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10.09.2014

Lidl: Bampfield Weine

Lidl dreht die Weinschraube, betritt man aktuell eine Filiale, kann man sich vor Wein kaum retten. Die teureren Flaschen liegen in Holzkisten, schön in 45Grad Neigung zum Kunden ausgerichtet. Und die Kampagne mit Richard Bampfield scheint erst jetzt so richtig loszugehen. Bampfield, seit 1990 Master of Wine, wird online und auch in Prospekten groß herausgestellt. Er agiert als Autorität und Punktrichter. Im Parkerstil unterwirft er die Aktionsweine aber auch Flaschen aus dem regulären Sortiment dem 100 Punkte System. 


Grundsätzlich herrrscht hier eine gewisse Zurückhaltung. Bewertet wird zwischen 80 Punkten ("guter solider, ordentlich gemachter Wein") bis maximal 89 ( "sehr gut, mit besonderen Eigenschaften"). 90 und mehr vergibt er für einen Wein nicht. Das heißt also, im Lidl Sortiment befindet sich kein Wein mit "außerordentlichem, herausragenden Charakter". Solcherart Realismus tut im voraus schonmal ganz gut.

Also was solls, ein paar Flaschen müssen mit. Für Fachhändler ist ja alles von Aldi & Co. reines Teufelszeug. Auch in der Weinszene greifen bei diesem Thema oft reflexhaft Ablehnungsrituale, als stünde der Untergang des Abendlandes bevor. Ich empfehle da mehr Gelassenheit. Außerdem: Discounter-Posts gab es hier beim Weindeuter ja schon öfters. Und die hatten und haben nicht gerade die niedrigsten Zugriffszahlen. Und man kann Cordula Eich ja auch nicht alles alleine machen lassen...


"Alte Rebe" Serriger Vogelsang Riesling feinherb 2013 Mosel/Saar (11%/3,79€) Also hier gibt es nix zu meckern. Zumindest nicht für Freunde restsüßen Rieslings. Schöner Aprikosenduft, frisch, im Mund eine leichte Sweetyladung, dann kontert ausreichend Säure, um das Ganze pikant tänzeln zu lassen. Völlig in Ordnung, sehr gutes PGV (88 Bampfield Punkte).



Valdehermoso Joven 2012 Bodegas y Viñedos Valderiz / Riberadel Duero (14%/5,99€) Renommiertes Weingut aus dem Ribera, Tomás Esteban ist mit seinen Valderiz Weinen kein Nobody. Frucht dominiert hier, kein zarter Schmeichler. Der Wein hat Biß, sehr straight, kein Holz, saftige Säure. Braucht etwas Luft, sehr schöne Aufmachung (86 Bampfield Punkte).

wird fortgesetzt...


24.12.2013

Atzwentzweine...(3)



Advent ist nicht nur rot (hier und hier), im Gegenteil, die Weißen nehmen einen immer größeren Anteil auch in der dunklen Jahreszeit ein. Und das Recht gebührt ihnen auch, aktuell dazu eine Betrachtung auf Cicero online "FESTTAGSALTERNATIVE Weißwein zur Weihnacht" (klick). Da wird zwar eher einigen Chardonnays das Wort geredet, hier gab es aber einige Rieslinge in die aufnahmebereiten Gläser. Alle mit etwas Restsüße, keine Säurebomber, das passt zum Fest, das entspannt...




Steinerd II Riesling 2012 Axel Pauly Mosel (11,5%/7,90€) Feinherbe Qualität, der Wein sitzt auf Anhieb, Restzucker trifft auf hohe Moselsäure, herrlich süffige Mischung.
Alte Reben Riesling 2012 Carl Loewen Mosel (12,5%/12€) Hier konzentriert man sich auf Riesling und sonst nix, kein ausuferndes Portfolio von Dornfelder bis Huxelrebe wie sonst oft in deutschen Landen. Auch hier enormer Trinkfluß durch Restsüße, insgesamt aber dichter gebaut als der Pauly, macht mehr Munddruck, Top.
Röttgen Riesling 2009 Heymann-Löwenstein Mosel (13%/22€) Wieder mal eine Bombe vom Altmeister, vor kurzem der 2008er, ähnlich hier jetzt im Glas: Goldgelb, hohe Konzentration, reichlich Fruchtwumms in der Nase, tropische Fruchtsüße, Hedonist im Glas. Nicht für jede Gelegenheit, als Weihnachtswein ideale Balance zwischen Frische und Ohrensessel...


