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10.09.2014

Lidl: Bampfield Weine

Lidl dreht die Weinschraube, betritt man aktuell eine Filiale, kann man sich vor Wein kaum retten. Die teureren Flaschen liegen in Holzkisten, schön in 45Grad Neigung zum Kunden ausgerichtet. Und die Kampagne mit Richard Bampfield scheint erst jetzt so richtig loszugehen. Bampfield, seit 1990 Master of Wine, wird online und auch in Prospekten groß herausgestellt. Er agiert als Autorität und Punktrichter. Im Parkerstil unterwirft er die Aktionsweine aber auch Flaschen aus dem regulären Sortiment dem 100 Punkte System. 


Grundsätzlich herrrscht hier eine gewisse Zurückhaltung. Bewertet wird zwischen 80 Punkten ("guter solider, ordentlich gemachter Wein") bis maximal 89 ( "sehr gut, mit besonderen Eigenschaften"). 90 und mehr vergibt er für einen Wein nicht. Das heißt also, im Lidl Sortiment befindet sich kein Wein mit "außerordentlichem, herausragenden Charakter". Solcherart Realismus tut im voraus schonmal ganz gut.

Also was solls, ein paar Flaschen müssen mit. Für Fachhändler ist ja alles von Aldi & Co. reines Teufelszeug. Auch in der Weinszene greifen bei diesem Thema oft reflexhaft Ablehnungsrituale, als stünde der Untergang des Abendlandes bevor. Ich empfehle da mehr Gelassenheit. Außerdem: Discounter-Posts gab es hier beim Weindeuter ja schon öfters. Und die hatten und haben nicht gerade die niedrigsten Zugriffszahlen. Und man kann Cordula Eich ja auch nicht alles alleine machen lassen...


"Alte Rebe" Serriger Vogelsang Riesling feinherb 2013 Mosel/Saar (11%/3,79€) Also hier gibt es nix zu meckern. Zumindest nicht für Freunde restsüßen Rieslings. Schöner Aprikosenduft, frisch, im Mund eine leichte Sweetyladung, dann kontert ausreichend Säure, um das Ganze pikant tänzeln zu lassen. Völlig in Ordnung, sehr gutes PGV (88 Bampfield Punkte).



Valdehermoso Joven 2012 Bodegas y Viñedos Valderiz / Riberadel Duero (14%/5,99€) Renommiertes Weingut aus dem Ribera, Tomás Esteban ist mit seinen Valderiz Weinen kein Nobody. Frucht dominiert hier, kein zarter Schmeichler. Der Wein hat Biß, sehr straight, kein Holz, saftige Säure. Braucht etwas Luft, sehr schöne Aufmachung (86 Bampfield Punkte).

wird fortgesetzt...


30.06.2014

Chileriesling am Ijsselmeer

Weindeuter schippert und genießt

Noordholland, nur zwei Stunden aus dem Pott raus und doch eine andere Welt. Flach, Land, weiter Horizont, darüber: Hollandse Luchten. Idylle und doch wieder nicht. Denn im 17. Jahrhundert war das hier die Heimatbasis eines, um es mal neutral auszudrücken, weltweiten Handelssystems. Im sogenannten Gouden Eeuw plünderten die Niederländer mit ihrer VOC (Vereenigde Oostindische Compagnie) Südostasien aus und transportierten mit einer Riesenflotte edle Sachen wie Tabak, Zucker, Gewürze, Seide und Baumwolle in die nasse Heimat an der Noordzee. 
Das hab ich hier ständig im Koppe. Und darum bin ich auch gar nicht überrascht, sondern in meinen Gedanken bestätigt, als ich in einem kleinen Weinladen im alten Hafenstädtchen Medemblik einen Riesling erblicke, dessen Trauben im fernen Chile gereift sind. Natürlich muß dieser Exot mit, Verkostung dann im Ferienhaus, am Bootssteg...


Riesling 23 Single Vineyard Cono Sur 2012 (13,5%/18€) Ein junges Weingut, ziemlich groß, 1993 gegründet. Man produziert in der Menge, die Basis ist günstig. Der Riesling ist im Single Vineyard Segment angesiedelt, die Trauben wachsen auf roter Tonerde in Höhenlage.
Wie steht der Wein im Glas? Schönes gesättigtes Weißgold, in der Nase Reife, Entwicklung, Trockenaprikose, Honig. Im Mund schöne Crema, Säure im Hintergrund, voll. 
Wer sich hier vom Label "Riesling" irritieren lässt und sich womöglich aromatisch in Richtung Mosel & Co. in seiner Erwartungshaltung orientiert, liegt komplett falsch. Aber das muß ja auch nicht, im fernen Noordholland verkostet man und genießt die Vielfalt der Welt.
Die Hompage des Weingutes empfiehlt übrigens als food pairing u.a. Edamer und Gouda.



