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30.01.2014

Bekannte Namen aus dem Supermarkt...

In der Weinszene ist Ärger vorprogrammiert, wenn das Thema auf Discountwein oder Wein im LEH kommt. Da wird vor allem der Fachhändler empfindlich, sieht sein Geschäftsmodell in Gefahr, reklamiert für sich unverzichtbare Beratungskompetenz.
Dabei bieten viele inhabergeführte Läden wie Edeka und Rewe etc. mittlerweile zum Teil beachtliche Flaschensammlungen. Auch deutsche Winzer lassen sich da nicht lumpen, bekannte Namen wie Othegraven, Breuer, Dr. Loosen, Molitor, Meyer-Näkel finden sich da. Es sind natürlich nie ganze Linien, die da präsentiert werden, sondern meist ein Einsteiger oder auch eine Sonderedition. Das funktioniert und ist für uns Konsumenten nur zu begrüßen.
Der Fachhandels warnt da gerne vor dem Verlust des Kulturgutes Wein und beschwört den Untergang des Abendlandes herauf. Solcherart Verbissenheit ist z.Bsp. in Frankreich völlig unbekannt, da liegen die Crus aus Bordeaux und Burgund ganz selbstverständlich in Hyper U oder Géant.





Markus Molitor Riesling 2011 Mosel (11.5% 7,99€) Ohne nähere Angabe, auf dem Rücketikett ist von Steillagen die Rede. Nun, Markus Molitor hat ja genug Fläche an der Mosel, vielleicht ist der hier auch aus zugekauften Trauben. Wie auch immer, der Wein ist völlig korrekt. Schöne frische Rieslingnoten, Apfel, Zitrus, saftig, süffig.




Waldbach Fruchtspiel Riesling feinherb 2011 Balthasar Ress Rheingau (11,5% / 9,90€) Hier spielt Dirk Würtz seit einiger Zeit mit. Und der hat ja ohnehin keine Berührungsängste ggü. Supermarkt und Co. Erinnert sei nur an sein Lidl Projekt zum Superschoppenshopper zusammen mit Cordula Eich (klick). Der Wein wird wohl exklusiv über Rewe vertrieben, in seiner klaren, modernen typographischen Aufmachnung ein Hinkucker.
Der Ress ist resch. Es steht zwar feinherb auf dem Etikett, der Rheingauer kommt aber straff und durchtrainiert daher. Kein Fett, frische Säure, Limette, am zweiten Tag dann leichter Tropic-Touch, Ananas, noch feste Mango, durchaus reichhaltig, macht viel Spaß, entwickelt Trinkfluss, Top.





Meyer - Näkel Edition 100 Rotwein Cuvée Ahr (13%/10€) Der Altmeister von der Ahr ist schon seit einiger Zeit hier im Umfeld des Ruhrgebiets in vielen Rewe Märkten vertreten, auch mit seine beiden Einsteigerweinen aus Südafrika. Deshalb wohl auch diese Edition zum 100. Bestehen von Rewe Dortmund. Drin sind Spätburgunder und Dornfelder, im Prospekt wird der Inhalt angegeben mit  "2011er Cuvée aus Blauschiefer, Spätburgundertrauben und Dornfelder". 
Nun ja, auch ohne "Blauschiefer" ist der Wein ist schön abgestimmt zwischen Frucht und Eleganz, sehr feine ahrtypische Spätburgunderkirschnase mit etwas Rauch, vor allem im Mund dann unterfüttert mit Beerenfrucht und Reichhaltigkeit der Dornfelder, recht lang, ein Spaßroter, guter Kauf.



19.01.2013

Lidl - Amarone und Aldi - Priorat


Mal wieder Angebotsweine vom Discounter. Für Fachhändler ist ja alles von Aldi & Co. reines Teufelszeug. Auch in der Weinszene greifen bei diesem Thema oft reflexhaft Ablehnungsrituale, als stünde der Untergang des Abendlandes bevor. Ich empfehle da mehr Gelassenheit. Deshalb greift nicht nur nur Cordula Eich auf der Suche nach Superschoppenshoppern gerne ins Regal. Auch der Weindeuter muß regelmäßig das testen, was das Volk trinkt.

Corte Allodola Amarone della Valpolicella 2009 (15,5% / 14€) Amarone, die große Spezialität aus dem Veneto. Die Trauben trocknen nach der Ernte noch einige Zeit in gut durchlüfteten Räumen, verlieren so Wasser und bringen konzentrierte und alkoholstarke Weine hervor. Das Produktionsverfahren ist aufwändig, für Topweine werden Beträge weit jenseits der 50€ fällig, Amarone der bekannten Erzeuger kosten eher Richtung 30€. Was also kann der Lidl - Amarone für die Hälfte? Oft waren ja schon die Discountvarianten großer Namen enttäuschend, wie hier beim Aldi - Chateauneuf (klick). Nun, in diesem Fall kann durchaus Entwarnung gegeben werden. Der Corte Allodola weist hinreichenden Amaronecharakter auf. 
Duftwunder sind Amarone oft nicht, auch hier raucht es nicht aus dem Glas, es zieht sanft auf. Weich, voll, Rumtopfpraline, all das kündigt sich schon in der Nase an. Im Mund dann das erwartet cremig-likörige Aromenbild, Amarenakirsche, Süße wird durch schöne Bitternote konterkariert, füllig, alkoholschwanger. Nicht aufregend, für Leute aber, die sich bei der Kälte draußen einen Amaroneschuß geben wollen völlig in Ordnung.

