27.12.2013

Weinrallye 70 - Schäumendes Glück aus dem Languedoc...



Hier soll es gehen um einen klassischen "Schäumer" aus Frankreich, allerdings nicht aus der Champagne, sondern aus südlicheren Gefilden. Und sogar um einiges älter als die Strunzbrause aus dem Norden...
Die AOC Limoux liegt um den gleichnamigen Ort südlich von Carcasonne an der Grenze zwischen dem Languedoc und dem Roussillon. Die Pyrenäen sind schon in Sichtweite am Horizont, die Gegend ist vor allem bekannt für kräftige Rote. Aber gerade Limoux ist spezialisiert auf hervorragende trockene aber auch süße Schaumweine.
Da wurde schon lange vor dem Siegeszug des Champagners der Blanquette de Limoux erzeugt, der "älteste Schaumwein der Welt (klick). Die Legende schreibt auch hier einem Mönch (des Benediktinerklosters Saint Hilaire) seine Entdeckung zu. Das aber schon im Jahr 1531, über 100 Jahre vor Dom Pérignon in der Champagne.
Bei der immer noch verwendeten Méthode Ancestrale findet ausschließlich eine einzige Spontangärung des Grundweins statt. Der Most wird erst auf eine Temperatur von etwa 10 °C heruntergekühlt. Die alkoholische Gärung startet dadurch nicht sofort, sondern fünfzehn bis zwanzig Tage später und zieht sich über mehrere Wochen hin. Der Most wird aber nur soweit vergoren, dass er noch genügend Restzucker für die Gewinnung der Perlage enthält und dann ohne weiteren Zusatz von Zucker und Hefe in Flaschen gefüllt, in denen es dann munter weitergärt. Hierdurch entstehen ganz natürliche Schaumweine, mit weniger als 7 ° Alkohol sowie feiner Restsüße.




Antech Limoux "Méthode Ancestrale" Doux et Fruité (6,5% / 10€) Zurückhaltende Perlage, zarte Kohlensäure, fruchtsüß wirkende Nase, frische Blüten, saftig-reifer Apfel, sehr anmachend. Erinnert an einen guten Moscato d'Asti. Im Mund zart, frisch, leicht. Die Süße gleicht eher leicht aufgestreutem Puderzucker auf frischem Obst. Wunderbare Erfrischung...

Im Gegensatz dazu steht die Méthode Champenoise, die bei den französischen Crémants Anwendung findet. Da wird dem Grundwein ja nach der ersten abgeschlossenen Gärung wiederum Zucker und Hefe (Tirage) beigefügt und in der Flasche ein zweites Mal vergoren. Diese Methode ist in Limoux mit der AOC Crémant de Limoux erst seit 1990 offiziell zugelassen.




Ein solcher Cremant, also sozusagen die moderne Varainte, ist der "Clos des Demoiselles" 2007 Domaine J.Laurens Crémant de Limoux (Chardonnay, Chenin et Pinot Noir / 12 / 15€). Mittleres Gelb im Glas, expressive Nase, appetitmachend. Reife Birne, Milchbrötchen, geröstetes Toastbrot. Dichte feine Perlage. Ist in einem schön gereiften Zustand, mit noch genügend Trinkfrische.

Noch mehr Schäumer und alles weitere zur 70. Weinrallye bei Cordula Eich/Supershoppenshopper (bitte hier klicken).


24.12.2013

Atzwentzweine...(3)



Advent ist nicht nur rot (hier und hier), im Gegenteil, die Weißen nehmen einen immer größeren Anteil auch in der dunklen Jahreszeit ein. Und das Recht gebührt ihnen auch, aktuell dazu eine Betrachtung auf Cicero online "FESTTAGSALTERNATIVE Weißwein zur Weihnacht" (klick). Da wird zwar eher einigen Chardonnays das Wort geredet, hier gab es aber einige Rieslinge in die aufnahmebereiten Gläser. Alle mit etwas Restsüße, keine Säurebomber, das passt zum Fest, das entspannt...




Steinerd II Riesling 2012 Axel Pauly Mosel (11,5%/7,90€) Feinherbe Qualität, der Wein sitzt auf Anhieb, Restzucker trifft auf hohe Moselsäure, herrlich süffige Mischung.
Alte Reben Riesling 2012 Carl Loewen Mosel (12,5%/12€) Hier konzentriert man sich auf Riesling und sonst nix, kein ausuferndes Portfolio von Dornfelder bis Huxelrebe wie sonst oft in deutschen Landen. Auch hier enormer Trinkfluß durch Restsüße, insgesamt aber dichter gebaut als der Pauly, macht mehr Munddruck, Top.
Röttgen Riesling 2009 Heymann-Löwenstein Mosel (13%/22€) Wieder mal eine Bombe vom Altmeister, vor kurzem der 2008er, ähnlich hier jetzt im Glas: Goldgelb, hohe Konzentration, reichlich Fruchtwumms in der Nase, tropische Fruchtsüße, Hedonist im Glas. Nicht für jede Gelegenheit, als Weihnachtswein ideale Balance zwischen Frische und Ohrensessel...


23.12.2013

Atzwentzweine...(2)


Das Warten aufs Christkind wurde auch in diesem Jahr wieder mit einigen Adventsweinen überbrückt. Nach den beiden Altweinkrachern am 1. und 2. Advent (´95er Beaucastel und ´91er Montrachet) folgten am 2. und 4. Advent einige Rote, allesamt Südkinder, eines sogar direkt aus dem Morgenland...




Tandem Syrah 2010 Thalvin/Alain Graillot Marokko (14,5%/11,90€) Der Wein ist das Produkt einer Zusammenarbeit des Winzers Alain Graillot von der nördlichen Rhone mit der Winzerfamilie Thalvin aus Marokko, in deren Kellerei der Wein auch vinifiziert wird. Frucht und Pfeffer ist hier das Motto, dunkel, guter Baß, keine Überbreite, hat auch Raffinesse.
Syrah Domaine Wardy 2007 Libanon (13,5%/12%) Sehr reife Frucht, Rumtopf, weich, etwas Syrahschärfe, schöne Länge, kleiner Hitzkopf aus dem Bekaa-Tal.




