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11.03.2012

Wein auf Zollverein

Eine Highlight - Verkostung bei Katie Jones : Finessenreiche, in handwerklicher Kleinproduktion erzeugte Weiße und Rote aus dem östlichen Languedoc. Mehr dazu hier (klick).

März, der Marathonmonat für Weinfreaks. Auf der Prowein wird verkostet als gäbe es kein Morgen. Der Markt ist riesig, unübersichtlich, es herrscht Überfluß, Suff total. Manchmal fragt man sich, wer das eigentlich alles trinken soll. Aber vielleicht sind solche Überlegungen auf einem Weinblog gar nicht angebracht. Also nimmt auch der Weindeuter das Probenglas zur Hand und läßt sich einschenken. Schon am Vorabend der Prowein auf der Hausmesse von Rolf Kaspar in der Zeche Zollverein in Essen gab es interessante Gewächse "satt".

Zum Einstieg was frisches: "Gemischter Satz Riesling Gewürztraminer"  von Kühling - Gillot. Die beiden Rebsorten wachsen einträchtig im Pettental am Roten Hang nebeneinander. Duftig, milde Säure, süffig...(13,95€)

Dann ein "Gegenschluck", der Silvaner Kabinett 2011 Weingut Roth im fränkischen Wiesenbronn: Würze, Erde, Kreide, Kraft im Mund (7,50€).

Mit Piratentuch auf dem Kopf schenkt Andreas Engelmann vom Schloßgut Ebringen / Baden aus, die haben einen leckeren  Sauvignon Blanc im Programm: Reife Stachelbeere, international, ein Gefallschluck, gut (11,50€).

Der Einstieg in die rote Phalanx dann Mallorca. Castell Miquel gehört dem Pharmaunternehmer Michael Popp ("Sinupret") Auf der Homepage werden besonderes die gesundheitsförderneden Wirkungen herausgestellt („Trinke Wein und du wirst gesund sein“). Aus der Reihe Stairway to Heaven kam der dichte Syrah und der offenere feinere Cabernet ins Glas (je 21,90€).


Am Tisch daneben stehen die Pompaelos. Unter diesem Label produzieren und vertreiben Björn Steinemann und einige Freunde Weine aus dem Navarra. Die Pompaelo Crianza 2007 aus Cabernet-Sauvignon, Tempranillo und Merlot für preisfreundliche 8,95€ ist kein Weichspüler, hat Würze.



Direkt daneben Norrel Robertson, Master of Wine mit Sitz in Spanien. Der ist Schotte und bekannt als “El Escocés Volante” (The Flying Scotsman). Er präsentiert seine Weine aus der D.O. Calatayud: El Puno (Garnacha) und Dos Dedos De Frente (Syrah,Viognier). Karge Böden, extreme Höhenlage alte Rebstöcke sind hier das Rezept. Beides keine Schmeichler, kernig-kleinbeerige Frucht, kühle Mineralik, nicht fett, viel Tiefe (19€ / 21€).


Zum Abschluß was aus der Heimat - und das ist alles andere als schlecht. Peter Kriechels Früh- und Spätburgunder von der Ahr setzen einen schönen Aromenakkord. Der Walporzheimer Kräuterberg 2009 (29,95€) ist ein in jeder Hinsicht großzügiges, warmduftiges, fruchtweiches und rauchiges Muster.

Zur Probe auch hier bei Genußbereit (klick)

05.12.2011

Aldi - Wein vom Papst


Drunkenmonday hat es schon gepostet (klick hier), mir ist es gestern bei Jauchs Jahresrückblick auch aufgefallen:

