Posts mit dem Label Kulinarik werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Kulinarik werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

26.10.2012

Große Rumänienprobe


Wein ist in Rumänien Alltagsgetränk, er wird in großen Mengen hergestellt und auch konsumiert. Von der Rebfläche her ist es Europas Weinland Nummer fünf, hinter Spanien, Frankreich, Italien und Portugal. Die Anbaufläche liegt immerhin bei 239.000 Hektar. 90% davon trinken die Rumänen selber aus.
Doch wie sieht es mit dem Export aus? Nach dem Zusammenbruch der staatssozialistschen Länder gab es manche Versuche, Balkanweine in westeuropäische Weinkehlen zu leiten. Der Erfolg blieb begrenzt, Ostweine fristen bei uns nach wie vor ein absolutes Nischendasein. Ausnahmen wie der Enira aus Bulgarien oder das ein oder andere aus Ungarn bestätigen diese Regel. Vielleicht kommt demnächst mehr von der Adria aus Kroatien. Das entwickelt sich ja stark touristisch, und Urlaubsweine werden auch zuhause gerne getrunken.
Aber zurück zu Rumänien. Hier schon länger bekannte (Wein)namen sind die Schwarze Mädchentraube, schon in meiner Jugend als Sekt ein beliebter Partyknaller. Der war süß und den mochten auch die Mädchen. Auch Cotnari und Murfatlar kennt man schon länger, vor allem mit der Assoziation "klebrig süß". Eine Probe rumänischer Weine, veranstaltet im Restaurant Transilvania im Norden von Gelsenkirchen, bot Gelegenheit, alte Vorurteile zu revidieren und eine aktuelle Bestandsaufnahme vorzunehmen.

Zunächst zu den verkosteten Weinen, danach folgt unten noch das große Menü in Wort und Bild...


1) "The Legend of Transylvania" /Recas 13,5% Laut Etikett sind hier "The Grapes of Immortality" drin. Nun, zum Einstieg also gleich einer, der auf den Draculamythos anspielt. Der Rosé hat Wumms, etwas Himbeere in der Nase, im Mund ziemlich fett, wenig Säure, dafür reichlich Restsüße. Kalt getrunken mag der manchem schmecken...
2) Premiat Dry Riesling "A Monsieur Henri Selection" 2012 Jidvei (12%/4,50€) Schmale Nase, im Mund dominiert vergorener Apfel, Säure, kein Matchwinner.
3) Tezaur Sauvignon blanc und Feteasca Regala 2010 Jidvei (12%/7€) Auch hier verhaltene Nase, nur leichtes Sauvignon-Parfüm, im Mund leicht, etwas Zitrus. Kann man trinken, ist aber langweilig.



4) "Reserva dulce" Feteasca Alba / Jidvei 2002 (12%) Die erste Überraschung, ein 10 Jahre alter Rumäne aus der authochtonen Weißen Mädchentraube. Sattes goldgelb im Glas, oxydative Noten in der Nase, viel Honig, Orangeat, Rosenwasser. Im Mund cremig, dabei nicht zu fett, transportiert auch noch etwas Säure mit, lecker das süße Goldtröpfchen.
5) "Sole Barrique" Feteasca Regala 2010 / Recas (13%/7€) Moderne Aufmachung hier, reiche schöne Frucht, reife Aprikose, im Mund angenehm, läuft geschmeidig, könnte auch ein gut gemachter Weißburgunder aus dem Badischen sein. „Cramele Recas” ist übrigens ein großes Weinbauunternehmen mit über 500ha Anbaufläche, ausgestattet mit aktueller Technik, der Chefönologe kommt aus Australien.
6) "Mustoasa Limited Release" 2008 / Recas (12,5%) Reife Fruchtnase, Quitte, Toastnoten, im Mund Honigsüße, reife Birne, hat Länge, origineller Wein.



7) "Grasa de Cotnari" / Vinia Cotnari 2008 (11%/3,50€) Wieder ein süßes Früchtchen, im Ganzen aber verhalten, recht dünn, "leichter Frauenschluck".
8) "Castel Huniade" Merlot/Pinot Noir 2011 / Recas (13,5%/3,60€) Der erste Rote, internationale Reben, international gefällig gemacht, ganz in Richtung weich und süffig. Duftiges Schoko-Toffee im Glas, weich, recht süß, warm im Mund. Für den Preis völlig in Ordnung...
9) "La Putere" Feteasca Neagra 2011 / Recas (14,5%/6,99€) Fette Bombe, bereitet aus der Schwarzen Mädchentraube. Der Wein ist ein Nase - und Mundfüller. Der Karpathische Braunbär auf dem Etikett passt, völlig kompatibel für Freunde kräftiger, fruchtsüßer und gerbstoffarmer Wuchtbrummen.



10)  Feteasca Neagra 2009 / Domeniile Tohani (11,5%/4€) Nach dem eingängigen Bären hier ein sehr eigenes Gewächs. Gleiche Rebsorte, aber völlig anderer Wein, fremde Nase nach eingekochten Kräutern, leichter Muff, im Mund dann besser, fein, etwas schwarze Johannisbeere. Rumänische Eigenart gefunden oder Weinfehler, ich entscheide mich für ersteres...
11) "Sole" Cabernet Sauvignon 2009 / Recas Vertrauter Duft, feine Cabernetnase nach kleinen schwarzen Beeren, sauber, im Mund frisch, saftig. Keine Süßbombe wie viele vorher. Bordeaux-style, sehr gut.
12) "Syrah Limited Release" 2009 / Recas (13%/7€) Auch hier eine reguläre Sache, der Wein ist gut gemacht, süß-würzige Nase, im Mund pfeffriger Schmackes, zurückhaltend in den Gerbstoffen, warmer Schluck.



