14.05.2011

Südtirol Teil 6: Cabernet & Co.


Südtirols Weinrenaissance basiert stark auf der Erzeugung von Weinen aus sog. internationalen Rebsorten. Die hatten zwar zum Teil schon eine gewisse Historie dort, man setzte aber seit den 70er Jahren vermehrt auf Cabernet - Sauvignon und Merlot, bei den Weißen auf Cabernet -  Sauvignon und Chardonnay, um neben dem "Zechwein" Vernatsch auch im veredelten Bereich etwas vorweisen zu können, ganz ähnlich wie z.Bsp. zur gleichen Zeit in der Toskana mit den Supertuscans. Man wollte weg vom bäuerlichen Törggelenschlotzer, sich international positionieren, Südtirol sollte in die Welt, Exportmärkte erobern. Ein Benchmark, ein Gipfelpunkt, auch preislich, ist immer noch Lageders Cor Römigberg (eine Verkostung mit schönem Bericht hier bei Dirk Würtz).
Ich griff zu anderen Vertretern, vor Ort wurden zwei rote Cuvées besorgt: Der Arzio von Baron di Pauli und der Amistar von Sölva. Dazu brachte ein Weinfreund noch sehr passend einen Cabernet der Kellereigenossenschaft Kaltern aus der Selektionslinie Campaner mit in die Verkostung ein.


  • "Campaner" Cabernet Sauvignon Riserva 2007 Kellerei Kaltern (85% Cabernet Sauvignon, 5% Merlot, 10% Cabernet Franc /  13,50 % / ca. 12€) Schon was Besseres von den Genossen aus Kaltern, dunkles Rubinrot, satte Farbe, auch schöne satte Nase. Reife Frucht, auch einiges an Schoko und Karamell drin, weicher saftiger Mundschmeichler, mittlerer Körper, auch am 2ten Tag noch frisch. Perfekt gemachter, vielleicht etwas glatter Cabernet. Für den Preis absolutes Schnäppchen. 91/100
  • "Arzio" 2006 Baron di Pauli Kaltern (50% Merlot, 25% Cabernet Sauvignon, 25% Cabernet Franc / 13% / ca. 30€) Seit über 300 Jahren befindet sich das Weingut Di Pauli in Familienbesitz. Im 19. Jahrhundert war der gesamte Kalterer See mal im Besitz der Familie Di Pauli, bis er 1901 an die Gemeinde Kaltern verkauft wurde. Auf dem Arzenhof  bereitet man seit 2003 unter dem Namen Arzio einen traditionellen Bordeauxverschnitt. Laut Manfred Lüer (Wein spricht Deutsch) die "vielleicht beste Rotweincuvée Südtirols", das hat natürlich meine Neugier geweckt. Leider ergab sich ein zwiespältiges Bild. Direkt nach dem Aufziehen seidige Pflaumennase, satter Körper, relativ weich, wohlabgestimmt, Gerbstoffe unauffällig, eher feminin, wie ein Bordeaux "vom rechten Ufer". Wirkte schon recht weit entwickelt, nicht sehr lebendig. Am zweiten Tag dann Amaronenase, der "Oxydativ" schlägt kräftig zu, zunehmend auch Bitterkeit, kein großer Genuß mehr. Am dritten Tag endgültig über den Berg, der Wein zerfällt und hinterlässt Ratlosigkeit. Möglicherweise liegts am Jahrgang. Laut Weingutsbeschreibung soll der Arzio nämlich "am Gaumen dichten Schmelz und ein festes Rückgrat" haben. Und für "ein langes Leben" vorbereitet sein. Auch angesichts des Preises deshalb nur 87/100.
  • "Amistar" Cuvée Rot 2007 VdT Peter Sölva & Söhne (30% Lagrein, 30% Merlot, 30% Cabernet Sauvignon, 5% Cabernet Franc, 5% Petit Verdot / 14% / ca. 25€) Ein historisches Weingut (die Ahnen waren spanische Einwanderer), offiziell im Jahre 1731 gegründet. Mit der Amistar - Linie gibt man sich hier besondere Mühe. Es wird spät und reif gelesen, darunter ca. 10% Trockenbeeren ( am Stock getrocknet). Während der Gärung dann Saftentzug von etwa 30% für stärkere Extraktion. Dichtes sattes Rot, undurchdringlich. Starke Nase: Tabak und Beeren, herb und süß zugleich. Im Mund zu Beginn ein "Tannintapezierer", der Wein reitet Attacke. Hat was ungezügeltes, wildes. Am zweiten Tag gerundeter, aber immer noch ein lebendiger Wein mit Tiefe und Frische. Kein Anzeichen von Müdigkeit,  auch am 4ten Tag noch Top. 93/100


Kommentare:

  1. Interessant der Amistar, den hatte ich noch nicht. Mit dem Arzio stimmte wohl was nicht, der kann nach so kurzer Zeit eigentlich nicht so abbaunen

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  2. Ich glaub nicht, daß es beim Arzio an der Flasche lag. Wohl eher am Jahrgang...

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