Bonne Pioche Pic Saint Loup 2011 Domaine Clavel Languesdoc (14,5%/12,90€/ 65 % Syrah – 15 % Grenache – Mourvèdre 20% ) Ein Maul voll Rotwein, üppige süßreife Frucht, volle saftige Ladung, ein Spaßwein, Mouthpleaser, nicht schüchtern drauf, genau wie sein Macher...
GR-174 Casa Gran del Siurana 2010 Priorat (14,5% / 14,€ / Garnatxa-Caranyena-Cabernet Sauvignon) Das Priotatprojekt von Castillo Perelada, benannt nach einem Wanderweg, der durch das Priorat führt. Für einen Priorat sehr zugänglich und offen, modern gemacht. Keine Wummsbombe für Prioratfreaks, kann man bedenkenlos in eine Südweinprobe stellen.
Sió 2011 Bodegas Ribas Mallorca (14,5% / 20€ / 50% Mantonegro-25% Syrah-15% Cabernet Sauvignon 10% Merlot) Mit 300 Jahren eine der ältesten Bodegas der Insel. Der Wein ist top-notch. Großes Kino von der Insel, der Beste hier in diesem Quintett. Hat für knapp 20€ schon den Touch of Magic, überschreitet die Stufe von "gut trinkbar" zur Exzellenz. Feine Nase, seidige und dabei volle Frucht, hinterläßt am Gaumen Wohlgefühl, sehr stimmig ohne Übertreibungen.

22.12.2013

Atzwentzweine...(1)

Adventszeit, jedes Jahr der große Countdown: Berge aus Lebkuchenherzen und Marzipankartoffeln verstopfen die Supermarktgänge. In den Städten stehen Bretterbuden, es dampft nach Glühwein und frittiertem Blumenkohl. Lichterketten spenden Glanz, tauchen den vorweihnachtlichen Wahnsinn in gnädiges Zwielicht. Da versüßt sich Weindeuter lieber die Wartezeit aufs Christkind wieder mit dem ein oder anderen Adventswein.


Am 1. Adventswochenende ging es nach Coswig/Anhalt zum Priorat-Hammer, natürlich zu einer großen Prioratprobe (Bericht folgt). Für den Einstieg am Abend zuvor hatte ich aber etwas anderes vorgesehen: Chateau de Beaucastel Chateauneuf du Pape 1995 (aktueller Preis ab 60€) Die Flasche lag schon länger im Keller, Zeit ihn aufzuziehen, er ist mit 18 Jahren ja immerhin schon volljährig. Sehr schöne intensive Rauchnase, dunkel, voll, deutliche Entwicklung, im Mund viel Wärme. Frucht und Gerbstoff sind durch Reifung zu sehr befriedigendem balsamischen Trinkfluß integriert.



Am 2. Advent dann eine Einladung zum "Kaffee". Und da kommt ohne Vorwarnung plötzlich ein großer reifer Weißer auf den Tisch und in die Gläser, sogar noch 4 Jahre älter als der Kollege vom Wochenende zuvor. Bienvenues Batard Montrachet Grand Cru / Domaine Henri Clerc et Fils. Eine legendäre Weißweinlage im Burgund, nur 3,5 ha, wie im Burgund üblich parzelliert und unter einer Handvoll Erzeuger aufgeteilt.
Altweine daraus gehen normalerweise nicht für unter 50€ weg, zum Teil weit darüber, natürlich abhängig von Erzeuger und Jahrgang (1991 war kein so guter...) Neuflaschen von Toperzeugern  kosten über 200€. Der Clerc ist günstiger, aber auch nicht für unter 100€ zu haben. Umso schöner die Geschichte, daß dieses Exemplar auf einem Bochumer Flohmarkt für unter 5 € erstanden wurde.
Aber was kann der noch, der Franzosenchardonnay? Der Korken war ziemlich durchgeweicht, geradezu flutschig und rutschte beim Ansetzten des Korkenziehers einfach nach unten in den Flaschenhals. Im Glas dann dichtes Gold bis Bernstein. Deutliche Entwicklung, aber noch lebendig, Orangenzeste, nach Öffnung und Atmung dann Trockenaprikose, einwöchige Rosenblätter, auch Nußecke. Im Mund dann noch sehr schön, angezählt aber noch nicht ausgezehrt, etwas Honig, in Summe mit edler Delikatesse.



29.11.2013

Weiß, weiß, weiß...


So, genug auf der faulen Bloggerhaut gelegen, es gibt hier wieder mehr Posts. Ist ja nicht so, daß nichts verkostet wurde in letzter Zeit, im Gegenteil. Einiges von dem, was in die stets aufnahmebereiten Gläser kam, wird jetzt in lockerer Folge im Advent hier vorgestellt.
Gleich vorweg. Weindeuter ist auf dem Weißweintrip. Vor allem der Riesling - Kleine und Große, Frische und Ältere, stahlige Mineraliker und gerne auch Kandidaten mit dem bei Puristen verpönten Zuckerschwänzchen. 



Und da ist man auch sofort beim Stichwort. Zwei Charaktertypen vom Trendsetzer und Qualitätspionier Reinhard Löwenstein, Moselaner die sehr reichhaltig auftrunpfen.
Uhlen "Laubach" 2009 Heymann Löwenstein (13% / 32€) Ein Klassiker, ein Vollschmecker, ein wahres Maul voll Riesling mit druckvollem Süß-Säure-Spiel. Röttgen 2008 Heymann-Löwenstein (13% / 22€) Weißgoldgelb im Glas, reichlich Frucht in der Nase, der Wein ist schon in der Nase ein Spaßmacher, wie gewohnt recht tropisch, deutliche Fruchtsüße, Hedonist.




