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24.12.2012

Adventwein 4: Abadia Retuerta - Spanischer Edelmann



Schon der 4. Advent, der Countdown zum Fest ist fast abgezählt und noch nix aus Spanien im Glas gehabt. Höchste Zeit heute also für einen Iberer. Die passen mit ihrem schönen Tempranillo-Duft irgendwie sehr gut zu Weihnachten, wie ich finde. Dabei war der Wein, der gestern in die aufnahmebereiten Gläser floß gar kein reinsortiger Tempranillo, sondern enthielt auch noch einen guten Schuß Cabernet und etwas Merlot.

2009 Abadía Retuerta  (Sardón de Duero 75% Tempranillo, 20% Cabernet Sauvignon, 5% Merlot /  14% / ab 20€) Abadía Retuerta, ein ehemaliges Kloster mit langer Weinbautradition wurde ab1988 von Schweizer Industriellen mit viel Aufwand und großen Investitionen wieder flottgemacht. Das Gut steht heute unter den Top-Produzenten im Ribera, es geht los ab 9€, an der Spitze stehen die Einzellagen, die Vinos de Pago. Da wird es dann auch richtig teuer, für den Petit Verdot werden bis zu 140€ aufgerufen.
Die hier verkostete 20€ - Selección Especial vereint ausgewählte Trauben aller Parzellen der Finca. Und ich kann Entwarnung geben, hier ist kein Mittelmaß im Glas, sondern richtig Stoff. Der Wein zieht schon an der Nase sehr duftig los, sehr klar, frische Beeren. Am Gaumen zunächst ein etwas keckes Holzküsschen, läßt aber mit Luftkontakt nach, es öffnet sich seidige Frucht. Vereint gekonnt Fundament und Rafinesse mit süffigem Trinkfluß - was will man denn mehr...


16.10.2011

Weihnachtswein vorverkostet

Schwere Wahl: Weihnachtswein

Im Supermarkt liegen seit Wochen schon Tüten mit Mandelprinten und Marzipankartoffeln rum. Also kann es nicht zu früh sein, sich schon mal über die richtigen Festtagsweine Gedanken zu machen. In 10 Wochen ist Weihnachten !
Hier zwei Vorschläge, vor kurzem verkostet. Sie werden dem Anlaß durchaus gerecht, denn sie kommen aus edlem Hause und ihnen haftet was "Katholisches" an: Viel Tradition, Wappen auf der Flasche und im Falle des Unico auch ein erfurchtgebietender Preis.


Beide kommen aus dem Ribera del Duero, für beide zeichnet der gleiche Önologe verantwortlich. Der Vega ist Inbegriff der spanischen Klassik. Langer zehnjähriger Ausbau (großes Holzfass (15 Monate), neue (23 Monate) und gebrauchte (15 Monate) Eichenbarriques, dann wieder im großes Holzfass (24 Monate) und noch gut dreieinhalb Jahre auf der Flasche) Nicht laut, nicht breit, superelegante konzentrierte Frucht, deutliche Säure, Zartbitterschokolade. Mehr in die Tiefe, denn in die Breite gehend.
Im direkten Vergleich erlaubt sich der Alion einen lauteren Auftritt. Die Bodega gibt es seit 1991. Er ist sowas wie die moderne Variante des Vega. Dunklere, sattere Fruchtnoten, mehr Süße, mehr Körper und Kraft. Bringt einfach mehr Schmackes ins Glas.
Eine Geschmacksfrage ist zu entscheiden. Und natürlich eine Geldfrage. Für einen Unico gibt es fast 5 Flaschen Alion. Der ist übrigens keineswegs eine Rarität. Die Bodega wirft jedes Jahr zwischen 260.000 bis über 300.000 Normalflaschen auf den Markt, dazu noch jede Menge an Sondergrößen.
Wer sich für den Unico unter dem Tannenbaum entscheidet bitte aufpassen. Die Preise schwanken sehr, von online 215€ (klick hier) bis zu 299€ bei Karstadt. Direkt zum Mitnehmen bei Mövenpick z.Zt. für 234€.



