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14.05.2014

Öküzgözü, Bogazkere, Karasakiz...şerefe!



Die Türkei steht in der Traubenproduktion weltweit auf Platz drei und hat fünfmal mehr Rebfläche als Deutschland. Davon werden aber nur wenige Prozent für den Weinbau verwendet, die große Menge wird als Tafeltrauben gegessen oder zu Rosinen verarbeitet. Der Weinkonsum liegt heute nur bei einem knappen Liter pro Kopf und Jahr. Dabei hat das Land eine uralte Weinbau-Tradition, schon im 4. Jahrtausend v.Chr. gab es kultivierte Rebflächen in Anatolien. Außerdem ließ sich ja auch schon Noah dort als Winzer nieder, nachdem er mit seiner Arche nach der Flut auf dem Berge Ararat gelandet war. In der osmanischen Periode war es dann nur den christlichen Minderheiten erlaubt, Wein zu produzieren. Erst unter dem als Weinliebhaber bekannten Kemal Atatürk nahm in den 1920er Jahren der Wein in der Türkei wieder einen gewissen Aufschwung, die auch heute noch existierenden Großbetriebe wie Doluca und Kavaklidere wurden in dieser Zeit gegründet. Kleine, individuell arbeitende Winzer gibt es bisher viel zu wenig. Dabei sind die Voraussetzungen für einen neuen Schub gegeben. Terroir und klimatische Bedingungen sind vielfältig und günstig, eine westlich orientierte Mittelkasse wäre möglicherweise von mehr Weinkultur zu begeistern.

Doch leider hauen bis in die jüngste Ggenwart immer wieder Fundis dazwischen, und wollen unser so sehr geschätztes Genußmittel aus dem Alltag der Menschen verbannen. Der Anbau, die Verbreitung und Vermarktung des Genußmittels Wein scheint dort ein ständiger Reibungspunkt zu sein. Am liebsten würden Erdogan & Co. die Türkei wohl "trocken legen" (klick).

Hier bei uns im Hedonistenparadies hat der Türkwein ein ganz anderes Problem. Er ist, wie einiges andere auch (Georgien, Bulgarien, Libanon etc.) ein absolutes Nischenprodukt. Weinfreunde hier sind durch das Angebot völlig übersättigt, selbst lange angekündigte Aufsteigerländer haben es da schwer. Eine Möglichkeit für diese Weine wäre die jeweils landestypische Gastronomie, da wären Weine aus der Türkei natürlich im Vorteil.
Wobei mich auch hier einige Beobachtungen aus der letzten Zeit irritieren. In einem Mittelding zwischen Dönergrill und Restaurant, sehr gut besucht, mit sehr schöner Grillqualität bei Fleisch und Gemüse, mitten in Bochum, war die Devise "no alcohol", nicht mal ein kühles Efes war verfübar. Rücksichtnahme auf die Fundifraktion...

Um so verdienstvoller, anerkennneswertter und sowieso bewunderswert ist der Einsatz von Importeuren, die Weine der Levante nach Deutschland bringen und auf guten Ab- und Umsatz hoffen. Mir gefällt das, schon weil es eine schöne Abwechslung in die Gläser bringt. Wer wollte denn immerzu die immergleichen Rieslinge, Bordeuax & Co. im Glas haben?

Einer dieser Eifrigen ist Tufan Topcu. Ende 2011 betrat er unter dem Label Gourient die Szene mit einem Shop für türkischen Weine, Raki und Olivenöl. Er sitzt in Weimar und da das natürlich keinen großen Vort-Ort-Absatz ermöglicht, stützt sich sein Geschäftsmodell vor allem auf den Internethandel. Die Homepage ist top, getaucht in türkisches lila (klick hier).

Sehr schön, daß auch Weinblogger bemustert werden, die beiden verkosteteten Flaschen wurden dem Weindeuter ins Haus und somit in die Gläser geschickt.





