26.12.2009

Weihnachtsmenü


Zu Weinnachten gibt es ja oft ein Traditionsessen, ob nun Hummer oder Bockwurst mit Kartoffelsalat, die Speise zum Heiligen Abend ist vielen ein liebgewordenes Ritual. So begleitete in meiner Jugend der jährliche Mettkuchen mit Reissalat die Bescherung. Heute, unter meiner Zuständigkeit nicht nur für die Weinauswahl, sondern auch für die Speisenzubereitung, kommt am Heiligen Abend stets unser Menüklassiker auf den Gabentisch: Maronencremesuppe, winterlicher Salat mit Orangen, roter Beete und Walnüssen, gepöckelter Krustenbraten vom Schwein, Eis mit Früchten. Herzhaftes, erfrischendes, deftiges und feines - alles in leckerer Mischung.
Die Weine variieren, zur Suppe der  "Les Jamelles" Sauvignon Blanc 2008, fruchtfrisch, ein einfacher sauberer "Geradeauswein" aus Südfrankreich. Zum Fleisch dann der (angekündigte) Ami, "The Prisoner" 2005 von Orin Swift Cellars aus dem Napa Valley. Ein Dickschiff, wirkte wie doppelt konzentriert und entsprach in seiner Opulenz durchaus den Erwartungen und war zum würzigen Fleisch passend (mit cremiger, aus dem mitgegarten Wurzelgemüse gezogenen Soße). Er hätte aber eigentlich länger dekantiert werden müssen. Ein großes Glas schmeckte mir 24 Stunden danach besser. Der Prisoner wirkte wie freigelassen, gab sich entspannt, weich und schmelzig wie eine alkoholgefüllte Nougatpraline.

25.12.2009

Christmasdylan

Für heute ein passender Film: Eine laute Weihnachtspolka mit Prügelei + Bob Dylan serviert in schräger Verkleidung 2 Flaschen Wein. Video zur Dylan Weihnachts CD "Christmas in The Heart".

24.12.2009

Ja, der Weihnachtswein


Mein Weihnachtswein, nicht kompliziert, nicht nervös (bin ich heute schon selbst genug), barocke Fülle, samtige Frucht, streichelnd, so hoffe ich zumindest...
"The Prisoner" 2005 von Orin Swift Cellars /Napa Valley 39€ (48%Zinfandel, 26%Cabernet Sauvignon, 14% Syrah, 10% Petite Syrah, 2% Charbono)


Details folgen ! Frohes Fest !


23.12.2009

Schnee in der Provence

Im Postfach der Weihnachtsgruß eines Winzers aus der Provence: Domaine du Grand Cros aus Carnoules/Var. Da hab ich 2mal schon Wein mitgenommen, jetzt liegt da, wo im Sommer die Zikaden brüllen und die Hitze flimmert - Schnee ! Doch kein Klimawandel ??



22.12.2009

Weihnachtswein


Noch 3 Tage bis Weihnachten - für viele auch ein Genußhöhepunkt des Jahres. Ob nun zur Bockwurst oder zum Hummer, dazu gehört natürlich auch ein besonderer Wein. Den typischen Festtagswein gibt es aber nicht, vom klassischen Bordeaux kann die Palette bis zum Spitzenriesling gehen, vom finessenreichen Burgunder bis zum Vollschmeckershiraz. Welchen Wein öffnet ihr über die Festtage ? Wer Lust hat dies hier kundzutun, auch anonym, bitte einfach kommentieren. Im Bild oben mein Weihnachtswein, noch mit Mütze, enthülle ich dann am 24.

21.12.2009

4. Advent: Reifer Spanier und saftiger Italiener


Viel Gold auf den Etiketten: Adventsweine

Die vierte Kerze brennt und dazu immer noch keinen Glühwein ! Stattdessen etwas Gereiftes aus dem Keller, Condado de Haza 1996 (100% Tempranillo, aktuell ab 15€) von Alejandro Fernandez aus dem Ribera del Duero/Spanien. Der Korken war etwas bröselig geworden, der Inhalt der Flasche jedoch ein wirklicher Treffer: Balsamische Reifenase, Trockenfrüchte, Rosinen, alles fein eingebunden, entwickelt, aber ohne Anzeichen von Oxydation oder Zerfall. Solche Weine ruhen in sich, das fördert die Besinnlichkeit und vermeidet die von manchem Jungwein verbreitete Gaumenhektik. Fazit: Genußklasse, die auch als Weihnachtswein gereicht hätte.
Dann noch ein Süditaliener, Salice Salentino Riserva 2005 von L´Antesi (Negroamaro + Malvasia Nera, ab 12€). Kam zunächst etwas süß rüber, dann aber auch hier Befriedigung: Passte mit seiner üppigen Frucht und jungen Kraft durchaus zum reifen Spanier. Müntes Michelle ist ja schließlich auch 40 Jahre jünger...

20.12.2009

Das RICHTIGE Weinglas...


...gibt es genausowenig wie den richtigen Wein, es kommt immer auf den Anlaß und den Wein an. Deshalb ist die Glasdebatte für Weintrinker ein Dauerbrenner. Ein deutliches Statement dazu gab dazu ein Weinhändler in Essen ab: Die Denk´Art Gläser von Zalto seien die besten, sie werden bei Proben im Laden eingesetzt und damit jeder sich auch zu Hause davon überzeugen kann, können Interessierte sich 3 Gläser für eine Woche zum testen bei  Vino Grande in Essen ausleihen. In Thomas Kierdorfs Weingeschäft gibt es kein ausuferndes Sortiment, Beliebigkeit wird kleingeschrieben, das kleine Verkostungshinterzimmer ist Treffpunkt für Leute mit Weinabitur. Schwerpunkte sind Weiße (v.a.Riesling) aus Deutschland + Österreich, dann Portugal (alles von Niepoort), ausgesuchte Italiener und ein paar Südfranzosen.

Doch zurück zum Glas: Geliehen hab ich mir nichts, dafür das Zalto DenkArt Bordeaux (28€) und eine Flasche Terre de Bussiere 2007 (8,90) von Janasse (südliche Rhone/Frankreich) gekauft. Die von mir normalerweise genutzten Gläser sind oben mal aufgereiht. Sie werden je nach Anlaß und Wein genutzt. Zum "kontemplativen Genuß" kommt öfter das Riedel Burgund (2tes. von rechts) aus der normalen, maschinengefertigten Vinum Reihe zum Einsatz. Das besondere am  Zalto  ist die absolut (durch die mundgeblasene Herstellung bedingte) filigrane Anmutung, das Glas ist groß, mit weitem flachen Boden, dabei sehr leicht, es scheint zu schweben. Der dünnwandige Körper endet in einem schmalen trennscharfen Rand: Man hat beim Trinken im Mund kein Glas, es kommt gleich Wein.

