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08.01.2013

Silvester in Holland: Morgon, Champagner, Port...

Der Weindeuter wünscht allen
ein genußreiches 2013
Zum Jahreswechsel ging es wieder in unser schönes Nachbarland, in das Königreich der Niederlande. Auch dort wird ja an vielen Orten Wein produziert. Das wurde hier in der Vergangenheit schon öfter gewürdigt und Weine aus den Niederlanden kamen in die Verkostung.
Eine gewisse Tradition hat der Weinbau allerdings nur im Süden, in Limburg und Brabant. Das bekannteste und renommierteste Weingut ist immer noch Apostelhoeve der Familie Hulst bei Maastricht, im "burgundischen" Teil der Niederlande. Weingärten gibt es aber im ganzen Land verteilt, Tüftler, Hobbywinzer, weinverrückte Milch - und Gemüsebauern nutzen das landwirtschaftliche Kow-How, um Trauben anzupflanzen und selber zu vinifizieren (zusammenfassend diese website: "Wijngaarden in Nederland")
Ein Wein aus diesem Bereich, der mir mal recht gut mundete kommt aus Zeeland: Rivaner - Auxerrois 2010 vom Weingut  De kleine Schorre (11,5% / 9,90€). Näheres zum "Hollandwein" beim Weindeuter hier und hier.


Was den Konsum in diesem Silvesterurlaub anging, war der Weindeuter konservativer. Es wurde eher klassisch getrunken. In Erinnerung an den Aufenthalt in Lyon im Herbst gab es einen Morgon. Diesem Cru aus dem Beaujolais sagt man ja nach, daß er gut altern kann. Und dann in das Stadium des "morgonnierens" kommt. Und so war es auch. Morgon 2006 von Marc Signerin (12% / 12€) präsentierte sich gereift und ruhig, mit feiner Kirschfrucht, leicht, bekömmlich...
Champagner muß natürlich sein, wenns knallt müssen auch die Korken knallen. Gobillard Tradition hatte schöne Hefenase, reife Birne, feine Perlenbrausung im Mund.


Ansonsten gab es zweimal ein süßes Zungenküsschen. Ein Rest vom Weihnachts-Port war noch in der Flasche. Quinta de Noval Port LBV 2005 Douro (19% / 19€) präsentierte sich auch nach zwei Wochen offen als reichhaltiger-süßrauchiger Genuß.
Dann etwas aus Griechenland, ein Tribut an den Sommer auf Kreta mußte am Jahresende sein: Samos Vin Doux 2009 L'Union de Cooperatives Samos (15% / 9€). Eine honigduftige Essenz, Muscat, reichhaltig, cremig, dicht. Dabei aber nicht überschwer, seidige Ölung für den Gaumen...



Ansonsten gibt es an der Noordzee natürlich schöne Biere, die Niederlande und Belgien halten eine Vielzahl von Kloster, Spezial - und Starkbieren bereit. Für Weinfreunde passen die gut, weil die Trappisten & Co. in der Regel in schönen großen Kelchen serviert werden und aromatisch von großem Reichtum sind. Verkostet wurden u.a. Brand Imperator, Ciney (Empfehlung!), Palm und Westmalle Dubbel.





27.12.2012

Weihnachtsweine 2012



Zu Weinnachten regiert die Tradition, keine kulinarischen Experimente! Das gibt Halt auf hoher See und vereinfacht die Abläufe, auch wenn es hektisch wird. Weder Hummer noch Bockwurst - hier gibts zum Heiligabend immer: Maronencremesuppe, einen winterlichen Salat mit Orangen, roter Beete, Walnüssen und dann einen Krustenbraten vom Schwein. Nur die Weine wechseln natürlich. Was übrigbleibt wird an den beiden Feiertagen dann ausgetrunken und verputzt...

Die Kandidaten in diesem Jahr waren:

Schneider "Kaitui" Sauvignon Blanc 2012 Pfalz (13% / 10€) Der "Neuseeländer" aus der Pfalz, das Motto hier: duftige Exotik, Leichtigkeit und Frische. Auch die Maronensuppe dazu war in diesem Jahr leichter, süffiger, dank Zugabe von Wein.

