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31.08.2014

Rote im August


Schwache Sommerperformance, viel Regen im August, zu kalt - deshalb kamen in den letzten Wochen einige Rote in die aufnahmebereiten Gläser...

Chateau Mirebeau 1996 / Pessac-Leognan (12,5%/heute 20€) Mit 18 Jahren gerade volljährig gewordener Bordeaux, nicht laut, feine rauchige Reifenase, elegant.

Cuvée Mythique 2012 / Languedoc (14%/8€) Ein Markenwein, eine Erfolgsgeschichte der Vignerons de la Mediteranee/ Val d'Orbieu, wird jedes Jahr von verschiedenen Erzeugern und Lagen selektiert, breit im LEH verfügbar, für den qualitätsbewußten Supermarktkäufer, der bereit ist, mehr als 5€ zu investieren. Warmer und fruchtweicher Trunk, angenehmer Tischwein.

Finca El Puig 2006 Cellers Fuentes / Grand Clos / Priorat (15%/24€) Viel Frucht, offen, kein Esoterikpriorat, keine schwarze Wand, sondern ein saftig trinkbar-süffiger Spaßwein.

Fitou 2011 Domaine Jones (14%/18€) Mehrfach verkostet (klick hier), bereitet immer wieder großes Vergnügen - der Fitou von Katie Jones. Grenache und Carignan von Uraltreben, tolle Frucht, frischsaftige Beeren im Glas, bei aller Kraft und Tiefe spielerisch, große Kunst.

Tradition 2011 Domaine Richeaume / Provence (14%/18€) Ein Dauerbrenner, schon oft verkostet, nun in neuer Aufmachung mit dem Loch im Etikett. Näheres zum Weingut am Fuße der Montagne St. Victoire bei Aix en Provence hier (klick). Der Wein ist immer eine Bank für Freunde würzstarker Südweine.

D66 2009 Orin Swift / VdP des Cotes Catalanes / Roussillon (15,2%/40€) Ein Dickschiff, ganz im Hausstil von Dave Phinney, dem kalifornischen Weinmacher mit den ausgefallenen Etiketten. Der zeichnet auch in Frankreich und Italien für beeindruckende Abfüllungen verntwortlich. Jede Menge Wumms, Fett, Kraft, für Freunde barocker Konzentrate.

25.12.2011

Weihnachtsmenü 2011


Jedes Jahr das Gleiche, zu Weihnachten regiert die Traditon, keine kulinarischen Experimente ! Das gibt Halt auf hoher See und vereinfacht die Abläufe, auch wenn es hektisch wird. Weder Hummer noch Bockwurst - hier gibts zum Heiligabend immer: Maronencremesuppe, einen winterlichen Salat mit Orangen, roter Beete, Walnüssen und dann einen Krustenbraten vom Schwein. Nur die Weine wechseln natürlich, dieses Jahr waren dabei:
  • Der Kandidat zur Maronensuppe: Chateau de Nages "Cuvée JT" blanc 2009 Costieres de Nimes (14,5% / 15 €) Ein fast reinsortiger Roussane, selektierte Trauben, fermentiert in neuem Holz. Schlug sich tapfer, null Frischfrucht, dafür viel nussiger Schmelz. Hat Attitüde wie ein weißer Ch9dP, also nicht zu kalt genießen. Reichaltig, passte zu Gericht und Anlaß sehr gut. 
  • Zum Krustenbraten trat an Bordeaux in Gestalt von Chateau Clerc Milon 2006 (13% / 46€) Viel Rauch in der Nase, die Zigarre im Glas, mittlerer Körper, verströmt herb-männliche Attribute. Verliert sich dann aber, nicht sehr nachhaltige Aromatik. Kein Großer, blieb hinter den Erwartungen zurück. Auch der Rest am zweiten Tag startetet nicht durch.
Besserung kann nur noch der Chateuneuf bringen, der schon auf seine Entkorkung wartet, eine Flasche Pegau Réservée 1997. Die wird morgen am 2. Weihnnachtstag verputzt, schon mit Blick auf die Nordsee...

Der Sau gehts an den Kragen...



25.11.2011

Aldi Gourmandise: Bordeaux und Sushi

Aldi, der größte Weinhändler Deutschlands. Ca. 20% des deutschen Weinabsatzes gehen über die Konten der "Albrechts". In Sonderaktionen tauchen gelegentlich Genußperlen auf, auch die Fritz Keller - Weine (klick) kann man durchaus kaufen. Ansonsten geht es hier um die Basisklasse, die (wein)alkoholische Grundversorgung der Deutschen, um die sich auch Cordula Eich so liebevoll kümmert.

Aldi Nord soll ja jetzt in Sortiment und Aufmachung aufgemöbelt werden. Das ist nötig, denn im Aldi - Südreich geht es seit jeher schon etwas gediegener zu.
Ein Besuch einer Süd - Vorzeigefiliale in Mülheim an der Ruhr, der Heimatstadt der Albrechtbrüder: Sehr hell, sehr groß, Backautomaten, es duftet, 5 Kassen geöffnet, für Aldi unerwartet großes Sortiment. Im Kühlregal finden sich kleine Sushiboxen (6 Stk. / 2,99€). Dazu einen Bordeaux aus dem Aktionsweinregal (Chateau Begadanet 2008 Cru Bourgeois Medoc Vignobles Figerou (13.% / 4,99€) und fertig ist die low-budget Version von Bordeaux und Sushi. Nicht lachen, das hat seinen Reiz. Wurde in einer Probe mit Hendrik Thoma im Mövenpick Weinkeller in Dortmund vor einiger Zeit bewiesen und mit Sushi von Steffen Henssler im Hamburger Hafen untermauert. Zum Nachlesen hier und hier klicken.
Damit kann die Aldi Version nicht mithalten. Der kleine Bordeaux hatt da noch den besseren Part. Der steht nämlich überraschend duftig im Glas und bietet auch im Mund genügend Stoff. Etwas rustikal aber keineswegs  ein grüner Bitterling, wie häufig in dieser Preisklasse. Das Sushi allerdings, typisch für solche Boxen, ist zu reislastig, der Reis auch zu neutral, zu wenig pikant gesäuert.