Das ist natürlich alles großes Tennis, Haptik und Optik machen Lust auf den Wein. Der Janasse kriegte richtig Luft, konnte seine ganze beerig-würzige Reichhaltigkeit voll entfalten. Beeindruckend, wie schon ein "kleiner" Rhone in einem Top-Jahr und von einem Spitzenwinzer geschmacklich aufdreht, dabei trotz aller Kraft auch auf raffinierte Art frisch und kühl bleibt.
Noch ein kleiner Tip: Bei IKEA gibt es seit kurzem eine neues Glas (2,99), auch in  "Karaffenform" gehalten und relativ zart, funktioniert gut als Alltagsglas und kommt bei mir für den "Küchenwein" zum Einsatz, wo ja im Eifer schon mal was in Scherben geht.


Wein + Klima 2



Es wird also wärmer werden ! Hier ein BBC-Film über dieVeränderungen in spanischen Weinbergen  und wie Winzer (u.a. Miguel Torres) auf andere Wachstumsbedingungen reagieren.

18.12.2009

Spitzenwein

Schon ein älteres Stück, aber unerreicht:  Gerhard Polt verkostet einen guten Tropfen !
"Ein Tafelwein, nichts ordinäres..."


17.12.2009

Klimagipfel + Wein


Es wird warm im Weinberg !


Die Auswirkungen des Klimawandels werden, passsend zum Klimagipfel in Kopenhagen (auch da gibts inzwischen Wein), zur Zeit auch im Hinblick auf sich verändernde Bedingungen für den Weinbau diskutiert. So berichtete Stuart Pigott vor zwei Wochen bei der Vorstellung seines neuen Buches "Wein weit weg" in Herten über die Auswirkungen der Temperaturerhöhung für Europa bei 2 Grad im Jahresmittel: Die Weinbaugrenze verschiebt sich um 400 Kilometer in den Norden, die ohnehin heißen Gegenden in Südeuropa, z.Bsp. La Mancha in Zentralspanien, veröden.
Um die Verschiebung der Vegetationszonen geht es auch im Interview mit dem Leiter des Potsdam - Instituts für  Klimafolgenforschung:
"Im Prinzip wird es für viele Regionen besser. Problematisch ist es da, wo wir schon gute Verhältnisse haben. Da ändern sich die Bedingungen, und das heißt, dass der Charakter des Weines, und damit auch das, was die Kundschaft haben möchte, sich verändert.Wir haben heute zusätzlich auch noch Weinanbau in Dänemark, Schweden und England. In der Tat verschiebt sich die Anbaugrenze für Weißweine nach Norden. Im Bordelais könnte das noch gar nicht so sehr kritisch sein, weil dort die Nähe zum Ozean noch für einen gewissen Ausgleich sorgt. Aber insgesamt ist für die französischen und für die spanischen Weine durchaus mit einer Veränderung, nicht immer zum Positiven, zu rechnen. Wir kriegen dann für französische Weine das, was wir in Spanien heute schätzen. Das kann positiv sein, kann aber auch bedeuten, dass der Charakter der Weine nicht mehr der ist, den der Käufer erwartet. Und bei den spanischen Weinen, die sich inzwischen bei Kennern etabliert haben, kann es bedeuten, dass es auch dort Schwierigkeiten gibt. Nicht jeder möchte ja immer Sherry haben."
Zur Anpassung der Winzer hier ein interessantes Interview mit dem deutschen Spitzenwinzer Robert Weil aus  dem Rheingau:
"Das Management der Ernte ist ganz anders als früher. Da war die Ernte wesentlich unkomplizierter als unter den Vorzeichen der Klimaerwärmung – einfach weil es viel kühler zur Erntezeit war. Da sich die Vegetationsstufen nach vorne verschoben haben, ist auch die Reife früher erreicht. Zu diesem Zeitpunkt ist es eben oft noch viel wärmer als zwei, drei Wochen später. Und daher laufen auch die Stufen der Voll- und Überreife schneller ab, das Zeitfenster für eine optimale Ernteeinbringung ist also viel kürzer. Die globale Erwärmung setzt uns einen klaren Trend: Die Rückbesinnung auf den Berg bedeutet ein weiteres Verschmelzen von Mensch und Natur. Ich erwarte ein Zurück zum Handwerk und eine größere Distanz zur industriellen Weinfertigung."
Über die positiven Aussichten für den Weinbau in Großbritannien hier etwas, auch über geplante Investitionen französischer Champagnerhäuser auf der Insel. 
Negativ dagegen die Bedingungen für den Merlot aus dem Bergerac, er verlöre dort durch die Erwärmung an delikater Frucht. Bald also Syrah auch aus Bordeaux ?
-wird fortgesetzt-

15.12.2009

Adventsweinralley


Die Zusammenfassung der "Weinralley" zum Thema Adventswein ist hier zu lesen, lustig ist der 76er Amselfelder. Zum nachmachen interessant: Das Riesling Glühwein Rezept vom Winzer Harald Steffens - gibts bei mir vielleicht zum 4.Advent.

