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30.01.2014

Bekannte Namen aus dem Supermarkt...

In der Weinszene ist Ärger vorprogrammiert, wenn das Thema auf Discountwein oder Wein im LEH kommt. Da wird vor allem der Fachhändler empfindlich, sieht sein Geschäftsmodell in Gefahr, reklamiert für sich unverzichtbare Beratungskompetenz.
Dabei bieten viele inhabergeführte Läden wie Edeka und Rewe etc. mittlerweile zum Teil beachtliche Flaschensammlungen. Auch deutsche Winzer lassen sich da nicht lumpen, bekannte Namen wie Othegraven, Breuer, Dr. Loosen, Molitor, Meyer-Näkel finden sich da. Es sind natürlich nie ganze Linien, die da präsentiert werden, sondern meist ein Einsteiger oder auch eine Sonderedition. Das funktioniert und ist für uns Konsumenten nur zu begrüßen.
Der Fachhandels warnt da gerne vor dem Verlust des Kulturgutes Wein und beschwört den Untergang des Abendlandes herauf. Solcherart Verbissenheit ist z.Bsp. in Frankreich völlig unbekannt, da liegen die Crus aus Bordeaux und Burgund ganz selbstverständlich in Hyper U oder Géant.





Markus Molitor Riesling 2011 Mosel (11.5% 7,99€) Ohne nähere Angabe, auf dem Rücketikett ist von Steillagen die Rede. Nun, Markus Molitor hat ja genug Fläche an der Mosel, vielleicht ist der hier auch aus zugekauften Trauben. Wie auch immer, der Wein ist völlig korrekt. Schöne frische Rieslingnoten, Apfel, Zitrus, saftig, süffig.




Waldbach Fruchtspiel Riesling feinherb 2011 Balthasar Ress Rheingau (11,5% / 9,90€) Hier spielt Dirk Würtz seit einiger Zeit mit. Und der hat ja ohnehin keine Berührungsängste ggü. Supermarkt und Co. Erinnert sei nur an sein Lidl Projekt zum Superschoppenshopper zusammen mit Cordula Eich (klick). Der Wein wird wohl exklusiv über Rewe vertrieben, in seiner klaren, modernen typographischen Aufmachnung ein Hinkucker.
Der Ress ist resch. Es steht zwar feinherb auf dem Etikett, der Rheingauer kommt aber straff und durchtrainiert daher. Kein Fett, frische Säure, Limette, am zweiten Tag dann leichter Tropic-Touch, Ananas, noch feste Mango, durchaus reichhaltig, macht viel Spaß, entwickelt Trinkfluss, Top.





Meyer - Näkel Edition 100 Rotwein Cuvée Ahr (13%/10€) Der Altmeister von der Ahr ist schon seit einiger Zeit hier im Umfeld des Ruhrgebiets in vielen Rewe Märkten vertreten, auch mit seine beiden Einsteigerweinen aus Südafrika. Deshalb wohl auch diese Edition zum 100. Bestehen von Rewe Dortmund. Drin sind Spätburgunder und Dornfelder, im Prospekt wird der Inhalt angegeben mit  "2011er Cuvée aus Blauschiefer, Spätburgundertrauben und Dornfelder". 
Nun ja, auch ohne "Blauschiefer" ist der Wein ist schön abgestimmt zwischen Frucht und Eleganz, sehr feine ahrtypische Spätburgunderkirschnase mit etwas Rauch, vor allem im Mund dann unterfüttert mit Beerenfrucht und Reichhaltigkeit der Dornfelder, recht lang, ein Spaßroter, guter Kauf.



05.12.2011

Aldi - Wein vom Papst


Drunkenmonday hat es schon gepostet (klick hier), mir ist es gestern bei Jauchs Jahresrückblick auch aufgefallen:

Auf der Mattscheibe erschien der neunjährige Tobias Schulte, der den Papst zu seiner Kommunion eingeladen hatte. Der konnte aber leider nicht vorbeischauen. Stattdessen wurde Tobias ins Konzerthaus Freiburg eingeladen, einer der Stationen Benedikts bei seinem Deutschlandbesuch im September. Da gabs am Ende für die Ehrengäste einen Wein mit Widmung, auch für den jungen  Papstfan. Diesen "Schatz" hielt er stolz in die Kamera: "Den trinke ich, wenn ich achtzehn bin !"
Die Flasche kam mir bekannt vor, ich hatte sie erst am Tag vorher verkostet: Der aktuelle Spätburgunder 2008 aus der Fritz Keller Edition von Aldi (5,99€). Den wollte ich eigentlich gar nicht posten, war aromatisch kein besonderes Highlight. Ein korrekt gemachter Badenser, weich, "trinkige" Tischweinqualität. Möchte ich in neun Jahren nicht mehr unbedingt im Glas haben...
Warum wurde ausgerechnet der Aldi ausgewählt ? Es gab zum Anlaß ja auch die sogenanten Papstweine (Post im September hier). Vielleicht gefiel den Katholiken, neben dem günstigen Preis, ja auch das Bild von Paul Klee auf dem Etikett, der aufstrebene rote Pfeil...




