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30.03.2013

Libanon kommt - Probe mit Spitzengewächsen



Weine aus dem Libanon sind hierzulande Exoten. Weinlaien können damit gar nix anfangen. Die fragen höchstens, in völliger Unkenntnis der Materie, was denn "die Moslems da unten mit Wein zu schaffen hätten". Weinfreaks fällt dazu meistens nur der schon lange eingeführte Chateau Musar ein. Das ist, wie leider so vieles in dieser Welt, vollkommen ungerecht.

Zunächst ein kurzer Blick zurück. Der Weinbau im Libanon hat eine lange Tradition, ist aber bis in unsere Zeit gekennzeichnet durch den Wechsel von Niedergang und außerordentlichen Zeiten des Wachstums.
In der Antike gehörte das Gebiet des heutigen Libanon zum historischen Kanaan, wo ja bekanntlich schon Jesus Wasser in Wein verwandelt hat. Man bewegt sich beim Verkosten sozusagen auf biblischem Boden.
Die Phönizier sorgten für den ersten großen Boom. Sie verbreiteten mit ihren Schiffen die reichhaltigen Weine der Levante im ganzen Mittelmeerraum, die ersten Weinhändler der Welt.
Während der langen muslimischen Herrschaft hielten Juden und Christen das Wissen um die Rebkultivierung aufrecht, die Weinproduktion wurde in geringem Umfang bis in die Neuzeit nach antiken Methoden betrieben.
Spannung kommt erst wieder Mitte des 19. Jh. durch die Franzosen ins Spiel. Unter ihrem Schutz wird die autonome Provinz Mont Liban ausgerufen, 1857 legen Jesuitenmönche den Grundstein für den neuzeitlichen Weinbau und gründen das Weingut Ksara, nach einer ehemaligen Festung aus der Zeit der Kreuzritter.
Während der französischen Mandatszeit zwischen den Weltkriegen steigt die Nachfrage nach Wein, Beirut wird zum "Paris des Nahen Ostens". Es kommt zu umfangreichen Neupflanzungen, vorwiegend französische Rebsorten wie Cinsault, Carignan, Mourvèdre, Grenache, Merlot, Cabernet Sauvignon, Syrah, Sauvignon Blanc, Blanc, Sémillon und Chardonnay.
1930 gründete Gaston Hochar Château Musar, das legendäre Weingut, welches bis heute für den libanesischen Wein ein dickes Ausrufezeichen setzt und einen Platz unter den Crus dieser Welt behaupten kann.
Erneuter Rückschlag dann durch den libanesischen Bürgerkrieg zwischen 1975 und 1990. Rebberge im Bekaatal wurden zerstört, der Weinbau kam beinahe zum Erliegen.
Wenn heute wieder von einer Renaissance des libanesischen Weinbaus die Rede sein kann, sprechen wir hier von einer Entwicklung der letzten 20 Jahre. Viel Geld wurde in die Modernisierung der Weingüter gepumpt, gleichzeitig gab es Neugründungen, z.T. innovative Boutique-Weingüter mit ausländischem Kapital und Beratung.
Im Jahr 2010 erzeugten im Libanon rund 40 Weingüter auf rund 30.000 ha etwa acht Millionen Flaschen, wobei die sechs größten Erzeuger (Château Ksara, Château Kefraya, Château Musar, Château St. Thomas, Domaine Wardy und Massaya) für 85% der Jahresproduktion verantwortlich sind.

Vielleicht gibt es ja auf dem deutschen Markt Bewegung in Richtung Weine aus der Levante. Zumindest in der Berichterstattung tut sich was. Hendrik Thoma (klick) war vor kurzem im Bekaa Tal unterwegs, auf der Prowein gab es einen großen Gemeinschaftsstand, aktuell gibt es bei Captain Cork einen Libanesen, wenn auch wieder "nur" Chateau Musar.

Ich hatte schon im letzten Dezember Gelegenheit, an einer beeindruckenden Leistungsschau libanesischer Weinkunst teilzunehemen. In der Phönicia-Lounge in Bonn hielt man sich dabei nicht groß mit Präliminarien auf, sondern brachte wirkliche Spitzen aus dem Morgenland in die aufnahmebereiten Gläser. Eines vorweg: Wer bei Wein und Libanon "heißgekochte" und plumpe Gewächse voller Alkohol assoziiert liegt falsch. Die Tropfen profitieren in ihrer Gesamtaromatik von der ausgeprägten Höhenlage vieler Pflanzungen, z. T. bis in weit über 1000 Meter Höhe. Und man spürt, daß sich viel französisches Know-How bei der Abstimmung der Cuvées erhalten hat. Es kommt durchweg Wohlgeschmack ins Glas, welcher einen harmonischen Trinkfluss befördert. 


Chateau Fakra 2008 "Pinacle" (Cabernet/Syrah/Cinsault 13% / 9€) Zu Beginn schon ein herrliches Duftsträußchen, fruchtbetont, sehr frische Frucht, wache Säure, Thymian, Vanille, schöner Einstieg für unter 10€.

Domaines des Tourelles 2010 (Cabernet/Syrah/Cinsault 14% / 12€) Auch hier ganz auf der Fruchtlinie, appetitanregende Frische, kein Sattmacher, genau richtig für den Beginn.

Clos de Cana Rouge 2005 (Cabernet/Grenche/Syrah/Cinsault 13% / 9€) Sehr offene Nase, saftige Süße, erste Reife, fein, nicht fett.


Domaine Wardy Syrah 2007 (13,5% / 12€)% Es wird kräftiger, dunkler, blickdicht im Glas, kleiner Torfstinker, satter Fruchtkern, feines "süffiges" Tannin, Reifesüße, pendelt schön zwischen würziger Erde und beeriger Frucht.


Clos de Cana "Valée Lamartine" 2003 (Cabernet/Merlot/Syrah 13% / 15€) Viel Duft, Reife, erste Steigerung in Richtung Hedonismus im Glas. Weiche cremige Frucht, in der Mitte ein Sauerkirschkern, sehr gute Länge, ideelle Mischung aus Bordeaux und Chateauneuf du Pape. In der Mittelkasse unter 20€ ein Top-Wein.


Marquis des Beys "Grande Cuvée Pierre L. Brun" 2009 Domaine des Tourelles (Cabernet/Syrah 14%  / 25€) Ein Vollschmecker, intensiver Wein, seidige Nase, füllt den Mund sehr stimmig, raffiniert, erstes Raunen am Tisch, bisher der Beste.


