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21.03.2014

Party-Rote

Superduftig, superfruchtig, supersüffig, supergeil...

Nicht immer nur analytisches Schlürfen, genaues Wägen, Einordnen und Normieren  - das ganze elaborierte Getue um den Wein hat zwar seinen Reiz, kann aber auch nerven. Es gibt Situationen, da geht es einfach um Menge, um Durchsatz, um die Befriedigung von durstigen Kehlen netter Menschen, die dem selbstreferentiellen Spiel um das Göttergertränk vollkommen unzugänglich sind. Ganz normale Leute, die einfach nur mal ein "lecker Weinchen" trinken wollen, oder auch zwei...
Und damit ergibt sich für den Weinfreak als Gastgeber ein Problem. Ganz aus der unteren Schublade darf man nicht einsteigen und irgendwelche Suffweine anstellen. Das würde auf einen zurückfallen. Wie gesagt, es geht um Leute, die zwar nicht in die Thematik einsteigen wollen, aber durchaus weinerfahren sind und schon wissen, was ihnen schmeckt. Der andere Fehler wäre, zu kompliziert aufzutischen und einzufüllen, womöglich verbunden mit langatmigen Erklärungen. Eine Gradwanderung also zwischen seriöser Qualität und unmittelbar trinkiger Genußzugänglichkeit, in den letzten Wochen gab es mehrfach die Gelegenheit, Party-Rote in diesem Sinne zu öffnen...




Zwei  aus "Übersee", immer eine sichere Bank für Leute, die richtig was im Glas und im Mund haben wollen, eingängige Spieler mit viel Primärfrucht und Kraft. 




Zwei Südfranzosen aus der Provence, auch in der Regel ein Treffer für Starkweintrinker. Beide Kandidaten präsentierten sich voll, viel Schmackes im Glas: Viel Wärme, Grenache-Schmelz, dunkle Frucht, Reife im Vindemio, der Paradis paradiert mit Frische und etwas Biß vom Cabernet.   



Ein etwas ausgefallenes Pärchen, für die Neugierigen am Tisch. Einmal ein Norditaliener aus dem Veltlin, ganz oben an der Grenze zur Schweiz. Mit 94PP hochdekoriert und der Teuerste hier in der Runde. Ein Sfursat vom Fuße der Alpen, hergestellt nach der Amaronemethode: Die Trauben trocknen 120 Tage lang in Holzkassetten, sie verlieren dabei bis zu 35 Prozent ihres Gewichtes. Dadurch erhöhen sich Zucker- und Alkoholgehalt. Viel Reife, Wärme, viel Alkohol, die Amarenakirsche im Glas. Sowas sollte nicht zu Beginn angeboten werden, kommt aber gut mit seinen likörigen Schmeicheleinheiten als Absacker.
Goldene Aufdrucktypographie, mattierte Flasche, so steht er da, ein Exot aus dem Libanon aus Cabernet, Syrah, Grenache, Merlot. Weinfreunde, die hier öfter lesen, wissen, da kommt viel Gutes her (Probenbericht hier). Der ´05er ist noch voll da, reichhaltig in Nase und Mund, kein ganz Lauter, hält Eleganz, Top-Schluck.



Ein Süditaliener und ein Kalifornier in enger Verwandschaft! Der Primitivo kam Mitte des 19. Jh. vom Absatz des Stiefels über den großen Teich und wurde dort zum Zinfandel. Um den entstand in der Renaissance des kalifornischen Weinbaus ein regelrechter Kult, Zin wurde zum flüssigen Inbegriff kalifornischer Lebens - und Genußart. Auch der Primitivo hat, zusammen mit anderen Rebsorten des Südens wie Negroamaro und Nero d´Avola, einen Aufschwung in der Beliebtheit genommen und geholfen, Teile des süditalienischen Weinsees zu leeren. Vor allem bei Freunden warmer, fruchtiger und gerbstoffgezügelter Weine. Insofern war dieses Duo in den Gläsern ein Selbstläufer. Der Masseria kann als der ideale Partyschluck gelten, frei nach Friedrich Liechtenstein: Superduftig, superfruchtig, supersüffig, superlecker, supergeil...
Der Zinfandel kommt aufwändiger daher, ein Hinkucker natürlich die Hippieflasche. Im Glas dann noch sehr schön, ich hatte erst Bedenken wg. der 8 Jahre, Zinfandel altern häufig nicht so toll, die Primärfrucht des jungen Weins ist oft einfach zu attraktiv. Der hier hatte allerdings nicht abgebaut, war vielleicht sogar der attraktivste Wein der ganzen Reihe hier. 




Die Roten aus dem Rioja sind für viele ein wichtiger Teil ihrer Weinbiographie, auch für mich standen die vom langen Holzausbau und Flaschenreife geprägten Tempranillos traditioneller Machart am Beginn der Weintrinkererei. Die Crianzaklasse bot für überschaubare Tarife viel Duft, Schmelz und Charakter. Auch heute gibt es da immer noch viel Stoff fürs Geld. Auch wenn Rioja in letzter Zeit vermehrt auf teure und hochgezüchtete Spitzen setzt und bei den Einsteigern mehr auf schnelle Frucht als auf Reife, wird man bei den Klassikern immer noch fündig. Der Canas kann was, für 17€ gibt es sanften Genuß ohne Hektik, der Wein beruhigt. Typische Nase aus Vanille und Orangenschale, auch im Mund gute Harmonie von feiner Süße, Fruchtsäure und würzigem Rauch.