2010 Domaine des Aires Hautes "Réserve" Minervois La Livinière (14% / 10€) Ein Favorit in seiner Klasse! Obwohl die Gesamtaromatik des Südfranzosen weit über seine preisliche Einstufung von 10€ hinausweist. Die Brüder Chabbert erzeugen einen absoluten overachiever, Glückskauf pur. Sehr dunkel im Glas, zunächst volle Erdigkeit, Gerbstoff, viel Baß, braucht Luft, unbedingt dekantieren. Dann bringt er auch differenzierte Mittel- und Obertöne zu Gehör, wird richtig freigiebig, teilt Fruchtsüße und delikate Würze aus, Topwein.   

Hunnicut Zinfandel Napa Valley (15% / 26€) Fruchtpralle Californication, erfüllt völlig, was man von einem Zinfandel in dieser Kante erwartet, absoluter Gaumenpleaser. Ich machs mir mal einfach und zitiere kurz aus der Mövenpick-Notiz, die bringt es nämlich auf den Punkt: "Tiefes Purpurgranat. Konzentriertes Backpflaumenbouquet und Zimt, Schokokirschen, Heidelbeerkonfitüre, typische Zinfandelwärme ausstrahlend. Crèmig-weicher Gaumenfluss mit perfekt ausbalancierten Tanninen und verschwenderischer dunkler Kirschfrucht, Bienenwachs, geléeartige Extraktsüsse und betörende Fülle in der saftigen Mitte, Cocktailkirsche, Zwetschgenkompott und feine Honig-Mocca-Note im sanft ausklingenden Finale." Noch Fragen?

Quinta de Noval Port LBV 2005 Douro (19% / 19€) Nun ja, Port passt natürlich zu Weihnachten, muß einfach sein, als Nachtisch. Volle Ladung, Zartbitterschokolade, Kirschlikör, süßer Tabak. Kein Zwang zum schnellen  Leeren der Flasche, es ist bis heute immer noch was drin...

Soweit für diese Jahr, allen einen geschmeidigen Rutsch.
Auf ein Wiederlesen in 2013!







18.09.2012

3 Aldisten - Schatten und etwas Licht


Drei Aldi Aktionsweine im Kurztest: Frankreich, Portugal, Spanien

  1. Corbières 2011 Abfüller Andreas Oster/Cochem (13%/2,50€) Einen Wein aus dem heißen und wild-hügeligen Corbières im Süden Frankreichs gab es in den letzten Jahren bei Aldi regelmäßig. Und der war gar nicht mal so schlecht, ist mir mehrfach als "Partywein" begegnet. Durchaus bei Weinfreunden, die aber angesichts einer großen Menge an Besuchern "on a budget" unterwegs waren. Der hatte rustikale Frucht und Würze, konnte man trinken. Leider hat Aldi den Rotstift angesetzt und lässt jetzt Tankware in der Oster-Weinkellerei in Cochem an der Mosel abfüllen. Und verkauft das für den gleichen Preis. Der Wein ist völlig austauschbar, könnte auch der Dornfelder sein, der im gleichen Hause abgefüllt wird. Leicht süßlich, dünn im Mund, kein Charakter, einfacher Suffwein.

  2. Vale Perdido 2010 Vinho Regional Lisboa Casa Santos Lima (13%/5€) Ein 290 ha großer Betrieb, produziert wird eine große Bandbreite an Weinen. In diesem hier ist ein bunter Rebmix aus Castelao, Trincadeira, Camarate, Touriga Nacional, und Syrah drin. Kein schlechter Wein, der kleine Portugiese hält auch nach Tagen noch eine schöne Amarenakirschfrucht, im Mund leicht und frisch, weiches Tannin, wirkt süffig, gut.

  3. Tempranillo 2007 Vinedos y Bodega Pablo Carinena (14%/5€)  Die Flasche hat ein 90 Punkte Parkerfähnchen um den Hals. Ich frage mich immer, ob sowas bei Aldi wirklich zieht. Wie auch immer, der Spanier steht dicht im Glas mit schöner rauchiger Frucht. Gute Mundfülle, hat Kraft - der Beste im Triplet.