09.10.2011

Lidls "Super Schoppen Shopper": Cordula und Dirk


Das Super-Schoppen-Shopper-Paket von Lidl für 9,99€: Das Buch Super Schoppen Shopper 2011 (klick) von Cordula Eich und 2 Flaschen Rotwein vom Winzer und Platzhirsch der Internet-Weinszene Dirk Würtz. Bisher war darüber in der Weinbloggerszene nicht viel zu lesen. Auch auf Dirks Seite (klick) gabs nur verhaltene Reaktionen auf die Aktion, ich hatte mit mehr Gegenwind gerechnet. Traut sich keiner ? Oder ist man sich zu fein, eine Lidl - Filiale zu betreten ? Die Haltung des Weinfreaks zum Billigwein ist nun mal eine andere, er strebt zur Weinelite, rechnet sich womöglich selbst dazu. Ihn interessieren Toptropfen, ausgefeilte Qualitäten aus Steillagen, mengenreduzierte Auslesen, etc. 
Das macht natürlich nur nur ein paar Prozent der gesamten Weinproduktion aus. Dirk Würtz hat als Weinmacher aber auch die Großmengen im Sinn. Der Weinbestand, von dem die meisten Winzer in Deutschland leben, der Weinbestand der von den meisten Menschen in Deutschland getrunken wird. Und die kaufen nun mal im LeH und im Discount. Aldi ist der größte Weinhändler hierzulande.
Würtz hat da keine Berührungsängste, nur logisch also, daß er sich mit Cordula Eich vinologisch verbandelt hat. Die verkostet sich seit Jahren durch tausende Flaschen von Basisweinen, beginnend mit dem 1-Liter "Domkellerstolz" für 0,93 €. Und veröffentlicht jetzt schon im dritten Jahr den auflagenstärksten deutschen Weinführer, eine lustig geschriebene Lebenshilfe („So schick angezogen und dann doch Hundekacke am Schuh“ ) für Leute mit schmalem Weinetat, die trotzdem Spaß am Genuß haben wollen.
Beide verstehen was vom Marketing für sich und ihre Erzeugnisse, herausgekommen ist auf jeden Fall ein in Aufmachung und Ausführung originelles Produkt. Und ein Schnäppchen, das Buch kostet sonst solo 11€. Vertrieben über Lidl, wenn schon denn schon...

Wie schmecken nun die beiden Roten aus dem Lidl Paket ?
  • Nr. 1 (Dornfelder und Regent/Pfalz) ist die Cordula: Zartes Nasenparfüm, etwas Johannisbeere, transparente Frucht, im Mund sanft, Gerbstoff und Säure sind gezügelt, gerade soviel, daß es nicht langweilig wird. Auch am dritten Tag noch recht saftig, ein einfacher trinksüffiger leichter Roter, bricht hinten flott weg. "Unkompliziert, wohlgeformt und geschmeidig" steht hinten drauf. Sollte man eher leicht gekühlt trinken.
  • Nr. 2 (Spätburgunder und Dornfelder/Pfalz), der Dirk: In Nase voller, reiffruchtig, etwas Dörrobst, etwickelt bis zum 3. Tag leichte Rumtopfnase, auch Banane, oxydativer Touch. Im Mund bis zum Schluß jedoch zum Glück frischer wirkend, kirschsaftig, auch auch etwas malzige Süße, mehr Länge als die Cordula. Laut Rücketikett "kantig und unrasiert, aber harte Schale-weicher Kern".
Fazit, die Cordula riecht besser, der Dirk hat im Mund und hintenraus mehr Schmackes. Was liegt da näher, als beide mal miteinander zu vermählen. Hab ich mit dem Rest aus beiden Flaschen gemacht, war lecker...

Ansonsten zum Shopper und zum Paket hier und hier bei Huub Dykhuizen (klick).
Details hier bei Jens Priewe, da sind auch Listen der Super Shopper.





25.06.2011

Weinradler Etappe 3: Winningen - Dernau (84 Km)


Nördlich von Koblenz: Statt Wein erstmal Atom 
Tag 3 der Weinradlertour "6 Gebiete in 3 Tagen" (hier, hier und hier vorherige Posts).

Früher Aufbruch in Winnningen an der Mosel. Ein kleiner Rest "Vom blauen Schiefer" von Heymann-Löwenstein ist noch in der Flasche, das muß als Doping reichen für die Schlußetappe, die in 4 Stunden bewältigt werden soll. An der Ahr ist gegen 14.00 ein Weintermin verabredet.
Bis Koblenz sind es nur ein paar Kilometer, da mündet die heitere Mosel am Deutschen Eck in den schweren Rhein. Gegenüber auf Ehrenbreitstein findet die Buga 2011 statt, eine Großseilbahn bringt Besucher von der Stadt über den Rhein auf die trutzige Feste. Dafür bleibt mir keine Zeit, die Kilometer hinter Koblenz den Rhein hinab ziehen sich. Und sind langweilig, das Tal ist weit, es gibt zunächst keinen Weinbau. Nur den häßlichen Atomklotz in Mülheim - Kärlich. Erst ab Andernach, übrigens die Geburtsstadt von Charles Bukowski, wird es wieder lieblich. Die Weinberge kehren zurück, ein schöner Weinort ist Leutesdorf auf der rechten Rheinseite.
Der Rheinradweg verläuft aber linksrheinisch über Brohl und Bad Breisig. Bei Sinzig mündet dann die Ahr in den Rhein, der Ahrtalradweg bringt die Reben endgültig zurück, rechts grüßt bald die Landskrone, Bad Neuenahr und Ahrweiler sind schnell erreicht. Kurz dahinter mein Zielort Dernau, am Ortseingang ein großer Hinweis auf Mandy Großgarten - die amtierende Deutsche Weinkönigin wohnt hier. Da wußte ich noch nicht, daß ich eine Stunde später auch einer Ahrweinkönigin begegnen würde...
Endlich an der Ahr
Zusammen mit einem Insider der Weinszene an der Ahr, Frank Josten (Thera Winery), geht es dann zu einer Verkostung ins Weingut Kreuzberg, wo ein großer Teil der umfangreichen Kreuzberg - Palette verkostet wird. Und was da aus den schlanken kleinen Probenflaschen kommt, ist absolute Spitze. Schieferlay 2009 GG, Hardtberg 2009 GG, Silberberg 2009 GG, Sonnenberg 2009 GG, Devonschiefer R 2009 (Früh-und Spätburgunder) sind allesamt Gewächse, die, ganz im Stil des Hauses, nicht durch holzbetonte, alkohollastige und überkonzentrierte Überumpelungsaromtik, sondern durch ausdifferenzierte Finesse begeistern. Und wieder merke ich das Phänomen des "aufnahmebereiten Gaumens" nach körperlicher Anstrengung. Die Weine "laufen", verbreiten einen reiffruchtig-rauchigen Schmelz. Ich spucke nicht, sondern trinke die großzügig von Frank Josten eingeschenkten Probenschlücke mit großem Genuß aus.