04.02.2013

Hugenpoet Rundgang 2013



Anders als der Betriebsname Vino Grande vermuten läßt, ist das Ladengeschäft von Thomas Kierdorf in Essen-Rüttenscheid eher klein, verkostet wird in einem gemütlichen Hinterzimmer. Viel Stammkundschaft trifft sich da, Leute mit "Weinabitur" und elaboriertem Geschmack. Das Motto ist hier klein aber fein.
Einmal im Jahr, im kalten Januar, verlagert sich aber das Geschehen, dann gibt es wirklich Vino Grande. Im Schloßhotel Hugenpoet, einer edlen von Wassergräben umsäumten Anlage in den Ruhrauen zwischen Essen Kettwig und Mülheim, inszeniert Kierdorf seine Hausmesse. Das ist jedesmal großes Weinkino, die Veranstaltung ist das Gegenteil von Beliebigkeit. Man will es hier nicht jedem recht machen. Wer auf der Suche ist nach Bordeaux, Burgund oder dem neuesten "Parker-Spanier" für 7€ oder gar Übeersee ist hier falsch, das kommt alles nicht vor.
Den Schwerpunkt der Qualitäts- und Geschmacksvorstellungen von Thomas Kierdorf bilden deutsche Rieslinge und Weine aus Österreich, dazu etwas Iberien und Südfrankreich. Eine solche Ausrichtung mit deutlicher Handschrift ist nicht ohne Risiko. Die Weine müßen erklärt werden, lautes Anpreisen, Schnäppchenangebote, Prahlerei mit Punkten und dergleichen passen hier nicht ins Konzept. Doch auch vornehmes Undersatement mobilisiert die Fans, wenngleich mir in diesem Jahr mehr Platz in den Räumen und an den Probentischen zu sein schien...


Hugenpoet: Genießer und Weindeuter (links) mit Rolli und Zaltoglas...

36 Weingüter mit 250 offenen Flaschen verteilten sich in den ehrwürdigen Salons des Hauses, Drinkers Paradise. Alles probieren geht natürlich nicht, hier ein paar Schlaglichter des Rundgangs, ohne jeglichen Anspruch auf Vollständigkeit. Zunächst Rieslingklassik von Mosel/Saar und weiteren Weißweinwonnen...

Van Volxem gewohnt stark, Dominik Völk präsentiert 2011 Scharzhofberger und 2011 Altenberg Alte Reben: Herrliche Verbindung von reichhaltiger, cremiger und gaumenfrischer Frucht und solidem Schieferfundament. Top.
Gegenüber Clemens Busch, die Pündericher zeigen die verschiedenen 2011er aus ihrer Toplage Marienburg. Anderer Stil, kompromisslos trocken, pure Mineralik, druckvoll, männliche Mundfüller, brauchen Zeit.
Leichter und im Kontrast fast erholsam kommt danach Heymann-Löwenstein in die aufnahmebereiten Gläser. Röttgen und Uhlen scheinen ganz von der weichen, sehr zugänglichen Frucht getragen.
Großes Tennis dann aus der Pfalz, aus Deidesheim. Stephan Attmann (Von Winning) erklärt intensiv, schenkt freudig ein und alles schmeckt einfach enorm gut. 2011er Langenmorgen und Pechstein sind Rieslinge am Anschlag, volle Konzentration, saftige Frucht, viel Exotik drin, mitreißend, Lustmacher pur. Überraschung dann die Sauvignon-Blancs. Eine Mode in der Pfalz? Egal, die drei Sauvignons I, II und 500 sind sensationell, werden hier nochmal gesondert vorgestellt...
Fehlt noch Chardonnay. Und da steht natürlich wieder Karlheinz Milch aus Monsheim aus Rheinhessen bereit, der sich auf diese Rebsorte spezialisiert hat. Ein eher ruhiger Winzer, er läßt seine Weine für sich sprechen. Und die befriedigen sehr, vom Einsteiger Kalkstein für unter 8€ über den Blauarsch bis zum XXL für 25€. Die müßte man mal direkt gegen Burgund stellen...