13) Der Höhepunkt dann ein rumänischer Klassiker: "Lacrima lui Ovidiu" /Murfatlar (15%/9€) Der römische Dichter, von Kaiser Augustus nach Rumänien verbannt, schrieb vor 2000 Jahren: "Rings ein Volk von Wilden, meines Gesanges nicht wert." Ovid ist auch dort gestorben, sein Grab in Constanza am Schwarzen Meer ziert eine große Statue, Ovidiu ist bis heute ein beliebter Männername, und ein populärer aufgespritteter Wein ist eben die "Tränen des Ovid". Nun, dieser "vin special licoros" war ein angenehmer Dessertwein wie man ihn erwartet. Süße, reife Dörrobstnase, Honig, cremig und voll im Mund. Steht in einer Reihe mit einem guten Muscat de Beaumes de Venise z.Bsp.

Die Weine mußten zum Glück nicht auf nüchternen Magen verkostet werden, zur Probe gab es auch einen interessanten Einblick in die kulinarische Welt Rumäniens. Und zu den im besten Sinne bäuerlich geprägten, fleischlastigen und deftigen Speisen entwickelten auch die zum großen Teil docht recht süßbetonten Weine durchaus noch einmal neue Qualitäten.


Die Vorspeisen, darunter frittierte Grieben, Schinken von Schwein, Hirsch und Lamm
Die Suppen: Kutteln, Huhn, Rind, Bohnen und Lamm 
Hauptgerichte: Wurst-Bohneneintopf, Hackröllchen, Krautwickel, Geschnetzeltes mit Polenta, Ei und Käse, gefülltes Schweinefilet im Netz, gefüllte Ente ohne Knochen 

Kunstvoll gemacht, die Ente...
Desserts: Cremeschnitte, gefüllte süße Ravioli, Palatschinken, Krapfen mit Creme und süßer Beerensoße




Rumäniens Weinbauzonen ziehen sich vom Schwarzen Meer über das Hügelland der Vorkarpaten bis zum siebenbürgischen Hochland. Zentral liegt eine Zone innerhalb der Karpaten auf dem Hochland von Transsilvanien, die beiden anderen außerhalb um die Karpaten herum. Im Osten findet man Weinbau daher in der Region Moldau, im Süden in den Regionen Muntenien und Oltenien sowie im Westen in Banat und Crisana. 



  • Dirk Würtz will sich in Rumänien weinmäßig engagieren, hieß es zumindest mal in einem Bericht auf SPON (klick)
  • Bezugsquelle für rumänische Weine hier bei Lautarul aus Rastatt (klick). Es gibt da noch einiges mehr, z. Bsp. die Flagschiffweine von Halewood und Vinarte für bis zu 30€ pro Flasche.
  • Rumänische Weine mit deftig-reichhaltigem Essen verkosten macht hier großen Spaß: Restaurant Transilvania in Gelsenkirchen (klick)


10.01.2012

"Anti Schuhbeck" - Hüttengaudi: Hamburger mit Weinbegleitung


Es wurde sich ja viel empört über Schuhbecks "Hüttengaudi Burger" für Mc Donalds. Fastfood stehe im Widerspruch zu seinen sonstigen Bemühungen im Bereich gesunde Ernährung und Fine Dining. Man war enttäuscht, fühlte sich betrogen, bezichtigte ihn der Unehrlichkeit, erhob gar den Vorwurf des Heuchlertums. Da hätte nur noch ein flammendes Manifest à la Stéphane Hessel gefehlt...
Oh heiliger Idealismus, der da durchschlägt. Auch der Genußkapitalismus ist kein Ponyhof, auch und gerade die Fernsehköche sind Paradebeispiele fürs Abkochen und Publikummelken. Schuhbeck ist kein für die Volksgesundheit tätiger Ernährungsberater, sondern eine durchkaptalisierte breit aufgestellte Marke. Jetzt wurde ein neues Werbesegment besetzt. Wie vorher auch schon für Herta-Wurst.
Was die Burger angeht, sicher kann man die prinzipiell besser machen. Auch die Hüttengaudiburger waren matschiger Mist. Das hat ja schon Dollase (klick) festgestellt, als er mal einen Hamburger von Mc Donalds seziert und konkrete Vorschläge gemacht hat (weniger Brotanteil, mehr Kusperelemente, weniger Cremesoße). Mein Versuch dazu fand schon in der Vorweihnachtszeit statt, mit Weinbegleitung in drei Akten:
  1. Fischmäc mit geschmortem Fenchel, Zuccini und Ziegenkäse
    Dazu ein interessanter Grieche: Chardonnay Zafeirakis 2010 (12,5% / 12€) Helles Gold im Glas, in der Nase Nuß und frisches Weißbrot, reife Banane und Birnenlikör - allerdings alles nicht überbordend, sondern ziemlich fein. Auch im Mund zart und trocken, milder Schmelz und  Säure schaffen Spannung. Schöne Länge. Nicht zu kalt trinken, die Aromen kommen schön zwischen 12-14 Grad. Kleine Menge aus Bioproduktion, Bezug u.a. über Dirk Würtz (klick).
  2. Hawaiburger mit Hühnerbrustfilet und Gruyere
    Dazu kam ins Glas der Enira 2008 (75 % Merlot, 10 % Syrah und 15 % Cabernet Sauvignon, 14,5% / 10€) aus Bulgarien, vom bulgarischen Weinprojekt von Graf von Neipperg. Wurde als 2007er schon einmal hier (klick) beschrieben. Punktete wieder mit satter Frucht, plaumig, Reifesüße, der Wein "läuft", top.
  3. Hackburger mit Röstzwiebeln, mittelaltem Gouda, Pesto und Chiliöl
    Begleitet von einem gut abgehangenen Reverendo 2001. Der Cabernet aus dem spanischen Navarra stand immer noch gut da, pikant-mürbe Nase nach Trockenfrüchten.

