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20.03.2015

Lebanese Wine Day




Weine aus dem Libanon sind hierzulande Exoten. Auch vielen Weinfreaks fällt dazu meistens nur der schon lange eingeführte Chateau Musar ein. Das ist, wie leider so vieles in dieser Welt, vollkommen ungerecht.
Zunächst ein kurzer Blick zurück. Der Weinbau im Libanon hat eine lange Tradition, ist aber bis in unsere Zeit gekennzeichnet durch den Wechsel von Niedergang und außerordentlichen Zeiten des Wachstums.
In der Antike gehörte das Gebiet des heutigen Libanon zum historischen Kanaan, wo ja bekanntlich schon Jesus Wasser in Wein verwandelt hat. Man bewegt sich beim Verkosten sozusagen auf biblischem Boden.
Die Phönizier sorgten für den ersten großen Boom. Sie verbreiteten mit ihren Schiffen die reichhaltigen Weine der Levante im ganzen Mittelmeerraum, die ersten Weinhändler der Welt.
Während der langen muslimischen Herrschaft hielten Juden und Christen das Wissen um die Rebkultivierung aufrecht, die Weinproduktion wurde in geringem Umfang bis in die Neuzeit nach antiken Methoden betrieben.
Spannung kommt erst wieder Mitte des 19. Jh. durch die Franzosen ins Spiel. Unter ihrem Schutz wird die autonome Provinz Mont Liban ausgerufen, 1857 legen Jesuitenmönche den Grundstein für den neuzeitlichen Weinbau und gründen das Weingut Ksara, nach einer ehemaligen Festung aus der Zeit der Kreuzritter.
Während der französischen Mandatszeit zwischen den Weltkriegen steigt die Nachfrage nach Wein, Beirut wird zum "Paris des Nahen Ostens". Es kommt zu umfangreichen Neupflanzungen, vorwiegend französische Rebsorten wie Cinsault, Carignan, Mourvèdre, Grenache, Merlot, Cabernet Sauvignon, Syrah, Sauvignon Blanc, Blanc, Sémillon und Chardonnay.
1930 gründete der Gaston Hochar Château Musar, das legendäre Weingut, welches bis heute für den libanesischen Wein ein dickes Ausrufezeichen setzt und einen Platz unter den Crus dieser Welt behaupten kann.
Erneuter Rückschlag dann durch den libanesischen Bürgerkrieg zwischen 1975 und 1990. Rebberge im Bekaatal wurden zerstört, der Weinbau kam beinahe zum Erliegen.
Wenn heute wieder von einer Renaissance des libanesischen Weinbaus die Rede sein kann, sprechen wir hier von einer Entwicklung der letzten 20 Jahre. Viel Geld wurde in die Modernisierung der Weingüter gepumpt, gleichzeitig gab es Neugründungen, z.T. innovative Boutique-Weingüter mit ausländischem Kapital und Beratung.
Im Jahr 2010 erzeugten im Libanon rund 40 Weingüter auf rund 30.000 ha etwa acht Millionen Flaschen, wobei die sechs größten Erzeuger (Château Ksara, Château Kefraya, Château Musar, Château St. Thomas, Domaine Wardy und Massaya) für 85% der Jahresproduktion verantwortlich sind.


Um die Weine der Levante bekannter zu machen, fand am 5. Mai im Hotel Ritz-Carlton in Berlin der "Lebanese Wine Day" statt. Die vom libanesischen Landwirtschaftministerium organisierte Veranstaltung gab Profis aus der Weinbranche, Medien und Weinliebhabern die Möglichkeit für einen großen Quervergleich, einiges kam in die aufnahmebereiten Gläser und sorgte wieder einmal für Verblüffung ob des gebotenen Niveaus, vor allem bei den Roten. 



Landwirtschaftsmnister Libanon verkostet

Kelly Khaled im Dialog (Weinstore24)


Fadi Geara mit seiner Frau vom kleinen aber feinen Weingut Aurora
mit Ibrahim Makhoul aus Bonn (Phönicia-Lounge)

Joe-Assaad Touma vom Weingut Clos St.Thomas mit Weindeuter



Marquis de Bey der Domaine de Tourelles, feine Klassik...