Im Obergeschoß geht es ohne Umschweife zu Terroir al Limit, Priorat extrem. Preislich, wie auch aromatisch sind diese Weine nicht unumstritten. Torsten Hammer ("The Priorat-Guide") beklagte sich bei einer früheren Verkostung mal über allzu knapp bemessene Probenschlückchen von Dominik Huber, die ein reguläres Verkosten kaum zuliessen. Aber auch jenseits solcher Anekdoten polarisieren diese Weine die Prioratgemeinde. Man strebt hier Finesse an. Die auf den Schieferböden des Priorat intensiv-kräftige Grenache wird gebändigt, sozusagen "burgundisiert". 
Wiederum ein Kontrast dann die Weine der Domaine Horizon aus dem Roussillon, neu im Programm bei Vino Grande. Thomas Teibert ist ein barock-salopper Typ mit roter Hose und Hosenträger und macht Wein im Hinterland von Perpignan. Irgendwie fällt mir da sofort Gerard Gauby ein. Der kommt ja auch aus Calce und sieht auf Fotos immer ähnlich aus. Und tatsächlich gibt es eine, sogar sehr enge Verbindung: Teibert und die Tochter von Gauby haben ein gemeinsames Kind...



Nun, die Teibertschen Reben haben Meerblick, deshalb der "Horizont." Preislich sind die Weine nicht schüchtern kalkuliert, schon der rote Einsteiger Esprit de l ´Horizon kostet 19,50€. Für den Domaine de l ´Horizon werden 33€ fällig. Beide sind aber top, der neue Südstil ohne Überkonzentration, haben delikate Frucht, trotzdem natürlich genug satte Sinnlichkeit und Schmelz, sehr gut.

Dann Österreich, ein Schwerpunkt von Thomas Kierdorf. Dorli Muhr und Fritz Wieninger nebst ihren Weinen glänzten diesmal durch Abwesenheit. Eine feste Größe auf Hugenpoet ist aber Margarethe Triebaumer. Ihr Ried Mariental (2010) repräsentiert den sehr straighten Blaufränkisch-Stil. Der erfährt seine Klasse durch fokussierte kühle Frucht und Mineralik, wenig Holz, großer Wein für Medoc-Freaks. Mehr Wonne und Wärme dann bei Hans Nittnaus, auch aus dem Burgenland. Der Erfinder des Pannobile-Konzepts schenkte seinen 2010er Pannobile allerdings aus halben Flaschen aus, die reguläre Größe ist ausverkauft. Satte Kirsche, Vanille, reichhaltig, Top-Wein.

Eine Legende zum Schluß, im roten Salon präsentieren in absolut bescheidener Weise René Barbier und seine Frau Isabelle ihre Flaschen. Auch wer vom Priorat keine Ahnung hat - Clos Mogador kennt jeder. Einer der Begründer des neuen Priorat, Trendsetzer und bis heute Qualitätsmotor für die Region. Clos Mogador 2010 aber auch ´05er und ´08er Manyetes zeigten Größe, reichhaltige, dunkle Weine mit Tiefgang.



Was noch? Der Rest ist Schweigen. Sicher kamen noch einige weitere mouth-pleaser ins Glas. Aber unter uns, Hugenpoet ist auch mal einfach sinnlicher Genuß, ohne dauernde Analyse und Verkostungsnotizen. Besser als hier retrospektiv nachzulesen ist auf jeden Fall ein wirklicher Besuch. Nächste Chance also Januar 2014...