01.05.2014

1. Mai: Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse


Der 1. Mai, Tag der Wende, Tag des Beginns, Tag des Aufbruchs. Man tanzt hinein, man vögelt hinein, endgültig den Winter hinter sich lassend, den Frühling begrüssend. Die Knospen spriessen, die Säfte fliessen. Aber: Es gilt auch, sich zu erinnern, was in den Maitagen 1886 auf dem Haymarket in Chicago geschehen ist. Und wer dort aus welchem Grund sein Leben ließ. Daran zu gedenken wurde drei Jahre später der 1. Mai als „Kampftag der Arbeiterbewegung“ ausgerufen.
Darum kam heute was Rotes ins Glas, Wein vom Rotschieder, vom Roten Hang in Nierstein: Niersteiner Oelberg Riesling 2012 (12,5% / 5,40€) vom Friedrichshof, ein typisches Weingut der zweiten Reihe. Mit einem Riesensortiment von Bacchus Kabinett halbtrocken bis zum Winzerkaffeelikör. Friedrich Peter Schmitt ist emsig und fährt seine Stammkundenrentner mit dem Trecker durch die Weinberge mit "Weck, Worscht und Woi". Und dann kam der verkostete Kandidat auch noch mit einer mediokren Plakette daher, auf der Flasche klebte die berüchtigte Bronzene Kammerpreismünze. Es ist mir völlig unverständlich, warum ein Winzer sowas überhaupt macht, schreckt doch nur ab. Im Glas dann aber Überraschung, schöne kompakte Rieslingfrucht, frisch, reifes Steinobst, steht in Nase und Mund, hat Länge. Der Underdog gefällt, heraus zum 1. Mai...!


30.01.2014

Bekannte Namen aus dem Supermarkt...

In der Weinszene ist Ärger vorprogrammiert, wenn das Thema auf Discountwein oder Wein im LEH kommt. Da wird vor allem der Fachhändler empfindlich, sieht sein Geschäftsmodell in Gefahr, reklamiert für sich unverzichtbare Beratungskompetenz.
Dabei bieten viele inhabergeführte Läden wie Edeka und Rewe etc. mittlerweile zum Teil beachtliche Flaschensammlungen. Auch deutsche Winzer lassen sich da nicht lumpen, bekannte Namen wie Othegraven, Breuer, Dr. Loosen, Molitor, Meyer-Näkel finden sich da. Es sind natürlich nie ganze Linien, die da präsentiert werden, sondern meist ein Einsteiger oder auch eine Sonderedition. Das funktioniert und ist für uns Konsumenten nur zu begrüßen.
Der Fachhandels warnt da gerne vor dem Verlust des Kulturgutes Wein und beschwört den Untergang des Abendlandes herauf. Solcherart Verbissenheit ist z.Bsp. in Frankreich völlig unbekannt, da liegen die Crus aus Bordeaux und Burgund ganz selbstverständlich in Hyper U oder Géant.





Markus Molitor Riesling 2011 Mosel (11.5% 7,99€) Ohne nähere Angabe, auf dem Rücketikett ist von Steillagen die Rede. Nun, Markus Molitor hat ja genug Fläche an der Mosel, vielleicht ist der hier auch aus zugekauften Trauben. Wie auch immer, der Wein ist völlig korrekt. Schöne frische Rieslingnoten, Apfel, Zitrus, saftig, süffig.




Waldbach Fruchtspiel Riesling feinherb 2011 Balthasar Ress Rheingau (11,5% / 9,90€) Hier spielt Dirk Würtz seit einiger Zeit mit. Und der hat ja ohnehin keine Berührungsängste ggü. Supermarkt und Co. Erinnert sei nur an sein Lidl Projekt zum Superschoppenshopper zusammen mit Cordula Eich (klick). Der Wein wird wohl exklusiv über Rewe vertrieben, in seiner klaren, modernen typographischen Aufmachnung ein Hinkucker.
Der Ress ist resch. Es steht zwar feinherb auf dem Etikett, der Rheingauer kommt aber straff und durchtrainiert daher. Kein Fett, frische Säure, Limette, am zweiten Tag dann leichter Tropic-Touch, Ananas, noch feste Mango, durchaus reichhaltig, macht viel Spaß, entwickelt Trinkfluss, Top.





Meyer - Näkel Edition 100 Rotwein Cuvée Ahr (13%/10€) Der Altmeister von der Ahr ist schon seit einiger Zeit hier im Umfeld des Ruhrgebiets in vielen Rewe Märkten vertreten, auch mit seine beiden Einsteigerweinen aus Südafrika. Deshalb wohl auch diese Edition zum 100. Bestehen von Rewe Dortmund. Drin sind Spätburgunder und Dornfelder, im Prospekt wird der Inhalt angegeben mit  "2011er Cuvée aus Blauschiefer, Spätburgundertrauben und Dornfelder". 
Nun ja, auch ohne "Blauschiefer" ist der Wein ist schön abgestimmt zwischen Frucht und Eleganz, sehr feine ahrtypische Spätburgunderkirschnase mit etwas Rauch, vor allem im Mund dann unterfüttert mit Beerenfrucht und Reichhaltigkeit der Dornfelder, recht lang, ein Spaßroter, guter Kauf.



24.12.2013

Atzwentzweine...(3)



Advent ist nicht nur rot (hier und hier), im Gegenteil, die Weißen nehmen einen immer größeren Anteil auch in der dunklen Jahreszeit ein. Und das Recht gebührt ihnen auch, aktuell dazu eine Betrachtung auf Cicero online "FESTTAGSALTERNATIVE Weißwein zur Weihnacht" (klick). Da wird zwar eher einigen Chardonnays das Wort geredet, hier gab es aber einige Rieslinge in die aufnahmebereiten Gläser. Alle mit etwas Restsüße, keine Säurebomber, das passt zum Fest, das entspannt...




