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10.01.2014

Weihnachtswein 2013: Ein Edler aus dem Morgenland


Neues Jahr, neue Weine. Weindeuter gehört nicht zu denen, die sich zum Jahresbeginn alberne Vorsätze nehmen, so in Richtung Verzicht und Gürtel enger schnallen. Und deshalb geht es hier auch immer weiter mit Verkostungen und besonderen Genußmomenten. Auch in 2014 läuft hier das Weintagebuch aus dem Ruhrpott, viele Weine werden in die stets aufnahmebereiten Gläser fliessen, es wird gerochen, geschmatzt, gegurgelt und geschluckt.

Doch zunächst ist noch einiges nachzutragen aus 2013. Nach den Adventsweinen (klick hier, hier und hier) gab es natürlich auch einen Weihnachtswein. Und das war in diesem Jahr ein sehr Passender, denn er kam ganz so wie die heiligen Drei Könige aus dem Morgenlande zu uns her...

Doch der Reihe nach. Zu Weihnachten regiert die Traditon, keine kulinarischen Experimente. Das gibt Halt auf hoher See und vereinfacht die Abläufe, auch wenn es hektisch wird. Weder Hummer noch Bockwurst - hier gibt es zum Heiligabend immer: Maronencremesuppe, einen winterlichen Salat mit Orangen, roter Beete, Walnüssen und dann einen Krustenbraten vom Schwein. Der hatte in diesem Jahr die beste Kruste, weil ich zum ersten Mal etwas Entscheidendes richtig gemacht habe. Statt die dicke Fettschicht zunächst im Bräter scharf anzubraten, habe ich die nämlich erstmal eine Stunde bei nicht zu großer Hitze im Fond geschmort. Sie schwitzte aus, wurde dünner, wurde weicher, ließ sich herrlich einritzen. Dann das Ganze umgedreht, eine weitere Stunde im Ofen gegart, zum Ende hin dann Farbe und Knusper nehmen lassen. Also ein rustikales Gericht, in München gibt es in der Regel ein Helles dazu. Am Heiligen Abend kamen nach weißem Vorgeplänkel aber zwei Rote in die Gläser, zu Beginn eine kleine Ouvertüre mit einem alten Bekannten.




Tinto Pesquera aus dem Ribera, ein Klassiker vom Altmeister Alejandro Fernandez. Der "einfache" Crianza aus 2011war hier genau richtig am Tisch, überzeugte durch direkten Aromenzugriff. Der Wein hat Schmackes, eine volle Frucht, Kraft, ist insgesamt dicht gebaut, allerdings ohne Übertreibung an Konzentration oder Gerbstoff, sehr angenehm jetzt schon zu trinken, zum Schwein ein gutes (Tempranillo)match. Außerdem passt die Aufmachung mit dem vielen Gold und dem gekreuzten Tor einfach gut zum Anlaß, das Etikett war einfach unsere Krippe für den Abend.

Dann der Edle aus dem Morgenland, großer Auftritt: Comte de M 2006 Chateau Kefraya (14,5% / 40€) Libanon und Wein ist immer ein interessantes Thema. Ich hatte in letzter Zeit zweimal Gelegenheit, an größeren Proben dazu teilzunehmen. Sie fallen bei uns unter den Exotenstatus, Weinlaien können damit gar nix anfangen. Die fragen höchstens, in völliger Unkenntnis der Materie, was denn "die Moslems da unten mit Wein zu schaffen hätten". Weinfreaks fällt zum Libanon meistens nur der schon lange eingeführte Chateau Musar ein. Das ist, wie leider so vieles in dieser Welt, vollkommen ungerecht. Denn Weinbau hat im Libanon natürlich eine uralte Tradition, ist aber bis in unsere Zeit gekennzeichnet durch den Wechsel von Niedergang und außerordentlichen Zeiten des Wachstums. Wer bei Wein und Libanon "heißgekochte" und plumpe Gewächse voller Alkohol assoziiert liegt falsch. Die Tropfen profitieren in ihrer Gesamtaromatik von der ausgeprägten Höhenlage vieler Pflanzungen, z. T. bis in weit über 1000 Meter Höhe. Und man spürt, daß sich viel französisches Know-How bei der Abstimmung der Cuvées erhalten hat. In den Qualitätsspitzen kommt durchweg Wohlgeschmack ins Glas. 
Was brachte der Comte am Heiligabend? Die erste Assoziation: Ein Bordeaux im Glas? Ein Großer etwa? Schmelz, Eleganz, Cassis, Süßkirsche, Crema, Rauch, Tabak, Zigarrenkiste, sehr fein, absolut harmonischer Trinkfluss, Touch of Magic...



Zwei feine Weiße vorweg, zum (Maronen)süppchen
trafen sich die Pfalz und Mallorca:
Chardonnay Réserve 2011 von Bernhard Koch







30.04.2013

Frühlingsgefühle: Von Winning Sauvignon Blanc I


Nicht nur die Winzer folgen dem Rythmus der Jahreszeiten, auch das Weinmarketing richtet sich nach Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Kein Händler, der zur Zeit keine Frühlingsweine anbietet. Aber auch in den Blogs und Gruppen zwischen Facebook und google+ sind allerorten Weine, die den Frühling preisen, den langersehnten, nach dem längsten Winter seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.
Mal abgesehen vom Kommerz, es hat natürlich auch was (wein)romantisches, und darum auch hier beim Weindeuter ein Frühlingswein. Ein Wein der hinausführt aus der Kälte und Dunkelheit, hinaus ins Offene, in die sprießenden Gärten und Auen. Das gefüllte Glas nicht gerichtet Richtung dunkler Zimmer Kerzenschein, sondern hoch in der hellen Himmel Sonnenstrahl...