Zur Hugenpoet Probe auch hier bei Genußbereit (klick)








Hier die komplette Winzerliste


Sekthaus Raumland, Flörsheim-Dalsheim, Rheinhessen
Weingut Schloss Lieser, Lieser, Mosel
Weingut Pauly, Lieser, Mosel
Weingut Markus Molitor, Zeltingen, Mosel
Weingut Heymann-Löwenstein, Winningen, Mosel
Weingut Van Volxem, Wiltingen, Saar
Weingut Forstmeister Geltz-Zilliken, Saarburg, Saar
Weingut Hermann Dönnhoff, Oberhausen an der Nahe
Weingut Johann Baptist Schäfer, Burg Layen, Nahe
Weingut Battenfeld-Spanier, Hohen-Sülzen, Rheinhessen
Weingut Kühling-Gillot, Bodenheim, Rheinhessen
Weingut Wittmann, Westhofen, Rheinhessen
Weingut Milch, Monsheim, Rheinhessen
Weingut Von Winning, Deidesheim, Pfalz
Weingut Jürgen Leiner, Ilbesheim, Pfalz
Weingut Zehnthof - Luckert, Sulzfeld, Franken
Weingut Schloss Gobelsburg, Gobelsburg, Kamptal
Weingut Kurt Angerer, Lengenfeld, Kamptal
Weingut Franz Proidl, Senftenberg, Kremstal
Weingut Knoll, Dürnstein, Wachau
Weingut Anita & Hans Nittnaus, Gols, Burgenland
Weingut Kollwentz, Großhöflein, Burgenland
Weingut Wenzel, Rust, Neusiedlersee
Weingut Ernst Triebaumer, Rust, Neusiedlersee
De Sousa & Fils, Avize, Champagne
Domaine de l´Horizon, Calce, Roussillon
Domaine Matassa, Calce, Roussillon
Celler de Capçanes, Capçanes, Montsant
Cava Gramona, Sant Sadurní d'Anoia, Penedes
Clos Mogador, Grattalops, Priorat
Terroir al Limit, Torroja del Priorat
Azienda Agricola Vigna Rionda di Massolino, Serralunga d´ Alba, Piemont
Marchesi Mazzei, Castellina in Chianti, Toscana
Niepoort Vinhos, Quinta de Napoles, Douro
Obstkellerei van Nahmen, Hamminkeln, Niederrhein


01.10.2011

Mosel: Dornfelder Sekt



Mal was Exotisches von nebenan, ein Dornfelder von der Mosel, und dann auch noch versektet...

"Dornfelder Sekt" 2007 Schlagkamp - Desoye / Senheim / Mosel (12% / 7,90€) Intensives Rot, auch nach 4 Jahren. Die Perlage hat ein wenig nachgelassen, kein starker Schäumer mehr. Schöne dunkle Früchte, reife Brombeere, im Mund wenig Säure, hat leichte Süße, durchaus voll. Herrliche Spätsommererfrischung, eine Flasche die schneller weg ist, als man kucken kann...
Das Weingut in Senheim (zw. Traben-Trarbach und Cochem) beherbergt auch ein Weinmuseum mit mehr als 10.000 Exponaten aus der Welt der Winzer.


29.06.2011

Hitze ? Röttgen - Riesling !

Auch am späten Nachmittag noch 30 Grad im Schatten. In der romantischen Weinecke im Garten verbreitet ein Moselriesling Ruhe und Frieden, kühlt die erhitzten Leiber und Seelen:
  • "Röttgen 2009" Erste Lage -Winningen/Mosel (13% / 20€)  Kräftiges Goldgelb, hier wurden vollreife Trauben geerntet. Reicher Duft, viel Aprikose, reifer Pfirsich, viel Spiel, cremiger Mundfluß. Die immer wieder beschworene Schiefermineralik kommt hier nicht so zum tragen, stattdessen exotische Süße, darunter puffert frische Säure. Recht weich und trinkig. Man muß aber aufpassen, der Röttgen ist natürlich kein leichter "Terrassenschlotzer", kein frischer Spritzer. Also nicht zu schnell trinken...


