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28.03.2014

Weinrallye 72: Weine, die man nicht so einfach kaufen kann...


Wird ausgerichtet vom Priorat - Hammer. Sein Blog ist hier (klick).


"Weine, die man nich kaufen kann? Quatsch, datt gibtet doch ga nich, im Kapitalismus kannsse alles kaufen, da iss alles nur ne Handelsware." Das sagt mein Freund Bernd, und Bernd muß das wissen, denn er arbeitet bei der IG Metall.
Und er hat ja recht, vom 1,49€ Dornfelder im Supermarkt bis zum 45er Mouton Rothschild ist alles zu kaufen, es ist immer nur eine Frage des Preises. "Aber an manche Flaschen kommste nicht so leicht ran," wende ich ein, "da mußte dich schon strecken, um die ins Glas zu kriegen. Einfach abgreifen geht da nicht."
Und genau dazu fällt mir eine Geschichte ein. Ich erzähle ihm also von einem Roadtrip im letzten November. Da mußten nämlich zunächst 450 Kilometer überwunden werden, der Priorat-Hammer hatte zur Probe gerufen, rare Flaschen, nur in Miniauflage erzeugte Weine sollten verkostet werde. Also auf in den kalten Osten, auf nach Sachsen-Anhalt, auf nach Coswig an die Elbe zu den Flaschen, "die man nicht so einfach kaufen kann"...

Aber immer langsam und der Reihe nach, denn die erste Station war Bernburg an der Saale. Torsten Hammer hatte nämlich einen befreundeten Winzer aus dem Priorat zu Besuch, Jaume Roca von Ficaria Vins. Und mit dem war er quasi eine Woche auf Tournee durch Deutschland, von Oberhausen bis Berlin. Und an diesem regenreichen letzten Freitag im November hatten die beiden einen Präsentationstermin in einem Bernburger Einkaufszentrum. Doch Hagel- und Granaten, vor den ersten Weingenuß nach langer Fahrt drängte sich zunächst das Böse direkt in Weg und Blick: Prominent im Zeitungsständer ausgestellt prangt die Nationalzeitung, darunter Stellenmarkt direkt. Na passt ja hier, denke ich, Rechtsradikale und Arbeitslosigkeit...




Aber schnell weg damit aus dem Kopf, denn die folgende Begegnung wird dann doch zu heiter und angenehm. Ich kenne niemanden sonst, der wie Torsten sich so voller Leidenschaft und ehrlich-direkter Begeisterung dem Wein widmet. Und das auch in anregend-sinnlichen Beschreibungen zum Ausdruck bringt. Torsten kennt sich aus, vor allem im Priorat, er ist quasi der inoffizielle Lehrstuhlinhaber für die charakterstarken Rotweine aus der urwüchsigen Weinenklave im katalanischen Hinterland. Seit einigen Jahren importiert er von da. Die Weine von Ficaria Vins vertreibt er in Deutschland exklusiv, ein kleines Weingut mit einer Gesamtproduktion von unter 10.000 Flaschen pro Jahr. Der Winzer Jaume Roca, kräftig muskulös, verschmitztes Lächeln, hellwach blitzende Augen, sitzt neben ihm hinter einem Tisch mit einer ganzen Batterie Flaschen drauf, Gelegenheit für eine erste kleine Verkostung...





Es regnet, es ist kalt, auch der Rote im Glas hat ein paar Grad zu wenig, also anwärmen. Und gemütlich geht sowieso anders, deshalb nix wie weg aus Bernburg und über Köthen und Dessau durch den dunklen Abend ab nach Coswig. Hinein in Torstens gute Stube, da wärmt ein großer Kachelofen.

Und während der Priorat-Hammer eine reichhaltige Fischpfanne, die Fideuà, zubereitet, gibt es dazu einen Küchenwein: Chateau de Beaucastel Chateauneuf du Pape 1995 (aktueller Preis ab 60€). Eine Flasche aus meinem Keller, die lag schon länger herum, Zeit ihn aufzuziehen, er ist mit 18 Jahren ja immerhin schon volljährig. Sehr schöne intensive Rauchnase, dunkel, voll, deutliche Entwicklung, im Mund viel Wärme. Frucht und Gerbstoff sind durch Reifung zu sehr befriedigendem balsamischen Trinkfluß integriert.


Auch wenn der Freitagabend nur das Vorspiel zur großen Probe am Samstag ist, kommt danach auch weiterhin nur Gutes und Großes ins Glas. Eine glückliche Fügung, gewiß, aber beim Priorat-Hammer auch nicht anders zu erwarten...


Der Blai Ferre I Just, "Billo" 2008 aus dem Priorat macht den Einsteiger bei Tisch, viel Frucht und Kraft. Dann ein Katalane aus Frankreich, Domaine Cazes "Le Credo" 1996 aus der Magnum, viel Cabernet ist drin, überraschend frisch, Top-Wein.


Dann noch was aus dem Roussillon, eine Entdeckung: Château Mossé "Le Blues" 2005. Die Flasche war seit 4 Tagen offen, irres Zeug, intensives Konzentrat, dabei ganz fein, erster Suchtstoff, erste Flasche zum Thema "Weine, die man so nicht kaufen kann". Geht sogar noch etwas über den Ch9 des Abends.


Als ich mich in der Küche um das Zusammenstellen der Käseplatte kümmere, sehe ich im Kühlschrank eine einsame Flasche, der Rest einer Traminer Beerenauslese, na das passt doch, denke ich. Und das Beste, der Wein wächst in der Nähe, nur etwas über 30 Kilometer östlich von Coswig in einer sächsischen Weinenklave auf dem "nördlichsten Qualitätsweingut Deutschlands": Weingut Hanke, Traminer Beerenauslese2003, Sachsen – Bereich Jessen / Elster. Ein Schwergewicht aus dem heißen Jahr, ein süßer Vollschmecker, die 16° Alkohol schlagen durch.



Irgendwie kommt das Thema dann auf Grüne Chartreuse, und Torsten sieht sich genötigt, eine Flasche davon aus seinem Keller zu holen. Ich hatte bis dahin diesen Kräuterdigestiv noch nie vorher im Glas. Doch Achtung, Vorsicht ist hier angesagt! Denn dieses ungemein ätherisch-duftende Elixier aus den französischen Alpen hat 55% Alkohol. Es ist jetzt halb drei in der Nacht, Zeit für die Bettruhe...