Sauvignon Blanc I Von Winning / Pfalz (12,5 %/ 17€) "Von Winning" ist die Neuerfindung des Weingutes Dr. Deinhard in Deidesheim, quasi das veredelte Segment, die Marke für die aufwändiger und mit hohem Anspruch produzierte Premiumlinie. Man will hier ganz nach vorne.
Der Werbe - und Medienunternehmer Achim Niederberger hat nach Bassermann - Jordan und Reichsrat von Buhl auch das VdP - Weingut Dr. Deinhard gekauft und wurde dadurch zum größten privaten Weinerzeuger Deutschlands. Die drei Traditionsgüter an der deutschen Weinstraße gehörten schon mal zusammen, wurden aber im Rahmen der Jordanschen Erbteilung im Jahre 1848 getrennt. Mit viel Geld wurde bis heute umgestaltet, ein Restaurant und ein Hotel sind eröffnet worden - Deidesheim, das Genußeldorado in der Pfalz. Schon Helmut Kohl hat ja gerne im Deidesheimer Hof mit Michail Gorbatschow und Maggie Thatcher Saumagen gegessen ("Deidesheimer Hof, Kohls zweites Wohnzimmer", klick).

Doch zurück zu Von Winning. Zuständig für den Wein dort ist Stephan Attmann, ein Mann der für seine Sache brennt und lebhaft zu erklären weiß, wie ich vor ein paar Wochen wieder beim Hugenpoet Weinevent in Essen erleben konnte. Kerngeschäft sind natürlich die Rieslinge aus den klassischen Lagen um Deidesheim, die stellen über 80% der zur Zeit 40 ha Rebfläche. Hinzu kommen im weißen Bereich Chardonnay und, ganz einem Trend in der Pfalz und in Rheinhessen folgend, seit dem Jahrgang 2008 Sauvignon Blanc.
Der kommt gleich dreifach: Der Einsteiger für 10€ ist der Sauvignon II, die Spitze markiert der 500 (Selektion von 500 Liter-Holzfässern, in denen der Wein spontan vergoren wurde) und der verkostete I. 70% wurde hier im Holz vergoren, reiche Exotik-Fruchtnase, Im Mund merkt man das starke Fundament. Ein saftiger Gaumenfüller, gepuffert durch kräftige Säure im Caipirinha-Stil, Limette, kräutrige Würze. Ein intensiver Wein mit Wumms, kein leichter Terrassenschlotzer, obwohl er auch da seine Figur macht.








27.12.2012

Weihnachtsweine 2012



Zu Weinnachten regiert die Tradition, keine kulinarischen Experimente! Das gibt Halt auf hoher See und vereinfacht die Abläufe, auch wenn es hektisch wird. Weder Hummer noch Bockwurst - hier gibts zum Heiligabend immer: Maronencremesuppe, einen winterlichen Salat mit Orangen, roter Beete, Walnüssen und dann einen Krustenbraten vom Schwein. Nur die Weine wechseln natürlich. Was übrigbleibt wird an den beiden Feiertagen dann ausgetrunken und verputzt...

Die Kandidaten in diesem Jahr waren:

Schneider "Kaitui" Sauvignon Blanc 2012 Pfalz (13% / 10€) Der "Neuseeländer" aus der Pfalz, das Motto hier: duftige Exotik, Leichtigkeit und Frische. Auch die Maronensuppe dazu war in diesem Jahr leichter, süffiger, dank Zugabe von Wein.

2010 Domaine des Aires Hautes "Réserve" Minervois La Livinière (14% / 10€) Ein Favorit in seiner Klasse! Obwohl die Gesamtaromatik des Südfranzosen weit über seine preisliche Einstufung von 10€ hinausweist. Die Brüder Chabbert erzeugen einen absoluten overachiever, Glückskauf pur. Sehr dunkel im Glas, zunächst volle Erdigkeit, Gerbstoff, viel Baß, braucht Luft, unbedingt dekantieren. Dann bringt er auch differenzierte Mittel- und Obertöne zu Gehör, wird richtig freigiebig, teilt Fruchtsüße und delikate Würze aus, Topwein.   

Hunnicut Zinfandel Napa Valley (15% / 26€) Fruchtpralle Californication, erfüllt völlig, was man von einem Zinfandel in dieser Kante erwartet, absoluter Gaumenpleaser. Ich machs mir mal einfach und zitiere kurz aus der Mövenpick-Notiz, die bringt es nämlich auf den Punkt: "Tiefes Purpurgranat. Konzentriertes Backpflaumenbouquet und Zimt, Schokokirschen, Heidelbeerkonfitüre, typische Zinfandelwärme ausstrahlend. Crèmig-weicher Gaumenfluss mit perfekt ausbalancierten Tanninen und verschwenderischer dunkler Kirschfrucht, Bienenwachs, geléeartige Extraktsüsse und betörende Fülle in der saftigen Mitte, Cocktailkirsche, Zwetschgenkompott und feine Honig-Mocca-Note im sanft ausklingenden Finale." Noch Fragen?

Quinta de Noval Port LBV 2005 Douro (19% / 19€) Nun ja, Port passt natürlich zu Weihnachten, muß einfach sein, als Nachtisch. Volle Ladung, Zartbitterschokolade, Kirschlikör, süßer Tabak. Kein Zwang zum schnellen  Leeren der Flasche, es ist bis heute immer noch was drin...

Soweit für diese Jahr, allen einen geschmeidigen Rutsch.
Auf ein Wiederlesen in 2013!