21.06.2011

Weinradler Etappe 2: Assmannshausen - Winningen (86 Km)

Die Pfalz bei Kaub 
Nach der Übernachtung in der Krone Assmannshausen ("eine Hotellegende seit 1541") lockte am zweiten Tag der Mittelrhein, der klassische Teil zwischen Rheingau und Koblenz. Inbegriff der Rheinromantik mit zahlreichen Burgen und Orten mit langer Tourismusgeschichte, mittlerweile Unesco Weltkulturerbe. Nur mit dem Weinbau geht es seit langem, zumindest mengenmäßig, bergab. Rebhänge machen sich nämlich mittlerweile eher rar an den Ufern, der Weinbau ist seit Jahren stark rückläufig. Von noch über 2000 ha im Jahr 1900 sind 2008 nur noch 460 ha übriggeblieben. Der Mittelrhein ist damit das zweitkleinste deutsche Anbaugebiet.

Zwei starke Marken unter einem Dach:
Weinkitsch in St. Goar
Bei Sonnenschein und Rückenwind ist schnell Bacharach erreicht (Besuch im letzten Jahr hier), ein paar Kilometer flußabwärts dann schließlich die Loreley. Direkt gegenüber lockt eine neue Vinothek des Weinguts Philipps - Mühle in St. Goar. Die beiden Jungwinzer Martin und Thomas Philipps wollen dem Flächenrückgang Einhalt gebieten, Brachflächen rekultivieren, vorhandene Rebflächen erhalten und somit einen Beitrag zur Erhaltung der Kulturlandschaft im Mittelrheintal leisten. Sehr verdienstvoll ! Mit Blick auf den berühmten Felsen schmeckte sehr gut der 2008 St. Goarer "Frohwingert" Riesling (11,50€), frische saftige Fruchtigkeit, Limette, ganz leichtes Petrol. Die Weine der Philipps Brüder gibts übrigens auch in der Weinhandlung Rolf Kaspar in Essen (klick). 

Verkostung an der Loreley:
Ein Chinese knipst erst den Fels, dann mein Rad.
Mein Ziel am Rhein war Boppard mit seiner lebhaften Rheinpromenade. Da gibt es einen sehr gut mit Weinen vom Mittelrhein bestückten Weinladen direkt am Marktplatz (Vineum klick). Den ließ ich aber aus, denn eine Bergetappe war zu bewältigen. Ich wollte zur Mosel abkürzen, und das bedeutet stramme und steile 7 Kilometer hoch auf auf die kargen und windigen Höhen des Hunsrück. Schweißtreibend und sehr durstfördernd. Außerdem ist es da oben ungemütlich, düstere Kreuze an der Straße... 

Düsterer Hunsrück
Also schnell auf der anderen Seite der Hunsrückhöhenstraße wieder runter, man rollt mit hohem Tempo direkt hinab ins Moseltal. Nach 20 Kilometern auf dem Moselradweg kündigt dann die große Autobahnbrücke der A61 die Ankunft in Winningen an. Links grüßen die berühmten Lagen "Uhlen" und "Hamm" mit ihren steilen Terrassen. 
Winninger Uhlen
Im beschaulichen Winnigen selbst blieb nach Quartiersuche gerade noch Zeit für einen Besuch in der "Vinothek im Winninger Spital". Auch dies ist ein relativ neues Projekt, Lothar Kröber präsentiert in stilvoll renovierten Räumen ausgewählte Weine von 17 Winninger Winzern. Man zahlt pro Glas eine kleine Probengebühr und kann Flaschen zu Weingutspreisen direkt mitnehmen. Dabei merkte ich wieder, wie auch schon bei der Verkostung bei Martin Tesch an der Nahe: Wenn man 80 Kilometer stramm geradelt ist, ist der Gaumen sehr offen für vinophilen Genuß. Es schmeckt einfach enorm gut. Probiert wurde eine Auswahl von ´09er Rieslingen, u.a. von Fries, Knebel-Lehnigk, Löwensteinhof (Bruder von Reinhard Löwenstein) und Knebel.
Vinothek im Winninger Spital
Abendessen dann direkt nebenan, als Kontrast zum Menü in der Krone ein einfaches Schnitzel im "Winzercafé Zur alten Post": Gute knusprige Qualität mit frischer Champignonsauce und Bratkartoffeln. Ein Gericht, das half, die Akkus des Weinradlers wieder aufzuladen. Außerdem war man so freundlich, meine in der Vinothek gekauft Flasche "Vom blauem Schiefer" von Heymann - Löwenstein vorzukühlen. Der fruchtsanfte Riesling vom Altmeister war dann mein Schlummertrunk für den weiteren Abend im Hotel Moselblick...