Feine Überraschung aus Hellas:
Zafeirakis Chardonnay, kein dicker, alkohollastiger Klopfer,
sondern ein feindifferenziertes Gewächs



05.01.2012

Nordseeweine...


Zum Jahreswechsel in Noordholland. Nach dem Chateauneuf - Highlight (klick) ging das (Wein)niveau etwas zurück. Blieb aber originell. Zum perfekten, frisch vom ganzen Fisch zugeschnittenen Matjes, stilvoll auf Papptellerchen und mit süßer Gurke, ein Weißwein im Plastikbecher: Undefinierbarer Charakter...

Dann lieber ein Wein aus der Gegend, gewachsen nur ein paar Kilometer von der Nordsee entfernt, direkt hinter der Käsestadt Alkmaar. Zu "Mosselen met frites" gab es den Rondo du Nord vom Wijngaard Nordland (12% / je 8,90€). Der wurde vor zwei Monaten schon einmal verkostet (klick hier). Der Wingert liegt 3,70 Meter unter dem Meeresspiegel. Auf mittlerweile 3000 qm Rebfläche stehen neben Rondo und Solaris auch noch die weiße Palatina und die rote Salomé. Hört sich romantisch an, und das ganze Projekt wird mit viel Liebe betrieben. Der Rote ist überraschend farbstark, kirschfruchtige Nase, auch im Mund frisch, durchaus süffig-saftig, leicht gekühlt am besten. Zu den im kräftigen Sud gegarten Muscheln völlig in Ordnung. 



Zu Silvester gab es im Grunde ein Käsefondue. Ich dachte, es sei eine gute Idee, vorher noch schnell einen Sushi /Rotweinsnack einzuschieben. Nach der entsprechenden Mövenpick Probe mit Hendrik Thoma immer wieder ein Thema. Leider diesmal kein gutes Match. Die Bento - Box vom Fischhändler sah zwar gut aus, der Reis war jedoch komplett ungewürzt. Ohne Reisessig, eingestellt mit etwas Salz und Zucker schmeckt das einfach nicht so gut. Auch der Penfolds Bin 2 dazu präsentierte sich unharmonisch. Shiraz und Mourvedré finden nicht zusammen, einerseits ein Vanilleplätzchen in Nutellea gedippt, andererseits zu viel Säure und mangelnde Fülle, das schmeckte nicht. Der Bin 2 ist mit ca. 15€ inmitten des riesigen Penfoldssortiments schon aus der etwas besseren Linie. Und ein Wein, der laut Werbung "in völliger Harmonie mit sich selbst steht".  


03.01.2012

Jahresendwein: Chef war der Chateauneuf

Chateauneuf mit Ente satt, ein Genußgipfel
Vorausgesetzt man mag Fleisch und Rotwein...

Überall in den Blogs (wein)kulinarische Rückblicke auf den Jahreswechsel. Da will auch der Weindeuter nicht hintanstehen. Gerade weil er auch kurz vor Jahresschluß an der nordholländischen Küste nochmal was ganz Schönes geöffnet hat:
Domaine Pegau Cuvée Réservée 1997 Chateauneuf du Pape (14,5 % / 49€ für den aktuellen 2009er). Was soll man sagen, natürlich einfach ein befriedigendes Erlebnis. Kein feiner Pinkel, hat immer noch Ecken und Kanten, ein Edelmann vom Lande. Der Wein ist voll da, eine dicke reife Wolke, eine große orangefarbene Sonne, ein Barockengel.
Dazu in der Aromatik perfekt passend zweierlei von der Ente: Einmal butterweiches Confit von Labeyrie, eine Topmarke mit Sitz in Landes im Südwesten Frankreichs, bekannt für feinstes "Dosenfutter" von Lachs bis Foie Gras. Die Schenkel wurden kurz im Backofen erwärmt. Dann frische knusprige Entenbrüste, dazu eine Sauce mit Orange und getrockneten Datteln. Mehr ist manchmal gar nicht nötig...





25.12.2011

Weihnachtsmenü 2011


Jedes Jahr das Gleiche, zu Weihnachten regiert die Traditon, keine kulinarischen Experimente ! Das gibt Halt auf hoher See und vereinfacht die Abläufe, auch wenn es hektisch wird. Weder Hummer noch Bockwurst - hier gibts zum Heiligabend immer: Maronencremesuppe, einen winterlichen Salat mit Orangen, roter Beete, Walnüssen und dann einen Krustenbraten vom Schwein. Nur die Weine wechseln natürlich, dieses Jahr waren dabei:
  • Der Kandidat zur Maronensuppe: Chateau de Nages "Cuvée JT" blanc 2009 Costieres de Nimes (14,5% / 15 €) Ein fast reinsortiger Roussane, selektierte Trauben, fermentiert in neuem Holz. Schlug sich tapfer, null Frischfrucht, dafür viel nussiger Schmelz. Hat Attitüde wie ein weißer Ch9dP, also nicht zu kalt genießen. Reichaltig, passte zu Gericht und Anlaß sehr gut. 
  • Zum Krustenbraten trat an Bordeaux in Gestalt von Chateau Clerc Milon 2006 (13% / 46€) Viel Rauch in der Nase, die Zigarre im Glas, mittlerer Körper, verströmt herb-männliche Attribute. Verliert sich dann aber, nicht sehr nachhaltige Aromatik. Kein Großer, blieb hinter den Erwartungen zurück. Auch der Rest am zweiten Tag startetet nicht durch.
Besserung kann nur noch der Chateuneuf bringen, der schon auf seine Entkorkung wartet, eine Flasche Pegau Réservée 1997. Die wird morgen am 2. Weihnnachtstag verputzt, schon mit Blick auf die Nordsee...