Ixir, moderner Newcomer auf Top-Niveau

Libanon-Riesling aus Höhenlage







21.03.2014

Party-Rote

Superduftig, superfruchtig, supersüffig, supergeil...

Nicht immer nur analytisches Schlürfen, genaues Wägen, Einordnen und Normieren  - das ganze elaborierte Getue um den Wein hat zwar seinen Reiz, kann aber auch nerven. Es gibt Situationen, da geht es einfach um Menge, um Durchsatz, um die Befriedigung von durstigen Kehlen netter Menschen, die dem selbstreferentiellen Spiel um das Göttergertränk vollkommen unzugänglich sind. Ganz normale Leute, die einfach nur mal ein "lecker Weinchen" trinken wollen, oder auch zwei...
Und damit ergibt sich für den Weinfreak als Gastgeber ein Problem. Ganz aus der unteren Schublade darf man nicht einsteigen und irgendwelche Suffweine anstellen. Das würde auf einen zurückfallen. Wie gesagt, es geht um Leute, die zwar nicht in die Thematik einsteigen wollen, aber durchaus weinerfahren sind und schon wissen, was ihnen schmeckt. Der andere Fehler wäre, zu kompliziert aufzutischen und einzufüllen, womöglich verbunden mit langatmigen Erklärungen. Eine Gradwanderung also zwischen seriöser Qualität und unmittelbar trinkiger Genußzugänglichkeit, in den letzten Wochen gab es mehrfach die Gelegenheit, Party-Rote in diesem Sinne zu öffnen...




Zwei  aus "Übersee", immer eine sichere Bank für Leute, die richtig was im Glas und im Mund haben wollen, eingängige Spieler mit viel Primärfrucht und Kraft. 




Zwei Südfranzosen aus der Provence, auch in der Regel ein Treffer für Starkweintrinker. Beide Kandidaten präsentierten sich voll, viel Schmackes im Glas: Viel Wärme, Grenache-Schmelz, dunkle Frucht, Reife im Vindemio, der Paradis paradiert mit Frische und etwas Biß vom Cabernet.   



Ein etwas ausgefallenes Pärchen, für die Neugierigen am Tisch. Einmal ein Norditaliener aus dem Veltlin, ganz oben an der Grenze zur Schweiz. Mit 94PP hochdekoriert und der Teuerste hier in der Runde. Ein Sfursat vom Fuße der Alpen, hergestellt nach der Amaronemethode: Die Trauben trocknen 120 Tage lang in Holzkassetten, sie verlieren dabei bis zu 35 Prozent ihres Gewichtes. Dadurch erhöhen sich Zucker- und Alkoholgehalt. Viel Reife, Wärme, viel Alkohol, die Amarenakirsche im Glas. Sowas sollte nicht zu Beginn angeboten werden, kommt aber gut mit seinen likörigen Schmeicheleinheiten als Absacker.
Goldene Aufdrucktypographie, mattierte Flasche, so steht er da, ein Exot aus dem Libanon aus Cabernet, Syrah, Grenache, Merlot. Weinfreunde, die hier öfter lesen, wissen, da kommt viel Gutes her (Probenbericht hier). Der ´05er ist noch voll da, reichhaltig in Nase und Mund, kein ganz Lauter, hält Eleganz, Top-Schluck.



Ein Süditaliener und ein Kalifornier in enger Verwandschaft! Der Primitivo kam Mitte des 19. Jh. vom Absatz des Stiefels über den großen Teich und wurde dort zum Zinfandel. Um den entstand in der Renaissance des kalifornischen Weinbaus ein regelrechter Kult, Zin wurde zum flüssigen Inbegriff kalifornischer Lebens - und Genußart. Auch der Primitivo hat, zusammen mit anderen Rebsorten des Südens wie Negroamaro und Nero d´Avola, einen Aufschwung in der Beliebtheit genommen und geholfen, Teile des süditalienischen Weinsees zu leeren. Vor allem bei Freunden warmer, fruchtiger und gerbstoffgezügelter Weine. Insofern war dieses Duo in den Gläsern ein Selbstläufer. Der Masseria kann als der ideale Partyschluck gelten, frei nach Friedrich Liechtenstein: Superduftig, superfruchtig, supersüffig, superlecker, supergeil...
Der Zinfandel kommt aufwändiger daher, ein Hinkucker natürlich die Hippieflasche. Im Glas dann noch sehr schön, ich hatte erst Bedenken wg. der 8 Jahre, Zinfandel altern häufig nicht so toll, die Primärfrucht des jungen Weins ist oft einfach zu attraktiv. Der hier hatte allerdings nicht abgebaut, war vielleicht sogar der attraktivste Wein der ganzen Reihe hier. 