Und das ist das Stichwort, um endlich den Übernachtungsplatz in Coswig vorzustellen, die Pension entbehrt nicht einer gewissen Skurrilität. Es ist der Weinhof an der Elbe. Von außen nur ein kleiner Flachbau zwischen zwei Siedlungshäuschen mit einem überdimensionierten Hinweisschild obendrauf.



Doch wie so oft trügt der Anschein, so auch hier. Der Flachbau ist nur der Durchgang zu weiteren Gebäuden dahinter, gruppiert um einen großen Innenhof, vollgestellt mit Gartenkram und Bänken, darüber ein gewaltig rankender Rebstock. Und da hängen, Ende November, einen Tag vor dem 1. Advent noch jede Menge dunkle Trauben dran. Ideale Location für die Probe also, die hier heute Abend steigen soll, unten rechts in dem Flachbau...




Doch vorher geht es noch ein paar Kilometer rauf in den Norden, in den Hohen Fläming. In diesem kleinen wildromatischen Hügellland zwischen Magdeburg und Berlin liegt einsam auf einer Kuppe die Burg Rabenstein. Da ist heute Weihnachstmarkt und da haben sich der Priorat - Hammer und Jaume mit ihrem Weinstand in der Folterkammer eingerichtet.


Auf der Streckbank, abgedeckt mit schwarzem Samt, sind die Weine aufgebaut. Das hat originelle Klasse, das hat Stil, das gefällt auch den Besuchern. Jaume Roca kommt angesichts der ausgestellten Marterwerkzeuge eine blendende Idee: Er gäbe gern und gratis eine Einführung in die Methoden der spanischen Inquisition. Nur, wer dann wolle, dass die Folter aufhöre, der müsse dann natürlich zahlen – und nicht zu knapp.



Zurück nach Coswig, zurück in den Weinhof an der Elbe. Hier gilt es jetzt, hier kommen jetzt rare Wein ins Glas, das Line - Up steht. Mit am Tisch dann eine Überraschung. Mit dabei ist ein weiterer Winzer, Frank Hanke aus Jessen, der Macher des Edelsüßen vom Abend zuvor. Seine charmante Frau übernimmt den Fahrdienst, sodaß er ungehemmt ist, die Erzeugnisse seines Kollegen aus dem Priorat zu verkosten, also Feuer frei...
Und so kommt es, Torsten und sein Freund Jaume entzünden im Verlauf des langen Abends ein Weinfeuerwerk der Extraklasse, immer ungewöhnlich, manchmal fordernd, nie langweilig.



Zunächst kommen zwei Weiße in die aufnahmebereiten Gläser:

Ficaria Vins, Matraketa Blanc 2011, Montsant – La Figuera. Nur 370 (!) Flaschen produziert, floral, Blütenduft, wenig Säure.
Sangenis i Vaque, Lo Coster Blanc 2008, Priorat – Porrera. Voll, offen, Petrol, cremig, weniger als 300 Flaschen.



Als Einstieg in die Rotweine kommt zunächst dreimal Èlia, der Einstiegswein aus Grenache, Syrah und Cabernet von Jaume Roca (2009, 2010, 2011). Dreimal volle Frucht, volles Maul, konzentrierte Blaubeerbomben mit starkem Fundament. Erinnern mich irgendwie an einen guten Gigondas von der Rhone, herrlich.



Als Kernstück des Abends wird dann eine Pater – Vertikale gestartet. Dieser Grenache aus über 80 Jahre alten Reben gehört laut Torsten Jahr um Jahr zu den zuverlässigsten und besten Weinen des Montsant. Hier ist 100% Grenache/Garnacha das bestimmende Thema. Sechs Flaschen stehen bereit, durchgehend von 2005 bis 2010. Allesamt durch die Jahrgänge hochkonzentrierte Gewächse. Die Theke im Weinhof an der Elbe wird zum Altar, ein Hochamt für die versammelte Prioratgemeinde, die Unterschiede und Nuancen fordern heraus. Torstens Eindruck und ein herrliches Beispiel gelungener Verkostungslyrik  zum ´09er:  "Jetzt schon ein kleines, ständig wachsendes Nasentier, anspringend und sich fest krallend. Am Gaumen voll und viel Druck...Intensiv am Gaumen und von schöner Länge. Macht Spaß, will aber noch Zeit, sich komplett zu finden. Derzeit noch recht ungestüm am Gaumen. Er wälzt sich eher unruhig auf der Lagerstatt hin und her, statt friedlich zu schlafen. Lasst ihn einfach noch in Ruhe und geht aus dem Raum..."

Für genaue Verkostungsanalysen dieser und der anderen Flaschen bitte beim Priorat-Hammer Blog hier anklicken.



Man hätte hier bereits auf hohem Niveau den Abend beenden können, aber Torsten wollte die Chance nutzen, er ließ es sich nicht nehmen, ein paar besondere Raritäten aus seiner Selektion vorzustellen, die man nicht jeden Tag in die Gläser geschüttet bekommt. Ich hab mir das gerne gefallen lassen...

Celler de l´ Encastell, Roquers de Samsó 2010, Priorat. Hiervon gibts nur 500 Flaschen für 47 € das Stück, 100% alte Carignan. Kühl, elegant und voll, ein Boxhandschuh, nur leicht gepolstert.



Celler Castellet, Empit Selecció 2011, Priorat. Auch hier Carignan, irre Nase, kühle Frucht, erinnert an einen sehr guten Nordrhone-Syrah. Torsten: "Ein Nasentraum, tief, schwarz und sündig. Teufel und Hexen marschieren hier auf und hören Gothic. Zur typischen Porrera – Carignan Aromatik gesellen sich After Eight und Cannabisduft. Der ganze arabische Basar ist zu Besuch gekommen."
Dann noch ein 100% Carignan, die laufen heute, ebenfalls eine rote Weinwand, die erklommen werden will: Celler Aixala Alcait, Costers d´ Alzina2011, Priorat, deutlich weniger als 1.000 Flaschen., Torsten: "...eine dunkle, schwarze Gothic-Nase. Das ist Carignan vom Feinsten, sehr elegant und tief., ein Wein anstelle des Desserts, in kleinsten Dosierungen sparsam zu genießender Tropfen mit Suchtpotential".