Kaylus Crianza 2010 Cellers Scaladei Priorat Vertrieb über Schenk GmbH (14,5% / 5€) Aldi und Priorat, das hat eine Vorgeschichte: Einer der Vorgänger vom Kaylus, der El Patio 2008, entpuppte sich in einer große (Blind)Probe berühmter und teurer Prioratos bei Torsten Hammer, dem bekannten Priorat - Hammer, als Verkostungssieger. Und ging dann als legendäre "Wunderflasche" in die Verkostungsannalen des Priorat - Hammers ein. Details dazu sind hier (klick) nachzulesen.
Der aktuelle Kaylus bekam aber deshalb noch lange keine Vorschusslorbeeren, im Gegenteil. Denn gerade beim Priorat muß man folgendes in Verbindung mit dem Thema Discountwein bedenken. Priorat ist immer noch Newcomerregion. Im kargen Hinterland der katalanischen Küste produzieren vor allem weinverrückte Tüftler, die den kleinen und abgelegenen Rebflächen charakterstarke Rote abringen. Der Boom der letzten Jahre versprach gewissen Wohlstand, in der Folge wurden auch die kleinen Dörfer wiederbelebt. Man lebt dort aber mit hohem unternehmerischen Risiko, die häufig nur in Miniauflage erzeugten Weine haben ihren Preis. Der Absatz leidet zur Zeit jedoch unter der spanischen Wirtschaftskrise. Dazu nochmal der Priorat Hammer: Winzer, die selbst im Priorat derzeit froh sind, etwas abzuverkaufen, gibt es leider. Die Krise in Spanien hat leider ganz andere Ausmaße und da droht vieles schneller den Bach runter zu gehen, als man es sich vorstellen mag. Ich habe die Befürchtung, dass da viele enthusiastische junge Projekte, die es wert gewesen wären, dass sie sich entfalten können, aus ökonomischen Zwängen aufs glatte Eis geraten, an derem Rande schon die Geier die Schnäbel wetzen.
Das gilt es zu bedenken, wenn ein Priorato für 4,99€ ins Glas kommt. Und der Kaylus ist ja keineswegs schlecht. Direkt nach dem Aufziehen Nasenattacke, gibt überraschend viel Alarm, hat was wildes, schwarzer Rauch. Im Mund Kraft, Gerbstoff, zunächst auch abweisend, braucht Luft. Dann sattes und dunkles Fruchtspiel mit viel Boden. Kein Langweiler, machte auch nach drei Tagen Spaß.



31.05.2012

Aldi Parker aus Spanien


Herrliches Wetter, überall frischer Weißwein in den Gläsern. Oder kalter Rosé, so gehört sich das, so soll es sein. Nur der Weindeuter muß schimpfen, er ärgert sich über zwei Rotweine aus Spanien, zwei schwere Geschütze mit 15% Alkoholgehalt. Gut, vielleicht hätte man die lieber im Winter verkosten sollen, aber die standen nun mal jetzt im Aldiregal. Und nicht nur Cordula Eich greift da auf der Suche nach Superschoppenshoppern gerne zu. Auch der Weindeuter muß regelmäßig das testen, was das Volk trinkt. Aldi ist mit Abstand der größte Weinhändler in Deutschland. Und da gibt es ja neben dem Brot-und Butter Stammsortiment immer wieder die nur temporär erhältlichen Angebotsweine, gerne auch mit Parkerfähnchen (vorherige Verkostungen hier und hier).

  • Las Rocas Garnacha 2009  Bodega San Alejandro  Calatayud (15%/6,99€) 90 Parkerpunkte, erneut ein Grund zu spekulieren, wo er die her hat. Las Rocas ist eine Art Discountlabel der für ihre Balthasar Gracian Weine bekannten und gelobten Genossenschaft. Farblich tiefe Tinte, schon in der Nase aber unharmonisch. Der Wein wirkt wie ausgepresst, übertriebene Extraktion, dadurch konzentriert aber brandig-scharf. Nicht angenehm, bricht schon am zweiten Tag weg, wirkt bitter. Für 7€ gibts viel schöneres, z. Bsp. sowas hier (klick).





  • Masia Solana Reserva 2006 Bodegas Altanza Rioja (14% / 9,90€) Auch der zweite Kandidat ist ein Spanier. Da gibts ja enorme Überproduktion, die Bodegas sitzen auf riesigen Beständen. So offenbar auch die erst 1998 gegründetete Bodegas Altanza. Immerhin wirft sie die Reste ihrer 2006er Reserva mit Miró-Künstleretikett für unter 10€ über Aldi auf den Markt.
    Die gewaltige Flasche wiegt schwer. Dunkel, vanilleduftig, satte Frucht, international gemacht, austauschbar: Weiche Überwältigungsstilistik für Fruchtfreunde. Ist natürlich trinkbar. Aber auch hier schon am zweiten Verkostungstag unangenehm oxydative Noten, abgestandener Tee, ansonsten spritig. Insgesamt besser als der Rocas, trotzdem lohnt das Geld hier nicht. Bei Aldi lieber was aus der Basisklasse in weiß trinken, ein Tip dazu folgt...


25.11.2011

Aldi Gourmandise: Bordeaux und Sushi

Aldi, der größte Weinhändler Deutschlands. Ca. 20% des deutschen Weinabsatzes gehen über die Konten der "Albrechts". In Sonderaktionen tauchen gelegentlich Genußperlen auf, auch die Fritz Keller - Weine (klick) kann man durchaus kaufen. Ansonsten geht es hier um die Basisklasse, die (wein)alkoholische Grundversorgung der Deutschen, um die sich auch Cordula Eich so liebevoll kümmert.

Aldi Nord soll ja jetzt in Sortiment und Aufmachung aufgemöbelt werden. Das ist nötig, denn im Aldi - Südreich geht es seit jeher schon etwas gediegener zu.
Ein Besuch einer Süd - Vorzeigefiliale in Mülheim an der Ruhr, der Heimatstadt der Albrechtbrüder: Sehr hell, sehr groß, Backautomaten, es duftet, 5 Kassen geöffnet, für Aldi unerwartet großes Sortiment. Im Kühlregal finden sich kleine Sushiboxen (6 Stk. / 2,99€). Dazu einen Bordeaux aus dem Aktionsweinregal (Chateau Begadanet 2008 Cru Bourgeois Medoc Vignobles Figerou (13.% / 4,99€) und fertig ist die low-budget Version von Bordeaux und Sushi. Nicht lachen, das hat seinen Reiz. Wurde in einer Probe mit Hendrik Thoma im Mövenpick Weinkeller in Dortmund vor einiger Zeit bewiesen und mit Sushi von Steffen Henssler im Hamburger Hafen untermauert. Zum Nachlesen hier und hier klicken.
Damit kann die Aldi Version nicht mithalten. Der kleine Bordeaux hatt da noch den besseren Part. Der steht nämlich überraschend duftig im Glas und bietet auch im Mund genügend Stoff. Etwas rustikal aber keineswegs  ein grüner Bitterling, wie häufig in dieser Preisklasse. Das Sushi allerdings, typisch für solche Boxen, ist zu reislastig, der Reis auch zu neutral, zu wenig pikant gesäuert.