Die Roten aus dem Rioja sind für viele ein wichtiger Teil ihrer Weinbiographie, auch für mich standen die vom langen Holzausbau und Flaschenreife geprägten Tempranillos traditioneller Machart am Beginn der Weintrinkererei. Die Crianzaklasse bot für überschaubare Tarife viel Duft, Schmelz und Charakter. Auch heute gibt es da immer noch viel Stoff fürs Geld. Auch wenn Rioja in letzter Zeit vermehrt auf teure und hochgezüchtete Spitzen setzt und bei den Einsteigern mehr auf schnelle Frucht als auf Reife, wird man bei den Klassikern immer noch fündig. Der Canas kann was, für 17€ gibt es sanften Genuß ohne Hektik, der Wein beruhigt. Typische Nase aus Vanille und Orangenschale, auch im Mund gute Harmonie von feiner Süße, Fruchtsäure und würzigem Rauch.





10.01.2014

Weihnachtswein 2013: Ein Edler aus dem Morgenland


Neues Jahr, neue Weine. Weindeuter gehört nicht zu denen, die sich zum Jahresbeginn alberne Vorsätze nehmen, so in Richtung Verzicht und Gürtel enger schnallen. Und deshalb geht es hier auch immer weiter mit Verkostungen und besonderen Genußmomenten. Auch in 2014 läuft hier das Weintagebuch aus dem Ruhrpott, viele Weine werden in die stets aufnahmebereiten Gläser fliessen, es wird gerochen, geschmatzt, gegurgelt und geschluckt.

Doch zunächst ist noch einiges nachzutragen aus 2013. Nach den Adventsweinen (klick hier, hier und hier) gab es natürlich auch einen Weihnachtswein. Und das war in diesem Jahr ein sehr Passender, denn er kam ganz so wie die heiligen Drei Könige aus dem Morgenlande zu uns her...

Doch der Reihe nach. Zu Weihnachten regiert die Traditon, keine kulinarischen Experimente. Das gibt Halt auf hoher See und vereinfacht die Abläufe, auch wenn es hektisch wird. Weder Hummer noch Bockwurst - hier gibt es zum Heiligabend immer: Maronencremesuppe, einen winterlichen Salat mit Orangen, roter Beete, Walnüssen und dann einen Krustenbraten vom Schwein. Der hatte in diesem Jahr die beste Kruste, weil ich zum ersten Mal etwas Entscheidendes richtig gemacht habe. Statt die dicke Fettschicht zunächst im Bräter scharf anzubraten, habe ich die nämlich erstmal eine Stunde bei nicht zu großer Hitze im Fond geschmort. Sie schwitzte aus, wurde dünner, wurde weicher, ließ sich herrlich einritzen. Dann das Ganze umgedreht, eine weitere Stunde im Ofen gegart, zum Ende hin dann Farbe und Knusper nehmen lassen. Also ein rustikales Gericht, in München gibt es in der Regel ein Helles dazu. Am Heiligen Abend kamen nach weißem Vorgeplänkel aber zwei Rote in die Gläser, zu Beginn eine kleine Ouvertüre mit einem alten Bekannten.




Tinto Pesquera aus dem Ribera, ein Klassiker vom Altmeister Alejandro Fernandez. Der "einfache" Crianza aus 2011war hier genau richtig am Tisch, überzeugte durch direkten Aromenzugriff. Der Wein hat Schmackes, eine volle Frucht, Kraft, ist insgesamt dicht gebaut, allerdings ohne Übertreibung an Konzentration oder Gerbstoff, sehr angenehm jetzt schon zu trinken, zum Schwein ein gutes (Tempranillo)match. Außerdem passt die Aufmachung mit dem vielen Gold und dem gekreuzten Tor einfach gut zum Anlaß, das Etikett war einfach unsere Krippe für den Abend.