"Perseides" Chateau Khoury 2007 (Syrah/Cabernet/Merlot 14,5% / 32€) Orientalische Aufmachung, wiederum offene Nase, etwas mehr Süße am Gaumen, recht weich, klassischer warmer mouth-pleaser Stil.


EL Ixir 2009 13,5% / ca. 40€) Neues Weingut mit interessanter Kellerarchitektur, moderne Aufmachung, hier hat man viel Geld in die Hand genommen und noch einiges vor. Die Önologie liegt in spanischen und französischen Händen. Ixsir will mit dem EL hoch hinaus, meldet Premiumanspruch an. Der Wein präsentiert sich sehr ausgewogen, will den Anschein zu hoher Konzentration vermeiden. Im Ergebnis viel internationale Eleganz, bei aller Reichhaltigkeit geschliffen.

Chateau Nakad 2005 (Cabernet/Syrah/Grenache/Merlot 14%/23€) Nach dem EL ein kleiner Schritt zurück, kann aber bestehen. Viel Frucht, Schoko, Mundfüller, geht in Richtung Perseides. Mattschwarze Flasche.


"Comte de M" 2006 Chateau Kefraya (Cabernet/Syrah14% / 40€)  Ein Großer, gilt nach dem Musar als die Nummer 2. Was kann der Comte? Ein Bordeaux im Glas? Ein Großer etwa? Schmelz, Eleganz, Cassis, Süßkirsche, Crema, Rauch, Tabak, Zigarrenkiste, Touch of Magic. Alles drin, mein Favorit des Abends, absoluter Top-Wein.


"Le Souverain" Ksara 2006 (Cabernet/Arinarnoa 13,5% / 45€) Ksara ist DER Klassiker im Libanon, seit 1857 von Jesuiten aufgebaut, 1973 nach einer Entscheidung des Vatikan privatisiert. Großer Betrieb mit insges. 300 Hektar Rebfläche, stetig modernisiert. Liefert sich mit Kefraya stets ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Dies ist der Spitzenwein, zum 150. Jahresjubiläum des Traditionsgutes produziert (1857-2007) aus 50% Cabernet Sauvignon und 50% Arinarnoa, einer sehr seltenen Rebsorte (weniger als 120 ha weltweit), einer Kreuzung zwischen Merlot und Petit Verdot. Stoff pur, hochkonzentrierte Granate, die ihren Hedonismus ungehemmt zur Schau stellt. Er wäre der Souverän, sicher. Wenn nicht an diesem Abend in Bonn auch noch die anderen Anwärter auf den Thron in die Gläser gekommen wären.


Aurora Cabernet Franc 2010 13,5% / 35€) Schon zum zweiten Mal verkostet, kommt sehr mitteleuropäisch daher. Waldboden, Trüffel, dunkle Früchte, ein Charakterschluck, sozusagen der Barolo der Verkostung - herrlicher Wein. Aurora ist eine Neugründung, nur 4000 Flaschen werden insgesamt pro Jahr auf 1,4 Hektar erzeugt. "Garagenwein" mit hohem Qualitätsanspruch.



Chateau Musar 1986 (Cabernet/Carignan/Cinsault 86er ca. 100€ / aktueller JG. ca. 30€) Und dann kam er doch noch ins Glas, die Legende. Ein Wein aus dem Libanon, der den Weg in die Gläser leidenschaftlicher Weintrinker planetenweit findet. Aus in 1000 Meter Höhe im Bekaa Tal gereiften Trauben wird er in Beirut in einer im Jahr 1930 gegründeten Kellerei bereitet. In den letzten Jahren habe ich in großen Abständen immer mal wieder einen MUSAR probiert. Manchmal: Enttäuschend, über den Berg, trüb + oxydativ. Meistens aber: Faszinierend, schillernd, - wie dieser herrlich gereifte 1986. Relativ hellfarben, tiefduftig in der Nase, süßwürzige orientalische Noten von getrockneten Früchten, Orangenschale. Nicht dick und aufdringlich, sondern fein und differenziert, der Wein tänzelt, eine insgesamt faszinierende und eigensinnige Aromatik, die viel "Gefühl" freisetzt. Wenn man schon Analogien anstellen will, wäre dies der Burgunder der Probe. Und somit ein würdiger Abschluß.












11.01.2013

Weihnachtsweine im Januar: Elsaß, Sardinien, Chile



"Ja ist denn immer noch Weihnachten?" So ein Gedanke angesichts einer verspäteten Einladung zum Weihnachtsmenü. Aber was im Dezember nicht klappt, muß eben im Januar nachgeholt werden. Und weil die Zeit zwischen Fest und Frühling ja ohnehin eine harte Zeit ist, folgt man einer solchen Einladung sehr gern. Und weil natürlich auch der Wein da eine Rolle spielt...
Crémant d ´Alsace Henri Martischang (12,5%) Frisch, mild, keine aufdringliche Säure, nicht zu brut(al), ganz so wie man es von einem elsässischen Cremant erwartet. Zur Kartoffelsuppe mit Pistou sehr angenehm.



Kalbsragout mit Champignons, die cremige Soße herrlich abgeschmeckt mit Zitronenschale, gewinnt dadurch Frische. Dazu ein Roter? Gut, hier kann man natürlich einwenden, ein Weißer, ein schöner Weiß- oder Grauburgunder, vielleicht auch ein kräftiger Pfälzer Riesling mit schöner Crema wäre hier passender gewesen.
Aber es kam nun mal "Le Sabbie" Cannonau di Sardegna 2008 von Meloni (14% / 18€) in die aufnahmebereiten Gläser, ein Wein, zu dem Taube in Trüffelsoße empfohlen wird. Meloni ist mit 250 ha Weinbergen ein großer Spieler auf Sardinien, modern aufgestellt. Man orientiert sich am Ökolandbau. Der rote Sabbie zeigt Charakter, ist kein weichgespülter Vanillebomber. Wenig Holz, er liegt nur 6 Monate in großen 5000 Liter Eichenfudern. Stattdessen viel reife Frucht, schön gekontert durch eine säuregepufferte Saftigkeit, wie ich sie in vielen Süditalienern schätze. Sehr fein.