Dann nochmal ein Wein von Jaume Roca, er steht auf und gießt ein. Was kann nach all den Knallergeschützen jetzt noch kommen? Nun, es ist das Flagschiff von Ficaria Vins, Cerverola 2011, 15,5%, 34€. 100% Grenache vom Allerfeinsten, Alkohol wunderbar eingebunden, Muskelspiel, dabei elegant bleibend, nur 500 Flaschen insgesamt.



Ganz zum Abschluß dann noch etwas Süßes: Sangenis I Vaque, Simfonia en Dolc 2007, Priorat. Auch hier ein knappes Gut, nur 800 von den schlanken 0,5er Flaschen gibt es.



Der Priorat-Hammer und Jaume Roca nach der Probe: Starke Analyse, hohe Genußfähigkeit und enormes Durchhaltevermögen.




Priorat trifft Sachsen, für den Jessener Winzer Frank Hanke waren die charakterstarken Roten aus dem Priorat Neuland.



Analysieren, Aufschreiben, punkten, das unterscheidet eine seriöse Probe von einem schieren Besäufnis - zum Glück...;-)


Gut durch den Abend gekommen, der Weindeuter mit charmanter Winzersgattin.



Nach kurzer Nacht dann das Nachspiel beim Torsten am Haus. Dort wurde die ein oder andere Kiste in den Kombi geladen.




Alle Weine bei Torsten Hammer (klick). Und keine Sorge, man muß nicht unbedingt hinfahren (sollte man aber). Der Priorat - Hammer versendet auch...




22.12.2013

Atzwentzweine...(1)

Adventszeit, jedes Jahr der große Countdown: Berge aus Lebkuchenherzen und Marzipankartoffeln verstopfen die Supermarktgänge. In den Städten stehen Bretterbuden, es dampft nach Glühwein und frittiertem Blumenkohl. Lichterketten spenden Glanz, tauchen den vorweihnachtlichen Wahnsinn in gnädiges Zwielicht. Da versüßt sich Weindeuter lieber die Wartezeit aufs Christkind wieder mit dem ein oder anderen Adventswein.


Am 1. Adventswochenende ging es nach Coswig/Anhalt zum Priorat-Hammer, natürlich zu einer großen Prioratprobe (Bericht folgt). Für den Einstieg am Abend zuvor hatte ich aber etwas anderes vorgesehen: Chateau de Beaucastel Chateauneuf du Pape 1995 (aktueller Preis ab 60€) Die Flasche lag schon länger im Keller, Zeit ihn aufzuziehen, er ist mit 18 Jahren ja immerhin schon volljährig. Sehr schöne intensive Rauchnase, dunkel, voll, deutliche Entwicklung, im Mund viel Wärme. Frucht und Gerbstoff sind durch Reifung zu sehr befriedigendem balsamischen Trinkfluß integriert.



Am 2. Advent dann eine Einladung zum "Kaffee". Und da kommt ohne Vorwarnung plötzlich ein großer reifer Weißer auf den Tisch und in die Gläser, sogar noch 4 Jahre älter als der Kollege vom Wochenende zuvor. Bienvenues Batard Montrachet Grand Cru / Domaine Henri Clerc et Fils. Eine legendäre Weißweinlage im Burgund, nur 3,5 ha, wie im Burgund üblich parzelliert und unter einer Handvoll Erzeuger aufgeteilt.
Altweine daraus gehen normalerweise nicht für unter 50€ weg, zum Teil weit darüber, natürlich abhängig von Erzeuger und Jahrgang (1991 war kein so guter...) Neuflaschen von Toperzeugern  kosten über 200€. Der Clerc ist günstiger, aber auch nicht für unter 100€ zu haben. Umso schöner die Geschichte, daß dieses Exemplar auf einem Bochumer Flohmarkt für unter 5 € erstanden wurde.
Aber was kann der noch, der Franzosenchardonnay? Der Korken war ziemlich durchgeweicht, geradezu flutschig und rutschte beim Ansetzten des Korkenziehers einfach nach unten in den Flaschenhals. Im Glas dann dichtes Gold bis Bernstein. Deutliche Entwicklung, aber noch lebendig, Orangenzeste, nach Öffnung und Atmung dann Trockenaprikose, einwöchige Rosenblätter, auch Nußecke. Im Mund dann noch sehr schön, angezählt aber noch nicht ausgezehrt, etwas Honig, in Summe mit edler Delikatesse.



19.12.2012

Adventswein 3: Gigondas & Chateauneuf


Dritter Advent und große Augen am Tisch: "Ja ist denn schon Weihnachten?" entfuhr es einem Mitverkoster. Kein Wunder, denn zwei stattlich wappenverzierte Flaschen standen bereit: Gigondas und Chateauneuf kamen in die aufnahmebereiten Gläser. Und es ist ja auch genau die richtige Zeit für solcherart Weine. Das Schmuddelwetter draußen erfordert Tropfen, die wirklich Wärme geben und den Raum mit warmwürzigen Düften füllen - wie eben diese beiden hier von der südlichen Rhone.

Zum einen Chateauneuf du Pape, "Le Roi du Rhone". Prächtige Weine in prächtigen Flaschen, mit barocker Grundaromatik. Dabei aber keine eindimensionalen Fruchtbomben und Tannintanker, nie langweilig, machen aber auch nicht nervös, sondern strahlen eine ausgeglichene Harmonie und Ruhe aus. Auf dem Fuße folgen dann die kräftigen Charakterköpfe aus Gigondas, ein paar Kilometer nordwestlich gelegen.