07.09.2012

Experiment 4: Metzger Greenvieh



Verkostet wurden in dieser Reihe bisher ein Sauvignon aus Israel, ein Muscadine Wine aus Louisiana und ein Südtiroler Gewürztraminer von Aldi. Zugegeben, bei dem Weißburgunder aus der Pfalz liegt die Exotik zuvörderst in der Aufmachung, die Flasche ist ein gutes Beispiel für den Trend zum "cool label".

Metzger Greenvieh Weißburgunder 2011 (12,5 / 7,90€) Das Weingut Metzger in Grünstadt-Asselheim an der Deutschen Weinstraße ist eigentlich ein ganz normales Familienweingut mittlerer Größe. Produziert wird, auch das typisch, ein ganzes Sammelsurium von Weinen: Von Spätburgunder, Riesling & Co. über Chardonnay und Cabernet bis hin zu Exoten wie Tempranillo. Ulli Metzger macht seinen Namen zum Programm und unterteilt sein Sortiment wie folgt: A Filet = die Spitzengewächse aus besten Lagen und von ältesten Reben, B Pastorenstück = die mittlere Linie und C Flanke = das Basisprogramm. Dazu kommen dann noch Namen wie Schwarzer Bulle, Flying Pig oder eben wie hier beim Weißburgunder Greenvieh. Der stammt aus der mittleren Linie, ist also ein Pastorenstück.
Der Wein weiß zu gefallen, nimmt einen mit schönem Fruchtduft sofort ein. Reife Aprikosen in ihrer pelzigen Haut, Mangosorbet, im Mund weich, exotischer Einschlag, hat Schmelz, dabei nicht dick, frisch, hinten schön lang mit weckendem Säureschwänzchen. Fazit: Süffig-saftig, tolle Frucht, modern, Inhalt passt zur Form...






08.06.2012

Hambacher (Weißwein)Fest: Weingut Naegele



Das Wetter ist wechselhaft, die Weine müssen daher ständig angepasst werden. Mühsam, aber das ermöglicht abwechslungsreiche Proben.
Der Mai war ja heiß, welche Weine haben den Weindeuter durch den Wonnemonat begleitet und an warmen Tagen für innere Abkühlung gesorgt ? Nun, das war (auch) eine Kollektion von erfrischend-knackigen Weißen vom Weingut Naegele aus dem traditionsreichen Hambach in der Pfalz. Da hatte mir vor kurzem ja schon der Frühlingsbote (Müller-Thurgau) gefallen. Wie überaus freundlich und im Ergebnis dann ein Glücksfall, daß mir Ralf Bonnet, der den Traditionsbetrieb zu Füßen des Hambacher Schlosses heute leitet, einen ganze Karton mit knackig-frischen Weißen zur Verkostung ins Haus geschickt hat. Und weil das keine Keller- sondern Kühlschrankweine sind, wurden sie alle in dichter Taktung hintereinander aufgezogen.

Wie viele Familienweingüter in Deutschland wird auch hier mit allerlei Rebsorten gewerkelt. Dennoch präsentiert sich das Programm klar strukturiert, oberhalb der Schoppenweine und unterhalb der Einzellagen gibt es eine Rebsortenlinie. Es sind dies natürlich keine raffiniert spontanvergorenen Charakterköpfe für Weinesoteriker, sondern in Aromatik und Aufmachung modern gemachte Weine mit klarer Stilistik. Die jeweilige Sortentypizität ist gut herausgearbeitet, präsentiert sich aber ohne Übertreibungen. Der Schwerpunkt liegt bei allen auf knackig-frischer Frucht, schon in der lustmachenden Nase, Reintönigkeit und nicht zuletzt guter Bekömmlichkeit mit moderatem Alkoholgehalt. Natürlich ist auch der neue Trend Sauvignon-Blanc dabei, der Silvaner hat etwas mehr Bass im Trunk, der Riesling kommt limettenfrisch mit anregendem Süße-Säure Spiel. 

04.04.2012

Zweimal Müller - Thurgau aus der Pfalz


Bei Müller - Thurgau muß ich immer an Schwiegermütter denken, keine Ahnung warum. Die Weine aus der von Hermann Müller aus dem Kanton Thurgau entwickelten Rebzüchtung stehen ja auch meist für leichtes, süffiges easy-drinking. Über Amazon wird gerade "Dirk Würtz' leckeres Entdeckerpaket Deutschland" vertrieben, da sind auch zwei "Müller" mit dabei...




