abwesenheit. Eine feste Größe auf Hugenpoet ist aber Margarethe Triebaumer. Ihr Ried Mariental (2010) repräsentiert den sehr straighten Blaufränkisch-Stil. Der erfährt seine Klasse durch fokussierte kühle Frucht und Mineralik, wenig Holz, großer Wein für Medoc-Freaks. Mehr Wonne und Wärme dann bei Hans Nittnaus, auch aus dem Burgenland. Der Erfinder des Pannobile-Konzepts schenkte seinen 2010er Pannobile allerdings aus halben Flaschen aus, die reguläre Größe ist ausverkauft. Satte Kirsche, Vanille, reichhaltig, Top-Wein.

Eine Legende zum Schluß, im roten Salon präsentieren in absolut bescheidener Weise René Barbier und seine Frau Isabelle ihre Flaschen. Auch wer vom Priorat keine Ahnung hat - Clos Mogador kennt jeder. Einer der Begründer des neuen Priorat, Trendsetzer und bis heute Qualitätsmotor für die Region. Clos Mogador 2010 aber auch ´05er und ´08er Manyetes zeigten Größe, reichhaltige, dunkle Weine mit Tiefgang.



Was noch? Der Rest ist Schweigen. Sicher kamen noch einige weitere mouth-pleaser ins Glas. Aber unter uns, Hugenpoet ist auch mal einfach sinnlicher Genuß, ohne dauernde Analyse und Verkostungsnotizen. Besser als hier retrospektiv nachzulesen ist auf jeden Fall ein wirklicher Besuch. Nächste Chance also Januar 2014...

Zur Hugenpoet Probe auch hier bei Genußbereit (klick)








Hier die komplette Winzerliste


Sekthaus Raumland, Flörsheim-Dalsheim, Rheinhessen
Weingut Schloss Lieser, Lieser, Mosel
Weingut Pauly, Lieser, Mosel
Weingut Markus Molitor, Zeltingen, Mosel
Weingut Heymann-Löwenstein, Winningen, Mosel
Weingut Van Volxem, Wiltingen, Saar
Weingut Forstmeister Geltz-Zilliken, Saarburg, Saar
Weingut Hermann Dönnhoff, Oberhausen an der Nahe
Weingut Johann Baptist Schäfer, Burg Layen, Nahe
Weingut Battenfeld-Spanier, Hohen-Sülzen, Rheinhessen
Weingut Kühling-Gillot, Bodenheim, Rheinhessen
Weingut Wittmann, Westhofen, Rheinhessen
Weingut Milch, Monsheim, Rheinhessen
Weingut Von Winning, Deidesheim, Pfalz
Weingut Jürgen Leiner, Ilbesheim, Pfalz
Weingut Zehnthof - Luckert, Sulzfeld, Franken
Weingut Schloss Gobelsburg, Gobelsburg, Kamptal
Weingut Kurt Angerer, Lengenfeld, Kamptal
Weingut Franz Proidl, Senftenberg, Kremstal
Weingut Knoll, Dürnstein, Wachau
Weingut Anita & Hans Nittnaus, Gols, Burgenland
Weingut Kollwentz, Großhöflein, Burgenland
Weingut Wenzel, Rust, Neusiedlersee
Weingut Ernst Triebaumer, Rust, Neusiedlersee
De Sousa & Fils, Avize, Champagne
Domaine de l´Horizon, Calce, Roussillon
Domaine Matassa, Calce, Roussillon
Celler de Capçanes, Capçanes, Montsant
Cava Gramona, Sant Sadurní d'Anoia, Penedes
Clos Mogador, Grattalops, Priorat
Terroir al Limit, Torroja del Priorat
Azienda Agricola Vigna Rionda di Massolino, Serralunga d´ Alba, Piemont
Marchesi Mazzei, Castellina in Chianti, Toscana
Niepoort Vinhos, Quinta de Napoles, Douro
Obstkellerei van Nahmen, Hamminkeln, Niederrhein


07.09.2012

Experiment 4: Metzger Greenvieh



Verkostet wurden in dieser Reihe bisher ein Sauvignon aus Israel, ein Muscadine Wine aus Louisiana und ein Südtiroler Gewürztraminer von Aldi. Zugegeben, bei dem Weißburgunder aus der Pfalz liegt die Exotik zuvörderst in der Aufmachung, die Flasche ist ein gutes Beispiel für den Trend zum "cool label".