Suvla Blush Karasakiz 2012 (13% / 12€) Ich sag es ehrlich, ich hatte mehr Süße erwartet. Doch nichts davon im Glas, stattddessen ein völlig korrekt gemachter frischer Rosé. In der Nase duftig, Frühlingswiese, ganz zarte dünnwandige Blüten, in der Nase Himbeere, etwas süßer Hagebuttentee, im Mund voll, Moderate Säure, er kleidet aus, da kommt Würze, durchaus stoffig, kein Leichter, kein Wässerchen, erinnert an einen seriösen Provence-Rose.

Vinkara Quattro Kirmizi 2012 (13% / 8€) Auch der Rote aus den wohlklingenden Sorten Öküzgözü, Bogazkere, Alicante kommt mit frischer Frucht, gebremsten Gerbstoffen, etwas Würze, nicht fett, kommt im Ausdruck nicht ganz an den Rosé ran, guter Tischwein mit flotter Aufmachung, der vielen schmecken dürfte.

So, zum Abschluß noch etwas türkisch für Weinanfänger: “Üzüm” heißt “Traube”, Wein heißt “Şarap”,
Prost ist "şerefe". Kann ja mal wichtig werden... 






27.07.2012

Priorat Rosé - kein Mädchenwein: Rosat de Barriques 2007



Das Priorat im katalanischen Hinterland, die Gegend ist bekannt für charakterstarke Rotweine, die sich in Konzentration, Körper und Alkohol keineswegs zurückhalten. Die werden von individuell-handwerklich arbeitenden Winzern den kleinen und abgelegenen Rebflächen der gebirgig-rauen Gegend abgerungen und in meist in kleiner Auflage auf den Markt gebracht. So entstehen Charakterköpfe, die neben tiefer Frucht auch viel "Boden" transportieren. Mal feminin-saftige Grenachebomben mit raffinierter Delikatesse, mal maskulin-monolithische Weinwände, die sich vor dem Verkoster auftürmen und kaum zu erklimmen sind.
Das ist bei den Temperaturen z. Zt. vielleicht nicht ganz der richtige Stoff, zum Glück gibt es Priorat auch in Rosé, aber auch der tritt nicht gerade schüchtern auf. Kein hellrosa Wässerchen, sondern ein Wein mit Kraft und Substanz. Aber im Priorat ticken die Weinuhren eben anders. Während man z.Bsp. in der Provence beim Rosé eher frische Leichtigkeit anstrebt, die gut zur sonnigen Ferienbeschwingtheit dort unten passt, ist man da offener. Es wird experimentiert, man ist auch bereit Risiken einzugehen, was bei den Kleinmengen ja auch viel einfacher möglich ist. Vom hier verkosteten Rosé wurden insgesamt nur 400 Flaschen überhaupt produziert...

"Rosat de Barriques" 2007 Celler de l´ Abadia / Gratallops / Priorat (15€ / 14,5%) Für einen Rosé sehr dunkel, würde in Würtemberg auch als Rotwein durchgehen. Eher helles Rot als Rosa, die ganze Machart mit Barriquesausbau ist ja auch rotweinlike, deshalb sind für den Wein 5 Jahre Reifung offenbar gar kein Problem. Überraschend duftige Nase nach reifen Erdbeeren und heißer Strauchheide. Im Mund hohe Dichte, wie schon in der Nase erst etwas cremig-süßes aus der Fruchtfraktion, dann schlägt auch hier die Faust aus getrockneten Sommerkräutern und heißen Schieferplatten zu. Hat auch was pfeffrig-scharfes, der hohe Alkohol kommt etwas, trotzdem hält das durch die noch vorhandene Frucht eine gute Balance. Zudem tut die Kühlung ihr übriges für Trinkfluß und Bekömmlichkeit.