Noch was aktuelles zu Aldi. Im Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen beginnt morgen die Ausstellung »I love ALDI« . Zitat: "Nicht nur in Arbeiterstädten wie Ludwigshafen hat die »Aldisierung« als Gegenmodell zum Luxus-Markenfetischismus alle Einkommens- und Bildungsschichten erreicht und mit dem Billig-Virus infiziert. Das Wilhelm-Hack-Museum widmet sich nun erstmals konsequent dem Thema »Discount« und »billig«. Unter dem Titel »I love ALDI« reflektieren 38 Künstlerinnen und Künstler teils unmittelbar, teils im weiteren Sinne Fragen der industriellen Lebensmittelproduktion, der Billigware und des postmodernen Konsumverhaltens."

Auch hier beim Genießer: Beiträge des Ruhrgebiets zur kulinarischen Welt, Teil IV: Aldi (klick)


09.10.2011

Lidls "Super Schoppen Shopper": Cordula und Dirk


Das Super-Schoppen-Shopper-Paket von Lidl für 9,99€: Das Buch Super Schoppen Shopper 2011 (klick) von Cordula Eich und 2 Flaschen Rotwein vom Winzer und Platzhirsch der Internet-Weinszene Dirk Würtz. Bisher war darüber in der Weinbloggerszene nicht viel zu lesen. Auch auf Dirks Seite (klick) gabs nur verhaltene Reaktionen auf die Aktion, ich hatte mit mehr Gegenwind gerechnet. Traut sich keiner ? Oder ist man sich zu fein, eine Lidl - Filiale zu betreten ? Die Haltung des Weinfreaks zum Billigwein ist nun mal eine andere, er strebt zur Weinelite, rechnet sich womöglich selbst dazu. Ihn interessieren Toptropfen, ausgefeilte Qualitäten aus Steillagen, mengenreduzierte Auslesen, etc. 
Das macht natürlich nur nur ein paar Prozent der gesamten Weinproduktion aus. Dirk Würtz hat als Weinmacher aber auch die Großmengen im Sinn. Der Weinbestand, von dem die meisten Winzer in Deutschland leben, der Weinbestand der von den meisten Menschen in Deutschland getrunken wird. Und die kaufen nun mal im LeH und im Discount. Aldi ist der größte Weinhändler hierzulande.
Würtz hat da keine Berührungsängste, nur logisch also, daß er sich mit Cordula Eich vinologisch verbandelt hat. Die verkostet sich seit Jahren durch tausende Flaschen von Basisweinen, beginnend mit dem 1-Liter "Domkellerstolz" für 0,93 €. Und veröffentlicht jetzt schon im dritten Jahr den auflagenstärksten deutschen Weinführer, eine lustig geschriebene Lebenshilfe („So schick angezogen und dann doch Hundekacke am Schuh“ ) für Leute mit schmalem Weinetat, die trotzdem Spaß am Genuß haben wollen.
Beide verstehen was vom Marketing für sich und ihre Erzeugnisse, herausgekommen ist auf jeden Fall ein in Aufmachung und Ausführung originelles Produkt. Und ein Schnäppchen, das Buch kostet sonst solo 11€. Vertrieben über Lidl, wenn schon denn schon...

Wie schmecken nun die beiden Roten aus dem Lidl Paket ?
  • Nr. 1 (Dornfelder und Regent/Pfalz) ist die Cordula: Zartes Nasenparfüm, etwas Johannisbeere, transparente Frucht, im Mund sanft, Gerbstoff und Säure sind gezügelt, gerade soviel, daß es nicht langweilig wird. Auch am dritten Tag noch recht saftig, ein einfacher trinksüffiger leichter Roter, bricht hinten flott weg. "Unkompliziert, wohlgeformt und geschmeidig" steht hinten drauf. Sollte man eher leicht gekühlt trinken.
  • Nr. 2 (Spätburgunder und Dornfelder/Pfalz), der Dirk: In Nase voller, reiffruchtig, etwas Dörrobst, etwickelt bis zum 3. Tag leichte Rumtopfnase, auch Banane, oxydativer Touch. Im Mund bis zum Schluß jedoch zum Glück frischer wirkend, kirschsaftig, auch auch etwas malzige Süße, mehr Länge als die Cordula. Laut Rücketikett "kantig und unrasiert, aber harte Schale-weicher Kern".
Fazit, die Cordula riecht besser, der Dirk hat im Mund und hintenraus mehr Schmackes. Was liegt da näher, als beide mal miteinander zu vermählen. Hab ich mit dem Rest aus beiden Flaschen gemacht, war lecker...

Ansonsten zum Shopper und zum Paket hier und hier bei Huub Dykhuizen (klick).
Details hier bei Jens Priewe, da sind auch Listen der Super Shopper.





29.09.2011

Aldi - Tempranillo nachverkostet

Mal wieder ein Discounter-Post und nicht nur, weil sowas gut für die Zugriffszahlen ist. Ein beinahe dringender Anlaß für einen Zwischenruf ist der aktuell angebotene Tempranillo bei Aldi Nord. Den hatte ich vor 2 Jahren schon mal hier, es ist nach wie vor der gleiche Wein, gleicher Jahrgang (alter post hier, klick). Darauf machte mich ein Leserkommentar aufmerksam :

"Silveroak hat gesagt: Als ich den Wein heute bei Aldi gekauft habe war mir klar, dass es ein Betrug am Kunden sein wird.Ich hab ihn gerade aufgemacht und finde ihn selbst im Vergleich zu Aldi Weinen < 5€ überteuert--> keine Nase, bitter im Abgang!Er passt ins Sortiment der Belin Throphy Gold Lables Weine.Ich frage mich, ob Aldi ungestraft mit falschen Parkerpunkten werben darf. Donnerstag, 22 September, 2011."