Zwei Rieslinge aus dem Rheingau und aus der Pfalz, ein paar Stufen drunter: Der Kesseler R 2012 (die Edition, die für 8€ über Netto vertrieben wurde) kommt schmeichelnd feinherb rüber, der Schmitt S "Drei Steine" 2012 (10€) gibt dagegen den knackigen kernigen Typus, Zitrus, trocken, pur.


Da war noch der Sommer, zwei schöne Gartenrieslinge: Der Hexamer "Schlossböckelheimer in den Felsen" 2011 von der Nahe kommt klassisch mit schönem Säuregerüst, aber auch mit viel Frucht und deutlichem Mundvolumen (13,5% !). Dagegen steht Bopparder Hamm Ohlenberg Spätlese 2011 vom Weingut Walter Perl schlanker da, sehr frisch, straff, grüner Apfel.


Der Perl als 2012er wurde übrigens auch direkt im Hamm getrunken, hoch über dem großem Strom bei phantastischem Herbstlicht. Unten der Rheingoldbogen zwischen Lahnstein und Boppard, im Glas zusätzlich Bopparder Hamm Feuerlay 2012 von Lorenz, auch ganz auf der frischen und trockenen Spur, leichtes Brizzeln.


Der Hexamer von der Nahe durfte nochmal ran zum knusprig panierten Schnitzel, da mußte er sich aber gegen die Reichhaltigkeit und Cremigkeit eines Kandidaten aus Washington State/USA geschlagen geben: Chateau Ste. Michelle Chardonnay 2010.


Auch hier zu Pestospaghetti kam ein Chardonnay gut, diesmal aus der Pfalz: Bernhard Koch Chardonnay Rosengarten.

Und jetzt ein Exot, der ganz unverhofft auftauchte. Eine Studentin beim Boskop Weinkurs hatte das elterliche Kellerregal inspiziert und dabei eine 1989er Duttweiler Ruländer Auslese von Reinhard Momm (12%) gefunden. Und der war durchaus noch in guter, genußreicher Verfassung. Bernsteinfarbe, Honig, im Mund feine süße Cremigkeit.

In diesem Konzert spielt auch was aus dem Elsass mit und gibt einen sehr duftigen, floralen Akkord, leichte Süße, Minze, feminine Exotik: Pinot Auxerrois 2012 Domanie Saint Remy Ehrhardt.


Zum Abschluß aber nochmal Riesling, ganz feine Sache von der Mosel: Karl Erbes "Ürziger Würzgarten" Alte Reben 2012(12,60€). Old-School Aufmachung mit Bildchen vom schönen Moseltale, im Glas dann großes Kino, geschliffen klare, klassische Rieslingnoten, frische noch leicht feste Aprikosen, tolles Gaumenspiel, anregende Säure.



31.10.2013

Le Grand Cros: "Most artistic picture of our wines"




Eine schöne e-mail aus der Provence erreichte Weindeuter vor einigen Tagen, von der Domaine Le Grand Cros. Ich hatte an einem Fotowettbewerb des Weinguts teilgenommen (Foto oben):

"Dear Thomas, I want to congratulate you for winning 1 of the 4 prizes of our photo contest in the category of most artistic picture of our wines!"

Le Grand Cros liegt versteckt zwischen Carnoules und Besse sur Issolle im ruhigen Hinterland des Departement Var, ungefähr 25 Kilometer von der Küste entfernt. Es ist ein stattliches Anwesen, quasi der Alterssitz von Hugh Faulkner, ein ehemaliger kanadischer Politiker. Ein Besuch lohnt sich da, es gibt einen schönen Verkostungsraum mit angeschlossener Kunstgalerie. Die Weinbereitung ist ambitioniert, das Programm gradlinig. Die Top-Linie trägt in allen drei Farben den verheißungsvollen Namen Nectar, die beiden Schäumer heißen La Maitresse und La Rivale. Eine modern gemachte Basislinie wird unter dem Namen "Jules" vermarktet.

Jetzt darf ich mir als Preis was aussuchen, Wein natürlich. Insgesamt 26 Flaschen aus dem Sortiment sind als Kelleraufstockung herzlich willkommen...


30.09.2013

Kiwi Sauvignon Blanc



In Deutschland gehört Sauvignon Blanc zu den Sorten, die "im Kommen" sind. Etliche Kleinbetriebe und Familienwinzer in Rheinhessen und der Pfalz erweitern ihr ohnehin schon reichhaltiges Portfolio und setzen mit dieser Importrebe auf einen fruchtigen, reintönigen und in der Säure moderaten Sunnyboy-Stil. Es soll womöglich einen Hauch Exotik bringen, sowas trifft den Geschmack der Kundschaft und bringt neben Riesling, Silvaner und  Co. eine weitere Facette ins Spiel.
Soweit völlig in Ordnung, Diskussionen, ob denn der S.V überhaupt nach Deutschland gehöre, erübrigen sich da. Zudem im High-End Segment Betriebe wie Von Winning (klick) zeigen, was möglich ist. Und daß ein Top-Sauvignon eine sinnvolle Ergänzung zum Riesling sein kann (hier vor kurzem verkostet). 

Ansonsten ist der Sauvignon natürlich in aller Welt unterwegs, klassisch im Stammland an der Loire als Sancerre und Pouilly Fumé und auch im Verschnitt im weißen Bordeaux. Vor allem aber hat sich die Rebsorte in den letzten Jahren als Sorte der "Neuen Welt" einen Namen gemacht. Jeder wird hier sofort an Neusseland denken. Der Cloudy Bay wurde da zur Ikone und geschickt weltweit vermarktet. Der brachte es sogar als Trinkempfehlung mal in ein Listing mit dem schönen Titel "10 Dinge, die ein Mann im Laufe seines Lebens getan haben muß"...