Auf der Mattscheibe erschien der neunjährige Tobias Schulte, der den Papst zu seiner Kommunion eingeladen hatte. Der konnte aber leider nicht vorbeischauen. Stattdessen wurde Tobias ins Konzerthaus Freiburg eingeladen, einer der Stationen Benedikts bei seinem Deutschlandbesuch im September. Da gabs am Ende für die Ehrengäste einen Wein mit Widmung, auch für den jungen  Papstfan. Diesen "Schatz" hielt er stolz in die Kamera: "Den trinke ich, wenn ich achtzehn bin !"
Die Flasche kam mir bekannt vor, ich hatte sie erst am Tag vorher verkostet: Der aktuelle Spätburgunder 2008 aus der Fritz Keller Edition von Aldi (5,99€). Den wollte ich eigentlich gar nicht posten, war aromatisch kein besonderes Highlight. Ein korrekt gemachter Badenser, weich, "trinkige" Tischweinqualität. Möchte ich in neun Jahren nicht mehr unbedingt im Glas haben...
Warum wurde ausgerechnet der Aldi ausgewählt ? Es gab zum Anlaß ja auch die sogenanten Papstweine (Post im September hier). Vielleicht gefiel den Katholiken, neben dem günstigen Preis, ja auch das Bild von Paul Klee auf dem Etikett, der aufstrebene rote Pfeil...




21.09.2011

Was trinkt der Papst ?

Der Papst kommt, welche Weine passen ? Eigentlich ein edler Italiener. Ein nobler Barolo zum Beispiel, die Weinkeller des Vatikan sind voll davon. Naheliegend wäre natürlich auch ein Chateuneuf du Pape. Zum dreitägigen Besuch in Deutschland, der morgen beginnt, haben sich natürlich auch deutsche Winzer und Marketingstrategen gemeldet und propagieren "Papstweine":

Für den Papst nur vom Feinsten:
"Bullenheimer Paradies" und "Randersacker Ewig Leben"


Aus dem Weinparadies Franken kommt der Benediktwein, natürlich im Bocksbeutel, da ist auch mehr Platz drauf für das Papstfoto. Den "Vino di Benedetto XVI" gibt es als 2010er "Bullenheimer Paradies" Bacchus halbtrocken, als 2010er Rotling Franken halbtrocken und als 2009er Randersacker "Ewig Leben" Portugieser trocken.
Dafür rührt die Caritas (klick) die Werbetrommel, Zitat: "Mit einer eigenen Weinserie ist die Caritas seit neuestem auf dem unterfränkischen Getränkemarkt vertreten. Die Bocksbeutel des Papstweines "Vino di Benedetto XVI" ziert ein Etikett mit Papst Benedikt XVI. und das Caritaslogo. Dass der Papst sein Konterfei für den Wein hergab, ist den guten Vatikanbeziehungen des Franziskanerminoriten P. Leo Beck aus dem Scheinfelder Kloster Schwarzenberg zu verdanken. Abgefüllt sind Kabinettweine bester Qualität: ein Dettelbacher Honigberg Bacchus, ein Dettelbacher Rotling und ein Randersackerer Ewig Leben Portugieser. Für jede verkaufte Flasche erhält die Caritas 50 Cent. Bei einer Weinverkostung im Caritashaus konnten sich Mitarbeiter der Caritas und Vertreter der Medien von der Qualität des Tropfen überzeugen."



Das Merdinger Weinhaus stellt eine Sonderfüllung "Papstbesuch" vor. Zitat: "Wein und Kirche stehen in historisch-religiöser Verbindung, weshalb ein Beitrag der Tuniberger Winzer selbstverständlich war. Die WG Opfingen hat in Zusammenarbeit mit der Stadt Freiburg zu Ehren von Papst Benedikt XVI. zwei Weine kreiert: Ein Freiburger Sonnenberg Chardonnay und ein Spätburgunder Rotwein, beides Qualitätsweine, trocken ausgebaut. Die Etikette der Papst-Weine zieren Weintrauben, Rebblatt und die Spitze des Freiburger Münsterturmes."
Freiburger Sonnenberg - Chardonnay Qba trocken zu 7,- €
Freiburger Sonnenberg - Spätburgunder Qba trocken zu 9,- €




Ein Wein, der wirklich dem Papst serviert wird, kommt von der badischen Winzergenossenschaft Oberkirch. Ein Riesling Kabinett trocken 2010 soll dort im Priesterseminar der Erzdiözese, dem von hohen Mauern umgebenen Collegium Borromaeum in Freiburg, an Papst Benedikt und rund 130 Gäste ausgeschenkt werden. Näheres hier (klick).


