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10.01.2014

Weihnachtswein 2013: Ein Edler aus dem Morgenland


Neues Jahr, neue Weine. Weindeuter gehört nicht zu denen, die sich zum Jahresbeginn alberne Vorsätze nehmen, so in Richtung Verzicht und Gürtel enger schnallen. Und deshalb geht es hier auch immer weiter mit Verkostungen und besonderen Genußmomenten. Auch in 2014 läuft hier das Weintagebuch aus dem Ruhrpott, viele Weine werden in die stets aufnahmebereiten Gläser fliessen, es wird gerochen, geschmatzt, gegurgelt und geschluckt.

Doch zunächst ist noch einiges nachzutragen aus 2013. Nach den Adventsweinen (klick hier, hier und hier) gab es natürlich auch einen Weihnachtswein. Und das war in diesem Jahr ein sehr Passender, denn er kam ganz so wie die heiligen Drei Könige aus dem Morgenlande zu uns her...

Doch der Reihe nach. Zu Weihnachten regiert die Traditon, keine kulinarischen Experimente. Das gibt Halt auf hoher See und vereinfacht die Abläufe, auch wenn es hektisch wird. Weder Hummer noch Bockwurst - hier gibt es zum Heiligabend immer: Maronencremesuppe, einen winterlichen Salat mit Orangen, roter Beete, Walnüssen und dann einen Krustenbraten vom Schwein. Der hatte in diesem Jahr die beste Kruste, weil ich zum ersten Mal etwas Entscheidendes richtig gemacht habe. Statt die dicke Fettschicht zunächst im Bräter scharf anzubraten, habe ich die nämlich erstmal eine Stunde bei nicht zu großer Hitze im Fond geschmort. Sie schwitzte aus, wurde dünner, wurde weicher, ließ sich herrlich einritzen. Dann das Ganze umgedreht, eine weitere Stunde im Ofen gegart, zum Ende hin dann Farbe und Knusper nehmen lassen. Also ein rustikales Gericht, in München gibt es in der Regel ein Helles dazu. Am Heiligen Abend kamen nach weißem Vorgeplänkel aber zwei Rote in die Gläser, zu Beginn eine kleine Ouvertüre mit einem alten Bekannten.




Tinto Pesquera aus dem Ribera, ein Klassiker vom Altmeister Alejandro Fernandez. Der "einfache" Crianza aus 2011war hier genau richtig am Tisch, überzeugte durch direkten Aromenzugriff. Der Wein hat Schmackes, eine volle Frucht, Kraft, ist insgesamt dicht gebaut, allerdings ohne Übertreibung an Konzentration oder Gerbstoff, sehr angenehm jetzt schon zu trinken, zum Schwein ein gutes (Tempranillo)match. Außerdem passt die Aufmachung mit dem vielen Gold und dem gekreuzten Tor einfach gut zum Anlaß, das Etikett war einfach unsere Krippe für den Abend.

Dann der Edle aus dem Morgenland, großer Auftritt: Comte de M 2006 Chateau Kefraya (14,5% / 40€) Libanon und Wein ist immer ein interessantes Thema. Ich hatte in letzter Zeit zweimal Gelegenheit, an größeren Proben dazu teilzunehmen. Sie fallen bei uns unter den Exotenstatus, Weinlaien können damit gar nix anfangen. Die fragen höchstens, in völliger Unkenntnis der Materie, was denn "die Moslems da unten mit Wein zu schaffen hätten". Weinfreaks fällt zum Libanon meistens nur der schon lange eingeführte Chateau Musar ein. Das ist, wie leider so vieles in dieser Welt, vollkommen ungerecht. Denn Weinbau hat im Libanon natürlich eine uralte Tradition, ist aber bis in unsere Zeit gekennzeichnet durch den Wechsel von Niedergang und außerordentlichen Zeiten des Wachstums. Wer bei Wein und Libanon "heißgekochte" und plumpe Gewächse voller Alkohol assoziiert liegt falsch. Die Tropfen profitieren in ihrer Gesamtaromatik von der ausgeprägten Höhenlage vieler Pflanzungen, z. T. bis in weit über 1000 Meter Höhe. Und man spürt, daß sich viel französisches Know-How bei der Abstimmung der Cuvées erhalten hat. In den Qualitätsspitzen kommt durchweg Wohlgeschmack ins Glas. 
Was brachte der Comte am Heiligabend? Die erste Assoziation: Ein Bordeaux im Glas? Ein Großer etwa? Schmelz, Eleganz, Cassis, Süßkirsche, Crema, Rauch, Tabak, Zigarrenkiste, sehr fein, absolut harmonischer Trinkfluss, Touch of Magic...



Zwei feine Weiße vorweg, zum (Maronen)süppchen
trafen sich die Pfalz und Mallorca:
Chardonnay Réserve 2011 von Bernhard Koch







23.12.2013

Atzwentzweine...(2)


Das Warten aufs Christkind wurde auch in diesem Jahr wieder mit einigen Adventsweinen überbrückt. Nach den beiden Altweinkrachern am 1. und 2. Advent (´95er Beaucastel und ´91er Montrachet) folgten am 2. und 4. Advent einige Rote, allesamt Südkinder, eines sogar direkt aus dem Morgenland...