Noch was aktuelles zu Aldi. Im Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen beginnt morgen die Ausstellung »I love ALDI« . Zitat: "Nicht nur in Arbeiterstädten wie Ludwigshafen hat die »Aldisierung« als Gegenmodell zum Luxus-Markenfetischismus alle Einkommens- und Bildungsschichten erreicht und mit dem Billig-Virus infiziert. Das Wilhelm-Hack-Museum widmet sich nun erstmals konsequent dem Thema »Discount« und »billig«. Unter dem Titel »I love ALDI« reflektieren 38 Künstlerinnen und Künstler teils unmittelbar, teils im weiteren Sinne Fragen der industriellen Lebensmittelproduktion, der Billigware und des postmodernen Konsumverhaltens."

Auch hier beim Genießer: Beiträge des Ruhrgebiets zur kulinarischen Welt, Teil IV: Aldi (klick)


25.05.2011

Kleiner Bordeaux - 10 Jahre alt


Eine Kellerentnahme mit Anlaß, in diesem Fall sogar ein runder Geburtstag. Das Geburtstagskind, Jahrgang 2001, hat aber nix abbekommen - noch zu jung. Aber der Wein war nach 10 Jahren in schöner Reife. Ein Wein ohne Übertreibungen, kein lauter Klopfer, ein kleiner Bordeaux.
  • Chateau Dutruch Grand Poujeaux Cru Bourgois 2001 Moulis en Medoc (12,5% / ca. 20€) Ein inhabergeführtes 30ha Gut, je zur Hälfte mit Merlot und Cabernet - Sauvignon bestockt. Der Hausstil ist eher klassisch-traditionell, ohne Hilfsmittel, man setzt auf "Charme und (Jahrgangs)charakter".
    Schon sehr entwickelt, orangebraun, durchaus duftig, Erde, Pfeffermühle, Zigarrenkiste, die, in der Mädchen früher ihre Glanzbilder aufbewahrt haben. Der Wein also schön mürb geworden und jetzt absolut trinkreif. Im Mund schlank, Kirschkerne, leichte Säure. Kein Hedonist im Glas, hat Feinheit, stellt sich nicht mit lauten aufdringlichen Aromanoten in den Vordergrund. 

06.12.2010

Bordeaux in China

Eine skurille Meldung vorweg: Der französiche Generalkonsul in Hongkong hat Wein geklaut. Französischen Wein - in China !
Ist es schon so weit, daß bei der Menge an teuren Bordeauxs, die ins Reich der Mitte gehen, die Franzosen sich ihren Anteil zurückholen ? Vielleicht sogar in chauvinistischer Überheblichkeit denken, daß "der Chinese" an sich das gute Zeugs ohnehin nicht verdient hat ?
Wine goes east ! Die chinesische Oberklasse gelüstet es nach Statussymbolen aus dem alten Europa. Die Preise am Weinhandelsplatz Hongkong explodieren. „Wein ist eine Form von Unterhaltung für wohlhabende Chinesen geworden. Sie haben Spaß daran Wein zu ersteigern und lassen sich beim Bieten von ihrer Begeisterung mitreißen“ – zumindest bei must have-Weinen. Lafite - Rothschild steht im Zentrum des Interesses, die Flaschen werden für Irrsinnssummen verkauft. Der 2008er wurde gleich mit der chinesischen (Glücks)zahl Acht dekoriert. Mouton - Rothschild zieht nach, und läßt sein 2008er Etikett von Xu Lei gestalten.
Die äußere Aufmachung spielt in China eben eine große Rolle, das hat ja auch schon unsere Weinkönigin Mandy bei ihrer Wein-PR-Tour mit Kurt Beck festgestellt.
Da ist es nur logisch, daß z.Bsp. auch Chateau Beychevelle aus St. Julien eine große Chance im neuen Boom Markt eingeräumt wird: Das Boot auf dem Etikett erinnert an ein chinesisches Drachenboot.
LAFITE mit der chinesischen ACHT, MOUTON mit chinesischer Kunst, BEYCHEVELLE mit Drachenboot


24.11.2010

Student(inn)enwein - Test

von links nach rechts aufsteigend
Boskop, das Kulturbüro des Akafö an der Ruhr Universität Bochum, bietet zweimal im Jahr im Rahmen seines Kursprogrammms für Studentinnen und Studenten auch meinen Weinkurs an. Der letzte Abend (von Vieren) ist immer die große Abschlußprobe. Jede(r) bringt eine Flasche seiner Wahl mit, probiert wird verdeckt, bewertet wird nach dem akademischen 15-Punkte System. Diesmal überraschend: Keine Weine aus Übersee, vielleicht ein Reflex auf meine Warnungen vor (holz)chipgetunten Australiern und Kaliforniern. Alles "Good old Europe", darunter gleich viermal Bordeaux.

