Posts mit dem Label Burgund werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Burgund werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

22.12.2013

Atzwentzweine...(1)

Adventszeit, jedes Jahr der große Countdown: Berge aus Lebkuchenherzen und Marzipankartoffeln verstopfen die Supermarktgänge. In den Städten stehen Bretterbuden, es dampft nach Glühwein und frittiertem Blumenkohl. Lichterketten spenden Glanz, tauchen den vorweihnachtlichen Wahnsinn in gnädiges Zwielicht. Da versüßt sich Weindeuter lieber die Wartezeit aufs Christkind wieder mit dem ein oder anderen Adventswein.


Am 1. Adventswochenende ging es nach Coswig/Anhalt zum Priorat-Hammer, natürlich zu einer großen Prioratprobe (Bericht folgt). Für den Einstieg am Abend zuvor hatte ich aber etwas anderes vorgesehen: Chateau de Beaucastel Chateauneuf du Pape 1995 (aktueller Preis ab 60€) Die Flasche lag schon länger im Keller, Zeit ihn aufzuziehen, er ist mit 18 Jahren ja immerhin schon volljährig. Sehr schöne intensive Rauchnase, dunkel, voll, deutliche Entwicklung, im Mund viel Wärme. Frucht und Gerbstoff sind durch Reifung zu sehr befriedigendem balsamischen Trinkfluß integriert.



Am 2. Advent dann eine Einladung zum "Kaffee". Und da kommt ohne Vorwarnung plötzlich ein großer reifer Weißer auf den Tisch und in die Gläser, sogar noch 4 Jahre älter als der Kollege vom Wochenende zuvor. Bienvenues Batard Montrachet Grand Cru / Domaine Henri Clerc et Fils. Eine legendäre Weißweinlage im Burgund, nur 3,5 ha, wie im Burgund üblich parzelliert und unter einer Handvoll Erzeuger aufgeteilt.
Altweine daraus gehen normalerweise nicht für unter 50€ weg, zum Teil weit darüber, natürlich abhängig von Erzeuger und Jahrgang (1991 war kein so guter...) Neuflaschen von Toperzeugern  kosten über 200€. Der Clerc ist günstiger, aber auch nicht für unter 100€ zu haben. Umso schöner die Geschichte, daß dieses Exemplar auf einem Bochumer Flohmarkt für unter 5 € erstanden wurde.
Aber was kann der noch, der Franzosenchardonnay? Der Korken war ziemlich durchgeweicht, geradezu flutschig und rutschte beim Ansetzten des Korkenziehers einfach nach unten in den Flaschenhals. Im Glas dann dichtes Gold bis Bernstein. Deutliche Entwicklung, aber noch lebendig, Orangenzeste, nach Öffnung und Atmung dann Trockenaprikose, einwöchige Rosenblätter, auch Nußecke. Im Mund dann noch sehr schön, angezählt aber noch nicht ausgezehrt, etwas Honig, in Summe mit edler Delikatesse.



26.11.2010

Genug gelegen, jetzt wird getrunken (5)


Aus dem staubigen Kellerfundus von liegengebliebenen Flaschen aus dem letzten Jahrtausend heute mal ein Wein aus dem Burgund:
Santenay 1er Cru "Gravieres" von Prosper Maufoux, einem Negociant eleveur (d.h. es werden Trauben oder Jungwein zugekauft und in den eigenen Kellern verarbeitet, gereift und unter eigenem Label vermarktet). Der Wein von der Cote D’Or Wein präsentiert sich in seinem 13. Lebensjahr in angenehmer  Abgeklärtheit. Schöne reife Nase, feuchter Waldboden, im Mund keine nervösen Frucht - und Gerbstoffspitzen, appetitliche Säure, herbstliche Herbheit.