Wie sah es nun bei dem kleinen Adventsduell der beiden Rhonecrus aus? Zugegeben, der Vergleich war etwas unfair angelegt. Der "Prémices" Chateauneuf du Pape (Domaine Giraud 15% / 20€) stammt zwar aus gutem Hause, ist aber eher ein Einstiegsmodell. Und er mußte gegen ein wahres Flagschiff der Nachbarappellation antreten: "Gigondas Tradition" Domaine Santa Duc 2010 (15,5% / 20€). Das ist der "Basis-Gigondas" von Yves Gras, sein Portfolio ist mittlerweile recht umfangreich. Seine Top-Weine sind der Hautes Garrigues und der Grand Grenache 66, eine absolut likörige Essenz, vor kurzem verkostet in der Weinzeche Essen.
Doch zurück zum "Tradition", auch der hat es schon in sich und ist ein ziemlich kompletter Wein. Steht gesättigt-dunkel im Glas, volle Frucht, Lakritze, Süßholz, im Mund dann Druck und Dichte. Gerbstoffe sind bei so einem jungen Burschen natürlich vorhanden, sind aber auf anregende Weise in die Gesamtaromatik eingebunden. Auch der hohe Alkohol sorgt für keinerlei Schärfe. Zeigte nach etwas Luftkontakt seinen ganzen satten Grenachecharakter, für den diese starken Weine von der südlichen Rhone nun mal stehen. Ein südfranzösischer Nasen- und Backenfüller besonderer Qualität, allerdings kein Wein für die Mädchenparty.
Dagegen hatte es der Ch9 zunächst etwas schwer, der Prémices ist kein großer Blockbuster, kommt eher duftig aus dem Glas. Auch hier viel dunkelwürzige Frucht, aber nicht (zu) fett. Feiner floral-femininer Schmelz, nasenfein, im Mund seidig, schon jetzt herrlich trinkbar.

Begleitung für Gigondas und Chateauneuf:
Lammstelzen auf Schmorgemüse

10.12.2012

Adventswein 2: Weiße Südfranzosen


Am zweiten Advent kamen zwei Weiße aus dem Süden Frankreichs in die aufnahmebereiten Gläser. Wobei gleich vorweg gesagt werden muß, daß sie nicht "gegeneinander antraten", bitte kein wine-battle in friedlicher Lichterkettenkerzenzeit. Auch beim Hinweis auf die Bezugsquellen soll jeglicher Konkurrenzgedanke vermieden und nur kurz vermerkt werden, daß die Weine von den beiden Platzhirschen im Ruhrpott kommen, der Weinzeche in Essen und dem Mövenpick Weinkeller in Dortmund. Pure Harmonie also - auch im Glas? Im Grunde ja, wenn man bereit ist, in erster Linie mal nicht auf Frucht und Frische zu setzen, sondern auch würzige Fülle zu ihrem Recht kommen zu lassen.

Der Chardonnay 2011er der Domaine Pesquie (12,5% / 9,90€) kommt aus Mormoiron, ein Dorf zu Füßen des mächtigen Ventoux. Im direkten Vergleich etwas leichter, gefällt mit reifer Birne und floralen Noten, ist relativ weich, behält aber ausreichend Säure für angenehm frisches Mundgefühl. Ein stärkeres Kaliber dann der weiße Chateau de Nages "Vielles Vignes" (Costiere de Nimes / 13,5%/11€).  Der Wein kommt vom anderen Ufer der Rhone, das Anbaugebiet liegt geographisch eigentlich schon im Languedoc. Mehr Baß schon in der Nase, kein Früchtchen, hier steht ein warmer Würzer im Glas. Sowas mag nicht jeder, Weiße von der südlichen Rhone aus Grenache Blanc und Roussanne, zumal mit Barriqueausbau, polarisieren manchmal. Das hab ich bereits bei erheblich teureren weißen Chateauneufs erlebt, da läßt schon mal eine 100€ Flasche Beaucastel blanc die Verkoster etwas ratlos zurück. Dies hier ist seriöser Saft, selektierte Trauben von alten Reben. Schön gelb im Glas, etwas Vanille, getrocknete Orangen. Der Wein braucht Luft, am besten war er einen Tag später, dabei nicht zu kalt trinken, entwickelt dann im Mund Fülle mit cremiger Exotikfrucht.





03.01.2012

Jahresendwein: Chef war der Chateauneuf

Chateauneuf mit Ente satt, ein Genußgipfel
Vorausgesetzt man mag Fleisch und Rotwein...

Überall in den Blogs (wein)kulinarische Rückblicke auf den Jahreswechsel. Da will auch der Weindeuter nicht hintanstehen. Gerade weil er auch kurz vor Jahresschluß an der nordholländischen Küste nochmal was ganz Schönes geöffnet hat:
Domaine Pegau Cuvée Réservée 1997 Chateauneuf du Pape (14,5 % / 49€ für den aktuellen 2009er). Was soll man sagen, natürlich einfach ein befriedigendes Erlebnis. Kein feiner Pinkel, hat immer noch Ecken und Kanten, ein Edelmann vom Lande. Der Wein ist voll da, eine dicke reife Wolke, eine große orangefarbene Sonne, ein Barockengel.
Dazu in der Aromatik perfekt passend zweierlei von der Ente: Einmal butterweiches Confit von Labeyrie, eine Topmarke mit Sitz in Landes im Südwesten Frankreichs, bekannt für feinstes "Dosenfutter" von Lachs bis Foie Gras. Die Schenkel wurden kurz im Backofen erwärmt. Dann frische knusprige Entenbrüste, dazu eine Sauce mit Orange und getrockneten Datteln. Mehr ist manchmal gar nicht nötig...





23.12.2011

Wei(n)hnachten ? Chateauneuf du Pape !



Eine Last Minute Empfehlung, ein Aufruf: Wählt Chauteauneuf zum Weihnachtswein ! Prächtige Weine in prächtigen Flaschen, also genau passend für den festlichen Tisch, die barocke Grundaromatik passt sowieso. Dabei liegt die Rafinesse dieser Gewächse gerade in einer Verbindung von südlich-dichter Opulenz mit Delikatesse und Finesse. Von zart bis hart, oft sogar gleichzeitig ! Es sind, auch bei eher „modern“ arbeitenden Winzern, keine eindimensionalen Fruchtbomben und Tannintanker. Sie sind nie langweilig, machen aber auch nicht nervös, sondern strahlen eine ausgeglichene Harmonie und Ruhe aus: Ausdifferenzierte und tiefgründige Charakterdarsteller. Dies bewies einmal mehr eine Probe in der Weinzeche Essen.
  • Zunächst die Weine von Clos Saint Jean, die gelten ja in ihrer Stilistik eher als modern und etwas glatt. Ich fand sie alle drei herrlich. Schon der "einfache" 2009er (29€) ein voller, geschmeidiger Nasen- und Backenfüller. Die Edelcuvées "Combe des Foux" und "Deus ex Machina" (beide 2009er, je 75€) beide dann  enorm dichter, üppiger Trinkbalsam.
  • Als Kontrastprogramm dann ein Traditionalist, Domaine Le Vieux Donjon 2009 (32€). Ein Klassiker, hier wird nicht mit Sonderabfüllungen hantiert, hier gibt es einen Ch9 und fertig. Sehr nasenfein, kein aufgepolsterter Bodybuilder, delikate Frucht, seidig, herrlich trinkbar. Kein Lauter, aber ein Langer.
  • Dann noch ein Antipode: Domaine Pegau. Der Einsteiger "Cuvée Réservée" (mittlerweile für 49€) ein wonnig rustikaler Landbursche. Die Nase wagt Charakter, überbordend, speckig-würzig, Süßlakritz, Rumtopf. Im Mund Dichte, Kraft und Länge. Den Wein wird man so schnell nicht wieder los, mein Favorit der Probe.
    Wenns besonders edel sein darf läuft es in Sachen Chateauneuf auf einen weiteren Pegauwein zu, der dann zum Schluß noch in Glas kam: Cuvée Da Capo (der 2007er für 275€ p.Fl.). Hier wirds raffiniert. Weniger laut, perfekt ausbalancierte Größe, nobel. Der hohe Alkohol (über 15%) kommt kaum durch, er ist vollständig in eine frische hochkonzentrierte Mineralik  integriert. Top.




