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21.03.2014

Party-Rote

Superduftig, superfruchtig, supersüffig, supergeil...

Nicht immer nur analytisches Schlürfen, genaues Wägen, Einordnen und Normieren  - das ganze elaborierte Getue um den Wein hat zwar seinen Reiz, kann aber auch nerven. Es gibt Situationen, da geht es einfach um Menge, um Durchsatz, um die Befriedigung von durstigen Kehlen netter Menschen, die dem selbstreferentiellen Spiel um das Göttergertränk vollkommen unzugänglich sind. Ganz normale Leute, die einfach nur mal ein "lecker Weinchen" trinken wollen, oder auch zwei...
Und damit ergibt sich für den Weinfreak als Gastgeber ein Problem. Ganz aus der unteren Schublade darf man nicht einsteigen und irgendwelche Suffweine anstellen. Das würde auf einen zurückfallen. Wie gesagt, es geht um Leute, die zwar nicht in die Thematik einsteigen wollen, aber durchaus weinerfahren sind und schon wissen, was ihnen schmeckt. Der andere Fehler wäre, zu kompliziert aufzutischen und einzufüllen, womöglich verbunden mit langatmigen Erklärungen. Eine Gradwanderung also zwischen seriöser Qualität und unmittelbar trinkiger Genußzugänglichkeit, in den letzten Wochen gab es mehrfach die Gelegenheit, Party-Rote in diesem Sinne zu öffnen...




Zwei  aus "Übersee", immer eine sichere Bank für Leute, die richtig was im Glas und im Mund haben wollen, eingängige Spieler mit viel Primärfrucht und Kraft. 




Zwei Südfranzosen aus der Provence, auch in der Regel ein Treffer für Starkweintrinker. Beide Kandidaten präsentierten sich voll, viel Schmackes im Glas: Viel Wärme, Grenache-Schmelz, dunkle Frucht, Reife im Vindemio, der Paradis paradiert mit Frische und etwas Biß vom Cabernet.   



Ein etwas ausgefallenes Pärchen, für die Neugierigen am Tisch. Einmal ein Norditaliener aus dem Veltlin, ganz oben an der Grenze zur Schweiz. Mit 94PP hochdekoriert und der Teuerste hier in der Runde. Ein Sfursat vom Fuße der Alpen, hergestellt nach der Amaronemethode: Die Trauben trocknen 120 Tage lang in Holzkassetten, sie verlieren dabei bis zu 35 Prozent ihres Gewichtes. Dadurch erhöhen sich Zucker- und Alkoholgehalt. Viel Reife, Wärme, viel Alkohol, die Amarenakirsche im Glas. Sowas sollte nicht zu Beginn angeboten werden, kommt aber gut mit seinen likörigen Schmeicheleinheiten als Absacker.
Goldene Aufdrucktypographie, mattierte Flasche, so steht er da, ein Exot aus dem Libanon aus Cabernet, Syrah, Grenache, Merlot. Weinfreunde, die hier öfter lesen, wissen, da kommt viel Gutes her (Probenbericht hier). Der ´05er ist noch voll da, reichhaltig in Nase und Mund, kein ganz Lauter, hält Eleganz, Top-Schluck.



Ein Süditaliener und ein Kalifornier in enger Verwandschaft! Der Primitivo kam Mitte des 19. Jh. vom Absatz des Stiefels über den großen Teich und wurde dort zum Zinfandel. Um den entstand in der Renaissance des kalifornischen Weinbaus ein regelrechter Kult, Zin wurde zum flüssigen Inbegriff kalifornischer Lebens - und Genußart. Auch der Primitivo hat, zusammen mit anderen Rebsorten des Südens wie Negroamaro und Nero d´Avola, einen Aufschwung in der Beliebtheit genommen und geholfen, Teile des süditalienischen Weinsees zu leeren. Vor allem bei Freunden warmer, fruchtiger und gerbstoffgezügelter Weine. Insofern war dieses Duo in den Gläsern ein Selbstläufer. Der Masseria kann als der ideale Partyschluck gelten, frei nach Friedrich Liechtenstein: Superduftig, superfruchtig, supersüffig, superlecker, supergeil...
Der Zinfandel kommt aufwändiger daher, ein Hinkucker natürlich die Hippieflasche. Im Glas dann noch sehr schön, ich hatte erst Bedenken wg. der 8 Jahre, Zinfandel altern häufig nicht so toll, die Primärfrucht des jungen Weins ist oft einfach zu attraktiv. Der hier hatte allerdings nicht abgebaut, war vielleicht sogar der attraktivste Wein der ganzen Reihe hier. 