27.12.2012

Weihnachtsweine 2012



Zu Weinnachten regiert die Tradition, keine kulinarischen Experimente! Das gibt Halt auf hoher See und vereinfacht die Abläufe, auch wenn es hektisch wird. Weder Hummer noch Bockwurst - hier gibts zum Heiligabend immer: Maronencremesuppe, einen winterlichen Salat mit Orangen, roter Beete, Walnüssen und dann einen Krustenbraten vom Schwein. Nur die Weine wechseln natürlich. Was übrigbleibt wird an den beiden Feiertagen dann ausgetrunken und verputzt...

Die Kandidaten in diesem Jahr waren:

Schneider "Kaitui" Sauvignon Blanc 2012 Pfalz (13% / 10€) Der "Neuseeländer" aus der Pfalz, das Motto hier: duftige Exotik, Leichtigkeit und Frische. Auch die Maronensuppe dazu war in diesem Jahr leichter, süffiger, dank Zugabe von Wein.

2010 Domaine des Aires Hautes "Réserve" Minervois La Livinière (14% / 10€) Ein Favorit in seiner Klasse! Obwohl die Gesamtaromatik des Südfranzosen weit über seine preisliche Einstufung von 10€ hinausweist. Die Brüder Chabbert erzeugen einen absoluten overachiever, Glückskauf pur. Sehr dunkel im Glas, zunächst volle Erdigkeit, Gerbstoff, viel Baß, braucht Luft, unbedingt dekantieren. Dann bringt er auch differenzierte Mittel- und Obertöne zu Gehör, wird richtig freigiebig, teilt Fruchtsüße und delikate Würze aus, Topwein.   

Hunnicut Zinfandel Napa Valley (15% / 26€) Fruchtpralle Californication, erfüllt völlig, was man von einem Zinfandel in dieser Kante erwartet, absoluter Gaumenpleaser. Ich machs mir mal einfach und zitiere kurz aus der Mövenpick-Notiz, die bringt es nämlich auf den Punkt: "Tiefes Purpurgranat. Konzentriertes Backpflaumenbouquet und Zimt, Schokokirschen, Heidelbeerkonfitüre, typische Zinfandelwärme ausstrahlend. Crèmig-weicher Gaumenfluss mit perfekt ausbalancierten Tanninen und verschwenderischer dunkler Kirschfrucht, Bienenwachs, geléeartige Extraktsüsse und betörende Fülle in der saftigen Mitte, Cocktailkirsche, Zwetschgenkompott und feine Honig-Mocca-Note im sanft ausklingenden Finale." Noch Fragen?

Quinta de Noval Port LBV 2005 Douro (19% / 19€) Nun ja, Port passt natürlich zu Weihnachten, muß einfach sein, als Nachtisch. Volle Ladung, Zartbitterschokolade, Kirschlikör, süßer Tabak. Kein Zwang zum schnellen  Leeren der Flasche, es ist bis heute immer noch was drin...

Soweit für diese Jahr, allen einen geschmeidigen Rutsch.
Auf ein Wiederlesen in 2013!







31.08.2012

Experiment 2: Muscadine Wine aus Louisiana


Nach dem Recanati Reserve Sauvignon Blanc (klick) aus Israel gleich noch ein Weißweinexperiment. Diesmal wurde ein wirklicher Exot verkostet, von "übern Teich"...

Amatos Louisiana Native Winery "Muscadine Wine" Ein Reisegeschenk aus New Orleans, ein Wein aus Louisiana. Solchen Sachen sollte man immer aufgeschlossen gegenüberstehen. Neugierde ziert den wahren Weinfreund. Außerdem ist das kein Gewächs aus einem Massenbetrieb. In Henry Amatos Winery geht es bodenständig zu, es werden auch aus Erd- und Blaubeeren Fruchtweine produziert. Auch machen sie da Käse und Würste. Eine im Netz kursiernde Geschichte ist Henrys zufällige Entdeckung einer mysteriös-unbekannten Rebsorte auf seinem Land, der er den schönen Namen La-Sarachannah gab...
Nun, wie auch immer, im Garten hier in Bochum war geöffnet der "Muscadine Wine", immerhin aus richtigen Trauben gepresst. Allerdings unterscheidet sich die American Muscadine ampelographisch und auch aromatisch durchaus von dem, was wir üblicherweise von Vitis Vinifera gewohnt sind. 
Die Aufmachung der Flasche ist schön oldschool, irgendwie ungarisch wirkend. Keine Jahr- und Alkoholangabe. Der erste Eindruck: Sattes gelb und sehr duftig. Ein Wölkchen hängt über dem Glas, wirkt sehr parfümiert, süßlich-barocker Frauenduft. Im Mund dann weniger süß als erwartet. Weich, cremiges Karamell. Aber auch eine Klümchen- und Kaugumminote, die polarisierte. Gut kalt als Aperitif fand ich die exotischen Noten prima. Verblüffend die Standfestigkeit des Amatos. Ein Rest in der Flasche hielt lange durch, nach 4 Tagen nachverkostet war der quasi unverändert...