14.12.2009

3. Advent: Eichelschwein mit Nebbiolo



Ja ist denn schon Weihnachten ? Das "Eichelschweinmenü" zum 3. Advent beim Geniesser war eigentlich schon ein heiliger Abend, die Weine dazu auf dem Weg vom "Adventswein" in Richtung nächsthöhere Kategorie, dem "Weihnachtswein".
Zu den Einstiegshäppchen zwei Spätburgunder von der Ahr:  2004er von J.J Adeneuer und  2005er von Meyer-Näckel. Beide nah beieinander, etwas vorne für mich der rauchig-würzige Adeneuer. Dann eine sämig-sanfte Maronensuppe und dazu der erste Piemonteser: Barbera D´Asti "Ri" 2003 von Illona und Rolf Busch. Nach den Roten von der Ahr natürlich reichhaltiger, warmfruchtiger, "südlicher", dabei aber (und trotz 14%) pikant und frisch wirkend - guter Wein. Zur herzhaft gefüllten frischen Pasta der Barbaresco Asij 1999 von Ceretto: "Madeira-Nase", sehr entwickelt,  noch trinkbar aber über den Punkt.
Schließlich der Höhepunkt, ein Rückenstück vom "Eichelschwein". In einem Eichenwald in Iphofen in Franken werden ca. 200 schwäbisch-hallische Schweine  unter idealen Bedinungen gemästet - sie laufen durch den Wald und fressen das, was sie finden (dazu hier klicken). Zu diesem exklusiven Braten der Barbaresco Brico Asili 1998, auch von Ceretto. Und da stand sie dann auch im Glas, die feine Nebbiolo-Nase: Immer etwas schwer zu fassen, erdig, orientalisch-würzig, aber auch hell, durchscheinend. Gerbstoffe abgeschmolzen, natürlich kein Klotz + Sattmacher, sonder eine an der langen Linie gezogene Gentleman-Aromatik. Der war natürlich schnell weg, aber der folgende schmeckte auch: 99er Barolo von Marchese di Barolo, ein  Piemontbetrieb mit großer Produktpalette.
Zum Dessert (Auberginen in Schokoladensauce mit Rotweinbirne) dann ein Sizilianer, besser eine Sizilianerin: Moscato die Noti 2006 von Planeta, eine goldgelbe, süß-saftige "Erfrischung".



12.12.2009

Winzermanifest


Zeit der Manifeste: Nach dem Manifest einer kulinarischen Bewegung im Ruhrgebiet gibt es nun auch ein Manifest der Winzer Europas. Auf Einladung von Slow Food trafen sich Anfang Dezember im Palazzo Vecchio in Florenz über 500 Winzer aus ganz Europa (vom Douro bis zum Kaukasus) und verabschiedeten eine Erklärung, in der es vor allem um die Thematik "handwerklich erzeugter Winzerwein mit regionaler Identität" contra "Agrochemie, EU-Bürokratie und Massenkonsum" geht. Wie es sich für ein "Manifest" gehört, gewürzt mit einer schönen Prise Pathos. Die Kernpunkte hier mal im Zitat:

Manifesto dei “Vignerons d’Europe 2009”

  • Die Arbeiten im Weinberg, im Keller und im Verkauf liegen in der Hand des Winzers.
  • Der Winzer produziert lebendige, genussvolle Weine. Sie sind die Frucht seines Terroirs, seinere Leidenschaft und des authentischen Ausdrucks einer Tradition.
  • Der Winzer sieht den Verbraucher als seinen Koproduzenten.
  • Der Winzer bewahrt und gestaltet die Landschaft, indem er die Biodiversität bereichert und die Kulturgeschichte seines Weinbergs respektiert und fortschreibt.
  • Der Winzer übernimmt die Verantwortung für die Erhaltung und Förderung der Bodenfruchtbarkeit sowie für die Harmonie des Ökosystems Weinberg.
  • Der Winzer setzt sich zum Schutz der Lebewesen für den Verzicht auf Kunstdünger, synthetische Pflanzenschutzmittel und gentechnisch veränderte Organismen ein.
  • Der Winzer geht bewusst mit seinen Grenzen um und sucht in all seinem Tun das Optimum, nicht das Maximum.
  • Der Winzer übernimmt die Verantwortung für sein Tun. Er handelt aus Respekt vor der Umwelt und vor der Gesundheit des Konsumenten sowie der Bewohner seiner Region und der Erde überhaupt.
  • Der Winzer bemüht sich um den Aufbau von lokalen und weltweiten Netzwerken mit anderen Winzern, Landwirten, Lebensmittelproduzenten, Köchen, Universitäten und Forschungseinrichtungen sowie Lehrern und der Bevölkerung.
  • Der Winzer arbeitet transparent: er sagt, was er tut und er tut, was er sagt.

10.12.2009

Badische Weinerotik

...erst denkt man sich gar nichts dabei,
dann betört es die Zungenspitze,
schmiegt sich den Gaumen hinauf...


Goggles + Wein


Weintrinker scheinen  Webaficionados zu sein. Als besondere Anwendung für die neue bildbasierte Suchtechnik "Goggles" stellt Google nämlich die digitale Weinidentifizierung vor. Man fotografiert mit einem Android-Handy ein Weinetikett und zack, alle Infos zur Flasche (Weingut, Jahrgänge, Aromatik etc.) tauchen auf dem Display auf. Funktioniert offenbar gut, auch mit anderen Sachen. Hier eine kritische Sicht auf das Ganze.

09.12.2009

Pigott spricht und trinkt...

...in diesem Film: Ein Mitschnitt, den ich von der Lesung aus "Wein weit weg" am 2.12. in Herten gemacht habe.
Näheres zum Abend, auch zu den verkosteten Weinen, ist hier zu finden.

07.12.2009

2. Advent: Le Marteau - der Hammer


Nein, dies ist noch nicht mein Weihnachtswein !
Aber der Countdown läuft und man kann sich das Warten aufs Christkind ja schon mal mit der ein oder anderen guten Flasche verschönern.
Passend zum 2. Advent wurde bei peitschendem Regen der Char-Grill angeworfen und Lammfleisch mit gratiniertem Schafskäse zubereitet. Der Wein dazu löste bei mir ein "Kribbeln" aus: Le Marteau 2007 (11€, Syrah/Grenache/Carignan) von Pierre Clavel aus dem Languedoc. Er hat einfach alles, was mich bei diesem Thema immer wieder begeistert: Undurchsichtig-dunkel im Glas, kleiner violetter Rand, herrliche Brombeernase, rauchig, im Mund dann natürlich ein Vollschmecker mit viel Reifesüße, dabei aber enorm frisch, kein Sattmacher, sondern ein ausdifferenzierter Genuß. Der Marteau = Hammer vereint Gegensätze, ist wild und sanft zugleich. Außerdem kommt er aus seriöser handwerklicher Fertigung, ein nur leicht geschwefelter, ungeschönter und ungefilterter Naturwein. Auflage für den Jg. 2007: Nur 8952 Flaschen !
Genug der Gaumenlyrik, holt euch einfach eine Flasche ins Haus. Das Preis-Genußverhältnis ist großartig, er stößt geschmacklich locker in den Bereich großer Premiumweine aus dem Languedoc vor und bleibt preislich auf dem Teppich.


Dieser Post ist mein Beitrag zur 28.Weinralley "Adventswein", veranstaltet von Thomas Günther von weinverkostungen.de. Da kann man klicken für weitere Anregungen zum Thema.