Posts zur großen Priorat-Probe hier/Klick
Hier zum Priorat-Hammer, Nr. 1 Experte und Händler für Weine aus dem Priorat



18.04.2012

Osterweine an der Nordsee



Der Weinhase legte im Osterurlaub diese vier schönen Flaschen ins Nest, verschiedene Farben, bunt gemischte Aromen...
  • Domaine de Saint Ser Rosé "Cuvée Prestige" 2010 / Sainte Victoire (13% / 10€) Ein Rosé aus der Provence, heller Lachston, nicht dickfruchtig, eher zart gebaut, feine Kräuternoten, dabei am Gaumen weich, sanfte Crema. Ein vornehm und feminin wirkender Wein aus Puyloubier am Fuße der Montagne Sainte Victoire = Top. 
  • Blanc du Nord 2010 Wijngaard Noordland Westz-Friesland 2010 (11% / 9€) Ein alter Bekannter (hier und hier) Das muß man einfach verkosten, wenn man vor Ort ist. Kein Wein aus Höhenlage, der Wingert liegt 3,70 Meter unter dem Meeresspiegel hinter der schönen alten Käsestadt Alkmaar. Johan Stoop, de wijngaardenier, begann 2005 mit dem ersten Setzen von Rebstöcken, allesamt auf Pilzresistenz gezüchtete Sorten. Auf mittlerweile 3000 qm Rebfläche stehen neben Rondo und Solaris auch noch die weiße Palatina und die rote Salomé. Der weiße Solaris und Palatina kommt mit traubiger Fruchtnase und kühler Frische = Hop
  • "Pasas" November Harvest Monastrell 2010 Vinnico Exports / Jumilla (14% / 7€) Spätgelesene Monastrell- Trauben führten laut Rücketikett zu einem semi-dry wine. Davon ist im Glas nicht viel zu schmecken, durchaus ein Wein mit Baßtönen, ansonsten hat der Pasas viel junge Kraft und Frische ohne Holz = Hop 
  • "Auro Rousso" Les Terasses d ´ Eole 2005 Cotes du Ventoux (14% / 18€) Syrah/Grenache Bombe aus dickwandiger Flasche. Eingekochte Früchte in der Nase, hohe Konzentration am Gaumen. Ein dunkler Ritter in erster Reife, kam erst am dritten Tag mit schöner Kräuterspur richtig aus sich raus. Alle Weine des Gutes sind nach provencalischen Winden benannt, Homepage dazu ist ist sehenswert (klick) = Top

22.03.2012

Frühlingsbote aus der Schweiz


Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern, die Genußbloggerszene schickt Frühlingsgrüße in die Welt. Da will auch der Weindeuter sein kleines Sträußchen artigst abgeben. Wer hier öfter liest, weiß, daß für mich Rosé gleichbedeutend ist mit dem französischen Süden (klick). Rosé ist  Sonne, Wärme, Licht, Duft der Provence. Hier aber stattdessen mal ein Kandidat aus dem vornehmen Zürich, und der passt nun wirklich auch in diese schöne Zeit.

2010 Pankraz Pinot Noir Rosé / Staatskellerei Zürich (12,5% / 11,80€) Die Staatskellerei Zürich, seit 1997 eine Tochter der Mövenpick AG, ist eine Art Genossenschaft. Der Betrieb ist groß, 90 Produzenten aus über 26 Zürcher Gemeinden liefern das Traubenmaterial. Produziert wird ein breites Spektrum von Pinot bis Solaris.
Der verkostete Rosé aus Pinot Noir kommt ganz im Stil des Hauses daher, sanft mit wenig Säure - so mag man das dort. Viel duftige Erdbeerfrucht, am Gaumen nicht nervös, stattdessen frische Fruchtcrema, leichte Süße. Ein schöner mouth-pleaser, angenehm.





18.10.2011

Atmosphere: Der letze Rosé...



Letzter Sonntag, ein klarer Herbsttag, Weinberglicht. Weite Sicht von der Halde Hoheward in Herten auf 152,5 m ü. NN. Ringsum der noch grüne Ruhrpott, Heimat bis zum Horizont. Menschen, Orte, Wein. Was passt in so einem Moment ?