Der Sau gehts an den Kragen...



25.11.2011

Aldi Gourmandise: Bordeaux und Sushi

Aldi, der größte Weinhändler Deutschlands. Ca. 20% des deutschen Weinabsatzes gehen über die Konten der "Albrechts". In Sonderaktionen tauchen gelegentlich Genußperlen auf, auch die Fritz Keller - Weine (klick) kann man durchaus kaufen. Ansonsten geht es hier um die Basisklasse, die (wein)alkoholische Grundversorgung der Deutschen, um die sich auch Cordula Eich so liebevoll kümmert.

Aldi Nord soll ja jetzt in Sortiment und Aufmachung aufgemöbelt werden. Das ist nötig, denn im Aldi - Südreich geht es seit jeher schon etwas gediegener zu.
Ein Besuch einer Süd - Vorzeigefiliale in Mülheim an der Ruhr, der Heimatstadt der Albrechtbrüder: Sehr hell, sehr groß, Backautomaten, es duftet, 5 Kassen geöffnet, für Aldi unerwartet großes Sortiment. Im Kühlregal finden sich kleine Sushiboxen (6 Stk. / 2,99€). Dazu einen Bordeaux aus dem Aktionsweinregal (Chateau Begadanet 2008 Cru Bourgeois Medoc Vignobles Figerou (13.% / 4,99€) und fertig ist die low-budget Version von Bordeaux und Sushi. Nicht lachen, das hat seinen Reiz. Wurde in einer Probe mit Hendrik Thoma im Mövenpick Weinkeller in Dortmund vor einiger Zeit bewiesen und mit Sushi von Steffen Henssler im Hamburger Hafen untermauert. Zum Nachlesen hier und hier klicken.
Damit kann die Aldi Version nicht mithalten. Der kleine Bordeaux hatt da noch den besseren Part. Der steht nämlich überraschend duftig im Glas und bietet auch im Mund genügend Stoff. Etwas rustikal aber keineswegs  ein grüner Bitterling, wie häufig in dieser Preisklasse. Das Sushi allerdings, typisch für solche Boxen, ist zu reislastig, der Reis auch zu neutral, zu wenig pikant gesäuert.

Noch was aktuelles zu Aldi. Im Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen beginnt morgen die Ausstellung »I love ALDI« . Zitat: "Nicht nur in Arbeiterstädten wie Ludwigshafen hat die »Aldisierung« als Gegenmodell zum Luxus-Markenfetischismus alle Einkommens- und Bildungsschichten erreicht und mit dem Billig-Virus infiziert. Das Wilhelm-Hack-Museum widmet sich nun erstmals konsequent dem Thema »Discount« und »billig«. Unter dem Titel »I love ALDI« reflektieren 38 Künstlerinnen und Künstler teils unmittelbar, teils im weiteren Sinne Fragen der industriellen Lebensmittelproduktion, der Billigware und des postmodernen Konsumverhaltens."

Auch hier beim Genießer: Beiträge des Ruhrgebiets zur kulinarischen Welt, Teil IV: Aldi (klick)


24.09.2011

Sud de France 3: Menü von Peter Nicolay


Menü "Illusions de Sud de France"

Amuse Gueule Maison (1)
-Gemüseterrine, Gänseleber, Blutwurst-
*
Warmer Salat von Bouchon Muscheln und Austern
mit Tabouleh und geschäumter Vinaigrette vom Lavendel (2)
*
Melange von Dorade und Rascasse in Bouillabaissesud (3)
*
Sorbet von Reineclauden
*
Coque au Vin vom Perlhuhn mit  Ratatouille und Langustinen (4)
*
Confit von Mirabellen und Pflaumen mit Gateau au Chocolat (5)

Peter Nikolay, seit Jahrzehnten mit Leidenschaft
 
im kulinarischen Einsatz 
Sud de France, eine Marketingmaßnahme, um die Weine der Region Languedoc-Roussillon nach vorne zu bringen - damit kann ich mich durchaus indentifizieren. Man leidet dort nach wie vor unter Überproduktion in der breiten Masse. Aber es gibt dort auch jede Menge Klasse, Winzer, die mit viel handwerklicher Leidenschaft aromatisch dichte Gewächse erzeugen. Ideal ist es natürlich so etwas zu einem Menü zu genießen, welches die Aromen des Südens aufnimmt. Vor Ort, irgendwo zwischen Montpellier und Banuyls - sur - Mer.
Doch warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute so naheliegend ist, in diesem Fall im ländlichen Schermbeck-Besten zwischen Dorsten und Hünxe. Dort steht das Refugium von Peter Nicolay. Nach einigen gastronomischen Stationen ist er dort in einer ländlichen Idylle angekommen, mit viel Luft und Land für Ackerbau und Tierzucht. Getreu seinem Motto "Der Star ist das Produkt" betreibt er im Landhaus Nicolay eine französisch inspirierte Frischeküche.