20.01.2011

Chateauneuf und Gigondas


Die südliche Rhone: Pittoreske Dörfer an alten Handels- und Heerwegen, heiße Hügel, Mistral und natürlich Heimat großer Weine. Etabliert, hochbewertet und (mittlerweile) teuer die Gewächse aus Chateauneuf du Pape. Auf dem Fuße folgen weitere Crus, allen voran die Weine aus Gigondas.
Ein solches Duell stand ganz unverhofft bei einer Geburtstagsfeier plötzlich auf dem Tisch. Natürlich freut sich der Weindeuter über solche Überraschungen ! Immer gut, wenn man für charakterstarken Genuß nicht den eigenen Keller plündern muß...
  • Domaine Olivier Hillaire 2004 Chateauneuf du Pape (14% / ca.30€)
    Ein ganz kleiner Erzeuger in Ch9dP. Kein großer Blockbuster, sondern ein Winzer mit nur 3 ha, der nebenbei vor Ort auch noch eine kleine Brasserie betreibt. Erste Reifezeichen, der Rand leuchtet in zartem Orange. Sehr duftig kommt er aus dem Glas. Reife und reichhaltige Grenachefrucht (80%), aber nicht (zu) fett. Feiner floral-femininer Schmelz, im Vergleich zum Gigondas eher ein reich gesteckter Blumenstrauß.
  • Verblüffung: Vier Jahre älter als der Chateuneuf, aber noch immer in dunkler, ungestümer Kraft mit viel Frucht und Würze. Lakritz und Cassis, er steht im zehnten Jahr noch ziemlich stramm im Glas. Ein südfranzösischer Brummer besonderer Qualität. "La Font de Tonin" (benannt nach dem Vater der Winzer) aus 70% Grenache und 30% Mourvedre liegt für ein Jahr in teilweise neuem Holz und kommt, wie auch der Chateauneuf, aus einem kleinen und traditionell arbeitenden Betrieb, einem der besten in Gigondas.
    Beide Weine sind seriöse und individuelle Qualitäten handwerklich geprägter Machart.


10.12.2010

Gedanken zum Billig - Chateuneuf

Großer Name - kleiner Wein. Wußte ich allerdings schon vorher, trotzdem griff ich wie schon im letzten Jahr reflexhaft zum Billig - Chateauneuf von Aldi:
Wie gehabt war wieder nix Besonderes in der Flasche, ein geruchsarmer, dünner Saft, der mit dem, was Ch9dP sein kann, so viel zu tun hat wie Pink mit dem Papst.
Passend dazu ist eine Frage, die der Genießer in seinem blog angesichts einer Konservendose San Marzano Tomaten aus dem Supermarkt aufwarf: Geht das Bewußtsein, etwas Besonderes, also in jenem Falle die Tomaten, hier den Wein im Teller bzw. im Glas zu haben, im banalen Überfluss des Supermarktalltages unter ?
Man könnte natürlich zunächst argumentieren, daß Menschen, die den Fachhandel, aus welchen Gründen auch immer, meiden, dann eben im Supermarkt zu besseren, schmackhafteren Produkten greifen können. Denn meint man es ernst mit dem Erhalt und der Verbreitung von Qualität, besonderen Erzeugnissen, Bioprodukten etc. und einem Umsteuern in den Genuß - und Ernährungsgewohnheiten, sollten sie auch für viele Menschen im Alltag erreichbar sein. Und nicht nur einer Elite von Bewußtseinsessern und zeitgeistigen Mittelklasse - Lohas als Lifestyleaccessoire dienen.
Ich bin für einen "demokratischen Konsumismus", wenn es denn wirklich "besondere" Produkte sind. Dazu gehört natürlich die ganze Kette: Korrekte Bezahlung der Produzenten, überhaupt Sorgfalt bei der Erzeugung (ggf. nach Biorichtlinien etc.) und eine gewisse Produktehrlichkeit. Bekomme ich mit meinem Einkauf wirklich einen Genußmehrwert ? Oder täuscht eine besonders edle Angeberaufmachung diesen nur vor ? Die Regale der Supermarktketten und auch der Discounter sind ja voll mit goldverzierten Gourmet, Exquisit, Rewe feine Welt Sachen. Das ist oft aufgepimpte, überteuerte Massenware, reines Marketing mit denen eine Idee, ein Image verkauft wird.
Handwerklich gearbeitete Produkte zeichnen sich ja gerade dadurch aus, daß sie oft, nicht immer, nur in begrenzter Menge erzeugt werden können. Das reicht dann nicht für Massenmengen im Supermarkt.
Womit wir wieder beim Wein wären, dem Chateauneuf bei Aldi. Da liegt nun wirklich eine Banalisierung des Produkts vor. Weinlaien, die sich mal was Gutes tun wollen, für die 9€ für eine Flasche möglicherweise schon viel Geld ist, werden enttäuscht sein, weil sie sich von einem großen Namen mehr versprochen hatten. Und  dann möglicherweise wieder zu  ganz einfacher Kost greifen. Und sich dadurch um die Genußaromatik bringen, die ein guter Winzer-Chateauneuf nun einmal bietet...