"Tempranillo 2007" Vino de la Tierra de Castillo Leon, als Abfüller firmiert die FirmaValsanzo S.L., ein überregional tätiger spanischer Weinerzeuger. Wie schon vor 2 Jahren ein Nullwein mit wenig Duft und bitterem Mundgefühl. Der war schon 2009 ein dünnes Wässerchen und hat sich seitdem keineswegs verbessert. Nicht aus jedem häßlichen Entlein wird ein schöner Schwan. Wie kommen die Aldi - Weinleute dazu, sowas nochmal als besonderen Aktionswein anzubieten ? Ich hab gar nix gegen Discountwein von Aldi, im Basissegment gibt es gefahrlos zu trinkende Sachen, besondere Aktionsweine sind manchmal gut, da aber eher bei Aldi Süd. Für zwei Euro als Wirkungstrunk o.k., der Spanier ist aber z.Zt. der teuerste Wein bei Aldi-Nord, mit dem Etikettenversprechen auf einen "gereiften Tempranillo mit köstlichem Bouquet". Und schließlich einem Parkerfähnchen: 90 PP.: "It is a terrific value". Ich schließe mich dem Kommentar oben insofern vollkommen an.
Klar liegt der Ratschlag nahe, sowas eben nicht bei Aldi zu kaufen. Der Konsument greift aber nun mal zum Discounter, Aldi ist der größte Weinhändler Deutschlands. Käufer, die denken, sie kriegen bei Aldi für den Preis was Besonderes und meinen, so muß ein "guter" Spanier eben schmecken und ihn nicht mögen, werden sich bestätigt fühlen und doch wieder die 2€ -Klasse aus dem Regal köpfen.

28.09.2011

Super-Schoppen-Shopper Weine: Dirk Würtz goes Lidl

Ab Donnerstag, 6.10., bei Lidl: Das Super - Schoppen - Shopper Weinpaket für 9,99 €. Drin sind zwei unterschiedliche Flaschen Pfälzer Rotwein von Dirk Würtz und das Buch von Cordula Eich, in dem sie 1300 Supermarktweine testet. Das kostet solo allein schon 11,95€. Wer also nicht unüberwindbare Hemmungen gegen Discount im Allgemeinen und Lidl im Besonderen verspürt, macht ein Schnäppchen.
Für den Würtz ist das Lidl - Dings natürlich ein Spagat, angesichts seiner sehr guten Verankerung in der Weingenießerszene. Da wird auch Gegenwind kommen, der hält das aber aus. Im Video unten turteln und trinken beide vor Rheingaukulisse.



Super Schoppen Shopper from Denny Ramone on Vimeo.



10.12.2010

Gedanken zum Billig - Chateuneuf

Großer Name - kleiner Wein. Wußte ich allerdings schon vorher, trotzdem griff ich wie schon im letzten Jahr reflexhaft zum Billig - Chateauneuf von Aldi:
Wie gehabt war wieder nix Besonderes in der Flasche, ein geruchsarmer, dünner Saft, der mit dem, was Ch9dP sein kann, so viel zu tun hat wie Pink mit dem Papst.
Passend dazu ist eine Frage, die der Genießer in seinem blog angesichts einer Konservendose San Marzano Tomaten aus dem Supermarkt aufwarf: Geht das Bewußtsein, etwas Besonderes, also in jenem Falle die Tomaten, hier den Wein im Teller bzw. im Glas zu haben, im banalen Überfluss des Supermarktalltages unter ?
Man könnte natürlich zunächst argumentieren, daß Menschen, die den Fachhandel, aus welchen Gründen auch immer, meiden, dann eben im Supermarkt zu besseren, schmackhafteren Produkten greifen können. Denn meint man es ernst mit dem Erhalt und der Verbreitung von Qualität, besonderen Erzeugnissen, Bioprodukten etc. und einem Umsteuern in den Genuß - und Ernährungsgewohnheiten, sollten sie auch für viele Menschen im Alltag erreichbar sein. Und nicht nur einer Elite von Bewußtseinsessern und zeitgeistigen Mittelklasse - Lohas als Lifestyleaccessoire dienen.
Ich bin für einen "demokratischen Konsumismus", wenn es denn wirklich "besondere" Produkte sind. Dazu gehört natürlich die ganze Kette: Korrekte Bezahlung der Produzenten, überhaupt Sorgfalt bei der Erzeugung (ggf. nach Biorichtlinien etc.) und eine gewisse Produktehrlichkeit. Bekomme ich mit meinem Einkauf wirklich einen Genußmehrwert ? Oder täuscht eine besonders edle Angeberaufmachung diesen nur vor ? Die Regale der Supermarktketten und auch der Discounter sind ja voll mit goldverzierten Gourmet, Exquisit, Rewe feine Welt Sachen. Das ist oft aufgepimpte, überteuerte Massenware, reines Marketing mit denen eine Idee, ein Image verkauft wird.
Handwerklich gearbeitete Produkte zeichnen sich ja gerade dadurch aus, daß sie oft, nicht immer, nur in begrenzter Menge erzeugt werden können. Das reicht dann nicht für Massenmengen im Supermarkt.
Womit wir wieder beim Wein wären, dem Chateauneuf bei Aldi. Da liegt nun wirklich eine Banalisierung des Produkts vor. Weinlaien, die sich mal was Gutes tun wollen, für die 9€ für eine Flasche möglicherweise schon viel Geld ist, werden enttäuscht sein, weil sie sich von einem großen Namen mehr versprochen hatten. Und  dann möglicherweise wieder zu  ganz einfacher Kost greifen. Und sich dadurch um die Genußaromatik bringen, die ein guter Winzer-Chateauneuf nun einmal bietet...


27.10.2010

Dicke Flasche - dämlicher Wein


Form und Inhalt, Packung und Produkt, der äußere Schein und die inneren Werte - das sollte möglichst zusammenpassen. Hier ein Gegenbeispiel.
Selten hab ich eine so dickwandige, glaslastige, schwere, geradezu aufgedunsene Flasche in der Hand gehabt. Normalerweise umhüllen die kalifornische Kultcabernets der 100€ Klasse aufwärts oder irgendwelche Designerweine aus Chile in derselben Kategorie.
Hier gefunden bei Aldi Nord aus der aktuellen Weinaktion: Morellino di Scansano Riserva 2006 für 6,80 € (!), kein nachvollziehbarer Erzeuger. Der Wein ist jämmerlich, kaum Duft, im Mund ein kurzes, saures Pfürzchen. Da hat man irgendwelche übriggebliebenen Tankweine genommen und durch die Monsterflasche, die ein vielfaches des Inhalts kostet, aufgepimpt.