29.07.2011

Süßer Rosé aus der Provence - nachverkostet



Was fehlt ist das beständige Sommerwetter ! Ich brauchs am Wochenende warm und trocken, bei Regen macht Radfahren und Zelten am Ijsselmeer nämlich keinen Spaß...
Nachdem der dicke Brunello und der Rosé zwar sehr gut waren, beim Wettergott aber offenbar nicht als Opfergabe akzeptiert wurden, jetzt ein dritter Versuch mit einer exotischen Flasche: Ein ungewöhnlicher Rosé aus der Provence, eine Vendage Tardive bereitet aus ausgelesenen (nur 15 hl pro Hektar) überreifen Trauben, kurze Zeit im Barrique mit Restsüße ausgebaut.
  • "L´ Enfant du Chateau" Vin de Table 2006 Vin de pays du Var / Chateau Cancerille (12€ / 16€ ab Weingut) Das Chateau liegt in der Provence, etwas außerhalb der Bandol-Appellation bei Signe. Zum ersten mal verkostet 2008, da war noch alles sehr frisch und lebendig. Im letzten Jahr deutete sich bereits an, wohin die süße Reise geht. Jetzt machte schon die dunkle Farbe klar, daß Reifenoten Platz greifen. Sehr sanft und weich in der Nase, eine dünne Konditor-Tarte, Blätterteig mit gezuckerten kleinen Erdbeeren, etwas Karamell, zarter Port-Touch. Dabei aber trotzdem leicht und nicht beschwerlich zu trinken. Sehr gut.



27.07.2011

Sommer ? Rosé !


Eine weitere Opfergabe, gewidmet Zeus, dem Herrn über Blitz, Donner und Regen. Der Brunello vom Sonntag (klick) hatte ja nur für kurzfristigen Sonnenschein gesorgt, vielleicht klappt es mit dem gestern verkosteten Rosé besser. Einer aus dem heißen Süden:
Domaine de Nizas Rose 2010 Languedoc / Frankreich ( Syrah, Grenache, Mourvèdre, Vermentino 13,5% / 9,20€) Schon farblich ein Anlocker, sattes Rotorange, auch in der Nase nicht schüchtern, ein frischgepflückter Strauß aus dem Bauerngarten, Himbeere, im Mund recht füllig, der Alkohol tut hier seine Dienste. Viskos - cremig, ein sehr weicher, fast sahniger Rosé, leichte Fruchtsüße. Alles in allem also kein leichtes "Wässerchen", eher im Tavel-Stil gehalten. Sollte allerdings für den Preis auch so sein. Rosés sind "in" und es wird kaum noch was unter 6€ im Fachhandel angeboten.


10.07.2011

Ziereisen: Der Schmätterling

Ein Anblick, der Lust auf ein Glas macht...
Mal wieder ein Wein von Hanspeter Ziereisen aus dem Markgräfler Land. Das ist ganz im warmen Südwesten von Deutschland, kurz vor Basel, im Dreiländereck. Eine wirklich schöne Gegend: Im Osten der Schwarzwald, im Westen das Elsaß, im Süden sind die Alpen nicht weit. Und auch Fahrten von dort ins Piemont oder in die nördliche Provence werden (fast) zu Wochenendtrips. 

Alles am Weingut Ziereisen ist geeignet, Sympathie zu wecken: Überschaubare Betriebsgröße mit 10 ha, handwerkliche Weinbergsarbeit, im Keller Spontanvergärung, lange Maischestandzeit, langes Hefelager und der Ausbau vornehmlich in Holzfässern. Vor allem aber ist es die Leidenschaft des spät zum Wein gekommenen Winzers, er war zunächst Schreiner von Beruf. Mit der Großfamilie Ziereisen sind vier Generationen auf dem Weingut tätig, zu dem auch noch eine kleine Landwirtschaft und ein Hofladen gehören. Das älteste Mitglied der Familie ist Uroma Martha, Jg.1909 (!), die noch jeden Tag ihr Glas Ziereisen - Gutedel trinkt, wie Weinhändler Thilo Marquaß vor kurzem bei einer Probe glaubhaft berichtete. Woran man mal wieder sieht, wie gut Wein für ein langes Leben ist.
Der Schwerpunkt von HP liegt bei den Roten auf charkterstarken Spätburgundern. Er macht aus diesen Träubchen natürlich auch einen Rosé, das Markgräflerland ist Deutschlands wärmste Ecke, da braucht es frisch-knackige Durstlöscher wie den Schmätterling 2010 (11% / ca.7€). Schöner Lachston macht Lust, kalt im Glas muß man aufpassen, der Wein fördert Trinkfluß ! Lockende Frucht, kleiner Säurestich, leicht = idealer Sommerschluck.