Ein Roter kommt aber selten allein, dem Sarden wurde noch ein Genosse aus Chile an die Seite gestellt:  Gran Reserva "Etiqueta Negra" Cabernet-Sauvignon 2010 Vina Tarapaca (14,5% / 23€) Hier nun Opulenz, ein fruchtgeladenens Geschütz aus dem Maipo Valley: reife Brombeere, viel Schmelz am Gaumen. Das schwarze Label wird nur in den besseren Jahren angeboten. Verteilte festlich-barocke Großzügigkeit am Tisch, sehr gut.



10.01.2012

"Anti Schuhbeck" - Hüttengaudi: Hamburger mit Weinbegleitung


Es wurde sich ja viel empört über Schuhbecks "Hüttengaudi Burger" für Mc Donalds. Fastfood stehe im Widerspruch zu seinen sonstigen Bemühungen im Bereich gesunde Ernährung und Fine Dining. Man war enttäuscht, fühlte sich betrogen, bezichtigte ihn der Unehrlichkeit, erhob gar den Vorwurf des Heuchlertums. Da hätte nur noch ein flammendes Manifest à la Stéphane Hessel gefehlt...
Oh heiliger Idealismus, der da durchschlägt. Auch der Genußkapitalismus ist kein Ponyhof, auch und gerade die Fernsehköche sind Paradebeispiele fürs Abkochen und Publikummelken. Schuhbeck ist kein für die Volksgesundheit tätiger Ernährungsberater, sondern eine durchkaptalisierte breit aufgestellte Marke. Jetzt wurde ein neues Werbesegment besetzt. Wie vorher auch schon für Herta-Wurst.
Was die Burger angeht, sicher kann man die prinzipiell besser machen. Auch die Hüttengaudiburger waren matschiger Mist. Das hat ja schon Dollase (klick) festgestellt, als er mal einen Hamburger von Mc Donalds seziert und konkrete Vorschläge gemacht hat (weniger Brotanteil, mehr Kusperelemente, weniger Cremesoße). Mein Versuch dazu fand schon in der Vorweihnachtszeit statt, mit Weinbegleitung in drei Akten:
  1. Fischmäc mit geschmortem Fenchel, Zuccini und Ziegenkäse
    Dazu ein interessanter Grieche: Chardonnay Zafeirakis 2010 (12,5% / 12€) Helles Gold im Glas, in der Nase Nuß und frisches Weißbrot, reife Banane und Birnenlikör - allerdings alles nicht überbordend, sondern ziemlich fein. Auch im Mund zart und trocken, milder Schmelz und  Säure schaffen Spannung. Schöne Länge. Nicht zu kalt trinken, die Aromen kommen schön zwischen 12-14 Grad. Kleine Menge aus Bioproduktion, Bezug u.a. über Dirk Würtz (klick).
  2. Hawaiburger mit Hühnerbrustfilet und Gruyere
    Dazu kam ins Glas der Enira 200(75 % Merlot, 10 % Syrah und 15 % Cabernet Sauvignon, 14,5% / 10€) aus Bulgarien, vom bulgarischen Weinprojekt von Graf von Neipperg. Wurde als 2007er schon einmal hier (klick) beschrieben. Punktete wieder mit satter Frucht, plaumig, Reifesüße, der Wein "läuft", top.
  3. Hackburger mit Röstzwiebeln, mittelaltem Gouda, Pesto und Chiliöl
    Begleitet von einem gut abgehangenen Reverendo 2001. Der Cabernet aus dem spanischen Navarra stand immer noch gut da, pikant-mürbe Nase nach Trockenfrüchten.

Feine Überraschung aus Hellas:
Zafeirakis Chardonnay, kein dicker, alkohollastiger Klopfer,
sondern ein feindifferenziertes Gewächs



11.10.2011

Attila Gere: Premium - Weine aus Ungarn


Nach den Super Schoppen Shoppern mal was ganz anderes: Teuer und mit Exotenbonus, zwei Premiumweine aus Ungarn. Es sind mächtige Magyaren, von denen ich bis zur Verkostung gar nicht wußte, daß es sie gibt. Luxuswein aus Ungarn, welcher Weinfreund denkt da nicht automatisch an Tokayer, den edlen Süßen ? Der hat in den letzten Jahren wieder einen Aufschwung genommen, so heißt es zumindest. Doch hier nun 2 Rote, schon der "Kleine" steht im Regal für 38€, der "Große" durchbricht sogar die 100€ Grenze...
Attila Gere ist Winzer in Villány, ganz im Süden Ungarns. Es gilt als das "Bordeaux des Ostens". Auf 50 Ha werden neben heimischen auch internationale Rebsorten angebaut, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Blaufränkisch, Pinot Noir, Syrah, Chardonnay, sogar Tempranillo. Vor allem der Merlot hat es dem Attila angetan. Alles wird state-of-the-art verarbeitet, hier gibt es nichts bäuerliches, man strebt zur Weltspitze. Zum Weingut gehören ein Hotel und ein Gourmetrestaurant. Die Weine der Spitzenlinie sind Prestigeobjekte für die Budapester Oberklasse. Viel informatives, auch mit Filmchen, hier auf der Homepage (klick).

  • "Kopar" 2008 Attila Gere (Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc 14,5% / 38€) Das Flagschiff, von den Spitzenweinen des Gutes ist er der "günstigste". Darüber liegen der Solus-Merlot und die Fassselektion (s.u.) Das rustikal-häßlich wirkende Etikett täuscht völlig, der Wein ist absolut elegant. Duftig, nicht übertriebener Beerencocktail, frisch aufgeschäumter Cappuccino, etwas süße Zigarrenwürze. Im Mund sehr stimmig zur Nase passend. Sehr konzentriert mit schöner Fruchtsüße, hängt fast sahnig am Gaumen. Das Ganze irgendwo zwischen rechtes Ufer Bordeaux und Napa Valley. Top.
  • "Attila" 2007 Attila Gere (Rebsorten s.o. 14,5% / 105€) Der teuerste Wein Osteuropas ? Hier ist die Aufmachung modern, mit dem geschwungenen Attila, trotzdem häßlich. Am Design muß hier noch gearbeitet werden. Am Inhalt gibts nichts zu kritikastern. Das wäre vermessen, der Wein hat Grand Cru Qualität, ist großer Stoff. Zwar auch hier viel Alkohol und eher "hot-climate" Charakter, trotz aller Reichhaltigkeit jedoch auch Finesse und aromatische Vielschichtigkeit und Tiefe. Likörige Fülle, reife Pflaume, langwirkender Schmelz. Würde ich mir als Weihnachtswein öffnen, wenn es da nicht für den Preis noch so viele andere Optionen gäbe...

    beide z. Zt. bei Mövenpick Weinkeller

Attila Gere mit seinem Attila



08.08.2011

Südtirol: Puntay Cabernet - Sauvignon 2007

Intensiv, warm, weich, würzig:
Cabernet trifft auf Lamm 
Eine geschenkte Flasche, ein erster flüchtiger Blick - Name und Aufmachung mit dem goldenen "Cabernet Sauvignon" auf tiefem Schwarz ließen mich im ersten Moment an Kalifornien, Chile oder Australien denken. Puntay, so könnte ein Wein von da auch heißen. Und könnte auch so aussehen. Erst das kleine "erste + neue" auf dem Etikett machte klar: Ein Südtiroler ! 