Zum Weinmenü (Fotos und Menüliste oben) gab es, neben dem immer delikat-frischen Picpoul de Pinet und einem fruchtigen Rosé - Syrah (beide Vigneron de Pomerols am Étang de Thau bei Sete), einen gereiften Roten: Mas Cal Demoura "L ´Infidele" 2002 Jonquieres / Coteaux du Languedoc (13%). Ein kleines familiengeführtes Weingut, nordöstlich von Montpellier. Früher gehörte das Jean-Pierre Jullien, dessen Sohn, Olivier Jullien, mit seinem Mas Jullien einer der Qualitätspioniere des Languedoc war und immer noch zur Spitzengruppe der Winzer im Midi gehört. Aber auch Cal Demoura muß sich mit seinen Weinen überhaupt nicht verstecken, im Gegenteil. Seit 2003 haben Isabelle und Vincent Goumard den Betrieb übernommen. Er kommt aus der Elektronikindustrie, benutzt sein Geld, um sich seitdem hauptberuflich seiner Leidenschaft zu widmen. Der "Les Combariolles" wurde schon vor einer Woche bei einer Probe mit Markus del Monego in Düsseldorf verkostet (klick hier) Nun auf dem Tisch der "L `Infidele" aus 2002, also noch vinifiziert von Jean-Pierre Jullien, eingeschenkt aus der Magnum. Herrliches kardinalsrot, leicht aufgehellt. Mürbe Noten von Trockenfrüchten, rauchig. Im Mund äußerst angenehm, abgeschmolzenes Tannin, weiche volle Würze. Zeigt, wie gut diese Midi-Weine altern können.
Landhaus Nikolay, vorne wird gespeist,
hinten läuft das Essen herum...  

Peter Nicolay, flankiert von Jens Funke (re.),
zuständig für den Weinnachschub  und
vom Weindeuter, zuständig fürs  Austrinken





Sud de France 1: Qualität contra Weinsee (klick)
Sud de France 2: Genuß - Weine (klick)

05.08.2011

Italien-Menü mit 13 (!) Weinen

Gemütlich - sinnlicher Genuß
Ein kulinarischer Weingenußabend in ländlicher Idylle, im gut zwischen Bochum und Herne versteckt liegenden Schultenhof. Das hört sich sehr deutsch an, das Regiment führt hier aber ein Italiener: Giuseppe Toteda, Urgestein der Bochumer Italo-Gastronomie. Nach einigen Stationen (u.a. die legendäre Studi-Pizzeria im Bochumer Unicenter) hat er jetzt im Schultenhof seinen Anker ausgeworfen und kocht dort grundsolide Gerichte der italienischen "a la Mamma" Küche. Neben Pizza/Pasta hat er vor allem ein Händchen für alles Fleischerne, das schmeckt da.
Für das Weinmenü wurde einiges aufgeboten, 5 schöne Gänge kamen aus "Giuseppes" Küche auf die Tische (Fotos und Karte unten). Der Umfang der Weinauswahl war üppig, präsentiert wurde ein Querschnitt des italienischen Weinbaus, einmal den Stiefel von Südtirol bis Sizilien rauf und runter. Insgesamt 13 Positionen schenkte Christoph Göbel, Weinberater bei der Metro in Dortmund, in die Gläser.
  1. Prosecco La Marea Frizzante DOC Treviso
  2. Cecilia Beretta Custoza 2010 Venetien
    (leichter Sommererfrischer)
  3. Bidoli Pinot Grigio 2010
  4. Bidoli Sauvignon Blanc 2010 Friaul
    (typische Sauvignon-Nase, duftig, Stachelbeere, Minze, modern gemacht)
  5. Kellerei Kaltern Weißburgunder "Vial" 2010
    (Südtiroler Weißweinbombe, hat 14% alc., Birne Helene mit Nußsplitter im Glas, Geschmackssache, gut zu Kalbsragout-Ravioli mit Salbeibutter)
  6. Cecilia Beretta Bardolino Chiaretto Classico Rosé Venetien
    (süffig-leichter Rosé)
  7. Bidoli Merlot Friaul
  8. Itynera Nero d´Avola / Cabernet Sauvignon 2009 Sizilien
    (Modern gemachter Süditaliener, sonnenverwöhnter Schmelzer, etwas Biß durch Cabernet)
  9. Itynera Syrah 2008
    (Moderner Vollschmecker, satte Frucht)
  10. Marchese di Barolo "Ruvei" Barbera d ´Alba 2008
    (lebendiger Wein, Piemontkirsche mir Säurebiss)
  11. Fattoria dei Barbi Rosso di Montalcino 2008
    (Mainstream Sangiovese, Barbera war besser)
  12. Cecilia Beretta Amarone 15,5 % (!)
    (typischer barocker, alkoholwarmer Amaroneschmelz, schöne oxydative Bitternote)
  13. Marchese di Barolo Moscato d ´Asti Zagara
    (leichter süßer Prickler, schöner Abschluß)
Volles Programm, Gamba und Ente leider ohne Foto... 









22.07.2011

Sommer...

...ist ja was anderes als dieser verregnete Frühherbst. Deshalb mal was für die gute Stimmung...

