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22.12.2013

Atzwentzweine...(1)

Adventszeit, jedes Jahr der große Countdown: Berge aus Lebkuchenherzen und Marzipankartoffeln verstopfen die Supermarktgänge. In den Städten stehen Bretterbuden, es dampft nach Glühwein und frittiertem Blumenkohl. Lichterketten spenden Glanz, tauchen den vorweihnachtlichen Wahnsinn in gnädiges Zwielicht. Da versüßt sich Weindeuter lieber die Wartezeit aufs Christkind wieder mit dem ein oder anderen Adventswein.


Am 1. Adventswochenende ging es nach Coswig/Anhalt zum Priorat-Hammer, natürlich zu einer großen Prioratprobe (Bericht folgt). Für den Einstieg am Abend zuvor hatte ich aber etwas anderes vorgesehen: Chateau de Beaucastel Chateauneuf du Pape 1995 (aktueller Preis ab 60€) Die Flasche lag schon länger im Keller, Zeit ihn aufzuziehen, er ist mit 18 Jahren ja immerhin schon volljährig. Sehr schöne intensive Rauchnase, dunkel, voll, deutliche Entwicklung, im Mund viel Wärme. Frucht und Gerbstoff sind durch Reifung zu sehr befriedigendem balsamischen Trinkfluß integriert.



Am 2. Advent dann eine Einladung zum "Kaffee". Und da kommt ohne Vorwarnung plötzlich ein großer reifer Weißer auf den Tisch und in die Gläser, sogar noch 4 Jahre älter als der Kollege vom Wochenende zuvor. Bienvenues Batard Montrachet Grand Cru / Domaine Henri Clerc et Fils. Eine legendäre Weißweinlage im Burgund, nur 3,5 ha, wie im Burgund üblich parzelliert und unter einer Handvoll Erzeuger aufgeteilt.
Altweine daraus gehen normalerweise nicht für unter 50€ weg, zum Teil weit darüber, natürlich abhängig von Erzeuger und Jahrgang (1991 war kein so guter...) Neuflaschen von Toperzeugern  kosten über 200€. Der Clerc ist günstiger, aber auch nicht für unter 100€ zu haben. Umso schöner die Geschichte, daß dieses Exemplar auf einem Bochumer Flohmarkt für unter 5 € erstanden wurde.
Aber was kann der noch, der Franzosenchardonnay? Der Korken war ziemlich durchgeweicht, geradezu flutschig und rutschte beim Ansetzten des Korkenziehers einfach nach unten in den Flaschenhals. Im Glas dann dichtes Gold bis Bernstein. Deutliche Entwicklung, aber noch lebendig, Orangenzeste, nach Öffnung und Atmung dann Trockenaprikose, einwöchige Rosenblätter, auch Nußecke. Im Mund dann noch sehr schön, angezählt aber noch nicht ausgezehrt, etwas Honig, in Summe mit edler Delikatesse.



29.11.2013

Weiß, weiß, weiß...


So, genug auf der faulen Bloggerhaut gelegen, es gibt hier wieder mehr Posts. Ist ja nicht so, daß nichts verkostet wurde in letzter Zeit, im Gegenteil. Einiges von dem, was in die stets aufnahmebereiten Gläser kam, wird jetzt in lockerer Folge im Advent hier vorgestellt.
Gleich vorweg. Weindeuter ist auf dem Weißweintrip. Vor allem der Riesling - Kleine und Große, Frische und Ältere, stahlige Mineraliker und gerne auch Kandidaten mit dem bei Puristen verpönten Zuckerschwänzchen. 



Und da ist man auch sofort beim Stichwort. Zwei Charaktertypen vom Trendsetzer und Qualitätspionier Reinhard Löwenstein, Moselaner die sehr reichhaltig auftrunpfen.
Uhlen "Laubach" 2009 Heymann Löwenstein (13% / 32€) Ein Klassiker, ein Vollschmecker, ein wahres Maul voll Riesling mit druckvollem Süß-Säure-Spiel. Röttgen 2008 Heymann-Löwenstein (13% / 22€) Weißgoldgelb im Glas, reichlich Frucht in der Nase, der Wein ist schon in der Nase ein Spaßmacher, wie gewohnt recht tropisch, deutliche Fruchtsüße, Hedonist.




Zwei Rieslinge aus dem Rheingau und aus der Pfalz, ein paar Stufen drunter: Der Kesseler R 2012 (die Edition, die für 8€ über Netto vertrieben wurde) kommt schmeichelnd feinherb rüber, der Schmitt S "Drei Steine" 2012 (10€) gibt dagegen den knackigen kernigen Typus, Zitrus, trocken, pur.


Da war noch der Sommer, zwei schöne Gartenrieslinge: Der Hexamer "Schlossböckelheimer in den Felsen" 2011 von der Nahe kommt klassisch mit schönem Säuregerüst, aber auch mit viel Frucht und deutlichem Mundvolumen (13,5% !). Dagegen steht Bopparder Hamm Ohlenberg Spätlese 2011 vom Weingut Walter Perl schlanker da, sehr frisch, straff, grüner Apfel.


Der Perl als 2012er wurde übrigens auch direkt im Hamm getrunken, hoch über dem großem Strom bei phantastischem Herbstlicht. Unten der Rheingoldbogen zwischen Lahnstein und Boppard, im Glas zusätzlich Bopparder Hamm Feuerlay 2012 von Lorenz, auch ganz auf der frischen und trockenen Spur, leichtes Brizzeln.