10.07.2011

Ziereisen: Der Schmätterling

Ein Anblick, der Lust auf ein Glas macht...
Mal wieder ein Wein von Hanspeter Ziereisen aus dem Markgräfler Land. Das ist ganz im warmen Südwesten von Deutschland, kurz vor Basel, im Dreiländereck. Eine wirklich schöne Gegend: Im Osten der Schwarzwald, im Westen das Elsaß, im Süden sind die Alpen nicht weit. Und auch Fahrten von dort ins Piemont oder in die nördliche Provence werden (fast) zu Wochenendtrips. 

Alles am Weingut Ziereisen ist geeignet, Sympathie zu wecken: Überschaubare Betriebsgröße mit 10 ha, handwerkliche Weinbergsarbeit, im Keller Spontanvergärung, lange Maischestandzeit, langes Hefelager und der Ausbau vornehmlich in Holzfässern. Vor allem aber ist es die Leidenschaft des spät zum Wein gekommenen Winzers, er war zunächst Schreiner von Beruf. Mit der Großfamilie Ziereisen sind vier Generationen auf dem Weingut tätig, zu dem auch noch eine kleine Landwirtschaft und ein Hofladen gehören. Das älteste Mitglied der Familie ist Uroma Martha, Jg.1909 (!), die noch jeden Tag ihr Glas Ziereisen - Gutedel trinkt, wie Weinhändler Thilo Marquaß vor kurzem bei einer Probe glaubhaft berichtete. Woran man mal wieder sieht, wie gut Wein für ein langes Leben ist.
Der Schwerpunkt von HP liegt bei den Roten auf charkterstarken Spätburgundern. Er macht aus diesen Träubchen natürlich auch einen Rosé, das Markgräflerland ist Deutschlands wärmste Ecke, da braucht es frisch-knackige Durstlöscher wie den Schmätterling 2010 (11% / ca.7€). Schöner Lachston macht Lust, kalt im Glas muß man aufpassen, der Wein fördert Trinkfluß ! Lockende Frucht, kleiner Säurestich, leicht = idealer Sommerschluck.


28.05.2011

Ziereisen


Immer mal wieder begegnen einem im Fachhandel die individuellen Weine von Hanspeter Ziereisen aus dem Markgräfler Land. Das ist ganz im warmen Südwesten von Deutschland, kurz vor Basel, im Dreiländereck. Eine wirklich schöne Gegend: Im Osten der Schwarzwald, im Westen das Elsaß, im Süden sind die Alpen nicht weit. Und auch Fahrten von dort ins Piemont oder in die nördliche Provence werden (fast) zu Wochenendtrips. 
Alles am Weingut Ziereisen ist geeignet, Sympathie zu wecken: Überschaubare Betriebsgröße mit 10 ha, handwerkliche Weinbergsarbeit, im Keller Spontanvergärung, lange Maischestandzeit, langes Hefelager und der Ausbau vornehmlich in Holzfässern. Vor allem aber ist es die Leidenschaft des spät zum Wein gekommenen Winzers, er war zunächst Schreiner von Beruf. Mit der Großfamilie Ziereisen sind vier Generationen auf dem Weingut tätig, zu dem auch noch eine kleine Landwirtschaft und ein Hofladen gehören. Das älteste Mitglied der Familie ist Uroma Martha, Jg.1909 (!), die noch jeden Tag ihr Glas Ziereisen - Gutedel trinkt, wie Weinhändler Thilo Marquaß vor kurzem bei einer Probe glaubhaft berichtete. Woran man mal wieder sieht, wie gut Wein für ein langes Leben ist.
Der Schwerpunkt von HP liegt auf charkterstarken Spätburgundern und bei den Weißen beim schon erwähnten Gutedel, eine in Deutschland ausschließlich im Markgräflerland angebaute Spezialität. Die nahen Schweizer kennen den ja als Chasselas und kaufen auch einen großen Teil der Produktion.
Bei mir im Glas war der weiße Burgunder aus der Rebsortenlinie, passend zu einer kleinen Spargelvorspeise (Foto). Auch Ziereisen bietet ja aus eigener Produktion Spargel an.