Hoher Genuß aus hohen Flaschen: Kreuzberg
Im Verkostungsbereich bei Kreuzberg geht es am Samstagnachmittag lebendig zu, eine gößere Gruppe wird erwartet. Der Hausherr Ludwig Kreuzberg taucht auf und - Julia Bertram, die erst seit dem 10. Juni inthronisierte Gebietsweinkönigin der Ahr. Guter Wein und dann noch die Weinkönigin, glücklicher Moment.


Und dann noch ein Höhepunkt, ein Besuch in der Straußwirtschaft "Im Burggarten" von Herrman - Josef Kreuzberg, langjähriger Kellermeister bei und der ältere Bruder von Ludwig Kreuzberg. Der macht heute in Dernau immer noch Wein vom eigenen Weinberg, den gibts aber nur in kleinen Mengen. Vor allem im Ausschank in dem mit viel Liebe und Geschmack hergerichteten Innenhof seines Hauses: Im Glas auf dem Foto unten "Pinot N." Ein enorm feinduftiger warmer Spätburgunder, Trinkseide, großes, französisch inspiriertes Weinkino von der Ahr.
Weinromantik an der Ahr: Straußwirtschaft "Im Burggarten"

21.05.2011

Altwein: 1983 Spätburgunder aus der Pfalz

Schöne Kristalle am Kork:
1983er Spätburgunder Spätlese   

Ganz unverhofft kam ein Altwein ins Glas. Ort: der Weinkurs, den der Weindeuter zweimal im Jahr im Rahmen von Boskop, dem Kulturbüro des Akafö an der Ruhr Universität Bochum, die Ehre hat geben zu dürfen. Eine Studentin brachte aus dem elterlichen Weinkeller einen 83´er Spätburgunder mit in die akademische Runde. Der war ein paar Jährchen älter als sie selbst.
Deshalb der schüchterene Hinweis: "Ich weiß aber nicht, ob der noch gut ist." Nun, das wußte ich natürlich auch nicht. Es kam spontan eher Skepsis auf. Also vorsichtig entkorkt, und langsam auf die Gläser verteilt.  


22.04.2011

Haldenwein: Kreuzberg


Auf den Bergehalden hier im Ruhrpott ist viel Platz. Unendliche Weiten auf der Halde Hoheward in Herten, enormer Fernblick über das grüne Ruhrgebiet - immer wieder überraschend. Schon Stuart Pigott hat ja zu Füßen dieser Halde auf einer Veranstaltung der Weinhandlung Molitor den Vorschlag gemacht, diese Flächen auch für den Weinbau zu nutzen (klick hier). Nachdem nun die Restriktionen beim Anbau gelockert sind und klimatisch sich alles zum Wärmeren wendet spricht eigentlich nichts mehr dagegen.

Auf exakt 152,5 m ü. NN verkostete der Weindeuter auf jeden Fall schon mal einen Wein, wie er sicher auch in bevorzugter Haldenlage möglich wäre:  Spätburgunder "Devonschiefer" 2008 Weingut Keuzberg / Dernau / Ahr (13% / 20€). Funkelndes, transparentes Rot im Glas, saftig-zarte Kirsche, im Mund natürlich kein großer breiter Füller, eher leicht, trotzdem intensiv und nachhaltig. (2006er hier verkostet)