In Kaltern gibt es zwei Genossenschaften, die 1906 gegründete Kellerei Kaltern, (450 Weinbauern mit einer Anbaufläche von rund 300 ha) und die Erste + Neue Kaltern (500 Erzeuger auf ges. 280 ha). Beide Verbände sind, wie generell die Südtiroler Genossen, sehr innovativ. So auch hier:

  • Puntay Cabernet Sauvignon 2007 Erste und Neue Kaltern (14% / ca. 19€) Puntay markiert die Spitzenlinie im Sortiment, gibt es auch als Sauvignon blanc, Gewürztraminer, Vernatsch, Lagrein, Merlot. Ein sehr satter Wein, dunkel, in der Nase röstig, dicke Frucht, am Gaumen warm, weich mit schöner Reifesüße. Mit dem gegrillten Lamm zusammen ein wahrer mouth-pleaser, sehr angenehm.

Noch Alpen - schon Süden:
Rebhänge am Kalterer See



15.06.2011

Thera: Ahr goes Turkey


Zwei Weinfreunde aus Dernau an der Ahr machen einen Wein in der Türkei! Frank Josten träumte schon länger den Traum vom türkischen Wein und ergriff schließlich 2005 die Initiative. Er nahm Herrman-Josef Kreuzberg vom bekannten Weingut Kreuzberg in Dernau mit an die türkische Ägäisküste und überzeugte ihn, dort ein Weinprojekt zu beginnen. Zusammen mit Mustafa Al betreiben sie nun seit 2006 gegenüber der griechischen Insel Rhodos in der Provinz Mugla die Thera Winery. Die Weinberge sind bestockt mit Cabernet-Sauvignon und Syrah, befinden sich 25 Kilometer vom Meer entfernt und sind gelegen zwischen 300 und 700 Höhenmetern. Die erste Abfüllung (Jg. 2007) ist erfolgt nach 22 Monate Barriquelager, unfiltrierter Füllung und einem Jahr Flaschenreife. Das ganze (vorerst) in Kleinstauflage, mit viel Herzblut und Leidenschaft. Ein wirkliches Autorenwerk, hier der erste Jahrgang. Die Flasche kostet 29€. Das muß angesichts des Aufwandes und der geringen Menge wohl so kalkuliert werden - der Wein ist aber auch richtig gut !
  • "Thera" Cabernet Sauvignon / Merlot 2007 (13%  / 29€) Tiefdunkle Tinte, auch in der Nase nicht schüchtern, dunkle Frucht verspricht Reichhaltigkeit. Im Mund dann präsente aber, und hier muß ich das Wort mal gebrauchen, feinkörnige Gerbstoffe. Kriegt dadurch eine sehr maskuline Note. Das ganze eher auf der sportlichen Seite, der Wein ist nicht geprägt durch überreife Frucht, Süße und übertriebenen Schmelz. Auch der Holzeinsatz ist sehr gelungen, man spürt hier eher die Handschrift der Dernauer Spätburgunderwinzer und den Wunsch, auch im heißen Süden einen Wein mit Finesse zu machen. Hat einen anderen Charakter als z.Bsp. der "Corpus" vom Weingut Corvus, ebenfalls an der türkischen Ägäisküste. Der ist auch aus internationalen Rebsorten gemacht, aber eher im Blockbuster-Stil gehalten ("üppig ausgestattet wie der Harem eines osmanischen Sultans"). Und mit einem VK von 39€ der teuerste Wein aus der Türkei (Verkostung hier).
    Der Thera im Glas schmeckt einfach sehr gut, ist moderat im Alkohol und macht Lust auf den nächsten Schluck. Ein winziger Rest war nach 4 Tagen noch in der Flasche, den hab ich grad beim Schreiben aus Neugierde probiert, selbst der war ein Genuß.


25.05.2011

Kleiner Bordeaux - 10 Jahre alt


Eine Kellerentnahme mit Anlaß, in diesem Fall sogar ein runder Geburtstag. Das Geburtstagskind, Jahrgang 2001, hat aber nix abbekommen - noch zu jung. Aber der Wein war nach 10 Jahren in schöner Reife. Ein Wein ohne Übertreibungen, kein lauter Klopfer, ein kleiner Bordeaux.
  • Chateau Dutruch Grand Poujeaux Cru Bourgois 2001 Moulis en Medoc (12,5% / ca. 20€) Ein inhabergeführtes 30ha Gut, je zur Hälfte mit Merlot und Cabernet - Sauvignon bestockt. Der Hausstil ist eher klassisch-traditionell, ohne Hilfsmittel, man setzt auf "Charme und (Jahrgangs)charakter".
    Schon sehr entwickelt, orangebraun, durchaus duftig, Erde, Pfeffermühle, Zigarrenkiste, die, in der Mädchen früher ihre Glanzbilder aufbewahrt haben. Der Wein also schön mürb geworden und jetzt absolut trinkreif. Im Mund schlank, Kirschkerne, leichte Säure. Kein Hedonist im Glas, hat Feinheit, stellt sich nicht mit lauten aufdringlichen Aromanoten in den Vordergrund. 

14.05.2011

Südtirol Teil 6: Cabernet & Co.