Mittlerweile liegt der Sauvignon Anteil im Kiwiland bei 70% der Gesamterntemenge, jedes Jahr werden 190.000 Tonnen verarbeitet. Nirgendwo sonst entwickelt die Rebsorte eine so intensive Aromatik wie in Neusseland. Das kam in den letzten Jahren international gut an. Und um den typisch neuseeländischen Sauvignon-Touch zu erzeugen, ist im durchprofessionallisierten Weinanbau auch jede Menge High-Tech im Spiel, stainless steel, Einsatz von Aromahefen etc.

Wo steht Sauvignon Blanc aus Neuseeland heute? Eine Zusendung von zwei Musterflachen bot Gelegenheit, sich mit dem Thema mal stichpunkthaft zu beschäftigen. Beide Muster stammen aus Marlborough, der berühmten Region im Norden der Südinsel. 

Auntsfield Single Vineyard 2012 Sauvignon blanc Aunstfield Estate (13,5%/11€) Das älteste Weingut in Marlborough (first and oldest vineyard / 187). Ein Wein, der es schon in der Nase wissen will. Nicht schüchtern, öffnet gleich den Mantel und zeigt, was er hat. Mit etwas Erfahrung kommt man sofort auf Rebsorte und Region, quasi ein Muster. Reife Stachelbeere und Limette, sticht, Exotenobst kommt, Schilfgras im Sonnenlicht, roher grüner Spargel, dünn geschnitten mit Zitrone. Im Mund kommt zur Frucht noch was Krautiges dazu, Küchengarten, dann Säure, nicht zu knapp. Wirkt dadurch sehr lebendig und erfrischend. Feunde der Säure kommen auf ihre Kosten, anderen könnte das auch aber etwas zu nervös daherkommen...

Nautilus Sauvignon Blanc 2012 Nautilus Estate (13%/15€) Nach dem kleinen Mundteufelchen Auntsfield kommt der Nautilus etwas ruhiger rüber. Auch hier schöne Frucht in der Nase, Mango, etwas Banane, nicht so expressiv. Auch im Mund weniger Attacke, die Säure spürbar, aber sie prellt nicht so. Insgesamt etwas mehr Volumen und weicher. Nicht schlecht der Nautilus, aber auch beliebiger als der Auntsfield. Wenn schon NZ-SV, dann doch einen Fruchtposer, der es so richtig zeigt.







31.08.2013

Genußtour ins Midi (4) Provence Pur...


Passend zum Sommer: Eine Genußtour das Rhonetal hinunter ins Midi. In diesem Jahr leider nur virtuell, ein anderes Ziel steht auf der Reiseagenda. Darum ist auch der vierte Teil ein (wein)genußreiches Puzzle, zusammengesetzt aus Reisen der letzten Jahre. Nach einem Aufenthalt in Lyon (klick) und einer Fahrt die Rhone herunter (klick), einem langen Abstecher nach Westen in das Languedoc und das Roussillon (klick) geht es nun von der Rhone gesehen nach Osten, in die sonnenreichen Hügelparadiese der Provence bis hinunter an die Côte d’Azur.

Wein total in Rhone-Süd: Kreisverkehr in Valreas

Fährt man die A7, die Route de Soleil, in Richtung Süden, zieht es den Wein- und Genußfreund ab Avignon zwangsläufig ab von der Autobahn. Der Wein lockt, die Reben stehen stramm. Augen und Nasen öffnen sich und atmen Wein, Wärme und das Brüllen der Zikaden. Also Rhone-Süd. Das ist zuvörderst natürlich Chateauneuf du Pape. Die Ikone, das Eldorado, die goldene Stadt für Freunde des vollen barocken Weinerlebnisses. Von den sommerheißen, grobkieseligen Hügeln über der Rhone kommen einfach DIE Crus dieser Gegend. Gebührend gewürdigt habe ich die Päpstlichen schon in Teil 2 (klick).

Die reichhaltigen, sonnenverwöhnten Weine aus dieser Ecke sind allerdings auch im Einsteigerbereich charakterstarke Gewächse mit oft sehr gutem Preis-Genußverhältniss. In den Spitzen, aus den Village und Cru-Lagen, zudem von aufwändig arbeitenden Winzern, sind sie Weltklasse, markieren in gültiger Weise einen Weinstil für Leute, die vor Frucht und Wucht im Glas nicht zurückschrecken.

Blick vom Ferienhaus in Nyons,
das mit den grünen Schlagläden unten


Mittagsimbiss in Nyons

Im Herbst 2012 war ich vor Ort. Gewohnt haben wir in Nyons direkt am Dorfplatz mit seinen schönen Arkaden. Auch da gibt es Wein, der Ort ist aber bekannter für seine Oliven mit eigenem AOC Status. Nyons liegt quasi auf einer Grenze. Direkt östlich wird es bergig in Richtung Hochprovence, der Ort hat bei allem südlichen Charme auch schon eine leicht alpine Anmutung.




Von Nyons aus erreicht man ganz schnell die Weindörfer, die jeder Rhone Fan auswendig daher sagen kann: Vinsobre, Valreas, Cairanne, Rasteau, Sablet, Seguret, Vacqueyras und natürlich Gigondas. Im kleinen Dorfzentrum liegt dort der Caveau du Gigondas. Ich kam kurz vor der Mittagspause, es war nur eine knappe Viertelstunde Zeit zu verkosten. Außer mir im Raum eine Männerrunde aus Polen auf Weintour durch den Süden. Offen ist quasi alles, von ein paar Ausnahmen abgesehen, was in der AOC produziert wird.



Was nehmen? Ich entschied mich, ein paar 2007er zu verkosten. Leider passierte dann ein Mißgeschick, eines von der Sorte, welches man in so einer Situation gar nicht gebrauchen kann: Ich fegte mit lockerer Hand das Probenglas von der Theke, es fiel laut splitternd zwischen die kleinen Probenflaschen in der Kühlung. Peinlicher Moment, wurde aber sehr charmant von der hübschen Weinberaterin umspielt. Sowas kommt da möglicherweise öfter vor, die Rotweinbomben haben ja nicht selten Alkoholgrade von über 15%.