28.06.2012

Zwei Portugiesen: Azamor aus dem Alentejo


Portugal, Land am Rande Europas. Leider viel zu kurz und schon einige Jahre her - eine Reise nach Lissabon. Unvergessliche Stadt, in der sich der Horizont nach Westen weitet, atlantische Stadt mit tiefer offener Seele. Seitdem mag ich sehr gerne Portugiesen im Glas, Weinvorlieben sind immer "gefühlig" by the way...
Portugal, natürlich auch ein Land mit eigenständiger Weinkultur. Die ist keineswegs nur ein Anhängsel des großen iberischen Bruders im Osten, sondern entwickelt nach langen Jahren der Abgeschiedenheit eigene Dynamik. So auch hier. Azamor im Alentejo ist mit 60.000 Flaschen p.A. ein mittelgroßer Betrieb, die Rebstöcke sind noch jung (gepflanzt 2001), beschäftigt wird ein australischer Önologe und man bemustert freundlicherweise auch deutsche Weinblogger mit seinen Erzeugnissen. So soll es sein...
  • Azamor 2008 (Syrah, Touriga Franca, Merlot, Alicante Bouschet, Trincadeira, Touriga Nacional, Petit Verdot  14,5% / 10€) Der "kleine" Azamor, ein ganzer Strauß an Rebsorten ist drin. In der Nase schön voll, ein beerendralles Früchtchen, intensiv-saftige Noten. Freunde eines guten Einsteigerzinfandel kommen hier auf ihre Kosten. Schöne Reifesüße, etwas Vanille, modern aber nicht aufgespritzt-marmeladig wirkend, eher der trinkig - süffige Stil. Am Gaumen trotz hohem Alkoholgehalt angenehm. Hielt sich gut über drei Tage. Gutes PLV.
  • Azamor Selected Vines 2007 (Syrah, Touriga Franca, TourigaNacional, Alicante Bouschet 14,5% / 20€) Der große Azamor, eine Auslesqualität mit mehr Syrah drin, längerer Faßausbau. Vom Charakter ähnlich, hat aber mehr Wumms und Dichte. Dunklere Noten, Zartbitterschoko. Im direkten Vergleich kam der frischere und saftigere Charakter des Kleinen besser an.

Lissabon...

08.12.2010

Weine zum 2. Advent: Mosel und Douro


Erst der 5. Dezember und trotzdem schon der 2. Advent ! Es ist also noch viel Zeit, um dem Monat Dezember Gerechtigkeit widerfahren zu lassen und beim Weingenuß in vorweihnachtlicher Stimmung die Schlagzahl etwas zu steigern. Zum 2. Advent gab es am Sonntag zwei Weine von zwei Flüssen, von der Mosel und vom Douro.
  • Heymann - Löwenstein Hatzenporter Kirchberg 2007 / Erste Lage /Mosel (12,5% / 21€)
    Weinfreunden was über Reinhard Löwenstein und seine Moselrieslinge zu erzählen ist überflüssig, beides sind mittlerweile Legenden, weit über das reine Winzertum hinaus. Löwenstein ist Streiter und in tiefer Erkenntnis der Materie geerdeter Fachmann des Weins mit philosophischem Tiefgang. Ansehenswert seine Homepage (hier), lesenswert sein Terroir - Buch (hier). Der Kirchberg zeigt Größe, wie nicht anders zu erwarten. Helles prallreifes Steinobst, Pfirsich, Aprikose, animierend voller Duft, im Mund dann cremiges, beinahe öliges Gefühl, schöne Süße, reichhaltig und dicht. Ist aber schon einen Moment weg von "nur Frucht", eine aromatische Ahnung der Reife, zarte Nußigkeit stellt sich ein...sehr gut.
  • Monte Fernao Douro 2008 / Bodegas Calheiros Cruz  (Tinta Roriz, Touriga Franca, Touriga Nacional 15% / 11,80€)
    Der Wein wird vom Mövenpick - Weinkeller zwar als besonders authentisch herausgestellt, ist aber in seiner ganzen Stilistik ein modern gemachter und auf unmittelbares Gefallen ausgerichteter Vollschmecker. Schon in der "offiziellen" Beschreibung ist vom "Charmeur aus dem Douro", von "gefälliger Fruchtsüße, Pflaumenpüree und Korinthenschokolade" die Rede. Ich kann das nur bestätigen. Der Wein entwickelt schon in der Nase eine fast unanständige Süße, ginge in jeder Blindprobe als Überseebombe durch. Setzt sich im Mund fort, da tun dann auch noch die 15% Alc. ihr Werk. Doch was soll ich sagen, geschmeckt hat das Pralinchen am 2. Advent schließlich doch. Draußen Eis und Schnee, da wärmt so was. Außerdem war es passend zu einer ganz mürb geschmorten Rindsroulade.