Südtirols Weinrenaissance basiert stark auf der Erzeugung von Weinen aus sog. internationalen Rebsorten. Die hatten zwar zum Teil schon eine gewisse Historie dort, man setzte aber seit den 70er Jahren vermehrt auf Cabernet - Sauvignon und Merlot, bei den Weißen auf Cabernet -  Sauvignon und Chardonnay, um neben dem "Zechwein" Vernatsch auch im veredelten Bereich etwas vorweisen zu können, ganz ähnlich wie z.Bsp. zur gleichen Zeit in der Toskana mit den Supertuscans. Man wollte weg vom bäuerlichen Törggelenschlotzer, sich international positionieren, Südtirol sollte in die Welt, Exportmärkte erobern. Ein Benchmark, ein Gipfelpunkt, auch preislich, ist immer noch Lageders Cor Römigberg (eine Verkostung mit schönem Bericht hier bei Dirk Würtz).
Ich griff zu anderen Vertretern, vor Ort wurden zwei rote Cuvées besorgt: Der Arzio von Baron di Pauli und der Amistar von Sölva. Dazu brachte ein Weinfreund noch sehr passend einen Cabernet der Kellereigenossenschaft Kaltern aus der Selektionslinie Campaner mit in die Verkostung ein.


  • "Campaner" Cabernet Sauvignon Riserva 2007 Kellerei Kaltern (85% Cabernet Sauvignon, 5% Merlot, 10% Cabernet Franc /  13,50 % / ca. 12€) Schon was Besseres von den Genossen aus Kaltern, dunkles Rubinrot, satte Farbe, auch schöne satte Nase. Reife Frucht, auch einiges an Schoko und Karamell drin, weicher saftiger Mundschmeichler, mittlerer Körper, auch am 2ten Tag noch frisch. Perfekt gemachter, vielleicht etwas glatter Cabernet. Für den Preis absolutes Schnäppchen. 91/100
  • "Arzio" 2006 Baron di Pauli Kaltern (50% Merlot, 25% Cabernet Sauvignon, 25% Cabernet Franc / 13% / ca. 30€) Seit über 300 Jahren befindet sich das Weingut Di Pauli in Familienbesitz. Im 19. Jahrhundert war der gesamte Kalterer See mal im Besitz der Familie Di Pauli, bis er 1901 an die Gemeinde Kaltern verkauft wurde. Auf dem Arzenhof  bereitet man seit 2003 unter dem Namen Arzio einen traditionellen Bordeauxverschnitt. Laut Manfred Lüer (Wein spricht Deutsch) die "vielleicht beste Rotweincuvée Südtirols", das hat natürlich meine Neugier geweckt. Leider ergab sich ein zwiespältiges Bild. Direkt nach dem Aufziehen seidige Pflaumennase, satter Körper, relativ weich, wohlabgestimmt, Gerbstoffe unauffällig, eher feminin, wie ein Bordeaux "vom rechten Ufer". Wirkte schon recht weit entwickelt, nicht sehr lebendig. Am zweiten Tag dann Amaronenase, der "Oxydativ" schlägt kräftig zu, zunehmend auch Bitterkeit, kein großer Genuß mehr. Am dritten Tag endgültig über den Berg, der Wein zerfällt und hinterlässt Ratlosigkeit. Möglicherweise liegts am Jahrgang. Laut Weingutsbeschreibung soll der Arzio nämlich "am Gaumen dichten Schmelz und ein festes Rückgrat" haben. Und für "ein langes Leben" vorbereitet sein. Auch angesichts des Preises deshalb nur 87/100.
  • "Amistar" Cuvée Rot 2007 VdT Peter Sölva & Söhne (30% Lagrein, 30% Merlot, 30% Cabernet Sauvignon, 5% Cabernet Franc, 5% Petit Verdot / 14% / ca. 25€) Ein historisches Weingut (die Ahnen waren spanische Einwanderer), offiziell im Jahre 1731 gegründet. Mit der Amistar - Linie gibt man sich hier besondere Mühe. Es wird spät und reif gelesen, darunter ca. 10% Trockenbeeren ( am Stock getrocknet). Während der Gärung dann Saftentzug von etwa 30% für stärkere Extraktion. Dichtes sattes Rot, undurchdringlich. Starke Nase: Tabak und Beeren, herb und süß zugleich. Im Mund zu Beginn ein "Tannintapezierer", der Wein reitet Attacke. Hat was ungezügeltes, wildes. Am zweiten Tag gerundeter, aber immer noch ein lebendiger Wein mit Tiefe und Frische. Kein Anzeichen von Müdigkeit,  auch am 4ten Tag noch Top. 93/100


29.03.2011

Neues Deutschland

Deutsche Winzer und auch viele Weinhändler propagieren gerne traditionelle Rebsorten. Lokale Identität beim Wein ist gut, darf aber nicht in Hardcore - Regionalismus ausarten. Wer will schon die Diktatur von Riesling und Spätburgunder ? Aus "deutschen Rebgärten" kommt mittlerweile so viel mehr, offenes Weindenken ist angesagt. Zwei Beispiele, probiert am Wochenende auf der Weinmesse in der Zeche Zollverein in Essen. Zwei aromatische Pfälzer, auch für Weinfreunde, die sich sonst gern am europäischen Süden oder an Übersee orientieren.

  • Hier wird stark die Ökokomponente betont. Biodynamik, Spontangärung, spätes Abfüllen, Terroirkonzept - der junge Sven Leiner zieht alle Register und begießt seine Reben auch schon mal mit Kamillentee. Ausführlich und sehr schön seine Hompage (klick) zum Thema, da auch verlinkt ein Artikel von Axel Biesler aus Slow Food 3/2006.
    Zitat: "Der frische Chardonnay-Most wurde unfiltriert in Barriques aus französischer und pfälzer Eiche gefüllt, Vergärung mit natürlicher Hefe, incl. biologischem Säureabbau. Der Wein verweilte insgesamt 11 Monate im Barrique, währenddessen wurde die Hefe hin und wieder aufgerührt."
    Der "Hadorne" ist nicht schüchtern. Deutliches gelb, er "wagt Nase", volle Frucht, eine reiche Schale mit Mango, Papaya und Karambole. Auch im Mund fruchtiger, reifesüßer Schmelz. Es muß nicht immer fordernde Mineralik sein...
  • "Tu le Merites" 2008 SHP Weincooperation Pfalz / Deutschland (12,50€ / 13%) Das Gemeinschftsprodukt der beiden Pfälzer Markus Schneider und Thomas Hensel. Der Wein scheint "ganz weit weg von Deutschland", um mal Stuart Pigott zu zitieren. Eine Cuvée aus Cabernet-Sauvignon, Merlot und Syrah, teilweise Ausbau im Barrique. Tiefe reifsaftige Frucht schon in der Nase. Der will schmecken und der schmeckt auch: Brombeere, Cassis, Minze, Tabak. Die Gerbstoffe sind offen, die Säure steckt ganz in der Frucht.
Bericht zur Zollvereinweinmesse hier beim Genießer.