Der Muscadine-Traube wird übrigens in den USA eine enorme Anti-Cancer Wirkung zugeschrieben, es gibt einen aus ihr gewonnenen Wirkstoff auch in Kapselform (klick).

Henry Amato, Winemaker and owner of Amato’s Winery in Independence, Louisiana.



16.03.2012

Vollschmecker: Caymus Zinfandel 2008


Die Frühlingsonne läßt sich blicken, die Schwanzmeise singt ungehemmt ihr Liedchen - da wird es Zeit, noch schnell mal eine richtige Granate zu öffnen. Ein Abgesang auf die kalte Zeit, ein Dickschiff aus dem Napa Valley kommt in die Gläser...

  • Caymus Zinfandel 2008 Caymus Vineyards Napa Valley /Kalifornien (15,2% 33€) "...mollige Textur mit edlem Caramelfilm" steht in der Händleranpreisung. Das dürfte viele Weinfreaks abschrecken und tatsächlich, wer sich  bevorzugt an  Cabernet Francs von der Loire oder "Old - school Bordeauxs" delektiert sollte hiervon vielleicht die Finger lassen. Der Wein ist schon fett. Üppig wie die Venus, gemalt von Peter Paul Rubens. Dicke Frucht, (über)reife Beeren, ein reichhaltiges Kompott, sanft, Harmonie, Alkohol komplett integriert, sehr gut gemacht. Wer solche "over the top" - Weine mag wird voll befriedigt. Caymus folgt hier seinem Prinzip der "hang time", späte Lese sehr reifer Trauben. Regulär gibt es aus diesem Haus Cabernets, die recht gut beleumundet sind. Das Flagschiff ist die "Special Selection", allerdings schon im 160€ Bereich angesiedelt...



11.02.2012

Zinfandel - Wärmeflasche




Hohe Minusgrade seit Tagen, die Kälte kriecht in die Glieder. Darum mußte mal eine fette Wärmeflasche aus Kalifornien dran glauben...

"Brazin Old Vine Zinfandel" 2007 Lodi Kalifornien (15% / 17€) Wurde vor 12 Monaten schon mal probiert, hat in der Nachverkostung nichts eingebüßt. Immer noch tiefe Tinte, schon in der Nase hohe Konzentration, warme Frucht. Ein weicher Brombeerbalsam, geschmeidig, der Wein "flutscht". Kam am Tisch auch bei den Frauen an, der Weindeuter mußte zusehen, daß er was abbekam...




24.03.2011

Überseebrummer im Selbstversuch


Für Freunde hochwertiger "Überseeweine" halten die Mövenpick Weinkeller so einiges bereit. Das Sortiment wurde vor allem im Bereich Kalifornien erweitert. Was bekommt man da ab und oberhalb der 20€ - Klasse ? 
  1. Zunächst als Einstieg ein Wein aus der Zusammenarbeit von Allegrini (Italien) und Renacer (Argentinien): Enamore 2008 Mendoza (19,50€, Malbec,Cabernet-Franc,Cabenet-Sauvignon, Bonarda) Wird als argentinischer Amarone beworben, wird auch aus getrockneten Trauben bereitet, bringt aber viel Frische ins Glas. Sehr trinkbar, ohne Fett, feine Frucht. Der hat mir nachverkostet sogar nochmal nach den folgenden "Wuchtweinen" gefallen.
  2. Newton Merlot Unfiltered 2005 Newton Vineyards / Napa Valley / Kalifornien (48€) Schon zu Beginn Perfektion ? Balancierte Fülle, Trinkseide, unverschämt lecker.
  3. Abstract 2008 Orin Swift Cellars / Kalifornien (26€) Kontrastprogramm, der Einsteigerwein von Dave Phinney mit einer kräftigen "Rhonemischung" aus Grenache und Syrah. Dicke Suppe, Alkohol (15,7%) kommt durch, ein Brummer, überbordend mit dazu passendem Etikett.
  4. Zinfandel Monte Rosso 2008 Charter Oak Winery / Sonoma Valley / Kalifornien (42€). Sehr frisch und trinksaftig verpackte 15,5% Alkohol. Sehr duftig in der Nase und hintenraus sehr lang. Und dazwischen auch klasse, mein Favorit bisher. Kleines Boutique - Weingut mit "Typen", siehe Homepage.
  5. Cabernet Sauvignon 2006 Round Pond Estate / Napa Valley / Kalifornien (56€)  Eine ganz dicke Zigarre mit dicker Frucht in einer dicken Flasche. Alles dick (und teuer) -aber lecker...
  6. Cabernet Sauvignon 2007 Cade Winery / Napa Valley / Kalifornien (62€) Was Feines, recht süß im Auftakt, feminine Aura, Blütenstaub und Himbeeren fiel einem Mitverkoster ein.
  7. Napanook 2005 Christian Moueix / Napa Valley / Kalifornien (43€) Zweitwein vom Dominus, hauptsächlich aus Cabernet-Sauvignon. Schmeckt man hier "alte Welt" ? Ich meine nein, steht auf dem Tisch und im Glas klar als Napa Wein, eher der muskulös-kräftige Typ, satter Stoff mit Schmelz.
  8. Pedestal Merlot 2007 Pedestal Winery - Long Shadows Vintners / Columbia Valley / Washington State (38,50€) Eigentlich alles richtig gemacht, schöne Fruchtnase, Tabaksüße, seidiges Tannin, gute Länge. Das "Merlot-Wunder" von Michel Rolland reihte sich aber ein, es war einfach zuviel Konkurrenz auf dem Verkostungstisch.
  9. Altair 2004 Altair Vineyards / Chile (46€, Cabernet Sauvignon,Merlot,Carmenére,Syrah,Cabernet Franc,Petit Verdot) Sehr intensive (schwarze) Johannisbeernase. Opulente Süße, dann kommt viel Alkohol, ein "Aufgesetzter mit Wodka".