Testsieger: Die große rote Rose
Da vertraute man einem großen Namen und besorgte zweimal den Baron Philippe de Rothschild 2008, Massenwein aus dem Hause Mouton noch unterhalb des Mouton Cadet angesiedelt, ein einfacher Trunk, grüne bittere Paprika. Mehr Substanz der Aldi - Bordeaux Chateau du Ragon 2008 und richtig gut schließlich Chateau Trois Moulins 2007 , ein Cru Bourgeois aus dem Haut Medoc (7€).
In der unteren Hälfte plaziert waren Vina Angela der Bodegas Ignacio Marin (4,99€), ein einfachgestrickter Spanier aus dem Gebiet Carinena und ausgerechnet einer von meinen Weinen: Compleo Cuvée Noir 2008 (11,80€) der Staatskellerei Zürich, eigentlich ein angenehmer Schmeichler, versagte. Etwas Süße, easy drinking, hinterließ keinen nachhaltigen Eindruck.
Auch der Aldi Rioja konnte nicht recht durchstarten, Ramon Lopez Murillo Reserva 2005 der Bodegas Altanza (4,99€) hob in seinem Goldnetz nicht zum Höhenflug ab. Ein weiterer Rioja kam besser an: Conde de los Andes Gran Reserva 2001 (ca.13€) aus dem Traditionshaus Paternina, ein mürb gewordener, sich in oxydativer Reife  befindender Klassiker. 

Die Spitzengruppe:
  • Platz 3 war mein zweiter Wein, der aktuell bei Mövenpick sehr herausgestellte Monte Fernao 2008 vom Douro aus Portugal. Hier in der Reihe mit enormer Fruchtsüße ("Kokoskaramell") und viel vom Alkohol (15%) verstärkten Schmelz.
  • Auf Platz 2 nochmal Spanien, Don Mendo Gran Reserva 2003 Bodegas San Valero (Carinena), schöne Reife, aber auch noch Kraft und dicht mit Röstnoten, Tabak etc.
  • Von allen ziemlich einhellig auf Platz 1 gehoben dann ein Süditaliener: Santi Nobile Tarantino 2008 abgefüllt von der Tenute Piccini in Castellina in der Toskana. Duft nach Orangenschale und Sauerkirsche, modern gemacht, eine gut abgestimmte saftige Mischung aus Süße und Säure. Auch hier, ähnlich wie beim Portugiesen dient der Alkohol (14,5%) als wärmender Geschmacksvertsärker. Die Flasche mit der dicken roten Rose auf dem Etikett gibts für 4,99€ - bei Aldi-Nord.



16.11.2010

Bordeaux mit Wichy ´s

Wichy´s sind die Geschäftsidee von Sascha Jürgens und Lars Schwenk aus Hamburg. Ein in Folie verpackter Snack auf Reisbasis. Man will wohl nicht so in die Sushi - Ecke und spricht eher von einem Reissandwich und hat dem ganzen eine dreieckige Form gegeben. Außenrum ist dann aber wieder ein (knuspriges) Noriblatt, die Füllung variiert. Hendrik Thoma präsentiert das Ganze in seiner TVINO Sendung (hier klicken). Scheint lecker zu sein, kostet ca. 3€ das Stück.
Und welchen Wein gibts zu den Sushi - Wichy´s ? Natürlich zwei günstige Bordeaux, die beiden Wichy - Macher wundern sich erst, Thoma verweist dann aber auf die guten Erfahrungen, die er mit Bordeaux zu Sushi gemacht hat. Und das war im Mövenpick Weinkeller in Dortmund, seitdem gibts auch bei mir öfter mal diese Kombination...


02.11.2010

Bordeaux contra Kalifornien...

Zweimal 120 €:  COS  D ´ ESTOURNEL gegen THE LION

... ist ein Dauerbrenner. Seit der vom Weinhändler Steven Spurrier im Jahre 1976 in Paris organisierten Probe, dem legendären "Judgement of Paris", bei der die Höchstnoten nicht wie erwartet an Bordeaux gingen, sondern an die Cabernets aus Kalifornien, sind solche Gegenüberstellungen beliebt. Manchmal sind die belastet durch ideologisch geprägte Glaubenskriege: Einerseits gibt es Überheblichkeit  der Amis gegen das "alte Europa", andererseits wird diesseits des Atlantik Stimmung gegen US - Weine  wegen übertriebener "Angeberaromatik" gemacht. Gerade aus Frankreich wird der Begriff "Terroir" wie die Trikolore auf der Barrikade gegen Amiweine in Stellung gebracht. Dabei sollte das "Großsystem Bordeaux" aber vorsichtig sein, die hunderttausend Flaschen, die auch berühmte Chateaus pro Jahrgang für teuer Geld in aller Welt absetzen sind mittlerweile auch Produkte des High-Tech und nobilitiert durch Parkers US-Weinpunkte. 
Eine Probe im Mövenpick Weinkeller in Dortmund war zum Glück von solchen Überlegungen unbeinträchtigt,  Christoph Schikora präsentierte alles in sachlicher Weise, nach einigen Präliminarien trafen in den letzten beiden Flights vier Granaten aufeinander.
  1. Chateau Quinault L ´Enclos 2005 Saint Emilion Grand Cru (46,80€) Für Bordeaux - Verhältnisse kleines Gut mit 15 ha. Sehr gefällige reichhaltige Nase, glänzend poliertes Edelholz, ein Schmeichler mit feiner Beerenfrucht, präsente aber seidige Gerbstoffe im Mund, schöne Länge.
  2. Newton Merlot unfiltered 2005 Napa Valley (48€) Im direkten Vergleich mehr Süße, eine weiche Fruchtwoge voll Wein im Mund. Ein typischer Vertreter, auch im Alkoholgehalt (15,5%). Gut, erreicht aber nicht die Lustschwelle des Franzosen vom rechten Ufer.
    ________________________________________
  1. Cos d ´Estournel 2. Cru Classé Saint Estephe 2006 (128€) Großes Kino, großer Wein. Hält sich in keiner Hinsicht zurück, qualmt mit Lakritze, Süßholz und reifen Beeren geradezu aus dem Glas - das Ausufernde behält aber durch reichlich Zwischentöne auch Feinheit und Finesse. 
  2. The Lion 2006 Hess Vinery Napa Valley (120€) Hochkonzentrierter Spitzencabernet, Riesenflasche, dicke Siegellackkapsel, der Löwe kommt mächtig daher, natürlich auch aromatisch. Ein Vollschmecker, der aber im direkten Glas zu Glas - Vergleich zum ja auch schon sehr intensiven Cos etwas eindimensionaler wirkt. Bringt mehr Schoko, Vanille und Kokosnoten, kam aber bei mir nicht auf die Überholspur.
Beide Flights also für mich pro Bordeaux, die beiden Franzosen waren schon so sexy, brachten Geschmeidigkeit und Kraft mit, daß es des Kalifornien - Turbos gar nicht mehr bedurfte. Der brachte zwar mehr Umdrehungen, die Kraft verpuffte aber irgendwo und ließ die beiden Napas nicht vorbeiziehen.