Dann lieber fürs gleiche Geld einen  Chateau Oupia 2008 , kräftig, würzig, etwas rustikal, ein Typ mit Ecken und Kanten. Eine ehrliche Weinhaut aus dem Minervois !

19.09.2010

Aldi: Edition Leo Hillinger


Spontaner Weinkauf bei Aldi-Süd in Duisburg, Teil 2 (Fritz Kellers - Weißburgunder hier)
Überraschend, bei Aldi einen Österreicher unter dem Label Leo Hillinger zu finden. Hillinger ist Style pur, DER österreichische Wein - Yuppie, präsentiert sich als Mode -Stenz, hat das Weingut durchdesignt  bis in den letzten Zipfel ("Degustations-Lounge") und verpackt seine Weine in hohe schlanke Flaschen. Die haben so Namen wie "Hillinger 1" oder "Small Hill" und werden in den Wiener Weinbars gerne getrunken. Keine große Veranstaltung ohne Leo Hillinger, keine Party ohne prominent platzierte Hillinger-Produkte.
Und jetzt taucht der smarte Hillinger bei Aldi-Süd in Duisburg - Hüttenheim auf. Ist natürlich pure Geldgier, der Blonde mit dem Schlafzimmerblick will noch reicher werden, mit Überschußwein aus dem Burgenland in sechsstelliger Auflage. "Wer mich aber näher kennt, weiß, dass ich ein totaler Qualitäts-Freak bin." Hör an, also mal aufgemacht, die Flasche...
  • "Zweigelt, Blaufränkisch, St. Laurent" Edition Leo Hilliger / Flat Lake 2009 Burgenland (3,99€)
    Designaufmachung, abgefüllt in der gleichen hoch nach oben gezogenen Bordeauxflasche wie die "richtigen" Hillinger. Ist natürlich nicht von ihm direkt, sondern aus Trauben diverser burgenländischer Winzer, vereint unter seinem verkaufsfördernden Label. Sattes dichtes Rot, jugendlich mit lilafarbenem Rand. Überraschend viel Duft, reife Beeren, etwas Vanillekipferl und Latte Macciato. Entfaltet sich im Mund durchaus üppig, sehr fruchtbetont, hat Süße, recht weich, schöner Nachgeschmack nach Veilchenpastillen, insgesamt harmonisch. Natürlich ein Wein, der gefallen will, der aber für diese Klasse auch sehr gut schmeckt.
    Aldi heißt ja in Österreich Hofer, da geht in Sachen Wein mehr als bei uns. Hier dazu mehr. 
Weindeuter und Hillinger: who is who ?

17.09.2010

Aldi: Edition Fritz Keller "Weißburgunder"


Ich war unterwegs im Duisburger Süden, da wo es noch schlägt, das eiserne Herz des Ruhrpotts. Bei Krupp-Mannesmann brennen die Öfen, es wird Eisen und Stahl gekocht. Und es ist das Reich von Karl Albrecht, hier gibt es nämlich schon Aldi-Süd. Die Läden haben doch das feinere Sortiment, heißt es immer, also rein - natürlich zum Weinregal. Und tatsächlich, mehr Flaschen über 1,99€ und in einem Extrabereich höherwertiges. Darunter die Fritz Keller (Aldi) Edition und auch ein Wein vom österreichischen "Designer-Winzer" Leo Hillinger.
Fritz Keller, Winzer, Gastronom und Sohn des legendären Franz Keller. Der war mit seinem Weingut und seinem Restaurant in Oberbergen am Kaiserstuhl in den frühen 60er Jahren ein Qualitätspionier für hochwertige trockene Weine und eine beginnende, französisch beeinflusste Top-Gastronomie weit über Baden hinaus. Im "Schwarzen Adler" (riesige mehrfach prämierte Weinkarte und Michelinstern seit 1969 mitten im Rheintal zwischen Schwarzwald und Elsaß) fanden sich französische Kochlegenden wie Bocuse oder die Haeberlins genauso ein wie deutsche Politgrößen. Der Ort und sein Betreiber waren "in". Franz Keller ist nun einige Jahre tot, sein Sohn Franz betreibt in Hattenheim im Rheingau die Adlerwirtschaft, der andere, der Fritz, blieb in Oberbergen und ist in Sachen Wein sehr umtriebig. Neben dem eigenen Weingut ist er Promoter und Berater für badischenWein und macht für Aldi die "Edition Fritz Keller", kein Wein aus eigener Produktion, sondern ein Gemeinschaftsprojekt von aktuell über 700 Winzern und Genossenschaften, die bestimmte Vorgaben in Bezug auf reduzierte Erntemenge, Mindestalter der Rebstöcke und selektive Handlese einhalten müssen. Abgefüllt werden die Weine vom Badischen Winzerkeller in Breisach. Bisher gibt es einen Weißburgunder, einen Spätburgunder und einen Riesling - alle für 6,99 bzw. 5,99. Die Weine werden also keineswegs verramscht, die Preise liegen oberhalb vieler Rebsortenweine der Einsteigerklasse aus aus dem riesigen badischen Weinsee, was sich für die Traubenlieferanten offenbar rechnet. Die schick aufgemachten Flaschen mit Bauhausetikett sind Imagepusher und transportieren badischen Wein offensichtlich beim "einfachen" Weintrinker als etwas Besonderes, die Aktion ist erfolgreich und wird von renommierten badischen Winzern wie Patrick Johner deshalb eher positiv gesehen.

Riesling, Spätburgunder und den Rosé hatte ich ja schon probiert (hier und hier), nun also der Weißburgunder.

25.06.2010

Rosé Fritz Keller Edition...

... gab es diese Woche bei Aldi - Nord. Nach dem Spätburgunder und dem Riesling vor einigen Wochen nun das Richtige für heiße Sommernachmittage und laue Abende (zum Hintergrund der Zusammenarbeit von Fritz Keller und Aldi bitte hier nachlesen).