11.04.2010

Lusitanische Schlemmerei


Bloggen ist zum Glück nicht nur einsames Sitzen vor dem Monitor, sondern führt manchmal auch zu genußreichen Begegnungen. Schon zum zweiten mal lud die Freundin des guten Geschmacks zum Bloggermenü, diesmal unter dem Motto "Portugal". Durch der Köchin intime Kenntnis der lusitanischen Küche kamen authentische Köstlichkeiten auf den Tisch, wahrlich keine gängige Urlaubs-, Grill- und Knoblauchpastenküche. Nach dem Einstieg mit einem Glas Poncha und weißen Bohnen das obligatorischen Couvert, hier Brot, Oliven, Butter, diverse Salze. Dann ein Dreiklang, optisch und geschmacklich großes Kino: Küchlein vom Bacalau, Salat vom Pulpo, Jacobsmuscheln. Deftig herzhaft dann die Caldo Verde mit Wursteinlage. Der Wein dazu bisher: Spritzig-frischer Vino Verde (Terras do Minho 2009 Jacques Weindepot  4,95€)
Zwei Rote dann zum Hauptgang, einem Gericht aus der Cataplana, Ragout von Muscheln und Bäckchen vom Iberischen Schwein: 
Grou 2006 (Mövenpick Weinkeller ca. 15€) Die Top-Cuvée der Sociedade Agricola do vale de Joana aus dem Alentejo. Ein dicker Klopfer aus Aragonez (Tinta Roriz), Alicante Bouschet, Trincadeira und Touriga Nacional. Schwere  Flasche, schokoladig (alkohol)schwerer Wein, geschmeidig-modern gemacht.
Pactus Touriga Nacional 2000 (aktueller Jg. ca. 12€ hier) der Quinta do Carneiro, super gereift, delikat-dichter Duft nach Himbeeren und Veilchen, passte zur Cataplana besser. Dazu wäre übrigens auch der geschmeidige weiße Esporao Branco sehr gut gewesen.
Dann gabs ein erfrischendes brasilianisch inspiriertes Caipirinha Sorbet mit Ananas und schließlich die berühmten Pastéis de Nata. Da hab ich drei Stück von gegessen, gut, daß es dazu zweimal was Süßes im Glas gab:
Barbeito Boal 10 Years Old - ein klassischer Madeira und Warre´s Otima 10, ein 10 Jahre gereifter Tawny Port (Mövenpick Weinkeller 17€). Der stammt zwar aus dem ältesten in Portugal gegründeten britischen Porthaus (1670 !!), war aber in einer auffallend modernen Flasche mit entsprechendem Etikett abgefüllt. Zitat: "...with a striking ultra-modern package designed to appeal to a new, younger generation of Port enthusiasts."

Mehr zur lusitanischen Schlemmerei bei Genußbereit und Geschmackssache

08.04.2010

Osterweine...