19.05.2011

Spargel - Weine

Spargelwein 1:
Provence Rosé mit weißer Spargelmousse,

obendrauf versteckt sich Knoblauch 
Spargelwein sollte ja eigentlich aus fermentiertem Spargel hergestellt werden. Gibt es so etwas, auch außerhalb von Dürrenmatts Romulus - Komödie ? Wer das schon mal probiert hat, bitte melden. Für Weinhändler sind Spargelweine, die zum Spargel, jedenfalls eine feste Größe im Weinkalender. Direkt nach den Weinen zum Osterlamm und vor den leichten Sommerweinen. Wichtig ist nicht so sehr, wie der Wein direkt zum von der Aromatik ja eher zarten Spargel schmeckt, sondern wie er mit den zum Spargel gereichten Zugaben harmoniert. Und da reicht die Palette von klasssich-einfach mit Kartoffeln und Schinken über das Rinderfilet bis zum Hummer. Die Tendenz ist aber stets Weiß, maximal Rosé, jeweils nicht zu stark in der Säure stehend. Also vielleicht nicht den mineralisch ausgereizten Riesling aus Schiefersteillage, aktueller Jahrgang. Bei mir kamen bisher zwei Kandidaten an den Start:


Spargelwein 2:
Die "Platintaube" mit elegantem Etikett


21.04.2011

Jules - Rosé: Sommerwein im April


Ja ist denn schon Sommer ? Noch April, aber bei den Temperaturen versetzt der Jules 2009 von Julian Faulkner (Domaine Grand Cros / Provence 13%  / ca. 5€ ab Weingut) endgültig in südliche Gefilde.
Ein blütenduftiger, geschmeidiger Saft, ein kleiner Genußwein, der ohne große Weintheorie einfach gut schmeckt. Solche Rosés sind für mich die idealen Warmwetterweine, getrunken in der zweiten Tageshälfte, wenn die Sonne sich schon dem Horizont zuneigt...

Roséromatik auch hier (allein schon wegen der Farben anklicken):

20.04.2011

"Junge Winzer" bei Lidl


Im Badischen gibts sehr viel Wein. Die Winzer sind fleißig, die Sonne scheint zuverlässig, jede Menge Hektar stehen unter Reben. Wie soll das alles an den Trinker und die Trinkerin gebracht werden ?
Schon Fritz Keller hat mit seiner Edition Fritz Keller die Discountschiene genutzt und über Aldi Nord + Süd jede Menge Weiß-und Spätburgunder aus "Deutschlands Toskana" abgesetzt (klick hier).
Etwas ähnliches gibt es auch bei Lidl. Unter dem Label "Junge Winzer" werden aktuell ein Weißburgunder und ein Spätburgunder Rosé angeboten. Zitat:  "60 begeisterte Winzer der jungen Generation haben sich zur Aufgabe gemacht, den traditionellen Weinbau mit eigener Handschrift und neuem Profilzu weiter zu entwickeln". "Junge Winzer", das hört sich ja gut an, passt in die Zeit, soll wohl auch junge Käuferschichten ansprechen. Marketingmäßig flankiert wird das Ganze noch durch Kolja Kleberg, der als "Lidl - Genußscout" in den badischen Weinbergen der "Jungen Winzer" nach dem Rechten sieht (klick hier).
Vinifiziert werden die Weine allerdings, wie die Keller - Edition auch, im Badischen Winzerkeller in Breisach. Nur da scheint die erforderliche Logistik für die großen Mengen bereitzustehen. Da laufen überörtlich die genossenschaftlichen Weinfäden zusammen. Da werden hunderte verschiedener Weine gemacht, auch die Tropfen der "Jungen Winzer". Die sind also genaugenommen hier keine Winzer, sondern lediglich die Traubenlieferanten. Verramscht werden die Weine keineswegs, die Preise liegen mit 5,99€ bzw. 4,99€ knapp oberhalb vieler Einstiegsweine der Ortsgenossenschaften.