Provence 2008

02.07.2011

Soli - Menü für Griechenland


Die Griechen haben niedriges BSP, bauen keine AKW´s, haben nicht Siemens, Benz oder BMW. Eigentlich ja ein Segen, wenn man es lieber etwas ruhiger angehen lassen möchte. Ich befürworte das. Die EU pumpt Riesensummen auf die Konnten der Hellenen, die Euros gehen von da aber natürlich direkt wieder zu den Kreditgebern: Die Finanzwirtschaft profitiert. Und die Griechen sparen sich kaputt.
Deshalb von nun an verstärkte Genußsolidarität ! Hellas ist die abendländische Wiege des Weins, auch die Heimat viel ursprünglicher Kulinarik. Zum Auftakt ein kleines, griechisch inspiriertes Menü:

  • Dolmadakia
  • Feta mit Herzkirschen
  • Gambas mit Zuccini vom Grill
  • Hühnerbrust, gefüllt mit Gambas

Griechenland-Soli: Mahlzeitvogel und Weindeuter
Dazu eine Retsina aus der Savatiano-Traube. Da wird während der Gärung etwas Kiefernharz zugegeben. Das weckte Erinnerungen an frühe Weinerfahrungen und war zu den würzigen Speisen gar nicht schlecht. Die Pinienharzzugabe erfolgt offenbar nur noch minimal, gut gekühlt sehr erfrischend.
Weitere "Griechen" waren nicht dabei, kommen aber noch. Bisher verkostete griechische Weine hier und hier. Ein Edelretsina wird übrigens hier bei Capt.Cork vorgestellt.

Großes Angebot an Weinen aus Griechenland hier beim Griechischen Weinversand.


19.05.2011

Spargel - Weine

Spargelwein 1:
Provence Rosé mit weißer Spargelmousse,

obendrauf versteckt sich Knoblauch 
Spargelwein sollte ja eigentlich aus fermentiertem Spargel hergestellt werden. Gibt es so etwas, auch außerhalb von Dürrenmatts Romulus - Komödie ? Wer das schon mal probiert hat, bitte melden. Für Weinhändler sind Spargelweine, die zum Spargel, jedenfalls eine feste Größe im Weinkalender. Direkt nach den Weinen zum Osterlamm und vor den leichten Sommerweinen. Wichtig ist nicht so sehr, wie der Wein direkt zum von der Aromatik ja eher zarten Spargel schmeckt, sondern wie er mit den zum Spargel gereichten Zugaben harmoniert. Und da reicht die Palette von klasssich-einfach mit Kartoffeln und Schinken über das Rinderfilet bis zum Hummer. Die Tendenz ist aber stets Weiß, maximal Rosé, jeweils nicht zu stark in der Säure stehend. Also vielleicht nicht den mineralisch ausgereizten Riesling aus Schiefersteillage, aktueller Jahrgang. Bei mir kamen bisher zwei Kandidaten an den Start:


Spargelwein 2:
Die "Platintaube" mit elegantem Etikett


16.05.2011

Südtirol Teil 6: Bodenständiger (Wein)genuß

Genußjause: Grauvernatsch-Schoppen und
Vinschgauer Fladen mit Schinkenspeck
Der Südtirolwanderer trinkt Wein! Allein schon deshalb haben Bergtouren dort ihren Reiz. Oben auf den Hütten und Jausenstationen ist der rote oder weiße Halbe aus der Karaffe obligatorisch. Das sind dann durchweg leichte und einfache Tropfen, trotzdem schmeckt das zu den urigen Gerichten natürlich sehr gut. Gerade wenn man ordentlich Höhenmeter in den Beinen hat. Eine authentische Bergküche gibt es noch, vor allem in familiengeführten Bergasthöfen. Speck, Butter, Käse ist häufig selbstgemacht. Überhaupt ist Südtirol durch die österreichisch/italienische Fusionskulinarik reizvoll. Der Trend geht zur Feinschmeckeralpe, z. Bsp. hier die Gompnalm (klick).
Auch Sterneköche aus dem Tal übernehmen "Gourmetpatenschaften" für Berggasthöfe. In 2011 läuft im Raum Meran dazu die Aktion Sterne/Schlösser/Almen. Na, eigentlich ein Blödsinn, aber im Rahmen der Eventkultur wohl unvermeidlich. Und die Frage ist, wer da wen eigentlich (auch ökonomisch) befruchtet. Es soll wohl eher der kulinarisch interessierte Berggeher auf die Sternelokale unten im Tal aufmerksam gemacht werden.Mittlerweile gibt es auch einen Slow-Food Genußführer Südtirol. Da hört man aber, daß die erwähnten Betriebe zahlen müssen. Hier dazu ein Beispiel und eine weitere Lokalempfehlung (klick).


Wer mal im Raum Meran unterwegs ist sollte den Hiaslhof in Videgg in 1540m Höhe oben am Schennaberg besuchen. Da werden ohne Tamtam, dafür aber mit viel Liebe und Können Standards der Südtiroler Bergküche aufgetischt: Speckknödelsuppe, Kasknödel mit brauner Butter (Bild oben), Apfelstrudel, Schwarzplentenkuchen etc.


Ganz in der Nähe kann man sich auch mit Wein eindecken. In der Vinothek Mairhofer in Schenna (Bild oben) gibt es eine große Auswahl, incl. der Qualitätsspitzen (tägliche Degustationsmöglichkeit). Der "Weinklaus" ist ein kompetenter Ansprechpartner, er vinifiziert mit Freunden auch einen eigenen Wein (klick).


Zum Abschluß der Südtirol - Posts nochmal was leckeres, sozusagen mein Südtiroler Weinideal. Auf dem linken Foto eine rustikale Speckknödelsuppe mit einem einfachen Schoppenwein oben auf dem Berg. In der Kombination und in diesem Moment ein geradliniger Genuß (so wie z. Bsp. hier)
Rechts im Tal dann ein Südtiroler Klassiker, etwas feiner zubereitet: Schlutzkrapfen mit Spinat/Käse-Füllung, dazu ein frischer und lebendiger Chardonnay "Cardellino" von Elena Walch.