Dann der Edle aus dem Morgenland, großer Auftritt: Comte de M 2006 Chateau Kefraya (14,5% / 40€) Libanon und Wein ist immer ein interessantes Thema. Ich hatte in letzter Zeit zweimal Gelegenheit, an größeren Proben dazu teilzunehmen. Sie fallen bei uns unter den Exotenstatus, Weinlaien können damit gar nix anfangen. Die fragen höchstens, in völliger Unkenntnis der Materie, was denn "die Moslems da unten mit Wein zu schaffen hätten". Weinfreaks fällt zum Libanon meistens nur der schon lange eingeführte Chateau Musar ein. Das ist, wie leider so vieles in dieser Welt, vollkommen ungerecht. Denn Weinbau hat im Libanon natürlich eine uralte Tradition, ist aber bis in unsere Zeit gekennzeichnet durch den Wechsel von Niedergang und außerordentlichen Zeiten des Wachstums. Wer bei Wein und Libanon "heißgekochte" und plumpe Gewächse voller Alkohol assoziiert liegt falsch. Die Tropfen profitieren in ihrer Gesamtaromatik von der ausgeprägten Höhenlage vieler Pflanzungen, z. T. bis in weit über 1000 Meter Höhe. Und man spürt, daß sich viel französisches Know-How bei der Abstimmung der Cuvées erhalten hat. In den Qualitätsspitzen kommt durchweg Wohlgeschmack ins Glas. 
Was brachte der Comte am Heiligabend? Die erste Assoziation: Ein Bordeaux im Glas? Ein Großer etwa? Schmelz, Eleganz, Cassis, Süßkirsche, Crema, Rauch, Tabak, Zigarrenkiste, sehr fein, absolut harmonischer Trinkfluss, Touch of Magic...



Zwei feine Weiße vorweg, zum (Maronen)süppchen
trafen sich die Pfalz und Mallorca:
Chardonnay Réserve 2011 von Bernhard Koch







23.12.2013

Atzwentzweine...(2)


Das Warten aufs Christkind wurde auch in diesem Jahr wieder mit einigen Adventsweinen überbrückt. Nach den beiden Altweinkrachern am 1. und 2. Advent (´95er Beaucastel und ´91er Montrachet) folgten am 2. und 4. Advent einige Rote, allesamt Südkinder, eines sogar direkt aus dem Morgenland...




Tandem Syrah 2010 Thalvin/Alain Graillot Marokko (14,5%/11,90€) Der Wein ist das Produkt einer Zusammenarbeit des Winzers Alain Graillot von der nördlichen Rhone mit der Winzerfamilie Thalvin aus Marokko, in deren Kellerei der Wein auch vinifiziert wird. Frucht und Pfeffer ist hier das Motto, dunkel, guter Baß, keine Überbreite, hat auch Raffinesse.
Syrah Domaine Wardy 2007 Libanon (13,5%/12%) Sehr reife Frucht, Rumtopf, weich, etwas Syrahschärfe, schöne Länge, kleiner Hitzkopf aus dem Bekaa-Tal.




Bonne Pioche Pic Saint Loup 2011 Domaine Clavel Languesdoc (14,5%/12,90€/ 65 % Syrah – 15 % Grenache – Mourvèdre 20% ) Ein Maul voll Rotwein, üppige süßreife Frucht, volle saftige Ladung, ein Spaßwein, Mouthpleaser, nicht schüchtern drauf, genau wie sein Macher...
GR-174 Casa Gran del Siurana 2010 Priorat (14,5% / 14,€ / Garnatxa-Caranyena-Cabernet Sauvignon) Das Priotatprojekt von Castillo Perelada, benannt nach einem Wanderweg, der durch das Priorat führt. Für einen Priorat sehr zugänglich und offen, modern gemacht. Keine Wummsbombe für Prioratfreaks, kann man bedenkenlos in eine Südweinprobe stellen.
Sió 2011 Bodegas Ribas Mallorca (14,5% / 20€ / 50% Mantonegro-25% Syrah-15% Cabernet Sauvignon 10% Merlot) Mit 300 Jahren eine der ältesten Bodegas der Insel. Der Wein ist top-notch. Großes Kino von der Insel, der Beste hier in diesem Quintett. Hat für knapp 20€ schon den Touch of Magic, überschreitet die Stufe von "gut trinkbar" zur Exzellenz. Feine Nase, seidige und dabei volle Frucht, hinterläßt am Gaumen Wohlgefühl, sehr stimmig ohne Übertreibungen.