In Ruhe nachverkostet wurde dann oberhalb des Dorfes, es gibt unterhalb der Burgruine einen schön angelegten Kräutergarten mit Lehrpfad. Im Glas Domaine Paillère et Pied-Gû 2007.
Durchaus lohnend ist übrigens auch ein Besuch derWinzergenossenschaft in Cairanne. Da ist im Keller ein aufwändig gestalteter Parcours Sensoriel installiert, man kann fühlen und riechen etc. Gut gemacht mit allerlei Lichteffekten, der Eintritt ist gratis.



Von Nyons ist es auch nicht weit bis zur AOC Ventoux. Über Vaison-la-Romaine, Malaucène und Bedoin bis auf den Riesen der Provence sind wir mit dem Auto gefahren. In Bedoin war Markt, ein warmer Oktobertag. Doch trotz reizvoller Stände mit duftenden Würsten, Käse, dicken Nougatblöcken und allem was ein provenzalischer Markt so präsentieren kann, ging mein Blick immer wieder quer nach oben. Der Gigant thront quasi über der Ebene. Der kahle Gipfel ist von da überall zu sehen.




Unten in Bedoin waren es noch angenehme 20 Grad, hier oben nur noch knapp über Null. Dazu kam der enorme Windchill. Es wehte ein kräftiger Herbstmistral, der Wagen wackelte, oben auf der Kuppe war es unter Null. An den Metallkonstruktionen auf dem Gipfel bildete sich Eis. Aber der Blick war natürlich großartig.




Die Luft war ganz klar, kein Dunst, wie man ihn im Sommer dort oft antrifft. Nach Nordosten die Alpen, zum Südwesten das Rhonetal bis ins Languedoc rüber. Nach Süden für mich aber mit dem größten Augenreiz: Über einem schmalen dunklen Rücken im Mittelgrund, dem Luberon, glänzte am Horizont das Mittelmeer. Ziemlich genau die weite Bucht vor Marseilles mit den Inseln. Etwas nach rechts sogar die Industrieanlagen von Fos-sur-Mer in der Camargue und die Öltanker in der Ètang de Berre. Ans Meer kamen wir ja nicht in der kurzen Herbstwoche. Aber der Ventoux, der Mächtige, hatte uns immerhin einen wahrhaft weiten Blick dorthin ermöglicht.



Die AOC Ventoux mit ihren Rebflächen südlich des Berges hat in den letzen Jahren einen Qualitätsaufschwung gemacht, vor allem getragen von kleineren Winzern wie Sebastien Vincenti mit seiner Domaine Fondreche, Chateau Pesquie und vielen weiteren (klick).
Es sind kraftvolle Gewächse, die den Vergleich mit den Spitzen und Crus der Rhone nicht zu scheuen brauchen. Würzige-intensive Charakterdarsteller mit tiefdunkler Frucht, häufig mit maskuliner Rustikalität. Die Weine reiten in ihrer Jugendphase oft Attacke auf Nase und Gaumen, eine gewisse Alterung lohnt auf jeden Fall. Typische Gewächse also für Südweintrinker, und die soll es ja, trotz aller Betonung von Eleganz und Finesse, wie es gerade en vogue ist, durchaus noch zahlreich unter Weinfreunden geben.

Gigantis 2009, Spitzencuvée der Vignerons du Mont Ventoux
(14,5% / 16-20€) verkostet vor Ort im Ferienhaus

Weingeographisch wird Rhone-Süd ja gar nicht zu den Weingebieten der Provence hinzugezählt, obwohl wir uns natürlich dort eindeutig in der Provence tummeln. Die AOC Provence mit ihren diversen Untergebieten beginnt erst weiter östlich. Hier mal zur Orientierung eine Übersicht.



Provence - Kulturland, Genußland, Roséland! Die "Römische Provinz" mit ihren Arenen und Theatern: 2000 Jahre alt und immer noch fit und im Betrieb! Die Provence der Maler: Van Gogh in Arles, Cézanne an den Montagne Sainte Victoire bei Aix, Picasso begraben auf Chateau Vauvenargues. Die Provence der Sinne: Der Duft des Lavendels auf dem Plateau Valensole, das tiefe Blau der Cote d´ Azur.



Die Provence des Weines: Rosé, Rosé und nochmals Rosé. Der Anteil in den Provenceappellationen liegt bei über 70 %, so viel wie sonst nirgends in der Wein(bau)welt. Sie haben da eine Markenidentität geschaffen, ein Konzept, das seit vielen Jahren aufgeht. Jede Menge Rosé wird vor Ort vor allem in den Sommermonaten an der Küste zwischen Menton und Marseille getrunken. Und das nicht nur von Urlaubern, den sonnenhungrigen Auswärtigen. Der Rosé ist im Alltag fest verwurzelt, in den Regalen und auf den Tischen allgegenwärtig.



2010 hatte ich vom Ferienhaus in Les Issambres unten an der Küste einen guten Blick auf das Nachbargrundstück, bewohnt von einer französischen Oma (geschätzte 80 +). Jeden morgen stand um 8.30 zum Petit Dejeneur neben dem Croissant eine schlanke Flasche Rosé auf dem Tisch, aus der zwei Gläser geleert wurden.



Da wollte ich nun nicht zurückstehen und habe jede Menge Rosé probiert. Man soll sich ja an die Sitten und Gebräuche des Gastlandes anpassen, oder ? Und es geht einfach perfekt zusammen: Was sieht zum Blau des Wassers und des Himmels besser aus als eine Flasche Rosé ? Was streichelt sinnlicher die Zunge und erfrischt besser als diese Mischung aus Saft, Säure, Schmelz und Biß, die seriöse Provencerosés durchweg draufhaben. Das geht schon bei knapp über 5€ los, ab 8€ ist schon richtig Musik im Glas wie beim Bailly. Gerne gefüllt in der klassischen Flasche abgefüllt, ein Produktdesign, das wie bei Coca-Cola die sinnlichen Proportionen eines Frauenkörpers zitiert - purer Genuß...