Der Hexamer von der Nahe durfte nochmal ran zum knusprig panierten Schnitzel, da mußte er sich aber gegen die Reichhaltigkeit und Cremigkeit eines Kandidaten aus Washington State/USA geschlagen geben: Chateau Ste. Michelle Chardonnay 2010.


Auch hier zu Pestospaghetti kam ein Chardonnay gut, diesmal aus der Pfalz: Bernhard Koch Chardonnay Rosengarten.

Und jetzt ein Exot, der ganz unverhofft auftauchte. Eine Studentin beim Boskop Weinkurs hatte das elterliche Kellerregal inspiziert und dabei eine 1989er Duttweiler Ruländer Auslese von Reinhard Momm (12%) gefunden. Und der war durchaus noch in guter, genußreicher Verfassung. Bernsteinfarbe, Honig, im Mund feine süße Cremigkeit.

In diesem Konzert spielt auch was aus dem Elsass mit und gibt einen sehr duftigen, floralen Akkord, leichte Süße, Minze, feminine Exotik: Pinot Auxerrois 2012 Domanie Saint Remy Ehrhardt.


Zum Abschluß aber nochmal Riesling, ganz feine Sache von der Mosel: Karl Erbes "Ürziger Würzgarten" Alte Reben 2012(12,60€). Old-School Aufmachung mit Bildchen vom schönen Moseltale, im Glas dann großes Kino, geschliffen klare, klassische Rieslingnoten, frische noch leicht feste Aprikosen, tolles Gaumenspiel, anregende Säure.



04.02.2013

Hugenpoet Rundgang 2013



Anders als der Betriebsname Vino Grande vermuten läßt, ist das Ladengeschäft von Thomas Kierdorf in Essen-Rüttenscheid eher klein, verkostet wird in einem gemütlichen Hinterzimmer. Viel Stammkundschaft trifft sich da, Leute mit "Weinabitur" und elaboriertem Geschmack. Das Motto ist hier klein aber fein.
Einmal im Jahr, im kalten Januar, verlagert sich aber das Geschehen, dann gibt es wirklich Vino Grande. Im Schloßhotel Hugenpoet, einer edlen von Wassergräben umsäumten Anlage in den Ruhrauen zwischen Essen Kettwig und Mülheim, inszeniert Kierdorf seine Hausmesse. Das ist jedesmal großes Weinkino, die Veranstaltung ist das Gegenteil von Beliebigkeit. Man will es hier nicht jedem recht machen. Wer auf der Suche ist nach Bordeaux, Burgund oder dem neuesten "Parker-Spanier" für 7€ oder gar Übeersee ist hier falsch, das kommt alles nicht vor.
Den Schwerpunkt der Qualitäts- und Geschmacksvorstellungen von Thomas Kierdorf bilden deutsche Rieslinge und Weine aus Österreich, dazu etwas Iberien und Südfrankreich. Eine solche Ausrichtung mit deutlicher Handschrift ist nicht ohne Risiko. Die Weine müßen erklärt werden, lautes Anpreisen, Schnäppchenangebote, Prahlerei mit Punkten und dergleichen passen hier nicht ins Konzept. Doch auch vornehmes Undersatement mobilisiert die Fans, wenngleich mir in diesem Jahr mehr Platz in den Räumen und an den Probentischen zu sein schien...


Hugenpoet: Genießer und Weindeuter (links) mit Rolli und Zaltoglas...

36 Weingüter mit 250 offenen Flaschen verteilten sich in den ehrwürdigen Salons des Hauses, Drinkers Paradise. Alles probieren geht natürlich nicht, hier ein paar Schlaglichter des Rundgangs, ohne jeglichen Anspruch auf Vollständigkeit. Zunächst Rieslingklassik von Mosel/Saar und weiteren Weißweinwonnen...

Van Volxem gewohnt stark, Dominik Völk präsentiert 2011 Scharzhofberger und 2011 Altenberg Alte Reben: Herrliche Verbindung von reichhaltiger, cremiger und gaumenfrischer Frucht und solidem Schieferfundament. Top.
Gegenüber Clemens Busch, die Pündericher zeigen die verschiedenen 2011er aus ihrer Toplage Marienburg. Anderer Stil, kompromisslos trocken, pure Mineralik, druckvoll, männliche Mundfüller, brauchen Zeit.
Leichter und im Kontrast fast erholsam kommt danach Heymann-Löwenstein in die aufnahmebereiten Gläser. Röttgen und Uhlen scheinen ganz von der weichen, sehr zugänglichen Frucht getragen.
Großes Tennis dann aus der Pfalz, aus Deidesheim. Stephan Attmann (Von Winning) erklärt intensiv, schenkt freudig ein und alles schmeckt einfach enorm gut. 2011er Langenmorgen und Pechstein sind Rieslinge am Anschlag, volle Konzentration, saftige Frucht, viel Exotik drin, mitreißend, Lustmacher pur. Überraschung dann die Sauvignon-Blancs. Eine Mode in der Pfalz? Egal, die drei Sauvignons I, II und 500 sind sensationell, werden hier nochmal gesondert vorgestellt...
Fehlt noch Chardonnay. Und da steht natürlich wieder Karlheinz Milch aus Monsheim aus Rheinhessen bereit, der sich auf diese Rebsorte spezialisiert hat. Ein eher ruhiger Winzer, er läßt seine Weine für sich sprechen. Und die befriedigen sehr, vom Einsteiger Kalkstein für unter 8€ über den Blauarsch bis zum XXL für 25€. Die müßte man mal direkt gegen Burgund stellen...