2 Linktips
  • Ein schöner Text zur Weinlandschaft Mittelrhein hier bei Axel Biesler.
  • "Gipfelstürmer" Winzerinitiative Mittelrhein: 4 Junge Winzer zwischen dem Mäuseturm und dem Siebengebirge haben sich zusammen gefunden, um die Vielfalt der malerischen Landschaft des Mittelrheintals, der Böden und der davon geprägten Weine sowie der Persönlichkeiten, die dahinter stehen, mit Spaß und Elan zu repräsentieren und gemeinsam etwas zu bewegen.



31.01.2011

Vino Grande auf Hugenpoet: Teil 1 Riesling

Sinnlicher Genuß: Reinhard Löwenstein mit seinen Rieslingen

Jedes Jahr im Januar versammelt Thomas Kierdorf "seine Winzer" in Essen. Die Veranstaltung im feinen Schloß Hugenpoet ist das Gegenteil von Beliebigkeit, man will es hier beileibe nicht jedem rechtmachen. Die Auswahl wendet sich an Fortgeschrittene, sozusagen an Leute mit "Weinabitur". Wer auf der Suche ist nach Bordeaux oder Burgund, Italien, dem neuesten "Parker-Spanier" für 7€ oder gar Übeersee ist hier falsch, das kommt alles nicht vor.
Den Schwerpunkt bilden deutsche Rieslinge und Weine aus Österreich. Und da war das das line-up in diesem Jahr wieder hochkarätig, anwesend waren Vertreter der deutschen Rieslingelite. Der Weindeuter gönnte sich eine subjektive Auswahl:
  • Battenfeld-Spanier aus Rheinhessen: Kirchenstück 2009 GG und Frauenberg 2009 GG, konzentriert, schlank, säurestraff, Modellrieslinge.
  • Wittmann der Rheinhessenklassiker: Aulerde 2009 GG, leichter Stinker, Erde, Kraft, Wucht.
  • Peter Kakob Kühn, der Individualist aus dem Rheingau: St. Nikolaus 2009 GG und Doosberg 2009 GG, sperrige, erdige, würzig-herbe Rieslinge - nix für Freunde der Frucht. 
  • Von Winning: Antipode zu Kühn, Kalkofen 2009 GG, reichhaltiger saftiger Pfälzer, weicher "Aprikosenstil", schon sehr "trinkig", lecker.
  • Schäfer-Fröhlich von der Nahe: Kupfergrube 2009 GG und Felseneck 2009 GG, wie eine Wanderung an der stürmischen Nordsee, charktervolle, dichtgepackte Essenzen.
    Da kam das Dellchen 2009 GG von Herrman Dönhoff nicht ganz mit.
  • Van Volxem: Volz 2009 GG und Rotschiefer 2009 GG, haben mir im direkten Vergleich zu den Winnings etwas besser gefallen, sehr duftig, warm, weich. Saar - Rieslinge mit Crema.
  • Geltz-Zilliken: Kontrastprogramm von der Saar, Rausch 2009 GG mit viel Mineralik, Salz und Zitrus. 
  • Markus Molitor: Großmogul von der Mittelmosel mit großem Sortiment, die trocken ausgebaute Auslese vom Nierdermenninger Herrenberg 2009, leicht, tänzelnd spielerische Frucht.
  • Heymann-Löwenstein: Schon der Riesling vom blauem Schiefer 2009 eine raffinierte Verbindung aus Himmel und Erde, Frucht und Mineralik. 2009er Uhlen GG dann purer Charakter, Tiefe, Rieslinghochgenuß von der Mosel. Ein Favorit.