Die Roten aus dem Rioja sind für viele ein wichtiger Teil ihrer Weinbiographie, auch für mich standen die vom langen Holzausbau und Flaschenreife geprägten Tempranillos traditioneller Machart am Beginn der Weintrinkererei. Die Crianzaklasse bot für überschaubare Tarife viel Duft, Schmelz und Charakter. Auch heute gibt es da immer noch viel Stoff fürs Geld. Auch wenn Rioja in letzter Zeit vermehrt auf teure und hochgezüchtete Spitzen setzt und bei den Einsteigern mehr auf schnelle Frucht als auf Reife, wird man bei den Klassikern immer noch fündig. Der Canas kann was, für 17€ gibt es sanften Genuß ohne Hektik, der Wein beruhigt. Typische Nase aus Vanille und Orangenschale, auch im Mund gute Harmonie von feiner Süße, Fruchtsäure und würzigem Rauch.





28.02.2013

Südfrankreich - mal zart statt hart...



Der Winter dauert an, er ist angeblich der dunkelste seit Beginn der regelmäßigen Sonnenscheinaufzeichnungen vor über 60 Jahren. Aber alles Klagen hilft nix, man kanns ja ohnehin nicht ändern. Um wenigstens die innere Gemütsverfassung etwas aufzuhellen, bietet sich der Genuß guter Weine an. So kam nach der spanischen "Buttercremetorte" ein weiterer Roter ins Glas. Der präsentierte sich aber in gänzlich anderer Charakteristik.

Jones Rouge 2011 Domaine Jones (Grenache 95%, Carignan 5% / 14,5% / 16€) Katie Jones ist quasi als Neuwinzerin in Südfrankreich tätig. Sie war 17 Jahre für Weinexport und Marketing der großen Mont-Tauch Kooperative zuständig. Die kontrolliert mehr als 50% der gesamten Produktion der gesamten AOC Fitou: 15 Millionen Flaschen Wein per Annum ! Weinbauern, die ihren Rebberg aufgeben wollen oder altersbedingt müssen, gibt es da natürlich immer wieder. Bei 2.7 Hektar, ganz in der Nähe der alten Katahrerfestung Queribus, griff Katie Jones zu. Die Parzellen waren nämlich bestockt mit bis zu 70 Jahre alten Grenachereben. Katie gab ihren sicheren Job im Sommer 2009 auf, im Herbst arbeitete die Domaine Jones schon an ihrem ersten Jahrgang. Seitdem wird in Tuchan in einer kleinen Steingarage im Mikrostil vinifiziert. Der Ort liegt im Bereich der AOC Fitou. Da Katies Trauben jedoch vor allem drüben in der AOC Maury und damit schon im Roussillon wachsen, wird der Wein nicht als Fitou, sondern als IGP Cotes Catalanes deklariert.
Und wie schmeckt er? Nun, Katie Jones schafft es, die Intensität des Südens mit einer gewissen Finesse und Leichtigkeit zu verbinden. Sie sind Musterexemplare des neuen Südstils, wie sie zum Beispiel auch Thomas Teibert mit seiner Domaine Horizon macht. So merkt man dem verkosteten Jones Rouge seine (oder sollte man besser sagen ihre?) 14,5% Alkohol überhaupt nicht an. Im Glas kein Fett, kein barocker Mund- und Backenfüller, sondern ein beinahe kühl wirkendes Konzentrat voller Spannung, minimaler Holzeinsatz. Keine überreife Süße, sehr frisch, es dominiert  die reine  Frucht, Top.

Katie Jones und ihre Weine sind auch in diesem Jahr wieder bei der großen von der Rolf Kaspar GmbH veranstalteten Kulturweinmesse auf der Zeche Zollverein dabei. Für Details bitte hier klicken.