Im Obergeschoß geht es ohne Umschweife zu Terroir al Limit, Priorat extrem. Preislich, wie auch aromatisch sind diese Weine nicht unumstritten. Torsten Hammer ("The Priorat-Guide") beklagte sich bei einer früheren Verkostung mal über allzu knapp bemessene Probenschlückchen von Dominik Huber, die ein reguläres Verkosten kaum zuliessen. Aber auch jenseits solcher Anekdoten polarisieren diese Weine die Prioratgemeinde. Man strebt hier Finesse an. Die auf den Schieferböden des Priorat intensiv-kräftige Grenache wird gebändigt, sozusagen "burgundisiert". 
Wiederum ein Kontrast dann die Weine der Domaine Horizon aus dem Roussillon, neu im Programm bei Vino Grande. Thomas Teibert ist ein barock-salopper Typ mit roter Hose und Hosenträger und macht Wein im Hinterland von Perpignan. Irgendwie fällt mir da sofort Gerard Gauby ein. Der kommt ja auch aus Calce und sieht auf Fotos immer ähnlich aus. Und tatsächlich gibt es eine, sogar sehr enge Verbindung: Teibert und die Tochter von Gauby haben ein gemeinsames Kind...



Nun, die Teibertschen Reben haben Meerblick, deshalb der "Horizont." Preislich sind die Weine nicht schüchtern kalkuliert, schon der rote Einsteiger Esprit de l ´Horizon kostet 19,50€. Für den Domaine de l ´Horizon werden 33€ fällig. Beide sind aber top, der neue Südstil ohne Überkonzentration, haben delikate Frucht, trotzdem natürlich genug satte Sinnlichkeit und Schmelz, sehr gut.

Dann Österreich, ein Schwerpunkt von Thomas Kierdorf. Dorli Muhr und Fritz Wieninger nebst ihren Weinen glänzten diesmal durch Abwesenheit. Eine feste Größe auf Hugenpoet ist aber Margarethe Triebaumer. Ihr Ried Mariental (2010) repräsentiert den sehr straighten Blaufränkisch-Stil. Der erfährt seine Klasse durch fokussierte kühle Frucht und Mineralik, wenig Holz, großer Wein für Medoc-Freaks. Mehr Wonne und Wärme dann bei Hans Nittnaus, auch aus dem Burgenland. Der Erfinder des Pannobile-Konzepts schenkte seinen 2010er Pannobile allerdings aus halben Flaschen aus, die reguläre Größe ist ausverkauft. Satte Kirsche, Vanille, reichhaltig, Top-Wein.

Eine Legende zum Schluß, im roten Salon präsentieren in absolut bescheidener Weise René Barbier und seine Frau Isabelle ihre Flaschen. Auch wer vom Priorat keine Ahnung hat - Clos Mogador kennt jeder. Einer der Begründer des neuen Priorat, Trendsetzer und bis heute Qualitätsmotor für die Region. Clos Mogador 2010 aber auch ´05er und ´08er Manyetes zeigten Größe, reichhaltige, dunkle Weine mit Tiefgang.



Was noch? Der Rest ist Schweigen. Sicher kamen noch einige weitere mouth-pleaser ins Glas. Aber unter uns, Hugenpoet ist auch mal einfach sinnlicher Genuß, ohne dauernde Analyse und Verkostungsnotizen. Besser als hier retrospektiv nachzulesen ist auf jeden Fall ein wirklicher Besuch. Nächste Chance also Januar 2014...

Zur Hugenpoet Probe auch hier bei Genußbereit (klick)








Hier die komplette Winzerliste


Sekthaus Raumland, Flörsheim-Dalsheim, Rheinhessen
Weingut Schloss Lieser, Lieser, Mosel
Weingut Pauly, Lieser, Mosel
Weingut Markus Molitor, Zeltingen, Mosel
Weingut Heymann-Löwenstein, Winningen, Mosel
Weingut Van Volxem, Wiltingen, Saar
Weingut Forstmeister Geltz-Zilliken, Saarburg, Saar
Weingut Hermann Dönnhoff, Oberhausen an der Nahe
Weingut Johann Baptist Schäfer, Burg Layen, Nahe
Weingut Battenfeld-Spanier, Hohen-Sülzen, Rheinhessen
Weingut Kühling-Gillot, Bodenheim, Rheinhessen
Weingut Wittmann, Westhofen, Rheinhessen
Weingut Milch, Monsheim, Rheinhessen
Weingut Von Winning, Deidesheim, Pfalz
Weingut Jürgen Leiner, Ilbesheim, Pfalz
Weingut Zehnthof - Luckert, Sulzfeld, Franken
Weingut Schloss Gobelsburg, Gobelsburg, Kamptal
Weingut Kurt Angerer, Lengenfeld, Kamptal
Weingut Franz Proidl, Senftenberg, Kremstal
Weingut Knoll, Dürnstein, Wachau
Weingut Anita & Hans Nittnaus, Gols, Burgenland
Weingut Kollwentz, Großhöflein, Burgenland
Weingut Wenzel, Rust, Neusiedlersee
Weingut Ernst Triebaumer, Rust, Neusiedlersee
De Sousa & Fils, Avize, Champagne
Domaine de l´Horizon, Calce, Roussillon
Domaine Matassa, Calce, Roussillon
Celler de Capçanes, Capçanes, Montsant
Cava Gramona, Sant Sadurní d'Anoia, Penedes
Clos Mogador, Grattalops, Priorat
Terroir al Limit, Torroja del Priorat
Azienda Agricola Vigna Rionda di Massolino, Serralunga d´ Alba, Piemont
Marchesi Mazzei, Castellina in Chianti, Toscana
Niepoort Vinhos, Quinta de Napoles, Douro
Obstkellerei van Nahmen, Hamminkeln, Niederrhein