...gab es beim Weindeuter nur in reduzierter, einfacher Form, die Rückreise aus dem Weinland Holland und das Sonnenwetter ließen Raum für Unbeschwertes.
Penfolds Bin 2 Shiraz Mourvedre 2006 (ca.14 €)
Ein Mittelklasseaustralier aus Massenhand ! Bei Penfolds denke ich immer weniger an den Grange, sondern eher an die Millionen Flaschen, die der Großbetrieb jährlich raushaut (und die alle ja vom Flagschiff Grange profitieren sollen, auch durch ähnliche Aufmachung etc.) Also, der Bin 2 ist weniger kitschig und kuschelig als befürchtet, hat auch weniger Alkohol als die meisten anderen Einstiegsaustralier (13,5%). Nicht zu süß, durch die Mourvedre ist Frische mit dabei, sehr gute "Rote Früchte mit weißem Pfeffer - Aromatik".
La Grange Merlot Pabiro VdP 2007 (5,90 €)
Ein Rebsortenwein aus dem Languedoc, hat mit dem oben erwähnten Grange nix zu tun. Ist aber vielleicht eine gewollte Assoziation des Winzers, der bei diesem Wein auch das Zauberwort "Terroir" etwas zu groß aufs Etikett gedruckt hat. Denn der La Grange ist ein einfacher Tischwein mit süffigem Gaumenfluss, der auch kellerkühl sehr gut schmeckt (hier zum gegrillten Hüftsteak mit Bärlauchpesto).
Herdade do Esporao Branco 2008 (zw.14 und 18 €)
Ein Weißer aus dem Alentejo in Portugal, bereitet aus den regionalen Rebsorten Arinto, Antao Vaz und Rupeiro, Barriqueausbau, 14% Alkohol. Ein Wein mit Charakter, sattes Gelb - offensichtlich das Gegenteil des klirrend-klaren Rieslingtyps. Erinnert in seiner cremig-weichen Substanz an Schmelz und Fülle eines weißen Chateauneuf du Pape. Sehr schöne Beschreibung des Weins hier bei Jancis Robinson MW.

Schmelzig-floraler Charakterkopf aus dem Alentejo

25.03.2010

Frühlingsgruß...


...mit einem Vinho Verde, dem "Riesling Portugals", wenn diese Analogie mal erlaubt ist. Zwar steht Vinho Verde (der grüne, frische Wein) nicht für eine Rebsorte, die Grünen aus Portugal erinnern mich aber manchmal an einen deutschen Rieslingtyp: Frischer Apfelduft, knackige Säure, leicht (auch im Alkohol, hier 11%). Genau so ist der gerade im Garten probierte "Veigas da Matanca" Vinho Verde 2009 der Valdelima - Cooperativa Polivalente de Desenvolvimento Rural.

22.03.2010

Probe in Essen...

