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13.02.2010

Weine gegen den Winter

"Mama nimm mich vonne Zeche, ich kann dat Schwatte nich mehr sehn". Diese Zeiten sind hier im Ruhrpott vorbei, es plagen andere Sorgen. Der Dauerwinter zum Beispiel. Ich kann dat Weiße nich mehr sehn ! Doch schon Brecht haßte ja Gespräche übers Wetter, weil man es schließlich doch nicht ändern kann. Also Weine trinken, die dem Frost zumindestens emotional eine Breitseite geben. Zwei Vorschläge:

1. "Der sommerliche Rosé" / Charles Mock Cinsault/Grenache Rosé 2008. Seriöser Winzer (Chateau Capitoul) aus dem Languedoc, der Wein hat die ganze Lebendigkeit in Duft und Geschmack eines südfranzösischen Ferienerfrischers. Die Flasche ist eine spezielle Edition der Sylter Edel-Strandbude Sansibar (mit riesigem Weinkeller unter den Rantumer Dünen), die sich durch ein enormes Produktmarketing hervortut, u.a. mit eigenem Weinshop. Gekauft für 6€ bei Rewe aus einem aufwändigen Sansibar-Display mit allerlei weiteren (überteuren) Sansibar-Genußartikeln. Weine von Capitoul auch in der Weinzeche-Essen.

2. "Der kräftige Rote von der Rhone" / Domaine La Layonne Cote du Rhone 2007. Die Basiscuveé, aber (auch durch den Spitzenjahrgang 07) schon mit allem gesegnet, was einen guten CdR ausmacht: dunkle Fruchtwürze mit der Reichhaltigkeit und Wärme vollreifer Grenache. Die Flasche hatte ich letzten Sonntag geöffnet, halb geleert und dann "vergessen". Nach 5 Tagen immer noch ein geschmeidiger Genuß, ohne oxydative Müdigkeit. 6,90 bei Meimberg in Herne.

06.12.2009

Weihnachtsweine


Ob als festliches Getränk oder Geschenk, Wein und Weihnacht gehören einfach zusammen. Für Weinhändler ist die umsatzstarke Adventszeit deshalb wichtig, sie veranstalten Festtagsproben, Adventsproben, Nikolausproben. Und weil die Weinladendichte hier im Ruhrgebiet hoch ist, besuchte ich am Samstag gleich zwei Proben hintereinander.
Als "Apero" zunächst in die Weinhandlung Meimberg in Herne. Unter dem Oberbegriff Bordeaux & Co. waren acht Flaschen versammelt, darunter auch der reinsortige Petit Verdot Crianza 2005 der Finca Antigua (8,50€) aus dem zentralspanischen La Mancha, fruchtdicht, pikante Säure, noch gerbstoffwürzig. Ebenfalls mit packender Würze ausgestattet, aber reichhaltiger und sehr saftig fließend der Charakter 2004 von Gsellmann und Hans (14,50€) aus dem Burgenland. Als Weihnnachtsweinempfehlung des Hauses dann ein Bordeaux, Chateau Dutruch Grand Poujeaux 2001 (18,50€). Klassischer Stil, fein, reif, elegant mit intensiver "Bordeaux-Nase". Ein Wein, der ohne Übertreibungen festlich-diskret am Tisch platznimmt.


In der Weinzeche Essen ging es insgesamt lauter und lebendiger zu, einem Füllhorn gleich ergoß sich die Probe über die Besucher mit 123 (!) Weinen aus Deutschland, Italien, Spanien und Frankreich, von dort vor allem, wie bei der Zeche nicht anders zu erwarten, aus dem Midi. Die probierten 2007er Chateauneufs Clos St. Jean, Pegau, natürlich Beaucastel (60€) aber auch schon der "günstige" Domaine Serguier (16,90€) standen überzeugend für die besonderen Aromenqualitäten der "Kieselwinzer" aus dem Rhonetal: Duftig, schmelzig, bei aller Dichte und Kraft trotzdem immer absolut delikat und raffiniert.
Auch "normale" Rhoneflaschen gingen schon in diese Richtung, wie der Vinsobre 2007 der Domaine Chaume Arnaud, für 10€ die erfreulich bodenständige Weihnachtsweinempfehlung von Karl Richter. "Wein extrem" dann am Stand nebenan:  Chateau de la Neglys rare (beide nur etwas über 3000 Fl.) Lagensyrahs Porte du Ciel 2005 (79€) und Clos des Truffiers 2005 (95€): Eher Tröpfchenelixiere als trinkbarere Weine, bei der Himmelspforte noch durch Süße abgemildert, bei der Trüffelbombe fast schmerzhaft konzentriert - vielleicht eine Empfehlung für Weihnachten 2019.



16.09.2009

Geniesser - Menü in Herne


Am Dienstag entfachte der Geniesser im Weinrestaurant Julius in Herne ein kulinarisches Feuerwerk. Für einige Freunde, darunter als Stargast des Abends Gerburg Jahnke, Kabarettistin und "Bürgerin des Ruhrgebiets 2004", kochte und servierte er sein originelles Motto-Menü "Die 5 Säulen der Ruhrgebietsküche". Die Enflüsse der "Zuwandererküchen" für die Esskultur hierzulande wurden deutlich: Neben schlesischer Rindsroulade und westfälischer Auster gab es türkische Linsensuppe und Spaghetti. Den Abschluss bildete (zu rheinischen Armen Rittern) ein "Westfälischer Liebestrank" - Kakao verfeinert mit einem Schuß Sprocköveler Urwurz.
Die Weinbegleitung kam (natürlich) vom Weinhändler Hartmut Meimberg. Zunächst der Weißburgunder Kabinett 2008 der Pfaffenweiler Winzergenossenschaft, ein säurearmer, ganz auf pfirsichfruchtige Frische angelegter Badener mit einem schön cremigen Mundgefühl. Der Rote kam aus Apulien, Alberello IGT 2006 von Felline, ein modern gemachter Süditaliener: Dunkelbeerig, weich im Gerbstoff, sehr zugänglich, beinahe saftig, startet im langen Abgang einen richtigen Nachbrenner und zeigt so auch im Einstiegssegment (6,90€) Charakter und Klasse.