Ziereisen "Weißer Burgunder" 2009  (12,5% / ca. 9€) Schon im Duft klasse, helle Kernfrucht in Richtung reifer Apfel, auf dem Rücketikett steht zwar Zitrus und Grapefruit, das fand ich aber nicht dominant. Im Gegenteil, es suggeriert Säure im Wein, die zumindest beim 2009er gar nicht im Vordergrund steht.
Der Wein legt sich sanft und cremig in den Mundraum. Dabei ohne jedes Fett, eher frisch und tänzelnd und dabei einen enormen Trinksog erzeugend. Zu zweit war die Flasche schnell leer, wie es nur ein Wein schafft, der wirklich anmacht.


HP Ziereisen zwischen zwei Weinfreunden aus dem Ruhrpott, links der Genießer und rechts Weindeuter



20.04.2011

"Junge Winzer" bei Lidl


Im Badischen gibts sehr viel Wein. Die Winzer sind fleißig, die Sonne scheint zuverlässig, jede Menge Hektar stehen unter Reben. Wie soll das alles an den Trinker und die Trinkerin gebracht werden ?
Schon Fritz Keller hat mit seiner Edition Fritz Keller die Discountschiene genutzt und über Aldi Nord + Süd jede Menge Weiß-und Spätburgunder aus "Deutschlands Toskana" abgesetzt (klick hier).
Etwas ähnliches gibt es auch bei Lidl. Unter dem Label "Junge Winzer" werden aktuell ein Weißburgunder und ein Spätburgunder Rosé angeboten. Zitat:  "60 begeisterte Winzer der jungen Generation haben sich zur Aufgabe gemacht, den traditionellen Weinbau mit eigener Handschrift und neuem Profilzu weiter zu entwickeln". "Junge Winzer", das hört sich ja gut an, passt in die Zeit, soll wohl auch junge Käuferschichten ansprechen. Marketingmäßig flankiert wird das Ganze noch durch Kolja Kleberg, der als "Lidl - Genußscout" in den badischen Weinbergen der "Jungen Winzer" nach dem Rechten sieht (klick hier).
Vinifiziert werden die Weine allerdings, wie die Keller - Edition auch, im Badischen Winzerkeller in Breisach. Nur da scheint die erforderliche Logistik für die großen Mengen bereitzustehen. Da laufen überörtlich die genossenschaftlichen Weinfäden zusammen. Da werden hunderte verschiedener Weine gemacht, auch die Tropfen der "Jungen Winzer". Die sind also genaugenommen hier keine Winzer, sondern lediglich die Traubenlieferanten. Verramscht werden die Weine keineswegs, die Preise liegen mit 5,99€ bzw. 4,99€ knapp oberhalb vieler Einstiegsweine der Ortsgenossenschaften.

Zum Test des Weißburgunders bot sich spontan eine kleine Blindverkostung mit weiteren badischen Gewächsen an. Dabei die Weine:


Wein 1: Frische Nase, Cidre, viel Frucht, im Mund knackig, frische Säure, lebendig, offener Wein. Kam bei den mitverkostenden Frauen deutlich am Besten an (= Junge Winzer).
Wein 2: Verhaltener im Ton, etwas buttrige Nase, im Mund mehr Fett, cremiger, wenig Säure, im direkten Vergleich mit 1 fehlende Frucht und Frische. Fiel mit der Zeit eher ab (=Bickensohler).
Wein 3: differenzierte Nase, Birne Helene, frisches Heu, Melone, im Mund Schmelz, zarte Säure, mit der Zeit Öffnung in Richtung ätherisch - würzig. Machte auch noch im wärmeren Zustand Spaß und war Favorit der verkostenden Männern. Urteil der Frauen: "muffig" (=Heger).