Rieslingworkshop mit Markus del Monego

...veranstaltet von der Weinhandlung Rolf Kaspar, das Ladenlokal liegt in Essen an der Ruhrallee, die Veranstaltung im Stile einer Hausmesse fand aber in der Stadtgarten-Gastronomie in Essen-Steele statt. Für die komplette Verkostung wurden nur 10€ berechnet und man sah ein besonders junges und vor allem weibliches Publikum, wie es auch dem Genießer in seinem Bericht zur gleichen Veranstaltung schon aufgefallen war.
Doch vor dem Vergnügen stand an diesem Abend die Pflicht, ein Weinworkshop zum Thema "Riesling" wurde besucht, Dozent war der bekannte Markus del Monego MW ! Der Mann ist kleiner als gedacht aber auch viel lustiger. Locker und und natürlich voller Kenntnis kommentierte er die Eigenheiten der ausgeschenkten deutschen Rieslinge, unter häufiger Würdigung des Binger Lochs für die mikroklimatischen Bedingungen des dortigen Weinbaus am Rhein. Mein Favorit hier war die 2008er Zeltinger Sonnenuhr Riesling Auslese von Schömann (14,50€/Mosel).
Im Saal herrschte schon fröhliches Treiben, schlendern & schlürfen war angesagt. Nach den Rieslingen suchte ich vor allem rote Gewächse auf, zunächst die komplette Reihe von Herdade dos Lagos (HDL) aus dem Alentejo/Portugal: Vom einfachen Tinto bis zur Syrah Reserva (16,95) kraftvolle Tanningeschütze. Konzentrierte Holzbomben aus der Maremma/Italien von der Fattoria di Magliano wurden präsentiert von zwei Italienern im Maßanzug mit verschränkten Armen: Poggio Bestiale (sic!) und Perenzo (36,95€). Rebsorten: ABS (anything but sangiovese).
Das erste Highlight dann zwei sehr engagiert und freundlich servierte Bordeauxs: 2006er Chateau Mondorion und 2005er Grand Enclos du Chateau de Cerons (eigentlich für ihre edelsüßen Klassiker bekannt). Schmelzig-elegante Aufsteigergüter zu zivilen Tarifen (19€ / Foto links) .Top auch die Weine der Celler Capcanes aus dem Montsant in Spanien (nähe Priorat in Katalonien), hier lohnt die gesamte Palette, schon der Lasendal für 8,50€ hat Charakter, die "dickeren" Mas Torto und Cabrida  haben trotz Kraft differenzierte Aromatik. Das gleiche gilt für die Weine von Chateau Moyau aus La Clape/Südfrankreich. Für mich die Entdeckung der gesamten Veranstaltung. Keine Einheits-Schoko-Würze-Syrahs sondern feinfruchtige Essenzen mit viel alter Carignan, Cinsault und Mourvedre drin, je nach Cuveé (6-33,95€) Probieren ! Nochmal Südfrankreich, Domaine Coudoulis von der südlichen Rhone zeigte in aller Bescheidenheit drei Rote, alle klasse. Flagschiff die süßreife Saftbombe "Cuveé Bacchus 2005" für 12,95€. 
Nach den bewährten Spätburgundern von Bercher und Ziereisen noch ein reichhaltiger Schönling aus Südafrika:  Momberg 2005 von Middelvlei Estate. Ein Exot muß auch noch Erwähnung finden, aus der Thermenregion/Österreich wurde ein Merlot - Eiswein ausgeschenkt (Johanneshof Reinisch, 20€ 0,375): Leichter (9%) und tänzelnd-süßer Abschluss.

Extravagant in Essen: Weinprobe mit Hund und Merlot Eiswein

04.03.2010

Schnell austrinken !

Eine Flasche Tawny Dee von Niepoort (ca.17€) hatte ich angebrochen, als draußen der Winter bei minus 9 Grad nicht enden wollte. Zwar hat er natürlich nicht die Wucht und Dichte eines "richtigen" Vintage-Ports, er wirkt eher hell, saftig, mit einer gewissen fruchtigen Frische. Trotzdem bereiten Noten von Trockenfrüchten, Nüssen und Bitterschokolade zusammen mit dem Alkoholgehalt von 20% einen eher üppigen Gaumeneindruck. Deshalb muß diese Moin-Cheri Praline aus Portugal nun schrittweise vernichtet werde - ehe der Frühling kommt...  

10.02.2009

(Wein)party - 5 Rote !