Alle Weine Mövenpick Weinkeller, klick.


26.02.2011

Übersee Probe in der Weinzeche mit "Schlüpferstürmer" - Zinfandel


Übersee, also Wein aus den USA, Australien, Südafrika etc., ist kein Schwerpunkt in der Weinzeche in Essen. Man bleibt dort gern in (Süd)frankreich, Spanien und Italien und bei den Weißen natürlich in Deutschland. Trotzdem war zur großen Überseeprobe einiges geöffnet, darunter sogar zwei hochwertige Klassiker aus Kalifornien: Shafers "One Point Five" und Philip Tognis Cabernet: Hochglanzpolierte Dandys der 70€ Klasse.
  • Mein Favorit kam aber aus Australien: 2006 "The Steading" von Torbreck aus dem Barossa Valley (35€ / 15%). Cuvée aus Grenache, Shiraz & Mataro (=Mourvedre) von sehr alten "Buschreben", kleine handwerkliche Produktion. Blind verkostet wäre das für mich ein sehr schöner Südfranzose gewesen. Aromatisch kam Chateuneuf aus dem Glas, keine Fruchtbombe, sondern warme Kräutererde, süßes Lakritz, sanfter Kirschlikör - TOP ! Allerdings gibts für den Preis natürlich auch schon einen guten Ch9dP...
  • Und weil man ja gerne Vergleiche anstellt, mußte auch ein Riesling aus Neuseeland ins Glas: "Old Schoolhouse" Riesling 2007 Bird / Marlborough (13,90€ / 13,5%) Fruchsaftig, säurearm, ein Wein, der "läuft". Auch hier würde ich aber in Sachen Riesling im Lande bleiben, für den Preis gibts z.Bsp. schon das hier.
  • Vor einer Woche hatte mich der Hunnicutt Zinfandel nicht wie erwartet angemacht, darum als drittes doch nochmal ein Zinfandel. Einer, der den Erwartungen an einen kalifornischen Vollschmecker eher entspricht, und der mit knapp 17€ nur die Hälfte kostet:
    Brazin "Old Vine Zin" 2007 (15%) Was soll man sagen, für sowas kenn ich keine europäische Entsprechung. Insofern ist dieser Fruchtbrummer der originellste im Trio. Ein weicher Brombeerbalsam, geschmeidig wärmend, der hohe Alkohol fällt kaum störend auf, der Wein flutscht nur so runter. Eigentlich kein "Männerwein". Früher nannte man sowas politisch unkorrekt auch "Schlüpferstürmer"...



17.02.2011

"Hunnicutt" Zinfandel


Der Weindeuter sitzt im Sauerland fest, in einem riesigen Hotel- und Tagungsbunker namens Sauerlandstern. Und da wird Bier getrunken: Veltins, Krombacher oder Warsteiner.
Ich hab mir lieber einen kalifornischen Zinfandel mitgenommen, ein Dickschiff aus der 30€ - Klasse. Nicht von einem der große Erzeuger, sondern aus einem kleinen und noch jungen Familienweingut. Von diesem Zinfandel sind in 2008 nur 216 Kisten poduziert worden. Doch trotzdem ist der leider gar nicht ein so großer Genuß wie angenommen.
  • Hunnicutt Zinfandel 2008 Napa Valley (95% Zinfandel + 5% Petite Sirah / 14,7 % / 29€ hier)
    Sehr reichhaltige Nase, pralle, etwas überreife Früchte, dicke frischgepflückte Brombeeren und Herzkirschen. Etwas Rauch, etwas Zartbitterschokolade, wenig Vanille. Also genau das, was man von solch einem Gewächs zu erwarten hat und was ich haben wollte. Im Mund dann sehr cremig, hohe Viskosität, zum Auftakt süßer Schmelz. Dann aber auch sehr zupackende Bitternote, der Alkohol schlägt durch, wie bei einem zu scharf angesetzten Rumtopf. Der Wein wird dadurch richtig schwer zu schlucken, ein harmonischer Trinkfluß will sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht einstellen.


02.11.2010

Bordeaux contra Kalifornien...