Bordeaux und Kalifornien, ganz einträchtig nebeneinander...




25.10.2010

Nordseeweine

Lekker drinken en eten aan de Zee:
Sushi-Bordeaux und Musar
 

Die Herbstwoche in Holland an der Nordsee: Viel Wind, etwas Wein - auch aus Trauben, die auf niederländischem Boden gewachsen sind, ganz unten bei Maastricht und auf den saftig - grünen Polderwiesen direkt hinter der Käsestadt Alkmaar - mehr dazu hier.
Zunächst wieder Bordeaux und Sushi, ein erprobter Snack für zwischendurch, diesmal am Strand von Egmond aan Zee, auch wenn der Wind einige Sandkörner auf den Reishäppchen verteilte. Das Sushi war nicht schlecht, eine kleine Bento-Box von Albert Heijn, allerdings nicht von der Qualität wie vor 3 Wochen in Hamburg von Hensler & Hensler.
Dazu ein einfacher Medoc: Chateau Le Chene 2007 (Fabre Viticulteurs in Cissac, eine klassisch - kräftige Mischung aus Cabernet Sauvignon 70% - Merlot 26% - Petit Verdot 4% / 10€).

Im Beauvin Wijnhandel in Alkmaar dann eine Flasche, die einen Kaufreflex auslöste: Chateau Musar, der Cru aus dem Libanon, Cabernet Sauvignon, Cinsault und Carignan – ungefähr 1/3 von jeder Sorte. Ein Exot, ein Mythos, eine Legende aus in 1000 Meter Höhe im Bekaa Tal gereiften Trauben, wird in Beirut in einer im Jahr 1930 gegründeten Kellerei bereitet.
Im Glas diesmal der aktuelle 2003 (ca. 29€) . Wie immer relativ hell in der Farbe, duftige Nase, ein exotischer Gewürzladen, feine vibrierende Frucht. Genauso im Mund, süßer Fruchtextrakt, samtige Gerbstoffe, dabei aber keineswegs dick und plump - der Musar wirkt beinahe "leicht", transparent, hält Balance. Dazu ein rosa gebratenes Biefstuk mit karamellisiertem grünen Spargel und etwas Pestokaas obendrauf - heerlijk genieten...

Bezugsquelle für Chateau Musar in D:  Le Marché du Levant

05.10.2010

Hamburger "Sushi - Bordeaux"

  

(Roter) Bordeaux und Sushi passen zusammen, dies wurde bei eine Probe mit Hendrik Thoma vor einiger Zeit in Dortmund schon bewiesen. Ein Kurztrip nach Hamburg forderte am Wochenende zwingend eine Wiederholung dieser Paarung, denn Wein und Fisch sind Hamburg.
Die alte Handelsstadt an der Elbe ist seit jeher auch Weinumschlagplatz und das anglophile Hamburger Bürgertum teilt traditionell die Vorliebe der britischen Oberschicht für Weine aus dem Bordelais. Auch heute wird noch der sogenannte Hamburger Rotspon abgefüllt. Nach der Vinifikation und einem ersten Ausbau in Bordeaux gelangt der noch jugendliche Wein mit dem Schiff zur weiteren Lagerung und "Pflege" in Fässern nach Hamburg (Hier und hier).
Ein Bordeaux mußte also her. Passenderweise gibt es direkt in den Hallen am alten Fischereihafen eine Zweigstelle von Stratmanns Weinhaus. Ein ganz leichter Fischgeruch weht auch durch den Laden und der Filialleiter Gerhard Richter bietet schon mal Proben unter dem Motto "Welcher Wein zum Hering" an. Im Sortiment ein Cru Bourgeois aus dem Top - Jahr 2005, Chateau Anthonic (Moulis en Medoc 18,90€). Der solls sein und auch zum Sushi ist es nicht weit, in den Hallen schräg gegenüber liegt das Henssler & Henssler, der (nicht nur) Rohfischtempel von "Jack Nicholson lookalike" Steffen Henssler. Die kleine Bento Box zum mitnehmen kostet da 16,80 € und ist schon sehr schmackhaft gefüllt. Aber seht selbst auf dem Bild oben - ich hab beides direkt am Kai "verdrückt", es war herrlich.
Der Bordeaux sehr klassisch, trifft mit seiner rauchig-herben Tabaknase auf die jodig-scharfen Elemente von Fisch, Wasabi und Ingwer. Zusammen gibt das einen anregend frischen Kick, ein belebender Genuß direkt am graugrünen Wasser der Unterelbe.



