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25.02.2013

Le Galantin 2004 - Bandol ist toll...

Blick aufs Meer, der Duft des Südens in der Nase...

Der Winter geht in die Verlängerung, auch Ende Februar sind noch keine Frühlingsboten in Sicht. Was bleibt einem da anderes übrig, als in den Keller zu steigen und sich etwas Wärmendes hochzuholen. Ins Glas damit, auf dass der Geist sich aufhelle...
Die Wahl fiel auf eine Flasche, die schon durch Aufmachung und Herkunft Erinnerungen an viele schöne Sommertage im warmen Süden weckte, ein Bandol. Inmitten des Rosé-Sees in der Provence ist dies eine kleine AOC mit absolut hochklassigen Roten, bei deutschen Weinfreunden immer noch zu wenig beachtet und unterbewertet. Eine liebliche Hügellandschaft, urige Dörfer, Blicke aufs Meer, und Weinberge voller Mourvèdre. Die dickschalige und spät reifende Sorte gibt sich jung gern etwas zickig und spröde. Da wissen die fruchtweichen Weine, die ringsum im Süden Frankreichs auf Basis von Grenache/Syrah erzeugt werden, in ihrer Jugend oft besser zu gefallen. Bandol braucht also Zeit, die Weine profitieren sehr von Alterung. Zudem sind Bandols keine aufgespritzten Bodybuilder, keine plumpen Begeisterer. In der überschaubaren Appellation gibt es keinen zugespitzten Streit zwischen Bewahrern und Erneuerern, man bemüht sich durchweg um seriöse Qualitäten. Sicher gibt es Unterschiede in Qualität und Lagenpotential. Einige Erzeuger setzen auf Einzellagen, da geht es dann auch ins Geld. Doch selbst da bleibt es noch unterhalb von dem, was z. Bsp. heute für Top-Gigondas, geschweige denn für die Spitzen in Chateauneuf aufgerufen wird. Die regulären Gutsweine bleiben unter 20€ und das ist für solch einen Cru ein gutes PL - Verhältnis.

La Galantin Bandol 2004 Domaine Galantin (14,5 %/16€) Der Galantin (95% Mourvèdre) präsentiert sich im 9ten Jahr jetzt in wunderbarer Verfassung. In der Nase offen, er lädt ein, sich ohne Vorbehalte zu nähern. Duftig, feiner Tabakrauch, der mit reifen Waldbeeren und kandierten Veilchen aromatisiert wurde. Im Mund setzt sich das fort, noch sehr viel Frucht, auch Frische, samtig, milde holländische Lakritze mit der feinen Süße von englischem Weingummi, reichhaltig mundfüllend, viel Wärme gebend. Hat Kraft, hält aber auch genug Delikatesse bereit. Dies ist ein Südwein auch für Bordeauxtrinker. - Top.





24.09.2012

Der Sommer ist vorbei - darauf einen Bandol...



The summer's gone, and all the roses falling...

Also wird mit einem weinenden und einem lachenden Auge die Rotweinsaison eingeläutet. Und zwar zur Einstimmung mit einem Prachtexemplar...

La Galantin Bandol 2007 Domaine Galantin (15%/16€) Bandol, inmitten des Rosé - Sees in der Provence eine AOC mit absolut hochklassigen Roten, bei deutschen Weinfreunden immer noch zu wenig beachtet und unterbewertet. Weinberge voller Mourvèdre, urige Dörfer auf Hügeln, nur zwei Handvoll Weingüter, die damit umzugehen wissen. Wenn man vor Ort ist und einen Überblick haben möchte, fährt man am besten nach Le Castellet. Dort liegt mitten in den Weinhügeln mit Blick aufs Meer das offizielle Maison des Vins.
Die dickschalige und spät reifende Mourvèdre gibt sich jung oft etwas zickig spröde, die Weine profitieren in der Regel sehr von Alterung. Der Galantin mit immerhin 95% Mourvèdre präsentiert sich im 5ten Jahr allerdings sehr offen. Mit 15% Alkohol ein ungewöhnlich dunkles und dickes Geschütz für einen Bandol, reitet volle Atacke. Warm und voll schon in der Nase, Blaubeer cup-cake, satte schmelzige Frucht. Der Wein teilt ohne Schüchternheit aus, im Mund ein füllendes Kirschlikörchen, Gerbstoffe sind präsent, gehen aber ganz in Frucht und Fülle auf. Puristen könnten hier vielleicht etwas fremdeln, für mich allerdings serious juice - Weindeutertip.

Verkostung 2008 im Maison des Vins in Hinterland bei Le Castellet

Im "Bandol"

Auch Gary Vaynerchuck verkostet hier einen Galantin...