    Alle Großen Gewächse zwischen 24€ und 36€ bei Vino Grande
Verkostungsraum auf Hugenpoet
Auf nüchternen Magen mußte das alles zum Glück nicht verkostet werden, die Hugenpoet - Küche (1 Michelinstern Nero) versorgte die Weinfreunde mit 5 kleinen, feinen Tellern. Alles aromatisch sehr entschieden und kräftig gemacht, gerade richtig für ein Häppchen zwischendurch. Ein Modell die Frühlingsrolle mit Entenfüllung, deftig herzhaft der Käsegriller, in Wien und Umgebung auch die Eitrige genannt...

Aber zu den "Ösis" erst morgen in Teil 2...
Herzhafte Tellerhäpchen: Hummersuppe, Wasabischaum mit Lachs, Curryquiche,  Frühlingsrolle mit Entenfüllung, Käsegriller am Spieß mit Kartoffel-Spinat-Stampf




13.01.2011

Reifer Rieslingsekt vom Brauneberger Juffer


Unter dem Motto "Kannste ja mal probieren, ob das noch was iss" kriegt der Weindeuter manchmal Kellerfunde geschenkt. Ein guter Bordeaux oder ein Chateauneuf war leider bisher noch nicht dabei, meistens einfache Sachen, die längst hätten getrunken werden müssen. Aber man erlebt auch Überraschungen, wie bei einem Winzersekt von der Mosel. Die versprühen in der Regel jung ihren säurefrischen Charme. Dieser hier aber war 9 Jahre alt.
Das schon ins dunklere goldgelb gehende Farbspiel mahnt zur Vorsicht. Aber es ist noch Leben in der Flasche, die Nase keineswegs muffig und oxydiert. Und es prickelt noch ! Die Bläßchen steigen nicht mehr dicht und gleichmäßig auf, eher so wie kleine Feuerwerksraketen. Natürlich ist die Aromatik nicht mehr im frischen Bereich, es schmeckt alles etwas nach reifer Orange, auch leicht süße Karamelltöne sind da. Süße und Kohlensäure haben hier offenbar konservierend gewirkt. Und natürlich der gute Grundwein vom Brauneburger Juffer, einer berühmten Steillage an der Mittelmosel.

Aktueller Preis 11€ ab Weingut Heil (kleines 5ha Familienweingut mit Ökoanspruch, späte selektive Handverlesung der Trauben)