10.12.2012

Adventswein 2: Weiße Südfranzosen


Am zweiten Advent kamen zwei Weiße aus dem Süden Frankreichs in die aufnahmebereiten Gläser. Wobei gleich vorweg gesagt werden muß, daß sie nicht "gegeneinander antraten", bitte kein wine-battle in friedlicher Lichterkettenkerzenzeit. Auch beim Hinweis auf die Bezugsquellen soll jeglicher Konkurrenzgedanke vermieden und nur kurz vermerkt werden, daß die Weine von den beiden Platzhirschen im Ruhrpott kommen, der Weinzeche in Essen und dem Mövenpick Weinkeller in Dortmund. Pure Harmonie also - auch im Glas? Im Grunde ja, wenn man bereit ist, in erster Linie mal nicht auf Frucht und Frische zu setzen, sondern auch würzige Fülle zu ihrem Recht kommen zu lassen.

Der Chardonnay 2011er der Domaine Pesquie (12,5% / 9,90€) kommt aus Mormoiron, ein Dorf zu Füßen des mächtigen Ventoux. Im direkten Vergleich etwas leichter, gefällt mit reifer Birne und floralen Noten, ist relativ weich, behält aber ausreichend Säure für angenehm frisches Mundgefühl. Ein stärkeres Kaliber dann der weiße Chateau de Nages "Vielles Vignes" (Costiere de Nimes / 13,5%/11€).  Der Wein kommt vom anderen Ufer der Rhone, das Anbaugebiet liegt geographisch eigentlich schon im Languedoc. Mehr Baß schon in der Nase, kein Früchtchen, hier steht ein warmer Würzer im Glas. Sowas mag nicht jeder, Weiße von der südlichen Rhone aus Grenache Blanc und Roussanne, zumal mit Barriqueausbau, polarisieren manchmal. Das hab ich bereits bei erheblich teureren weißen Chateauneufs erlebt, da läßt schon mal eine 100€ Flasche Beaucastel blanc die Verkoster etwas ratlos zurück. Dies hier ist seriöser Saft, selektierte Trauben von alten Reben. Schön gelb im Glas, etwas Vanille, getrocknete Orangen. Der Wein braucht Luft, am besten war er einen Tag später, dabei nicht zu kalt trinken, entwickelt dann im Mund Fülle mit cremiger Exotikfrucht.





07.02.2012

Milch - Chardonnay: Kleines Menü auf Hugenpoet

Milch schmeckt...

Schloß Hugenpoet in den Essener Ruhrwiesen. Hier veranstaltet Thomas Kierdorf (Vino Grande / klick) alljährlich sein edles Weinspektakel. Vor allem ein Anziehungspunkt für Freunde deutscher Spitzenrieslinge. Egon Müller und Reinhard Löwenstein präsentierten persönlich. Aber auch Felix Austria war prominent dabei: Unter anderen füllten Fritz Wieninger, Dorli Muhr und Margarete Triebaumer das Zaltoglas des Weindeuters.

Doch hier soll mal die Rede sein von einem jungen Mann, der mitten im Getümmel etwas schüchtern hinter seinen Flaschen stand: Karlheinz Milch aus Monsheim aus Rheinhessen. Der führt im schönen Wonnegau ein beschauliches Familienweingut mit langer Tradition. Auf den ersten Blick eines wie viele. Mit ausuferndem Portfolio - auf 12 ha wachsen Spätburgunder, Dornfelder, Frühburgunder, St. Laurent, Domina, Cabernet Sauvignon und Merlot, Müller-Thurgau, Riesling, Grauburgunder, Scheurebe, Gewürztraminer, Silvaner und Weißburgunder.

Karlheinz Milch mit seinen Chardonnays

Und, und darum geht es hier, Chardonnay. Denn mit dem macht er seit einiger Zeit von sich reden. 2,5 ha sind damit in den kalkhaltigen Böden des Monsheimer Silberbergs bestockt.
Es gibt vier Stufen: Auf den Einstiegschardonnay für knapp unter 8€ folgt der "S". Beide kommen sehr frisch daher, saftiger Fruchtcocktail, lebendige Säure. Dann der mineralisch-würzige "Blauarsch" (14€) und schließlich der "XXL" (15% /  29€). Davon gibts nur was in guten Jahren und in sehr kleinen Mengen ( 1 Barrique). Verkostet wurde ein 2011er Faßmuster. Hier zeigt sich das volle Milch-Chardonnay-Potential. Hochkonzentrierte Reichhaltigkeit, cremige Frucht, nussig, viel Spiel, großer Chardonnay. Burgund, Kalifornien ? Nein - Rheinhessen !

Zur Hugenpoet - Probe gehört zum Glück auch ein kleines Menü. Eine gute Gelegenheit, die Weine einem kleinen Praxistest zu unterziehen...