Metzger Greenvieh Weißburgunder 2011 (12,5 / 7,90€) Das Weingut Metzger in Grünstadt-Asselheim an der Deutschen Weinstraße ist eigentlich ein ganz normales Familienweingut mittlerer Größe. Produziert wird, auch das typisch, ein ganzes Sammelsurium von Weinen: Von Spätburgunder, Riesling & Co. über Chardonnay und Cabernet bis hin zu Exoten wie Tempranillo. Ulli Metzger macht seinen Namen zum Programm und unterteilt sein Sortiment wie folgt: A Filet = die Spitzengewächse aus besten Lagen und von ältesten Reben, B Pastorenstück = die mittlere Linie und C Flanke = das Basisprogramm. Dazu kommen dann noch Namen wie Schwarzer Bulle, Flying Pig oder eben wie hier beim Weißburgunder Greenvieh. Der stammt aus der mittleren Linie, ist also ein Pastorenstück.
Der Wein weiß zu gefallen, nimmt einen mit schönem Fruchtduft sofort ein. Reife Aprikosen in ihrer pelzigen Haut, Mangosorbet, im Mund weich, exotischer Einschlag, hat Schmelz, dabei nicht dick, frisch, hinten schön lang mit weckendem Säureschwänzchen. Fazit: Süffig-saftig, tolle Frucht, modern, Inhalt passt zur Form...






19.06.2012

Maybach Riesling


Peter Mertes ist die größten deutsche Weinfabrik. Jedes Jahr stoßen die vollautomatischen Abfüllstraßen über 200 Mio. Liter Wein aus und überschwemmen die Supermarktregale zwischen Krün und Klixbüll. Es gibt eine Vielzahl von Linien und Etiketten. Manche Marketingidee mutet bizarr an, z. Bsp. die Bree Weine in ihren satinierten Designerflaschen ("Genuss in seiner schönsten Form – mit den BREE-Weinen kommt Design auf Ihren Tisch!").

Vor ein paar Tagen stand auswärts ein weiteres Highlight von Peter Mertes vor mir, ein Maybach Riesling 2010 (11%). Zitat: "Maybach - dieser Name steht für höchste Qualitätsansprüche. Nur speziell selektierte Rebsortenweine aus deutschen Anbaugebieten entlang des Rheins werden von uns mit dem Maybach-Siegel versehen und garantieren Ihnen so einen exzellenten Weingenuss. Die Winzer unserer Maybach Weine blicken dabei auf Jahrzehnte alte Weinbautraditionen zurück und haben sich so über viele Generationen das Wissen angeeignet, welches es bedarf um vollendete Weine wie unsere Maybach Weißweine zu kreieren."

Also ganz was Besonderes, exklusives. Zudem abgefüllt in satinierter Flasche mit doppeltem Scherenschnitt des Autokonstrukteurs drauf, Goldornamente. Im Glas nix Besonderes, schmal, leichte Bitternote, muß gut kalt sein und geht dann als leichte Erfrischung durch. Ist aber mit 5€ völlig überbezahlt. Eher ein Fall für einen lustigen Kommentar von Cordula Eich im nächsten Supershoppenschopper...


16.06.2012

Reichhaltig: Racknitz - Riesling von der Nahe


Mal warm, mal kühl - der Sommer kommt nicht so richtig in die Pötte. Deshalb wird z.Zt. bei den Weißen nicht nur aus dem Bereich "frisch+knackig" (klick hier) geöffnet, sondern auch serious stuff:

Louise von Racknitz-Adams und Matthias Adams sind im Weinbau an der Nahe noch relativ neu im Geschäft. Zwar ist das traditionsreiche Weingut schon seit 1753 im Familienbesitz, doch erst seit 2003 führen die beiden den Betrieb, durchaus zu neuen Qualitätsufern. Dazu gehört die Wiederbelebung alter Weinlagen wie Odernheimer Disibodenberg oder Schloßböckelheimer Königsfels, aus dem die Trauben für den verkosteten Riesling stammen. Apropos Riesling - man verzettelt sich hier nicht, die gesamte Produktion oberhalb der Gutsweine ist Riesling zu 100%. Die Einzellagen kosten zwischen 16€ und 29€, dies allerdings dann für die Niederhäuser Herrmannshöhle, die Toplage an der Nahe.
Zitat: Schloßböckelheimer Königsfels’, eine der besten Lagen der Nahe.Verschwand durch Verwahrlosung und Aufgabe in der Bedeutungslosigkeit. Das soll und wird sich ändern. Seit 2005 wird das einstmals bedeutende Grand Cru vom Weingut vom Racknitz regeneriert und bewirtschaftet. Auf seinen extrem steilen Porphyrböden stehen 40 Jahre alte Rieslingreben, die sich den Standort mit einem Biotop seltener Wildkräuter teilen, die dem Wein ein nach sommerlichen Wildkräutern duftendes Bukett vermitteln.
Der Königsfels kommt in herrlichem Goldton aus der Flasche, sehr offen in der Nase, reiche Aprikosenfrucht, erste Reife andeutend. Im Mund fordernde Dichte, cremige Frucht, würziger Kern. Ist zwar kein schneller Terrassenschlotzer, entwickelt aber durch seine saftige Art sehr schön animierenden Trinkfluß - die Flasche war überraschend schnell leer...

Von Racknitz Weine mit Anwesenheit der Winzer auch bei der großen Deutschland Probe in der Weinzeche in Essen am Samstag 23.Juni

08.06.2012

Hambacher (Weißwein)Fest: Weingut Naegele



Das Wetter ist wechselhaft, die Weine müssen daher ständig angepasst werden. Mühsam, aber das ermöglicht abwechslungsreiche Proben.
Der Mai war ja heiß, welche Weine haben den Weindeuter durch den Wonnemonat begleitet und an warmen Tagen für innere Abkühlung gesorgt ? Nun, das war (auch) eine Kollektion von erfrischend-knackigen Weißen vom Weingut Naegele aus dem traditionsreichen Hambach in der Pfalz. Da hatte mir vor kurzem ja schon der Frühlingsbote (Müller-Thurgau) gefallen. Wie überaus freundlich und im Ergebnis dann ein Glücksfall, daß mir Ralf Bonnet, der den Traditionsbetrieb zu Füßen des Hambacher Schlosses heute leitet, einen ganze Karton mit knackig-frischen Weißen zur Verkostung ins Haus geschickt hat. Und weil das keine Keller- sondern Kühlschrankweine sind, wurden sie alle in dichter Taktung hintereinander aufgezogen.

Wie viele Familienweingüter in Deutschland wird auch hier mit allerlei Rebsorten gewerkelt. Dennoch präsentiert sich das Programm klar strukturiert, oberhalb der Schoppenweine und unterhalb der Einzellagen gibt es eine Rebsortenlinie. Es sind dies natürlich keine raffiniert spontanvergorenen Charakterköpfe für Weinesoteriker, sondern in Aromatik und Aufmachung modern gemachte Weine mit klarer Stilistik. Die jeweilige Sortentypizität ist gut herausgearbeitet, präsentiert sich aber ohne Übertreibungen. Der Schwerpunkt liegt bei allen auf knackig-frischer Frucht, schon in der lustmachenden Nase, Reintönigkeit und nicht zuletzt guter Bekömmlichkeit mit moderatem Alkoholgehalt. Natürlich ist auch der neue Trend Sauvignon-Blanc dabei, der Silvaner hat etwas mehr Bass im Trunk, der Riesling kommt limettenfrisch mit anregendem Süße-Säure Spiel. 

04.04.2012

Zweimal Müller - Thurgau aus der Pfalz


Bei Müller - Thurgau muß ich immer an Schwiegermütter denken, keine Ahnung warum. Die Weine aus der von Hermann Müller aus dem Kanton Thurgau entwickelten Rebzüchtung stehen ja auch meist für leichtes, süffiges easy-drinking. Über Amazon wird gerade "Dirk Würtz' leckeres Entdeckerpaket Deutschland" vertrieben, da sind auch zwei "Müller" mit dabei...




11.03.2012

Wein auf Zollverein

Eine Highlight - Verkostung bei Katie Jones : Finessenreiche, in handwerklicher Kleinproduktion erzeugte Weiße und Rote aus dem östlichen Languedoc. Mehr dazu hier (klick).