09.10.2011

Lidls "Super Schoppen Shopper": Cordula und Dirk


Das Super-Schoppen-Shopper-Paket von Lidl für 9,99€: Das Buch Super Schoppen Shopper 2011 (klick) von Cordula Eich und 2 Flaschen Rotwein vom Winzer und Platzhirsch der Internet-Weinszene Dirk Würtz. Bisher war darüber in der Weinbloggerszene nicht viel zu lesen. Auch auf Dirks Seite (klick) gabs nur verhaltene Reaktionen auf die Aktion, ich hatte mit mehr Gegenwind gerechnet. Traut sich keiner ? Oder ist man sich zu fein, eine Lidl - Filiale zu betreten ? Die Haltung des Weinfreaks zum Billigwein ist nun mal eine andere, er strebt zur Weinelite, rechnet sich womöglich selbst dazu. Ihn interessieren Toptropfen, ausgefeilte Qualitäten aus Steillagen, mengenreduzierte Auslesen, etc. 
Das macht natürlich nur nur ein paar Prozent der gesamten Weinproduktion aus. Dirk Würtz hat als Weinmacher aber auch die Großmengen im Sinn. Der Weinbestand, von dem die meisten Winzer in Deutschland leben, der Weinbestand der von den meisten Menschen in Deutschland getrunken wird. Und die kaufen nun mal im LeH und im Discount. Aldi ist der größte Weinhändler hierzulande.
Würtz hat da keine Berührungsängste, nur logisch also, daß er sich mit Cordula Eich vinologisch verbandelt hat. Die verkostet sich seit Jahren durch tausende Flaschen von Basisweinen, beginnend mit dem 1-Liter "Domkellerstolz" für 0,93 €. Und veröffentlicht jetzt schon im dritten Jahr den auflagenstärksten deutschen Weinführer, eine lustig geschriebene Lebenshilfe („So schick angezogen und dann doch Hundekacke am Schuh“ ) für Leute mit schmalem Weinetat, die trotzdem Spaß am Genuß haben wollen.
Beide verstehen was vom Marketing für sich und ihre Erzeugnisse, herausgekommen ist auf jeden Fall ein in Aufmachung und Ausführung originelles Produkt. Und ein Schnäppchen, das Buch kostet sonst solo 11€. Vertrieben über Lidl, wenn schon denn schon...

Wie schmecken nun die beiden Roten aus dem Lidl Paket ?
  • Nr. 1 (Dornfelder und Regent/Pfalz) ist die Cordula: Zartes Nasenparfüm, etwas Johannisbeere, transparente Frucht, im Mund sanft, Gerbstoff und Säure sind gezügelt, gerade soviel, daß es nicht langweilig wird. Auch am dritten Tag noch recht saftig, ein einfacher trinksüffiger leichter Roter, bricht hinten flott weg. "Unkompliziert, wohlgeformt und geschmeidig" steht hinten drauf. Sollte man eher leicht gekühlt trinken.
  • Nr. 2 (Spätburgunder und Dornfelder/Pfalz), der Dirk: In Nase voller, reiffruchtig, etwas Dörrobst, etwickelt bis zum 3. Tag leichte Rumtopfnase, auch Banane, oxydativer Touch. Im Mund bis zum Schluß jedoch zum Glück frischer wirkend, kirschsaftig, auch auch etwas malzige Süße, mehr Länge als die Cordula. Laut Rücketikett "kantig und unrasiert, aber harte Schale-weicher Kern".
Fazit, die Cordula riecht besser, der Dirk hat im Mund und hintenraus mehr Schmackes. Was liegt da näher, als beide mal miteinander zu vermählen. Hab ich mit dem Rest aus beiden Flaschen gemacht, war lecker...

Ansonsten zum Shopper und zum Paket hier und hier bei Huub Dykhuizen (klick).
Details hier bei Jens Priewe, da sind auch Listen der Super Shopper.





21.05.2011

Altwein: 1983 Spätburgunder aus der Pfalz

Schöne Kristalle am Kork:
1983er Spätburgunder Spätlese   

Ganz unverhofft kam ein Altwein ins Glas. Ort: der Weinkurs, den der Weindeuter zweimal im Jahr im Rahmen von Boskop, dem Kulturbüro des Akafö an der Ruhr Universität Bochum, die Ehre hat geben zu dürfen. Eine Studentin brachte aus dem elterlichen Weinkeller einen 83´er Spätburgunder mit in die akademische Runde. Der war ein paar Jährchen älter als sie selbst.
Deshalb der schüchterene Hinweis: "Ich weiß aber nicht, ob der noch gut ist." Nun, das wußte ich natürlich auch nicht. Es kam spontan eher Skepsis auf. Also vorsichtig entkorkt, und langsam auf die Gläser verteilt.  


11.04.2011

Weintäuschung 1

Vorsicht, genau hinschmecken: Axel Biesler schenkt ein

Von wegen In Vino Veritas ! Man kann beim Wein ganz schön danebenliegen, vor allem wenn Axel Biesler in ein Sensorikseminar ein paar "Gemeinheiten" einbaut.
Zum Start zwei Gläser, zwei Weine. Die versammelte Runde, darunter gestandene Weinprofis, spekulierte. Der erste Wein kam eindeutig schlechter an ("unterstes Supermarktregal"). Auch der Weindeuter entdeckte Unterschiede, fand aber nach intensivem Schnüffelvergleich, daß sie doch recht ähnlich rochen. In dem Moment enthüllte Biesler schon -  in beiden Gläsern war der gleiche Wein drin:  Grauburgunder 2009 von Landerer /Baden.
Also erstmal Verunsicherung war die Devise. Doch wie erlangt man beim Verkosten Sicherheit ? Wie weit läßt sich das eigene sensorische Instrumentarium verläßlich eichen, wie tief sitzen häufig ja schon in der Kindheit durch Geschmacksprägung entwickelte Vorlieben und Abneigungen ? Und wie sehr sind Weinfreunde bereit, sich auf neue, ungewohnte Aromatik einzulassen ?
Als nächstes kreisten die Schwarzgläser, da war ein neutraler Grundwein mit allerlei verschiedenen Zusätzen drin, um bestimmte Aromenkomplexe ("fruchtig frisch", "würzig-ätherisch") darzustellen.
Höhepunkt dann die Aufgabe, drei Weißweine in eine Rangordnung von einfach bis komplex zu bringen. Das Ergebnis sorgte dann (natürlich) für die Schlußpointe des Abends. Der Calvus Mons Riesling 2008 von Sven Leiner / Pfalz, ein biodynamisch angebauter und spontanvergorener Wein für 16€ landete auf dem letzten Platz. Der befand sich  allerdings auch in einer eigenartigen Verfassung: Hochfarben, in der Nase Ananas mit Honig, überreif wirkend, im Mund dann doch recht bitter, im Ganzen eher unausgewogen. Dagegen fand ein ganz einfacher Massenriesling für 2,50€ aus Rheinhessen (Weinkellerei St. Michael / Pfalz) viel Zuspruch ("sehr trinkbar"," lecker"), ebenso der Einstiegsriesling  No. 9 von Tina Pfaffmann für 6€.


