29.03.2011

Neues Deutschland

Deutsche Winzer und auch viele Weinhändler propagieren gerne traditionelle Rebsorten. Lokale Identität beim Wein ist gut, darf aber nicht in Hardcore - Regionalismus ausarten. Wer will schon die Diktatur von Riesling und Spätburgunder ? Aus "deutschen Rebgärten" kommt mittlerweile so viel mehr, offenes Weindenken ist angesagt. Zwei Beispiele, probiert am Wochenende auf der Weinmesse in der Zeche Zollverein in Essen. Zwei aromatische Pfälzer, auch für Weinfreunde, die sich sonst gern am europäischen Süden oder an Übersee orientieren.

  • Hier wird stark die Ökokomponente betont. Biodynamik, Spontangärung, spätes Abfüllen, Terroirkonzept - der junge Sven Leiner zieht alle Register und begießt seine Reben auch schon mal mit Kamillentee. Ausführlich und sehr schön seine Hompage (klick) zum Thema, da auch verlinkt ein Artikel von Axel Biesler aus Slow Food 3/2006.
    Zitat: "Der frische Chardonnay-Most wurde unfiltriert in Barriques aus französischer und pfälzer Eiche gefüllt, Vergärung mit natürlicher Hefe, incl. biologischem Säureabbau. Der Wein verweilte insgesamt 11 Monate im Barrique, währenddessen wurde die Hefe hin und wieder aufgerührt."
    Der "Hadorne" ist nicht schüchtern. Deutliches gelb, er "wagt Nase", volle Frucht, eine reiche Schale mit Mango, Papaya und Karambole. Auch im Mund fruchtiger, reifesüßer Schmelz. Es muß nicht immer fordernde Mineralik sein...
  • "Tu le Merites" 2008 SHP Weincooperation Pfalz / Deutschland (12,50€ / 13%) Das Gemeinschftsprodukt der beiden Pfälzer Markus Schneider und Thomas Hensel. Der Wein scheint "ganz weit weg von Deutschland", um mal Stuart Pigott zu zitieren. Eine Cuvée aus Cabernet-Sauvignon, Merlot und Syrah, teilweise Ausbau im Barrique. Tiefe reifsaftige Frucht schon in der Nase. Der will schmecken und der schmeckt auch: Brombeere, Cassis, Minze, Tabak. Die Gerbstoffe sind offen, die Säure steckt ganz in der Frucht.
Bericht zur Zollvereinweinmesse hier beim Genießer.

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