März, der Marathonmonat für Weinfreaks. Auf der Prowein wird verkostet als gäbe es kein Morgen. Der Markt ist riesig, unübersichtlich, es herrscht Überfluß, Suff total. Manchmal fragt man sich, wer das eigentlich alles trinken soll. Aber vielleicht sind solche Überlegungen auf einem Weinblog gar nicht angebracht. Also nimmt auch der Weindeuter das Probenglas zur Hand und läßt sich einschenken. Schon am Vorabend der Prowein auf der Hausmesse von Rolf Kaspar in der Zeche Zollverein in Essen gab es interessante Gewächse "satt".

Zum Einstieg was frisches: "Gemischter Satz Riesling Gewürztraminer"  von Kühling - Gillot. Die beiden Rebsorten wachsen einträchtig im Pettental am Roten Hang nebeneinander. Duftig, milde Säure, süffig...(13,95€)

Dann ein "Gegenschluck", der Silvaner Kabinett 2011 Weingut Roth im fränkischen Wiesenbronn: Würze, Erde, Kreide, Kraft im Mund (7,50€).

Mit Piratentuch auf dem Kopf schenkt Andreas Engelmann vom Schloßgut Ebringen / Baden aus, die haben einen leckeren  Sauvignon Blanc im Programm: Reife Stachelbeere, international, ein Gefallschluck, gut (11,50€).

Der Einstieg in die rote Phalanx dann Mallorca. Castell Miquel gehört dem Pharmaunternehmer Michael Popp ("Sinupret") Auf der Homepage werden besonderes die gesundheitsförderneden Wirkungen herausgestellt („Trinke Wein und du wirst gesund sein“). Aus der Reihe Stairway to Heaven kam der dichte Syrah und der offenere feinere Cabernet ins Glas (je 21,90€).


Am Tisch daneben stehen die Pompaelos. Unter diesem Label produzieren und vertreiben Björn Steinemann und einige Freunde Weine aus dem Navarra. Die Pompaelo Crianza 2007 aus Cabernet-Sauvignon, Tempranillo und Merlot für preisfreundliche 8,95€ ist kein Weichspüler, hat Würze.



Direkt daneben Norrel Robertson, Master of Wine mit Sitz in Spanien. Der ist Schotte und bekannt als “El Escocés Volante” (The Flying Scotsman). Er präsentiert seine Weine aus der D.O. Calatayud: El Puno (Garnacha) und Dos Dedos De Frente (Syrah,Viognier). Karge Böden, extreme Höhenlage alte Rebstöcke sind hier das Rezept. Beides keine Schmeichler, kernig-kleinbeerige Frucht, kühle Mineralik, nicht fett, viel Tiefe (19€ / 21€).


Zum Abschluß was aus der Heimat - und das ist alles andere als schlecht. Peter Kriechels Früh- und Spätburgunder von der Ahr setzen einen schönen Aromenakkord. Der Walporzheimer Kräuterberg 2009 (29,95€) ist ein in jeder Hinsicht großzügiges, warmduftiges, fruchtweiches und rauchiges Muster.

Zur Probe auch hier bei Genußbereit (klick)

07.02.2012

Milch - Chardonnay: Kleines Menü auf Hugenpoet

Milch schmeckt...

Schloß Hugenpoet in den Essener Ruhrwiesen. Hier veranstaltet Thomas Kierdorf (Vino Grande / klick) alljährlich sein edles Weinspektakel. Vor allem ein Anziehungspunkt für Freunde deutscher Spitzenrieslinge. Egon Müller und Reinhard Löwenstein präsentierten persönlich. Aber auch Felix Austria war prominent dabei: Unter anderen füllten Fritz Wieninger, Dorli Muhr und Margarete Triebaumer das Zaltoglas des Weindeuters.

Doch hier soll mal die Rede sein von einem jungen Mann, der mitten im Getümmel etwas schüchtern hinter seinen Flaschen stand: Karlheinz Milch aus Monsheim aus Rheinhessen. Der führt im schönen Wonnegau ein beschauliches Familienweingut mit langer Tradition. Auf den ersten Blick eines wie viele. Mit ausuferndem Portfolio - auf 12 ha wachsen Spätburgunder, Dornfelder, Frühburgunder, St. Laurent, Domina, Cabernet Sauvignon und Merlot, Müller-Thurgau, Riesling, Grauburgunder, Scheurebe, Gewürztraminer, Silvaner und Weißburgunder.