Der Lidl ist nicht schlecht, ein guter Geradeauswein für Fruchttrinker. Natürlich spielt der jüngere Jahrgang (2010) beim "Junge Winzer" auch eine Rolle. Trotzdem greift mal wieder das Diktum des Genießers, wonach  der teurere Wein in der Regel auch aromatisch mehr zu bieten hat. Die Qualität des Heger, einem Top Winzer vom Kaiserstuhl, schlägt auch beim kleinen Kabinett durch.
Außer Konkurrenz, als Nachtisch sozusagen, gab es dann noch den "Junge Winzer" Spätburgunder Rosé 2010 (12% / 4,99€). Auch hier dominiert Frische direkte Frucht, schon knackig und trocken, schmeckt. 
Weißburgunder - Blindprobe:
mitverkostende Frauen sahen die "Jungen Winzer" vorn



11.04.2011

Weintäuschung 1

Vorsicht, genau hinschmecken: Axel Biesler schenkt ein

Von wegen In Vino Veritas ! Man kann beim Wein ganz schön danebenliegen, vor allem wenn Axel Biesler in ein Sensorikseminar ein paar "Gemeinheiten" einbaut.
Zum Start zwei Gläser, zwei Weine. Die versammelte Runde, darunter gestandene Weinprofis, spekulierte. Der erste Wein kam eindeutig schlechter an ("unterstes Supermarktregal"). Auch der Weindeuter entdeckte Unterschiede, fand aber nach intensivem Schnüffelvergleich, daß sie doch recht ähnlich rochen. In dem Moment enthüllte Biesler schon -  in beiden Gläsern war der gleiche Wein drin:  Grauburgunder 2009 von Landerer /Baden.
Also erstmal Verunsicherung war die Devise. Doch wie erlangt man beim Verkosten Sicherheit ? Wie weit läßt sich das eigene sensorische Instrumentarium verläßlich eichen, wie tief sitzen häufig ja schon in der Kindheit durch Geschmacksprägung entwickelte Vorlieben und Abneigungen ? Und wie sehr sind Weinfreunde bereit, sich auf neue, ungewohnte Aromatik einzulassen ?
Als nächstes kreisten die Schwarzgläser, da war ein neutraler Grundwein mit allerlei verschiedenen Zusätzen drin, um bestimmte Aromenkomplexe ("fruchtig frisch", "würzig-ätherisch") darzustellen.
Höhepunkt dann die Aufgabe, drei Weißweine in eine Rangordnung von einfach bis komplex zu bringen. Das Ergebnis sorgte dann (natürlich) für die Schlußpointe des Abends. Der Calvus Mons Riesling 2008 von Sven Leiner / Pfalz, ein biodynamisch angebauter und spontanvergorener Wein für 16€ landete auf dem letzten Platz. Der befand sich  allerdings auch in einer eigenartigen Verfassung: Hochfarben, in der Nase Ananas mit Honig, überreif wirkend, im Mund dann doch recht bitter, im Ganzen eher unausgewogen. Dagegen fand ein ganz einfacher Massenriesling für 2,50€ aus Rheinhessen (Weinkellerei St. Michael / Pfalz) viel Zuspruch ("sehr trinkbar"," lecker"), ebenso der Einstiegsriesling  No. 9 von Tina Pfaffmann für 6€.


Fazit: Man erkennt nur, was man kennt. Deshalb offen sein, neugierig sein, viel probieren. Wenn man denn ein Weinanalytiker werden möchte. Und auch Weine genießen will, die auf Anhieb nicht mehrheitsfähig sind, die Charakter mit Ecken und Kanten haben, die Eigenheiten des Winzers oder der Region transportieren. Und die nicht unbedingt "lecker" sein müßen...