Weinbau im Pott: Auf den Halden ist noch Platz


20.04.2011

"Junge Winzer" bei Lidl


Im Badischen gibts sehr viel Wein. Die Winzer sind fleißig, die Sonne scheint zuverlässig, jede Menge Hektar stehen unter Reben. Wie soll das alles an den Trinker und die Trinkerin gebracht werden ?
Schon Fritz Keller hat mit seiner Edition Fritz Keller die Discountschiene genutzt und über Aldi Nord + Süd jede Menge Weiß-und Spätburgunder aus "Deutschlands Toskana" abgesetzt (klick hier).
Etwas ähnliches gibt es auch bei Lidl. Unter dem Label "Junge Winzer" werden aktuell ein Weißburgunder und ein Spätburgunder Rosé angeboten. Zitat:  "60 begeisterte Winzer der jungen Generation haben sich zur Aufgabe gemacht, den traditionellen Weinbau mit eigener Handschrift und neuem Profilzu weiter zu entwickeln". "Junge Winzer", das hört sich ja gut an, passt in die Zeit, soll wohl auch junge Käuferschichten ansprechen. Marketingmäßig flankiert wird das Ganze noch durch Kolja Kleberg, der als "Lidl - Genußscout" in den badischen Weinbergen der "Jungen Winzer" nach dem Rechten sieht (klick hier).
Vinifiziert werden die Weine allerdings, wie die Keller - Edition auch, im Badischen Winzerkeller in Breisach. Nur da scheint die erforderliche Logistik für die großen Mengen bereitzustehen. Da laufen überörtlich die genossenschaftlichen Weinfäden zusammen. Da werden hunderte verschiedener Weine gemacht, auch die Tropfen der "Jungen Winzer". Die sind also genaugenommen hier keine Winzer, sondern lediglich die Traubenlieferanten. Verramscht werden die Weine keineswegs, die Preise liegen mit 5,99€ bzw. 4,99€ knapp oberhalb vieler Einstiegsweine der Ortsgenossenschaften.

Zum Test des Weißburgunders bot sich spontan eine kleine Blindverkostung mit weiteren badischen Gewächsen an. Dabei die Weine:


Wein 1: Frische Nase, Cidre, viel Frucht, im Mund knackig, frische Säure, lebendig, offener Wein. Kam bei den mitverkostenden Frauen deutlich am Besten an (= Junge Winzer).
Wein 2: Verhaltener im Ton, etwas buttrige Nase, im Mund mehr Fett, cremiger, wenig Säure, im direkten Vergleich mit 1 fehlende Frucht und Frische. Fiel mit der Zeit eher ab (=Bickensohler).
Wein 3: differenzierte Nase, Birne Helene, frisches Heu, Melone, im Mund Schmelz, zarte Säure, mit der Zeit Öffnung in Richtung ätherisch - würzig. Machte auch noch im wärmeren Zustand Spaß und war Favorit der verkostenden Männern. Urteil der Frauen: "muffig" (=Heger).

Der Lidl ist nicht schlecht, ein guter Geradeauswein für Fruchttrinker. Natürlich spielt der jüngere Jahrgang (2010) beim "Junge Winzer" auch eine Rolle. Trotzdem greift mal wieder das Diktum des Genießers, wonach  der teurere Wein in der Regel auch aromatisch mehr zu bieten hat. Die Qualität des Heger, einem Top Winzer vom Kaiserstuhl, schlägt auch beim kleinen Kabinett durch.
Außer Konkurrenz, als Nachtisch sozusagen, gab es dann noch den "Junge Winzer" Spätburgunder Rosé 2010 (12% / 4,99€). Auch hier dominiert Frische direkte Frucht, schon knackig und trocken, schmeckt. 
Weißburgunder - Blindprobe:
mitverkostende Frauen sahen die "Jungen Winzer" vorn



28.03.2011

Wochenendweine...

...diesmal nur zwei, am Samstag war Weinmesse auf Zollverein (später mehr), da wurde zu Hause nur ein reduziertes Programm gefahren. Das Motto der Auswahl: Heitere Leichtigkeit.
  • Substanzreicher Wein aus zertifizierter Ökoproduktion. Schöne Mischung aus duftiger Frucht und cremig-zartem Mundgefühl. Bringt feine Frische wie ein kühles Bad unter südlicher Sonne...(klick).
  • Das Weingut liegt mitten im "Mayschosser Weinkessel". Recht vornehm wirkt das da, ein Jaguar steht in der Einfahrt. Wolfgang Hehle war früher Steuerberater und hat bestimmt gestern seine Stimme in Rheinland-Pfalz für Julia Klöckner abgegeben.
    Im Glas ein Wein des Hauses, der schon die Leichtigkeit im Namen führt. Eine Mischung aus Spätburgunder, Portugieser und Dornfelder. Auch hier viel Duft, Himbeere, auch Cassis, im Mund frisch und weich, sehr moderat in den Gerbstoffen, der Wein rutscht gut. Eine moderne Interpretation des süffigen Ahr-Schoppens. Kein Wein, den man groß weglegen sollte.
Deutzerhof in Mayschoß



12.11.2010

Jahrgang 2010 (Ahr)

(Rot)weinlandschaft an der Ahr
Frost im Frühjahr, Hagel im Sommer, Fäule im Herbst - ein Bericht von Ludwig Kreuzberg - Weingut Kreuzberg Dernau / Ahr.