Zweimal 120 €:  COS  D ´ ESTOURNEL gegen THE LION

... ist ein Dauerbrenner. Seit der vom Weinhändler Steven Spurrier im Jahre 1976 in Paris organisierten Probe, dem legendären "Judgement of Paris", bei der die Höchstnoten nicht wie erwartet an Bordeaux gingen, sondern an die Cabernets aus Kalifornien, sind solche Gegenüberstellungen beliebt. Manchmal sind die belastet durch ideologisch geprägte Glaubenskriege: Einerseits gibt es Überheblichkeit  der Amis gegen das "alte Europa", andererseits wird diesseits des Atlantik Stimmung gegen US - Weine  wegen übertriebener "Angeberaromatik" gemacht. Gerade aus Frankreich wird der Begriff "Terroir" wie die Trikolore auf der Barrikade gegen Amiweine in Stellung gebracht. Dabei sollte das "Großsystem Bordeaux" aber vorsichtig sein, die hunderttausend Flaschen, die auch berühmte Chateaus pro Jahrgang für teuer Geld in aller Welt absetzen sind mittlerweile auch Produkte des High-Tech und nobilitiert durch Parkers US-Weinpunkte. 
Eine Probe im Mövenpick Weinkeller in Dortmund war zum Glück von solchen Überlegungen unbeinträchtigt,  Christoph Schikora präsentierte alles in sachlicher Weise, nach einigen Präliminarien trafen in den letzten beiden Flights vier Granaten aufeinander.
  1. Chateau Quinault L ´Enclos 2005 Saint Emilion Grand Cru (46,80€) Für Bordeaux - Verhältnisse kleines Gut mit 15 ha. Sehr gefällige reichhaltige Nase, glänzend poliertes Edelholz, ein Schmeichler mit feiner Beerenfrucht, präsente aber seidige Gerbstoffe im Mund, schöne Länge.
  2. Newton Merlot unfiltered 2005 Napa Valley (48€) Im direkten Vergleich mehr Süße, eine weiche Fruchtwoge voll Wein im Mund. Ein typischer Vertreter, auch im Alkoholgehalt (15,5%). Gut, erreicht aber nicht die Lustschwelle des Franzosen vom rechten Ufer.
    ________________________________________
  1. Cos d ´Estournel 2. Cru Classé Saint Estephe 2006 (128€) Großes Kino, großer Wein. Hält sich in keiner Hinsicht zurück, qualmt mit Lakritze, Süßholz und reifen Beeren geradezu aus dem Glas - das Ausufernde behält aber durch reichlich Zwischentöne auch Feinheit und Finesse. 
  2. The Lion 2006 Hess Vinery Napa Valley (120€) Hochkonzentrierter Spitzencabernet, Riesenflasche, dicke Siegellackkapsel, der Löwe kommt mächtig daher, natürlich auch aromatisch. Ein Vollschmecker, der aber im direkten Glas zu Glas - Vergleich zum ja auch schon sehr intensiven Cos etwas eindimensionaler wirkt. Bringt mehr Schoko, Vanille und Kokosnoten, kam aber bei mir nicht auf die Überholspur.
Beide Flights also für mich pro Bordeaux, die beiden Franzosen waren schon so sexy, brachten Geschmeidigkeit und Kraft mit, daß es des Kalifornien - Turbos gar nicht mehr bedurfte. Der brachte zwar mehr Umdrehungen, die Kraft verpuffte aber irgendwo und ließ die beiden Napas nicht vorbeiziehen.

Bordeaux und Kalifornien, ganz einträchtig nebeneinander...




09.05.2010

Dicke Brummer...

...wurden gestern aufgezogen - Weine, die bei der letzten Mövenpick - Probe aufgefallen waren und die einer intensiveren Prüfung unterzogen werden sollten. Dazu gab es dann auch noch eine Überraschung...
  • Einstieg war der UGABA 2008 von Anwilka aus Stellenbosch in Südafrika. Es ist wohl der gleiche Wein, der unter dem Fundi Label ("Wein mit Lehrauftrag") von Anwilka abgefüllt wird. Den hatte ich ja am 1. Mai und war da schon angetan. Ein Cabernetvollschmecker (mit Merlot + Syrah), sehr warm mit dunkler schokoladiger Frucht und würzigem Finale. Schmeckt teurer als er ist (15€), das Weinprojekt mit französischem know-how (Bruno Prats) ist noch im Aufbau, 2005 war der Debütjahrgang.
  • Dann der SALDO 2008 von Orin Swift Cellars (27€) aus Kalifornien, eine Zinfandelbombe (15,5% ) mit ähnlicher Aromatik wie der UGABA, machte aber noch mehr Druck in Nase und Gaumen. Dabei keine Trinkmarmelade, die Reifesüße und der Alkohol sind eingepackt in eine gewisse Fruchtfrische. Eine große weite Welle also, für geübte (Kraft)weinsurfer kein Problem...
  • Der Dritte im Flight war ein Klassiker aus Chile: DON MAXIMIANO FOUNDERS RESERVE 2006, das Flagschiff von Errazuriz (38€) aus dem Acongagua Valley. Überbordende Cassisnase, irrer Duft, der da aus dem Glas kam. Man konnte sich mit dem Trinken Zeit lassen, die Nase reichte eigentlich schon. Im Mund cremige Fülle, Frucht und Gerbstoffe perfekt beisammen, viel Tabak, ein sanfter Riese.
Aber was machen Weinfreaks, wenn sie solche intensiven Überseeflaschen vor sich haben ? Es überkommt sie ein gewisser Zweifel, ein Wille, das Phänomen noch einmal anders zu beleuchten. Und deshalb wurde im Sinne der Dialektik und mit einem gewissen Übermut noch ein Cabernet-Sauvignon aufgemacht, aus einer ganz anderen Welt, von der Ahr !
  • CASANOVA 2007, der in geringer Menge erzeugte Cabernet von Kreuzberg (21€) aus Dernau/Ahr. Schon die Flasche - statt in dicker Pulle abgefüllt in einer schlanken Schlegelflasche. Die Farbe, nicht dunkle Tinte wie oben, sondern durchscheinend, transparent. Natürlich waren Duft und mouthfeel hier weniger üppig, schlanker, weniger intensiv. Aber er konnte mit seiner sehr fokussierten Frucht und mineralisch-rauchigen Art durchaus gegen die Brummer bestehen, brachte sogar eine Erfrischung für die geplagten Gaumen. Auch hier war Stoff drin, der direkte Glas an Glas-Vergleich  mit dem Chilenen machte absoluten Spaß.
  • Als Nachtisch gabs dann noch was Süßes: Chateau Le Fagé aus dem Montbazillac mit einem Botrytistraubenanteil von ca. 70% und ohne Holzausbau. Deshalb kommt hier der edelsüße Genuß sehr frisch und lebendig daher.
Zweimal Cabernet-Sauvignon:  Chilenisches Dickschiff und Kreuzbergs CaSaNova von der Ahr. Ja darf man das denn überhaupt zusammen trinken ?