29.09.2011

Aldi - Tempranillo nachverkostet

Mal wieder ein Discounter-Post und nicht nur, weil sowas gut für die Zugriffszahlen ist. Ein beinahe dringender Anlaß für einen Zwischenruf ist der aktuell angebotene Tempranillo bei Aldi Nord. Den hatte ich vor 2 Jahren schon mal hier, es ist nach wie vor der gleiche Wein, gleicher Jahrgang (alter post hier, klick). Darauf machte mich ein Leserkommentar aufmerksam :

"Silveroak hat gesagt: Als ich den Wein heute bei Aldi gekauft habe war mir klar, dass es ein Betrug am Kunden sein wird.Ich hab ihn gerade aufgemacht und finde ihn selbst im Vergleich zu Aldi Weinen < 5€ überteuert--> keine Nase, bitter im Abgang!Er passt ins Sortiment der Belin Throphy Gold Lables Weine.Ich frage mich, ob Aldi ungestraft mit falschen Parkerpunkten werben darf. Donnerstag, 22 September, 2011."

"Tempranillo 2007" Vino de la Tierra de Castillo Leon, als Abfüller firmiert die FirmaValsanzo S.L., ein überregional tätiger spanischer Weinerzeuger. Wie schon vor 2 Jahren ein Nullwein mit wenig Duft und bitterem Mundgefühl. Der war schon 2009 ein dünnes Wässerchen und hat sich seitdem keineswegs verbessert. Nicht aus jedem häßlichen Entlein wird ein schöner Schwan. Wie kommen die Aldi - Weinleute dazu, sowas nochmal als besonderen Aktionswein anzubieten ? Ich hab gar nix gegen Discountwein von Aldi, im Basissegment gibt es gefahrlos zu trinkende Sachen, besondere Aktionsweine sind manchmal gut, da aber eher bei Aldi Süd. Für zwei Euro als Wirkungstrunk o.k., der Spanier ist aber z.Zt. der teuerste Wein bei Aldi-Nord, mit dem Etikettenversprechen auf einen "gereiften Tempranillo mit köstlichem Bouquet". Und schließlich einem Parkerfähnchen: 90 PP.: "It is a terrific value". Ich schließe mich dem Kommentar oben insofern vollkommen an.
Klar liegt der Ratschlag nahe, sowas eben nicht bei Aldi zu kaufen. Der Konsument greift aber nun mal zum Discounter, Aldi ist der größte Weinhändler Deutschlands. Käufer, die denken, sie kriegen bei Aldi für den Preis was Besonderes und meinen, so muß ein "guter" Spanier eben schmecken und ihn nicht mögen, werden sich bestätigt fühlen und doch wieder die 2€ -Klasse aus dem Regal köpfen.

01.03.2011

Rioja - Klassiker: Faustino Gran Reserva

Zu Geburtstagen wird ja gerne eine Flasche aus dem Geburtsjahrgang geöffnet. Beim Weindeuter muß es in diesem Jahr schon der Jg.´61 sein. Beim Nachwuchs reichte am Wochende aber ein ´98er. Und weil ich da zum 13. Geburtstag nicht an meine Kellervorräte gehen wollte, bot sich eine Gran Reserva aus der Rioja an. Die gibt es ja gut gereift ganz regulär im Handel zu kaufen.
Faustino I 1998 Bodegas Faustino Martinez / Rioja / Spanien (13% / ca. 16€ z. Bsp. hier) Die Faustino Weine sind ein Klassiker im Weinregal. Der Erzeuger setzt in Deutschland stark auf den Lebensmittelhandel als Vertriebsweg. Deshalb sind die unglaublich häßlichen Flaschen mit ihrer gesprenkelten Mattierung, dem Goldnetz und den auf alt getrimmten Etiketten vielen Weinfreunden vertraut.
Schlecht ist der Wein auf keinen Fall. Man erhält für einen fairen Tarif einen typischen, vom langen Holzausbau (25 Monate) und langer Flaschenreife geprägten Tempranillo traditioneller Machart. Transparent aufgehelltes Kirschrot, in Nase und Mund durchaus Finesse. Ein gut polierter alter Holzschrank, in dessen Schubladen eine offene Packung Mon-Cheri Pralinen liegt. Besser und bekömmlicher als viele moderne spanische Fruchtbomben, die seit Jahren den Markt überschwemmen.