Zum Seminar auch hier beim Genießer klicken.
Das nächste Weinseminar mit Axel Biesler, veranstaltet von der Weinhandlung Rolf Kaspar in Essen:

"Wir stellen Ihnen unsere ganz persönlichen Favoriten vor - solche für jeden Tag und solche für besondere Anlässe. Ein Workshop aus der Perspektive von Weinhändler und Sommelier. Gnadenlos subjektiv und Einladung zur Diskussion zugleich."




17.09.2010

Aldi: Edition Fritz Keller "Weißburgunder"


Ich war unterwegs im Duisburger Süden, da wo es noch schlägt, das eiserne Herz des Ruhrpotts. Bei Krupp-Mannesmann brennen die Öfen, es wird Eisen und Stahl gekocht. Und es ist das Reich von Karl Albrecht, hier gibt es nämlich schon Aldi-Süd. Die Läden haben doch das feinere Sortiment, heißt es immer, also rein - natürlich zum Weinregal. Und tatsächlich, mehr Flaschen über 1,99€ und in einem Extrabereich höherwertiges. Darunter die Fritz Keller (Aldi) Edition und auch ein Wein vom österreichischen "Designer-Winzer" Leo Hillinger.
Fritz Keller, Winzer, Gastronom und Sohn des legendären Franz Keller. Der war mit seinem Weingut und seinem Restaurant in Oberbergen am Kaiserstuhl in den frühen 60er Jahren ein Qualitätspionier für hochwertige trockene Weine und eine beginnende, französisch beeinflusste Top-Gastronomie weit über Baden hinaus. Im "Schwarzen Adler" (riesige mehrfach prämierte Weinkarte und Michelinstern seit 1969 mitten im Rheintal zwischen Schwarzwald und Elsaß) fanden sich französische Kochlegenden wie Bocuse oder die Haeberlins genauso ein wie deutsche Politgrößen. Der Ort und sein Betreiber waren "in". Franz Keller ist nun einige Jahre tot, sein Sohn Franz betreibt in Hattenheim im Rheingau die Adlerwirtschaft, der andere, der Fritz, blieb in Oberbergen und ist in Sachen Wein sehr umtriebig. Neben dem eigenen Weingut ist er Promoter und Berater für badischenWein und macht für Aldi die "Edition Fritz Keller", kein Wein aus eigener Produktion, sondern ein Gemeinschaftsprojekt von aktuell über 700 Winzern und Genossenschaften, die bestimmte Vorgaben in Bezug auf reduzierte Erntemenge, Mindestalter der Rebstöcke und selektive Handlese einhalten müssen. Abgefüllt werden die Weine vom Badischen Winzerkeller in Breisach. Bisher gibt es einen Weißburgunder, einen Spätburgunder und einen Riesling - alle für 6,99 bzw. 5,99. Die Weine werden also keineswegs verramscht, die Preise liegen oberhalb vieler Rebsortenweine der Einsteigerklasse aus aus dem riesigen badischen Weinsee, was sich für die Traubenlieferanten offenbar rechnet. Die schick aufgemachten Flaschen mit Bauhausetikett sind Imagepusher und transportieren badischen Wein offensichtlich beim "einfachen" Weintrinker als etwas Besonderes, die Aktion ist erfolgreich und wird von renommierten badischen Winzern wie Patrick Johner deshalb eher positiv gesehen.

Riesling, Spätburgunder und den Rosé hatte ich ja schon probiert (hier und hier), nun also der Weißburgunder.

25.06.2010

Rosé Fritz Keller Edition...

... gab es diese Woche bei Aldi - Nord. Nach dem Spätburgunder und dem Riesling vor einigen Wochen nun das Richtige für heiße Sommernachmittage und laue Abende (zum Hintergrund der Zusammenarbeit von Fritz Keller und Aldi bitte hier nachlesen).