04.09.2010

Einstieg in die Rotweinsaison


Der Sommer ist vorbei, die helle, heile, rosélastige Zeit vorüber. Für Weinfreunde nicht nur ein Nachteil - die Rotweinsaison 2010/2011 beginnt, das Wintersemester sozusagen.
Zunächst mit einem alten Bekannten, als eine Art "Geschmackseichung": "Terre de Bussiere" 2007 Domaine de la Janasse VdP. (55% Merlot, 25% Syrah, 10% Grenache und 10% Cabernet. 12 Monate ausgebaut in Holzfässern, davon 30% neue Fässer; 9€). Der Einsteigerwein der für ihre großartigen Chateauneufs bekannten Domaine, hat schon vieles, was die Rhonearomatik ausmacht. Sattes Schwarzrot, undurchdringlich. In der Nase dominiert der Kräuterstrauß, eingekochte Frucht, Lakritz, viel Saft im Mund natürlich, Kraft und Fülle, aber auch Kühle, Lebendigkeit durch Säure. In diesem Stadium, trotz des hohen Merlotanteils, kein Wein für die Mädchenparty. Sehr gut.

Dann ein Pfälzer: "Cuvée Significa" 2007 von Knipser aus Laumersheim (Spätburgunder / Dornfelder; 14€)). Unter dem Label "Significa" gibt es Weine verschiedener Winzer (u.a. Dönnhoff, Heymann-Löwenstein, Adeneur etc.). Zitat: "Interpretiert von großen Winzerpersönlichkeiten sind diese Weine typische Vertreter ihrer Region und bringen das jeweilige Terroir perfekt zum Ausdruck. Die unterschiedlichen Handschriften der Winzer und deren besondere Merkmale sind deutlich zu erkennen. Dies wird durch die Signatur der Winzer auf dem Etikett symbolisiert." Hört sich gut an, Knipser ist zudem in Deutschland Pionier für Cabernet-Sauvignon und Syrah, auch für Barriqueausbau. Aber Knipser hin, Knipser her, bei mir knipste dieser Significa nix an, schmeckte mir einfach nicht. In der Nase noch vielversprechende frische Frucht, durchaus verlockende Tiefe, im Mund dann aber sehr säurelastig, Sauerkirschsaft, zu hohe Bitterkomponente auf der ganzen Linie. Hielt sich allerdings auf diesem Level ohne spürbare Oxydation über mehrere Tage. Etwas mehr Schmelz und es wäre vielleicht noch was geworden aus uns... 

18.04.2010

Die Frankreichprobe...


Chateauneuf du Pape statt Veltins: Manni Breukmann und Karl Richter

...in der Weinzeche Essen war (natürlich) wieder ganz mein Geschmack, denn Frankreich meint dort in der Hauptsache den Süden des Landes, das sonnenverwöhnte Midi. Und da ist die Kollektion wirklich klasse, schon im Einstiegsbereich. Für eine gelungene Ladenprobe ist aber noch was anderes wichtig: Atmosphäre und lockere Stimmung. Und da punktet die Zeche nicht nur mit dem schönen Raum, der ehemaligen Turbinenhalle der "Zeche Bonifacius", sondern auch durch die regelmäßige Anwesenheit von Winzern und Händlern. Weinprofis mit Rebenabitur lockt das genauso an, wie alle, die einfach nur "lecker Wein" suchen. Außerdem gut ist der Grillstand von Metzger Müller aus Wattenscheid und natürlich Weinzechenweinchef Karl Richter, der seine Geschäftstätigkeit mit einer unaufgeregten Lockerheit betreibt. Höhepunkte am Samstag: Eine Chateauneuf-du-Pape Probe mit Manni Breukmann, der den Rebensaft offenbar mehr schätzt als das Veltins auf Schalke und eine Fahrt mit dem Gabelstapler mitten durch die Probe (Fotos oben). Und die Zeche ist immer für Kuriositäten gut. Nach dem Wasser zum Wein vom letzten mal, gab es jetzt Rebholz im Sack zum Grillen (Rebenglut 2,5 Kg für 9,90) und am Grillstand Soßen aus der Bergkamener Chutney Manufaktur !
Zu den Weinen. Es gab über 100, hier nur ein paar herausgepickt:
  • Alle Weine  von La Ferme du Mont, südliche Rhone, schon der einfache "Premiere Cote" 2007 für 7,50€ ein fruchtwürziger Genuß.
  • Für den gleichen Preis auch ein sicherer Genußkauf: Der einfache "Seguret" aus der Selection Laurence Ferraud (Dom.Pegau)
  • "Notre Dame des Pallieres" 2007, für 14€  ein Top-Gigondas: Viel Duft und Schmelz !
  • "Le Claux" 2008, ein Lagen-Gigondas von Saint Cosme (39€) maskuline Würze, ein fokussierter "Weinstrahl".
  • "La Colliere" 2008 Cote du Rhone für 9,90€, rauchig, speckig, dicht.
  • Die beiden Top-Weine von La Grange, Reserve Castalides und Edition Castalides, solide Syrah-Languedocs.
  • "Terres des Agence" 2006 (17,90€) vom Chateau Paradis aus der Provence: Auf Cabernet-Basis, großer Wein. Der junge Winzer Francois Tissot hat noch viel vor, hat gerade Mourvedre gepflanzt, die Stöcke brauchen aber noch 10 Jahre.
  • "Maelma" 2001 von Chateau Capitoul, La Clape. Der perfekt deutsch sprechende Charles Mock war selbst da, der Wein war klasse, tänzelnd zwischen Reife und noch deutlich vorhandener Frucht.
    Woraus läuft alles hinaus, wenn es um Weine aus dem Midi geht? Chateauneuf du Pape:
  • Einer, der so schmeckt, aber als Cote du Rhone läuft ist die "Réserve" 2007 von Clos du Caillou (28,50€).
  • Clos Saint Jean 2007 Ch9dP, satte, süßweiche Grenachebombe.
  • Dom. du Pegau, die "normale" Cuvée Reserveé" 2007 (49€), ein dichtgebundener exotischer Blumenstrauß mit Trockenfrüchten, ungemein duftig, tänzelnd, aber auch mit viel Alkoholbrand am Ende (die 2007er Chateauneufs haben ja häufig einen über den angegeben Wert hinausgehenden Alkoholüberhang, 15% + X).
  • Verblüffend der Kontrast zur 100 PP Cuvée "Da Capo" (250€ !) aus gleichem Hause: weniger "Muckis", fast frisch wirkend im Mund, konzentrierte Trinkseide. Esoterischer Wein.
    So, das muß als Gaumenlyrik reichen, probiert selber - wie gesagt, es lohnt sich auch und gerade schon bei den "Kleineren".
    Nach den ganzen konzentrierten Roten waren dann die Weine vom Weingut Von Racknitz von der Nahe wohltuend für den Gaumen. Luise von Racknitz ("die Nahe war ja mal französisch besetzt") hielt auf der Frankreichprobe die deutsche Riesling-Fahne hoch. Moderat im Alkohol, trotzdem intensiv, salzig-mineralisch der "Schlossböckelheimer Königfels" 2007 (15€).