"Wirtschaftlich gesehen ist es schon eine Katastrophe !
Wieder (nach 2009) ein Jahr mit nur gut 30 hl/Hektar, für unser Weingut also eine halbe Ernte.
Wir hatten alle Probleme, die ein Winzer so fürchtet.
Frühfröste (bis minus 18 Grad) die Schäden in den Flachlagen machten (gottseidank nur ein kleiner Anteil). Eine sehr unterschiedliche Blüte, die zu Verieselungen führte ( auch hier nur in einigen Lagen).
Dann im Juli Hagel, von dem aber wiederum nur ein Teil der Weinberge (in Dernau) betroffen waren.
Und dann Fäulnis bei allen frühen Sorten und früher reifenden Lagen. Da mußten wir nochmals geschätzte 30% auf den Boden schneiden. Da die Schäden aber immer nur partiell auftraten, haben wir zumindest noch eine kleine Ernte eingefahren.
Die Qualitäten schwanken von zufriedenstellend bis sehr gut. Qualitativ nicht wesentlich schlechter als 2008.
Es wird kein großes Gewächs beim Frühburgunder geben. Beim Spätburgunder wollen wir da mal die Entwicklung abwarten. Aber beide Sorten entwickeln sich geschmacklich prächtig.
Ich gehe an der Stelle allerdings davon aus, das wir nur durch unsere akribische Arbeit und die kleine Erntemenge insgesamt von einem qualitativ guten Jahrgang sprechen können.
Bei dem ein oder anderen Winzer dürfte es bei entsprechend höheren Erträgen sicher Probleme mit der Vollreife der Trauben gegeben haben.
Mit freundlichem Gruß aus dem Ahrtal
Ludwig Kreuzberg"


Also ein Jahrgang der guten Winzer, auch an der Ahr ! Für mich ein willkommener Anlaß, einen 2008er Kreuzberger zu öffnen:

Spätburgunder unplugged 2008 Selektion aus Spätburgunder-Steillagen, Handlese, traditionelle, offene Maischegärung, 6 Monate in alten großen Eichenholzfässern und mehrjährigen Barriques. Hellfarben, elegante Nase, entwickelte Frucht, hat auch was erdiges, kein Breitmacher im Mund, frische Säure, gute Länge. 
(12%, 15,95€ z.Bsp hier)




16.10.2010

Mittelrhein und Wein (Teil 2)


Ein Samstag in Bacharach. Den ganzen Tag gab es Riesling (Teil 1 hier), am kühlen Herbstabend darf es dann auch was wärmeres sein. Wie  gut, daß das Weingut Toni Jost Hahnenhof auch (etwas) Spätburgunder im Programm hat. Am besten gleich die Spitze genießen, die Zeit am Rhein ist knapp, mit Präliminarien sollte man sich da nicht lange aufhalten.
Der Spätburgunder Bacharacher Hahn Spätlese 2007 (20 Monate Barrique) ist ein herrlich pinotduftiger Schmeichler, der seine Konzentration und seine 14% Alkohol in Samt und Seide hüllt. Peter Jost kann also nicht nur Töchter und Riesling, sondern auch Rot. Ein Bereich, der hier vielleicht in Zukunft mehr betont werden sollte.


Der Wein, verkostet in den schön altmodischen Zimmern des Altkölnischen Hofes, machte hungrig. Zwar riecht es an vielen Orten am Mittelrhein nach Frittenfett, in Bacharach ist aber in Punkto Kulinarik Stübers Restaurant im Rheinhotel eine gute Adresse. Originell dort die Huldigung an einen malenden Rheinreisenden aus dem frühen 19. Jahrhundert: Der Vorspeisenteller „William Turner”, bestehend aus "Steeger Hinkelsdreck" mit Traubengelee, Sushi von der geräucherten Wispertalforelle mit Rote Bete-Meerrettich, Haselnuss- und Fenchelsalami von der Mittelrheinziege, Ziegenfrischkäse aus dem Mittelrheintal mit Thymian und Honig. Ein kleinteilig zusammengesetzter Tapasteller, lecker.

Mittelrheinischer Tapasteller
Dazu ein Riesling Kabinett Oberweseler Oelsberg 2008 von Dr. Randolf Kauer, Professor für ökologischen Weinbau in Geisenheim. Der Wein ist sozusagen der praktische Teil der akademischen Tätigkeit des Erzeugers. Der Oelsberg ist schlank mit viel Zitrus und einem trockenen frischen Biß. Der richtige Wachmacher, um in einen langen Bacharacher Abend zu starten, über den hier besser jetzt aber nichts weiteres berichtet werden soll...

Vinologischer Höhepunkt am Sonntag schließlich und eine absolute Empfehlung für mittelrheinreisende Weinfreunde war ein Weinladen in Boppard mit einem sehr schönen Sortiment. Vineum, modern aufgemacht, mit charmant weiblicher und sehr kenntnisreicher Beratung (kein Chauvipunkt bitte, ist nicht als Widerspruch gemeint) liegen hier die Schwerpunkte im Bereich Ahr, Rheingau und natürlich Mittelrhein. Vorhanden sind auch die wirklichen Spitzen, u.a. interessant ein exotisch anmutendes Gewächs vom Weingut Friedrich Bastian aus Bacharach: Riesling Bacharacher Posten 2006 mit enormen 15,5% alc.  (Verkostung später).


Die beste Seite im Netz zum Thema:
Mittelrhein - Weinführer von Dr. Jens Burmeister
Mittelrhein und Wein Teil 1: hier

15.10.2010

Wein am Mittelrhein (Teil 1)


