21.06.2011

Weinradler Etappe 2: Assmannshausen - Winningen (86 Km)

Die Pfalz bei Kaub 
Nach der Übernachtung in der Krone Assmannshausen ("eine Hotellegende seit 1541") lockte am zweiten Tag der Mittelrhein, der klassische Teil zwischen Rheingau und Koblenz. Inbegriff der Rheinromantik mit zahlreichen Burgen und Orten mit langer Tourismusgeschichte, mittlerweile Unesco Weltkulturerbe. Nur mit dem Weinbau geht es seit langem, zumindest mengenmäßig, bergab. Rebhänge machen sich nämlich mittlerweile eher rar an den Ufern, der Weinbau ist seit Jahren stark rückläufig. Von noch über 2000 ha im Jahr 1900 sind 2008 nur noch 460 ha übriggeblieben. Der Mittelrhein ist damit das zweitkleinste deutsche Anbaugebiet.

Zwei starke Marken unter einem Dach:
Weinkitsch in St. Goar
Bei Sonnenschein und Rückenwind ist schnell Bacharach erreicht (Besuch im letzten Jahr hier), ein paar Kilometer flußabwärts dann schließlich die Loreley. Direkt gegenüber lockt eine neue Vinothek des Weinguts Philipps - Mühle in St. Goar. Die beiden Jungwinzer Martin und Thomas Philipps wollen dem Flächenrückgang Einhalt gebieten, Brachflächen rekultivieren, vorhandene Rebflächen erhalten und somit einen Beitrag zur Erhaltung der Kulturlandschaft im Mittelrheintal leisten. Sehr verdienstvoll ! Mit Blick auf den berühmten Felsen schmeckte sehr gut der 2008 St. Goarer "Frohwingert" Riesling (11,50€), frische saftige Fruchtigkeit, Limette, ganz leichtes Petrol. Die Weine der Philipps Brüder gibts übrigens auch in der Weinhandlung Rolf Kaspar in Essen (klick)

Verkostung an der Loreley:
Ein Chinese knipst erst den Fels, dann mein Rad.
Mein Ziel am Rhein war Boppard mit seiner lebhaften Rheinpromenade. Da gibt es einen sehr gut mit Weinen vom Mittelrhein bestückten Weinladen direkt am Marktplatz (Vineum klick). Den ließ ich aber aus, denn eine Bergetappe war zu bewältigen. Ich wollte zur Mosel abkürzen, und das bedeutet stramme und steile 7 Kilometer hoch auf auf die kargen und windigen Höhen des Hunsrück. Schweißtreibend und sehr durstfördernd. Außerdem ist es da oben ungemütlich, düstere Kreuze an der Straße... 

Düsterer Hunsrück
Also schnell auf der anderen Seite der Hunsrückhöhenstraße wieder runter, man rollt mit hohem Tempo direkt hinab ins Moseltal. Nach 20 Kilometern auf dem Moselradweg kündigt dann die große Autobahnbrücke der A61 die Ankunft in Winningen an. Links grüßen die berühmten Lagen "Uhlen" und "Hamm" mit ihren steilen Terrassen. 
Winninger Uhlen
Im beschaulichen Winnigen selbst blieb nach Quartiersuche gerade noch Zeit für einen Besuch in der "Vinothek im Winninger Spital". Auch dies ist ein relativ neues Projekt, Lothar Kröber präsentiert in stilvoll renovierten Räumen ausgewählte Weine von 17 Winninger Winzern. Man zahlt pro Glas eine kleine Probengebühr und kann Flaschen zu Weingutspreisen direkt mitnehmen. Dabei merkte ich wieder, wie auch schon bei der Verkostung bei Martin Tesch an der Nahe: Wenn man 80 Kilometer stramm geradelt ist, ist der Gaumen sehr offen für vinophilen Genuß. Es schmeckt einfach enorm gut. Probiert wurde eine Auswahl von ´09er Rieslingen, u.a. von Fries, Knebel-Lehnigk, Löwensteinhof (Bruder von Reinhard Löwenstein) und Knebel.
Vinothek im Winninger Spital
Abendessen dann direkt nebenan, als Kontrast zum Menü in der Krone ein einfaches Schnitzel im "Winzercafé Zur alten Post": Gute knusprige Qualität mit frischer Champignonsauce und Bratkartoffeln. Ein Gericht, das half, die Akkus des Weinradlers wieder aufzuladen. Außerdem war man so freundlich, meine in der Vinothek gekauft Flasche "Vom blauem Schiefer" von Heymann - Löwenstein vorzukühlen. Der fruchtsanfte Riesling vom Altmeister war dann mein Schlummertrunk für den weiteren Abend im Hotel Moselblick...


2 Linktips
  • Ein schöner Text zur Weinlandschaft Mittelrhein hier bei Axel Biesler.
  • "Gipfelstürmer" Winzerinitiative Mittelrhein: 4 Junge Winzer zwischen dem Mäuseturm und dem Siebengebirge haben sich zusammen gefunden, um die Vielfalt der malerischen Landschaft des Mittelrheintals, der Böden und der davon geprägten Weine sowie der Persönlichkeiten, die dahinter stehen, mit Spaß und Elan zu repräsentieren und gemeinsam etwas zu bewegen.



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