Steinerd II Riesling 2012 Axel Pauly Mosel (11,5%/7,90€) Feinherbe Qualität, der Wein sitzt auf Anhieb, Restzucker trifft auf hohe Moselsäure, herrlich süffige Mischung.
Alte Reben Riesling 2012 Carl Loewen Mosel (12,5%/12€) Hier konzentriert man sich auf Riesling und sonst nix, kein ausuferndes Portfolio von Dornfelder bis Huxelrebe wie sonst oft in deutschen Landen. Auch hier enormer Trinkfluß durch Restsüße, insgesamt aber dichter gebaut als der Pauly, macht mehr Munddruck, Top.
Röttgen Riesling 2009 Heymann-Löwenstein Mosel (13%/22€) Wieder mal eine Bombe vom Altmeister, vor kurzem der 2008er, ähnlich hier jetzt im Glas: Goldgelb, hohe Konzentration, reichlich Fruchtwumms in der Nase, tropische Fruchtsüße, Hedonist im Glas. Nicht für jede Gelegenheit, als Weihnachtswein ideale Balance zwischen Frische und Ohrensessel...


29.11.2013

Weiß, weiß, weiß...


So, genug auf der faulen Bloggerhaut gelegen, es gibt hier wieder mehr Posts. Ist ja nicht so, daß nichts verkostet wurde in letzter Zeit, im Gegenteil. Einiges von dem, was in die stets aufnahmebereiten Gläser kam, wird jetzt in lockerer Folge im Advent hier vorgestellt.
Gleich vorweg. Weindeuter ist auf dem Weißweintrip. Vor allem der Riesling - Kleine und Große, Frische und Ältere, stahlige Mineraliker und gerne auch Kandidaten mit dem bei Puristen verpönten Zuckerschwänzchen. 



Und da ist man auch sofort beim Stichwort. Zwei Charaktertypen vom Trendsetzer und Qualitätspionier Reinhard Löwenstein, Moselaner die sehr reichhaltig auftrunpfen.
Uhlen "Laubach" 2009 Heymann Löwenstein (13% / 32€) Ein Klassiker, ein Vollschmecker, ein wahres Maul voll Riesling mit druckvollem Süß-Säure-Spiel. Röttgen 2008 Heymann-Löwenstein (13% / 22€) Weißgoldgelb im Glas, reichlich Frucht in der Nase, der Wein ist schon in der Nase ein Spaßmacher, wie gewohnt recht tropisch, deutliche Fruchtsüße, Hedonist.




Zwei Rieslinge aus dem Rheingau und aus der Pfalz, ein paar Stufen drunter: Der Kesseler R 2012 (die Edition, die für 8€ über Netto vertrieben wurde) kommt schmeichelnd feinherb rüber, der Schmitt S "Drei Steine" 2012 (10€) gibt dagegen den knackigen kernigen Typus, Zitrus, trocken, pur.


Da war noch der Sommer, zwei schöne Gartenrieslinge: Der Hexamer "Schlossböckelheimer in den Felsen" 2011 von der Nahe kommt klassisch mit schönem Säuregerüst, aber auch mit viel Frucht und deutlichem Mundvolumen (13,5% !). Dagegen steht Bopparder Hamm Ohlenberg Spätlese 2011 vom Weingut Walter Perl schlanker da, sehr frisch, straff, grüner Apfel.


Der Perl als 2012er wurde übrigens auch direkt im Hamm getrunken, hoch über dem großem Strom bei phantastischem Herbstlicht. Unten der Rheingoldbogen zwischen Lahnstein und Boppard, im Glas zusätzlich Bopparder Hamm Feuerlay 2012 von Lorenz, auch ganz auf der frischen und trockenen Spur, leichtes Brizzeln.


Der Hexamer von der Nahe durfte nochmal ran zum knusprig panierten Schnitzel, da mußte er sich aber gegen die Reichhaltigkeit und Cremigkeit eines Kandidaten aus Washington State/USA geschlagen geben: Chateau Ste. Michelle Chardonnay 2010.


Auch hier zu Pestospaghetti kam ein Chardonnay gut, diesmal aus der Pfalz: Bernhard Koch Chardonnay Rosengarten.

Und jetzt ein Exot, der ganz unverhofft auftauchte. Eine Studentin beim Boskop Weinkurs hatte das elterliche Kellerregal inspiziert und dabei eine 1989er Duttweiler Ruländer Auslese von Reinhard Momm (12%) gefunden. Und der war durchaus noch in guter, genußreicher Verfassung. Bernsteinfarbe, Honig, im Mund feine süße Cremigkeit.

In diesem Konzert spielt auch was aus dem Elsass mit und gibt einen sehr duftigen, floralen Akkord, leichte Süße, Minze, feminine Exotik: Pinot Auxerrois 2012 Domanie Saint Remy Ehrhardt.


Zum Abschluß aber nochmal Riesling, ganz feine Sache von der Mosel: Karl Erbes "Ürziger Würzgarten" Alte Reben 2012(12,60€). Old-School Aufmachung mit Bildchen vom schönen Moseltale, im Glas dann großes Kino, geschliffen klare, klassische Rieslingnoten, frische noch leicht feste Aprikosen, tolles Gaumenspiel, anregende Säure.