Die Landschaft ist großartig am Burgenrhein zwischen Koblenz und Bingen, der deutsche "Grand Canyon" lockt viele an: Loreleyromantiker, Bötchenfahrer, Kegelbrüder- und Schwestern, natürlich auch Weinfreunde. Rebhänge machen sich allerdings eher rar an den Ufern, der Weinbau ist seit Jahren stark rückläufig. Von noch über 2000 ha im Jahr 1900 sind 2008 nur noch 460 ha übriggeblieben. Der Mittelrhein ist damit das zweitkleinste deutsche Anbaugebiet.
Dabei haben die Dörfer am Rhein einiges zu bieten, beeindruckend altes Fachwerk und verwinkelte Gassen prägen das Bild von Boppard, St. Goar, Oberwesel, Kaub. Natürlich gibt es auch allerorten durch Kitschtourismus verursachte kleine Sünden in diesen Dörfern. Hier soll aber mal die malerische Schönheit betont werden. Und da liegt Bacharach ganz weit vorne. Bekannte Weinerzeuger dort sind Bastian, Dr. Kauer, Heidrich und natürlich der Klassiker, das VDP - Weingut Toni Jost.
Der Traditionsbetrieb liegt mitten im Ort, die Verkostungsstube - dunkles Holz, Bleiglasfenster mit Zechermotiven - strahlt konservative Wertigkeit aus. Umso überraschender der erfrischende Auftritt von Cecilia Jost, Geisenheimabsolventin, Jungwinzerin. Peter Jost kann nämlich nicht nur Riesling, sondern auch Töchter. Eine von dreien, Katharina, war vor fünf Jahren deutsche Weinprinzessin. In die Fußstapfen des Vaters tritt aber nur Cecilia, die zunehmend Verantwortung für die Vinifikation im Betrieb übernimmt und beeindruckend locker die Rieslinge des Hauses präsentiert.


Schon der Einsteiger "Toni Jost 2009" für 6,40€ zeigt klare Kante - ein schlanker, klarer, feinduftiger Erfrischer mit zarter Grapefruitnote. Mehr Kraft dann im Devon S Riesling, in der Nase schöne helle Frucht, am Gaumen salzige Würze. Reichhaltiger, cremiger die Spätlese 2009 (12,90€) vom Bacharacher Hahn. Die exponierte Lage mit Rheinblick ist fast im Alleinbesitz der Familie Jost. Auch die Spitze kommt natürlich daher, Bacharacher Hahn GG 2007 (13,5% / 20,50€). Dichtgebauter Riesling mit Schmelz, konzentriert ("eine Traube pro Trieb, auf der Feinhefe bis Juni 2008"), dabei aber in der ganzen Aromatik ein "nördlicher" Riesling ohne überreife Süßenoten. Süße kam dann ins Glas mit der Auslese und der Beerenauslese (beide 2006),  besonders die Auslese mit delikat leichtem "femininen" Süße-Säure Spiel.
Vorläufiger Höhepunkt des ersten Tages dann eine ganze Flasche Bacharacher Hahn GG im Weinberg mit Blick auf den Rhein, in dieser Gegend auch gerne "Vater Rhein" genannt. Mußte allerdings mit drei weiteren Verkostern geteilt werden...



Mittelrhein und Wein Teil 2: hier

25.06.2010

Rosé Fritz Keller Edition...

... gab es diese Woche bei Aldi - Nord. Nach dem Spätburgunder und dem Riesling vor einigen Wochen nun das Richtige für heiße Sommernachmittage und laue Abende (zum Hintergrund der Zusammenarbeit von Fritz Keller und Aldi bitte hier nachlesen).

  • Spätburgunder Rosé 2009 Baden Edition Fritz Keller (4,99€). Intensives Lachsrosa, deutlich frische Frucht in der Nase, schön beerig (him & erd), im Mund kein leichtes Wässerchen, entwickelt durchaus cremige Kraft. Gut für alle, die auch gerne Rosés aus dem Languedoc trinken. Die gibts allerdings auch schon für ein paar Cent mehr im Fachhandel, z.Bsp. den hier. Ansonsten eine klare Aldi-Empfehlung, falls man noch ein paar Flaschen aus Theos Regalen abkriegt. 