Karlheinz Milch mit seinen Chardonnays

Und, und darum geht es hier, Chardonnay. Denn mit dem macht er seit einiger Zeit von sich reden. 2,5 ha sind damit in den kalkhaltigen Böden des Monsheimer Silberbergs bestockt.
Es gibt vier Stufen: Auf den Einstiegschardonnay für knapp unter 8€ folgt der "S". Beide kommen sehr frisch daher, saftiger Fruchtcocktail, lebendige Säure. Dann der mineralisch-würzige "Blauarsch" (14€) und schließlich der "XXL" (15% /  29€). Davon gibts nur was in guten Jahren und in sehr kleinen Mengen ( 1 Barrique). Verkostet wurde ein 2011er Faßmuster. Hier zeigt sich das volle Milch-Chardonnay-Potential. Hochkonzentrierte Reichhaltigkeit, cremige Frucht, nussig, viel Spiel, großer Chardonnay. Burgund, Kalifornien ? Nein - Rheinhessen !

Zur Hugenpoet - Probe gehört zum Glück auch ein kleines Menü. Eine gute Gelegenheit, die Weine einem kleinen Praxistest zu unterziehen...

  • Marinierte Rotbarbe mit mediterranem Gemüse auf geröstetem Landbrot
  • Rotkrautsuppe mit Cranberries
  • Elsässer Zwiebeltarte mit Rapunzelsalat
  • Ochsenschwanzragout im Wirsingköpfchen
  • Filetspitzen mit Pommery Senfsauce und Mousselinekartoffeln




25.01.2012

Cabernet Mitos: Roter deutscher "Rutscher"


Dauerregen, dunkel, kalt - da bleibt man im Haus und trinkt Wein. Mal nachsehen, was im Keller so rumliegt, in der Exotenecke. Da warten immer noch zwei Flaschen aus Hawaii auf ihre Verkostung. Die bleiben aber noch unten, jetzt ist erstmal ein deutscher Roter dran. Der kommt nicht weniger exotisch daher, "Überseeflasche" mit großem Kragen, dazu die Kammerpreismünze in bronze (!). Drin ist ein Cabernet Mitos, gewachsen, vergoren, abgefüllt und verkorkt von Paul Neumann in Wallhausen an der Nahe.

  • "Wallhäuser Backöfchen" Cabernet Mitos 2006 Barrique Paul Neumann / Nahe (14% / 13€) Paul Neumann ist ein solider Winzer, der noch seine Telefon - und Faxnummern auf das Etikett schreibt. Und der, wie viele deutsche Weinmacher auch, trotz überschaubarer Betriebsgröße über die Jahre ein umfangreiches Programm aufgebaut hat. Es gibt Bacchus, Cabernet-Mitos, Portugieser, Chardonnay, Dornfelder, Grauer Burgunder, Dunkelfelder, Kerner, Portugieser, Riesling, Spätburgunder, Rivaner, Scheurebe,Weißer Burgunder. Das alles zum Teil auch noch unterschiedlich als trocken, feinherb oder lieblich ausgebaut, dazu kommen im Barrique ausgebaute Versionen. Außerdem noch div. Sekte incl. Flaschengärung und Hochprozentiges aus dem eigenen Brenngut. Für jeden Geschmack also etwas dabei und man könnte natürlich jetzt abwinken und meinen, daß aus so einem Gemischtwarenladen, nix G´scheites rauskommen kann. Zudem mit einigen unter Weinfreaks nicht gerade angesagten Rebsorten wie diesem Cabernet Mitos. Das ist nämlich eine Neuzüchtung aus Cabernet-Sauvignon und Blaufränkisch. Doch hier ist jetzt mal eine gewisse Offenheit gefordert. Der Wein steht nämlich gar nicht so uninteressant im Glas. Nach 5 Jahren immer noch sehr dunkel und blickdicht, deutliche Fruchtnase, sattes Cassis (erinnert hier an einen Chilenen wie Errazuriz Cabernet Sauvignon), leichter Karamellton. Im Mund läst der Mitos dann viel Milde walten. Er ist ein süffiger "Rutscher", ohne störende Säure und Gerbstoffe. Also nix für Weindialektiker, die immer auf der Suche nach Ecken und Kanten sind. 
Paul Neumann und seine Roten

