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09.10.2012

Herbstweine: Schwere Jungs aus dem Süden



Die Blätter färben sich, Herbstwinde wehen - Zeit für Rote, die Wärme geben. Und da komme ich immer wieder auf den Süden Frankreichs. Die südliche Rhone und das Languedoc halten ein Füllhorn von Weinen für diejenigen bereit, die vor fruchtiger Fülle und reichhaltiger Kraft nicht zurückweichen. In der Weinszene ist dies scheinbar nicht mehr so sehr en vogue, vor lauter Begeisterung für deutsche Spätburgunder und Weine, die "pinotieren". Der Weindeuter hält aber diesbezüglich die Stellung und wahrt seine Treue zu den Gewächsen des Midi. Verkostet wurden in den letzten Tagen ein paar Kellerflaschen, dreimal Rhone, zweimal Languedoc. Darunter auch welche aus dem für diese Region als sehr gut bewerteten Jahrgang ´07.

"Terre de Bussiere" 2007 Domaine de la Janasse VdP (55% Merlot, 25% Syrah, 10% Grenache und 10% Cabernet. 12 Monate ausgebaut in Holzfässern, davon 30% neue Fässer 10€) Der Einsteigerwein der für ihre großartigen Chateauneufs bekannten Domaine hat schon vieles, was die Rhonearomatik ausmacht. Sattes Schwarzrot, undurchdringlich, in der Nase dominiert der Kräuterstrauß, eingekochte Frucht, Lakritz, viel Saft im Mund. "Süffig" durch den hohen Merlotanteil, trotzdem kein Wein für die Mädchenparty. Kein Zeichen von Müdigkeit, hätte noch liegen können.

Domaine Roche 2009 Cairanne Cotes du Rhone Village (15% / 9.90€ / 70% Grenache + 30% Syrah) Ein neuer Name an der südlichen Rhone, Romain Roches vinifiziert erst seit kurzem von elterlichen Weinbergen in Cairanne. Nach weltweiten Wanderjahren ist 2009 sein erster "eigener" Weinjahrgang. Um es vorwegzunehmen: Der Wein ist sehr gut, angesichts des Preises sogar sensationell gelungen. Blind in eine Probe mit Crus aus Chateauneuf oder Gigondas gestellt, müßte er bestimmt nicht sofort den Schwanz einziehen, sondern könnte lange mithalten. Schon in der Nase sehr konzentriert, die für die Region so typische anmachende Mischung aus tiefer warmer, dunkler Frucht. Im Mund dann Expansion: Schlehenfeuer, lodernder liköriger Saft, der hohe Alkohol schlägt durch.

Le Marteau 2007 (11€, Syrah/Grenache/Carignan) Pierre Clavel aus dem Languedoc nördlich von Montpellier hat es drauf. Sein Marketing ist perfekt, er kommt als Bursche vom Lande rüber, Typ netter, bodenständiger, rustikaler, sonnengegerbter Südfranzose. Der Marteau (= Hammer) steht noch immer voll in der Frucht. Undurchsichtig-dunkel im Glas, kleiner violetter Rand, herrliche Brombeernase, rauchig, im Mund ein Vollschmecker mit viel Reifesüße, nur 8952 Flaschen !

Lirac 2007 Domaine La Loyane (14,5% / 11,50) Warme, intensive, lakritz-würziger Wein mit warmer und reifer Frucht, satter breiter Schluck, man schmeckt den Top-Jahrgang 2007. Dies war so eine Flasche, aus der der Wein einfach verdunstet, Südrhone at its best. Möglicherweise der Beste der Runde, aber wer will sich hier schon festlegen...

Carline 2010 Château de Cazeneuve Saint Loup (14% / 12€ Syrah/Grenache/Carignang) Der jüngste und in der Aromatik "kühlste" in diesem Quintett, geprägt von Syrah, gewachsen auf den heißen Schieferböden am Pic Saint Loup nördlich von Montpellier. Auch hier hohe, fruchtgeschwängerte Konzentration, hinzu kommen aber auch lebendige Frische und präsente Gerbstoffe. 




Zum Roche aus Cairanne gab es übrigens was fleischiges vom Grill, dazu eine Fertigsauce, die uneingeschränkt zu empfehlen ist: Stonewall Kitchen Grillsauce Roasted Garlic Peanut, also gerösteter Knoblauch mit Erdnuss. Nussig, cremig, süffig, ohne jede Bitterkeit und Kunstaroma. Die Stonewall Saucen kommen aus Maine, USA und sind in der Gourmetladenszene in Deutschland gut vertreten. Leider teuer, das 200ml Fläschchen kostet 10€.


07.09.2011

Kreta - Wein 3: Syrah


Kreta ist nun nicht gerade cool-climate, die Sommer sind heiß und trocken. Einige Winzer suchen deshalb Höhenlagen für ihre Reben. Und haben in letzter Zeit die Syrah für sich entdeckt, die kann Hitze ja gut ab. Vor Ort bot sich die Gelegenheit für eine kleine Syrahverkostung.