Fazit: Man erkennt nur, was man kennt. Deshalb offen sein, neugierig sein, viel probieren. Wenn man denn ein Weinanalytiker werden möchte. Und auch Weine genießen will, die auf Anhieb nicht mehrheitsfähig sind, die Charakter mit Ecken und Kanten haben, die Eigenheiten des Winzers oder der Region transportieren. Und die nicht unbedingt "lecker" sein müßen...

Zum Seminar auch hier beim Genießer klicken.
Das nächste Weinseminar mit Axel Biesler, veranstaltet von der Weinhandlung Rolf Kaspar in Essen:

"Wir stellen Ihnen unsere ganz persönlichen Favoriten vor - solche für jeden Tag und solche für besondere Anlässe. Ein Workshop aus der Perspektive von Weinhändler und Sommelier. Gnadenlos subjektiv und Einladung zur Diskussion zugleich."




29.03.2011

Neues Deutschland

Deutsche Winzer und auch viele Weinhändler propagieren gerne traditionelle Rebsorten. Lokale Identität beim Wein ist gut, darf aber nicht in Hardcore - Regionalismus ausarten. Wer will schon die Diktatur von Riesling und Spätburgunder ? Aus "deutschen Rebgärten" kommt mittlerweile so viel mehr, offenes Weindenken ist angesagt. Zwei Beispiele, probiert am Wochenende auf der Weinmesse in der Zeche Zollverein in Essen. Zwei aromatische Pfälzer, auch für Weinfreunde, die sich sonst gern am europäischen Süden oder an Übersee orientieren.

  • Hier wird stark die Ökokomponente betont. Biodynamik, Spontangärung, spätes Abfüllen, Terroirkonzept - der junge Sven Leiner zieht alle Register und begießt seine Reben auch schon mal mit Kamillentee. Ausführlich und sehr schön seine Hompage (klick) zum Thema, da auch verlinkt ein Artikel von Axel Biesler aus Slow Food 3/2006.
    Zitat: "Der frische Chardonnay-Most wurde unfiltriert in Barriques aus französischer und pfälzer Eiche gefüllt, Vergärung mit natürlicher Hefe, incl. biologischem Säureabbau. Der Wein verweilte insgesamt 11 Monate im Barrique, währenddessen wurde die Hefe hin und wieder aufgerührt."
    Der "Hadorne" ist nicht schüchtern. Deutliches gelb, er "wagt Nase", volle Frucht, eine reiche Schale mit Mango, Papaya und Karambole. Auch im Mund fruchtiger, reifesüßer Schmelz. Es muß nicht immer fordernde Mineralik sein...
  • "Tu le Merites" 2008 SHP Weincooperation Pfalz / Deutschland (12,50€ / 13%) Das Gemeinschftsprodukt der beiden Pfälzer Markus Schneider und Thomas Hensel. Der Wein scheint "ganz weit weg von Deutschland", um mal Stuart Pigott zu zitieren. Eine Cuvée aus Cabernet-Sauvignon, Merlot und Syrah, teilweise Ausbau im Barrique. Tiefe reifsaftige Frucht schon in der Nase. Der will schmecken und der schmeckt auch: Brombeere, Cassis, Minze, Tabak. Die Gerbstoffe sind offen, die Säure steckt ganz in der Frucht.
Bericht zur Zollvereinweinmesse hier beim Genießer.

11.02.2011

Elsaß,Provence,Pfalz


Schon am letzten Wochenende getrunken und noch gar nicht gepostet: Drei Weine aus der "heiter & beschwingt" Fraktion. Also eher unkomplizierte Genüsse, die auch Nicht-Wein-Freaks schmecken.