05.12.2011

Aldi - Wein vom Papst


Drunkenmonday hat es schon gepostet (klick hier), mir ist es gestern bei Jauchs Jahresrückblick auch aufgefallen:

Auf der Mattscheibe erschien der neunjährige Tobias Schulte, der den Papst zu seiner Kommunion eingeladen hatte. Der konnte aber leider nicht vorbeischauen. Stattdessen wurde Tobias ins Konzerthaus Freiburg eingeladen, einer der Stationen Benedikts bei seinem Deutschlandbesuch im September. Da gabs am Ende für die Ehrengäste einen Wein mit Widmung, auch für den jungen  Papstfan. Diesen "Schatz" hielt er stolz in die Kamera: "Den trinke ich, wenn ich achtzehn bin !"
Die Flasche kam mir bekannt vor, ich hatte sie erst am Tag vorher verkostet: Der aktuelle Spätburgunder 2008 aus der Fritz Keller Edition von Aldi (5,99€). Den wollte ich eigentlich gar nicht posten, war aromatisch kein besonderes Highlight. Ein korrekt gemachter Badenser, weich, "trinkige" Tischweinqualität. Möchte ich in neun Jahren nicht mehr unbedingt im Glas haben...
Warum wurde ausgerechnet der Aldi ausgewählt ? Es gab zum Anlaß ja auch die sogenanten Papstweine (Post im September hier). Vielleicht gefiel den Katholiken, neben dem günstigen Preis, ja auch das Bild von Paul Klee auf dem Etikett, der aufstrebene rote Pfeil...




22.11.2011

Dornrößchen - "Schmusewein" aus Dornfelder und Rosenmuskateller


Nach den "Romantikweinen" vom Mittelrhein (klick) hatte der Weindeuter vor ein paar Tagen schon wieder einen "Schmusewein" im Glas, einen absoluten Exoten aus Rheinhessen: "Dornröschen" Dornfelder & Rosenmuskateller vom Weingut Jean Buscher (10,5% 10€).

Puristen könnten jetzt hier abwinken und einwenden, es muß ja nicht jede flüssig gewordene Marketingidee getrunken werden, die sich deutsche Winzer auf der Suche nach Absatz ausgedacht haben. Hier würde man aber einen interessanten Aromenkick verpassen. Außerdem ist die ganze Aufmachung des Dornröschens mit der bedruckten Flasche in Rosa und Gold so, naja, kitschig, daß es mich schon wieder anmacht.
Die Verbindung vom Massenträger Dornfelder mit dem duftigen Rosenmuskateller ist auf jeden Fall gewagt. Jean Raphael Buscher hat die Rebstöcke schon vor Jahren auf einem kleinen Rebstück in bester Lage angepflanzt, das ganze in Versuchsanbau. Der selten angebaute Rosenmuskateller, eigentlich in Norditalien zu Hause, ist floral-duftig mit zarter Natursüße. Das kommt im Dornröschen schön heraus, das bildet sozusagen die Obertöne des Weins. Der Dornfelder sorgt für das blickdichte Rot und die pralle Frucht, Süßkirsche satt. Sehr weich, keine Säure, gut kühlen, ich würde hier 14 Grad nicht überschreiten.
Fazit: Ein enorm süffiger Genuß, leicht und gleichzeitig auch stoffig, dabei mit 10,5% moderat im Alkohol. Ein femininer Wein, der auch denen schmeckt, die gar keinen Rotwein mögen...

Auf dieser Basis gibt es es auch noch "Dornröschen" Sekt und Likör. Außerdem erzeugt das Weingut Jean Büscher ("von Könnern für Kenner") auch einen Dornröschen Weißwein aus Muskateller- und Gewürztraminertrauben. 

Zitat: "Der fruchtige Geschmack regt unsere Vorstellungskraft
an und lässt die Märchenfigur der 
Königstochter Dornröschen vor unserem
inneren Auge Gestalt annehmen."