Zum Test des Weißburgunders bot sich spontan eine kleine Blindverkostung mit weiteren badischen Gewächsen an. Dabei die Weine:


Wein 1: Frische Nase, Cidre, viel Frucht, im Mund knackig, frische Säure, lebendig, offener Wein. Kam bei den mitverkostenden Frauen deutlich am Besten an (= Junge Winzer).
Wein 2: Verhaltener im Ton, etwas buttrige Nase, im Mund mehr Fett, cremiger, wenig Säure, im direkten Vergleich mit 1 fehlende Frucht und Frische. Fiel mit der Zeit eher ab (=Bickensohler).
Wein 3: differenzierte Nase, Birne Helene, frisches Heu, Melone, im Mund Schmelz, zarte Säure, mit der Zeit Öffnung in Richtung ätherisch - würzig. Machte auch noch im wärmeren Zustand Spaß und war Favorit der verkostenden Männern. Urteil der Frauen: "muffig" (=Heger).

Der Lidl ist nicht schlecht, ein guter Geradeauswein für Fruchttrinker. Natürlich spielt der jüngere Jahrgang (2010) beim "Junge Winzer" auch eine Rolle. Trotzdem greift mal wieder das Diktum des Genießers, wonach  der teurere Wein in der Regel auch aromatisch mehr zu bieten hat. Die Qualität des Heger, einem Top Winzer vom Kaiserstuhl, schlägt auch beim kleinen Kabinett durch.
Außer Konkurrenz, als Nachtisch sozusagen, gab es dann noch den "Junge Winzer" Spätburgunder Rosé 2010 (12% / 4,99€). Auch hier dominiert Frische direkte Frucht, schon knackig und trocken, schmeckt. 
Weißburgunder - Blindprobe:
mitverkostende Frauen sahen die "Jungen Winzer" vorn



28.03.2011

Wochenendweine...

...diesmal nur zwei, am Samstag war Weinmesse auf Zollverein (später mehr), da wurde zu Hause nur ein reduziertes Programm gefahren. Das Motto der Auswahl: Heitere Leichtigkeit.
  • Substanzreicher Wein aus zertifizierter Ökoproduktion. Schöne Mischung aus duftiger Frucht und cremig-zartem Mundgefühl. Bringt feine Frische wie ein kühles Bad unter südlicher Sonne...(klick).
  • Das Weingut liegt mitten im "Mayschosser Weinkessel". Recht vornehm wirkt das da, ein Jaguar steht in der Einfahrt. Wolfgang Hehle war früher Steuerberater und hat bestimmt gestern seine Stimme in Rheinland-Pfalz für Julia Klöckner abgegeben.
    Im Glas ein Wein des Hauses, der schon die Leichtigkeit im Namen führt. Eine Mischung aus Spätburgunder, Portugieser und Dornfelder. Auch hier viel Duft, Himbeere, auch Cassis, im Mund frisch und weich, sehr moderat in den Gerbstoffen, der Wein rutscht gut. Eine moderne Interpretation des süffigen Ahr-Schoppens. Kein Wein, den man groß weglegen sollte.
Deutzerhof in Mayschoß



08.03.2011

Barriques - Rosé mit "Prioratkraft"

Kraftrosé mit Lammburger
Ein Rosé aus dem Priorat, der nicht gerade schüchtern auftritt. Kein hellrosa Wässerchen, sondern ein Wein mit Kraft und Substanz. Dazu wurde erstmalig in diesem Jahr der Grill angeworfen... 

  • "Rosat de Barriques" 2007 Celler de l´ Abadia / Gratallops / Priorat (15€ / 14,5%) Für einen Rosé sehr dunkel, würde in Würtemberg auch als Rotwein durchgehen (Trollinger !). Die ganze Machart mit Barriquesausbau ist ja auch rotweinlike, deshalb sind für den Wein 4 Jahre Reifung offenbar gar kein Problem. Sehr offen in der Nase, tiefe süßreife Frucht, macht Lust auf den ersten Schluck. Im Mund  zwar voll, viel Körper, trotzdem ungemein süffig. Leichte Süße, sehr saftig, auch dank der Kühlung merkt man den (hohen) Alkohol kaum, der Wein läuft nur so weg. Insofern ist er auch einer aus der Kategorie "Schlüpferstürmer", wie schon dieser hier. Passte sehr gut zum Lammburger vom Grill.
    Originell und hoher Spaßfaktor, deshalb 92 P. !