05.05.2010

Edition Fritz Keller bei Aldi Nord


Deutschland ist ja bekanntlich geteilt: In Aldi-Süd und Aldi-Nord. Oben regiert der Theo und unten ist das Reich des Karl. Der Karl ist etwas reicher und auch das Sortiment von Aldi-Süd gilt ja als etwas besser, passend für all die Discounter-Gourmets im Süden.
Da gabs auch schon länger Weine unter dem Label von Fritz Keller, Winzer, Gastronom und Sohn des legendären Franz Keller. Der war mit seinem Weingut und seinem Restaurant in Oberbergen am Kaiserstuhl in den frühen 60er Jahren ein Qualitätspionier für hochwertige trockene Weine und eine beginnende, französisch beeinflusste Top-Gastronomie weit über Baden hinaus. Im "Schwarzen Adler" (riesige mehrfach prämierte Weinkarte und Michelinstern seit 1969 mitten im Rheintal zwischen Schwarzwald und Elsaß) fanden sich französische Kochlegenden wie Bocuse oder die Haeberlins genauso ein wie deutsche Politgrößen. Der Ort und sein Betreiber waren "in". Franz Keller ist nun einige Jahre tot, sein Sohn Franz betreibt in Hattenheim im Rheingau die Adlerwirtschaft, der andere, der Fritz, blieb in Oberbergen und ist in Sachen Wein sehr umtriebig. Neben dem eigenen Weingut ist er Promoter und Berater für badischenWein.
Und da kommen jetzt wieder die Albrechts ins Spiel. Für die "macht" der Fritz Keller nämlich die "Edition Fritz Keller", kein Wein aus eigener Produktion, sondern ein Gemeinschaftsprojekt von insgesamt 426 Winzern und Genossenschaften, die bestimmte Vorgaben in Bezug auf reduzierte Erntemenge, Mindestalter der Rebstöcke und selektive Handlese einhalten müssen. Abgefüllt werden die Weine vom Badischen Winzerkeller in Breisach. Bisher gibt es einen Weißburgunder, einen Spätburgunder und einen Riesling - alle für 6,99 bzw. 5,99. Die Weine werden also keineswegs verramscht, die Preise liegen oberhalb vieler Rebsortenweine der Einsteigerklasse aus aus dem riesigen badischen Weinsee, was sich für die Traubenlieferanten offenbar rechnet. Die schick aufgemachten Flaschen mit Bauhausetikett sind Imagepusher und transportieren badischen Wein offensichtlich beim "einfachen" Weintrinker als etwas Besonderes, die Aktion ist erfolgreich und wird von renommierten badischen Winzern wie Patrick Johner deshalb eher positiv gesehen.
Für den Weinfachhandel  ist die ganze Aldi-Nummer natürlich ein rotes Tuch. Es ist auch immer die Frage: Lockt ein guter Wein im Discount "auf den Geschmack gekommene" Weinnovizen in den Weinladen ? Oder gehen die Weinfreaks statt zu ihrem Händler bei solchen Aktionen zu den Albrechts, um sich da mit soldider Basisqualität einzudecken ?
  • Zwei Vetreter der Edition gibts jetzt aktuell auch bei Aldi-Nord. Solide gemacht sind natürlich beide, wobei mir der Riesling 2009 etwas besser gefallen hat. Schöner frischer Duft nach grünem Apfel, auch im Mund sehr saftig und frisch = idealer einfacher Sommerriesling.
  • Der Spätburgunder 2007 ist ein eher hellfarbener Pinot-Vertreter, feine Frucht und etwas Rauchspeck in der Nase, im Mund eher leicht, Säure und Süße harmonisch, der Wein "rutscht" - und das ist doch schon was...

Bleiben zwei Fragen: Soll man Theo und den Karl noch reicher machen ? Und warum muß ich bei dem Ort Oberbergen am Kaiserstuhl immer an "Manche mögens heiß" denken ?

"Zeit"-Artikel zur Edition Fritz Keller": Rülpsen im Theater !

26.04.2010

Weinwanderung an der Ahr

Wildschwein, Winzervesper, Wanderpass

Besser hätten das die Dernauer nicht machen können: Erst sorgen sie für Sonnenschein und blauen Himmel, stellen dann an den schönsten Aussichtspunken in den Weinbergen Tische und Stühle auf und lassen dort die örtlichen Winzer Weine und leckere Gericht verkaufen.

So geschehen beim 1. Dernauer Weinfrühling. Und damit man wirklich alle 8 Stationen aufsuchte, gab es sogar einen Pass zum abstempeln, gehört (in Deutschland) zur Wanderfolklore einfach dazu. Und da an der Ahr und auch in Dernau alles schön eng beisammen ist, war nicht sportliche Höchstleistung gefragt, sondern kulinarisches Durchhaltevermögen und auch (Wein)durst.

Denn es gab nicht nur Bratwurst, das Angebot war hochwertig und individuell aufgestellt und hatte Lokalbezug. Das Weingut Erwin Riske stellte einen rustikalen Ahrtaler Tapasteller zusammen, mit Schinken und Pastete vom Wildschwein, Rotweinsülze, Speck und Bergkäse. Bei Kreuzberg gab es Schmalzbrote und im mobilen Pizzaofen frischgebackene Winzerfladen, die Gutsschenke Meyer-Näkel servierte Wildschweinkoteletts vom Grill. Auch bei den Weinen gab es nicht nur den einfachen Winzerschoppen. Schon unten im Tal im Weingut Kreuzberg, wo ich mich sicherheitshalber vorher mit was Gutem eindecken wollte, beruhigte mich Paul Schneider aus der Kreuzberg-Crew: Am Kreuzbergstand gab es gut eingeschenkte Gläser mit dem Frühburgunder C und dem Devonschiefer Spätburgunder. Erfrischend waren mehrfach fruchtfrische Blanc de Noirs: Mangels Riesling & Co. machen sie ja an der Ahr auch ihren Weißwein aus roten Trauben. Im Dorf veranstaltete zu allem Überfluss die Dagernova-Winzergenossenschaft noch ihre Frühjahrweinpräsentation. Da mußte ich natürlich auch reinschauen und die drei Spitzenweine probieren, incl. Ahr Frühburgunder 2008 (24,90€). Alle sehr auf der samtig-fülligen Seite mit wohlkalkuliertem "Vanille-Küßchen" vom Barrique.

An der Ahr dominieren vor allem Weinfreunde aus dem Rheinland. Und weil die alle zurück nach Köln und Bonn fahren, wird es abends an der Ahr eher ruhig. Besser ist, und so hab ichs gemacht, nach einem solchen Marathon im Tal zu nächtigen und den Tag z. Bsp. in der Hofgartenschenke ausklingen zu lassen.

Genuß-Highlight : Top-Weine bei Kreuzberg direkt in den Reben

21.09.2009

Weinexkursion an die Ahr




Für Weinfreunde herrscht im Ruhrgebiet an Einkaufsmöglichkeiten kein Mangel, gutbestückte Weinläden gibt es im näheren Umkreis jede Menge. Ab und zu muß man aber auch mal direkt an den Ort der Erzeugung, Reben schnuppern, Winzer aufsuchen.
Das von Bochum nächstgelegene Weingebiet ist kurz hinter Bonn die Ahr, für Weingourmets wie für Kegelklubs gleichermassen geeignet. Gerade im oberen Teil zwischen Dernau und Mayschoss geht es da landschaftlich äußerst reizvoll zu.