14.03.2010

"Überseeprobe"

Weine aus "Übersee", das klingt so schön romantisch nach der Ferne ! Ich muß da immer an Hamburg und die Landungsbrücken denken, an Hans Albers und Seemannsbraut ist die See. Die aus europäischer Sicht so genannten Überseeweine sind ja tatsächlich alle auf ihre Art europäischen Ursprungs, die Weintraditionen in Kalifornien, Australien, Südafrika und Südamerika sind von den europäischen Besiedlern/Auswanderern/Eroberern begründet worden. Aus den genannten Ländern stammten auch die Weine, die in den Mövenpick Weinkellern probiert werden konnten, mit Schwerpunkt Kalifornien. Von Einstiegsgewächsen wie dem Avalon Cabernet 2006 (gab es schon bei der Weindeuter Veranstaltung auf dem Zeltfest Ruhr im letzten Jahr) bis hin zur 50€ - Klasse aus dem Napa Valley stand da einiges bereit. Keine detaillierte Auflistung, nur ein paar Impressionen, trotzdem mal ein wenig wine-name-droping, muß auch mal sein:
"Coro Mendocino" 2005 von Fetzer (Zinfandel,Syrah,Petite Sirah - Sonderpreis 20€ statt 26€) , Fruchtwürze, Kraft und Weichheit in Balance. "A Pic" Bunnell Family Cellar 2007 (27€) aus Washington State ("Rhone-Mischung" aus Syrah, Cinsault, Mourvedre, Grenache) Es überwog dessertartige Fülle, die (Gerbstoff)bässe fehlten (Zitat vom Geniesser). Dann der Hunnicutt Zinfandel 2006 (nur 26,50€) aus dem Napa Valley, Superwein mit robust-intensivem Auftritt, wirkte auf mich dabei anregend frisch, süffig ohne aufdringliche Süße mit "bescheidenen" 15,5% ! Anders, aber auch klasse der 2007er Dutch Bill Creek Pinot Noir aus dem Russian River Valley. Nicht so laut, fein, viele kleine reife Erbeeren...
Die Garde der 50€ Cabernets stand hinter einer Theke, die wurden serviert. Und da war eigentlich nichts Enttäuschendes dabei. Probiert habe ich den 2006er Napanook/Dominus Estate, Zweitwein vom großen Dominus von Moueix, den 2006er DR II Stephens Estate,  den 2005er Round Pond Estate, den 2007er "Juliet" Beau Vigne Vineyard, den 2005er Col Solare aus Washington State und und den
2006er Cabernet von Caymus - mein Favorit in der Reihe. Alles Weine zwischen 44,50€ und 56€, alles ausdifferenzierte Aromenkonzentrate auf hohem Niveau, keine botox- und silikonverstärkten „Spitzen-Cabernets". Warum schmecken die so gut ? Dazu unten für alle, die es genauer wissen wollen, ein längeres Zitat von einem Fachmann zum Thema, von Martin Kössler.


1  "á pic": Chateauneufkopie aus Washington State, leider ohne Bass
2  Hunnicutt Zinfandel: Erfrischungsgetränk mit 15,5%, only 250 cases produced
3  serve youself...
4  Geniesser, Weindeuter und Uwe "Ch9dP" Bende
5  Die 50€ Klasse wurde eingeschenkt