04.02.2013

Hugenpoet Rundgang 2013



Anders als der Betriebsname Vino Grande vermuten läßt, ist das Ladengeschäft von Thomas Kierdorf in Essen-Rüttenscheid eher klein, verkostet wird in einem gemütlichen Hinterzimmer. Viel Stammkundschaft trifft sich da, Leute mit "Weinabitur" und elaboriertem Geschmack. Das Motto ist hier klein aber fein.
Einmal im Jahr, im kalten Januar, verlagert sich aber das Geschehen, dann gibt es wirklich Vino Grande. Im Schloßhotel Hugenpoet, einer edlen von Wassergräben umsäumten Anlage in den Ruhrauen zwischen Essen Kettwig und Mülheim, inszeniert Kierdorf seine Hausmesse. Das ist jedesmal großes Weinkino, die Veranstaltung ist das Gegenteil von Beliebigkeit. Man will es hier nicht jedem recht machen. Wer auf der Suche ist nach Bordeaux, Burgund oder dem neuesten "Parker-Spanier" für 7€ oder gar Übeersee ist hier falsch, das kommt alles nicht vor.
Den Schwerpunkt der Qualitäts- und Geschmacksvorstellungen von Thomas Kierdorf bilden deutsche Rieslinge und Weine aus Österreich, dazu etwas Iberien und Südfrankreich. Eine solche Ausrichtung mit deutlicher Handschrift ist nicht ohne Risiko. Die Weine müßen erklärt werden, lautes Anpreisen, Schnäppchenangebote, Prahlerei mit Punkten und dergleichen passen hier nicht ins Konzept. Doch auch vornehmes Undersatement mobilisiert die Fans, wenngleich mir in diesem Jahr mehr Platz in den Räumen und an den Probentischen zu sein schien...


Hugenpoet: Genießer und Weindeuter (links) mit Rolli und Zaltoglas...

36 Weingüter mit 250 offenen Flaschen verteilten sich in den ehrwürdigen Salons des Hauses, Drinkers Paradise. Alles probieren geht natürlich nicht, hier ein paar Schlaglichter des Rundgangs, ohne jeglichen Anspruch auf Vollständigkeit. Zunächst Rieslingklassik von Mosel/Saar und weiteren Weißweinwonnen...

Van Volxem gewohnt stark, Dominik Völk präsentiert 2011 Scharzhofberger und 2011 Altenberg Alte Reben: Herrliche Verbindung von reichhaltiger, cremiger und gaumenfrischer Frucht und solidem Schieferfundament. Top.
Gegenüber Clemens Busch, die Pündericher zeigen die verschiedenen 2011er aus ihrer Toplage Marienburg. Anderer Stil, kompromisslos trocken, pure Mineralik, druckvoll, männliche Mundfüller, brauchen Zeit.
Leichter und im Kontrast fast erholsam kommt danach Heymann-Löwenstein in die aufnahmebereiten Gläser. Röttgen und Uhlen scheinen ganz von der weichen, sehr zugänglichen Frucht getragen.
Großes Tennis dann aus der Pfalz, aus Deidesheim. Stephan Attmann (Von Winning) erklärt intensiv, schenkt freudig ein und alles schmeckt einfach enorm gut. 2011er Langenmorgen und Pechstein sind Rieslinge am Anschlag, volle Konzentration, saftige Frucht, viel Exotik drin, mitreißend, Lustmacher pur. Überraschung dann die Sauvignon-Blancs. Eine Mode in der Pfalz? Egal, die drei Sauvignons I, II und 500 sind sensationell, werden hier nochmal gesondert vorgestellt...
Fehlt noch Chardonnay. Und da steht natürlich wieder Karlheinz Milch aus Monsheim aus Rheinhessen bereit, der sich auf diese Rebsorte spezialisiert hat. Ein eher ruhiger Winzer, er läßt seine Weine für sich sprechen. Und die befriedigen sehr, vom Einsteiger Kalkstein für unter 8€ über den Blauarsch bis zum XXL für 25€. Die müßte man mal direkt gegen Burgund stellen...



Im Obergeschoß geht es ohne Umschweife zu Terroir al Limit, Priorat extrem. Preislich, wie auch aromatisch sind diese Weine nicht unumstritten. Torsten Hammer ("The Priorat-Guide") beklagte sich bei einer früheren Verkostung mal über allzu knapp bemessene Probenschlückchen von Dominik Huber, die ein reguläres Verkosten kaum zuliessen. Aber auch jenseits solcher Anekdoten polarisieren diese Weine die Prioratgemeinde. Man strebt hier Finesse an. Die auf den Schieferböden des Priorat intensiv-kräftige Grenache wird gebändigt, sozusagen "burgundisiert". 
Wiederum ein Kontrast dann die Weine der Domaine Horizon aus dem Roussillon, neu im Programm bei Vino Grande. Thomas Teibert ist ein barock-salopper Typ mit roter Hose und Hosenträger und macht Wein im Hinterland von Perpignan. Irgendwie fällt mir da sofort Gerard Gauby ein. Der kommt ja auch aus Calce und sieht auf Fotos immer ähnlich aus. Und tatsächlich gibt es eine, sogar sehr enge Verbindung: Teibert und die Tochter von Gauby haben ein gemeinsames Kind...