07.08.2010

Mouton Cadet, Teil 2

Das hat man nun davon, man verkostet den langweiligen Mouton Cadet 2007 und nach ein paar Tagen kommt bei Freunden schon wieder einer auf den Tisch. Kein Wunder auch, schließlich werden davon mittlerweile 15 Millionen Flaschen pro Jahrgang erzeugt. Nur war das Prachtexemplar diesmal von 1982, offenbar dachte jemand, ein solch "edler" Bordeaux müsse lange reifen.
Um es kurz zu machen, die Flasche hat mehr Spaß gemacht als der 07er. Herrliche Patina schon am Korken, Farbe noch überraschend tief, allerdings ins orangebraune gehend. Der Wein war nicht platt, zwar oxydative Nase, aber nicht unangenehm. Hielt frisch aus der Flasche noch ein Spiel aus etwas Reifesüße und Säure, pur kein großer Genuß, harmonierte aber gut mit einem kräftigen Bergkäse.

03.08.2010

Das Podium: Siegerweine


Drei Wochen Tour de France - drei Wochen Tour des Vins ! Viele Weinregionen Frankreichs wurden mit Kultur - und Reisebeschreibungen vorgestellt, insgesamt 30 Weine wurden zu den Etappen verkostet. Nicht zu vergessen die Trappistenbiere zu den Auftaktetappen durch die Niederlande und durch Belgien.
Nachdem vorletzten Sonntag auf den Champs-Élysées Alberto Contador, Andy Schleck und Denis Menchov zusammen auf das Podium gestiegen sind, hier nun meine drei Siegerweine.
  1. Les Forts de Latour 1988 Paulliac / BordeauxDer Klassiker - "Le Grand Seigneur". Kein lauter Klopfer mehr, ruht in sich, gereifter Langstreckenfahrer, Ehrensache, daß er in Gelb ganz oben auf dem Treppchen steht.
  2. Überraschung, ein Außenseiter aus dem Mittelgebirge. Charakterstark, eigensinnig, individueller und origineller Stil. Holt auch das gepunktete Trikot.
  3. Strotzt vor Kraft. Noch im jugendlichen Überschwang, ein warmer Vollschmecker, ein saftiger und offenherziger Überwältiger. Auch in Weiß, bester Jungfahrer.

    Tour des Vins 2010:
    Weindeuter und Priorat Hammer bloggen die Tour de France 2010



31.07.2010

Zwei Langweilerweine


Wein braucht Charakter ! Wenn Eigenart und Eigensinn des Winzers, der Region, der Rebsorte etc. im Glas auftauchen, ist es immer gut. Für Gelegenheitstrinker ist das manchmal allerdings nicht immer so lecker, weshalb für die jede Menge "Nummer-Sicher-Weine" gemacht werden. Die Regale sind voll davon und man sollte als Weinfreund da auch nicht hochnäsig sein: Diese Weine bilden eine Art Grundversorgung, verhindern ein Überlaufen des weltweiten Weinsees und sind häufig ja aromatisch absolut trinkbar. Die preisliche Schallmauer liegt bei 5 €. Zwei Weine, beide preislich darüber und beide aus berühmten und großen Häusern stammend, wurden verkostet und entäuschten im Doppelpack.
  • Mouton Cadet 2007 Baron Philippe de Rothschild / Bodeaux (Merlot,Cabernet-Sauvignon, Cabernet -Franc). Der älteste Markenwein der Welt, ein genialer Marketingschachzug schon im Jahre 1930 war es, etwas vom Glanz des großen Mouton-Rothschild auf einen einfachen Bodeaux ohne genaue Ortsappellation zu übertragen. Dies ist der meistverkaufte Wein aus dem Bordelais und einer der meistverkauften Weine der Welt überhaupt: Jahresaustoß in 2002 laut Wikipedia 15 Millionen Flaschen ! Ein Wein also, dessen Geschmack Millionen Menschen mit Bordeaux verbinden, oft auch in dem Gefühl, etwas besonders Gutes gekauft zu haben. Das hab ich mehrfach selbst erlebt, auch diese Flasche war ein Tischgeschenk. Aromatisch passiert nicht viel, ein schmaler Riemen aus Frucht, etwas Säure ohne Länge, easy drinking. Man könnte sagen, o.k. zum Essen. Aber da gibts anderes, mit mehr Persönlichkeit und Charakter und für weniger Geld.
  • Gran Coronas Reserva Cabernet Sauvignon 2005 Torres / Penedes (Cabernet- Sauvignon,Tempranillo). Ähnlich wie Mondavi kultiviert Torres sehr die Tradition einer Winzerfamilie. Dahinter steht aber ein hochmodernes weltweit operierendes Weinunternehmen mit 2100 ha eigener Rebfläche und bedeutendem Traubenzukauf, um überall die bekannten Etiketten verkaufen zu können. Es gibt auch einige Spitzengewächse, der Gran Coronas ist obere Einstiegsklasse und steht in vielen Regalen des LEH - da hab ich ihn auch mitgenommen, ein Impulskauf für immerhin 11€. Da geht oft schon die Musik ab, auch aus Spanien. Hier Fehlanzeige, der Wein ist glattgebügelt, die Aromatik kommt wie mit angezogener Handbremse. Etwas Vanille, etwas gesüßter Kaffee. Schwaches Mundgefühl, hinten raus schnell weg. Nichts gegen einen kleinen Spanier, eine gutgemachte Crianza kann sehr lecker sein. Der hier läuft unter Reserva und ist  für 11€ klar zu teuer.