14.06.2013

3 Weiße: Südtirol - Sizilien - Libanon

Endlich Wärme, Frühling, Frühsommer. Auch wenn es anderswo regnet (oder plästert, wie wir hier zu sagen pflegen) und Flüsse das Land überfluten, hier im Ruhrpott scheint die Sonne. Auf also in die grünen Gärten, Weißweine öffnen, frische Kühle genießen! Drei Kandidaten der letzten Tage hier in der Kurzvorstellung, das Motto ist "ABR / Anything but Riesling"...


Premstaler Sauvignon Blanc 2009 Kellerei Kaltern Südtirol / Italien (12€ / 14,5%) Ein Sauvignon von den Kalterer Genossen, wächst in exponierter Lage am Sonnenhang südlich von Bozen auf 500 Meter Höhe. Kein Leichter, der Wein hat Stoff, kommt schon in intensiv-güldenem Gelb aus der Flasche. Cremige Birne, exotische Noten, im Mund voll, weich, zeigt schöne Entwicklung. Guter Begleiter auch zu kräftigen Speisen, da bindet der hohe Alkohol. Die Erzeuger empfehlen u.a. Hirnpofesen.


Bacaro Grillo 2012 Cantina Cellaro Sizilien / Italien  (9€ / 13%) Ein Selbstläufer ist dieser Schönling, ansprechende Aufmachung mit Reliefetikett auf klarer Flasche. Im Glas dann Frische pur, Blütennase, tanzt auf der Zunge, fruchtsaftige Limette, zarte Säure, ein Lustmacher, perfekter Gartenwein.


Les Gourmet Blanc 2011 Clos St. Thomas Vin de Békaa / Libanon (ab 8€ / 13%) Weine aus dem Libanon sind eine neue Leidenschaft, vor allem im roten Bereich. Da können die was, das wurde in letzter Zeit bei zwei großen Libanonproben schon eindrucksvoll unter Beweis gestellt (Blogposts  hier und hier)
Aber in Weiß? Nun, bitte hier keine knackig Rieslingaromatik erwarten. Der Wein kommt recht weich und in einer ausgewogenen Trinkbarkeit ins Glas, entwickelt einen süffigen Sog. Schon in der Nase ein duftiger Strauß, es sind ja auch aromenstarke Sorten drin: Sauvignon Blanc, Chardonnay & Viognier. Im Mund dann ein "Zungenstreichler", hält mit seiner balsamischen Art sehr gut Stand zur würzigen und vom Olivenöl geprägten Meze - Küche. Top.




30.03.2013

Libanon kommt - Probe mit Spitzengewächsen



Weine aus dem Libanon sind hierzulande Exoten. Weinlaien können damit gar nix anfangen. Die fragen höchstens, in völliger Unkenntnis der Materie, was denn "die Moslems da unten mit Wein zu schaffen hätten". Weinfreaks fällt dazu meistens nur der schon lange eingeführte Chateau Musar ein. Das ist, wie leider so vieles in dieser Welt, vollkommen ungerecht.