21.03.2011

Weine vom Wochenende...

...gab es einige. Viel Genuß aber auch nötige Entspannung angesichts der Nachrichten: Mal eben ein neuer Krieg, die Feuerwehr versucht weiter, das Atomfeuer zu löschen und dann torkelt in Berlin auch noch der Knut tot ins Wasser. (Vorsicht, nur bei starken Nerven anklicken !)


  • Erstmal ein Champagner, wieder, wie schon letzte Woche, ein Kellerfund: Nicolas Feuillatte "Réserve Particulière Brut" Champagne / Frankreich (12% / ca. ca. 30€). Ein Großerzeuger mit einem Ausstoß von über 8 Millionen Flaschen pro Jahr, eigentlich ein Markenchampagner ohne große Persönlichkeit. Die 30€ zahlt man, weil eben Champagne draufsteht. Die Aromatik ist zurückhaltend, hat aber Frische und Feinheit. Ein typischer Aperitif-Schäumer, der keinem wehtut und der sich anpasst. War aber dann zum schaumigen Forellenmuß mit Dill ein genußvoller Einstieg.
  • Das Motto des Abends war eigentlich Griechenland, bzw. Kreta, das Sommerziel für dieses Jahr. Also wurde ein roter Grieche geöffnet. "Amethystos 2007" Costa Lazaridis Winery / Drama / Griechenland (14,5% / ca. 12€ in Griechenland gekauft). Eine Überraschung, ich hatte eigentlich weniger erwartet. Was hier aus dem Glas kam hatte echte Klasse. Sehr Bordeux - like, schöne reife Kaffee-Cassis-Nase. Am Gaumen warm und sanft. Ein reichhaltiger und hochwertiger Wein aus der Region Drama im gebirgigen Norden im Grenzgebiet zu Bulgarien. Die Rebsorten sind Cabernet Sauvignon, Merlot und Limnio.
Dann am Sonntag ein kleines Duell, aus dem aber noch ein wunderschönes Duett wurde: ein Südfranzose gegen/mit einem Süditaliener.


16.12.2010

3. Advent - 3 Weine


Bei den Roten war eine gewisse Gefälligkeit, leichte Trinkbarkeit gefragt, ich wollte mittrinkende Weinlaien an so einem schönen Tage nicht überanstrengen, sanfte Stimmung war gefragt...
  • Deshalb zunächst ein weich-süffiger Deutscher von der Nahe: Cabernet Mitos 2008 Paul Neumann / Nahe (13% / 9,70€). In der Nase starke Primärfrucht von der Obsttheke, dichte schwarze Johannisbeeere, ganz leichte Vanille, obwohl nicht als Barrique deklariert. Sehr saftig, im Mund, frisch, kullert runter wie Fruchtsaft, gerbstoffarm, zwar feinherb mit Restzucker, aber nicht zu auffällig, nicht zu süß. 
  • Dann ein Chilene: Errazuriz Cabernet Sauvignon / Chile (13,5% / ca. 9€). Ebenfalls sehr duftig, kleinbeerige Frucht, durchaus Ähnlichkeit mit dem Mitos, macht Lust auf den ersten Schluck. Im Mund dann auch hier viel Frische, nicht fett, mittlerer Körper, im Vergleich zum Deutschen mehr Säure, mehr Würze, mehr Druck im Mund, auch mehr Länge.

14.12.2010

Südafrika - Probe in Essen

Thilo Marquaß und Axel Biesler
Es gibt Weinhändler, die bieten ihre Flaschen an im Stil der Marktschreier, loben ihr Sortiment in den siebten Weinhimmel oder vergeben sogar eigene Punkte für Weine, für die gerade keine Parker-, Gabriel-  oder Spectator - Punkte zur Verfügung stehen.
Nicht so Thilo Marquaß von der Weinhandlung Rolf Kaspar in Essen, der sein Marketing mit einem gewissen Understatement betreibt. Sein Fazit nach einer Probe mit südafrikanischen Weinen aus seinem Sortiment leitete er jedenfalls mit den Worten ein: "Beim Wein muß man Europa nicht unbedingt verlassen." Bei der Vielfalt an Rebsorten, Regionen und Stilen in good old europe vollkommen richtig. (Es gibt natürlich auch Weinfreunde, die sagen würden, man müsse beim Wein Deutschland nicht verlassen, da würde ich widersprechen.) 
Dabei hatte das von Axel Biesler (büffeln und süffeln) geleitete Weinseminar Südafrika durchaus seine Höhepunkte. Und zwar gerade da, wo die Weine eben nicht Geschmackskopien waren, sondern eigenen Charakter zeigten.

  • Zum Beispiel Sauvignon Blanc 2008 gegen Chenin blanc 2008, beide von Allée Bleue im Franschhoek Valley. Der Sauvignon mit intensiv fruchtigen Primäraromen, Limette, Ananas, ein saftiger Schluck, wie ihn viele mögen. Dagegen der Chenin, im Mund weicher, cremiger, rauchiger (z.T. Ausbau im großen Barrique) - mehr Charakter !
  • Ähnlich gelagert der Flight Pinotage "Starlette" gegen Cabernet-Sauvignon, ebenfalls beide von Allée Bleue. Der Cabernet (12,50€) ein typischer moderner Vertreter: Reife Paprika, Cassis, Süße, im Mund nicht fett, hat Frische. Für mich besser der Pinotage (10€ / 15 % Alc. / Rebzüchtung aus Pinot Noir und Cinsault). In der Nase schöne intensive Zartbitterschoko, süße Frucht, abgeschmolzene Gerbstoffe. Erinnert insofern an einen Pinot oder auch an deutschen Spätburgunder, eher fetten Charakters, hatte aber auch diesen typischen rauchig-torfigen Südafrika - Ton. Mein Favorit des Abends.
  • Im letzten Flight dann die beiden Kracher, der 2007er De Grendel Shiraz (14,5 % Alc. / 16€), roch und schmeckte nach auf Holzkohle gegrilltem rotem Fleisch mit dick Pfeffer drauf, ein Powerwein, der in der Runde sehr gut ankam. Axel Biesler verglich ihn mit einem Chateauneuf du Pape, ich hatte nicht diese Assoziation. Die Südfranzosen sind trotz aller Potenz in der Regel duftiger, feiner, differenzierter. Dann der Spitzenwein von Allée Bleue: "L´ Amour Toujour" 2007 (23€ /14 % Alc.). Eine (wilde) Mischung aus Cabernet, Merlot, Grenache, Shiraz und Petit Verdot. Man spürte den Drang zur Hochwertigkeit, schien mir aber aromatisch noch noch nicht integriert/trinkfertig - ewige Liebe entwickelte sich bei dem kurzen Flirt im Glas noch nicht.
Zur Probe auch hier beim Genießer.