Marketing - Kuriosum ICE TROPEZ, eine Art Weincocktail in Designerflasche. Er ist natürlich "Créé à St. Tropez", ein cleveres Erzeugnis der Domaine Tropez und mittlerweile international erhältlich, auch bei uns (hier)

Der Gendarm von St. Tropez in Rosé
Aber auch die "wahre" Provence, die Genießerprovence, die Wunschprovence für nordeuropäische Romantiker gibt es noch: Außerhalb der Zentren, in den im Reiseführer nicht oder nur am Rande erwähnten Orten und Gegenden im Hinterland. Ruhige Plätze unterm Platanendach, plätschernde Brunnen, buntes Gedränge zwischen duftenden Marktständen, das Klacken der Kugeln beim Petanque...



Und natürlich Weingüter, abgelegen, von der Hauptstraße weg. Die überraschen oft, wie die Domaine Grand Cros bei Carnoules. Auch da wohnten wir mal vor einigen Jahren. Charmant wurde bei einem Besuch eine kleine Degustation zusammengestellt. Hier geht es, wie man auch auf dem Foto sieht, recht sinnlich zu. Die Spitzenweine heißen "Nectar", die roséfarbenen Schaumweine "La Maitresse" und "La Rivale". Eine modern gemachte Basislinie wird unter dem Namen "Jules" vermarktet.

Einkauf bei Grand Cros: Der Reisewagen ist zwar schon voll bis unters Dach, aber 2 Kartons passen immer noch rein...

Weiter gehts im Departement Var etwas östlich nach Draguignan. Das war mal unser Einkaufsort für größere Besorgungen im Sommer 2007. Wir hatten ein paar Kilometer weiter in Flayosc ein Ferienhaus gemietet. Draguignan hat eine alte Tradition als Garnisonsstadt, es geht dort immer noch recht militärisch zu. Die Stadt ist Sitz der französischen Infanterieschule und der französischen Artillerieschule. Am Ortsrand sind die Einrichtungen zu sehen, mit allerlei Kanonen davor.
Von da aus in Richtung Lorgue liegt die der Domaine Roubine, ein stattliches Weingut, wo direkt vom Rad runter verkostet wurde. Lorgues selbst ist ein schöner Marktflecken, Trüffelfreunden bekannt durch Bruno, den Trüffelkönig. Sein Restaurant "Bruno" etwas südlich des Ortes und ist bekannt - natürlich - für seine ausschweifenden Trüffelmenüs. Die schwarzen Knollen werden da großzügig über alles gehobelt, was die Küche verläßt, bis auf die Desserts.





Ein Pflichtort für Weinfreunde kommt kurz danach: Man sollte auf jeden Fall unten im Tal der Argens bei Les Arc das Maison des Vins aufsuchen. (Fast) alle Weine der Provence - Appellationen werden dort präsentiert und verkauft.

Ehe es an der Küste weitergeht, nochmal ein kleiner Abstecher nach Norden. Eigentlich auch ein "Muß-Ziel" für eine Provencereise ist Aix-en-Provence. Mit Aix verbinde ich einen Besuch im Jahre 2006, natürlich an einem Markttag. Sowas zieht Deutsche, Engländer und Niederländer ja magisch an. Der Markt verteilt sich, wie üblich, in den Gassen und Plätzen der Altstadt. Herrliches Angebot, aber auch sehr anstrengend.


Eine Pause haben wir uns dann im bekanntesten Café der Stadt gegönnt, im Deux Garçons am Cours Mirabeau, dem Laufsteg der Stadt. Wenn man da so sitzt und den hübschen Studentinnen zuschaut weiß man, warum Aix für die Franzosen zu den Städten mit der höchsten Lebensqualität gehört. Für Süßsüchtige ist schräg gegenüber eine wichtige Anlaufstelle: Die Pâtisserie Béchard lockt mit einer traumhaften Auswahl französischer Konditorenkunst und den berühmten Calissons d’Aix, ein Naschkonfekt aus Mandeln, kandierten Melonen und Orangen.




Ein Wein ganz aus der Nähe ist seit langer Zeit einer meiner Favoriten unter den Südfranzosen. Es war einer der ersten aus der Region, die ich überhaupt verkostet habe. Und das wirkt ja häufig nachhaltig und man hat dann ein Abo drauf für lange Zeit.
Es ist die "Cuvée Tradition" der Domaine Richeaume. Das Weingut liegt am Fuß der Montagne St. Victoire in Puyloubier. Da malte Cézanne, da wanderte auf seinen Spuren Peter Handke und da hat die Fremdenlegion eine Art Altersheim für Invaliden. In dieser eher betrüblichen Einrichtung war ich mal für eine Fotoreportage.
Doch zum Wein. Seit über 30 Jahren wird hier unter dem Patronat von Henning Hoesch nach streng ökologischen Kriterien Weinqualität erzeugt. Meinen ersten "Richeaume" trank ich 1997, es war der 93er, damals für 13,50 DM im Weinland Keiler (heute Mövenpick Weinkeller) gekauft. Körperreich, intensiv dunkelbeerig schon in der Nase, dabei angenehm mit viel Frische mundfüllend. Grenache, eingebunden in Syrah und Cabernet Sauvignon. Die Spitzencuvée heißt COLUMELLE, lohnend, einer der besten Weine aus der Provence aus Cabernet und Syrah.

Weinhügel mitten im Bandolgebiet: Klein aber fein...