Nun, die Teibertschen Reben haben Meerblick, deshalb der "Horizont." Preislich sind die Weine nicht schüchtern kalkuliert, schon der rote Einsteiger Esprit de l ´Horizon kostet 19,50€. Für den Domaine de l ´Horizon werden 33€ fällig. Beide sind aber top, der neue Südstil ohne Überkonzentration, haben delikate Frucht, trotzdem natürlich genug satte Sinnlichkeit und Schmelz, sehr gut.

Dann Österreich, ein Schwerpunkt von Thomas Kierdorf. Dorli Muhr und Fritz Wieninger nebst ihren Weinen glänzten diesmal durch Abwesenheit. Eine feste Größe auf Hugenpoet ist aber Margarethe Triebaumer. Ihr Ried Mariental (2010) repräsentiert den sehr straighten Blaufränkisch-Stil. Der erfährt seine Klasse durch fokussierte kühle Frucht und Mineralik, wenig Holz, großer Wein für Medoc-Freaks. Mehr Wonne und Wärme dann bei Hans Nittnaus, auch aus dem Burgenland. Der Erfinder des Pannobile-Konzepts schenkte seinen 2010er Pannobile allerdings aus halben Flaschen aus, die reguläre Größe ist ausverkauft. Satte Kirsche, Vanille, reichhaltig, Top-Wein.

Eine Legende zum Schluß, im roten Salon präsentieren in absolut bescheidener Weise René Barbier und seine Frau Isabelle ihre Flaschen. Auch wer vom Priorat keine Ahnung hat - Clos Mogador kennt jeder. Einer der Begründer des neuen Priorat, Trendsetzer und bis heute Qualitätsmotor für die Region. Clos Mogador 2010 aber auch ´05er und ´08er Manyetes zeigten Größe, reichhaltige, dunkle Weine mit Tiefgang.



Was noch? Der Rest ist Schweigen. Sicher kamen noch einige weitere mouth-pleaser ins Glas. Aber unter uns, Hugenpoet ist auch mal einfach sinnlicher Genuß, ohne dauernde Analyse und Verkostungsnotizen. Besser als hier retrospektiv nachzulesen ist auf jeden Fall ein wirklicher Besuch. Nächste Chance also Januar 2014...

Zur Hugenpoet Probe auch hier bei Genußbereit (klick)








Hier die komplette Winzerliste


Sekthaus Raumland, Flörsheim-Dalsheim, Rheinhessen
Weingut Schloss Lieser, Lieser, Mosel
Weingut Pauly, Lieser, Mosel
Weingut Markus Molitor, Zeltingen, Mosel
Weingut Heymann-Löwenstein, Winningen, Mosel
Weingut Van Volxem, Wiltingen, Saar
Weingut Forstmeister Geltz-Zilliken, Saarburg, Saar
Weingut Hermann Dönnhoff, Oberhausen an der Nahe
Weingut Johann Baptist Schäfer, Burg Layen, Nahe
Weingut Battenfeld-Spanier, Hohen-Sülzen, Rheinhessen
Weingut Kühling-Gillot, Bodenheim, Rheinhessen
Weingut Wittmann, Westhofen, Rheinhessen
Weingut Milch, Monsheim, Rheinhessen
Weingut Von Winning, Deidesheim, Pfalz
Weingut Jürgen Leiner, Ilbesheim, Pfalz
Weingut Zehnthof - Luckert, Sulzfeld, Franken
Weingut Schloss Gobelsburg, Gobelsburg, Kamptal
Weingut Kurt Angerer, Lengenfeld, Kamptal
Weingut Franz Proidl, Senftenberg, Kremstal
Weingut Knoll, Dürnstein, Wachau
Weingut Anita & Hans Nittnaus, Gols, Burgenland
Weingut Kollwentz, Großhöflein, Burgenland
Weingut Wenzel, Rust, Neusiedlersee
Weingut Ernst Triebaumer, Rust, Neusiedlersee
De Sousa & Fils, Avize, Champagne
Domaine de l´Horizon, Calce, Roussillon
Domaine Matassa, Calce, Roussillon
Celler de Capçanes, Capçanes, Montsant
Cava Gramona, Sant Sadurní d'Anoia, Penedes
Clos Mogador, Grattalops, Priorat
Terroir al Limit, Torroja del Priorat
Azienda Agricola Vigna Rionda di Massolino, Serralunga d´ Alba, Piemont
Marchesi Mazzei, Castellina in Chianti, Toscana
Niepoort Vinhos, Quinta de Napoles, Douro
Obstkellerei van Nahmen, Hamminkeln, Niederrhein


19.12.2012

Adventswein 3: Gigondas & Chateauneuf


Dritter Advent und große Augen am Tisch: "Ja ist denn schon Weihnachten?" entfuhr es einem Mitverkoster. Kein Wunder, denn zwei stattlich wappenverzierte Flaschen standen bereit: Gigondas und Chateauneuf kamen in die aufnahmebereiten Gläser. Und es ist ja auch genau die richtige Zeit für solcherart Weine. Das Schmuddelwetter draußen erfordert Tropfen, die wirklich Wärme geben und den Raum mit warmwürzigen Düften füllen - wie eben diese beiden hier von der südlichen Rhone.