Tandem Syrah 2010 Thalvin/Alain Graillot Marokko (14,5%/11,90€) Der Wein ist das Produkt einer Zusammenarbeit des Winzers Alain Graillot von der nördlichen Rhone mit der Winzerfamilie Thalvin aus Marokko, in deren Kellerei der Wein auch vinifiziert wird. Frucht und Pfeffer ist hier das Motto, dunkel, guter Baß, keine Überbreite, hat auch Raffinesse.
Syrah Domaine Wardy 2007 Libanon (13,5%/12%) Sehr reife Frucht, Rumtopf, weich, etwas Syrahschärfe, schöne Länge, kleiner Hitzkopf aus dem Bekaa-Tal.




Bonne Pioche Pic Saint Loup 2011 Domaine Clavel Languesdoc (14,5%/12,90€/ 65 % Syrah – 15 % Grenache – Mourvèdre 20% ) Ein Maul voll Rotwein, üppige süßreife Frucht, volle saftige Ladung, ein Spaßwein, Mouthpleaser, nicht schüchtern drauf, genau wie sein Macher...
GR-174 Casa Gran del Siurana 2010 Priorat (14,5% / 14,€ / Garnatxa-Caranyena-Cabernet Sauvignon) Das Priotatprojekt von Castillo Perelada, benannt nach einem Wanderweg, der durch das Priorat führt. Für einen Priorat sehr zugänglich und offen, modern gemacht. Keine Wummsbombe für Prioratfreaks, kann man bedenkenlos in eine Südweinprobe stellen.
Sió 2011 Bodegas Ribas Mallorca (14,5% / 20€ / 50% Mantonegro-25% Syrah-15% Cabernet Sauvignon 10% Merlot) Mit 300 Jahren eine der ältesten Bodegas der Insel. Der Wein ist top-notch. Großes Kino von der Insel, der Beste hier in diesem Quintett. Hat für knapp 20€ schon den Touch of Magic, überschreitet die Stufe von "gut trinkbar" zur Exzellenz. Feine Nase, seidige und dabei volle Frucht, hinterläßt am Gaumen Wohlgefühl, sehr stimmig ohne Übertreibungen.

11.03.2012

Wein auf Zollverein

Eine Highlight - Verkostung bei Katie Jones : Finessenreiche, in handwerklicher Kleinproduktion erzeugte Weiße und Rote aus dem östlichen Languedoc. Mehr dazu hier (klick).

März, der Marathonmonat für Weinfreaks. Auf der Prowein wird verkostet als gäbe es kein Morgen. Der Markt ist riesig, unübersichtlich, es herrscht Überfluß, Suff total. Manchmal fragt man sich, wer das eigentlich alles trinken soll. Aber vielleicht sind solche Überlegungen auf einem Weinblog gar nicht angebracht. Also nimmt auch der Weindeuter das Probenglas zur Hand und läßt sich einschenken. Schon am Vorabend der Prowein auf der Hausmesse von Rolf Kaspar in der Zeche Zollverein in Essen gab es interessante Gewächse "satt".

Zum Einstieg was frisches: "Gemischter Satz Riesling Gewürztraminer"  von Kühling - Gillot. Die beiden Rebsorten wachsen einträchtig im Pettental am Roten Hang nebeneinander. Duftig, milde Säure, süffig...(13,95€)

Dann ein "Gegenschluck", der Silvaner Kabinett 2011 Weingut Roth im fränkischen Wiesenbronn: Würze, Erde, Kreide, Kraft im Mund (7,50€).

Mit Piratentuch auf dem Kopf schenkt Andreas Engelmann vom Schloßgut Ebringen / Baden aus, die haben einen leckeren  Sauvignon Blanc im Programm: Reife Stachelbeere, international, ein Gefallschluck, gut (11,50€).

Der Einstieg in die rote Phalanx dann Mallorca. Castell Miquel gehört dem Pharmaunternehmer Michael Popp ("Sinupret") Auf der Homepage werden besonderes die gesundheitsförderneden Wirkungen herausgestellt („Trinke Wein und du wirst gesund sein“). Aus der Reihe Stairway to Heaven kam der dichte Syrah und der offenere feinere Cabernet ins Glas (je 21,90€).


Am Tisch daneben stehen die Pompaelos. Unter diesem Label produzieren und vertreiben Björn Steinemann und einige Freunde Weine aus dem Navarra. Die Pompaelo Crianza 2007 aus Cabernet-Sauvignon, Tempranillo und Merlot für preisfreundliche 8,95€ ist kein Weichspüler, hat Würze.



Direkt daneben Norrel Robertson, Master of Wine mit Sitz in Spanien. Der ist Schotte und bekannt als “El Escocés Volante” (The Flying Scotsman). Er präsentiert seine Weine aus der D.O. Calatayud: El Puno (Garnacha) und Dos Dedos De Frente (Syrah,Viognier). Karge Böden, extreme Höhenlage alte Rebstöcke sind hier das Rezept. Beides keine Schmeichler, kernig-kleinbeerige Frucht, kühle Mineralik, nicht fett, viel Tiefe (19€ / 21€).


Zum Abschluß was aus der Heimat - und das ist alles andere als schlecht. Peter Kriechels Früh- und Spätburgunder von der Ahr setzen einen schönen Aromenakkord. Der Walporzheimer Kräuterberg 2009 (29,95€) ist ein in jeder Hinsicht großzügiges, warmduftiges, fruchtweiches und rauchiges Muster.

Zur Probe auch hier bei Genußbereit (klick)