Zunächst ein kurzer Blick zurück. Der Weinbau im Libanon hat eine lange Tradition, ist aber bis in unsere Zeit gekennzeichnet durch den Wechsel von Niedergang und außerordentlichen Zeiten des Wachstums.
In der Antike gehörte das Gebiet des heutigen Libanon zum historischen Kanaan, wo ja bekanntlich schon Jesus Wasser in Wein verwandelt hat. Man bewegt sich beim Verkosten sozusagen auf biblischem Boden.
Die Phönizier sorgten für den ersten großen Boom. Sie verbreiteten mit ihren Schiffen die reichhaltigen Weine der Levante im ganzen Mittelmeerraum, die ersten Weinhändler der Welt.
Während der langen muslimischen Herrschaft hielten Juden und Christen das Wissen um die Rebkultivierung aufrecht, die Weinproduktion wurde in geringem Umfang bis in die Neuzeit nach antiken Methoden betrieben.
Spannung kommt erst wieder Mitte des 19. Jh. durch die Franzosen ins Spiel. Unter ihrem Schutz wird die autonome Provinz Mont Liban ausgerufen, 1857 legen Jesuitenmönche den Grundstein für den neuzeitlichen Weinbau und gründen das Weingut Ksara, nach einer ehemaligen Festung aus der Zeit der Kreuzritter.
Während der französischen Mandatszeit zwischen den Weltkriegen steigt die Nachfrage nach Wein, Beirut wird zum "Paris des Nahen Ostens". Es kommt zu umfangreichen Neupflanzungen, vorwiegend französische Rebsorten wie Cinsault, Carignan, Mourvèdre, Grenache, Merlot, Cabernet Sauvignon, Syrah, Sauvignon Blanc, Blanc, Sémillon und Chardonnay.
1930 gründete Gaston Hochar Château Musar, das legendäre Weingut, welches bis heute für den libanesischen Wein ein dickes Ausrufezeichen setzt und einen Platz unter den Crus dieser Welt behaupten kann.
Erneuter Rückschlag dann durch den libanesischen Bürgerkrieg zwischen 1975 und 1990. Rebberge im Bekaatal wurden zerstört, der Weinbau kam beinahe zum Erliegen.
Wenn heute wieder von einer Renaissance des libanesischen Weinbaus die Rede sein kann, sprechen wir hier von einer Entwicklung der letzten 20 Jahre. Viel Geld wurde in die Modernisierung der Weingüter gepumpt, gleichzeitig gab es Neugründungen, z.T. innovative Boutique-Weingüter mit ausländischem Kapital und Beratung.
Im Jahr 2010 erzeugten im Libanon rund 40 Weingüter auf rund 30.000 ha etwa acht Millionen Flaschen, wobei die sechs größten Erzeuger (Château Ksara, Château Kefraya, Château Musar, Château St. Thomas, Domaine Wardy und Massaya) für 85% der Jahresproduktion verantwortlich sind.

Vielleicht gibt es ja auf dem deutschen Markt Bewegung in Richtung Weine aus der Levante. Zumindest in der Berichterstattung tut sich was. Hendrik Thoma (klick) war vor kurzem im Bekaa Tal unterwegs, auf der Prowein gab es einen großen Gemeinschaftsstand, aktuell gibt es bei Captain Cork einen Libanesen, wenn auch wieder "nur" Chateau Musar.

Ich hatte schon im letzten Dezember Gelegenheit, an einer beeindruckenden Leistungsschau libanesischer Weinkunst teilzunehemen. In der Phönicia-Lounge in Bonn hielt man sich dabei nicht groß mit Präliminarien auf, sondern brachte wirkliche Spitzen aus dem Morgenland in die aufnahmebereiten Gläser. Eines vorweg: Wer bei Wein und Libanon "heißgekochte" und plumpe Gewächse voller Alkohol assoziiert liegt falsch. Die Tropfen profitieren in ihrer Gesamtaromatik von der ausgeprägten Höhenlage vieler Pflanzungen, z. T. bis in weit über 1000 Meter Höhe. Und man spürt, daß sich viel französisches Know-How bei der Abstimmung der Cuvées erhalten hat. Es kommt durchweg Wohlgeschmack ins Glas, welcher einen harmonischen Trinkfluss befördert. 


Chateau Fakra 2008 "Pinacle" (Cabernet/Syrah/Cinsault 13% / 9€) Zu Beginn schon ein herrliches Duftsträußchen, fruchtbetont, sehr frische Frucht, wache Säure, Thymian, Vanille, schöner Einstieg für unter 10€.

Domaines des Tourelles 2010 (Cabernet/Syrah/Cinsault 14% / 12€) Auch hier ganz auf der Fruchtlinie, appetitanregende Frische, kein Sattmacher, genau richtig für den Beginn.

Clos de Cana Rouge 2005 (Cabernet/Grenche/Syrah/Cinsault 13% / 9€) Sehr offene Nase, saftige Süße, erste Reife, fein, nicht fett.