03.08.2010

Das Podium: Siegerweine


Drei Wochen Tour de France - drei Wochen Tour des Vins ! Viele Weinregionen Frankreichs wurden mit Kultur - und Reisebeschreibungen vorgestellt, insgesamt 30 Weine wurden zu den Etappen verkostet. Nicht zu vergessen die Trappistenbiere zu den Auftaktetappen durch die Niederlande und durch Belgien.
Nachdem vorletzten Sonntag auf den Champs-Élysées Alberto Contador, Andy Schleck und Denis Menchov zusammen auf das Podium gestiegen sind, hier nun meine drei Siegerweine.
  1. Les Forts de Latour 1988 Paulliac / BordeauxDer Klassiker - "Le Grand Seigneur". Kein lauter Klopfer mehr, ruht in sich, gereifter Langstreckenfahrer, Ehrensache, daß er in Gelb ganz oben auf dem Treppchen steht.
  2. Überraschung, ein Außenseiter aus dem Mittelgebirge. Charakterstark, eigensinnig, individueller und origineller Stil. Holt auch das gepunktete Trikot.
  3. Strotzt vor Kraft. Noch im jugendlichen Überschwang, ein warmer Vollschmecker, ein saftiger und offenherziger Überwältiger. Auch in Weiß, bester Jungfahrer.

    Tour des Vins 2010:
    Weindeuter und Priorat Hammer bloggen die Tour de France 2010



31.07.2010

Zwei Langweilerweine


Wein braucht Charakter ! Wenn Eigenart und Eigensinn des Winzers, der Region, der Rebsorte etc. im Glas auftauchen, ist es immer gut. Für Gelegenheitstrinker ist das manchmal allerdings nicht immer so lecker, weshalb für die jede Menge "Nummer-Sicher-Weine" gemacht werden. Die Regale sind voll davon und man sollte als Weinfreund da auch nicht hochnäsig sein: Diese Weine bilden eine Art Grundversorgung, verhindern ein Überlaufen des weltweiten Weinsees und sind häufig ja aromatisch absolut trinkbar. Die preisliche Schallmauer liegt bei 5 €. Zwei Weine, beide preislich darüber und beide aus berühmten und großen Häusern stammend, wurden verkostet und entäuschten im Doppelpack.
  • Mouton Cadet 2007 Baron Philippe de Rothschild / Bodeaux (Merlot,Cabernet-Sauvignon, Cabernet -Franc). Der älteste Markenwein der Welt, ein genialer Marketingschachzug schon im Jahre 1930 war es, etwas vom Glanz des großen Mouton-Rothschild auf einen einfachen Bodeaux ohne genaue Ortsappellation zu übertragen. Dies ist der meistverkaufte Wein aus dem Bordelais und einer der meistverkauften Weine der Welt überhaupt: Jahresaustoß in 2002 laut Wikipedia 15 Millionen Flaschen ! Ein Wein also, dessen Geschmack Millionen Menschen mit Bordeaux verbinden, oft auch in dem Gefühl, etwas besonders Gutes gekauft zu haben. Das hab ich mehrfach selbst erlebt, auch diese Flasche war ein Tischgeschenk. Aromatisch passiert nicht viel, ein schmaler Riemen aus Frucht, etwas Säure ohne Länge, easy drinking. Man könnte sagen, o.k. zum Essen. Aber da gibts anderes, mit mehr Persönlichkeit und Charakter und für weniger Geld.
  • Gran Coronas Reserva Cabernet Sauvignon 2005 Torres / Penedes (Cabernet- Sauvignon,Tempranillo). Ähnlich wie Mondavi kultiviert Torres sehr die Tradition einer Winzerfamilie. Dahinter steht aber ein hochmodernes weltweit operierendes Weinunternehmen mit 2100 ha eigener Rebfläche und bedeutendem Traubenzukauf, um überall die bekannten Etiketten verkaufen zu können. Es gibt auch einige Spitzengewächse, der Gran Coronas ist obere Einstiegsklasse und steht in vielen Regalen des LEH - da hab ich ihn auch mitgenommen, ein Impulskauf für immerhin 11€. Da geht oft schon die Musik ab, auch aus Spanien. Hier Fehlanzeige, der Wein ist glattgebügelt, die Aromatik kommt wie mit angezogener Handbremse. Etwas Vanille, etwas gesüßter Kaffee. Schwaches Mundgefühl, hinten raus schnell weg. Nichts gegen einen kleinen Spanier, eine gutgemachte Crianza kann sehr lecker sein. Der hier läuft unter Reserva und ist  für 11€ klar zu teuer.

26.07.2010

Genug gelegen, jetzt wird getrunken (5)


Die vorletzte Etappe der Tour de France bot Anlaß, eine schon länger liegende Flasche zu entkorken. Zielort des Zeitfahrens am letzten Samstag war nämlich der Quai Antoine Ferchaud  im unter Weinfreunden nicht unbekannten Paulliac, direkt am Ufer der Gironde. auf dem Gemeindegebiet sind allein drei Premiers Crus beheimatet: Lafite, Mouton und Latour.
  • Les Forts de Latour 1988 Paulliac  Der "Grand Vin" Chateau Latour erreicht, wie die anderen Bordeauxspitzen auch, mit dem 2009er Jahrgang irre Preishöhen durch eine weltweit spekulativ aufgehitzte Nachfrage. 1200€ werden pro Flasche in Subskription aufgerufen ! Und davon werden um die 220.000 Flaschen abgefüllt, eine stattliche Anzahl. Für ein Zehntel davon gibt es den "Zweitwein" Forts de Latour, wobei auch davon ca. 150.000 Flaschen auf den Markt geworfen werden. Meine ´88er Flasche habe ich im Juli 1998 für 79,90 DM gekauft. Der ´88er Jahrgang gehört noch zu den klassichen Jahrgängen, vor dem Einzug der modernen Önologie in die Keller mit Mostkonzentration und Mikrooxydation etc.
    So präsentiert sich der "kleine" Latour in einem schönen Reifezustand, zart, schlank, feinduftig mit nur 12% Alkoholgehalt. Orangefarben aufgehellt im Glas, in der Nase nach einiger Standzeit dezent aber schön offen und warm, Orangenschale und Zigarrenkiste. Im Mund schlank, kein breitschultriger Überwältiger. Sehr lecker fließend, zusammen mit einem Stück Morbier ein weicher cremiger Genuß.  Die Flasche war, zu dritt getrunken, schnell weg.  