08.12.2010

Weine zum 2. Advent: Mosel und Douro


Erst der 5. Dezember und trotzdem schon der 2. Advent ! Es ist also noch viel Zeit, um dem Monat Dezember Gerechtigkeit widerfahren zu lassen und beim Weingenuß in vorweihnachtlicher Stimmung die Schlagzahl etwas zu steigern. Zum 2. Advent gab es am Sonntag zwei Weine von zwei Flüssen, von der Mosel und vom Douro.
  • Heymann - Löwenstein Hatzenporter Kirchberg 2007 / Erste Lage /Mosel (12,5% / 21€)
    Weinfreunden was über Reinhard Löwenstein und seine Moselrieslinge zu erzählen ist überflüssig, beides sind mittlerweile Legenden, weit über das reine Winzertum hinaus. Löwenstein ist Streiter und in tiefer Erkenntnis der Materie geerdeter Fachmann des Weins mit philosophischem Tiefgang. Ansehenswert seine Homepage (hier), lesenswert sein Terroir - Buch (hier). Der Kirchberg zeigt Größe, wie nicht anders zu erwarten. Helles prallreifes Steinobst, Pfirsich, Aprikose, animierend voller Duft, im Mund dann cremiges, beinahe öliges Gefühl, schöne Süße, reichhaltig und dicht. Ist aber schon einen Moment weg von "nur Frucht", eine aromatische Ahnung der Reife, zarte Nußigkeit stellt sich ein...sehr gut.
  • Monte Fernao Douro 2008 / Bodegas Calheiros Cruz  (Tinta Roriz, Touriga Franca, Touriga Nacional 15% / 11,80€)
    Der Wein wird vom Mövenpick - Weinkeller zwar als besonders authentisch herausgestellt, ist aber in seiner ganzen Stilistik ein modern gemachter und auf unmittelbares Gefallen ausgerichteter Vollschmecker. Schon in der "offiziellen" Beschreibung ist vom "Charmeur aus dem Douro", von "gefälliger Fruchtsüße, Pflaumenpüree und Korinthenschokolade" die Rede. Ich kann das nur bestätigen. Der Wein entwickelt schon in der Nase eine fast unanständige Süße, ginge in jeder Blindprobe als Überseebombe durch. Setzt sich im Mund fort, da tun dann auch noch die 15% Alc. ihr Werk. Doch was soll ich sagen, geschmeckt hat das Pralinchen am 2. Advent schließlich doch. Draußen Eis und Schnee, da wärmt so was. Außerdem war es passend zu einer ganz mürb geschmorten Rindsroulade.


24.09.2010

Riesling klassisch

Probengabe in heiterer Gelassenheit:
Amei Prüm in der Weinzeche

Ein schöner Weinmoment liegt schon etwas zurück, die große "Von Winning Probe" ließ mich jetzt wieder daran denken. Vor einiger Zeit schenkte Amei Prüm vom Weingut Joh. Jos. Prüm aus Wehlen an der Mosel in der Weinzeche Essen eine Auswahl ihrer Rieslinge ein. Diese Weine sind Klassiker, noch als Kabinett, Spätlese und Auslese bezeichnet - worauf ja viele "Modernisten" mittlerweile verzichten. Auch ist dies eher der leichtere Moselstil mit viel Duft und der präzise justierten Dosis Restsüße, die zusammen mit der Säure dieses angenehme Aromenspiel auf die Zunge bringt. Das steht diesen Moselrieslingen einfach, wie der oben gerade eingeschenkte 2004er Wehlener Sonnenuhr SL: Reifer Pfirsichduft, zartes Petrol, delikate Frucht, herrlich transparenter Wein.
Der "neue deutsche Riesling" gibt sich da ja stoffiger, gehaltvoller, mit weniger Frucht und höherer Mineralität, so wie eben die Von Winnings oder die Battenfeld - Spaniers. Ob besser oder schlechter ist nicht das Thema, beide Stile haben ihre Berechtigung. 

23.11.2009

Oh, Gott, Pigott kommt...


...auf seiner Lesereise für sein neues Buch "Wein weit weg" auch zu den Weinfans ins Ruhrgebiet: Am 2.12. auf die Zeche Ewald (veranstaltet von der Weinhandlung Molitor Recklinghausen) und am 4.12 nach Duisburg in Die Weinvilla. Es wird gelesen, aber natürlich auch probiert - sicher ein absolut lohnenswerter Spaß.

Wer sich schon mal auf die unkonventionelle Art (und den englischen Akzent) von Stuart Pigott (Motto "das Leben des Pigott ist bunt") einstellen möchte, sollte sich das kleine Video anschauen, ein Ausschnitt aus einer Protestversammlung gegen den geplanten Hochmoselübergang:



 "Papi, was hast du im Kopf ?
Du willst einen riesigen Betonklotz mittig auf den Moselteppich hinkacken. Shame on you, Mr. Beck !"