"So wie der Australier und der Spanier den deutlichen Einfluss neuen Holzes mag, so wie der deutsche Weintrinker wie kein anderer auf der Welt Säure im Wein schätzt, so mag der Amerikaner weiche und harmonische Fülle. Diese erzielt man durch besonders sorgfältige Verarbeitung des Lesegutes und eine entsprechend schonende Vinifikation. Man erzielt sie aber auch im Weinberg, wo die Trauben sehr viel länger an den Rebstöcken hängen können, als bei uns, mit deutlich gleichmäßigerer Temperaturverteilung über die Wachstumsperiode. Beides zusammen ergibt jene sanften, geschmeidigen Gerbstoffe, die die guten Weine Amerikas so charakteristisch auszeichnen. Wir Europäer reagieren darauf gerne ablehend, weil uns die Weine fast schon zu schön vorkommen und unterstellen deshalb den oft schon in der Jugend unverschämt leckeren und "schönen" Weinen wüste Manipulationen. Dabei handelt es sich um pure Natur. So stehen z.Bsp. die Farbstoffe (Anthocyane) in kalifornischen Cabernets in geradzu idealem Verhältnis zu den Tanninen (Polyphenole). Der wohl wesentlichste Unterschied zwischen den Rotweinen der neuen und der alten Welt zeigt sich deshalb in der Dauer der Maischegärung: Während man in Bordeaux meist weit über die alkoholische Gärung hinaus zu extrahieren versucht, trennt man in Amerika während der Fermentation den Wein von der Maische, um die Tannine nicht zu dominat werden zu lassen. Das führt in Verbindung mit gezielt oxydativer Weinbereitung in neuem Holz mit langer Hefelagerzeit dazu, daß heute die Spitzenweine Kaliforniens deutlich besser integrierte Gerbstoffe aufweisen, mit merklich mehr Frucht trotz höherer Extraktwerte, als die meisten europäischen Barriqueweine, geschweige denn Bordeaux."
Martin Kössler  K&U

26.12.2009

Weihnachtsmenü


Zu Weinnachten gibt es ja oft ein Traditionsessen, ob nun Hummer oder Bockwurst mit Kartoffelsalat, die Speise zum Heiligen Abend ist vielen ein liebgewordenes Ritual. So begleitete in meiner Jugend der jährliche Mettkuchen mit Reissalat die Bescherung. Heute, unter meiner Zuständigkeit nicht nur für die Weinauswahl, sondern auch für die Speisenzubereitung, kommt am Heiligen Abend stets unser Menüklassiker auf den Gabentisch: Maronencremesuppe, winterlicher Salat mit Orangen, roter Beete und Walnüssen, gepöckelter Krustenbraten vom Schwein, Eis mit Früchten. Herzhaftes, erfrischendes, deftiges und feines - alles in leckerer Mischung.
Die Weine variieren, zur Suppe der  "Les Jamelles" Sauvignon Blanc 2008, fruchtfrisch, ein einfacher sauberer "Geradeauswein" aus Südfrankreich. Zum Fleisch dann der (angekündigte) Ami, "The Prisoner" 2005 von Orin Swift Cellars aus dem Napa Valley. Ein Dickschiff, wirkte wie doppelt konzentriert und entsprach in seiner Opulenz durchaus den Erwartungen und war zum würzigen Fleisch passend (mit cremiger, aus dem mitgegarten Wurzelgemüse gezogenen Soße). Er hätte aber eigentlich länger dekantiert werden müssen. Ein großes Glas schmeckte mir 24 Stunden danach besser. Der Prisoner wirkte wie freigelassen, gab sich entspannt, weich und schmelzig wie eine alkoholgefüllte Nougatpraline.

24.12.2009

Ja, der Weihnachtswein


Mein Weihnachtswein, nicht kompliziert, nicht nervös (bin ich heute schon selbst genug), barocke Fülle, samtige Frucht, streichelnd, so hoffe ich zumindest...
"The Prisoner" 2005 von Orin Swift Cellars /Napa Valley 39€ (48%Zinfandel, 26%Cabernet Sauvignon, 14% Syrah, 10% Petite Syrah, 2% Charbono)


Details folgen ! Frohes Fest !


09.12.2009

Pigott spricht und trinkt...

...in diesem Film: Ein Mitschnitt, den ich von der Lesung aus "Wein weit weg" am 2.12. in Herten gemacht habe.
Näheres zum Abend, auch zu den verkosteten Weinen, ist hier zu finden.

03.12.2009

Stuart Pigott auf Zeche Ewald


Viele Weinbücher sind voll mit ewig Bekanntem: Immer Gleiches wird wiedergekäut, Weinautoren ergehen sich in Punktebewertungen und endloser Gaumenlyrik oder geben Wein-Lifestyle-Tips.
Stuart Pigott agiert anders. Neben seinem jährlich erscheinenden Band "Kleiner genialer Weinführer" und seinem Opus Magnum zum Deutschen Wein berichtet er im Stil der Reisereportage in nunmehr drei Büchern von seinen spannenden und manchmal abenteuerlichen Erkundungen zur Globalisierung der Weinwelt. Seine Spur zieht sich mittlerweile durch alle Kontinente, auch in für unsere Vorstellungen (noch) abseitige Anbaugebiete wie Indien und Thailand. Im aktuellen Band mit dem Titel "Wein weit weg" besucht er Winzer in Nord-Michigan, Georgien, Moldawien, Norwegen und China. Zum Glück versteht Pigott es auch, seine Texte mit viel Humor, Verve und einer gewissen Dramatik vorzutragen, wovon man sich bei seiner Lesung  in der wunderschön hergerichteteten Maschinenhalle der Zeche Ewald in Herten (organisiert von der Weinhandlung Molitor) überzeugen konnte. Und es war nicht (nur) der Showauftritt eines spleenigen Engländers in buntkarierten Anzügen, sondern ein absolut kenntnisreicher Bericht, z.Bsp. über die Auswirkungen des Klimawandels auf die Bedingungen für den Weinbau.
Obwohl also schon der Vortrag nicht "trocken" daherkam, gab es passend zum Buch ausgewählte Weine. Zu Beginn zwei Rieslinge, beide so feinduftig mit angenehmen Frucht-Säure Spiel, wie Weine aus dieser Rebsorte idealerweise sein sollten. Jedoch der eine (Riesling O. 2008 von Olaf Schneider) kam von der Mosel von einem nur im Nebenerwerb als Winzer arbeitenden Elektriker mit Mini-Weinberg. Der andere ("Whole Cluster" Riesling 2008 vom Chateau Grand Traverse) war aus Nord-Michigan vom "Ayatollah des Rieslings" Sean O´Keefe.