06.12.2009

Weihnachtsweine


Ob als festliches Getränk oder Geschenk, Wein und Weihnacht gehören einfach zusammen. Für Weinhändler ist die umsatzstarke Adventszeit deshalb wichtig, sie veranstalten Festtagsproben, Adventsproben, Nikolausproben. Und weil die Weinladendichte hier im Ruhrgebiet hoch ist, besuchte ich am Samstag gleich zwei Proben hintereinander.
Als "Apero" zunächst in die Weinhandlung Meimberg in Herne. Unter dem Oberbegriff Bordeaux & Co. waren acht Flaschen versammelt, darunter auch der reinsortige Petit Verdot Crianza 2005 der Finca Antigua (8,50€) aus dem zentralspanischen La Mancha, fruchtdicht, pikante Säure, noch gerbstoffwürzig. Ebenfalls mit packender Würze ausgestattet, aber reichhaltiger und sehr saftig fließend der Charakter 2004 von Gsellmann und Hans (14,50€) aus dem Burgenland. Als Weihnnachtsweinempfehlung des Hauses dann ein Bordeaux, Chateau Dutruch Grand Poujeaux 2001 (18,50€). Klassischer Stil, fein, reif, elegant mit intensiver "Bordeaux-Nase". Ein Wein, der ohne Übertreibungen festlich-diskret am Tisch platznimmt.


In der Weinzeche Essen ging es insgesamt lauter und lebendiger zu, einem Füllhorn gleich ergoß sich die Probe über die Besucher mit 123 (!) Weinen aus Deutschland, Italien, Spanien und Frankreich, von dort vor allem, wie bei der Zeche nicht anders zu erwarten, aus dem Midi. Die probierten 2007er Chateauneufs Clos St. Jean, Pegau, natürlich Beaucastel (60€) aber auch schon der "günstige" Domaine Serguier (16,90€) standen überzeugend für die besonderen Aromenqualitäten der "Kieselwinzer" aus dem Rhonetal: Duftig, schmelzig, bei aller Dichte und Kraft trotzdem immer absolut delikat und raffiniert.
Auch "normale" Rhoneflaschen gingen schon in diese Richtung, wie der Vinsobre 2007 der Domaine Chaume Arnaud, für 10€ die erfreulich bodenständige Weihnachtsweinempfehlung von Karl Richter. "Wein extrem" dann am Stand nebenan:  Chateau de la Neglys rare (beide nur etwas über 3000 Fl.) Lagensyrahs Porte du Ciel 2005 (79€) und Clos des Truffiers 2005 (95€): Eher Tröpfchenelixiere als trinkbarere Weine, bei der Himmelspforte noch durch Süße abgemildert, bei der Trüffelbombe fast schmerzhaft konzentriert - vielleicht eine Empfehlung für Weihnachten 2019.



03.12.2009

Stuart Pigott auf Zeche Ewald


Viele Weinbücher sind voll mit ewig Bekanntem: Immer Gleiches wird wiedergekäut, Weinautoren ergehen sich in Punktebewertungen und endloser Gaumenlyrik oder geben Wein-Lifestyle-Tips.
Stuart Pigott agiert anders. Neben seinem jährlich erscheinenden Band "Kleiner genialer Weinführer" und seinem Opus Magnum zum Deutschen Wein berichtet er im Stil der Reisereportage in nunmehr drei Büchern von seinen spannenden und manchmal abenteuerlichen Erkundungen zur Globalisierung der Weinwelt. Seine Spur zieht sich mittlerweile durch alle Kontinente, auch in für unsere Vorstellungen (noch) abseitige Anbaugebiete wie Indien und Thailand. Im aktuellen Band mit dem Titel "Wein weit weg" besucht er Winzer in Nord-Michigan, Georgien, Moldawien, Norwegen und China. Zum Glück versteht Pigott es auch, seine Texte mit viel Humor, Verve und einer gewissen Dramatik vorzutragen, wovon man sich bei seiner Lesung  in der wunderschön hergerichteteten Maschinenhalle der Zeche Ewald in Herten (organisiert von der Weinhandlung Molitor) überzeugen konnte. Und es war nicht (nur) der Showauftritt eines spleenigen Engländers in buntkarierten Anzügen, sondern ein absolut kenntnisreicher Bericht, z.Bsp. über die Auswirkungen des Klimawandels auf die Bedingungen für den Weinbau.
Obwohl also schon der Vortrag nicht "trocken" daherkam, gab es passend zum Buch ausgewählte Weine. Zu Beginn zwei Rieslinge, beide so feinduftig mit angenehmen Frucht-Säure Spiel, wie Weine aus dieser Rebsorte idealerweise sein sollten. Jedoch der eine (Riesling O. 2008 von Olaf Schneider) kam von der Mosel von einem nur im Nebenerwerb als Winzer arbeitenden Elektriker mit Mini-Weinberg. Der andere ("Whole Cluster" Riesling 2008 vom Chateau Grand Traverse) war aus Nord-Michigan vom "Ayatollah des Rieslings" Sean O´Keefe.


Noch origineller ging es bei den Roten zu. Der 2006er "Premium" Cabernet-Saubignon/Merlot von Grace Vineyard aus der Shanxi Provinz hatte wunderbar cremig-weiche Himbeer/Johannisbeeraromen, jedoch nicht überbordend, eher fein und feminin wirkend mit 12,5%.
Absolut expressiv ging dann der 4. Wein zur Sache: Saperavi  2008 vom Weingut "Nika" aus Georgien. Ein "wildes Tier aus dem Kaukasus" (Stuart Pigott), nach traditioneller georgischer Kellertechnik in Tonamphoren vergoren und gereift. Dichte Nase nach Plaumenkompott mit Zimt, Mund voll mit Frucht, Gerbstoff kommt als Nachbrenner - absolut faszinierend. Natürlich gab es auch dazu eine originelle Winzergeschichte: Nika Bakhia  lebt eigentlich als Künstler in Berlin.

Das Video zur Veranstaltung ist hier.