16.08.2012

Bandol - Domaine de La Garenne 2008



Hier war länger (Zwangs)pause, der Weindeuter war auf Kreta: Schafskäse essen und Retsina trinken. Und eigentlich war ja auch zunächst ein Post zu Hellas und Wein geplant, der kommt auch noch - später. Vorher ein Wein aus dem Süden Frankreichs. Der kam spontan ins Glas, am warmen Sommerabend zu einem leichten gemüseverstärkten Grillkotelett.
Bandol, inmitten des Rosé - Sees in der Provence eine AOC mit absolut hochklassigen Roten, bei deutschen Weinfreunden immer noch zu wenig beachtet und unterbewertet. Weinberge voller Mourvèdre , urige Dörfer auf Hügeln, nur zwei Handvoll Weingüter, die damit umzugehen wissen. Wenn man vor Ort ist und einen Überblick haben möchte, fährt man am besten nach Le Castellet. Dort liegt mitten in den Weinhügeln mit Blick aufs Meer das offizielle Maison des Vins.
Die Weine profitieren sehr von Alterung, junge Mourvèdre gibt sich oft spröde, zickt herum in den Gerbstoffen. Hier durchaus ein Muster, daß auch jung zu gefallen wusste.
Domaine de La Garenne 2008 Bandol (Mourvèdre  60 %, Grenache 22 %, Cinsault 15 %, Carrignan 3% / 13.5% /  13-17€) Die noch junge Mourvèdre bringt herrlich rauchig-pfeffrige Aromatik schon in der Nase, kein "Kleiner" im Glas. Kleine dunkle Beeren, süffiger Cassissaft, wozu da noch Bordeaux ? Am Gaumen schöne Mischung: kernig, jugendliche Kraft ist in sanfte Frucht gepackt. Kein aufgespritzer Bodybuilder, kein plumper Begeisterer, sondern seriöse Tischqualität. Auffallend die starke Rückaromatik, da kommt nochmal ein lakritzhauchiger Nachhall - Top.

Bandol en Provence 2008...


Béatrix de Balincourt - die schöne Winzerin aus Bandol



08.04.2011

Bandol und Languedoc-Legende

Nochmal "Eliteweine" aus Frankreichs Süden, vor kurzem verkostet bei einem wahren Spezialisten für diese Region, der Weinzeche in Essen. Da gibt es auch Gewächse, denen man nicht so häufig im Glas begegnet.




Zunächst Bandol ! Inmitten des Rosé - Sees in der Provence eine AOC mit absolut hochklassigen Roten, auch bei Weinfreunden immer noch wenig beachtetet und unterbewertet. Wenn man vor Ort ist und einen Überblick haben möchte, fährt man am besten nach Le Castellet. Dort liegt mitten in den Weinhügeln mit Blick aufs Meer das offizielle Maison des Vins.
  • In der Zeche, hier bei uns im Pott also,  gibt es die Weine der Domaine Tempier, DEM Klassiker und Qualitätspionier aus dem Bandol-Gebiet. Schon der "normale" Bandol", die Cuvée Classique 2008 (25€ / 75 %  Mourvèdre + Grenache/Cinsault/Carignan), ist ein wahres Muster an Bandol-Aromatik: kernige, jugendliche Kraft, in sanfte Frucht gepackte würzige Wildheit, mehr Frische als weiche Üppigkeit. Vom Körper her keine aufgespritzen Bodybuilder, sondern geschmeidig sehnige Langstreckenläufer, die vor allem nach 10 Jahren getrüffelt-geschmeidige Reifenoten intensivsten Charakters entwickeln.
    Eine Steigerung dann die Einzellage "La Migoua" 2008 (39€) mit weniger Mourvèdre, mehr Grenache und Cinsault, allerdings von über 40-jährigen Rebstsöcken. Eine "Auslese" in höherer Konzentration und Länge, allerdings natürlich auch zu deutlich höherem Tarif.

Im Languedoc geht es weiter, 200 Kilometer westlich, im wildromatischen Hinterland von Montpellier. Hier regierten 100 Jahre die Genossenschaften, Wein war das Getränk des Alltags. Winzer, die nach den Sternen greifen gibt erst seit gut 30 Jahren. Ein Pionier war Aimé Guibert mit seinem 1978 erstmals vinifizierten Mas de Daumas Gassac in Aniane.
  • Am gleichen Ort wird seit 1992 auch der Grange des Peres erzeugt, aus je 40% Syrah und Mourvèdre, der Rest ist Cabernet - Sauvignon aus Höhenlagen, selektierte Minierträge, das Ganze wird mit denkbar größtem Aufwand unter Beachtung biodynamischer Regeln bereitet.
    Der beste Wein des Languedoc ? So meinen viele, aber was bedeuten solche Superlative. Tatsache ist, der Wein von Laurent Vaillé ist extrem gefragt. Die Produktionsmenge von ca. 20.000 Flaschen ist stets reserviert und kontingentiert, und neben den Spitzen aus Bordeaux/Burgund als großer französischer Cru anerkannt. Grange de Peres verleitet Weinpresse und Händler zu Jubelarien: "ein erotisches Weingemälde, zweifellos zu den besten Gewächsen Frankreichs zählend, ein unkopierbarer Individualist, einer der großen Weinsolitäre der Welt", "einer der großen, mythischen Rotweine der Welt!, "...schuf er einen bewegenden Wein, der ohne Zweifel zu den ganz großen Crus Frankreichs gehört." Ein wirklicher Kultschluck also, dem man sich natürlich nicht unvoreingenommen nähert, zudem soll der ´07er der beste jemals erzeugte sein. Der Wein gilt nicht unbedingt als bis zum Anschlag konzentrierte Fruchtbombe, sondern als finessenreicher Edelmann. Ich hatte ihn nun nach den beiden Tempiers, dagegen kam Grange des Peres dann doch sehr üppig, sehr offen und opulent daher. Duftiges Nasenparfüm, im Mund konzentrierte Reifesüße, Tanninschmelz - alles ohne jede kitschige Attitüde. Ein ausbalancierter, im jetzigen Zustand schon sehr trinkbarer Lustmacher. Verglichen mit dem kürzlich verkosteten und auch sehr guten "Hallucinant" von Moyau (klick) ist durchaus mehr Musik drin. Auch angesichts der Qualitätshistorie scheint hier der Preis eher gegeben.

    Granges des Peres in der
    Weinzeche für 65€