  • Spätburgunder Rosé 2009 Baden Edition Fritz Keller (4,99€). Intensives Lachsrosa, deutlich frische Frucht in der Nase, schön beerig (him & erd), im Mund kein leichtes Wässerchen, entwickelt durchaus cremige Kraft. Gut für alle, die auch gerne Rosés aus dem Languedoc trinken. Die gibts allerdings auch schon für ein paar Cent mehr im Fachhandel, z.Bsp. den hier. Ansonsten eine klare Aldi-Empfehlung, falls man noch ein paar Flaschen aus Theos Regalen abkriegt. 

02.06.2010

Weinseminar Baden: büffeln und süffeln


Die zukünftigen Winzer studieren in Geisenheim und der Weinhandelsnachwuchs drückt die Schulbank z.Bsp. in der Weinakademie Berlin um da WSET-Zertifikate zu erlangen. Dagegen könnte sich der reine Weingenießer eigentlich ganz vorbehaltlos seinem Lieblingsgetränk hingeben. Doch weil auch für ihn die Welt des Weines in ihrer ganzen Bandbreite so vielfältig und unübersichtlich ist, gibt es auch für die Weinkonsumenten kommentierte Proben, Kurse, Weinseminare. Meistens geht es da harmlos locker zu, der Weingenuß und, wenn Händler die Veranstalter sind, der Weinverkauf stehen im Vordergrund.
Mit mehr Anspruch ging es vor ein paar Tagen bei einem Weinseminar der Weinhandlung Rolf Kaspar in Essen zur Sache. Axel Biesler betrieb über 3 Stunden intensive Konsumentenschulung, verteilte "Arbeitsblätter", animierte zum intensiven Riechen und Schmecken und forderte von den Teilnehmern Statements zu den probierten Weinen ab. Dabei war wieder mal schön zu sehen, wie sehr die Sinneseindrücke und deren Beschreibung bei ein und demselben Wein auseinandergingen.
Probiert wurden immer paarweise je 5 Weiß- und Grauburgunder von 5 badischen Winzern: Landerer, Köbelin, Bercher, Ebringen, Ziereisen. Dabei schlug erstmal der Sortencharakter der beiden Rebsorten grundsätzlich durch: die Weißburgunder eher auf der fruchtigen Seite mit mehr Frische und Säure, die Grauburgunder cremiger, dichter, mehr Körper und "Fett". Vor allem die am Schluß präsentierten Weine vom Schloßgut Ebringen  und von Ziereisen zeigten auch sehr schön unterschiedliche Winzerphilosophien.
  • Die beiden Ziereisens (Weißer Burgunder 2008 und Grauer Burgunder 2008):  Eher schlank und straff, auf Mineralik fokussiert, der Weißburgunder mit einem kleinen Stinker in der Nase. Diese spontanvergorenen Weine aus dem Markgräfler Land erschienen mir im direkten Vergleich zwar als differenzierte Gewächse für "Weinintellektuelle", mehr Spaß haben mir an diesem Abend zu später Stunde aber die Ebringer gemacht.
  • Ebringens Weißburgunder 2007 (frankophil als Pinot Blanc) mit satter gelber Frucht, Schmelz und Alkohol. Der Grauburgunder 2008 (Pinot Gris) ein Vollschmecker, vom Barrique geprägte Aromatik mit Rauch, Speck und Vanille, Opulenz, im Mund fetter Schmelz.
Die Seminare mit Axel Biesler (sehenswerte Hompage "DIEWEIN") werden fortgesetzt, der nächste Termin ist der 1.Oktober, Thema sind dann Rotweine aus dem Languedoc/Roussillon. Zur Veranstaltung auch hier beim Genießer.

