08.04.2011

Bandol und Languedoc-Legende

Nochmal "Eliteweine" aus Frankreichs Süden, vor kurzem verkostet bei einem wahren Spezialisten für diese Region, der Weinzeche in Essen. Da gibt es auch Gewächse, denen man nicht so häufig im Glas begegnet.




Zunächst Bandol ! Inmitten des Rosé - Sees in der Provence eine AOC mit absolut hochklassigen Roten, auch bei Weinfreunden immer noch wenig beachtetet und unterbewertet. Wenn man vor Ort ist und einen Überblick haben möchte, fährt man am besten nach Le Castellet. Dort liegt mitten in den Weinhügeln mit Blick aufs Meer das offizielle Maison des Vins.
  • In der Zeche, hier bei uns im Pott also,  gibt es die Weine der Domaine Tempier, DEM Klassiker und Qualitätspionier aus dem Bandol-Gebiet. Schon der "normale" Bandol", die Cuvée Classique 2008 (25€ / 75 %  Mourvèdre + Grenache/Cinsault/Carignan), ist ein wahres Muster an Bandol-Aromatik: kernige, jugendliche Kraft, in sanfte Frucht gepackte würzige Wildheit, mehr Frische als weiche Üppigkeit. Vom Körper her keine aufgespritzen Bodybuilder, sondern geschmeidig sehnige Langstreckenläufer, die vor allem nach 10 Jahren getrüffelt-geschmeidige Reifenoten intensivsten Charakters entwickeln.
    Eine Steigerung dann die Einzellage "La Migoua" 2008 (39€) mit weniger Mourvèdre, mehr Grenache und Cinsault, allerdings von über 40-jährigen Rebstsöcken. Eine "Auslese" in höherer Konzentration und Länge, allerdings natürlich auch zu deutlich höherem Tarif.

Im Languedoc geht es weiter, 200 Kilometer westlich, im wildromatischen Hinterland von Montpellier. Hier regierten 100 Jahre die Genossenschaften, Wein war das Getränk des Alltags. Winzer, die nach den Sternen greifen gibt erst seit gut 30 Jahren. Ein Pionier war Aimé Guibert mit seinem 1978 erstmals vinifizierten Mas de Daumas Gassac in Aniane.
  • Am gleichen Ort wird seit 1992 auch der Grange des Peres erzeugt, aus je 40% Syrah und Mourvèdre, der Rest ist Cabernet - Sauvignon aus Höhenlagen, selektierte Minierträge, das Ganze wird mit denkbar größtem Aufwand unter Beachtung biodynamischer Regeln bereitet.
    Der beste Wein des Languedoc ? So meinen viele, aber was bedeuten solche Superlative. Tatsache ist, der Wein von Laurent Vaillé ist extrem gefragt. Die Produktionsmenge von ca. 20.000 Flaschen ist stets reserviert und kontingentiert, und neben den Spitzen aus Bordeaux/Burgund als großer französischer Cru anerkannt. Grange de Peres verleitet Weinpresse und Händler zu Jubelarien: "ein erotisches Weingemälde, zweifellos zu den besten Gewächsen Frankreichs zählend, ein unkopierbarer Individualist, einer der großen Weinsolitäre der Welt", "einer der großen, mythischen Rotweine der Welt!, "...schuf er einen bewegenden Wein, der ohne Zweifel zu den ganz großen Crus Frankreichs gehört." Ein wirklicher Kultschluck also, dem man sich natürlich nicht unvoreingenommen nähert, zudem soll der ´07er der beste jemals erzeugte sein. Der Wein gilt nicht unbedingt als bis zum Anschlag konzentrierte Fruchtbombe, sondern als finessenreicher Edelmann. Ich hatte ihn nun nach den beiden Tempiers, dagegen kam Grange des Peres dann doch sehr üppig, sehr offen und opulent daher. Duftiges Nasenparfüm, im Mund konzentrierte Reifesüße, Tanninschmelz - alles ohne jede kitschige Attitüde. Ein ausbalancierter, im jetzigen Zustand schon sehr trinkbarer Lustmacher. Verglichen mit dem kürzlich verkosteten und auch sehr guten "Hallucinant" von Moyau (klick) ist durchaus mehr Musik drin. Auch angesichts der Qualitätshistorie scheint hier der Preis eher gegeben.

    Granges des Peres in der
    Weinzeche für 65€

    Kommentare:

    1. Schöne Sachen hast du da wieder aufgetan, Thomas.

      Die Welt wird auch im Midi schnelllebiger, interessanter und hier und da teurer... Inwieweit im Einzelnen das gerechtfertigt ist, muss jeder für sich entscheiden, Grange des Péres war mir jedenfalls bislang immer sein Geld wert. Auch wenn der Preis für den 2007er natürlich schon eine Ansage ist.

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    2. oh Mann ! gearde aus dem Languedoc, auch Rhone gibte es doch so viel wirklich gutes im Bereich bis 20€, was ja auch schon eine "Ansage ist". Was soll das da mit solchen Angeberflaschen und "Eliteweinen" ?

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    3. @Torsten: dann müssen wir mal eine Midi Probe machen, deinen Keller in dieser Hinsicht etwas "erleichtern". Da komm ich gern noch mal nach Bernburg...

      Ansonsten: die Flagschiffe, meinetwegen auch Angeberweine sind schon interessant, sie zeigen, was mit ausgereizten Mitteln des Weinan- und Ausbaus möglich ist.
      Es geht aber weiter mit Weinen aus dem eher demokratischen Segment, z.T. schon verkostet...

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    4. Hallo Thomas,

      jederzeit gern... Genug "Stoff" ist da. Theoretisch könntest du dich sofort auf den Weg machen, dieser Tage buhlen einige nette Weine um den Korkenzieher, von Peyre Rose (Clos de Cistes) 1995 angefangen über Domaine des GreCaux (Hémera) 2001, mehrere Aiguelières bis hin zu einigen Mas Jullien und meiner 2001er Geheimwaffe aus St. Christol. Bissel aus Aniane ist auch dabei. Alles so 2003 und älter bis 1995 runter.

      Möcht ich am liebsten noch alles vor Ostern weitgehend unter Kontrolle bekommen, bevor es dann ins Priorat runtergeht.

      Aber auch wenn es aufgrund der Entfernung / Zeit nichts mit einer Spontansause wird, es sind noch längst nicht alle guten Midi´s weg, wenn ich diese hier getrunken habe.

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