30.11.2009

1. Advent...


...und ich trinke einen Gewürztraminer ! Gut gekühlt schmeckt der "Gewürztraminer" Kabinett 2008 der Winzergenossenschaft Vogtsburg-Achkarren vom Kaiserstuhl im viel zu warmen November wie ein Vorbote des kommenden Frühlings: Wunderbar blütenduftig, weinbeerig, pfirsichcremig, dabei auch druckvoll mit 13%. Weihnachten sollten wir noch genußvoll mitnehmen und Barolos, Amarones und Chateauneuf du Papes trinken, ansonsten vergesst den Winter und beamt euch direkt wieder in die hellere Zeit mit solcherart Wein.
Apropos Gewürztraminer: In welchem (Wein)buch ist das Gewürztraminersymposium im Weinort Tramin in Südtirol sozusagen Ausgangspunkt für Abenteuerexpeditionen zum Wein weltweit ? "Wilder Wein, Reise in die Zukunft des Weines". Und wer wird da in diesem Kapitel nicht durch den Wein, sondern als "Placido Domingo" durch den Kakao gezogen ? Der (Dauer)weltmeister der Sommeliers. Und wer ist Autor dieses Buches und macht zur Zeit eine Lesereise mit dem Fortsetzungsbuch "Wein weit weg"  und kommt am 2. 12. zur Weinlesung auf die Zeche Ewald nach Herten ? Wieder richtig: Stuart Pigott.

28.11.2009

Speisen wie Gott in Polen...


...ist das Motto im Wirtshaus Gurski in Mühlheim an der Ruhr. Eingerichtet im rustikalen Stil einer beskidischen Karczma , kommen da Mahlzeiten auf die dickbeplankten Holztische, von denen der Mahlzeitvogel  sagen würde: Nichts für kleine Mädchen. Ein Komplettmenü im Rahmen einer von Slow-Food/Ruhr-Mitte veranstalteten Reihe über die Wurzeln der Ruhrgebietsküche beinhaltete folgendes: Zunächst Schmalzbrote, polnischer Hering "Kaschubenart", gebratener Schafskäse als Vorspeisen. Dann Kuttelsuppe, Sauerteigsuppe und Rotebeetesuppe mit Fleischkroketten. Zwischendurch Bigos in großen Töpfen, ein Ragout von Fleisch, Wurst und Kraut. Als erstes Hauptgericht Rinderroulade mit aufgeschnittenen Knödeln und Rotkohl. Danach in viel Knoblauch gebratener Karpfen mit Kartoffelstampf und Sauerkraut. Als Dessert süßgefüllte Maultaschen. Das Ergebnis ist ein Sättigungsgefühl, welches meinen Körper derart nachhaltig erfasst zu haben scheint, daß auch 15 Stunden danach noch keinerlei Wunsch nach Nahrungsaufnahme aufkeimt. Wein spielte an diesem Abend nur eine Nebenrolle, zur Roulade gönnte ich mir ein Glas Rotwein. Ansonsten begleiteten natürlich Bier und Wodka das urige kulinarische Treiben. Für weitere Details bitte beim Geniesser reinschauen.


27.11.2009

Französischer Wein in einer Minute

"Wine is made from grapes in regions of france by communists..."
Ausschnitt aus der BBC-Reihe Oz and James´s Big Wine Adventure. Die Serie mit Oz Clarke ist im locker-humorvollen (Roadmovie)Stil britischer Infodokumentationen gehalten. Müßte es auch bei uns geben...

25.11.2009

Weinschwimmbad !


Die Japaner wissen was gut ist: Im Yunessum Spa Resort in Hakone wird in Rotwein gebadet. Eine 3,60 Meter große Flasche markiert den Pool, in den mehrmals täglich echter Wein geschüttet wird - nicht zu wenig, wie die Farbe des Wassers zeigt. Wie gesund das ist stand hier ja schon mal. Auf dem Bild unten feiern Badegäste die Ankunft des Beaujolais nouveau.

Nochmal Aldi-Parker, nochmal Charakterwein

Ein Leserkommentar (zu diesem Post):

"Nun muss ich doch mal was loswerden, der Wein der hier so runtergeredet wird, ist zur Zeit auf der Titelseite der Weinzeche ganz groß beworben. Und auch in der FAZ war eine riesige Anzeige zu sehen. Es handelt sich um den gleichen Wein, also keine Ausreden möglich. Stellt sich mir die Frage warum Sie diesen Wein nicht jetzt auch bei der Weinzeche schlecht reden. Vielleicht haben Sie ja doch etwas gegen Aldi, oder sind einfach nur pro Weinzeche eingestellt. Sorry aber das hier ist die Wahrheit, nur das Label ist ein anderes sonst nichts. Alles in allem also ein sehr peinlicher Beitrag den Sie hier verfasst haben."



Das kann der Weindeuter natürlich nicht auf sich beruhen lassen lassen. Ich hatte noch eine Flasche vom Aldi-Parker (Tempranillo 2007 Valsanzo) und hab mir nun zum shootout aus der Weinzeche den besagten T-Sanzo 2007 geholt. Beide Weine kommen aus dem gleichen Stall des (flying)Winemaker Javier Rodriguez, beide sind 2007er Tempranillos aus Castilla y Leon, beide haben 10 Monate Faßausbau, für beide wird mit 90 Parkerpunkten geworben.
Probiert wurde verdeckt. Im direkten Vergleich war leicht zu erriechen und zu erschmecken:
Unterschiede im Duft, im gelben Glas (Aldi) mehr Süße Typ "Vanillekipferl". Im roten Glas (Fachhandel) mehr Frucht. Im Mund nah beieinander, etwas süffige Frucht, wenig Gerbstoff, beim Gelben knallt die Säure etwas unharmonisch auf die Vanillearomatik, der Rote ist da stimmiger, wirkt kühler, reitet auf der Fruchtwelle, bricht aber auch schnell ab. Zwischen den Flaschen liegen keine Welten, es ist im Prinzip schon der gleiche Wein, wahrscheinlich unterschiedliche Füllungen. Die beiden Spanier wurden 24 Stunden später noch beim Boskop-Weinkurs von sehr weinaufnahmewilligen Studis der Ruhr Uni probiert, die Reaktionen reichten von ganz o.k. bis langweilig.
Fazit: Angesichts der Anpreisungen ist die gebotene Gesamtaromatik für mich bei beiden enttäuschend. Es fehlt einfach an Spannung und Originalität, es sind "Nummersicherweine".
Kann man  in der +-6€Klasse etwas anderes erwarten ? Auf jeden Fall. Zum Vergleich habe ich den "Le Mas" von Clavel  (6,50 Weinzeche) aus dem Languedoc aufgemacht, und da war Musik drin: Dichter Beerenduft, im Mund Schmelz, Wärme, Reichhaltigkeit - war ein Genuß, ich mußte mich bremsen.


24.11.2009

New blog-look

Ich hoffe, er kommt an. Heller, durch 3 Spalten alles etwas dichter zusammen, mehr Bild + Text auf gleichem Raum. Die Formatierung der alten Posts hat zum Teil etwas gelitten. Eine Änderung gibt es bei den Kommentaren, da öffnet sich jetzt ein neues Fenster. Mir gefällts, es motiviert zu neuen Deutungen...