  • Marinierte Rotbarbe mit mediterranem Gemüse auf geröstetem Landbrot
  • Rotkrautsuppe mit Cranberries
  • Elsässer Zwiebeltarte mit Rapunzelsalat
  • Ochsenschwanzragout im Wirsingköpfchen
  • Filetspitzen mit Pommery Senfsauce und Mousselinekartoffeln




10.01.2012

"Anti Schuhbeck" - Hüttengaudi: Hamburger mit Weinbegleitung


Es wurde sich ja viel empört über Schuhbecks "Hüttengaudi Burger" für Mc Donalds. Fastfood stehe im Widerspruch zu seinen sonstigen Bemühungen im Bereich gesunde Ernährung und Fine Dining. Man war enttäuscht, fühlte sich betrogen, bezichtigte ihn der Unehrlichkeit, erhob gar den Vorwurf des Heuchlertums. Da hätte nur noch ein flammendes Manifest à la Stéphane Hessel gefehlt...
Oh heiliger Idealismus, der da durchschlägt. Auch der Genußkapitalismus ist kein Ponyhof, auch und gerade die Fernsehköche sind Paradebeispiele fürs Abkochen und Publikummelken. Schuhbeck ist kein für die Volksgesundheit tätiger Ernährungsberater, sondern eine durchkaptalisierte breit aufgestellte Marke. Jetzt wurde ein neues Werbesegment besetzt. Wie vorher auch schon für Herta-Wurst.
Was die Burger angeht, sicher kann man die prinzipiell besser machen. Auch die Hüttengaudiburger waren matschiger Mist. Das hat ja schon Dollase (klick) festgestellt, als er mal einen Hamburger von Mc Donalds seziert und konkrete Vorschläge gemacht hat (weniger Brotanteil, mehr Kusperelemente, weniger Cremesoße). Mein Versuch dazu fand schon in der Vorweihnachtszeit statt, mit Weinbegleitung in drei Akten:
  1. Fischmäc mit geschmortem Fenchel, Zuccini und Ziegenkäse
    Dazu ein interessanter Grieche: Chardonnay Zafeirakis 2010 (12,5% / 12€) Helles Gold im Glas, in der Nase Nuß und frisches Weißbrot, reife Banane und Birnenlikör - allerdings alles nicht überbordend, sondern ziemlich fein. Auch im Mund zart und trocken, milder Schmelz und  Säure schaffen Spannung. Schöne Länge. Nicht zu kalt trinken, die Aromen kommen schön zwischen 12-14 Grad. Kleine Menge aus Bioproduktion, Bezug u.a. über Dirk Würtz (klick).
  2. Hawaiburger mit Hühnerbrustfilet und Gruyere
    Dazu kam ins Glas der Enira 200(75 % Merlot, 10 % Syrah und 15 % Cabernet Sauvignon, 14,5% / 10€) aus Bulgarien, vom bulgarischen Weinprojekt von Graf von Neipperg. Wurde als 2007er schon einmal hier (klick) beschrieben. Punktete wieder mit satter Frucht, plaumig, Reifesüße, der Wein "läuft", top.
  3. Hackburger mit Röstzwiebeln, mittelaltem Gouda, Pesto und Chiliöl
    Begleitet von einem gut abgehangenen Reverendo 2001. Der Cabernet aus dem spanischen Navarra stand immer noch gut da, pikant-mürbe Nase nach Trockenfrüchten.

Feine Überraschung aus Hellas:
Zafeirakis Chardonnay, kein dicker, alkohollastiger Klopfer,
sondern ein feindifferenziertes Gewächs



13.04.2011

Zwei weiße Langeweiler aus dem Piemont


Zwei moderne Weiße aus dem Piemont: Sicher könnte man jetzt (wieder mal) schreiben, wie gut die Weine zum Frühling passen. Die Flaschen sehen ja auch schön aus, so im Grünen. Solche hellen, frischen und leichten Weine mit netter Aufmachung verkaufen Weinhändler viel, gern auch an ein weibliches Publikum.
2010 Araldica Piemonte Chardonnay (6,50€ / 12%)
2010 Araldica Piemonte Cortese (5,90€ 7 11,5%)
Einen großen Unterschied in der Aromatik konnte ich nicht erkennen, immerhin war es einmal der internationale Chardonnay und einmal der einheimische Cortese. Beides sind reintönige Stahltankweine, die allen schmecken, sanfte Wässerchen, die nicht weiter stören und weitgehend geschmacksneutral und säuremild runterrutschen. Eigentlich nichts gegen zu sagen, und die beiden Testflaschen waren ja auch schnell weg. Trotzdem hatte ich mehr erwartet als das, was gerne auch als "Spargelwein" bezeichnet wird.


29.03.2011

Neues Deutschland

Deutsche Winzer und auch viele Weinhändler propagieren gerne traditionelle Rebsorten. Lokale Identität beim Wein ist gut, darf aber nicht in Hardcore - Regionalismus ausarten. Wer will schon die Diktatur von Riesling und Spätburgunder ? Aus "deutschen Rebgärten" kommt mittlerweile so viel mehr, offenes Weindenken ist angesagt. Zwei Beispiele, probiert am Wochenende auf der Weinmesse in der Zeche Zollverein in Essen. Zwei aromatische Pfälzer, auch für Weinfreunde, die sich sonst gern am europäischen Süden oder an Übersee orientieren.

  • Hier wird stark die Ökokomponente betont. Biodynamik, Spontangärung, spätes Abfüllen, Terroirkonzept - der junge Sven Leiner zieht alle Register und begießt seine Reben auch schon mal mit Kamillentee. Ausführlich und sehr schön seine Hompage (klick) zum Thema, da auch verlinkt ein Artikel von Axel Biesler aus Slow Food 3/2006.
    Zitat: "Der frische Chardonnay-Most wurde unfiltriert in Barriques aus französischer und pfälzer Eiche gefüllt, Vergärung mit natürlicher Hefe, incl. biologischem Säureabbau. Der Wein verweilte insgesamt 11 Monate im Barrique, währenddessen wurde die Hefe hin und wieder aufgerührt."
    Der "Hadorne" ist nicht schüchtern. Deutliches gelb, er "wagt Nase", volle Frucht, eine reiche Schale mit Mango, Papaya und Karambole. Auch im Mund fruchtiger, reifesüßer Schmelz. Es muß nicht immer fordernde Mineralik sein...
  • "Tu le Merites" 2008 SHP Weincooperation Pfalz / Deutschland (12,50€ / 13%) Das Gemeinschftsprodukt der beiden Pfälzer Markus Schneider und Thomas Hensel. Der Wein scheint "ganz weit weg von Deutschland", um mal Stuart Pigott zu zitieren. Eine Cuvée aus Cabernet-Sauvignon, Merlot und Syrah, teilweise Ausbau im Barrique. Tiefe reifsaftige Frucht schon in der Nase. Der will schmecken und der schmeckt auch: Brombeere, Cassis, Minze, Tabak. Die Gerbstoffe sind offen, die Säure steckt ganz in der Frucht.
Bericht zur Zollvereinweinmesse hier beim Genießer.