26.07.2010

Genug gelegen, jetzt wird getrunken (5)


Die vorletzte Etappe der Tour de France bot Anlaß, eine schon länger liegende Flasche zu entkorken. Zielort des Zeitfahrens am letzten Samstag war nämlich der Quai Antoine Ferchaud  im unter Weinfreunden nicht unbekannten Paulliac, direkt am Ufer der Gironde. auf dem Gemeindegebiet sind allein drei Premiers Crus beheimatet: Lafite, Mouton und Latour.
  • Les Forts de Latour 1988 Paulliac  Der "Grand Vin" Chateau Latour erreicht, wie die anderen Bordeauxspitzen auch, mit dem 2009er Jahrgang irre Preishöhen durch eine weltweit spekulativ aufgehitzte Nachfrage. 1200€ werden pro Flasche in Subskription aufgerufen ! Und davon werden um die 220.000 Flaschen abgefüllt, eine stattliche Anzahl. Für ein Zehntel davon gibt es den "Zweitwein" Forts de Latour, wobei auch davon ca. 150.000 Flaschen auf den Markt geworfen werden. Meine ´88er Flasche habe ich im Juli 1998 für 79,90 DM gekauft. Der ´88er Jahrgang gehört noch zu den klassichen Jahrgängen, vor dem Einzug der modernen Önologie in die Keller mit Mostkonzentration und Mikrooxydation etc.
    So präsentiert sich der "kleine" Latour in einem schönen Reifezustand, zart, schlank, feinduftig mit nur 12% Alkoholgehalt. Orangefarben aufgehellt im Glas, in der Nase nach einiger Standzeit dezent aber schön offen und warm, Orangenschale und Zigarrenkiste. Im Mund schlank, kein breitschultriger Überwältiger. Sehr lecker fließend, zusammen mit einem Stück Morbier ein weicher cremiger Genuß.  Die Flasche war, zu dritt getrunken, schnell weg.  

12.07.2010

Bordeaux und Sushi


Dieser Kombination wurde eine Verkostung gewidmet ! Und die kalten Reis-Fisch-Gemüsehäppchen wurden nicht etwa zu weißem Wein aus dem Bordelais gereicht, nein, das line-up war komplett in rot gehalten, bis hin zum Sociando-Mallet 2004. Durchs Programm führte kein geringerer als Hendrik Thoma, alias "Obi-Wein Kenobi" aus Hamburg. Und alles auch noch im eigentlich bisher eher konservativ agierenden Mövenpick Weinkeller in Dortmund. Aber es passte natürlich zur schicken neuen Optik des Ladens, man will sich im Ruhrgebiet neu positionieren. 
Die gewagte Sushi Kombination machte (wieder mal) klar, daß man ausgetretene Geschmackspfade ruhig verlassen kann. Zwischen absoluten no-goes und den ewigen Standardkombinationen gibt es eine breite Grauzone für den experimentierfreudigen Speisen/Wein-Kombinierer.
  • Schon der solo getrunken etwas harte Chateau Reignac (21€) aus dem schwachen Jahr 2002 gewann mit dem Japanhäppchen an Geschmeidigkeit. 2004er Sociando-Mallet (43€) passte mit seiner kräftigen, jodig-salzigen, mineralischen und leicht pfeffrigen Note sehr gut. Auch der moderne frucht - und holzbetonte Clos Les Lunelles 2004 (34€), eine satte Parker/Rolland Bombe, ließ sich nicht schrecken und schmeckte besonders mit dem Maki-Sushi, hielt sogar der Anreicherung mit etwas Wasabi und Ingwer stand.
"Old - school Bordeaux" Sociando-Mallet trifft Sushi:
Ja darf das denn überhaupt ?







Nochmal Sushi-Bordeaux in HH mit Henssler Sushi (klick)


19.05.2010

Bordeaux 2009...


...gilt ja als etwas Besonderes, die Winzer dort sind zum großen Teil in einer regelrechten Jahrgangseuphorie. Ein "Jahrhundertjahrgang" ist natürlich im Jahr der großen Krise auch sehr praktisch, der Absatz wird angeheizt. Auch viele Kritiker ziehen nach den großen Primeurverkostungen mit. Rene Gabriel spricht von einer legalen Droge, Parker "erwartet" Preise für die Spitzen Crus bis 1000€. Die Vinexpo in Hongkong zeigt die Richtung auf, der Markt für die Prestigeflaschen wird in Asien gesucht, da ist der Stern Bordeaux als Luxusmarke etabliert, so wie Uhren von Patek Philippe oder Taschen von Louis Vuitton (Chinese speculators not drinkers will buy Bordeaux 2009).
Auch in der Weinzeche Essen gab es die Gelegenheit, einige 2009er zu probieren. Allerdings keine der angesagten Spitzengüter, sondern passend zum Motto der Weinzeche "Qualität statt großer Namen" die Produkte kleinerer Erzeuger - und gerade die sollen sich ja in guten Jahrgängen besonders lohnen. Es handelte sich allesamt um  Faßmuster, d.h. Weine, die vor dem Ende ihrer Ausbauzeit dem Barrique entnommen und unstabilisiert, quasi provisorisch für Vorabproben auf Flaschen gefüllt wurden. Die Weine werden von der Weinzeche in Subskription angeboten, darauf beziehen sich auch die ungefähren und unverbindlichen Preise.