04.02.2013

Hugenpoet Rundgang 2013



Anders als der Betriebsname Vino Grande vermuten läßt, ist das Ladengeschäft von Thomas Kierdorf in Essen-Rüttenscheid eher klein, verkostet wird in einem gemütlichen Hinterzimmer. Viel Stammkundschaft trifft sich da, Leute mit "Weinabitur" und elaboriertem Geschmack. Das Motto ist hier klein aber fein.
Einmal im Jahr, im kalten Januar, verlagert sich aber das Geschehen, dann gibt es wirklich Vino Grande. Im Schloßhotel Hugenpoet, einer edlen von Wassergräben umsäumten Anlage in den Ruhrauen zwischen Essen Kettwig und Mülheim, inszeniert Kierdorf seine Hausmesse. Das ist jedesmal großes Weinkino, die Veranstaltung ist das Gegenteil von Beliebigkeit. Man will es hier nicht jedem recht machen. Wer auf der Suche ist nach Bordeaux, Burgund oder dem neuesten "Parker-Spanier" für 7€ oder gar Übeersee ist hier falsch, das kommt alles nicht vor.
Den Schwerpunkt der Qualitäts- und Geschmacksvorstellungen von Thomas Kierdorf bilden deutsche Rieslinge und Weine aus Österreich, dazu etwas Iberien und Südfrankreich. Eine solche Ausrichtung mit deutlicher Handschrift ist nicht ohne Risiko. Die Weine müßen erklärt werden, lautes Anpreisen, Schnäppchenangebote, Prahlerei mit Punkten und dergleichen passen hier nicht ins Konzept. Doch auch vornehmes Undersatement mobilisiert die Fans, wenngleich mir in diesem Jahr mehr Platz in den Räumen und an den Probentischen zu sein schien...


Hugenpoet: Genießer und Weindeuter (links) mit Rolli und Zaltoglas...

36 Weingüter mit 250 offenen Flaschen verteilten sich in den ehrwürdigen Salons des Hauses, Drinkers Paradise. Alles probieren geht natürlich nicht, hier ein paar Schlaglichter des Rundgangs, ohne jeglichen Anspruch auf Vollständigkeit. Zunächst Rieslingklassik von Mosel/Saar und weiteren Weißweinwonnen...

Van Volxem gewohnt stark, Dominik Völk präsentiert 2011 Scharzhofberger und 2011 Altenberg Alte Reben: Herrliche Verbindung von reichhaltiger, cremiger und gaumenfrischer Frucht und solidem Schieferfundament. Top.
Gegenüber Clemens Busch, die Pündericher zeigen die verschiedenen 2011er aus ihrer Toplage Marienburg. Anderer Stil, kompromisslos trocken, pure Mineralik, druckvoll, männliche Mundfüller, brauchen Zeit.
Leichter und im Kontrast fast erholsam kommt danach Heymann-Löwenstein in die aufnahmebereiten Gläser. Röttgen und Uhlen scheinen ganz von der weichen, sehr zugänglichen Frucht getragen.
Großes Tennis dann aus der Pfalz, aus Deidesheim. Stephan Attmann (Von Winning) erklärt intensiv, schenkt freudig ein und alles schmeckt einfach enorm gut. 2011er Langenmorgen und Pechstein sind Rieslinge am Anschlag, volle Konzentration, saftige Frucht, viel Exotik drin, mitreißend, Lustmacher pur. Überraschung dann die Sauvignon-Blancs. Eine Mode in der Pfalz? Egal, die drei Sauvignons I, II und 500 sind sensationell, werden hier nochmal gesondert vorgestellt...
Fehlt noch Chardonnay. Und da steht natürlich wieder Karlheinz Milch aus Monsheim aus Rheinhessen bereit, der sich auf diese Rebsorte spezialisiert hat. Ein eher ruhiger Winzer, er läßt seine Weine für sich sprechen. Und die befriedigen sehr, vom Einsteiger Kalkstein für unter 8€ über den Blauarsch bis zum XXL für 25€. Die müßte man mal direkt gegen Burgund stellen...



Im Obergeschoß geht es ohne Umschweife zu Terroir al Limit, Priorat extrem. Preislich, wie auch aromatisch sind diese Weine nicht unumstritten. Torsten Hammer ("The Priorat-Guide") beklagte sich bei einer früheren Verkostung mal über allzu knapp bemessene Probenschlückchen von Dominik Huber, die ein reguläres Verkosten kaum zuliessen. Aber auch jenseits solcher Anekdoten polarisieren diese Weine die Prioratgemeinde. Man strebt hier Finesse an. Die auf den Schieferböden des Priorat intensiv-kräftige Grenache wird gebändigt, sozusagen "burgundisiert". 
Wiederum ein Kontrast dann die Weine der Domaine Horizon aus dem Roussillon, neu im Programm bei Vino Grande. Thomas Teibert ist ein barock-salopper Typ mit roter Hose und Hosenträger und macht Wein im Hinterland von Perpignan. Irgendwie fällt mir da sofort Gerard Gauby ein. Der kommt ja auch aus Calce und sieht auf Fotos immer ähnlich aus. Und tatsächlich gibt es eine, sogar sehr enge Verbindung: Teibert und die Tochter von Gauby haben ein gemeinsames Kind...