  • Spätburgunder Rosé 2009 Baden Edition Fritz Keller (4,99€). Intensives Lachsrosa, deutlich frische Frucht in der Nase, schön beerig (him & erd), im Mund kein leichtes Wässerchen, entwickelt durchaus cremige Kraft. Gut für alle, die auch gerne Rosés aus dem Languedoc trinken. Die gibts allerdings auch schon für ein paar Cent mehr im Fachhandel, z.Bsp. den hier. Ansonsten eine klare Aldi-Empfehlung, falls man noch ein paar Flaschen aus Theos Regalen abkriegt. 

10.06.2010

In die Aldi - Lidl Regale...


Si: 5€ Ribera vom reichen Theo

...drängen immer häufiger Weine aus renommierten spanischen Weingebieten. Sicher, den billigen dünnen Rioja hat es da immer schon gegeben - aber Priorato und Ribera del Duero für unter 5€ ? Im Ergebnis wohl der Abverkauf von Überproduktion in den Boom - und Moderegionen der letzten Jahre. Zwei aktuelle Vertreter:
  1. Vinya Carles Crianza 2005 Priorat (Lidl 4,99€), der Erzeuger bleibt anonym. Schon in der Nase eher verhalten, höchstens ein "verwaschenes Früchtchen", im Mund macht er sich zwar breit, es dominiert aber der Alkohol (14,5%) mit einer brandigen Schärfe, die überhaupt nicht durch reife Fruchtsüße gepuffert ist. Macht keinen Spaß. Zum Wein und  seiner Herkunft hier auch was beim Priorat-Hammer.
  2. Vina Carpio Tempranillo Crianza 2006 Ribera del Duero (Aldi Nord 4,99€). Hier sieht es etwas anders aus, Weine der Finca el Carpio, dahinter steht die Bodega Funtespina aus Burgos, gibt es z.Bsp. auch in Martin Kösslers "Weinhalle" oder im Casino Zollverein in Essen. Fachhandelsware also, die hier den Weg zum  reichem Theo gefunden hat. Moderne Aufmachung, der Wein duftet nach Pattex und gequetschter Plaume (= lecker), im Mund etwas Fruchtschmelz mit Vanilleschwänzchen, Alkohol steht allerdings auch hier etwas verloren in der Gegend rum, insgesamt kein absoluter Treffer, für 5€ aber korrekt. 
    Gegen solche Weine im Discount kann man nichts sagen, sie brechen eigentlich auch nicht ins Revier des Fachhandels ein. Dafür gibt es davon pro Filiale einfach zu wenig, die sind schnell weg. Wer daran gefallen findet, muß dann zum Weinhändler...
No: 5€ Priorat vom reichen Dieter

31.05.2010

Weinmarketing

Eigentlich wollte ich über den North Bridge "Petite Sirah" gar nix schreiben, obwohl er mir eigentlich ganz gut geschmeckt hat. Aber den Lidl zu pushen muß ja nicht unbedingt sein....
Meine Vermutung war, daß es sich hier um einen umgelabelten Wein aus dem Hause Concannon handelt und kommentierte dies auch beim Winzerblogger Dirk Würtz, der den Concannon Petite Sirah in einem Post gelobt hatte. Die Weinakademie Berlin (Michael Pleitgen) greift das nun auf in einem interessanten Artikel über differenziertes Marketing: "handcrafted versus easy drinking"

05.05.2010

Edition Fritz Keller bei Aldi Nord


Deutschland ist ja bekanntlich geteilt: In Aldi-Süd und Aldi-Nord. Oben regiert der Theo und unten ist das Reich des Karl. Der Karl ist etwas reicher und auch das Sortiment von Aldi-Süd gilt ja als etwas besser, passend für all die Discounter-Gourmets im Süden.
Da gabs auch schon länger Weine unter dem Label von Fritz Keller, Winzer, Gastronom und Sohn des legendären Franz Keller. Der war mit seinem Weingut und seinem Restaurant in Oberbergen am Kaiserstuhl in den frühen 60er Jahren ein Qualitätspionier für hochwertige trockene Weine und eine beginnende, französisch beeinflusste Top-Gastronomie weit über Baden hinaus. Im "Schwarzen Adler" (riesige mehrfach prämierte Weinkarte und Michelinstern seit 1969 mitten im Rheintal zwischen Schwarzwald und Elsaß) fanden sich französische Kochlegenden wie Bocuse oder die Haeberlins genauso ein wie deutsche Politgrößen. Der Ort und sein Betreiber waren "in". Franz Keller ist nun einige Jahre tot, sein Sohn Franz betreibt in Hattenheim im Rheingau die Adlerwirtschaft, der andere, der Fritz, blieb in Oberbergen und ist in Sachen Wein sehr umtriebig. Neben dem eigenen Weingut ist er Promoter und Berater für badischenWein.
Und da kommen jetzt wieder die Albrechts ins Spiel. Für die "macht" der Fritz Keller nämlich die "Edition Fritz Keller", kein Wein aus eigener Produktion, sondern ein Gemeinschaftsprojekt von insgesamt 426 Winzern und Genossenschaften, die bestimmte Vorgaben in Bezug auf reduzierte Erntemenge, Mindestalter der Rebstöcke und selektive Handlese einhalten müssen. Abgefüllt werden die Weine vom Badischen Winzerkeller in Breisach. Bisher gibt es einen Weißburgunder, einen Spätburgunder und einen Riesling - alle für 6,99 bzw. 5,99. Die Weine werden also keineswegs verramscht, die Preise liegen oberhalb vieler Rebsortenweine der Einsteigerklasse aus aus dem riesigen badischen Weinsee, was sich für die Traubenlieferanten offenbar rechnet. Die schick aufgemachten Flaschen mit Bauhausetikett sind Imagepusher und transportieren badischen Wein offensichtlich beim "einfachen" Weintrinker als etwas Besonderes, die Aktion ist erfolgreich und wird von renommierten badischen Winzern wie Patrick Johner deshalb eher positiv gesehen.
Für den Weinfachhandel  ist die ganze Aldi-Nummer natürlich ein rotes Tuch. Es ist auch immer die Frage: Lockt ein guter Wein im Discount "auf den Geschmack gekommene" Weinnovizen in den Weinladen ? Oder gehen die Weinfreaks statt zu ihrem Händler bei solchen Aktionen zu den Albrechts, um sich da mit soldider Basisqualität einzudecken ?
  • Zwei Vetreter der Edition gibts jetzt aktuell auch bei Aldi-Nord. Solide gemacht sind natürlich beide, wobei mir der Riesling 2009 etwas besser gefallen hat. Schöner frischer Duft nach grünem Apfel, auch im Mund sehr saftig und frisch = idealer einfacher Sommerriesling.
  • Der Spätburgunder 2007 ist ein eher hellfarbener Pinot-Vertreter, feine Frucht und etwas Rauchspeck in der Nase, im Mund eher leicht, Säure und Süße harmonisch, der Wein "rutscht" - und das ist doch schon was...