Domaine Wardy Syrah 2007 (13,5% / 12€)% Es wird kräftiger, dunkler, blickdicht im Glas, kleiner Torfstinker, satter Fruchtkern, feines "süffiges" Tannin, Reifesüße, pendelt schön zwischen würziger Erde und beeriger Frucht.


Clos de Cana "Valée Lamartine" 2003 (Cabernet/Merlot/Syrah 13% / 15€) Viel Duft, Reife, erste Steigerung in Richtung Hedonismus im Glas. Weiche cremige Frucht, in der Mitte ein Sauerkirschkern, sehr gute Länge, ideelle Mischung aus Bordeaux und Chateauneuf du Pape. In der Mittelkasse unter 20€ ein Top-Wein.


Marquis des Beys "Grande Cuvée Pierre L. Brun" 2009 Domaine des Tourelles (Cabernet/Syrah 14%  / 25€) Ein Vollschmecker, intensiver Wein, seidige Nase, füllt den Mund sehr stimmig, raffiniert, erstes Raunen am Tisch, bisher der Beste.


"Perseides" Chateau Khoury 2007 (Syrah/Cabernet/Merlot 14,5% / 32€) Orientalische Aufmachung, wiederum offene Nase, etwas mehr Süße am Gaumen, recht weich, klassischer warmer mouth-pleaser Stil.


EL Ixir 2009 13,5% / ca. 40€) Neues Weingut mit interessanter Kellerarchitektur, moderne Aufmachung, hier hat man viel Geld in die Hand genommen und noch einiges vor. Die Önologie liegt in spanischen und französischen Händen. Ixsir will mit dem EL hoch hinaus, meldet Premiumanspruch an. Der Wein präsentiert sich sehr ausgewogen, will den Anschein zu hoher Konzentration vermeiden. Im Ergebnis viel internationale Eleganz, bei aller Reichhaltigkeit geschliffen.

Chateau Nakad 2005 (Cabernet/Syrah/Grenache/Merlot 14%/23€) Nach dem EL ein kleiner Schritt zurück, kann aber bestehen. Viel Frucht, Schoko, Mundfüller, geht in Richtung Perseides. Mattschwarze Flasche.


"Comte de M" 2006 Chateau Kefraya (Cabernet/Syrah14% / 40€)  Ein Großer, gilt nach dem Musar als die Nummer 2. Was kann der Comte? Ein Bordeaux im Glas? Ein Großer etwa? Schmelz, Eleganz, Cassis, Süßkirsche, Crema, Rauch, Tabak, Zigarrenkiste, Touch of Magic. Alles drin, mein Favorit des Abends, absoluter Top-Wein.


"Le Souverain" Ksara 2006 (Cabernet/Arinarnoa 13,5% / 45€) Ksara ist DER Klassiker im Libanon, seit 1857 von Jesuiten aufgebaut, 1973 nach einer Entscheidung des Vatikan privatisiert. Großer Betrieb mit insges. 300 Hektar Rebfläche, stetig modernisiert. Liefert sich mit Kefraya stets ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Dies ist der Spitzenwein, zum 150. Jahresjubiläum des Traditionsgutes produziert (1857-2007) aus 50% Cabernet Sauvignon und 50% Arinarnoa, einer sehr seltenen Rebsorte (weniger als 120 ha weltweit), einer Kreuzung zwischen Merlot und Petit Verdot. Stoff pur, hochkonzentrierte Granate, die ihren Hedonismus ungehemmt zur Schau stellt. Er wäre der Souverän, sicher. Wenn nicht an diesem Abend in Bonn auch noch die anderen Anwärter auf den Thron in die Gläser gekommen wären.


Aurora Cabernet Franc 2010 13,5% / 35€) Schon zum zweiten Mal verkostet, kommt sehr mitteleuropäisch daher. Waldboden, Trüffel, dunkle Früchte, ein Charakterschluck, sozusagen der Barolo der Verkostung - herrlicher Wein. Aurora ist eine Neugründung, nur 4000 Flaschen werden insgesamt pro Jahr auf 1,4 Hektar erzeugt. "Garagenwein" mit hohem Qualitätsanspruch.