15.06.2010

"Bulletproof" Cabernet aus Chile


Nach der schönen Mätresse wurde eine äußerst hässliche Flasche geöffnet, vielleicht die hässlichste der Welt. Auf jeden Fall eine mit überbordendem Machismo, was ja zum Inhalt  der Flasche passt, es war nämlich Cabernet-Sauvignon aus dem chilenischen Maule Valle drin. Die als "durchschußsicher" (bulletproof) deklarierte Flasche wäre sicher auch passend für Weinproben an Schauplätzen des Drogen-Kriegs wie Ciudad Juárez in Mexiko, wo allein im letzten Jahr 2700 Morde registriert wurden.
Chilene mit Panzerung

12.05.2010

Der Casanova...

...vom Weingut Kreuzberg in Dernau an der Ahr konnte ja als Cabernet-Exot mit seiner ganz eigenen Art gut gegen einige Brummer aus Übersee bestehen (hier nachzulesen). Als Nachtrag nun einige Informationen zum Wein, direkt von Ludwig Kreuzberg. Vor allem die produzierte Kleinstmenge beeindruckt, der Wein ist im Grunde eine Rarität:

Vom CaSaNova machen wir derzeit rund 1000-1200 Flaschen. Ab dem diesjährigen Jahrgang gibts etwas mehr, da wir 2008 noch eine weitere Anlage gepflanzt haben. Wir ernten im Schnitt nur ca.30-40 hl/ha und bauen den Wein in der Regel 17-18 Monate zu 2/3 in neuen Barriques aus amerikanischer Weisseiche aus.
Nachdem wir Anfang/Mitte der 90er jahre großen Ärger mit den Behörden wegen einer nicht genehmigten Anlage hatten gibt es den Wein jetzt seit 1998. Die nicht genehmigte Anlage brachte uns zwischen 1993-1996 schon sehr gute Ergebnisse.

Mit freundlichem Gruß aus dem Ahrtal

Ludwig Kreuzberg

09.05.2010

Dicke Brummer...

...wurden gestern aufgezogen - Weine, die bei der letzten Mövenpick - Probe aufgefallen waren und die einer intensiveren Prüfung unterzogen werden sollten. Dazu gab es dann auch noch eine Überraschung...
  • Einstieg war der UGABA 2008 von Anwilka aus Stellenbosch in Südafrika. Es ist wohl der gleiche Wein, der unter dem Fundi Label ("Wein mit Lehrauftrag") von Anwilka abgefüllt wird. Den hatte ich ja am 1. Mai und war da schon angetan. Ein Cabernetvollschmecker (mit Merlot + Syrah), sehr warm mit dunkler schokoladiger Frucht und würzigem Finale. Schmeckt teurer als er ist (15€), das Weinprojekt mit französischem know-how (Bruno Prats) ist noch im Aufbau, 2005 war der Debütjahrgang.
  • Dann der SALDO 2008 von Orin Swift Cellars (27€) aus Kalifornien, eine Zinfandelbombe (15,5% ) mit ähnlicher Aromatik wie der UGABA, machte aber noch mehr Druck in Nase und Gaumen. Dabei keine Trinkmarmelade, die Reifesüße und der Alkohol sind eingepackt in eine gewisse Fruchtfrische. Eine große weite Welle also, für geübte (Kraft)weinsurfer kein Problem...
  • Der Dritte im Flight war ein Klassiker aus Chile: DON MAXIMIANO FOUNDERS RESERVE 2006, das Flagschiff von Errazuriz (38€) aus dem Acongagua Valley. Überbordende Cassisnase, irrer Duft, der da aus dem Glas kam. Man konnte sich mit dem Trinken Zeit lassen, die Nase reichte eigentlich schon. Im Mund cremige Fülle, Frucht und Gerbstoffe perfekt beisammen, viel Tabak, ein sanfter Riese.
Aber was machen Weinfreaks, wenn sie solche intensiven Überseeflaschen vor sich haben ? Es überkommt sie ein gewisser Zweifel, ein Wille, das Phänomen noch einmal anders zu beleuchten. Und deshalb wurde im Sinne der Dialektik und mit einem gewissen Übermut noch ein Cabernet-Sauvignon aufgemacht, aus einer ganz anderen Welt, von der Ahr !
  • CASANOVA 2007, der in geringer Menge erzeugte Cabernet von Kreuzberg (21€) aus Dernau/Ahr. Schon die Flasche - statt in dicker Pulle abgefüllt in einer schlanken Schlegelflasche. Die Farbe, nicht dunkle Tinte wie oben, sondern durchscheinend, transparent. Natürlich waren Duft und mouthfeel hier weniger üppig, schlanker, weniger intensiv. Aber er konnte mit seiner sehr fokussierten Frucht und mineralisch-rauchigen Art durchaus gegen die Brummer bestehen, brachte sogar eine Erfrischung für die geplagten Gaumen. Auch hier war Stoff drin, der direkte Glas an Glas-Vergleich  mit dem Chilenen machte absoluten Spaß.
  • Als Nachtisch gabs dann noch was Süßes: Chateau Le Fagé aus dem Montbazillac mit einem Botrytistraubenanteil von ca. 70% und ohne Holzausbau. Deshalb kommt hier der edelsüße Genuß sehr frisch und lebendig daher.
Zweimal Cabernet-Sauvignon:  Chilenisches Dickschiff und Kreuzbergs CaSaNova von der Ahr. Ja darf man das denn überhaupt zusammen trinken ?