Zum einen Chateauneuf du Pape, "Le Roi du Rhone". Prächtige Weine in prächtigen Flaschen, mit barocker Grundaromatik. Dabei aber keine eindimensionalen Fruchtbomben und Tannintanker, nie langweilig, machen aber auch nicht nervös, sondern strahlen eine ausgeglichene Harmonie und Ruhe aus. Auf dem Fuße folgen dann die kräftigen Charakterköpfe aus Gigondas, ein paar Kilometer nordwestlich gelegen.

Wie sah es nun bei dem kleinen Adventsduell der beiden Rhonecrus aus? Zugegeben, der Vergleich war etwas unfair angelegt. Der "Prémices" Chateauneuf du Pape (Domaine Giraud 15% / 20€) stammt zwar aus gutem Hause, ist aber eher ein Einstiegsmodell. Und er mußte gegen ein wahres Flagschiff der Nachbarappellation antreten: "Gigondas Tradition" Domaine Santa Duc 2010 (15,5% / 20€). Das ist der "Basis-Gigondas" von Yves Gras, sein Portfolio ist mittlerweile recht umfangreich. Seine Top-Weine sind der Hautes Garrigues und der Grand Grenache 66, eine absolut likörige Essenz, vor kurzem verkostet in der Weinzeche Essen.
Doch zurück zum "Tradition", auch der hat es schon in sich und ist ein ziemlich kompletter Wein. Steht gesättigt-dunkel im Glas, volle Frucht, Lakritze, Süßholz, im Mund dann Druck und Dichte. Gerbstoffe sind bei so einem jungen Burschen natürlich vorhanden, sind aber auf anregende Weise in die Gesamtaromatik eingebunden. Auch der hohe Alkohol sorgt für keinerlei Schärfe. Zeigte nach etwas Luftkontakt seinen ganzen satten Grenachecharakter, für den diese starken Weine von der südlichen Rhone nun mal stehen. Ein südfranzösischer Nasen- und Backenfüller besonderer Qualität, allerdings kein Wein für die Mädchenparty.
Dagegen hatte es der Ch9 zunächst etwas schwer, der Prémices ist kein großer Blockbuster, kommt eher duftig aus dem Glas. Auch hier viel dunkelwürzige Frucht, aber nicht (zu) fett. Feiner floral-femininer Schmelz, nasenfein, im Mund seidig, schon jetzt herrlich trinkbar.

Begleitung für Gigondas und Chateauneuf:
Lammstelzen auf Schmorgemüse

09.10.2012

Herbstweine: Schwere Jungs aus dem Süden



Die Blätter färben sich, Herbstwinde wehen - Zeit für Rote, die Wärme geben. Und da komme ich immer wieder auf den Süden Frankreichs. Die südliche Rhone und das Languedoc halten ein Füllhorn von Weinen für diejenigen bereit, die vor fruchtiger Fülle und reichhaltiger Kraft nicht zurückweichen. In der Weinszene ist dies scheinbar nicht mehr so sehr en vogue, vor lauter Begeisterung für deutsche Spätburgunder und Weine, die "pinotieren". Der Weindeuter hält aber diesbezüglich die Stellung und wahrt seine Treue zu den Gewächsen des Midi. Verkostet wurden in den letzten Tagen ein paar Kellerflaschen, dreimal Rhone, zweimal Languedoc. Darunter auch welche aus dem für diese Region als sehr gut bewerteten Jahrgang ´07.

"Terre de Bussiere" 2007 Domaine de la Janasse VdP (55% Merlot, 25% Syrah, 10% Grenache und 10% Cabernet. 12 Monate ausgebaut in Holzfässern, davon 30% neue Fässer 10€) Der Einsteigerwein der für ihre großartigen Chateauneufs bekannten Domaine hat schon vieles, was die Rhonearomatik ausmacht. Sattes Schwarzrot, undurchdringlich, in der Nase dominiert der Kräuterstrauß, eingekochte Frucht, Lakritz, viel Saft im Mund. "Süffig" durch den hohen Merlotanteil, trotzdem kein Wein für die Mädchenparty. Kein Zeichen von Müdigkeit, hätte noch liegen können.