03.12.2010

Roter Klassiker: Rioja Reserva

Sehr schön mit seiner klassischen Aufmachung und Aromatik jetzt in der Adventszeit zu trinken ist dieser spanische Traditionalist aus der Rioja:

Solche Spanier waren mal meine Lieblingsweine, in den (Wein)anfangszeiten. Da hat sich natürlich inzwischen einiges relativiert, der Marques kommt aber immer noch gut. Sanfter Genuß ohne Hektik, der Wein verströmt in seiner beginnenden Reifephase Ruhe. Typische Nase aus Vanille und Orangenschale, auch im Mund gute Harmonie von feiner Süße, Fruchtsäure und würzigem Rauch.
Was passt dazu ? Pata Negra, der Schinken von den schwarzfüßigen Schweinen aus der wilden Bergwelt der Extremadura, die so gerne Eicheln fressen. Wie der Wein wird auch der einer mehrjährigen Reifung unterzogen, so mögens die Spanier - und das ist gut so.

31.07.2010

Zwei Langweilerweine


Wein braucht Charakter ! Wenn Eigenart und Eigensinn des Winzers, der Region, der Rebsorte etc. im Glas auftauchen, ist es immer gut. Für Gelegenheitstrinker ist das manchmal allerdings nicht immer so lecker, weshalb für die jede Menge "Nummer-Sicher-Weine" gemacht werden. Die Regale sind voll davon und man sollte als Weinfreund da auch nicht hochnäsig sein: Diese Weine bilden eine Art Grundversorgung, verhindern ein Überlaufen des weltweiten Weinsees und sind häufig ja aromatisch absolut trinkbar. Die preisliche Schallmauer liegt bei 5 €. Zwei Weine, beide preislich darüber und beide aus berühmten und großen Häusern stammend, wurden verkostet und entäuschten im Doppelpack.
  • Mouton Cadet 2007 Baron Philippe de Rothschild / Bodeaux (Merlot,Cabernet-Sauvignon, Cabernet -Franc). Der älteste Markenwein der Welt, ein genialer Marketingschachzug schon im Jahre 1930 war es, etwas vom Glanz des großen Mouton-Rothschild auf einen einfachen Bodeaux ohne genaue Ortsappellation zu übertragen. Dies ist der meistverkaufte Wein aus dem Bordelais und einer der meistverkauften Weine der Welt überhaupt: Jahresaustoß in 2002 laut Wikipedia 15 Millionen Flaschen ! Ein Wein also, dessen Geschmack Millionen Menschen mit Bordeaux verbinden, oft auch in dem Gefühl, etwas besonders Gutes gekauft zu haben. Das hab ich mehrfach selbst erlebt, auch diese Flasche war ein Tischgeschenk. Aromatisch passiert nicht viel, ein schmaler Riemen aus Frucht, etwas Säure ohne Länge, easy drinking. Man könnte sagen, o.k. zum Essen. Aber da gibts anderes, mit mehr Persönlichkeit und Charakter und für weniger Geld.
  • Gran Coronas Reserva Cabernet Sauvignon 2005 Torres / Penedes (Cabernet- Sauvignon,Tempranillo). Ähnlich wie Mondavi kultiviert Torres sehr die Tradition einer Winzerfamilie. Dahinter steht aber ein hochmodernes weltweit operierendes Weinunternehmen mit 2100 ha eigener Rebfläche und bedeutendem Traubenzukauf, um überall die bekannten Etiketten verkaufen zu können. Es gibt auch einige Spitzengewächse, der Gran Coronas ist obere Einstiegsklasse und steht in vielen Regalen des LEH - da hab ich ihn auch mitgenommen, ein Impulskauf für immerhin 11€. Da geht oft schon die Musik ab, auch aus Spanien. Hier Fehlanzeige, der Wein ist glattgebügelt, die Aromatik kommt wie mit angezogener Handbremse. Etwas Vanille, etwas gesüßter Kaffee. Schwaches Mundgefühl, hinten raus schnell weg. Nichts gegen einen kleinen Spanier, eine gutgemachte Crianza kann sehr lecker sein. Der hier läuft unter Reserva und ist  für 11€ klar zu teuer.