Noch origineller ging es bei den Roten zu. Der 2006er "Premium" Cabernet-Saubignon/Merlot von Grace Vineyard aus der Shanxi Provinz hatte wunderbar cremig-weiche Himbeer/Johannisbeeraromen, jedoch nicht überbordend, eher fein und feminin wirkend mit 12,5%.
Absolut expressiv ging dann der 4. Wein zur Sache: Saperavi  2008 vom Weingut "Nika" aus Georgien. Ein "wildes Tier aus dem Kaukasus" (Stuart Pigott), nach traditioneller georgischer Kellertechnik in Tonamphoren vergoren und gereift. Dichte Nase nach Plaumenkompott mit Zimt, Mund voll mit Frucht, Gerbstoff kommt als Nachbrenner - absolut faszinierend. Natürlich gab es auch dazu eine originelle Winzergeschichte: Nika Bakhia  lebt eigentlich als Künstler in Berlin.

Das Video zur Veranstaltung ist hier.




12.09.2009

Probe im Mövenpick Weinkeller Dortmund




Ein neuer Trend ? Wie beim "Camino del Vino" letzte Woche in der Bodegas Rioja fiel auch die "Exclusivite Probe" im September im Mövenpick Weinkeller durch besondere Großzügigkeit auf: Will man die Kunden durch kräftigen Konsum in einen Kaufrausch versetzen ?

4 Tage lang konnten gegen einen "40€ - Gutschein", der aber für praktisch jeden verfügbar war, über 60 Weine frei probiert werden. Nichts erinnerte mehr an die im "Weinland" früher oft mit einer gewissen Strenge verbundene Weinzuteilung ("last order"-Grübner um 10 vor 8). Stattdessen entstand durch die Möglichkeit zur Selbstbedienung ein lockeres Verkostungsgelage, bei der eine vernünftige Probendosierung in den Gläsern manchmal etwas vernachlässigt würde. Zum Teil verständlich, standen doch einige wirkliche "Trefferweine" auf den Tischen.

Hier nur eine kurze, subjektiv auf einige Rote beschränkte Aufzählung: Finca la Planeta 2005 aus dem Priorat, dicht, dunkel, doppelt-konzentriert, wuchtige Weinessenz (25,80€). Pesquera Reserva 2005 aus dem Ribera del Duero, röstig-würzig, (noch) sehr oak-lastig (29,50€). Alenza Gran Reserva 2001 aus dem gleichen Hause, neben Wucht und Kraft auch schon viel seidige Feinheit (55,90). Chateau Beaucastel Chateauneuf du Pape 2005, eine süßbeerige, weiche Weinwooge (46€). Vosne Romanée "Quartier de Nuits" 2006 Dom.J.C.Boissset aus dem Burgund, konnte sich hier im Konzert der lauten Kracher sehr gut behaupten, etwas Erholung für den Gaumen mit herrlich hellfruchtiger Pinotnase (41,90€). "R" 2006 Bodegas Renacer, ein Premium Argentinier, nur 4600 Flaschen, 100% Malbec, superkonzentriert, Wein am Anschlag, will unbedingt beindrucken (49€). Don Maximinano Reserve 2006 von Errazuriz, sehr duftig nach schwarzen Jonhannisbeeren, angenehm süß-bitter-schokoladiger Chilene 36€). "The Prisoner" 2007 Orin Swift Cellars, Napa Valley. Ich fand ihn klasse. Eine spannende vom Zinfandel dominierte Fruchtgranate, durch Cabernet und Syrah auch viel Würze und Kraft. Dabei sehr ausgewogen und balanciert, trotz 15,2%(32,90€). 

Noch eine Empfehlung aus der Einstiegsklasse: Chateau Bas d ´Aumelas. Für 6,90€ ein fruchtwürziger, pflaumenduftiger, sehr trinkbarer Roter aus dem Languedoc. Webseite mit schöner Musik !

Fazit also: Die neue Probenkultur bei Mövenpick kommt an, beim Konsumenten allemal - mal sehen, ob es sich auch für die Verkäufer rechnet...

Schaut dazu auch hier beim Geniesser mal rein.

14.08.2009

Schardonäi-Schnäppchen...


...vom Mövenpick Weinland. O.k. der hat auch regulär schon nur 4,90 gekostet, jetzt 2,90. Und er kommt auch noch aus kalifornischer (Massen)produktion.

Aber schaut euch mal das goldgelb gefüllte Glas an, sieht doch lecker aus, oder ?
Ein gereifter Chardonnay aus dem Jahr 2005.

Was pur an die Aromatik einer geöffneten Ananaskonservendose erinnerte, war zum asiatisch (mit süß-scharf Soße) marinierten und mit etwas Honig glasierten Lachsfilet auf Champignonrisotto ganz lecker, die etwas süppelig-süße Art passte.
Der Abend ist, zumindest vinologisch, gerettet - zudem preiswert.