Das Etikett der Domaine Le Galantine bringt es auf den Punkt:
Sonne, Reben, Meer

Zwei bekannte Unterappellationen und für viele sicher die beiden bekanntesten Weine der Provence liegen an der Küste: Bandol und Cassis.
Die Reben in Bandol haben Meerblick. Inmitten des Rosé-Sees in der Provence ist dies eine kleine AOC mit absolut hochklassigen Roten, bei deutschen Weinfreunden immer noch zu wenig beachtet und unterbewertet. Eine liebliche Hügellandschaft, urige Dörfer, Blicke aufs Meer, und Weinberge voller Mourvèdre. Die dickschalige und spät reifende Sorte gibt sich jung gern etwas zickig und spröde. Da wissen die fruchtweichen Weine, die ringsum im Süden Frankreichs auf Basis von Grenache/Syrah erzeugt werden, in ihrer Jugend oft besser zu gefallen. Bandol braucht also Zeit, die Weine profitieren sehr von Alterung. Zudem sind Bandols keine aufgespritzten Bodybuilder, keine plumpen Begeisterer. In der überschaubaren Appellation gibt es keinen zugespitzten Streit zwischen Bewahrern und Erneuerern, man bemüht sich durchweg um seriöse Qualitäten. Sicher gibt es Unterschiede in Qualität und Lagenpotential. Einige Erzeuger setzen auf Einzellagen, da geht es dann auch ins Geld. Doch selbst da bleibt es noch unterhalb von dem, was z. Bsp. heute für Top-Gigondas, geschweige denn für die Spitzen in Chateauneuf aufgerufen wird. Die regulären Gutsweine bleiben unter 20€ und das ist für solch einen Cru ein gutes PL - Verhältnis.

Bandolverkostung = Pflichttermin
Für Bandol gibt es zwei Anlaufstellen für einen Überblick: Einmal direkt in den Weinbergen bei Le Castellet das Maison du Vin Bandol (Foto oben) mit herrlichem Rundblick über die Weinberge bis hin zum Meer und in Bandol am Meer selbst das Maisons des Vins.




Weiter westlich an der Küste in der kleinen AOC Cassis dominiert der Weißwein, der Anteil liegt bei 80%. 12 Weingüter bauen auf 210 Hektar Fläche vor allem Marsanne und Clairette an. Die Weine sind duftig, frisch, sehr passend zur leichten Sommerküche mit viel Fisch.




Cassis ist zunächst ein kleiner Badeort mit einem malerischen Hafen, gebettet in eine relativ enge Bucht zwischen der steil aufragenden Felsküste dort. Östlich von Cassis fallen die Felsen am Cap Canaille bis zu 340 Meter steil ins Meer ab, die höchste maritime Klippe Frankreichs. Oben führt eine spektakuläre Straße längs, die Route des Cretes. Die bin ich mehrfach mit dem Auto gefahren, 1992 auf einer größeren Südfrankreichtour mit einem 200er Diesel.

Weiter Blick vom Cap Canaille im Jahre 1992: Unten die
Bucht von Cassis, im Hintergrund die
felsige Calanques-Küste in Richtung Marseilles

Wo sollte man noch hin, wo verbinden sich Wein und Landschaft an der Küste in beeindruckender Weise? Eine sichere Empfehlung ist ein Abstecher auf die Insel Porquerolles. Man erreicht dort den geographisch südlichsten Punkt der Provence. Eine kleine, der Küste vorgelagerte Insel mit einem besonderen Reiz. Obwohl es in der Saison vor Tagestouristen wimmelt, liegt ein Zauber auf dem Eiland. Flora und Fauna wirken fast karibisch, die Zikaden brüllen laut, an der Nordküste gibt es türkisschimmernde Buchten und Sandstrände, die Südküste fällt schroff und felsig ins Meer. Und über allem weht ein warmer Wind.



Für einen Tagestrip bewegt man sich auf der Insel am Besten mit dem Mountainbike. Am Hafen gibt es mehrere Verleihstationen. Ideal ist natürlich ein mehrtägiger Aufenthalt, gern in der Nachsaison. Entweder im legendären Luxushotel Mas de de Langoustier, einsam am Ostzipfel gelegen. Oder in einer kleinen Pension im Ort. Da kann man dann am Place d'Armes sitzen und Georges Simenons "Mon ami Maigret" lesen. Der spielt genau hier. Dazu natürlich ein Inselwein, in dem Krimi wird ständig ein Weißer getrunken.
Zwei Güter gibt es auf der Insel. Die Domaine de la Courtade, die vom Elsässer Richard Auther geleitet wird. Bekannt in der Gastronomie ist die günstigere Alycastre-Linie. Bei den Flagschiffen (La Courtade) gibt es einen sehr feinen Rosé, einen Weißwein aus der Rebsorte Rolle (Vermentino) und einen Roten aus Mourvedre.
Das anderer Weingut ist die Domaine de l'Ile, immer noch im Besitz der Nachfahren von Jean-Francois-Joseph Fournier, ein belgischer Ingenieur, der in Mexiko reich geworden war. Ihm gehörte bis Ende der 1930er Jahre die gesamte Insel.

Auf Porquerolles nimmt man das Mountainbike:
Hinter Weindeuter der Plage de Notre-Dame 2006

Direkt gegenüber auf dem Festland hatte ich vor drei Jahren mal in Bormes les Mimosas ein besonderes Genußerlebnis. Im Grunde ganz einfach, nix Berühmtes. Aber gerade deshalb nachhaltig  in Erinnerung und für die Provence typisch. Gefüllte Gläser, Tiegel, Teller und Tische an und in einem Haus am Südhang des Maurenmassivs, nicht weit vom Meer bei Le Lavandou. Sehr malerisch gelegen mit engverschachtelten Häusern und steilen Treppen ist Bormes durchaus ein "In-Dorf" geworden, mit schicken Restaurants und kleinen Mode-und Keramikläden. Doch was Jahrhunderte gewachsen ist, behält seinen Charakter, auch wenn es sich in der Saison an Markttagen drängelt...