10.01.2011

China - Chardonnay


Europäische Weinklassiker sind in China beliebt (hier und hier). Ich habs mal umgekehrt gemacht und mir einen renommierten "Chinesen" ins Glas geholt. Leider war der schon etwas verwelkt und befand sich im Stadium fortgeschrittener Oxydation.
Das Shandong Gebiet liegt an Chinas Ostküste am Unterlauf des gelben Flusses, Weinbau hat hier Tradition.  (z.Zt. 140 Kellereien, 40% Anteil an der chinesischen Traubenproduktion). Changyu-Castel ist ein Joint-venture (seit 2002) zwischen der französischen Castel Weingruppe und der chinesischen Changyu Gruppe und wohl immer noch die feinste Adresse im chinesischen Weinbau.
Changyu ist die älteste chinesische Weinkellerei, Gründungsjahr war 1892. Damals übrigens mit österreichischer Hilfe. Der österreichische Konsul Baron Max von Babo war der erste Kellermeister und brachte Fässer und Pressen aus Österreich mit. Zur Lesezeit wird heute ein französischer Önologe eingeflogen, der sich um den Ausbau der Weine (etwa 80% Rotwein) kümmert. Laut eigenen Angaben ist der 2.700 qm große Keller der modernste Chinas. Alle Weine werden im Inland über das gut ausgebaute Händlernetz der Mutterfirma Changyu verkauft. Die Weine kosten vor Ort umgerechnet über 30€, sind also im Erzeugerland teure Luxusprodukte.
Shandong ist "cool climate", es gibt weniger fett-alkoholreiche Weine, man strebt eine gewisse französische Eleganz an. Vorbild für den Chardonnay sind die weißen Burgunder. Die hier verkostete Flasche war gewiss einmal nicht schlecht. Reste von Frucht und Frische waren noch vorhanden, mehr eine Ahnung davon. Schon an der Farbe war aber zu erkennen, daß der böse (Oxy)dativ hier zugeschlagen hatte. Die sechs Jahre, möglicherweise auch schlechte, zu warme Lagerung, hat der Wein nicht unbeschadet überstanden.

Dazu gabs hand - und hausgemachtes Sushi. Der Jahresanfang ist ja die Zeit guter Vorsätze, der Diäten und des Verzichts. Nach den vor -und nachweihnachtlichen Braten mal was leichteres. Da scheinen mir die kleinen "Reispralinen" doch eine ganz gute Idee. Werd ich jetzt öfter machen und natürlich demnächst auch wieder mit rotem Bordeaux kombinieren (hier und hier).
Auch den gelben Chinesen konnte man mit den Sushi und etwas Phantasie dann doch noch trinken...



26.12.2010

Weihnachtsmenü 2010

Zu Weinnachten regiert die Traditon, keine kulinarischen Experimente ! Das gibt Halt auf hoher See und vereinfacht die Abläufe, auch wenn es hektisch wird. Weder Hummer noch Bockwurst - hier gibts zum Heiligabend immer: Maronencremesuppe, einen winterlichen Salat mit Orangen, roter Beete, Walnüssen und dann einen Krustenbraten vom Schwein.
Nur die Weine wechseln natürlich, dieses Jahr waren dabei:
  • "Pas de Deux" Weißburgunder Chardonnay Matthias Gaul 2008 / Pfalz (13,5% / 11€) Der Winzer empfiehlt ihn als wärmenden Winterwein. Ein Teil des Chardonnay reifte für 6 Monate im Barrique, daher leichte Vanille, ansonsten viel Frische, fruchtiger Schmelz: Ein modern gemachter exotischer Fruchtcocktail. Wärme gibt mit 13,5% der Alkohol .
  • "Sideral" 2004 Altair Rapel Valley / Chile 14,50% / 18,90€) Der Sideral, der Sternenwein, passt vom Namen und vom Etikett sowieso schon mal zu Weihnachten. Auch von der Aromatik her, denn die ist rundum üppig. Im 6. Jahr steht der Chilene noch ganz in seinem sattroten Fruchtkleid mit einer herrlichen dicken Heidelbeer/Brombeernase. Auch dabei Zimt, Puderzucker und Tabak. Im Mund vollsaftig, lebendig, viel Fleisch. Dies ist "nur" der Zweitwein, wer noch mehr will nimmt den Altair (46€).
  • "Copa Santa" 2000 Languedoc / Frankreich (14,5% / aktuell ca. 14€) Für mich ein Klassiker, das Flagschiff von Pierre Clavel aus dem Languedoc. Der Heilige Becher zeigte wieder mal, wie gut die Weine aus dem warmen Süden reifen können. In der Nase entwickelte Frucht, Lakritzwürze, dunkel. Auch im Mund ein Wein mit sonoren Baßtönen, geschmeidig, hat Charisma und Attitüde, eine Art Mario Adorf im Glas - sehr gut.
Geburtstagsmenü 2010 für einen berühmten Wanderprediger