31.01.2011

Vino Grande auf Hugenpoet: Teil 1 Riesling

Sinnlicher Genuß: Reinhard Löwenstein mit seinen Rieslingen

Jedes Jahr im Januar versammelt Thomas Kierdorf "seine Winzer" in Essen. Die Veranstaltung im feinen Schloß Hugenpoet ist das Gegenteil von Beliebigkeit, man will es hier beileibe nicht jedem rechtmachen. Die Auswahl wendet sich an Fortgeschrittene, sozusagen an Leute mit "Weinabitur". Wer auf der Suche ist nach Bordeaux oder Burgund, Italien, dem neuesten "Parker-Spanier" für 7€ oder gar Übeersee ist hier falsch, das kommt alles nicht vor.
Den Schwerpunkt bilden deutsche Rieslinge und Weine aus Österreich. Und da war das das line-up in diesem Jahr wieder hochkarätig, anwesend waren Vertreter der deutschen Rieslingelite. Der Weindeuter gönnte sich eine subjektive Auswahl:
  • Battenfeld-Spanier aus Rheinhessen: Kirchenstück 2009 GG und Frauenberg 2009 GG, konzentriert, schlank, säurestraff, Modellrieslinge.
  • Wittmann der Rheinhessenklassiker: Aulerde 2009 GG, leichter Stinker, Erde, Kraft, Wucht.
  • Peter Kakob Kühn, der Individualist aus dem Rheingau: St. Nikolaus 2009 GG und Doosberg 2009 GG, sperrige, erdige, würzig-herbe Rieslinge - nix für Freunde der Frucht. 
  • Von Winning: Antipode zu Kühn, Kalkofen 2009 GG, reichhaltiger saftiger Pfälzer, weicher "Aprikosenstil", schon sehr "trinkig", lecker.
  • Schäfer-Fröhlich von der Nahe: Kupfergrube 2009 GG und Felseneck 2009 GG, wie eine Wanderung an der stürmischen Nordsee, charktervolle, dichtgepackte Essenzen.
    Da kam das Dellchen 2009 GG von Herrman Dönhoff nicht ganz mit.
  • Van Volxem: Volz 2009 GG und Rotschiefer 2009 GG, haben mir im direkten Vergleich zu den Winnings etwas besser gefallen, sehr duftig, warm, weich. Saar - Rieslinge mit Crema.
  • Geltz-Zilliken: Kontrastprogramm von der Saar, Rausch 2009 GG mit viel Mineralik, Salz und Zitrus. 
  • Markus Molitor: Großmogul von der Mittelmosel mit großem Sortiment, die trocken ausgebaute Auslese vom Nierdermenninger Herrenberg 2009, leicht, tänzelnd spielerische Frucht.
  • Heymann-Löwenstein: Schon der Riesling vom blauem Schiefer 2009 eine raffinierte Verbindung aus Himmel und Erde, Frucht und Mineralik. 2009er Uhlen GG dann purer Charakter, Tiefe, Rieslinghochgenuß von der Mosel. Ein Favorit.

    Alle Großen Gewächse zwischen 24€ und 36€ bei Vino Grande
Verkostungsraum auf Hugenpoet
Auf nüchternen Magen mußte das alles zum Glück nicht verkostet werden, die Hugenpoet - Küche (1 Michelinstern Nero) versorgte die Weinfreunde mit 5 kleinen, feinen Tellern. Alles aromatisch sehr entschieden und kräftig gemacht, gerade richtig für ein Häppchen zwischendurch. Ein Modell die Frühlingsrolle mit Entenfüllung, deftig herzhaft der Käsegriller, in Wien und Umgebung auch die Eitrige genannt...

Aber zu den "Ösis" erst morgen in Teil 2...
Herzhafte Tellerhäpchen: Hummersuppe, Wasabischaum mit Lachs, Curryquiche,  Frühlingsrolle mit Entenfüllung, Käsegriller am Spieß mit Kartoffel-Spinat-Stampf




26.12.2010

Weihnachtsmenü 2010

Zu Weinnachten regiert die Traditon, keine kulinarischen Experimente ! Das gibt Halt auf hoher See und vereinfacht die Abläufe, auch wenn es hektisch wird. Weder Hummer noch Bockwurst - hier gibts zum Heiligabend immer: Maronencremesuppe, einen winterlichen Salat mit Orangen, roter Beete, Walnüssen und dann einen Krustenbraten vom Schwein.
Nur die Weine wechseln natürlich, dieses Jahr waren dabei:
  • "Pas de Deux" Weißburgunder Chardonnay Matthias Gaul 2008 / Pfalz (13,5% / 11€) Der Winzer empfiehlt ihn als wärmenden Winterwein. Ein Teil des Chardonnay reifte für 6 Monate im Barrique, daher leichte Vanille, ansonsten viel Frische, fruchtiger Schmelz: Ein modern gemachter exotischer Fruchtcocktail. Wärme gibt mit 13,5% der Alkohol .
  • "Sideral" 2004 Altair Rapel Valley / Chile 14,50% / 18,90€) Der Sideral, der Sternenwein, passt vom Namen und vom Etikett sowieso schon mal zu Weihnachten. Auch von der Aromatik her, denn die ist rundum üppig. Im 6. Jahr steht der Chilene noch ganz in seinem sattroten Fruchtkleid mit einer herrlichen dicken Heidelbeer/Brombeernase. Auch dabei Zimt, Puderzucker und Tabak. Im Mund vollsaftig, lebendig, viel Fleisch. Dies ist "nur" der Zweitwein, wer noch mehr will nimmt den Altair (46€).
  • "Copa Santa" 2000 Languedoc / Frankreich (14,5% / aktuell ca. 14€) Für mich ein Klassiker, das Flagschiff von Pierre Clavel aus dem Languedoc. Der Heilige Becher zeigte wieder mal, wie gut die Weine aus dem warmen Süden reifen können. In der Nase entwickelte Frucht, Lakritzwürze, dunkel. Auch im Mund ein Wein mit sonoren Baßtönen, geschmeidig, hat Charisma und Attitüde, eine Art Mario Adorf im Glas - sehr gut.
Geburtstagsmenü 2010 für einen berühmten Wanderprediger



11.10.2010

Leckerschmecker

Im Kühlschrank vergessen, im Sommer nicht getrunken, jetzt zum "Indian Summer" doch noch rechtzeitig geleert - ein wirklich köstlicher Erdbeer secco in herbstlichem Roséton. Nicht süß wie befürchtet, sondern mit feiner frischer Erdbeernase, leicht und mit schäumender Lebendigkeit: Meyerhof´s Erdbeer secco von Bernd Hammer aus Flonheim / Pfalz. (8 % alc. / 5,50€)

Hääärrlich !