Nun, die Teibertschen Reben haben Meerblick, deshalb der "Horizont." Preislich sind die Weine nicht schüchtern kalkuliert, schon der rote Einsteiger Esprit de l ´Horizon kostet 19,50€. Für den Domaine de l ´Horizon werden 33€ fällig. Beide sind aber top, der neue Südstil ohne Überkonzentration, haben delikate Frucht, trotzdem natürlich genug satte Sinnlichkeit und Schmelz, sehr gut.

Dann Österreich, ein Schwerpunkt von Thomas Kierdorf. Dorli Muhr und Fritz Wieninger nebst ihren Weinen glänzten diesmal durch Abwesenheit. Eine feste Größe auf Hugenpoet ist aber Margarethe Triebaumer. Ihr Ried Mariental (2010) repräsentiert den sehr straighten Blaufränkisch-Stil. Der erfährt seine Klasse durch fokussierte kühle Frucht und Mineralik, wenig Holz, großer Wein für Medoc-Freaks. Mehr Wonne und Wärme dann bei Hans Nittnaus, auch aus dem Burgenland. Der Erfinder des Pannobile-Konzepts schenkte seinen 2010er Pannobile allerdings aus halben Flaschen aus, die reguläre Größe ist ausverkauft. Satte Kirsche, Vanille, reichhaltig, Top-Wein.

Eine Legende zum Schluß, im roten Salon präsentieren in absolut bescheidener Weise René Barbier und seine Frau Isabelle ihre Flaschen. Auch wer vom Priorat keine Ahnung hat - Clos Mogador kennt jeder. Einer der Begründer des neuen Priorat, Trendsetzer und bis heute Qualitätsmotor für die Region. Clos Mogador 2010 aber auch ´05er und ´08er Manyetes zeigten Größe, reichhaltige, dunkle Weine mit Tiefgang.



Was noch? Der Rest ist Schweigen. Sicher kamen noch einige weitere mouth-pleaser ins Glas. Aber unter uns, Hugenpoet ist auch mal einfach sinnlicher Genuß, ohne dauernde Analyse und Verkostungsnotizen. Besser als hier retrospektiv nachzulesen ist auf jeden Fall ein wirklicher Besuch. Nächste Chance also Januar 2014...

Zur Hugenpoet Probe auch hier bei Genußbereit (klick)








Hier die komplette Winzerliste


Sekthaus Raumland, Flörsheim-Dalsheim, Rheinhessen
Weingut Schloss Lieser, Lieser, Mosel
Weingut Pauly, Lieser, Mosel
Weingut Markus Molitor, Zeltingen, Mosel
Weingut Heymann-Löwenstein, Winningen, Mosel
Weingut Van Volxem, Wiltingen, Saar
Weingut Forstmeister Geltz-Zilliken, Saarburg, Saar
Weingut Hermann Dönnhoff, Oberhausen an der Nahe
Weingut Johann Baptist Schäfer, Burg Layen, Nahe
Weingut Battenfeld-Spanier, Hohen-Sülzen, Rheinhessen
Weingut Kühling-Gillot, Bodenheim, Rheinhessen
Weingut Wittmann, Westhofen, Rheinhessen
Weingut Milch, Monsheim, Rheinhessen
Weingut Von Winning, Deidesheim, Pfalz
Weingut Jürgen Leiner, Ilbesheim, Pfalz
Weingut Zehnthof - Luckert, Sulzfeld, Franken
Weingut Schloss Gobelsburg, Gobelsburg, Kamptal
Weingut Kurt Angerer, Lengenfeld, Kamptal
Weingut Franz Proidl, Senftenberg, Kremstal
Weingut Knoll, Dürnstein, Wachau
Weingut Anita & Hans Nittnaus, Gols, Burgenland
Weingut Kollwentz, Großhöflein, Burgenland
Weingut Wenzel, Rust, Neusiedlersee
Weingut Ernst Triebaumer, Rust, Neusiedlersee
De Sousa & Fils, Avize, Champagne
Domaine de l´Horizon, Calce, Roussillon
Domaine Matassa, Calce, Roussillon
Celler de Capçanes, Capçanes, Montsant
Cava Gramona, Sant Sadurní d'Anoia, Penedes
Clos Mogador, Grattalops, Priorat
Terroir al Limit, Torroja del Priorat
Azienda Agricola Vigna Rionda di Massolino, Serralunga d´ Alba, Piemont
Marchesi Mazzei, Castellina in Chianti, Toscana
Niepoort Vinhos, Quinta de Napoles, Douro
Obstkellerei van Nahmen, Hamminkeln, Niederrhein


19.06.2012

Maybach Riesling


Peter Mertes ist die größten deutsche Weinfabrik. Jedes Jahr stoßen die vollautomatischen Abfüllstraßen über 200 Mio. Liter Wein aus und überschwemmen die Supermarktregale zwischen Krün und Klixbüll. Es gibt eine Vielzahl von Linien und Etiketten. Manche Marketingidee mutet bizarr an, z. Bsp. die Bree Weine in ihren satinierten Designerflaschen ("Genuss in seiner schönsten Form – mit den BREE-Weinen kommt Design auf Ihren Tisch!").