  1. Ch. Saint-Nicolas Bordeaux Superieur: Kerniger, kraftvoller Wein, etwas Merlot-Süße (unter 10€)
  2. Ch. Val de Roc Bordeaux Superieur: Fässer von Ch. Ausone, Merlot + Cabernet, feiner als Nr. 1, gute Länge (unter 10€)
  3. Ch. Poitevin Medoc Cru Bourgeois: Viel Kaffe in der Nase, dichter Cabernet-Frucht-Schluck (unter 10€)
  4. Ch. Saint-Paul Haut-Medoc CB: Ungestüme Frucht, im Mund Gerbstoff satt, sehr fleischig, "Madirancharakteristik", für mich klasse.
  5. Ch. Belle-Vue Haut-Medoc CB: Etwas Kakao, satte Frucht, Veilchen ?
  6. Ch. Mille Roses Margaux CB: 60% Cabernet + 40 % Merlot. sehr feinduftig, schon sehr verbundene weiche Aromen in Nase und Mund, fast cremig, Margaux ist zu erkennen...(17€)
  7. Ch. Brun St. Emilion: Ein Klassiker, beerige Frische, mittlerer Körper mit Säurespitzen (12€)
  8. Ch. De Parsac Montagne St. Emilion: Merlotwein aus dem Hause Lafite (9€)
  9. Pierdon Puisseguin Saint-Emilion: Kraft im Glas, aber Luftton des Musters
  10. La Mauriane Puisseguin Saint-Emilion: Einzellage von Ch. Rigaud, wieder viel Wein mit Saft und Kraft, Kakaopulverschwänzchen am Ende...(15€)
  11. Ch. La rose Perriere Lussac Saint-Emilion: Wie oben, hohe Dichte, Alkohol (13€)
  12. Clos Les Grandes Versannes St.Emilion Grand Cru: Dichte Frucht, aber auch Schmelz, sehr trinkbar, der Wein "fließt", lecker, mein Favorit (15€)
  13. Du Parc Saint Emilion (13€)
  14. Ch. Franc-Maillet Pomerol: Duftige, cremige Frucht (Kirsche/Pflaume ?), voller "Tanninsaft".
Zum Abschluß dann noch ein (zunächst verdeckter) Bordeaux, sehr hell, transparent, orangefarbener Saum, sehr reif, süße Feigen, kleine Erdbeeren, nicht überbordend, fein, wäre als Burgunder durchgegangen: Ch. L´ Arrosée 1985 St.Emilion Grand Cru. Eine Flasche, die jegliche Nervosität abgelegt hatte, nach den frucht -und gerbstofflastigen Faßmustern genau das Richtige, eine Wohltat für den Gaumen.

Reifer Roter aus einem gut bestückten (Dortmunder) Privatkeller: Chateau L ´Arrosée 1985

22.03.2010

Probe in Essen...

Rieslingworkshop mit Markus del Monego

...veranstaltet von der Weinhandlung Rolf Kaspar, das Ladenlokal liegt in Essen an der Ruhrallee, die Veranstaltung im Stile einer Hausmesse fand aber in der Stadtgarten-Gastronomie in Essen-Steele statt. Für die komplette Verkostung wurden nur 10€ berechnet und man sah ein besonders junges und vor allem weibliches Publikum, wie es auch dem Genießer in seinem Bericht zur gleichen Veranstaltung schon aufgefallen war.
Doch vor dem Vergnügen stand an diesem Abend die Pflicht, ein Weinworkshop zum Thema "Riesling" wurde besucht, Dozent war der bekannte Markus del Monego MW ! Der Mann ist kleiner als gedacht aber auch viel lustiger. Locker und und natürlich voller Kenntnis kommentierte er die Eigenheiten der ausgeschenkten deutschen Rieslinge, unter häufiger Würdigung des Binger Lochs für die mikroklimatischen Bedingungen des dortigen Weinbaus am Rhein. Mein Favorit hier war die 2008er Zeltinger Sonnenuhr Riesling Auslese von Schömann (14,50€/Mosel).
Im Saal herrschte schon fröhliches Treiben, schlendern & schlürfen war angesagt. Nach den Rieslingen suchte ich vor allem rote Gewächse auf, zunächst die komplette Reihe von Herdade dos Lagos (HDL) aus dem Alentejo/Portugal: Vom einfachen Tinto bis zur Syrah Reserva (16,95) kraftvolle Tanningeschütze. Konzentrierte Holzbomben aus der Maremma/Italien von der Fattoria di Magliano wurden präsentiert von zwei Italienern im Maßanzug mit verschränkten Armen: Poggio Bestiale (sic!) und Perenzo (36,95€). Rebsorten: ABS (anything but sangiovese).
Das erste Highlight dann zwei sehr engagiert und freundlich servierte Bordeauxs: 2006er Chateau Mondorion und 2005er Grand Enclos du Chateau de Cerons (eigentlich für ihre edelsüßen Klassiker bekannt). Schmelzig-elegante Aufsteigergüter zu zivilen Tarifen (19€ / Foto links) .Top auch die Weine der Celler Capcanes aus dem Montsant in Spanien (nähe Priorat in Katalonien), hier lohnt die gesamte Palette, schon der Lasendal für 8,50€ hat Charakter, die "dickeren" Mas Torto und Cabrida  haben trotz Kraft differenzierte Aromatik. Das gleiche gilt für die Weine von Chateau Moyau aus La Clape/Südfrankreich. Für mich die Entdeckung der gesamten Veranstaltung. Keine Einheits-Schoko-Würze-Syrahs sondern feinfruchtige Essenzen mit viel alter Carignan, Cinsault und Mourvedre drin, je nach Cuveé (6-33,95€) Probieren ! Nochmal Südfrankreich, Domaine Coudoulis von der südlichen Rhone zeigte in aller Bescheidenheit drei Rote, alle klasse. Flagschiff die süßreife Saftbombe "Cuveé Bacchus 2005" für 12,95€. 
Nach den bewährten Spätburgundern von Bercher und Ziereisen noch ein reichhaltiger Schönling aus Südafrika:  Momberg 2005 von Middelvlei Estate. Ein Exot muß auch noch Erwähnung finden, aus der Thermenregion/Österreich wurde ein Merlot - Eiswein ausgeschenkt (Johanneshof Reinisch, 20€ 0,375): Leichter (9%) und tänzelnd-süßer Abschluss.