07.10.2010

Rewirpower Weintest: Fader Würzer



Rewirpower, dahinter stehen die Stadtwerke von Bochum, Herne und Witten, befördern auch das kulinarische Leben im Ruhrpott. Auf ihrer Internetplattform bloggt Klaus Dahlbeck alias der Kompottsurfer über Essen, Trinken und was die Welt sonst noch so im Innersten zusammenhält.
Jedes Jahr gibt es den Rewirpower Weintest, sehr demokratisch und volksnah dürfen nur Weine bis 6 € teilnehmen. Unter den Verkostern sind bewährte Urgesteine der Ruhrweinszene wie Uwe "Ch9dP" Bende und Markus del Monego. In diesem Jahr kommen die Testsieger von kleineren Weinhändlern aus der Peripherie. Besonders originell ist der Weiße auf Platz 1, ein "Fader Würzer" sozusagen. Würzer, eine Rebsorte mit nur 67 ha Rebfläche in Deutschland (v.a. in Rheinhessen) ist eine Kreuzung aus Gewürztraminer und Müller-Thurgau. Hört sich gewagt an, scheint aber zu schmecken, zumindest in der Version des Weinguts Fader Kastanienhof in Rhodt an der Pfälzer Weinstraße.
Verkostungsnotiz der Jury: Hellgelb mit grünen Reflexen, intensive Grapefruitnoten, etwas Kapstachelbeere, feine Zitrusfrucht. Sauber und klar, am Gaumen sauber, saftig und frisch.


21.09.2010

Von Winning 2 (Die Weine)



(Teil 1 "Deidesheim" hier)

Von Winning, der neue Name aus der Pfalz. Mit großem Ehrgeiz und Aufwand will man aus dem Stand heraus ganz nach oben, in die Spitzengruppe der deutschen Rieslinge. In der Machart sind alle Weine "state of the art", mit allen Merkmalen, die heute bei Weinfreaks ein wohliges Nicken auslösen. Es wird - ohne Zertifizierung - biologisch gearbeitet, die Moste werden nicht vorgeklärt, die Weine nicht geschönt, Spontanvergärung und teilweiser Ausbau im Neuholz inklusive. Es gibt eine Vielzahl von getrennt ausgebauten Einzellagen in und um Deidesheim. Dr. Deinhard / Von Winning ist groß, bewirtschaftet insgesamt knapp 40ha Rebfläche (davon 30 ha Riesling).
Eine Probe in Thomas Kierdorfs Vino Grande in Essen bot Gelegenheit, einen großen Teil der Winning - Weine zu probieren.
  • Riesling „WinWin“ trocken 2009 12,0% vol. 9,90
    Der Einstiegswein, beinhaltet Trauben aus GroßeGewächs -  Lagen, schon "sehr viele Riesling" drin, saubere Frucht, knackig, schmelzig. Reicht eigentlich schon...       
  • Riesling Deidesheimer Paradiesgarten trocken 2009 12,0% vol.13,50
    mehr Druck, gute Länge
  • Riesling Königsbacher Ölberg trocken 2009 12,0% vol. 15,00
    Würze, sehr dicht, Pfeffer
  • Riesling Ruppertsberger Reiterpfad trocken 2009 12,5% vol.15,00
    Kommt etwas leichter und offener daher, Limettenfrische
  • KALKOFEN GG Deidesheim 2009 13,0% vol.26,00
    Extraktreich und voll im Mund, Säure, Schmelz
  • LANGENMORGEN GG Deidesheim 2009 13,0% vol. 21,00
    Ein Brummer, ein  fruchtduftiger Rieslingsaft mit Tiefe. Musterexemplar für die Verbindung von frischer Säure und tiefem weichen Schmelz. Beeindruckend hier der für ein GG moderate Preis, der Wein geht bei Kierdorf für 21 € über die Theke.
  • Sauvignon Blanc 2009 12,0% vol. 17,50
    Auch nicht schlecht, sehr reintönig, fein, klar, zarte Limette. 

  • Chardonnay 2009 13,5% vol. 15,00
    Nach den intensiven Rieslingen mit ihren Säurewogen endlich Erholung für den gestressten Gaumen: Ein Chardonnay, der auf Samtfüßchen daherkommt. Weicher, cremiger Saft. Irgendwo zwischen Burgund und Kalifornien. Gerne getrunken...
  • Pinot Noir 2008 13,0% vol. 28,00
    Das zum Chardonnay gesagte, stimmt auch hier. Man merkt, das Weinmacher Stephan Attmann in diese Richtung eine Vorliebe hat und die "französischen Sorten" in Richtung Fülle, Wärme und Reichhaltigkeit ausbaut. Offenduftige,  rauchige Pinot - Nase, reife süße Frucht. Hat mir besser gefallen als der parallel probierte Kirschgarten 2007 von Knipser.

Von Winning 1 (Deidesheim)


Nach den Aldi-Editionen aus Duisburg - Hüttenheim mal was edles: Von Winning, der neue Name aus Deidesheim in der Pfalz. Da hat der Werbe - und Medienunternehmer Achim Niederberger nach  Bassermann - Jordan und Reichsrat von Buhl auch das VdP - Weingut Dr. Deinhard gekauft und wurde dadurch zum größten privaten Weinerzeuger Deutschlands. Die drei Traditionsgüter an der deutschen Weinstraße gehörten schon mal zusammen, wurden aber im Rahmen der Jordanschen Erbteilung im Jahre 1848 getrennt. Mit viel Geld wird heute alles umgestaltet, ein Restaurant und ein Hotel sind schon eröffnet worden - Deidesheim, das Genußeldorado in der Pfalz. Schon Helmut Kohl hat ja gerne im Deidesheimer Hof mit Michail Gorbatschow und Maggie Thatcher Saumagen gegessen ("Deidesheimer Hof, Kohls zweites Wohnzimmer", klick).