Vor ein paar Tagen stand auswärts ein weiteres Highlight von Peter Mertes vor mir, ein Maybach Riesling 2010 (11%)Zitat: "Maybach - dieser Name steht für höchste Qualitätsansprüche. Nur speziell selektierte Rebsortenweine aus deutschen Anbaugebieten entlang des Rheins werden von uns mit dem Maybach-Siegel versehen und garantieren Ihnen so einen exzellenten Weingenuss. Die Winzer unserer Maybach Weine blicken dabei auf Jahrzehnte alte Weinbautraditionen zurück und haben sich so über viele Generationen das Wissen angeeignet, welches es bedarf um vollendete Weine wie unsere Maybach Weißweine zu kreieren."

Also ganz was Besonderes, exklusives. Zudem abgefüllt in satinierter Flasche mit doppeltem Scherenschnitt des Autokonstrukteurs drauf, Goldornamente. Im Glas nix Besonderes, schmal, leichte Bitternote, muß gut kalt sein und geht dann als leichte Erfrischung durch. Ist aber mit 5€ völlig überbezahlt. Eher ein Fall für einen lustigen Kommentar von Cordula Eich im nächsten Supershoppenschopper...


16.06.2012

Reichhaltig: Racknitz - Riesling von der Nahe


Mal warm, mal kühl - der Sommer kommt nicht so richtig in die Pötte. Deshalb wird z.Zt. bei den Weißen nicht nur aus dem Bereich "frisch+knackig" (klick hier) geöffnet, sondern auch serious stuff:

Louise von Racknitz-Adams und Matthias Adams sind im Weinbau an der Nahe noch relativ neu im Geschäft. Zwar ist das traditionsreiche Weingut schon seit 1753 im Familienbesitz, doch erst seit 2003 führen die beiden den Betrieb, durchaus zu neuen Qualitätsufern. Dazu gehört die Wiederbelebung alter Weinlagen wie Odernheimer Disibodenberg oder Schloßböckelheimer Königsfels, aus dem die Trauben für den verkosteten Riesling stammen. Apropos Riesling - man verzettelt sich hier nicht, die gesamte Produktion oberhalb der Gutsweine ist Riesling zu 100%. Die Einzellagen kosten zwischen 16€ und 29€, dies allerdings dann für die Niederhäuser Herrmannshöhle, die Toplage an der Nahe.
Zitat: Schloßböckelheimer Königsfels’, eine der besten Lagen der Nahe.Verschwand durch Verwahrlosung und Aufgabe in der Bedeutungslosigkeit. Das soll und wird sich ändern. Seit 2005 wird das einstmals bedeutende Grand Cru vom Weingut vom Racknitz regeneriert und bewirtschaftet. Auf seinen extrem steilen Porphyrböden stehen 40 Jahre alte Rieslingreben, die sich den Standort mit einem Biotop seltener Wildkräuter teilen, die dem Wein ein nach sommerlichen Wildkräutern duftendes Bukett vermitteln.
Der Königsfels kommt in herrlichem Goldton aus der Flasche, sehr offen in der Nase, reiche Aprikosenfrucht, erste Reife andeutend. Im Mund fordernde Dichte, cremige Frucht, würziger Kern. Ist zwar kein schneller Terrassenschlotzer, entwickelt aber durch seine saftige Art sehr schön animierenden Trinkfluß - die Flasche war überraschend schnell leer...

Von Racknitz Weine mit Anwesenheit der Winzer auch bei der großen Deutschland Probe in der Weinzeche in Essen am Samstag 23.Juni

19.11.2011

Rhein- und Weinromantik: Vorspiel & Leichtsinn



Ein romatisches Wochenende am Rhein, ohne Winzerbesuch, ohne Verkostungsmarathon. Stattdessen Kultur, im Arpmuseum Bahnhof Rolandseck gibt es eine schöne Ausstellung zum Thema Rheinromantik: Die Landschaft zwischen Drachenfels und Loreley, deutscher Mythos und Tourismusmagnet.
Doch ganz ohne Wein geht es natürlich auch wieder nicht. Südlich von Bonn beginnen ja die Reben. Der nördliche Mittelrhein zwischen Koblenz und Königswinter ist in dieser Hinsicht jedoch eher spärlich ausgestattet. Es gibt nur eine Handvoll Winzer, die sich um Erhalt und Bewirtschaftung der Rebhänge kümmern.
Das Weingut Scheidgen liegt direkt am Rhein im Winzerort Hammerstein zwischen Rheinbrohler Ley und der Burgruine Hammerstein. Erzeugt wird, wie häufig bei kleinen Familienweingütern in Deutschland, eine ausufernde Palette. Neben Rieslingen aus verschiedenen Lagen gibt es Weiß- und Grauburgunder, Rivaner, Müller-Thurgau, Chardonnay, Dornfelder, Spätburgunder und blauen Portugieser, jeweils noch in verschiedenen Qualitätsstufen und Süßegraden. Dazu kommen noch Sekte und Destillate. Georg Scheidgen hat außerdem ein Faible für anspielungsreiche Weinnamen. Es gibt einen Riesling "Vorspiel" und einen Perlwein "Leichtsinn".
Wenn man es jetzt böse meinte, könnte man sagen, daß das gut in die Gegend passt. Im Nachbarort Bad Hönningen zum Beispiel ist an den Wochenenden Dauerparty. In der berüchtigten Schmiedgasse geht es zu wie am Ballermann zu seinen besten Zeiten, Ringelpiez mit Anfassen inklusive (klick).
Wie auch immer, die beiden probierten Scheidgenweine boten süffigen unkomplizierten Genuß. Der Riesling "Leichtsinn" 2010 (Deutscher Perlwein mit gärungseigener Kohlensäure 11% / 6€) ist duftig, leicht, frisch und rutscht bei gehörig enthaltener Restsüße gut weg. Hammerstein Riesling "von den Terrassen" 2010 (halbtrocken 12% / 7€) lockt mit saftiger Aprikose und schönem Süße-Säurespiel.