23.11.2009

Der Rausch des Leonhard Cohen



Der Meister der Melancholie ist 75 und setzt seine (Alters)tournee am 1.März 2010 mit einigen Konzerten in Frankreich fort. Vor einem Jahr war im Rolling Stone (D) ein Interview, in dem er auch interessante Auskünfte über seine Vorlieben beim Wein gibt. Es geht um die Tournee 1994.

C. Zum Schluß konsumierte ich drei Flaschen Wein Pro Tag !
R.S. Drei Flaschen, wirklich ?
C.Vor jedem Auftritt, ja. Ich habe immer "profesionell" getrunken, hinterher nie. Nicht mal nach der Pause. Es war eine lange Tournee, 60 bis 70 Konzerte glaube ich.
R.S. Warum mußtest du trinken ?
C. Weil ich nervös war. Und weil mir der Wein schmeckte. Es war ein Chateau Latour. Mittlerweile ist der sehr teuer. Er war sogar schon damals teuer. Das ist komisch beim Wein, die Kenner reden über den Geschmack und das Bouqut und ob er Beine hat und die Tannine und die Fruchtigkeit und die Symphonie der Aromen, aber keiner redet über den Rausch.  Am Bordeaux haben die Winzer 1000 Jahre gebastelt. Jeder Wein produziert seinen eigenen Rausch, der aber niemals erwähnt wird. Ich weiß nicht, wie ich auf den Latour gekommen bin, aber er passte zur Musik. Nach der Tour kriegte ich ihn nicht mehr runter. Er schmeckte nach gar nichts mehr. Es fehlte das Adrenalin der Situation, die Musik und diese Atmosphäre der Verzweiflung-Verzweiflung, weil ich so viel trank ! Eine Zeitlang ging das gut, aber es ruinierte meine Gesundheit und bescherte mir fast 10 Kilo Übergwicht.

"Every Wine has a specific high". Das gefällt mir gut, gerade auf einen der berühmtesten Weine der Erde bezogen hat das natürlich auch was unendlich LÄSSIGES. Ich werde jedenfalls ab jetzt mehr auf die Metaphysik des Rausches  bei meinen Weindeutungen  achten ! Wie ist der Rosé-Rausch im Sommer, wie ist der Chateauneuf-Rausch im Winter ?

Ein stimmungsdichter Konzertausschnitt mit L.C. hier:
WHO BY FIRESonny Rollins am Saxophon.



The master of the melancholy is 75 and continues his (age) tournee on the 1st of March, 2010 with some concerts in France. One year ago  in the German Rolling Stone (magazine was an  interview, during which he also provides interesting information about his predilections with the wine. It is about the tour in 1994.

C. In the end I consumed three bottles of wine per day!
R.S. Three bottles, really?
C. Before entering the stage. I have ever always drunk "profesionell". Not sometimes after the break. It was a long tour, I believe from 60 to 70 concerts.
R.S. Why had you to drink?
C. Because I was nervous. And because to me the wine tasted. It was a Chateau Latour. Meanwhile he is very expensive. He was expensive even even then. This is funny with the wine, the experts talk about the taste and the Bouqut and whether he has legs and the Tannine and the Fruchtigkeit and the symphony of the aromas, but nobody talks about the drunkenness. In Bordeaux the winegrowers have done handicraft 1000 years. Every wine produces his own drunkenness which is never mentioned, however. I do not know how I have come on the Latour, but he fitted to the music. After the tour I did not get him any more under it. He tasted of nothing at all more. There was no adrenalin of the situation, the music and this atmosphere of the desperation desperation because I drank so much! For a while this went well, but it ruined my health and gave nearly 10 kilos overweight to me.

"Every Wine has a specific high". I well like this, has covered just to one of the most famous wines of the earth of course also what endlessly CARELESS. I will pay attention, in any case, from now more to the metaphysics of the drunkenness with my wine interpretations! How is the rosy drunkenness in summer how the Chateauneuf drunkenness is in winter?

A mood-thick concert cutting with L.C. here:
WHO BY FIRE, Sonny Rollins in the saxophone.

Oh, Gott, Pigott kommt...


...auf seiner Lesereise für sein neues Buch "Wein weit weg" auch zu den Weinfans ins Ruhrgebiet: Am 2.12. auf die Zeche Ewald (veranstaltet von der Weinhandlung Molitor Recklinghausen) und am 4.12 nach Duisburg in Die Weinvilla. Es wird gelesen, aber natürlich auch probiert - sicher ein absolut lohnenswerter Spaß.

Wer sich schon mal auf die unkonventionelle Art (und den englischen Akzent) von Stuart Pigott (Motto "das Leben des Pigott ist bunt") einstellen möchte, sollte sich das kleine Video anschauen, ein Ausschnitt aus einer Protestversammlung gegen den geplanten Hochmoselübergang:



 "Papi, was hast du im Kopf ?
Du willst einen riesigen Betonklotz mittig auf den Moselteppich hinkacken. Shame on you, Mr. Beck !"


22.11.2009

100 Posts...


...sind jetzt hier vom Weindeuter geschrieben worden. Als einhundertundersten für alle Weinfreundinnen und Weinfreunde hier ein dem feierlichen Anlaß entsprechendes Bild.

Salutations bachiques !
Übrigens: Der Blog kriegt ein komplett neues layout, ich arbeite gerade daran. Also nicht erschrecken, wenn es demnächst hier nicht mehr so schwarzdunkel zugeht...

21.11.2009

"Die Besten 10 Weine der Welt": Winespectator Top Ten 2009



Hier die "Besten Zehn" für 2009 vom Winespectator:
4 Italiener, 4 Amis, 1 Spanier, 1 Franzose.

Wieder also ein Ch9dP dabei , im Vorjahr waren davon 3 unter den ersten 10. Und was besonders den Geniesser freuen dürfte: Der Barolo von Renato Ratti , abgefüllt in der klassischen Albeisa Flasche.
Der "Beste" ist ein günstiger (18€) Cabernet aus Washington State: Columbia Crest, ein Weingut, das auch sehr schöne Einstiegsweine für ca. 10€ bereitet. Ich hatte mal den Two Vines Cabernet im Glas, war lecker. Den Brancia gibt es übrigens günstig bei C+D für 12,50 €.