19.04.2011

Männerwein aus Argentinien



Welchen Wein nimmt man für einen Männerabend ? Für einen Abend, an dem ein dickes Stück Fleisch gegrillt wird und an dem Filme von Robert Rodriguez gekuckt werden. Und an dem anwesende Männer keineswegs alle Wein- sondern in der Mehrzahl eher Biertrinker sind. Die Kriterien waren also "Fleisch, Südamerika, hoher Alkoholgehalt, leichte Trinkbarkeit für Novizen". Meine Wahl:

Machete-Mariachi-Style zum argentinischen Malbec:
Gegrillte Schweinekruste, etwas angekokelt...






25.03.2011

Parkhaus Hügel: Häppchenmenü mit Weinprobe

Sektservice in den 50er Jahren:
Zarah Leander und Arndt von Bohlen und Halbach
Das Parkhaus Hügel am Essener Baldeney See, zu Füßen der legendären Krupp - Villa gelegen, war vor allem zwischen den 50er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts eine feine und überregional bedeutende Adresse. Das große gesellschaftliche Leben auf dem "Hügel" war zwar nach ´45 erst mal vorbei,  Alfried Krupp von Bohlen und Halbach saß wegen Sklavenarbeit (Einsatz von Zwangsarbeitern) und Plünderung von Wirtschaftsgütern im besetzten Ausland bis 1951 im Gefängnis. Aber im Wirtschaftswunderland der 50er Jahre, bei Krupp war die Ära des großen Sachwalters und Generalbevollmächtigten Berthold Beitz angebrochen, fanden wieder illustre Gäste ihren Weg an den Essener Baldeneysee. Bewirtet wurde in der Regel in der Villa Hügel, gerne aber auch im Parkhaus Hügel. Die Betreiberfamilie Imhoff wurde sozusagen der "Krupp-Gastronom".
Das alles ist lange her, aktuell wird das Lokal einem umfassenden Relaunch unterzogen und an eine zeitgemäße Restauarant - Kulinarik gehoben bürgerlichen Zuschnitts angepasst. Zur Vorstellung des Ganzen zeigte die Küche von Küchenchef Suvad Memovic interessante und vor allem auch amüsante "Vorher-Nachher Teller":
links: 50er Jahre - Matjes mit gebuttertem Schwarzbrot
rechts: Matjesgeometrie 2011 

links: 50er Jahre Königsberger Klopse, noch rund
rechts: moderner Klops 2001, rechteckig
Zum den "modernisierten" Gerichten in Häppchenform gab es eine vom Essener Markus del Monego kommentierte Weinprobe mit ein paar Highlights, vor allem im Rieslingbereich:


  1. Johner Grauburgunder 2009 / Baden zu Matjes und Forellenmousse: Warmer, weicher Stil, wenig Säure.
  2. "Forster Ungeheuer" Riesling 2009 Dr. Deinhard /Pfalz zu "Meeresfrüchtecocktail" und "Kartoffellauchsuppe": Frisches Süße-Säure-Spiel, anregender Lustmacher.
  3. "Quinterra" Chardonnay 2009 Spanier-Gillot / Rheinhessen zu "Tomatenconsommé mit Zuckerschoten und Wachtelbrust" und "Gerösteter Seeteufel mit Kartoffel-Mettpüree": Cremige Nußnase, Rauch und Speck, im Mund schmelzige Kraft.
  4. "Hattenheimer Mannaberg" Riesling 2009 Freiherr Langwert von Simmern / Rheingau zu "Seezunge auf Champagnerkraut, Buchweizenblinis und Seeigel-Velouté": Wein geht mit Luft auf, herrlich "trinkig", sehr saftiges und nachhaltiges Großes Gewächs.
  5. "Berg Ebengesezze" Riesling 2009 Schloß Sommershausen / Franken zu "Königsberger Klopse mit Wirsing, Kapern und glasierten Kartoffeln": Die Überraschung, ein Frankenriesling, weniger Frucht, dafür umso mehr Stoff, erdiger Wumms, hat Charakter.
  6. "Schulen" Spätburgunder 2008 Ziereisen / Baden zu "Burger vom Hohenloher Rind mit Gänsestopfleber, grüner Spargel und geräucherte Hollandaise": Kommt, typisch Ziereisen, sehr hell und scheinbar leicht daher, dann aber doch sehr intensiv mit frischer lebendiger Frucht und hintenraus etwas Vanille.
  7. "Haardter Mandelberg" Rieslaner Auslese 2008 Weegmüller / Pfalz zu "Armer Ritter mit glasierten Birnen, Crumble und Macadamiaeis" und "Gateau von Vanuari-Schokolade mit eingelegten Zwergorange und leicht gesalzenem Karamelleis": Der süßen Basis sitzt eine freche Säure im Nacken, harmoniert sehr schön mit den Süßspeisen.

Tischkultur früher: Willy Brandt und Carl Carstens wurde im Parkhaus Hügel noch "vorgelegt"
Weiteres hier bei Genußbereit !


14.03.2011

Frühlingsgruß...


Darf man das ? Wenn anderswo offene Katastrophe herrscht, das wärmer werdende Wetter genießen, leichthändig über Wein sprechen, solche Fotos wie oben zeigen, überhaupt Genußbloggen? Nehmt diesen Post als meine Antwort, man kann sich nicht nur empören, außerdem braucht die Seele Ausgleich.

  • Théophile Roederer Brut Rosé / Champagne (12% / ca. 30€)
    Ein Kellerfund, lag da wohl schon eine Zeit. Recht saftig und weich, ohne große Säurespitzen. Sanfter leiser Erfrischer mit Stil.
  • Gerade richtig zum Ziegenfrischkäsesalat "Weindeuter", der Einstiegsriesling vom Hahnenhof in Bacharach am Mittelrhein. Kein "Kopfriesling", macht mit seiner frischen, süffig-fruchtigen Art sofort an. Solche gut gemachten Rieslinge, zudem aus dem 2009er Jahr, sollten viel mehr getrunken werden. Lieber dafür mal den kleinen süßen Aussie-Chardonnay aus Massenproduktion im Regal lassen !