08.07.2011

Chateau Belá: Slowaken - Riesling von Egon Müller


Egon Müller (Scharzhof) macht nicht nur an der Saar seine großmeisterlichen Rieslinge, sondern ist auch als Winzer in der Slowakei tätig. Auf Chateau Belá ist er seit 2003 verantwortlich für die Vinifikation der Trauben aus den hauseigenen Weinbergen - natürlich auch hier Riesling.
  • Chateau Belá Riesling 2007 (12,5% / 13€) Funkelndes Weißgold, satte Nase, weckt deutlich den Gedanken an reifen fleischig-saftigen Pfirsich. Zusammen mit dem cremigen Mundspiel volles Aprikosenkompott und schmeckbare Restsüße. Die wird aber, wie es sich für einen Riesling dieses Typus gehört, von einer feinen Säurespur balanciert. Hohe Genußintensität, auf GG - Niveau.


29.06.2011

Hitze ? Röttgen - Riesling !

Auch am späten Nachmittag noch 30 Grad im Schatten. In der romantischen Weinecke im Garten verbreitet ein Moselriesling Ruhe und Frieden, kühlt die erhitzten Leiber und Seelen:
  • "Röttgen 2009" Erste Lage -Winningen/Mosel (13% / 20€)  Kräftiges Goldgelb, hier wurden vollreife Trauben geerntet. Reicher Duft, viel Aprikose, reifer Pfirsich, viel Spiel, cremiger Mundfluß. Die immer wieder beschworene Schiefermineralik kommt hier nicht so zum tragen, stattdessen exotische Süße, darunter puffert frische Säure. Recht weich und trinkig. Man muß aber aufpassen, der Röttgen ist natürlich kein leichter "Terrassenschlotzer", kein frischer Spritzer. Also nicht zu schnell trinken...


21.06.2011

Weinradler Etappe 2: Assmannshausen - Winningen (86 Km)

Die Pfalz bei Kaub 
Nach der Übernachtung in der Krone Assmannshausen ("eine Hotellegende seit 1541") lockte am zweiten Tag der Mittelrhein, der klassische Teil zwischen Rheingau und Koblenz. Inbegriff der Rheinromantik mit zahlreichen Burgen und Orten mit langer Tourismusgeschichte, mittlerweile Unesco Weltkulturerbe. Nur mit dem Weinbau geht es seit langem, zumindest mengenmäßig, bergab. Rebhänge machen sich nämlich mittlerweile eher rar an den Ufern, der Weinbau ist seit Jahren stark rückläufig. Von noch über 2000 ha im Jahr 1900 sind 2008 nur noch 460 ha übriggeblieben. Der Mittelrhein ist damit das zweitkleinste deutsche Anbaugebiet.

Zwei starke Marken unter einem Dach:
Weinkitsch in St. Goar
Bei Sonnenschein und Rückenwind ist schnell Bacharach erreicht (Besuch im letzten Jahr hier), ein paar Kilometer flußabwärts dann schließlich die Loreley. Direkt gegenüber lockt eine neue Vinothek des Weinguts Philipps - Mühle in St. Goar. Die beiden Jungwinzer Martin und Thomas Philipps wollen dem Flächenrückgang Einhalt gebieten, Brachflächen rekultivieren, vorhandene Rebflächen erhalten und somit einen Beitrag zur Erhaltung der Kulturlandschaft im Mittelrheintal leisten. Sehr verdienstvoll ! Mit Blick auf den berühmten Felsen schmeckte sehr gut der 2008 St. Goarer "Frohwingert" Riesling (11,50€), frische saftige Fruchtigkeit, Limette, ganz leichtes Petrol. Die Weine der Philipps Brüder gibts übrigens auch in der Weinhandlung Rolf Kaspar in Essen (klick)

Verkostung an der Loreley:
Ein Chinese knipst erst den Fels, dann mein Rad.
Mein Ziel am Rhein war Boppard mit seiner lebhaften Rheinpromenade. Da gibt es einen sehr gut mit Weinen vom Mittelrhein bestückten Weinladen direkt am Marktplatz (Vineum klick). Den ließ ich aber aus, denn eine Bergetappe war zu bewältigen. Ich wollte zur Mosel abkürzen, und das bedeutet stramme und steile 7 Kilometer hoch auf auf die kargen und windigen Höhen des Hunsrück. Schweißtreibend und sehr durstfördernd. Außerdem ist es da oben ungemütlich, düstere Kreuze an der Straße... 