alle Weine Weinhandlung Rolf Kaspar / Essen

Badische Gewächse, lehrreiche Seminararbeit

05.05.2010

Edition Fritz Keller bei Aldi Nord


Deutschland ist ja bekanntlich geteilt: In Aldi-Süd und Aldi-Nord. Oben regiert der Theo und unten ist das Reich des Karl. Der Karl ist etwas reicher und auch das Sortiment von Aldi-Süd gilt ja als etwas besser, passend für all die Discounter-Gourmets im Süden.
Da gabs auch schon länger Weine unter dem Label von Fritz Keller, Winzer, Gastronom und Sohn des legendären Franz Keller. Der war mit seinem Weingut und seinem Restaurant in Oberbergen am Kaiserstuhl in den frühen 60er Jahren ein Qualitätspionier für hochwertige trockene Weine und eine beginnende, französisch beeinflusste Top-Gastronomie weit über Baden hinaus. Im "Schwarzen Adler" (riesige mehrfach prämierte Weinkarte und Michelinstern seit 1969 mitten im Rheintal zwischen Schwarzwald und Elsaß) fanden sich französische Kochlegenden wie Bocuse oder die Haeberlins genauso ein wie deutsche Politgrößen. Der Ort und sein Betreiber waren "in". Franz Keller ist nun einige Jahre tot, sein Sohn Franz betreibt in Hattenheim im Rheingau die Adlerwirtschaft, der andere, der Fritz, blieb in Oberbergen und ist in Sachen Wein sehr umtriebig. Neben dem eigenen Weingut ist er Promoter und Berater für badischenWein.
Und da kommen jetzt wieder die Albrechts ins Spiel. Für die "macht" der Fritz Keller nämlich die "Edition Fritz Keller", kein Wein aus eigener Produktion, sondern ein Gemeinschaftsprojekt von insgesamt 426 Winzern und Genossenschaften, die bestimmte Vorgaben in Bezug auf reduzierte Erntemenge, Mindestalter der Rebstöcke und selektive Handlese einhalten müssen. Abgefüllt werden die Weine vom Badischen Winzerkeller in Breisach. Bisher gibt es einen Weißburgunder, einen Spätburgunder und einen Riesling - alle für 6,99 bzw. 5,99. Die Weine werden also keineswegs verramscht, die Preise liegen oberhalb vieler Rebsortenweine der Einsteigerklasse aus aus dem riesigen badischen Weinsee, was sich für die Traubenlieferanten offenbar rechnet. Die schick aufgemachten Flaschen mit Bauhausetikett sind Imagepusher und transportieren badischen Wein offensichtlich beim "einfachen" Weintrinker als etwas Besonderes, die Aktion ist erfolgreich und wird von renommierten badischen Winzern wie Patrick Johner deshalb eher positiv gesehen.
Für den Weinfachhandel  ist die ganze Aldi-Nummer natürlich ein rotes Tuch. Es ist auch immer die Frage: Lockt ein guter Wein im Discount "auf den Geschmack gekommene" Weinnovizen in den Weinladen ? Oder gehen die Weinfreaks statt zu ihrem Händler bei solchen Aktionen zu den Albrechts, um sich da mit soldider Basisqualität einzudecken ?
  • Zwei Vetreter der Edition gibts jetzt aktuell auch bei Aldi-Nord. Solide gemacht sind natürlich beide, wobei mir der Riesling 2009 etwas besser gefallen hat. Schöner frischer Duft nach grünem Apfel, auch im Mund sehr saftig und frisch = idealer einfacher Sommerriesling.
  • Der Spätburgunder 2007 ist ein eher hellfarbener Pinot-Vertreter, feine Frucht und etwas Rauchspeck in der Nase, im Mund eher leicht, Säure und Süße harmonisch, der Wein "rutscht" - und das ist doch schon was...

Bleiben zwei Fragen: Soll man Theo und den Karl noch reicher machen ? Und warum muß ich bei dem Ort Oberbergen am Kaiserstuhl immer an "Manche mögens heiß" denken ?

"Zeit"-Artikel zur Edition Fritz Keller": Rülpsen im Theater !