20.12.2010

4. Advent: Zwei Chardonnays und ein Roter von der (Traum)Insel

Südliche Weine im kalten Dezember:
Israel, Provence, Südafrika
  1. "us de Kap" 2009 Chardonnay, ein Südafrikaner vom "Ahr - Winzerkönig" Werner Näkel aus Dernau (13,%% / 9,90)
    Schönes goldgelb, sehr fruchtig - birnige Nase, im Mund dann Kraft und dezenter "Chardonnay - Schmelz", auch  frische Säure, kein Weichspüler - gut.
  2. Yarden Chardonnay 2007 Israel / Golan
    Geschmacklicher Antipode zum Näkel, ein Chardonnay im Barockstil. In Nase und Mund Wogen von Nüssen, Toffee, Vanille, Crema, butterweich, viel Fett. Es gibt ja viele, die zu solchen Vollschmeckern Distanz halten. Ich finde die herrlich, gerade wenn draußen Schnee liegt und Kerzen angezündet sind. Außerdem ist das zu cremig - sahnig angelegten Gerichten sehr schön, wie hier zum Seehechtfilet mit Pestokruste auf (Eier)Tagliatelle.
  3. Dann doch noch ein Roter: Domaine de l ´Ile Porquerolles 2007 (14% / ca. 12€)
    Sehr geradlinig, dicht, ohne Überkonzentration, viel Syrah - Würze. Hier bin ich voreingenommen, auf der kleinen Insel Porquerolles (nur 7,5 Km in der Länge) vor Hyères in der Provence war ich mal und bin ungern wieder aufs Schiff Richtung Festland gestiegen. Es gibt nur einen kleinen Ort, ansonsten ein paar Sandbuchten, im Süden Steilküste, in der Mitte Wald mit einem irren Sirren der Zikaden und natürlich einigen Rebflächen. Ganz im Westen ist das berühmte Mas de Langoustier, ein luxuriöses Hideaway. Neben der Doamine de l ´Ile gibt es nur noch ein weiteres Weingut, die Domaine La Courtade.




19.10.2010

Riesling Antidot: Chardonnay

Nach reichlich Riesling mal ein Kontrapunkt im weißen Bereich. Diesmal im Glas nicht erfrischende Säure und beißende Mineralik, sondern weiche Opulenz, ein "Kopfkissenchardonnay" aus Südfrankreich. Da gibt es z.B. im Bereich Limoux durchaus interessantes, dieser hier kommt aus dem Hinterland von Seté von der Cave coopérative d´Alignan-du-Vent.

21.09.2010

Von Winning 2 (Die Weine)



(Teil 1 "Deidesheim" hier)

Von Winning, der neue Name aus der Pfalz. Mit großem Ehrgeiz und Aufwand will man aus dem Stand heraus ganz nach oben, in die Spitzengruppe der deutschen Rieslinge. In der Machart sind alle Weine "state of the art", mit allen Merkmalen, die heute bei Weinfreaks ein wohliges Nicken auslösen. Es wird - ohne Zertifizierung - biologisch gearbeitet, die Moste werden nicht vorgeklärt, die Weine nicht geschönt, Spontanvergärung und teilweiser Ausbau im Neuholz inklusive. Es gibt eine Vielzahl von getrennt ausgebauten Einzellagen in und um Deidesheim. Dr. Deinhard / Von Winning ist groß, bewirtschaftet insgesamt knapp 40ha Rebfläche (davon 30 ha Riesling).
Eine Probe in Thomas Kierdorfs Vino Grande in Essen bot Gelegenheit, einen großen Teil der Winning - Weine zu probieren.
  • Riesling „WinWin“ trocken 2009 12,0% vol. 9,90
    Der Einstiegswein, beinhaltet Trauben aus GroßeGewächs -  Lagen, schon "sehr viele Riesling" drin, saubere Frucht, knackig, schmelzig. Reicht eigentlich schon...       
  • Riesling Deidesheimer Paradiesgarten trocken 2009 12,0% vol.13,50
    mehr Druck, gute Länge
  • Riesling Königsbacher Ölberg trocken 2009 12,0% vol. 15,00
    Würze, sehr dicht, Pfeffer
  • Riesling Ruppertsberger Reiterpfad trocken 2009 12,5% vol.15,00
    Kommt etwas leichter und offener daher, Limettenfrische
  • KALKOFEN GG Deidesheim 2009 13,0% vol.26,00
    Extraktreich und voll im Mund, Säure, Schmelz
  • LANGENMORGEN GG Deidesheim 2009 13,0% vol. 21,00
    Ein Brummer, ein  fruchtduftiger Rieslingsaft mit Tiefe. Musterexemplar für die Verbindung von frischer Säure und tiefem weichen Schmelz. Beeindruckend hier der für ein GG moderate Preis, der Wein geht bei Kierdorf für 21 € über die Theke.
  • Sauvignon Blanc 2009 12,0% vol. 17,50
    Auch nicht schlecht, sehr reintönig, fein, klar, zarte Limette. 

  • Chardonnay 2009 13,5% vol. 15,00
    Nach den intensiven Rieslingen mit ihren Säurewogen endlich Erholung für den gestressten Gaumen: Ein Chardonnay, der auf Samtfüßchen daherkommt. Weicher, cremiger Saft. Irgendwo zwischen Burgund und Kalifornien. Gerne getrunken...
  • Pinot Noir 2008 13,0% vol. 28,00
    Das zum Chardonnay gesagte, stimmt auch hier. Man merkt, das Weinmacher Stephan Attmann in diese Richtung eine Vorliebe hat und die "französischen Sorten" in Richtung Fülle, Wärme und Reichhaltigkeit ausbaut. Offenduftige,  rauchige Pinot - Nase, reife süße Frucht. Hat mir besser gefallen als der parallel probierte Kirschgarten 2007 von Knipser.