Domaine Roche 2009 Cairanne Cotes du Rhone Village (15% / 9.90€ / 70% Grenache + 30% Syrah) Ein neuer Name an der südlichen Rhone, Romain Roches vinifiziert erst seit kurzem von elterlichen Weinbergen in Cairanne. Nach weltweiten Wanderjahren ist 2009 sein erster "eigener" Weinjahrgang. Um es vorwegzunehmen: Der Wein ist sehr gut, angesichts des Preises sogar sensationell gelungen. Blind in eine Probe mit Crus aus Chateauneuf oder Gigondas gestellt, müßte er bestimmt nicht sofort den Schwanz einziehen, sondern könnte lange mithalten. Schon in der Nase sehr konzentriert, die für die Region so typische anmachende Mischung aus tiefer warmer, dunkler Frucht. Im Mund dann Expansion: Schlehenfeuer, lodernder liköriger Saft, der hohe Alkohol schlägt durch.

Le Marteau 2007 (11€, Syrah/Grenache/Carignan) Pierre Clavel aus dem Languedoc nördlich von Montpellier hat es drauf. Sein Marketing ist perfekt, er kommt als Bursche vom Lande rüber, Typ netter, bodenständiger, rustikaler, sonnengegerbter Südfranzose. Der Marteau (= Hammer) steht noch immer voll in der Frucht. Undurchsichtig-dunkel im Glas, kleiner violetter Rand, herrliche Brombeernase, rauchig, im Mund ein Vollschmecker mit viel Reifesüße, nur 8952 Flaschen !

Lirac 2007 Domaine La Loyane (14,5% / 11,50) Warme, intensive, lakritz-würziger Wein mit warmer und reifer Frucht, satter breiter Schluck, man schmeckt den Top-Jahrgang 2007. Dies war so eine Flasche, aus der der Wein einfach verdunstet, Südrhone at its best. Möglicherweise der Beste der Runde, aber wer will sich hier schon festlegen...

Carline 2010 Château de Cazeneuve Saint Loup (14% / 12€ Syrah/Grenache/Carignang) Der jüngste und in der Aromatik "kühlste" in diesem Quintett, geprägt von Syrah, gewachsen auf den heißen Schieferböden am Pic Saint Loup nördlich von Montpellier. Auch hier hohe, fruchtgeschwängerte Konzentration, hinzu kommen aber auch lebendige Frische und präsente Gerbstoffe. 




Zum Roche aus Cairanne gab es übrigens was fleischiges vom Grill, dazu eine Fertigsauce, die uneingeschränkt zu empfehlen ist: Stonewall Kitchen Grillsauce Roasted Garlic Peanut, also gerösteter Knoblauch mit Erdnuss. Nussig, cremig, süffig, ohne jede Bitterkeit und Kunstaroma. Die Stonewall Saucen kommen aus Maine, USA und sind in der Gourmetladenszene in Deutschland gut vertreten. Leider teuer, das 200ml Fläschchen kostet 10€.


13.01.2012

Südrhone - Kraftspender von alten Reben: Domaine Roche


Die Zeit nach Silvester ist die schlimmste Zeit ! Die Festtage brachten noch etwas Glanz in die Hütte, bis zur ersten Frühlingswärme im März ist es aber noch lange hin. Da heißt es Augen zu und durch. Und Weine öffnen, die genug Statur und Schneid haben, der nassen Kälte etwas entgegenzusetzten. Ein solcher Kraftspender wurde verkostet...

"La Bousquette" 2009 Domaine Roche (16% / 13,90€ / 85% Grenache + 15% Carignan) Ein neuer Name an der südlichen Rhone, Romain Roches vinifiziert erst seit kurzem von elterlichen Weinbergen in Cairanne. Nach weltweiten Wanderjahren ist 2009 sein erster eigener Weinjahrgang. Der "einfache" Cairanne wurde im April schon verkostet (klick hier) und konnte überzeugen. "La Bousquette" nun stammt von einer Parzelle mit über 100 Jahre alten Rebstöcken. Für einen moderaten Aufpreis gibt es echte "Vieilles Vignes -Aromatik". Schon in der Nase sehr dunkel, tiefe Kraft, ohne jede kitschige Attitüde. Ein konzentrierter mineralischer Monolith, keine süßfruchtige Grenachebombe. Erinnert in der Stilistik dadurch etwas an einen Priorato. Topwein mit sehr gutem Preis-Genußverhältnis.