Bezugsquelle hier beim Priorat - Hammer


11.02.2011

Elsaß,Provence,Pfalz


Schon am letzten Wochenende getrunken und noch gar nicht gepostet: Drei Weine aus der "heiter & beschwingt" Fraktion. Also eher unkomplizierte Genüsse, die auch Nicht-Wein-Freaks schmecken.

26.08.2010

(Ferien)weingeschichten aus der Provence (1)


Provence - Kulturland, Genußland, Roséland !
Die "Römische Provinz" mit ihren Arenen und Theatern: 2000 Jahre alt und immer noch fit und im Betrieb ! Die Provence der Maler: Van Gogh in Arles, Cézanne an den Montagne Sainte Victoire bei Aix, Picasso begraben auf Chateau Vauvenargues. Die Provence der Sinne: Der Duft des Lavendels auf dem Plateau Valonsole, das tiefe Blau der Cote d´ Azur. 
Die Provence des Weines: Rosé, Rosé und nochmals Rosé. Der Anteil in den Provenceappellationen liegt bei über 70 %, so viel wie sonst nirgends in der Wein(bau)welt. Sie haben da eine Markenidentität geschaffen, ein Konzept das seit vielen Jahren aufgeht. Jede Menge Rosé wird vor Ort vor allem in den Sommermonaten an der Küste zwischen Menton und Marseille getrunken. Und das nicht nur von Urlaubern, den sonnenhungrig Auswärtigen. Der Rosé ist im Alltag fest verwurzelt, in den Regalen und auf den Tischen allgegenwärtig. Ich hatte vom Ferienhaus einen guten Blick auf das Nachbargrundstück, bewohnt von einer französischen Oma (geschätzte 80 +). Jeden morgen stand um 8.30 zum Petit Dejeneur neben dem Croissant eine schlanke Flasche Rosé auf dem Tisch, aus der zwei Gläser geleert wurden.
Da wollte ich nun nicht zurückstehen und habe jede Menge Rosé probiert. Man soll sich ja an die Sitten und Gebräuche des Gastlandes anpassen, oder ? Und es geht einfach perfekt zusammen: Was sieht zum Blau des Wassers und des Himmels besser aus als eine Flasche Rosé ? Was streichelt sinnlicher die Zunge und erfrischt besser als diese Mischung aus Saft, Säure, Schmelz und Biß, die seriöse Provencerosés durchweg draufhaben. Das geht schon bei knapp über 5€ los, ab 8€ ist schon richtig Musik im Glas wie beim  Bailly (Bild oben) und beim Minuty (unten). Beide  sind zudem in der klassischen Flasche abgefüllt, ein Produktdesign, das wie bei Coca-Cola die sinnlichen Proportionen eines Frauenkörpers zitiert - purer Genuß...

Ein Stein, wer da widersteht...


28.06.2010

Roséprobe - sinnlich...

Nein, ich bin keineswegs zum Nur-Rosé-Trinker geworden, aber es liegt nun mal in der (warmen) Luft: Rosé ist für mich der Sommerwein, kühle Frische gepaart mit Kraft, das rötliche Glitzern der Sonnenreflexe im Glas, es passt einfach.
Wie groß die Unterschiede beim Rosé sein können, wurde auf einer reinen Roséprobe in der Bodegas Rioja in Bochum deutlich. 
  • Prächtige Rosés aus der Provence von Chateau Ferry Lacombe, es gibt die Linien Haedus, Fidis, Naos und Cascai, durchweg feine, blütenduftige Charakterspieler ohne Aufdringlichkeit. 
  • Ganz anders der  Kraftstil, wie z. Bsp. beim Monastrell Rosado 2008, Vins de Comtat: sehr dunkel, körperreich, mit viel Fett und Schmackes. 
  • Patrick Carteyron vom Chateau Penin aus dem Bordeaux präsentierte gleich drei Rosés. Den einfachen, säurefrischen Excess Merlot 2009, den Cabernet-Sauvignon 2009 und den Clairet Merlot 2009. Schon an der Farbe wurden die Unterschiede deutlich. Während die ersten beiden nur ein paar Stunden Schalenkontakt haben, bleibt der Clairet ganze vier Tage auf der Maische. Ist schon mehr leichter Rotwein als Rosé. während die anderen schon tagsüber gut munden, bleibt der Clairet eher dem abendlichen Menü vorbehalten, wie Patrick Carteyron mit einem Schmunzeln sagte.