09.07.2010

Zwei Burgunder

 

Burgund - altes Weinland. Mönche haben die Landschaft entlang der Saône weitgehend umgewandelt, waren Geburtshelfer für die Landwirtschaft und verantwortlich für die Anlage der Rebflächen, wie sie heute noch existieren. Auch in ihrer gestrengen und im Burgund nicht leicht zu durchschauenden Hirarchie von Grand Crus, 1. Crus und berühmten Lagen wie Chambolle- Musigny, Pommard, Clos de Vougeot - alle einst in Ordenshand. Erst die französische Revolution machte dem ein Ende, brachte die Enteignung des Kirchenbesitzes und führte in der Folge zu einer enormen Zersplitterung des Weinbergsbesitzes. Darum ist die Bourgogne ein Minenfeld für Weinfreunde. Sehr unübersichtlich auf der Suche nach wirklicher Qualität. Vieles, auch mittelmäßiges ist sehr teuer. Die historisierende Pracht des burgundischen Weinverkaufs hat diesen Weinen im Laufe der Zeit eine Verehrung eingebracht, die immer weniger von ihnen noch verdienen. Trotzdem übt besonders der Pinot Noir aus dem Burgund eine weltweite Anziehungskraft aus, keineswegs nur bei "Old-school Trinkern". Und wenn alles stimmt, sind die Spitzenweine dort in ihrer filigranen Pracht natürlich auch "Engelspipi", wie es ein Weinweiser einmal bei einer Burgunderprobe neben mir ausdrückte.


Zwei Weine sind bei mir heute passend zur Etappe der Tour de France offen: 
  • Cotes de Nuits-Village "Les Monts de Boncourt" 2005 von Domaine Gachot-Monot aus Nuit-Saint-Georges
    100% Chardonnay, eine Auslese in nur sehr geringer Menge, nur 1500 Flaschen von diesem Wein verlassen das Familiengut (insgesamt 12 ha Anbaufläche). Herrlich helles Gold, man greift gerne zum Glas. In der Nase entwickelte Noten, Eiche und Frucht haben sich zu einer mit Nüssen verzierten alkoholgetränkten Herrencreme entwickelt. Im Mund hält er sich stärker zurück, reifer Apfel, hat aber noch Frischepotential. Im jetzigen Zustand ein Wein zu einem der kräftigen Küchenklassiker der Bourgogne, wie etwa den Hechtklößchen in Sauerampfersoße.
  • Bourgogne A.O.C. 2005 von Domaine Gachot-Monet
    Der Einstiegs - Pinot des Hauses. Gereiftes Rot, orangefarbener Saum. Auch in der Nase leichte Reifenoten, getrocknete Früchte und ungeputze Pilze. Im Mund mittelgewichtig mit schmeckbarer Säure,  pikanter Pfeffer, sagt im Abgangang überraschend lang Pinooooooot. Gut.
    (15€ Weinzeche Essen)

17.04.2010

Weinüberraschung aus dem Burgund



Am schönsten ist immer, wenn ein guter Wein unverhofft, also überraschend wie der Gott aus der Maschine auf dem Tisch steht. Schuld war vor kurzem daran der Mahlzeitvogel, Betreiber eines Grand-Cru-Genußblogs. Wie immer brachte er auf Besuch eine Flasche mit, die ich zunächst bei oberflächlicher Betrachtung in die Kategorie "solide Trink-Qualität" einordnete und ihr erst mal 2 1/2 Stunden  Kühlschrankkühlung gönnte. Es war aber gar kein kalt + klar-Typ, wie ich zu spät sah, sondern ein hochwertiger weißer Burgunder, eine Einzellage eines kleinen Winzers (5 ha) aus der Appelation Pouilly-Fuissé:  Belemnites 2007 Domaine Chataigneraie-Laborier (Gilles Morat) (ca. 15€). Ein sehr goldfarbener, dichter Wein aus 42 Jahre alten Chardonnay-Reben, Honigduft mit cremig-nussiger Komponente vom Holzausbau, kombiniert mit frischer Lebendigkeit. Wie gut, daß dazu ein Rotbarbenfilet mit Pestokruste und gebratenem grünen Spargel vorgesehen war, eine ebenbürtige leckere Paarung.
"Wo haste den denn her ?"
"Ach, wußt ich gar nicht, was das ist. Ein Geschenk von nem Freund, der den auch geschenkt gekriegt hat. In Frankreich, auf Geschäftsreise..."

So musset sein ! Hier noch mehr zu den Franzosen, die Leckeres zu den Menschen rechts des Rheines bringen: Französischer Gourmetmarkt