  1. Columbia Crest Cabernet Sauvignon Columbia Valley Reserve 2005
  2. Numanthia-Termes Toro Termes 2005
  3. Domaine du Vieux Télégraphe Châteauneuf-du-Pape La Crau 2007
  4. Kosta Browne Pinot Noir Sonoma Coast 2007
  5. Barone Ricasoli Chianti Classico Castello di Brolio 2006
  6. Chappellet Cabernet Sauvignon Napa Valley Signature 2006
  7. Renato Ratti Barolo Marcenasco 2005
  8. Fontodi Colli della Toscana Centrale Flaccianello 2006
  9. Merry Edwards Sauvignon Blanc Russian River Valley 2007
  10. Brancaia Toscana Tre 2007

19.11.2009

Die 10 besten Weine der Welt


Gibt es die überhaupt ?
Die Welt des Weines ist zu vielfältig und die Geschmacksempfindung der Weintrinker zu unterschiedlich, objektiv daherkommende Aufstellungen sind deshalb von Anfang an unseriös. Trotzdem ist sowas für mich immer wieder spannend, denn Rankings zeigen ja Trends auf, sind auch verkaufsfördernde Weinpolitik.
Wie jedes Jahr veröffentlicht der WINESPECTATOR mit viel Tamtam seine TOP 100 Liste, die ersten 10 werden als Countdown auf der Website enthüllt. Dieses Jahr scheint Italien dranzusein, zwei Toskaner und ein Barolo sind auf den Plätzen 10, 8 und 7. Heute werden die Plätzte 5 bis 2 enthüllt !
Für den "zweitbesten Wein der Welt" Numanthia 2005 aus dem spanischen Toro wirbt schon Silkes Weinkeller aus Velbert und mahnt zum baldigen Einkauf.

17.11.2009

BOSKOP-Weinkurs


Zweimal im Jahr bietet BOSKOP, das Kulturbüro des Akafö Bochum, für Studenten und Studentinnen der Bochumer Hochschulen einen Weinkurs an.
Da packt der Weindeuter dann die Gelegenheit beim Schopf, um etwas von seiner Weinbegeisterung auf den akademischen Nachwuchs zu übertragen und in lockerer Form in die weite Welt des Rebensaftes einzuführen.
Der Einstieg war diesmal eine Probe möglichst unterschiedlicher (Rot)weine, deren Aromaprofile nach dem Motto "colore, odore, sapore" untersucht werden sollten. Dabei kam auch wieder das bewährte Instrument der Autoanalogie ("Der Daihatsu Cuore -Wein"), diesmal erweitert um Musikanalogie ("Der Wildecker Herzbuben-Wein" und "Der Modern Talking-Wein") zum Einsatz.

Die weiteren Kursabende drehen sie um die Weinbauländer und den Weinbau, den Abschluß bildet dann die große BOSKOP-Weinprobe, bei der die Teilnehmer mitgebrachte Weine verdeckt probieren.



16.11.2009

Bier und Weinwochenende in München


München: Dröhnendes Gedöns in Hofbräuhaus, Hacker-Pschorr, Haxnbauer und ´zig anderen ähnlichen Bierfestungen dominiert.
Aber auch der Weingenuß ist unter den Doppeltürmen der "Church of our Lady" fest etabliert, immerhin ist München die nördlichste Stadt Italiens.
So stossen die Steiff-Bären im großen Weihnachtsschaufenster der Kaufhof Galleria mit einem Glas Rotwein an und der FC.Bayern verkauft fränkischen Grauburgunder und Dornfelder mit Vereinsemblem. Leider blieb am Wochenende für Weinexkursionen nicht viel Zeit, aber zumindest ein Chianti sollte es im Hotelzimmer schon sein (Castello di Farnetella 2006 von Felsina).

Gekauft im sehr schönen "Dichtung und Wahrheit", einem Ableger der Garibaldi Weinläden neben dem Stammhaus von Ludwig Beck nur wenige Schritte vom Trubel auf dem Marienplatz entfernt. Eine stilvolle Mischung aus Buchladen und (italienischer) Weinhandlung, es riecht nach altem Holz und Wein - herrlich. Schräg gegenüber findet man mit dem "Hofer" ein sehr angenehmes Traditionsgasthaus: Ruhig, gediegen, schöne Gewölbedecke, solid-seriöse Wirtshausküche. Im Keller des Hauses war übrigens bis 1809 der städtische Weinstadel untergebracht, ich nahm trotzdem zur "Marienplatzlersuppe" und zum "Jungschweinebraten" zwei Glas Löwenbräu.

11.11.2009

Schillerwein...

...ist ein Verschnitt aus weißen und roten Trauben und ergibt einen köstlich-frischen rosefarbenen Wein. Der Name dieser württembergischen Spezialität hat nichts mit Friedrich Schiller zu tun, der Marbacher trank jedoch gerne die Weine aus dem Schwäbischen und hat dem württembergischen Rebensaft auch einige Zeilen gewidmet.
Der Wirtemberger
Der Name Wirtemberg
schreibt sich Wirt vom Berg.
Ein Wirtemberger ohne Wein,
kann der ein Wirtemberger sein ?


08.11.2009

Weincharakter - Charakterwein




Nach harter körperlichen Anstrengung (40x40 Kilo Estrichbeton mußte in Säcken transportiert werden) führte eine Spontanprobe zweier Weine mal wieder zu Erkenntnissen.
Zuerst ein Roter aus Südfrankreich von der südlichen Rhone aus dem Gebiet Gigondas: Domaine Grand Romanee Gigondas 2005 von Pierre Amadieu (ca.17€), einem relativ großen familiengeführten Winzerbetrieb.

Aus der stattlichen Wappenflasche entströmte gleich warmwürziger Duft, auch sonst hielt sich der Wein keineswegs zurück: Gesättigtes Dunkel im Glas, im Mund dann Druck und Dichte mit Lakritze, Süßholz, Gerbstoffe vorhanden, aber sehr anregend in die Gesamtaromatik eingebunden. Kam bei längerem Luftkontakt noch stärker und zeigte seinen ganzen satten Grenachecharakter, für den diese starken Weine von der südlichen Rhone nun mal stehen.

Auch aus der Ribera del Duero in Spanien ist man Dichte und Kraft gewohnt. Stilbildend waren hier die Pesquera-Weine von Alejandro Fernandez: Dunkle, körperreiche, frucht-und gerbstoffreiche, röstig-würzige Tempranillos.
Der Erial 2007 (13,90€) der Bodegas Epifanio Rivera wirkte dagegen insgesamt zurückhaltender. Schon in der Nase eher feinduftig, waren dann am Gaumen Frucht und Gerbstoff derart ausbalanciert, daß durch die geschliffene und elegante Art fast schon etwas Langeweile aufkam. Der Südfranzose hatte eben den Takt in Richtung "pralles Leben" vorgegeben, dem der Gentleman - Ribera nicht folgen konnte.