Extravagant in Essen: Weinprobe mit Hund und Merlot Eiswein

20.03.2010

Genug gelegen, jetzt wird getrunken (3)

Aus dem staubigen Kellerfundus von liegengebliebenen Flaschen aus dem letzten Jahrtausend heute mal ein Wein aus Bordeaux, genauer aus St. Emilion, also dem sogenannten "rechten Ufer":
Ein Klassiker aus den Rebsorten Cabernet Franc und Merlot, in der Jugend eher mit kräftigen Gerbstoffen ausgestattet, den Prognosen nach ein "Langstreckenläufer". Nach 16 Jahren kommt er in noch immer kräftigem Rubin aus der Flasche, im Duft zunächst verhalten - ich entschließe mich zum dekantieren. Nach einiger Zeit dann klassiche "Bordeaux-Reifedüfte", man erwartet sie ja irgendwie: Noten von Tabak und Zigarrenkiste ziehen in die Nase, am Gaumen dann gerundet weich. Das ganze also keineswegs überschwänglich, sondern eher introvertiert, elegant, zurückhaltend und vornehm: Ein Gentlemen in noch sehr guter Verfassung, so wie ich ihn eigentlich auch erwartet hatte. Dazu gabs Kurzgebratenes vom Lamm mit grünen Böhnchen und gebratenen Kartoffelwürfeln. Was ich damals bezahlt habe kann ich nicht mehr sagen, der ´94er wird noch gehandelt, Flaschenpreis um die 40€.
Klickt auf den Weinlink oben, der führt zur Seite des Chateau, im Intro läuft eine schöne Interpretation von Fly me to the Stars von Julie London.

27.02.2010

Weinstreit

A: Na wie waret denn in der Weinzeche auf bei der Übersee-Probe ? Lecker Wein verkostet ?
B: Lecker ist das Stichwort. Da waren 94 Weine offen, es lag ne richtige Duftglocke im Raum. Und dann im Glas erst, Zinfandel, Shiraz, bei den Weißen die Viogniers, da geht natürlich die Post ab. Und du ? Bist ja lieber ins Mövenpick gefahren und hast den Abend mit duft-und geschmacksarmen Bordeaux verbracht.
A: Also Moment mal bitte, fang nicht so an. Du bist eben ein unverbesserlicher Frucht- und Körpertrinker. Das flauschig-weiche Kuschelhäschen von  Stuart Pigott, harmloses für die Müller-Milch Generation !
B: Huch, gleich so böse. Also "Übersee" ist ja wohl nicht gleich easy-drinking. Bei der Probe waren herrliche Malbecs aus Argentinien dabei oder auch Australier wie der Einsteiger von D´Arenberg "Stump Jump" für unter 10 €. Alle lebendig und frisch. Und was Pigott angeht, gerade der lobt doch die Neue Weinwelt und hat in einem seiner Bücher mal nen ätzenden Veriss mit dem Titel "Warum man keinen Bordeaux trinken muss" geschrieben.
A: Bordeaux ist und bleibt der Klassiker, an dem sich gerade Übersee, Chile, Südafrika und auch das neue Weinchina orientieren. Warum organisieren die denn immer wieder Vergleichsproben mit ihren Sachen, stellen ihre Cabernets und Merlots blind neben die Crus aus Medoc und Pommerol ? Imagetransfer nennt man das.
B: Sicher, Bordeaux ist eben ne Megamarke, so wie Coca-Cola oder McDonald. Ist halt Big-Business.
A: Du nervst ! Die Weine schmecken auch ! Haben Feinheit, Eleganz, Finesse, auch in der Preisklasse bis 25€ geht da schon die Sonne auf...
B: Hat man ja auch in letzter Zeit viel für getan, ich sag nur "neue önologische Verfahren", gerade im sogenannten Bordelaise.
A: Natürlich, um auch in schlechten Jahrgängen trinkbare Weine zu machen. Was dagegen ?
B: Nein, aber in dem Punkt kopieren die Franzosen eher die Flying-Winmaker-Methoden der Neuen Welt. Ist in Ordnung, man soll dem Ganzen nur nicht immer so eine Aura des guten alten Weineuropa geben. Die Reben für den "RunRig" von Torbreck aus dem Barossa Valley zum Beispiel sind 120-160 Jahre alt. Das ist Tradition von Natur aus. Ohne Chateaux und Adelsgedöns. Und bereitet werden die Weine in absoluter Handarbeit. Hatte ich im Glas, frag mich mal wie der geschmeckt hat.
A: Das gibts natürlich, mußt aber auch dazusagen, das der "RunRig" mal eben 189€ kostet.
B: Und die 2007er Mouton & Co. über 300€. Geradezu ein Schnäppchen, die 2006er gabs ja erst fürs doppelte. Außerdem ist schon Torbrecks "Juveniles"  für 20€ raffinierter Genuss. Und erst die Pinots aus Neuseeland ! Probier mal den "Te Muna Road" Pinot Noir von Craggy Range. Pure Zärtlichkeit im Glas...
A: Ähhh, sowas war in Dortmund auch offen. Dutch Bill Creek Pinot Noir für 25€ vom Russian River in Kalifornien. War nicht schlecht...
B: Na also, geht doch ! Die nächste Probe im Mövenpick ist auch Thema "Übersee". Übrigens unter dem Motto "Trends und Tradition".

Bordeauxprobe mit Russian River-Pinot