Bleiben zwei Fragen: Soll man Theo und den Karl noch reicher machen ? Und warum muß ich bei dem Ort Oberbergen am Kaiserstuhl immer an "Manche mögens heiß" denken ?

"Zeit"-Artikel zur Edition Fritz Keller": Rülpsen im Theater !

26.03.2010

Lidl Wein

2 Italiener mit großen Schildern


Ja, liebe Lohas und Scuppies aufgepasst, hier kommt mal wieder was über Wein vom Discounter, sogar von Lidl. Meinem Aufruf "Keine Euros für den ausbeuterischen, mitarbeiterbespitzelnden und in frühkapitalistischer Selbstherrlichkeit auftretenden Schwarz-Konzern" bin ich untreu geworden, aus reiner Chronistenpflicht...
Lidl versucht ja sein Image mit einer Genusskampagne hochzupushen (Genuß mit Stern). Beim Wein gibts jetzt das Label "Viajero = Der (Wein)reisende". Zitat:
"Das Viajero-Weinprojekt bringt für Lidl weltweit renommierte Weinmacher mit führenden Weinexperten zusammen. Das Ziel: Unseren Kunden besonders hochwertige und außergewöhnliche Weine anzubieten…"
Lidl kauft offenbar nicht nur ein, sondern mischt auch schon beim Produktionsprozess mit und läßt unabhängige Prüfinstitute ran. Das ganze wird auf dieser Seite ausführlich dargestellt. Die beiden ersten "Viajero-Weine" kommen aus Italien, einmal Nord, einmal Süd, haben große Schilder und ein "sehr gut" - Siegel von Meininger um den Hals. Soweit das Marketing - wie schmecken die beiden ?
  1. 2007er Valpolicella Classico Superiore Ripasso (7,99) der Tenuta Pule, ein 80ha Weingut mitten im Valpolicella Gebiet östlich des Gardasees. Der Wein ist geschmacklich vollkommen in Ordnung, schöner feiner Fruchtduft, seidiges Nasenparfüm. Im Mund sanft, angenehme, nicht aufdringliche Ripassosüße mit etwas fordernder Säure. Auch nach 24 Stunden noch eine runde Sache.
  2. 2008er Primitivo di Salento von Masseria di Metrano (6,99) aus Lecce in Apulien, ein "flying winemaker - Wein" - wie viele, auch berühmte, in Italien in letzer Zeit. Der Primitivo aus dem heißen Süden kommt natürlich mit mehr Power daher, dickfruchtig, relativ süß, zudem mit einer dicken Portion Kakao in der Nase, gute Länge. Hält sich sehr gut nach 24 Stunden in der offenen Flasche. Auch hier also ein absolut korrekter Wein. Wirkt vielleicht etwas "gemachter" als der Valpolicella, reiht sich aber völlig in die lange Reihe der vielen auch im Fachhandel angebotenen warmen (Frucht)Weine aus Süditalien, Südfrankreich und Spanien ein.
Trotzdem sollte man sowas natürlich im Fachhandel kaufen. In Verbindung mit einer Probe, die ja alle Händler regelmäßig anbieten. Macht einfach mehr Spaß und man hat einen ideellen Mehrwert, auch wenn man für eine vergleichbare Flasche mal ´nen  Euro mehr bezahlt.

09.03.2010

Der lange Hund


Wenn man die "Autoroute du Soleil" in Höhe der südfranzösischen Stadt Orange Richtung Westen verlässt, fährt man 300 Kilometer durch Weinfelder. Vom rechten Ufer der Rhône bis an den Fuß der Pyrenäen reicht das größte zusammenhängende Weinanbaugebiet der Welt, das Languedoc-Roussillon.
Die Weinbauern dort, meist in großen Genossenschaften organisiert, haben seit 100 Jahren den täglichen Weinkonsum der Franzosen sichergestellt und damit einen verdienstvollen Beitrag zur Ernährung der Bevölkerung in den industriellen Zentren des Nordens geleistet. Seit 20 Jahren ist die Massenerzeugung aber in der Krise, obwohl die Überproduktion schon auf 250.000 Hektar abgebaut wurde.
Während die vielen kleinen Winzer auf Klasse statt Masse setzen und mittlerweile jede Menge gesuchte (Kult)weine produzieren, die problemlos nachgefragt werden, müssen sich die Massenerzeuger etwas einfallen lassen. Heraus kommen natürlich bestenfalls Weine, die keinen besonderen Terroiranspruch haben, die Zielgruppe sind auch gar nicht die "Weintheoretiker".
Hier ein schönes Beispiel zu dem man sagen muß: Alles richtig gemacht ! Absolut originelle Aufmachung, Schraubverschluß, frische, saubere, nicht übertriebene Fruchtaromatik, Alkoholgehalt moderat (12,5%), Vertrieb über holländische Supermarktkette (Super de Boer): Longue-Dog Colombard/Chardonnay Vin de Pays d ´Oc 2009 (3,99€)

Deze wijn is afkomstig uit de zonnige Zuid-Franse Languedoc regio en gemaakt van de druiven Colombard en Chardonnay. Een soepele wijn met verfrissende aroma’s van citrus, appels en peren en een frisse lange afdronk. 

09.02.2010

Problemwein !