10.07.2010

Jura Wein

Für mich heute eine Premiere ! Einen Wein aus dem französischem Jura hab ich  noch nicht verkostet, die Region war für mich bisher vinologisch ein weißer Fleck. Die Weine des Jura sind im deutschen Handel kaum vertreten, die gesamte Region ist in Deutschland noch sehr unbekannt. Gerade die weißen "Juristen" gelten aber als charaktervolle Weine mit ungewöhnlicher Aromatik.
Das Klima im Jura ist ausgesprochen kontinental, mit strengen Wintern, in denen die Temperatur weit unter den Gefrierpunkt sinkt und eine Menge Schnee fällt. Die Sommer sind warm und sonnig. Die Spezialität des Jura ist der extrem lagerfähige Vin Jaune, der "gelbe Wein", gekeltert aus der säurebetonten Savagnin-Traube. Er wird mindestens 6 Jahre im nicht ganz gefüllten Barrique unter Sauerstoffzutritt ausgebaut, wobei eine Schicht aus Florhefe, ähnlich wie bei Sherry, den typischen Charakter verleiht. Auch die regulären Weißweine des Jura sind interessant. Neben dem Savagnin ist Chardonnay zugelassen. Auch diesen wird oft durch oxydativen Ausbau ein besonderer Charakter verliehen. Und genau ein solches Exemplar war zur heutigen Etappe am Start:

  • Les Graviers Chardonnay 2006 Appellation Arbois / Domaine André et Mireille Tissot, vinifé par Stéphane Tissot (13,5%, 19,50€) Eine Chardonnay-Auslese mit bio-dynamischem An- und Ausbau, "cultivées de facon naturelle", wie es auf dem Rücketikett steht, nur 7000 Flaschen. Sattes gelb mit grünen Reflexen, aus dem Glas strömt es rauchig-nussig in die Nase. Faszinierend, wie ein Müsliriegel mit Rosinen drin. Im Mund dann sehr reifer Apfel, macht sich tüchtig breit. Zunächst auch Süße, dann aber eine trockengemauerte Steinwand ! Mineralik, die oft beschworene, hier ist sie exemplarisch da. Und zwar auch dann noch, wenn der Schluck längst runter ist. Ein Charakterspieler hoher Güte, der möglicherweise nicht jedem schmeckt, für Feunde inividueller Weine aber ein origineller Genuß. Kuckt mal auf die Seiten der Erzeugers, da kann man auch dem gärenden Wein lauschen !

Chardonnay - Charakterspieler aus dem Jura

09.07.2010

Zwei Burgunder

 

Burgund - altes Weinland. Mönche haben die Landschaft entlang der Saône weitgehend umgewandelt, waren Geburtshelfer für die Landwirtschaft und verantwortlich für die Anlage der Rebflächen, wie sie heute noch existieren. Auch in ihrer gestrengen und im Burgund nicht leicht zu durchschauenden Hirarchie von Grand Crus, 1. Crus und berühmten Lagen wie Chambolle- Musigny, Pommard, Clos de Vougeot - alle einst in Ordenshand. Erst die französische Revolution machte dem ein Ende, brachte die Enteignung des Kirchenbesitzes und führte in der Folge zu einer enormen Zersplitterung des Weinbergsbesitzes. Darum ist die Bourgogne ein Minenfeld für Weinfreunde. Sehr unübersichtlich auf der Suche nach wirklicher Qualität. Vieles, auch mittelmäßiges ist sehr teuer. Die historisierende Pracht des burgundischen Weinverkaufs hat diesen Weinen im Laufe der Zeit eine Verehrung eingebracht, die immer weniger von ihnen noch verdienen. Trotzdem übt besonders der Pinot Noir aus dem Burgund eine weltweite Anziehungskraft aus, keineswegs nur bei "Old-school Trinkern". Und wenn alles stimmt, sind die Spitzenweine dort in ihrer filigranen Pracht natürlich auch "Engelspipi", wie es ein Weinweiser einmal bei einer Burgunderprobe neben mir ausdrückte.


Zwei Weine sind bei mir heute passend zur Etappe der Tour de France offen: 
  • Cotes de Nuits-Village "Les Monts de Boncourt" 2005 von Domaine Gachot-Monot aus Nuit-Saint-Georges
    100% Chardonnay, eine Auslese in nur sehr geringer Menge, nur 1500 Flaschen von diesem Wein verlassen das Familiengut (insgesamt 12 ha Anbaufläche). Herrlich helles Gold, man greift gerne zum Glas. In der Nase entwickelte Noten, Eiche und Frucht haben sich zu einer mit Nüssen verzierten alkoholgetränkten Herrencreme entwickelt. Im Mund hält er sich stärker zurück, reifer Apfel, hat aber noch Frischepotential. Im jetzigen Zustand ein Wein zu einem der kräftigen Küchenklassiker der Bourgogne, wie etwa den Hechtklößchen in Sauerampfersoße.
  • Bourgogne A.O.C. 2005 von Domaine Gachot-Monet
    Der Einstiegs - Pinot des Hauses. Gereiftes Rot, orangefarbener Saum. Auch in der Nase leichte Reifenoten, getrocknete Früchte und ungeputze Pilze. Im Mund mittelgewichtig mit schmeckbarer Säure,  pikanter Pfeffer, sagt im Abgangang überraschend lang Pinooooooot. Gut.
    (15€ Weinzeche Essen)