17.12.2011

Katie Jones: Neue Weine aus dem Languedoc




Das Languedoc: 15 Millionen Hektoliter Wein ! Jedes Jahr aufs Neue produziert. Die Masse stammt von Rebstöcken in den Ebenen, die in den sonnensatten Sommern kräftig tragen, verarbeitet von Genossenschaften und großen Weinkonzernen. Ein Weinsee, den in dieser Menge niemand braucht, den keiner leertrinken kann. 
Dagegen steht die seit Anfang der achtziger Jahre auf breiter Front begonnene Languedoc - Qualitätsoffensive. Die Trendsetzer waren Um- und Einsteiger, Tüftler, Individualisten. Rebflächen, vor allem an den schwer zu bearbeitenden Hängen mit kargen flachgründigen Oberböden, konnten günstig übernommen werden. Namen aus dieser Zeit sind z.Bsp. Daumas Gassac, Mas Jullien, Saint-Jean de Bébian. Die Umbaudynamik hält bis heute an, immer noch erfüllen sich Newcomer ihren Winzertraum.
Eine Neuwinzerin in diesem Sinne ist auch Katie Jones. Sie war 17 Jahre für den Weinexport und Marketing der großen Mont-Tauch Kooperative zuständig. Die kontrolliert mehr als 50% der gesamten Produktion der gesamten AOC Fitou: 15 Millionen Flaschen Wein per Annum ! Weinbauern, die ihren Rebberg aufgeben wollen oder altersbedingt müssen, gibt es da natürlich immer wieder. Bei 2.7 Hektar, ganz in der Nähe der alten Katahrerfestung Queribus, griff Katie Jones zu. Die Parzellen waren nämlich bestockt mit bis zu 70 Jahre alten Grenachereben. Katie gab ihren sicheren Job im Sommer 2009 auf, im Herbst arbeitete die Domaine Jones schon an ihrem ersten Jahrgang. Dabei stellte sich heraus, daß nicht alle angelieferten Trauben rot waren, in den Parzellen wuchs auch Grenache Gris und eine sehr kleine Menge Muscat !



Vinifiziert wird quasi im Mikrostil in Tuchan in einer kleinen Steingarage. Der Ort liegt im Bereich der AOC Fitou. Da die Trauben jedoch drüben in der AOC Maury und damit schon im Roussillon wachsen, können sie nicht als Fitou vermarktet werden. Sie sind als Vin de France gelabelt, eine einfache Tafelweinklassifikation. Mittlerweile gibt es aber doch einen Fitou. Zusätzlich wurde nämlich ein Rebberg im Fitougebiet erworben: Sehr klein (nur 0,5 Ha), sehr abgelegen in 300 M Höhe, im Mischsatz bestockt, sehr alte Reben mit Niedrigertrag - für nur 2500€ zwar ein Schnäppchen, jedoch mühsam und nur in aufwendiger Handarbeit zu bewirtschaften.


Wie schmecken denn nun die Weine ? Was können sie ? Verkostet wurden die beiden Roten. Der "Einsteiger" Jones Rouge im 2ten Jahrgang 2010 sowie der neue Fitou 2010. Große Überraschung, beide für so ein junges Projekt schon sehr ausgefeilt,  elaborierter Stil, Weine mit Attitüde. Wie geht das ? Nun, Katie Jones ist natürlich in Sachen Wein keine wirkliche Anfängerin. Sie kennt die Szene und hat sich die önologische Unterstützung von David Morrison gesichert, ein in Frankreich lebender Australier, der als "consultant wine-maker" auf verschiedenen (Wein)hochzeiten tanzt.

  • Domaine Jones Rouge 2009 (14.5% / ca. 13€, 90% Grenache / 10% Carignan) Frische, Frucht, Finesse. Diese drei Fs sind nicht selbstverständlich im heißen Süden. Der Wein setzt sich stilistisch ab vom beliebten Konzept: Reife Trauben, späte Leese, viel Oak. Hier im Glas der neue Stil, der trotz hoher Konzentration und kräftigem Alkohol eher auf eine gewisse "Leichtigkeit" setzt. Raffiniertes Aromenspiel mit reifer roter Paprika, pikante Säure, kein Sattmacher, animierend, hohe Trinkbarkeit.
  • Domaine Jones Fitou 2010 (14% / 18€, 50% Carignan / Grenache 30% / Syrah 20 %) Grenache und Carignan von Uraltreben, Katies Grenachereben im Fitou sind zudem eigentlich Lladoner Pellut. Schön duftig, etwas Karamell, feine Fruchsüße. Wieder frisch statt fett, ätherisch-würzig, im Mund seidige Gerbstoffe. Herrlicher komplexer Wein. Zieht aromatisch mehr an als der Rouge, Gesamtproduktion nur 1200 Flaschen.