    Ein Weinausflug nach Bacharach klick hier !


08.03.2011

Barriques - Rosé mit "Prioratkraft"

Kraftrosé mit Lammburger
Ein Rosé aus dem Priorat, der nicht gerade schüchtern auftritt. Kein hellrosa Wässerchen, sondern ein Wein mit Kraft und Substanz. Dazu wurde erstmalig in diesem Jahr der Grill angeworfen... 

  • "Rosat de Barriques" 2007 Celler de l´ Abadia / Gratallops / Priorat (15€ / 14,5%) Für einen Rosé sehr dunkel, würde in Würtemberg auch als Rotwein durchgehen (Trollinger !). Die ganze Machart mit Barriquesausbau ist ja auch rotweinlike, deshalb sind für den Wein 4 Jahre Reifung offenbar gar kein Problem. Sehr offen in der Nase, tiefe süßreife Frucht, macht Lust auf den ersten Schluck. Im Mund  zwar voll, viel Körper, trotzdem ungemein süffig. Leichte Süße, sehr saftig, auch dank der Kühlung merkt man den (hohen) Alkohol kaum, der Wein läuft nur so weg. Insofern ist er auch einer aus der Kategorie "Schlüpferstürmer", wie schon dieser hier. Passte sehr gut zum Lammburger vom Grill.
    Originell und hoher Spaßfaktor, deshalb 92 P. !

Bezugsquelle hier beim Priorat - Hammer


31.01.2011

Vino Grande auf Hugenpoet: Teil 1 Riesling

Sinnlicher Genuß: Reinhard Löwenstein mit seinen Rieslingen

Jedes Jahr im Januar versammelt Thomas Kierdorf "seine Winzer" in Essen. Die Veranstaltung im feinen Schloß Hugenpoet ist das Gegenteil von Beliebigkeit, man will es hier beileibe nicht jedem rechtmachen. Die Auswahl wendet sich an Fortgeschrittene, sozusagen an Leute mit "Weinabitur". Wer auf der Suche ist nach Bordeaux oder Burgund, Italien, dem neuesten "Parker-Spanier" für 7€ oder gar Übeersee ist hier falsch, das kommt alles nicht vor.
Den Schwerpunkt bilden deutsche Rieslinge und Weine aus Österreich. Und da war das das line-up in diesem Jahr wieder hochkarätig, anwesend waren Vertreter der deutschen Rieslingelite. Der Weindeuter gönnte sich eine subjektive Auswahl:
  • Battenfeld-Spanier aus Rheinhessen: Kirchenstück 2009 GG und Frauenberg 2009 GG, konzentriert, schlank, säurestraff, Modellrieslinge.
  • Wittmann der Rheinhessenklassiker: Aulerde 2009 GG, leichter Stinker, Erde, Kraft, Wucht.
  • Peter Kakob Kühn, der Individualist aus dem Rheingau: St. Nikolaus 2009 GG und Doosberg 2009 GG, sperrige, erdige, würzig-herbe Rieslinge - nix für Freunde der Frucht. 
  • Von Winning: Antipode zu Kühn, Kalkofen 2009 GG, reichhaltiger saftiger Pfälzer, weicher "Aprikosenstil", schon sehr "trinkig", lecker.
  • Schäfer-Fröhlich von der Nahe: Kupfergrube 2009 GG und Felseneck 2009 GG, wie eine Wanderung an der stürmischen Nordsee, charktervolle, dichtgepackte Essenzen.
    Da kam das Dellchen 2009 GG von Herrman Dönhoff nicht ganz mit.
  • Van Volxem: Volz 2009 GG und Rotschiefer 2009 GG, haben mir im direkten Vergleich zu den Winnings etwas besser gefallen, sehr duftig, warm, weich. Saar - Rieslinge mit Crema.
  • Geltz-Zilliken: Kontrastprogramm von der Saar, Rausch 2009 GG mit viel Mineralik, Salz und Zitrus. 
  • Markus Molitor: Großmogul von der Mittelmosel mit großem Sortiment, die trocken ausgebaute Auslese vom Nierdermenninger Herrenberg 2009, leicht, tänzelnd spielerische Frucht.
  • Heymann-Löwenstein: Schon der Riesling vom blauem Schiefer 2009 eine raffinierte Verbindung aus Himmel und Erde, Frucht und Mineralik. 2009er Uhlen GG dann purer Charakter, Tiefe, Rieslinghochgenuß von der Mosel. Ein Favorit.

    Alle Großen Gewächse zwischen 24€ und 36€ bei Vino Grande
Verkostungsraum auf Hugenpoet
Auf nüchternen Magen mußte das alles zum Glück nicht verkostet werden, die Hugenpoet - Küche (1 Michelinstern Nero) versorgte die Weinfreunde mit 5 kleinen, feinen Tellern. Alles aromatisch sehr entschieden und kräftig gemacht, gerade richtig für ein Häppchen zwischendurch. Ein Modell die Frühlingsrolle mit Entenfüllung, deftig herzhaft der Käsegriller, in Wien und Umgebung auch die Eitrige genannt...

Aber zu den "Ösis" erst morgen in Teil 2...
Herzhafte Tellerhäpchen: Hummersuppe, Wasabischaum mit Lachs, Curryquiche,  Frühlingsrolle mit Entenfüllung, Käsegriller am Spieß mit Kartoffel-Spinat-Stampf