    alle Weine: Bodegas Rioja/Bochum
Rosé - Forschung im Centre de recherche et d ´ expérimentation sur le Vin Rosé in Vidauban/Provence

Schmeckt vor Ort natürlich (noch) besser: Roséprobe in der Provence 

27.06.2010

Deutschland - England - Rosé


Der Wein, der heute alles richtig macht: Kühle Erfrischung bei 30 Grad im Schatten, leicht mit nur 11,5%, sehr "süffig" durch schmeckbare Restsüße, trotzdem genug Frische drin - für 5€ herrlicher Saft aus der Pfalz ! Und dann diese Farbe - sehr gut, um das "Entscheidungsspiel" gleich gegen England auch dann noch wie durch eine rosarote Brille erscheinen zu lassen, wenn der katholische Malochertyp aus Manchester brutale Bälle in das schöne Tor vom "Schalker Jung" schiessen sollte...

25.06.2010

Rosé Fritz Keller Edition...

... gab es diese Woche bei Aldi - Nord. Nach dem Spätburgunder und dem Riesling vor einigen Wochen nun das Richtige für heiße Sommernachmittage und laue Abende (zum Hintergrund der Zusammenarbeit von Fritz Keller und Aldi bitte hier nachlesen).

  • Spätburgunder Rosé 2009 Baden Edition Fritz Keller (4,99€). Intensives Lachsrosa, deutlich frische Frucht in der Nase, schön beerig (him & erd), im Mund kein leichtes Wässerchen, entwickelt durchaus cremige Kraft. Gut für alle, die auch gerne Rosés aus dem Languedoc trinken. Die gibts allerdings auch schon für ein paar Cent mehr im Fachhandel, z.Bsp. den hier. Ansonsten eine klare Aldi-Empfehlung, falls man noch ein paar Flaschen aus Theos Regalen abkriegt. 

25.05.2010

2 Exoten...


...waren offen, 2 ganz unterschiedliche Typen mit Charakter:
  • "L´ Enfant du Chateau" Vin de Table 2006 vom Chateau Cancerilles in der Provence, etwas außerhalb der Bandol-Appellation gelegen. Ein Rosé im Stil einer Vendage Tardive, rigoros ausgelesene (nur 15 hl pro Hektar) überreife Trauben, kurze Zeit im Barrique mit Restsüße ausgebaut. Absolut köstlicher, erdbeerduftiger Nektar, im Mund geschmeidige und sehr feine Süße, nicht sehr "dick", tänzelnde Frucht. Der Wein wurde vor Ort eingekauft (16€) und hatte vor 2 Jahren (natürlich) mehr Frische, war da als Aperitif besser. Jetzt als Dessertschluck ein Genuß.
  • Beim Roten jetzt nicht lästern: Faustino I Gran Reserva 1998, ein spanischer Klassiker in der bekannt hübsch-hässlichen Aufmachung, gesprenkelt-satinierte Flasche mit Goldnetz und Edelmann auf dem Etikett. Der Wein wird in sehr großer Auflage produziert (über 270.000 Flaschen), 1998 ist der aktuell (!) verkaufte Jahrgang - die Barriquelager in der Bodega in Logrono müssen gewaltig sein. Noch dichtes Rot, Vanille, etwas Frucht, abgeschmolzene Tannine, ein sanfter Riojaklassiker, nicht für Freunde frischer Fruchtklopfer gemacht. Wer aber mal einen angenehm reifen Roten probieren möchte, ohne auf eigene Kellervorräte zurückgreifen zu können, sollte hier für faire 15€ zugreifen. Verfügbar in im LEH oder z. Bsp. hier.