    "Da Capo" & Co., Racknitz-Riesling, Rebenglut und Chutney aus Bergkamen 

    06.12.2009

    Weihnachtsweine


    Ob als festliches Getränk oder Geschenk, Wein und Weihnacht gehören einfach zusammen. Für Weinhändler ist die umsatzstarke Adventszeit deshalb wichtig, sie veranstalten Festtagsproben, Adventsproben, Nikolausproben. Und weil die Weinladendichte hier im Ruhrgebiet hoch ist, besuchte ich am Samstag gleich zwei Proben hintereinander.
    Als "Apero" zunächst in die Weinhandlung Meimberg in Herne. Unter dem Oberbegriff Bordeaux & Co. waren acht Flaschen versammelt, darunter auch der reinsortige Petit Verdot Crianza 2005 der Finca Antigua (8,50€) aus dem zentralspanischen La Mancha, fruchtdicht, pikante Säure, noch gerbstoffwürzig. Ebenfalls mit packender Würze ausgestattet, aber reichhaltiger und sehr saftig fließend der Charakter 2004 von Gsellmann und Hans (14,50€) aus dem Burgenland. Als Weihnnachtsweinempfehlung des Hauses dann ein Bordeaux, Chateau Dutruch Grand Poujeaux 2001 (18,50€). Klassischer Stil, fein, reif, elegant mit intensiver "Bordeaux-Nase". Ein Wein, der ohne Übertreibungen festlich-diskret am Tisch platznimmt.


    In der Weinzeche Essen ging es insgesamt lauter und lebendiger zu, einem Füllhorn gleich ergoß sich die Probe über die Besucher mit 123 (!) Weinen aus Deutschland, Italien, Spanien und Frankreich, von dort vor allem, wie bei der Zeche nicht anders zu erwarten, aus dem Midi. Die probierten 2007er Chateauneufs Clos St. Jean, Pegau, natürlich Beaucastel (60€) aber auch schon der "günstige" Domaine Serguier (16,90€) standen überzeugend für die besonderen Aromenqualitäten der "Kieselwinzer" aus dem Rhonetal: Duftig, schmelzig, bei aller Dichte und Kraft trotzdem immer absolut delikat und raffiniert.
    Auch "normale" Rhoneflaschen gingen schon in diese Richtung, wie der Vinsobre 2007 der Domaine Chaume Arnaud, für 10€ die erfreulich bodenständige Weihnachtsweinempfehlung von Karl Richter. "Wein extrem" dann am Stand nebenan:  Chateau de la Neglys rare (beide nur etwas über 3000 Fl.) Lagensyrahs Porte du Ciel 2005 (79€) und Clos des Truffiers 2005 (95€): Eher Tröpfchenelixiere als trinkbarere Weine, bei der Himmelspforte noch durch Süße abgemildert, bei der Trüffelbombe fast schmerzhaft konzentriert - vielleicht eine Empfehlung für Weihnachten 2019.



    21.11.2009

    "Die Besten 10 Weine der Welt": Winespectator Top Ten 2009



    Hier die "Besten Zehn" für 2009 vom Winespectator:
    4 Italiener, 4 Amis, 1 Spanier, 1 Franzose.

    Wieder also ein Ch9dP dabei , im Vorjahr waren davon 3 unter den ersten 10. Und was besonders den Geniesser freuen dürfte: Der Barolo von Renato Ratti , abgefüllt in der klassischen Albeisa Flasche.
    Der "Beste" ist ein günstiger (18€) Cabernet aus Washington State: Columbia Crest, ein Weingut, das auch sehr schöne Einstiegsweine für ca. 10€ bereitet. Ich hatte mal den Two Vines Cabernet im Glas, war lecker. Den Brancia gibt es übrigens günstig bei C+D für 12,50 €.


    1. Columbia Crest Cabernet Sauvignon Columbia Valley Reserve 2005
    2. Numanthia-Termes Toro Termes 2005
    3. Domaine du Vieux Télégraphe Châteauneuf-du-Pape La Crau 2007
    4. Kosta Browne Pinot Noir Sonoma Coast 2007
    5. Barone Ricasoli Chianti Classico Castello di Brolio 2006
    6. Chappellet Cabernet Sauvignon Napa Valley Signature 2006
    7. Renato Ratti Barolo Marcenasco 2005
    8. Fontodi Colli della Toscana Centrale Flaccianello 2006
    9. Merry Edwards Sauvignon Blanc Russian River Valley 2007
    10. Brancaia Toscana Tre 2007

    11.10.2009

    Mövenpick Probe...