Er riecht intensiv, erdig, würzig, dunkel, nach Trockenfrüchten, etwas Zimt, im Mund ausgewogenes Verhältnis zwischen Gerbstoff, Süße und Säure, voll aber nicht übertrieben, eine differenzierte, schwebende Aromatik zwischen Küchenkraut und Weingummi, nachhaltig, lang. Valdehermoso 2007. Ein Charakterwein. Ein Wein aus gutem Hause: Bodegas Valderiz aus dem Ribera del Duero (die hatte schon Kössler im Programm). Ein Gewächs, passend für die von mir gern besuchten Weinläden, wo er in schönster Weinlyrik mit Recht angepriesen werden würde.

Das Problem: Er ist von Lidl.

Eine Restflasche aus einer Sonderaktion aus dem Regal geschnappt, von 7,99€ auf 5,99€ reduziert. Der Punkt hier ist also nicht der Wein an sich, sondern der Vertriebsweg. Lidl ! Keine Euros für den ausbeuterischen, mitarbeiterbespitzelnden und in frühkapitalistischer Selbstherrlichkeit auftretenden Schwarz-Konzern.

25.11.2009

Nochmal Aldi-Parker, nochmal Charakterwein

Ein Leserkommentar (zu diesem Post):

"Nun muss ich doch mal was loswerden, der Wein der hier so runtergeredet wird, ist zur Zeit auf der Titelseite der Weinzeche ganz groß beworben. Und auch in der FAZ war eine riesige Anzeige zu sehen. Es handelt sich um den gleichen Wein, also keine Ausreden möglich. Stellt sich mir die Frage warum Sie diesen Wein nicht jetzt auch bei der Weinzeche schlecht reden. Vielleicht haben Sie ja doch etwas gegen Aldi, oder sind einfach nur pro Weinzeche eingestellt. Sorry aber das hier ist die Wahrheit, nur das Label ist ein anderes sonst nichts. Alles in allem also ein sehr peinlicher Beitrag den Sie hier verfasst haben."



Das kann der Weindeuter natürlich nicht auf sich beruhen lassen lassen. Ich hatte noch eine Flasche vom Aldi-Parker (Tempranillo 2007 Valsanzo) und hab mir nun zum shootout aus der Weinzeche den besagten T-Sanzo 2007 geholt. Beide Weine kommen aus dem gleichen Stall des (flying)Winemaker Javier Rodriguez, beide sind 2007er Tempranillos aus Castilla y Leon, beide haben 10 Monate Faßausbau, für beide wird mit 90 Parkerpunkten geworben.
Probiert wurde verdeckt. Im direkten Vergleich war leicht zu erriechen und zu erschmecken:
Unterschiede im Duft, im gelben Glas (Aldi) mehr Süße Typ "Vanillekipferl". Im roten Glas (Fachhandel) mehr Frucht. Im Mund nah beieinander, etwas süffige Frucht, wenig Gerbstoff, beim Gelben knallt die Säure etwas unharmonisch auf die Vanillearomatik, der Rote ist da stimmiger, wirkt kühler, reitet auf der Fruchtwelle, bricht aber auch schnell ab. Zwischen den Flaschen liegen keine Welten, es ist im Prinzip schon der gleiche Wein, wahrscheinlich unterschiedliche Füllungen. Die beiden Spanier wurden 24 Stunden später noch beim Boskop-Weinkurs von sehr weinaufnahmewilligen Studis der Ruhr Uni probiert, die Reaktionen reichten von ganz o.k. bis langweilig.
Fazit: Angesichts der Anpreisungen ist die gebotene Gesamtaromatik für mich bei beiden enttäuschend. Es fehlt einfach an Spannung und Originalität, es sind "Nummersicherweine".
Kann man  in der +-6€Klasse etwas anderes erwarten ? Auf jeden Fall. Zum Vergleich habe ich den "Le Mas" von Clavel  (6,50 Weinzeche) aus dem Languedoc aufgemacht, und da war Musik drin: Dichter Beerenduft, im Mund Schmelz, Wärme, Reichhaltigkeit - war ein Genuß, ich mußte mich bremsen.


05.10.2009

Discountweine 3 + Rewirpower Weintest





    Nach dem "Aldi-Parker" zwei weitere Weine aus dem Aldi-Weinangebot der letzten Woche:

    Chateauneuf du Pape "Vieux Rempart" 2008 (9,98€) vom Handelshaus Arthur Barolet et Fils aus dem Burgund: Das Problem ist hier, daß man von einem Ch9dP immer etwas erwartet, was eine solche Händlerabfüllung für 10€ natürlich nicht erfüllen kann. Die ganze Aromatik in Nase und Mund ist verhalten, Fruchtduft nur angedeutet, insgesamt wenig Charakter. Stünde nicht Chateauneuf drauf und wäre der Preis max. 6€, wäre es noch o.k. So würde ich aber immer einen guten "einfachen" Cote du Rhone (wie z.Bsp. diesen hier) der "Alten Stadtmauer" vorziehen. 

    Eine andere Vorstellung gab der Rioja ab: Epulum Gran Reserva 2001 der Bodegas Catedral (7€) in Logrono. Schönes helles Rubinrot, duftige harmonische Nase aus roten Früchten und Vanille, reif, mittelgewichtig, nicht langweilig, ein balancierter und feiner kleiner Genuß. Entspricht durchaus dem Geschmacksprofil eines klassischen Rioja. Da würde ich schon nachlegen, der Wein ist mit seiner "Weihnachtsplätzchenart" ein schöner Adventswein. Ist aber schon ausverkauft, auch ein Nachteil der Aktionsangebote: wenn weg, dann weg.


Außerdem gibt es gerade in der Genußeinstiegsklasse bis 10€ (über den wirklichen Billig- und Massenangeboten, dem eigentlichen Schwerpunkt der Discounter) in den Fachgeschäften schon sehr gute Qualität. Wieder schön dokumentiert im neuen Rewirpower Weintest (in der Jury u.a. mit Uwe "Chateauneuf" Bende), alle Weine aus dem Fachhandel und alle unter 6€. Freut mich, daß da bei den Roten ein Wein aus dem Languedoc so gut weggekommen ist: "In Vino Erotico 2008" vom Franzosen in Bochum.