Eine größere Zusammenkunft am Wochenende bot die Möglichkeit, mal einige Flaschen nebeneinander zu probieren, eher Party als aufwändige Weinprobe – nicht nur Weinfreaks konnten so einbezogen werden, was für eine Beurteilung ja auch von Vorteil sein kann…
  • SABOR REAL 2006 war der Einstieg, intensive sehr fruchtbetonte Nase, Würze und Kraft im Mund, durchaus kein weicher Schmeichler, trotzdem sehr „trinkig“, durch die zugängliche Frucht angenehm gebremste Gerbstoffe. Ein Discountwein von Plus, „geadelt“ durch 90 Parkerpunkte, durchaus mit Charakter.
  • Auch der zweite war ein Spanier, BALTHASAR GRACIAN 2006, ein Garnacha aus alten Reben (vinas viejas). Feinere, zartere Nase, wirkte insgesamt weniger breit, aber nicht weniger intensiv. Im Gegenteil: Kleine reife rote Beeren im Duft, der Mund mineralischer und kühler, alles irgendwie fokussierter, wie auf das Wesentliche scharfgestellt.
  • Dann kam REGAIN 2006 vom Mont Ventoux, schon unten ausführlich vorgestellt. Im Vergleich zum Balthasar wärmer schon in der Nase, im Mund dann baut sich der Aromen-und Alkoholberg auf, viel Körper, Druck und Dichte – eine (Alkohol)bombe. Das Dickschiff am Tisch mit viel Präsenz. 
  • Nr. 4 dann wieder einer von der ibereischen Halbinsel, jedoch ein Portugiese: PORTA DE CALADA 2003. Auch hier 15% Alkohol, jedoch ganz anders präsentiert. Seidige Noten in der Nase, Schoko, Erdbeer, im Mund nicht dick, eher tänzelnd mit angenehmem Süß-Säure-Spiel. Auch warm und voll, dabei elegenter als Vindemio. Die leichte Reife des 2003ers ist hier positiv.
  • Schließlich VINA CLAUDA 2002, ein Spanier eines bekannten spanischen (Kult)winzers. Zusammengefasst: Gegen die „Claudia“ waren alle 4 davor, trotz aller Unterschiede, rustikale Bauernburschen. Sehr seidiger, balsamischer Duft, eine weiche süße reife Spur ziehend, Schokokirsche, cremig, vanillig, dabei aber nicht aufdringlich sondern elegant und fein. Viel reife, klassische spanische Tempranillo–Aromatik, viel Wein für den Flaschenpreis von 9,95.
Fazit: Alle Weine hatten eigenen Charakter, waren durch ihre unkomplizierte Zugänglichkeit (wein)partytauglich, boten aber auch dem Weinfreak genug differenzierten Genuß und Gesprächsstoff.

Sabor Real 2006 Bodegas Campina / Toro-Spanien / Plus Discount 5,99€
Baltasar Gracian 2006 Bodegas San Alejandro / Calatyud-Spanien / C+D Weinhandel 7,50€Regain 2006 Domaine Vindemio / Mont Ventoux-Frankreich Mövenpick Weinland 5,90e statt 8,50€Porta de Calada 2003 Herdade da Calada / Alentejo-Portugal / Feinkostladen in NL 9,80€Vina Claudia 2002 Dehesa La Granja / Zamora-Spanien Mövenpick Weinland 9,95€

03.02.2009

Charme und Robustus - zwei noble Portugiesen


Ein spannender Weinprobentermin im Hinterzimmer einer 2-Raum Weinhandlung in Essen (Vino Grande), versammelt war eine kleine elaborierte Herrenrunde, eine Art After-Work-Weinklub. Und es gab entsprechenden „Stoff“. Nicht von der (ein)gängigen Sorte, sondern seriöse „Debattierweine“.
Alles lief auf 2 Portugiesen zu, zwei mächtige Flaschen aus dem Hause Niepoort für je 67€. Niepoort - ein traditionelles Portweinhaus, vor 167 Jahren von Niederländern gegründet und noch immer in Familienbesitz, daß auch seit einiger Zeit herausragende „Normalweine“ erzeugt.

Charme 2006 polarisierte die Runde, sehr hell in der Farbe, zarte florale Nase, im Mund weich, transparent, auf der Zunge tänzelnd. Das Wort Burgund fiel, ja er hatte einen Pinot - Touch, ja - er war differenziert, ja - man konnte so einiges erschmecken, dennoch: Niepoorts Charmeur war für mich etwas zu elegant und weich, ein edel gekleidetes Modell. Wie früher Claudia Schiffer, teuer - aber auch etwas langweilig.

Robustus 2004 machte da schon etwas mehr Druck, dunkler, würziger in der Nase, schwarze Schokolade, Noten vom Barrique, jedoch auch kein „Dickschiff“, kein „Fruchtmonster“ , Säure und Tannine machten den Wein lebendig. „Serious stuff“ gewiss - trotzdem wurde angesichts des Preises nachgefragt und so einiges in den Raum gestellt: „Kommt die Länge von der Säure oder von der Frucht ???“ war so ein Kommentar.

Weindeuters Verdict: Differenzierte sinnliche Gewächse, die Raum für endlose Debatten bieten, so wie ein Stück von Pina Bausch - nicht jedermanns Sache…