Auch hier beim Genießer (klick)



26.09.2011

D 66: Ami - Franzose


Kleiner Nachtrag zum Weinmenü bei Peter Nicolay (klick hier). Auch der Weindeuter hatte da natürlich eine mitgebrachte Flasche in die späte Runde geworfen. Ein neuer Wein aus dem Roussillon, Typ "konzentrierte Wuchtbrumme".

"D 66" Orin Swift Cellars - Dave Phinney / Vins de Pay des Cotes Catalanes / Maury (15,2% / 36€ / 80% Grenache, 12% Syrah, 8% Carignan) Dave Phinney erzeugt in Kalifornien aus zugekauften Trauben seit einigen Jahren Weine, die in ihrer Aromatik nicht gerade durch Schüchternheit auffallen. The Prisoner, Saldo, Papillon sind hochkonzentrierte reifesüße Alkoholbomben (klick hier + hier).
Jetzt gibt es Dave Phinney auch aus Frankreich. Bei Maury wurden offenbar größere Rebflächen mit zum Teil über 60-jährigen Grenachestöcken erworben. Hört sich nach einem sehr aufwendigen und teuren Engagement an. Der D 66 (Departement soixante -six) ist der erste Jahrgang. Enorme Flasche, sehr viel Glas, schwer, extrem tiefer Boden. Über die Farbe braucht nicht geredet zu werden, undurchdringliches schwarzrot. Über Nase und Mundgefühl eigentlich auch nicht, man ahnt worauf es hinaus läuft, ich machs kurz: Opulent in jeder Hinsicht, reife satte Fruchtnase, eine dunkle prallgefüllte Praline, am Gaumen platzt die dann auf und verteilt sich mit viel Schmelz mundfüllend.
Man kann natürlich jetzt abwinken, für Puristen ist das vielleicht auch gar nix. Trotzdem lohnt ein zweiter Blick, ein genaueres Hinschmecken, eine reine Trinkmarmelade ist das nämlich hier nicht. Die fette Frucht und der hohe Alkohol werden durch Schiefermineralität und durch die mürben Tannine der alten Reben konterkariert, da schlägt nicht Napa-Winemaking durch, sondern die Herkunft von den kargen Hängen des Roussillon. Der Wein braucht Luft, am besten 24 Stunden vorher öffnen + teildekantieren...




14.04.2011

Domaine Roche: Rhone - Genuß


Eigentlich geht Weintrinken ganz einfach: Einen Wein aus seriöser Produktion ins Haus holen, der sehr gut schmeckt, keinen Phantasiepreis dafür bezahlen, dazu ein einfaches Gericht, schon ist das Genußglück zum Greifen nahe. Nach den Verkostungen und Diskussionen hier und hier also mal was anderes. Wieder aus dem Süden Frankreichs, diesmal aber kein "Elitewein", vielmehr ein großes Gewächs aus dem demokratischen Segment.
  • Domaine Roche 2009 Cairanne Cotes du Rhone Village (15% / 9.90€ / 70% Grenache + 30% Syrah)
    Ein neuer Name an der südlichen Rhone, Romain Roches vinifiziert erst seit kurzem von elterlichen Weinbergen in Cairanne. Nach weltweiten Wanderjahren ist 2009 sein erster "eigener" Weinjahrgang. Um es vorwegzunehmen: Der Wein ist sehr gut, angesichts des Preises sogar sensationell gelungen. Blind in eine Probe mit Crus aus Chateauneuf oder Gigondas gestellt, müßte er bestimmt nicht sofort den Schwanz einziehen, sondern könnte lange mithalten.
    Schon in der Nase sehr konzentriert, die für die Region so typische anmachende Mischung aus tiefer warmer, dunkler Frucht und erdiger Würze. Vorn auf der Zungenspitz zunächst kühl und süß, charmant lockt er an. Im Mund dann aber volle Expansion: Schlehenfeuer, cremig lodernder Saft, Erinnerung an prallreife schwarzen Oliven kommt hoch, Tapenade, Brombeerkonzentrat. Natürlich schlägt auch der hohe Alkohol durch. Bei aller Kraft aber keine aufdringlich - marmeladige Aromatik. Der beste 10€Wein, den ich seit langem im Glas hatte.
Roastbeef vom Grill mit Grünem Spargel