  • Methy Syrah-Liatiko 2009 Ein Einsteiger, aber schon verblüffend viel Schmackes in der Flasche. Vor allem in der Nase sehr viel Rauch und Speck. Rustikaler Genuß. 
  • "Prinos" Syrah 2009 Diamantakis Winery (14% / 9€) Ein Newcomer, das Weingut existiert erst  seit 2007. Hier steht ganz die Frucht im Vordergrund, sehr beerig, aber nicht überreif, viel Frische verströmend, modern. In Aufmachung, Aromatik und PLV absolut marktgängig für deutsche Fachhandelskunden.
  • Lyrarakis Syrah-Kotsifali 2008 (13% / 14€) Schon ein dickeres Kaliber, dunkle reife Frucht, Tabak, orientalische Spezereien. Warmer Kraftwein vom etablierten Top-Winzerbetrieb der Insel (seit 1966). 
  • Nostos Syrah 2007 MANOUSAKIS WINERY Chania (14,5% / 25€) Der Betrieb liegt nicht im Hauptanbaugebiet Kretas südlich von Heraklion, sondern weiter im Westen, bei Chania zu Füßen der Lefka Ori. Hier hat man Ambitionen, konzentriert sich ganz auf Rhonesorten (Der Rousanne wird hier besprochen). Laurence Feraud von der Domaine Pegau ist aktiv als Consultant für Manousakis tätig, die Weine gibts auch im Barreis in Baiersbronn
    Nostos ist der rote Topwein des Gutes, nur 3500 Flaschen in 2007. Der Wein wirkt vertraut, die Gesamtaromatik ist reichhaltig und warm wie ein hochwertiger Südfranzose. Vollreife Früchte, röstig, samtiges Schoko - also der "Schmelzstil", der ja angeblich schon wieder "out" sein soll. Ich bin trotzdem ein Anhänger...    

    Bezugsquelle hier

Da wächst er, der Syrah...

05.09.2011

Kreta - Wein 2


Griechenland - unerträglich ist die Arroganz, mit der Hellas in der Finanzfrage von deutscher Seite tituliert wurde und wird. Primitivster Populismus, niedere Instinkte weckend. Während wir hier noch in dicken Fellkostümen an Baumrinde genagt haben, gab es auf Kreta schon eine Hochkultur mit in jeder Hinsicht ausgefeilten Kulturtechniken. Auf der haben dann die klassischen Griechen und danach die Römer aufgebaut, Grundlegendes wurde durchs Mittelalter geschleppt, in der Renaissance schließlich wiedererweckt und für die europäische Neuzeit aufbereitet.
Insofern sind wir alle Kreter. Auch beim Wein. Die Minoischen Paläste waren von Weinbergen umgeben, eine der ältesten bekannten Weinpressen der Welt ist in Vathypetro auf Kreta gefunden worden, über 3.500 Jahre alt.
Ohne die Minoer kein Bordeaux, kein Moselriesling, kein Supertoskaner, kein Napa-Cab ...

Lächerlich also, beim Thema Wein und Kreta zu lächeln. Es werden dort herrliche Weine produziert. Vom einfachen Tischwein bis zum elaborierten Tropfen. Da bedient man sich (natürlich) zeitgemäßer Vinifikation, es gibt State of the Art - Weingüter. Bei den Roten werden die lokalen Rebsorten gern mit der hitzeresistenten Syrah angereichert.

Während ich dies schreibe, ist ein Roter der 8€ Klasse im Glas, also für Weinfreunde eher Einstiegsklasse, bereitet aus Liatico, Kotsifali und Syrah: Enotria 2008 Douloufakis (13,5% / 8€). Der steht schon mit wild-würziger Geschmacksfülle sehr munter im Glas. Ein duft- und geschmackreicher Charakterkopf, der vieles aus den gängigen Südregionen wie Spanien oder Südfrankreich an die Wand spielt, beschämend gut...
Nikos Douloufakis studierte übrigens Önologie in Alba /Piemont und pflanzte darum zwar keinen Nebbiolo, jedoch etwas Sangiovese. Den hab ich auch hier, kommt später...

Ein Bericht zum Weingut hier, Bezugsquelle hier.




11.06.2010

Us de Kap


Heute geht das ja los, in Südafrika. Keine Angst, jetzt kommt nicht dauernd ein WM - Wein, dazu packt es mich dann doch nicht genug, die Sorge um Jogi, Poldi, Schweini. Und ob sie es schaffen, uns emotional zu entlasten oder im Strudel der Krisen nur eine weitere Krise anrichten, die Fußballkrise eben - abwarten und Wein trinken. Hier ist einer, der schon mal unsere Perspektiven mehr in Richtung Optimismus lenkt: Ein Südafrikaner mit Wurzeln im schönen Dernau an der Ahr. Von da zog nämlich Werner Näkel von seinem Weingut aus in die Welt, das kleine Ahrtal war ihm wohl etwas eng geworden, um auch anderswo Wein zu machen: In Portugal und in Südafrika.
  • "Us de Kap" Shiraz 2008 Meyer-Näkel Südafrika (9,99€) Schon eine gewissen Exotik, "Western Cape" und "D-53507 Dernau" auf dem schönen Etikett zu lesen, das macht mich als Ahrfahrer an. Zum Inhalt vorweg im Urteilsstil: Der Wein ist absolute klasse ! Sehr dichte dunkle Fruchtnase mit einer frischen Attacke. Auch im Mund ein Gleichgewicht aus belebender Frucht und Kräuterwürzigkeit mit schönem Syrahpfeffer. Das "Barriqueküßchen" kommt mit etwas Zartbitterschoko auch noch, gute Länge. Alles richtig gemacht und für unter 10€ preislich korrekt.