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25.01.2010

Wein auf Hugenpoet...


...gab es gestern jede Menge zu probieren: Deutschland, Österreich, Portugal - die Schwerpunkte von Thomas Kierdorfs "Vino Grande". Anders als der Name vielleicht vermuten läßt, ist sein Ladengeschäft in Essen Rüttenscheid ja eher klein, verkostet wird da in einem gemütlichen Hinterzimmer.
Einmal im Jahr aber gibt es beim Kierdorfschen Weinevent in den prächtigen Räumen von Schloß Hugenpoet wirklich "Vino Grande": 38 Erzeuger präsentierten persönlich, darunter etliche "Weinpromis". Interessant dabei, wie unterschiedlich die auftreten und ihr Sortiment anbieten. Locker-bescheiden in Jeans Reinhard Löwenstein, mit Leidenschaft, redselig und mit i-Book Roman Niewodniczanski (van Volxem), eher routiniert wie Markus Molitor oder leise und mit einer gewissen Traditionsaura Egon Müller der Vierte vom Weingut Scharzhof. Die Vier markieren die Spitze an Mosel und Saar, die probierten Rieslinge waren zwar, wie ihre Erzeuger auch, von unterschiedlichem Charakter, aber natürlich klasse. Die Großen Gewächse von Löwenstein (Röttgen/Kirchberg/Uhlen) und Van Volxem (Goldberg/Kanzemer Altenberg/Wiltinger Gottesfuß) sind in ihrer reichhaltigen Art mit anregendem süß-säure Spiel für mich als eigentlich Nicht-Riesling-Trinker beeindruckende Genußerlebnisse. Einen schönen Vergleich ermöglichte Egon Müller IV: Sein Scharzhofberger Kabinett Riesling gab es als Jg.2008 (29,90€)  und in prächtig-goldgelber Reife aus dem Jahr 1995.
Ansonsten war die Auswahl natürlich riesig, deshalb bin ich durch die Räume ohne Drang zur Vollständigkeit "gebummelt", dazwischen gab es ja auch noch die Gelegenheit, fünf kleine Tellergerichte aus der Küche von Erika Bergheim zu geniessen (im Preis von 49€ mit drin). Deshalb in aller gebotenen Subjektivität hier noch ein paar (W)eindrücke.
Jaspis Spätburgunder (35€) von Ziereisen (Baden): "zart + hart". Blaufränkisch Ried Mariental (56€) von Triebaumer (Burgenland): "Frucht, Säure, mittlerer Körper, seltsam", Pinot Grand select (39€) von Wieninger (Wien): "Barrique-Schmelz, warm, voll". Höhenflug (12,90€) von Thomas Hensel (Pfalz): "Merlot in sehr lecker" (Tip: Die Homepage klicken, ist mit Stuart Pigott). Nebenan Markus Schneider mit einer ebenfalls zu dieser fortgeschrittenem Stunde sehr trinkbaren Steinsatz Cuvée (26€). Danach die "Absacker", der Übermut (24,90) von Hensel/Schneider, der Port aus der Pfalz, ein Gemeinschaftswein mit Ursprung noch aus der Zeit von Pfalz Hoch Drei (Sex Machine). Dann die "richtigen" Ports am schwer umlagerten Stand von Dirk van der Niepoort: LBV 2005, Colheita 1998, Vintage 2007 - dunkelsüße, tabakrauchige Elixiere.

Weiteres hier beim Geniesser (der auch dankenswerterweise den Fahrdienst von Essen-Kettwig nach Bochum übernahm).

Roman Niewodniczanski, Egon Müller, Reinhard Löwenstein, Dirk van der Niepoort, Thomas Hensel, Fritz Wieninger - alle da !

03.02.2009

Charme und Robustus - zwei noble Portugiesen


Ein spannender Weinprobentermin im Hinterzimmer einer 2-Raum Weinhandlung in Essen (Vino Grande), versammelt war eine kleine elaborierte Herrenrunde, eine Art After-Work-Weinklub. Und es gab entsprechenden „Stoff“. Nicht von der (ein)gängigen Sorte, sondern seriöse „Debattierweine“.
Alles lief auf 2 Portugiesen zu, zwei mächtige Flaschen aus dem Hause Niepoort für je 67€. Niepoort - ein traditionelles Portweinhaus, vor 167 Jahren von Niederländern gegründet und noch immer in Familienbesitz, daß auch seit einiger Zeit herausragende „Normalweine“ erzeugt.

Charme 2006 polarisierte die Runde, sehr hell in der Farbe, zarte florale Nase, im Mund weich, transparent, auf der Zunge tänzelnd. Das Wort Burgund fiel, ja er hatte einen Pinot - Touch, ja - er war differenziert, ja - man konnte so einiges erschmecken, dennoch: Niepoorts Charmeur war für mich etwas zu elegant und weich, ein edel gekleidetes Modell. Wie früher Claudia Schiffer, teuer - aber auch etwas langweilig.

Robustus 2004 machte da schon etwas mehr Druck, dunkler, würziger in der Nase, schwarze Schokolade, Noten vom Barrique, jedoch auch kein „Dickschiff“, kein „Fruchtmonster“ , Säure und Tannine machten den Wein lebendig. „Serious stuff“ gewiss - trotzdem wurde angesichts des Preises nachgefragt und so einiges in den Raum gestellt: „Kommt die Länge von der Säure oder von der Frucht ???“ war so ein Kommentar.

Weindeuters Verdict: Differenzierte sinnliche Gewächse, die Raum für endlose Debatten bieten, so wie ein Stück von Pina Bausch - nicht jedermanns Sache…