Chateau Musar 1986 (Cabernet/Carignan/Cinsault 86er ca. 100€ / aktueller JG. ca. 30€) Und dann kam er doch noch ins Glas, die Legende. Ein Wein aus dem Libanon, der den Weg in die Gläser leidenschaftlicher Weintrinker planetenweit findet. Aus in 1000 Meter Höhe im Bekaa Tal gereiften Trauben wird er in Beirut in einer im Jahr 1930 gegründeten Kellerei bereitet. In den letzten Jahren habe ich in großen Abständen immer mal wieder einen MUSAR probiert. Manchmal: Enttäuschend, über den Berg, trüb + oxydativ. Meistens aber: Faszinierend, schillernd, - wie dieser herrlich gereifte 1986. Relativ hellfarben, tiefduftig in der Nase, süßwürzige orientalische Noten von getrockneten Früchten, Orangenschale. Nicht dick und aufdringlich, sondern fein und differenziert, der Wein tänzelt, eine insgesamt faszinierende und eigensinnige Aromatik, die viel "Gefühl" freisetzt. Wenn man schon Analogien anstellen will, wäre dies der Burgunder der Probe. Und somit ein würdiger Abschluß.












07.01.2013

Probe in Bonn mit Top-Libanesen...



Eine beeindruckende Leistungsschau libanesischer Weinkunst: Eine Probe im Dezember in der Phönicia-Lounge in Bonn brachte wirkliche Spitzen aus dem Morgenland in die aufnahmebereiten Gläser. Eine kleines Video schon mal hier, Verkostungsbericht folgt...



22.12.2012

Weihnachtsweine...


 ...schon 4 Tage vor Heiligabend: Bei einer Libanonprobe in der Phönicia Lounge in Bonn wurden Weine aus dem Morgenland aufgezogen, als gäbe es gar kein Morgen mehr. Hier im Bild die Libanonlegende 86er Musar und der herrliche Comte de M 2006 von Kefraya. Details folgen...



25.10.2010

Nordseeweine

Lekker drinken en eten aan de Zee:
Sushi-Bordeaux und Musar
 

Die Herbstwoche in Holland an der Nordsee: Viel Wind, etwas Wein - auch aus Trauben, die auf niederländischem Boden gewachsen sind, ganz unten bei Maastricht und auf den saftig - grünen Polderwiesen direkt hinter der Käsestadt Alkmaar - mehr dazu hier.
Zunächst wieder Bordeaux und Sushi, ein erprobter Snack für zwischendurch, diesmal am Strand von Egmond aan Zee, auch wenn der Wind einige Sandkörner auf den Reishäppchen verteilte. Das Sushi war nicht schlecht, eine kleine Bento-Box von Albert Heijn, allerdings nicht von der Qualität wie vor 3 Wochen in Hamburg von Hensler & Hensler.
Dazu ein einfacher Medoc: Chateau Le Chene 2007 (Fabre Viticulteurs in Cissac, eine klassisch - kräftige Mischung aus Cabernet Sauvignon 70% - Merlot 26% - Petit Verdot 4% / 10€).

Im Beauvin Wijnhandel in Alkmaar dann eine Flasche, die einen Kaufreflex auslöste: Chateau Musar, der Cru aus dem Libanon, Cabernet Sauvignon, Cinsault und Carignan – ungefähr 1/3 von jeder Sorte. Ein Exot, ein Mythos, eine Legende aus in 1000 Meter Höhe im Bekaa Tal gereiften Trauben, wird in Beirut in einer im Jahr 1930 gegründeten Kellerei bereitet.
Im Glas diesmal der aktuelle 2003 (ca. 29€) . Wie immer relativ hell in der Farbe, duftige Nase, ein exotischer Gewürzladen, feine vibrierende Frucht. Genauso im Mund, süßer Fruchtextrakt, samtige Gerbstoffe, dabei aber keineswegs dick und plump - der Musar wirkt beinahe "leicht", transparent, hält Balance. Dazu ein rosa gebratenes Biefstuk mit karamellisiertem grünen Spargel und etwas Pestokaas obendrauf - heerlijk genieten...

Bezugsquelle für Chateau Musar in D:  Le Marché du Levant