    ...wieder nach dem neuen Konzept - alle Flaschen waren pauschal gegen Abgabe eines Gutscheins und in Selbstbedienung zu probieren, gebeten wurde diesmal auf einer Hinweistafel um eine "professionelle Verkostung".
    Es gab ein buntes Sammelsurium aus der globalisierten Weinwelt, vom Riesling von der Saar (herrlich duftig-cremiger 2008 Van Volxem Fuder 13 9,80€), über Pinot Noir aus dem Burgund (2007 Champ Pimont 1.Cru Dom.Jacques Prieur 34,50€, samtig-feine Hochwertigkeit), bis zum Übersee-Shiraz aus Australien (Old Adam 2006 von Bremerton 28€, eine prallgefüllte Weinpraline mit Brombeerfüllung für 28€).
    Da treffen natürlich Weingeschmackswelten aufeinander, mehr als bei spezifischen Länderproben. Zumal noch eine durchweg hochwertige Bordeaux-Phalanx von 18 Flaschen aufgebaut war. Passend für das kommende Jahresendzeitfest fielen Weine mit goldiger Etikettengestaltung auf: Der 2007 Chateauneuf du Pape Grand Classique der Dom.de la Presidente (21,50€), natürlich kein ganz Großer, weich-süßlich, sehr wärmender Charakter. Harmonisch in Frucht, Würze, und Gerbstoff war der 2007 Merlot "Ronco dell´Angelo" (19,90€), ein eleganter Schweizer aus dem Tessin.
    Wie dem Geniesser auch, fiel mir der 2007 Primitivo "Masseria Pietrosa" (8,50€) auf, ein Süditaliener mit Duftnoten von reifem weißen Pfirsich, die ganze überbordende Aromatik erinnert an einen kalifornischen Zinfandel, der ja rebsortentechnisch auf den Primitivo di Manduria zurückgeht. Modern gemacht, stimmig und lecker für Leute, die mal einen "Vollschmecker" im Einstiegssegment öffnen wollen.

    05.10.2009

    Discountweine 3 + Rewirpower Weintest





      Nach dem "Aldi-Parker" zwei weitere Weine aus dem Aldi-Weinangebot der letzten Woche:

      Chateauneuf du Pape "Vieux Rempart" 2008 (9,98€) vom Handelshaus Arthur Barolet et Fils aus dem Burgund: Das Problem ist hier, daß man von einem Ch9dP immer etwas erwartet, was eine solche Händlerabfüllung für 10€ natürlich nicht erfüllen kann. Die ganze Aromatik in Nase und Mund ist verhalten, Fruchtduft nur angedeutet, insgesamt wenig Charakter. Stünde nicht Chateauneuf drauf und wäre der Preis max. 6€, wäre es noch o.k. So würde ich aber immer einen guten "einfachen" Cote du Rhone (wie z.Bsp. diesen hier) der "Alten Stadtmauer" vorziehen. 

      Eine andere Vorstellung gab der Rioja ab: Epulum Gran Reserva 2001 der Bodegas Catedral (7€) in Logrono. Schönes helles Rubinrot, duftige harmonische Nase aus roten Früchten und Vanille, reif, mittelgewichtig, nicht langweilig, ein balancierter und feiner kleiner Genuß. Entspricht durchaus dem Geschmacksprofil eines klassischen Rioja. Da würde ich schon nachlegen, der Wein ist mit seiner "Weihnachtsplätzchenart" ein schöner Adventswein. Ist aber schon ausverkauft, auch ein Nachteil der Aktionsangebote: wenn weg, dann weg.


    Außerdem gibt es gerade in der Genußeinstiegsklasse bis 10€ (über den wirklichen Billig- und Massenangeboten, dem eigentlichen Schwerpunkt der Discounter) in den Fachgeschäften schon sehr gute Qualität. Wieder schön dokumentiert im neuen Rewirpower Weintest (in der Jury u.a. mit Uwe "Chateauneuf" Bende), alle Weine aus dem Fachhandel und alle unter 6€. Freut mich, daß da bei den Roten ein Wein aus dem Languedoc so gut weggekommen ist: "In Vino Erotico 2008" vom Franzosen in Bochum.

    12.09.2009

    Probe im Mövenpick Weinkeller Dortmund




    Ein neuer Trend ? Wie beim "Camino del Vino" letzte Woche in der Bodegas Rioja fiel auch die "Exclusivite Probe" im September im Mövenpick Weinkeller durch besondere Großzügigkeit auf: Will man die Kunden durch kräftigen Konsum in einen Kaufrausch versetzen ?

    4 Tage lang konnten gegen einen "40€ - Gutschein", der aber für praktisch jeden verfügbar war, über 60 Weine frei probiert werden. Nichts erinnerte mehr an die im "Weinland" früher oft mit einer gewissen Strenge verbundene Weinzuteilung ("last order"-Grübner um 10 vor 8). Stattdessen entstand durch die Möglichkeit zur Selbstbedienung ein lockeres Verkostungsgelage, bei der eine vernünftige Probendosierung in den Gläsern manchmal etwas vernachlässigt würde. Zum Teil verständlich, standen doch einige wirkliche "Trefferweine" auf den Tischen.

    Hier nur eine kurze, subjektiv auf einige Rote beschränkte Aufzählung: Finca la Planeta 2005 aus dem Priorat, dicht, dunkel, doppelt-konzentriert, wuchtige Weinessenz (25,80€). Pesquera Reserva 2005 aus dem Ribera del Duero, röstig-würzig, (noch) sehr oak-lastig (29,50€). Alenza Gran Reserva 2001 aus dem gleichen Hause, neben Wucht und Kraft auch schon viel seidige Feinheit (55,90). Chateau Beaucastel Chateauneuf du Pape 2005, eine süßbeerige, weiche Weinwooge (46€). Vosne Romanée "Quartier de Nuits" 2006 Dom.J.C.Boissset aus dem Burgund, konnte sich hier im Konzert der lauten Kracher sehr gut behaupten, etwas Erholung für den Gaumen mit herrlich hellfruchtiger Pinotnase (41,90€). "R" 2006 Bodegas Renacer, ein Premium Argentinier, nur 4600 Flaschen, 100% Malbec, superkonzentriert, Wein am Anschlag, will unbedingt beindrucken (49€). Don Maximinano Reserve 2006 von Errazuriz, sehr duftig nach schwarzen Jonhannisbeeren, angenehm süß-bitter-schokoladiger Chilene 36€). "The Prisoner" 2007 Orin Swift Cellars, Napa Valley. Ich fand ihn klasse. Eine spannende vom Zinfandel dominierte Fruchtgranate, durch Cabernet und Syrah auch viel Würze und Kraft. Dabei sehr ausgewogen und balanciert, trotz 15,2%(32,90€). 

    Noch eine Empfehlung aus der Einstiegsklasse: Chateau Bas d ´Aumelas. Für 6,90€ ein fruchtwürziger, pflaumenduftiger, sehr trinkbarer Roter aus dem Languedoc. Webseite mit schöner Musik !

    Fazit also: Die neue Probenkultur bei Mövenpick kommt an, beim Konsumenten allemal - mal sehen, ob es sich auch für die Verkäufer rechnet...

    Schaut dazu auch hier beim Geniesser mal rein.