Kohl und Chirac und der Pfälzer Wein
Doch zurück zu Dr. Deinhard. Weil der Name wohl zu sehr an den billigen deutschen Sekt (Deinhard Lila) erinnert, werden die Spitzenweine des Gutes (nur ein geringer Teil des Gesamtvolumens, das meiste läuft weiterhin als Dr. Deinhard) unter dem Namen Weingut von Winning vermarktet. Ein Sproß dieser Familie, Leopold von Winning, war bis 1917 der Eigentümer, da hieß es auch "Von Winning'sches Edelweingut". Heute hat die Familie von Winning zwar nichts mehr mit dem Weinbau zu tun, gab aber gegen ein Entgelt ihren klangvollen Namen für die neue Weinlinie, die mit edlem Retroetikett und schwerer Flasche daherkommt. Man will mit Macht nach ganz oben und aus dem Stand heraus haben es zwei Rieslinge in die Top - Ten des Große - Gewächse - Rankings für den Jg. 2009  im Falstaff geschafft. Viel Wirbel also um diese Weine. Kein Wunder, der Eigentümer kommt ja aus der Werbung und versteht sich auf Marketing.
In der Machart sind alle Weine "state of the art", mit allen Merkmalen, die heute bei Weinfreaks ein wohliges Nicken auslösen. Es wird - ohne Zertifizierung - biologisch gearbeitet, die Moste werden nicht vorgeklärt, die Weine nicht geschönt, Spontanvergärung und teilweiser Ausbau im Neuholz inklusive.


Eine Probe in Thomas Kierdorfs Vino Grande in Essen bot Gelegenheit einen großen Teil der Winning - Weine zu kosten.
  • Riesling „WinWin“ trocken 2009 12,0% vol. 9,90€
  • Riesling Deidesheimer Paradiesgarten trocken 2009 12,0% vol. 13,50€
  • Riesling Königsbacher Ölberg trocken 2009 12,0% vol. 15,00€
  • Riesling Ruppertsberger Reiterpfad trocken 2009 12,5% vol. 15,00€
  • KALKOFEN Deidesheim 2009 13,0% vol. 26,00€
  • LANGENMORGEN Deidesheim 2009 13,0% vol. 21,00€
  • Chardonnay 2009 13,5% vol. 15,00€
  • Sauvignon Blanc 2009 12,0% vol. 17,50€
  • Pinot Noir 2008 13,0% vol. 28,00€
Details zu den Weinen hier (klick) in Teil 2


Auch ich war vor Jahren mal mit dem Genießer in Deidesheim. Gegessen wurde der Saumagen allerdings in der Gaststätte des Winzervereins. Bei Dr. Deinhard wurde verkostet.


04.09.2010

Einstieg in die Rotweinsaison


Der Sommer ist vorbei, die helle, heile, rosélastige Zeit vorüber. Für Weinfreunde nicht nur ein Nachteil - die Rotweinsaison 2010/2011 beginnt, das Wintersemester sozusagen.
Zunächst mit einem alten Bekannten, als eine Art "Geschmackseichung": "Terre de Bussiere" 2007 Domaine de la Janasse VdP. (55% Merlot, 25% Syrah, 10% Grenache und 10% Cabernet. 12 Monate ausgebaut in Holzfässern, davon 30% neue Fässer; 9€). Der Einsteigerwein der für ihre großartigen Chateauneufs bekannten Domaine, hat schon vieles, was die Rhonearomatik ausmacht. Sattes Schwarzrot, undurchdringlich. In der Nase dominiert der Kräuterstrauß, eingekochte Frucht, Lakritz, viel Saft im Mund natürlich, Kraft und Fülle, aber auch Kühle, Lebendigkeit durch Säure. In diesem Stadium, trotz des hohen Merlotanteils, kein Wein für die Mädchenparty. Sehr gut.

Dann ein Pfälzer: "Cuvée Significa" 2007 von Knipser aus Laumersheim (Spätburgunder / Dornfelder; 14€)). Unter dem Label "Significa" gibt es Weine verschiedener Winzer (u.a. Dönnhoff, Heymann-Löwenstein, Adeneur etc.). Zitat: "Interpretiert von großen Winzerpersönlichkeiten sind diese Weine typische Vertreter ihrer Region und bringen das jeweilige Terroir perfekt zum Ausdruck. Die unterschiedlichen Handschriften der Winzer und deren besondere Merkmale sind deutlich zu erkennen. Dies wird durch die Signatur der Winzer auf dem Etikett symbolisiert." Hört sich gut an, Knipser ist zudem in Deutschland Pionier für Cabernet-Sauvignon und Syrah, auch für Barriqueausbau. Aber Knipser hin, Knipser her, bei mir knipste dieser Significa nix an, schmeckte mir einfach nicht. In der Nase noch vielversprechende frische Frucht, durchaus verlockende Tiefe, im Mund dann aber sehr säurelastig, Sauerkirschsaft, zu hohe Bitterkomponente auf der ganzen Linie. Hielt sich allerdings auf diesem Level ohne spürbare Oxydation über mehrere Tage. Etwas mehr Schmelz und es wäre vielleicht noch was geworden aus uns... 

27.06.2010

Deutschland - England - Rosé


Der Wein, der heute alles richtig macht: Kühle Erfrischung bei 30 Grad im Schatten, leicht mit nur 11,5%, sehr "süffig" durch schmeckbare Restsüße, trotzdem genug Frische drin - für 5€ herrlicher Saft aus der Pfalz ! Und dann diese Farbe - sehr gut, um das "Entscheidungsspiel" gleich gegen England auch dann noch wie durch eine rosarote Brille erscheinen zu lassen, wenn der katholische Malochertyp aus Manchester brutale Bälle in das schöne Tor vom "Schalker Jung" schiessen sollte...