Wie häufig bei Weinbeurteilungen war es eine Frage des "settings": wie ist das Umfeld, welche Weine werden "gegeneinander" getrunken, welche Erwartung habe ich etc. ?
Die Aromatik des Ribera regte aber auch zu weiteren Überlegungen an. Die billigen Massenweine aus Großproduktion gehen sowieso auf "Nummer sicher" und biedern sich mit gefälliger und säurearmer Weichheit an. Warum werden aber immer mehr Weine aus der gehobenen Genußklasse auf elegantes easy-drinking getrimmt ? Beim Wein ist doch gerade die Bandbreite an Geschmäckern so faszinierend, bei einer zunehmenden Vereinheitlichung braucht es die große Auswahl nicht mehr.
Weine sollten regionalen Charakter zeigen, da darf es auch schon mal sperrig und anstrengend sein. Ein Barolo darf Säure haben, ein Madiran den Gaumen mit Gerbstoffen tapezieren, ein Bordeaux muß jung nicht schon seidig-schokoladig dahinschmelzen und ein Ribera nicht wie ein Merlot schmecken.

Eigensinn statt geschmacklicher Beliebigkeit !

04.11.2009

Weinmonarchie


Ausgerechnet beim Wein gibt es in Deutschland einen Rückfall in die vorbürgerliche, feudale Epoche: Alle Freunde des Weines, ob sie es nun wollen oder nicht, stehen unter der Regentschaft der deutschen Weinkönigin.

Die Anfänge dieses Kuriosums liegen in dunkler Zeit, in Schwung kam die Königinnenkür nämlich in der Nazizeit und zwar in der (braunen) Pfalz. Zusammen mit der 1935 dort eröffneten "Deutschen Weinstraße" war es eine großangelegte Imagekampagne für die Region und den deutschen Wein.
Seit 1950 wird die Königin aus den 13 Gebietsweinköniginnen gewählt. Natürlich haben sich die Auswahlkriterien im Laufe der Jahre geändert: Abstammung aus einer Winzerfamilie, Dirndltragen und Ehelosigkeit sind nicht mehr zwingend. Verlangt wird eine starke und eindeutige Verbundenheit mit deutschen Weinen. Nur trinken reicht aber nicht, heute werden fundierte Fachkenntnisse in Önologie, Schlagfertigkeit und Fremdsprachenkenntnisse erwartet. Die Monarchinnen sind auch wichtig für die Exportwirtschaft !
Marlies Dumbsky aus Volkach am Main hat dies ja klasse gemacht, hier im Gespräch mit Gary Vaynerchuck in einer New Yorker Weinbar ("the german wine queen is in the house"). Die neue ist Sonja Christ von der Mosel, sie glänzte unter anderem mit korrekten Erläuterungen zur Nessler´schen Gärröhre.



Auch ich bin mal unter kuriosen Umständen mit einer Deutschen Weinkönigin zusammengekommen. Das war 1998 bei einer kulinarischen Weinprobe, veranstaltet im Aquarien-und Terrarienhaus des Bochumer Tierparks, wo neben Baumphytons, Wasseragamen und der Haidame "Marina" (mittlerweile verstorben) Natascha Thoma aus dem badischen Ebringen ihren Charme als Botschafterin des deutschen Weins und als Oberhaupt aller deutschen Weintrinker entfaltete.

03.11.2009

Ein Genußmenü...



..in wirklich ausgesuchter Qualität gab es am Samstag bei der Freundin des guten Geschmacks.
Die Speisen erreichten in Auswahl, Geschmack und Optik eine Höhe, in der beim Bergsteigen nur gut an die sauerstoffarme Luft angepasste Extremsportler ohne Atemhilfe vordringen können.

Auch beim Geniesser und beim Mahlzeitvogel könnt ihr lesen und anschauen, was es so alles gab. Und weil diese Welt, zumindest manchmal und für kurze Zeit, eben doch eine gerechte ist, gab es obendrein auch einige schöne Weine dazu.
Gleich zu Beginn leuchteten die strahlenden Augen von
Marlies Dumbsky von einer Flasche Bocksbeutel voll mit fränkischem Silvaner: Eine Sonderabfüllung vom Weingut Erhard aus Volkach zu Ehren der Deutschen Weinkönigin 2008/2009. Ein anregender Aperitif und eine Erinnerung an meinen kurzen Aufenthalt in Sommerach am Main. Zur (mild)geräucherten Forelle auf Linsensalat gab es dann schon was rotes, die "Cuvee Georg 2004" (23€) von Kreuzberg (Spätburgunder/Cabernet Franc) in Dernau/Ahr. Der helle Rote in der hohen Flasche passte. Der ist ja auch eher fein, von mittlerem Körper, hat etwas durchscheinendes, trotzdem keine "wischi-waschi" Aromatik, sondern intensiv mit punktgenauer Würze. Der Hauptgang war ein im Heu gegarter Braten vom Ibinger Landschaf, zarter, sündig-saftiger Fleischgenuß. Dazu ein Wein aus meinem Keller, "Les Dements 2001" (26€) von der Domaine Fondreche vom Mont Ventoux. Im Grunde ein konzentrierter Klotz, der sich aber, durch die Reifejahre nunmehr milde gestimmt und weich geworden, mit seiner warmen und üppigen Art harmonisch in das Gebotene einfügte. "Les Dements" ist eine besondere Lage mit alten Grenache-Rebstöcken, die nur in ausgesuchten Jahren getrennt vinifiziert wurde, 2001 scheint der letzte Jahrgang gewesen zu sein. Spitze ist seitdem die Cuvee Persia, für ca. 16€ eine absolute Weinempfehlung eines auf hohem Level handwerklich arbeitenden Ökowinzers.


Schließlich zum Halbgefrorenem nach Art des Hauses, einem Traum aus Walnüssen und Sahne, genau richtig war der Riesling Eiswein Kindenheimer Vogelsang 2000 (17,90€ 0,375) von Rasp-Lambert in der Pfalz: Bernsteinfarben, von konzentriert-cremiger Süße.
Wer mal was nachkochen möchte oder sich nur von der kulinarischen Kompetenz der Gastgeberin inspirieren lassen möchte, sollte mal ihren Geschmacksache-blog besuchen.