Für einen Wochenendtrip empfiehlt sich folgende Dramaturgie, an die wir uns auch diese Jahr wieder gehalten haben: Frühe Anreise, die Winzer sind am Samstag nur bis zum frühen Nachmittag auf spontane Besuche eingestellt. Quartier in Mayschoss, da ist die Kulisse mit den rebbestockten Zeugenbergen mitten im Ort, der Saffenburgruine und den bizarren Schiefersteillagen als Hintergrund einfach am schönsten. Nachmittags Wanderung über den Rotweinwanderweg mit selbstorganisierter Probe in den Weinbergen (diesmal an der Michaelskapelle hoch über Mayschoss mit beindruckendem Wolken-Sonne Spiel und dem 2008er Frühburgunder von Kreuzberg). In Rech dann Weinfest mit einigem Rummel, aber klein genug und dadurch gut erträglich mit dem süffigen Weißherbst Inspiration 2008 vom Weingut Schell. Abends dann gemütlich-bürgerliches Essen im Restaurant Saffenburg (u.a. ein Riesling halbtrocken vom Deutzerhof, sehr passend). Sonntags Besuch in der Winzergenossenschaft Mayschoss, die älteste Deutschlands und der ganzen Welt (!) und schon morgens Treffpunkt der Weinbegeisterten. Der Weinlagerkeller mit viel Holz dort verströmt Kelleromantik, im Verkostungsraum kurze Probe, der pikant-frische Blanc de Noir und der Pinot Noir 2007, ein alkohol- und holzlastiger Brummer (15%). Darunter stellen sich die Genossen die burgundisch-frankophile Interpretation des Ahr Spätburgunders vor, naja, hat mir als "Körpertrinker" (ich gebs ja zu) aber geschmeckt. In Marienthal schließlich kleine Abschlußwanderung mit einem Federroten in den Weinbergen oberhalb Dernau und in schönster Ruinenromatik dann den Abt 2006 (28€) vom Klosterweingut, der mit viel Kraft, Schmelz und Länge noch einmal zeigt, was ein Spätburgunder von der Ahr so alles kann.

Die Ahr ist ja aufgrund ihrer absoluten Nordlage jenseits des 50. Breitengrades als Rotweingebiet (fast 90% rote Sorten, davon über 60% Spätburgunder) ein Kuriosum, möglich nur durch die mikroklimatisch günstigen Bedingungen mit den warmen, nach Süden ausgerichteteten Schieferlagen am Rande der warmen rheinischen Tiefebene. Sehr gute Informationen über Geologie, Rebsorten und Weingüter an der Ahr sind hier auf Ahr und Wein zu finden.
45 Winzer sind tätig, alle anderen Traubenerzeuger liefern an die 4 Genossenschaften ab. Als die 6 Topwinzer gelten die sechs VDP Betriebe Meyer-Näckel, Adeneuer, Nelles, Stodden, Deutzerhof und Kreuzberg, hier unter Winefever gemeinsam präsentiert, da gehts auch zu den jeweiligen websites. Die Stile sind durchaus unterschiedlich, es herrscht ein Wettbewerb, sodaß es sich lohnt, die Weine mal quer zu probieren. Auch spannend und an der Ahr aufgrund der kurzen Wege gut machbar ist es, die Winzer vor Ort aufzusuchen. Auch da werden Unterschiede deutlich, von edel mit Jaguar vor der Tür und eher mit Voranmeldung wie bei Cossmann-Hehle/Deutzerhof in Mayschoss bis gemütlich-offen mit weinumrankter Straußwirtschaft wie bei Kreuzberg in Dernau ist alles anzutreffen.

Dort hatten wir am Samstag Gelegenheit, einiges aus dem aktuellen Sortiment zu probieren. Der Basis - Spätburgunder 2008 beginnt bei ca. 8€ und ist eine gute Ouvertüre in die spezielle Burgunderaromatik und die Handschrift der Kreuzbergweine: Alle probierten Weine haben eine schöne Kombination von würziger Kraft mit viel Duft und Feinheit. Jeweils Steigerungen in der Intensität der Unplugged Spätburgunder 2008 (14€, aus dem großen Holzfaß) und der mineralisch-dichte Devonschiefer 2008 (19€), eine Selektion aus Schiefersteillagen. Dann der Frühburgunder C 2008, eine regionaltypische und zunehmend identitätsstiftende Spezialität an der Ahr auf insgesamt fast 40 ha angebaut, säurearm, rauchig-samtig. Schließlich obendrauf der geschmeidig-füllige Hardtberg Frühburgunder 2007 (28€), 18 Monate im Barrique, deklariert als Großes Gewächs aus besonderer Einzellage.
Von der Ahr aromatisch etwas weg führten dann die spannenden Weine Cuvée Georg 2007 (23€),Frühb./Cabernet Franc und Ca Sa Nova 2007. Der zeigt: Kreuzberg kann auch Cabernet-(Sauvignon), ein dichter dunkelbeerig-schokoladiger Mundfüller aus der schlank-eleganten "Kreuzbergflasche".
Weitere Eindrücke geben die Bilder unten und ein Ahr-Bericht hier vom Geniesser.