Düsterer Hunsrück
Also schnell auf der anderen Seite der Hunsrückhöhenstraße wieder runter, man rollt mit hohem Tempo direkt hinab ins Moseltal. Nach 20 Kilometern auf dem Moselradweg kündigt dann die große Autobahnbrücke der A61 die Ankunft in Winningen an. Links grüßen die berühmten Lagen "Uhlen" und "Hamm" mit ihren steilen Terrassen. 
Winninger Uhlen
Im beschaulichen Winnigen selbst blieb nach Quartiersuche gerade noch Zeit für einen Besuch in der "Vinothek im Winninger Spital". Auch dies ist ein relativ neues Projekt, Lothar Kröber präsentiert in stilvoll renovierten Räumen ausgewählte Weine von 17 Winninger Winzern. Man zahlt pro Glas eine kleine Probengebühr und kann Flaschen zu Weingutspreisen direkt mitnehmen. Dabei merkte ich wieder, wie auch schon bei der Verkostung bei Martin Tesch an der Nahe: Wenn man 80 Kilometer stramm geradelt ist, ist der Gaumen sehr offen für vinophilen Genuß. Es schmeckt einfach enorm gut. Probiert wurde eine Auswahl von ´09er Rieslingen, u.a. von Fries, Knebel-Lehnigk, Löwensteinhof (Bruder von Reinhard Löwenstein) und Knebel.
Vinothek im Winninger Spital
Abendessen dann direkt nebenan, als Kontrast zum Menü in der Krone ein einfaches Schnitzel im "Winzercafé Zur alten Post": Gute knusprige Qualität mit frischer Champignonsauce und Bratkartoffeln. Ein Gericht, das half, die Akkus des Weinradlers wieder aufzuladen. Außerdem war man so freundlich, meine in der Vinothek gekauft Flasche "Vom blauem Schiefer" von Heymann - Löwenstein vorzukühlen. Der fruchtsanfte Riesling vom Altmeister war dann mein Schlummertrunk für den weiteren Abend im Hotel Moselblick...


2 Linktips
  • Ein schöner Text zur Weinlandschaft Mittelrhein hier bei Axel Biesler.
  • "Gipfelstürmer" Winzerinitiative Mittelrhein: 4 Junge Winzer zwischen dem Mäuseturm und dem Siebengebirge haben sich zusammen gefunden, um die Vielfalt der malerischen Landschaft des Mittelrheintals, der Böden und der davon geprägten Weine sowie der Persönlichkeiten, die dahinter stehen, mit Spaß und Elan zu repräsentieren und gemeinsam etwas zu bewegen.



07.05.2011

Südtirol Teil 3: Vinschgau Riesling

Nach dem wuchtigen Gewürztraminer (Südtirol 2 hier) mal was leichteres, luftigeres. So zumindest der Plan, der dann aber doch nicht ganz aufging.
Ein Riesling aus dem Vinschgau, dem Val Venosta. Das liegt wahrlich nicht mehr im mediterranen Unterland, sondern oben im Etschtal, hinter den letzten Palmen von Meran. Da sind die Berge ringsum schon richtig hoch, viele über 3000 Meter, am Horizont steht das Ortlermassiv. Rebland ist das an den sonnigen Hängen hier schon von alters her. Vieles wurde aber zugunsten der Apfelproduktion aufgegeben. Erst in den letzten 10-20 Jahren gibt es eine Qualitätsweinrenaissance im Vinschgau. Keine großen Genossenschaften, hier dominieren kleine Winzer, die Höhenlagen rekultivieren und an individuellen Qualitäten tüfteln. Eine weitere Besonderheit: Man setzt stark auf den guten alten Riesling, für Südtirol immer noch eine exotische Sorte. Insgesamt gibt es davon nur 52ha,  = ca. 1% der gesamten Anbaubfläche.
Rieslingpionier (seit ´95) und immer noch bekanntester Wegbereiter ist Franz Pratzner aus Naturns. Er bewirtschaftet 7ha, ist neben Riesling auch für seinen Blauburgunder bekannt. Hier ist Holzreife angesagt, die Weißen legt er in Akazienholz. Beschreibungen seiner Weine bei Stuart Pigott ("Wilder Wein") haben mich neugierig gemacht, und so war klar, daß ein Falkenstein Riesling ins Glas mußte.



Falkenstein Riesling 2009 13,5 % Franz Pratzner / Naturns (13,5% / zwischen 18€ und 20€) Im Glas sattes goldgelb, dichte, vollströmende Nase, reifer Apfel kämpft mit einem kleinen (Spotan)stinker, dieser Riesling verspricht schon beim ersten Kontakt Charakter und Eigensinn. Der Duft ist geprägt vom oxydativen Ausbau und hat richtige Bassnoten, vor allem am dritten Tag: Gemähtes Heu, auch Orangeat, getrocknete Apfelringe, ein ganzer Strauß, ein Nasenwein. Im Mund kein leichtes, frisches Wässerchen. Ein Kraftriesling, cremige Physik mit Druck und Dichte. Dezentes Süße/Säure-Spiel, mehr aber ein Volumenriesling, keiner der über Frische oder Fruchtsüße punktet. Einer von denen, die einen auch bei Tisch einen Roten nicht vermissen lassen, der verträgt auch Fleisch und Würze. Verkostet über 4 Tage, bis zum Schluß ein individueller Genuß. (92/100)


Das Revier des Falken:
Blick ins Vinschgau, hinten im Talgrund Naturns