Die letzte Station an der Küste und damit für diesen kleinen Trip soll Nizza sein. Da wird es schon sehr italienisch. Ich selbst kenne Nice leider nur von der Durchreise. Für mehr als ein kurzes Abfahren der Promenade des Anglais hat es nicht gereicht. Einmal auf der Rückreise im Jahre 1996 in Richtung Heimat, es war schon ein herbstlich kühler Tag Ende September, lockte das Wasser zu einem letzten Bad im Mittelmeer. Es ist ziemlich klar dort und schimmert in tiefem Türkis, es ist ja auch ein Kieselstrand. Das Foto unten zeigt die Stelle, es hatte die Nacht zuvor gestürmt.



Beim Wein sollte man in Nice unbedingt zu einem Bellet greifen. Diese kleine Appellation zieht sich oberhalb hinauf an den Abhängen der Seealpen. Bellet ist neben Chateau Grillet an der Nordrhone (wird auch noch von der Tour gestreift) die kleinste AOC in Frankreichs mit nur einer Hand voll Erzeuger. Knapp 40 Hektar ergeben ca. 800 bis 1100 hl Wein.
Ich hab leider keinen hier, Bellets verlassen die Region eigentlich kaum. Der Großteil der ohnehin nicht großen Menge wird direkt von den Genießern vor Ort getrunken. Allerdings gab es mal einen Bellet bei einem schönen Abendessen vor einigen Jahren. Eingeladen hatte Claude Berdah-Fischer, die einige Jahre eine kleine Weinhandlung in Dortmund-Körne betrieb. Das Besondere: Claude stammt aus Nizza. Claude’s Weinhandlung war "ein Stück französische Lebensart, in dem kleinen Laden ging es stets mit mediterraner Leichtigkeit zu". Ein Bericht hier bei Genußbereit (klick).

Collet de Bovis 2003 rouge der Domaine du Fogolar, ein selten anzutreffender Genuß aus den Rebsorten Braquet und Folle Noire. Kein Blockbuster, sehr würzig, finessenreich...

Eine Möglichkeit, von dort die Provence zu verlassen, ist natürlich rüberzumachen, gen Italien, die ligurische Küste entlang. Zurück dann nach Deutschland durch die Poebene, mit einem Übernachtungs- und Genußstop im Barologebiet und/oder an einem der oberitalienischen Seen. Das haben wir 2007 mal gemacht.
Oder man bleibt erst mal noch im Lande, fährt direkt nach Norden und genießt ländliches Frankreich pur. In Richtung Grasse wird es schnell steil, eine Stadt mit verwinkelten Gassen, recht hügelig, natürlich bekannt als die Stadt der Düfte, als Stadt des Parfüms. Auf jeden Fall ab hier die legendäre N 85 nehmen, die Route Napoleon. Eine Traumstraße vom Mittelmeer bis hoch nach Grenoble in den alpinen Raum.



Der Korse nutzte die Marschroute, als er, von Elba kommend, am 1. März 1815 mit 1200 Mann an der französischen Küste landete und über Grasse, Digne, Sisteron und Gap bis nach Grenoble 335 Kilometer in einem siebentägigen Gewaltmarsch zurücklegte. Am 20. März 1815 zog er schon wieder als Kaiser in den Tuilerienpalast ein. Allerdings nur für hundert Tage, danach kam Waterloo. Die Geschichte endete bekanntlich auf St. Helena im Südatlantik.

Ich bin die Strecke in beide Richtungen öfter gefahren, mit unterschiedlichen Fahrzeugen, früher auch welche in durchaus kritischem Erhaltungszustand.

1990 unterwegs mit dem Strich 8:
Frühstück an der Route Napoleon


1994 mit dem Kadett B in Sisteron:
Das "Tor zur Provence" an der Route Napoleon

Für den Routier bietet die Route herrliche Ausblicke und Stationen. Auf der Strecke liegen Lavendelfelder, Weinberge und einer der größten und tiefsten Schluchten Europas, der Grand Canyon du Verdon, 21 Kilometer lang und bis zu 700 Meter tief. Allein das lohnt schon die Reise. Der Verdon fließt als grünes Band im Talgrund und mündet in den türkisfarbenen und erfrischenden Wassern des Lac de Sainte Croix. In dieser wenig touristisierten Ecke zwischen Provence und Hochgebirge geht es, auch kulinarisch, sehr angenehm zu.

Gibt es in der Hochprovence noch allerorten:
Ländlich-rustikale Gastlichkeit, hier aufgenommen
in Laragne-Monteglin 2007

Bei Sisteron, dem "Porte de la Provence" mit seinem spektakulären Felsdurchbruch der Durance, nimmt die meditterrane Anmutung dann ab, stattdessen genießt man quellklareBäche und spektakuläre Blicke in die Seitentäler mit ihren schneebedeckten Gipfeln des Alpenhauptkamms. Architektur und Vegetation ändern sich und bevor man die Alpenmetropole Grenoble erreicht, bietet sich noch kurz vorher ein Halt direkt an der N85 am Lac du Petichet an. 

Weindeuter an der Route Napoleon: Lac de Petichet (2007).
Verkostet wurde ein roter Vin de Savoie aus der Rebsorte Gamay:
Erfrischender Genuß auf der Etappe


Zum Abschluß noch ein paar Buchtips. Immer noch ein Treffer ist der schöne Band "Provence, Küche Land und Leute" von Martina Meuth und Bernd Neuner-Duttenhofer (16,95 hier): Mit Liebe und Leidenschaft geschriebene und fotografierte kulinarische Reportagen.

Für Weinkrimifreunde zwei Titel, die in der Provence spielen, beides leichte Kost: Peter Mayles "Ein guter Jahrgang" und Michel Böcklers "Sterben wie Gott in Frankreich".

Zwar ohne Wein, dafür für mich immer noch die schönste Erzählung zur Provence ist Marcel Pagnols autobiographische Romantrilogie "Souvenirs d’enfance / Eine Kindheit in der Provence", verfilmt als "Der Ruhm meines Vaters" und "Das Schloß meiner Mutter".