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13.01.2011

Reifer Rieslingsekt vom Brauneberger Juffer


Unter dem Motto "Kannste ja mal probieren, ob das noch was iss" kriegt der Weindeuter manchmal Kellerfunde geschenkt. Ein guter Bordeaux oder ein Chateauneuf war leider bisher noch nicht dabei, meistens einfache Sachen, die längst hätten getrunken werden müssen. Aber man erlebt auch Überraschungen, wie bei einem Winzersekt von der Mosel. Die versprühen in der Regel jung ihren säurefrischen Charme. Dieser hier aber war 9 Jahre alt.
Das schon ins dunklere goldgelb gehende Farbspiel mahnt zur Vorsicht. Aber es ist noch Leben in der Flasche, die Nase keineswegs muffig und oxydiert. Und es prickelt noch ! Die Bläßchen steigen nicht mehr dicht und gleichmäßig auf, eher so wie kleine Feuerwerksraketen. Natürlich ist die Aromatik nicht mehr im frischen Bereich, es schmeckt alles etwas nach reifer Orange, auch leicht süße Karamelltöne sind da. Süße und Kohlensäure haben hier offenbar konservierend gewirkt. Und natürlich der gute Grundwein vom Brauneburger Juffer, einer berühmten Steillage an der Mittelmosel.

Aktueller Preis 11€ ab Weingut Heil (kleines 5ha Familienweingut mit Ökoanspruch, späte selektive Handverlesung der Trauben)

07.08.2010

Mouton Cadet, Teil 2

Das hat man nun davon, man verkostet den langweiligen Mouton Cadet 2007 und nach ein paar Tagen kommt bei Freunden schon wieder einer auf den Tisch. Kein Wunder auch, schließlich werden davon mittlerweile 15 Millionen Flaschen pro Jahrgang erzeugt. Nur war das Prachtexemplar diesmal von 1982, offenbar dachte jemand, ein solch "edler" Bordeaux müsse lange reifen.
Um es kurz zu machen, die Flasche hat mehr Spaß gemacht als der 07er. Herrliche Patina schon am Korken, Farbe noch überraschend tief, allerdings ins orangebraune gehend. Der Wein war nicht platt, zwar oxydative Nase, aber nicht unangenehm. Hielt frisch aus der Flasche noch ein Spiel aus etwas Reifesüße und Säure, pur kein großer Genuß, harmonierte aber gut mit einem kräftigen Bergkäse.

11.05.2010

Genug gelegen, jetzt wird getrunken (4)


Aus dem staubigen Kellerfundus von liegengebliebenen Flaschen aus dem letzten Jahrtausend heute mal ein Wein aus dem Südwesten Frankreichs: 
  • Chateau Montus 1995 aus dem Madiran, auf halber Strecke zwischen Bordeaux und den Pyrenäen. Die Roten dort werden hauptsächlich aus der Tannat erzeugt, eine Rebe die gerbstoffreiche, farbintensive und kräftige Weine mit Alterungspotential hervorbringt. Alain Brumont ist dort Qualitätspionier, sein Chateau Montus mittlerweile ein Klassiker. Gekauft wurden 1998 sechs Flaschen für knapp 30 DM pro Stück, heutiger Verkaufspreis ca. 25€, z. Bsp hier.
Wird der Madiran seinem Image als Langstreckenläufer gerecht, in welchem Zustand befindet sich der Wein ? Noch sehr guter Korken, kein Schmodder, zu knapp 1/3 getränkt. Immer noch dichtes Rot, zum Rand hin orangefarben aufgehellt. Intensiver Duft, die erste Nase ließ mich sofort denken: Barolo ! Blind wäre der Wein als Piemonteser durchgegangen, feuchte Erde, Tabak, in Weinbrand eingelegte Rosinen. Im Mund noch viel Kraft, schöne Mischung aus ruhiger Reife und noch anregendem Biß. Von allen bisher probierten Flaschen ist dies die bisher Beste, eine ist noch übrig und die bleibt noch 5 Jahre zu.

p.s. Nach 24 Stunden in der halbleeren Flasche setzt die Oxydation dem Wein etwas zu, rauchiger mit etwas mehr Säure - immer noch klasse. Dazu jetzt ein mürbes Boeuf á la mode...

20.03.2010

Genug gelegen, jetzt wird getrunken (3)

Aus dem staubigen Kellerfundus von liegengebliebenen Flaschen aus dem letzten Jahrtausend heute mal ein Wein aus Bordeaux, genauer aus St. Emilion, also dem sogenannten "rechten Ufer":
Ein Klassiker aus den Rebsorten Cabernet Franc und Merlot, in der Jugend eher mit kräftigen Gerbstoffen ausgestattet, den Prognosen nach ein "Langstreckenläufer". Nach 16 Jahren kommt er in noch immer kräftigem Rubin aus der Flasche, im Duft zunächst verhalten - ich entschließe mich zum dekantieren. Nach einiger Zeit dann klassiche "Bordeaux-Reifedüfte", man erwartet sie ja irgendwie: Noten von Tabak und Zigarrenkiste ziehen in die Nase, am Gaumen dann gerundet weich. Das ganze also keineswegs überschwänglich, sondern eher introvertiert, elegant, zurückhaltend und vornehm: Ein Gentlemen in noch sehr guter Verfassung, so wie ich ihn eigentlich auch erwartet hatte. Dazu gabs Kurzgebratenes vom Lamm mit grünen Böhnchen und gebratenen Kartoffelwürfeln. Was ich damals bezahlt habe kann ich nicht mehr sagen, der ´94er wird noch gehandelt, Flaschenpreis um die 40€.
Klickt auf den Weinlink oben, der führt zur Seite des Chateau, im Intro läuft eine schöne Interpretation von Fly me to the Stars von Julie London.

16.03.2010

Genug gelegen, jetzt wird getrunken (2)

Nach dem ´95er Südfranzosen wurde diesmal einer der ältesten Kandidaten aus dem Keller geöffnet: Don Jacobo Gran Reserva 1983 der Bodegas Corral aus der Rioja (gekauft vor zig Jahren in einem kleinen spanischen Laden in Köln für ca. 16 DM). Diese Gattung steht für das klassische Spanien, Tempranillos mit langer Faß-und Flaschenreife schon im Weingut. Die Gran Reservas kommen eigentlich schon trinkreif beim Konsumenten an, vertragen in der Regel aber auch noch eine weitere Aufbewahrung recht gut. In der Rioja werden die Jahrgänge offiziell bewertet (m/n/b/mb/e), der Jg.83 wird mit B wie bueno, also gut angegeben.
Und wie war er  denn nun in Form, der 27 Jahre alte Spanier ? Nun, der Korken sah unter der Kapsel noch sehr gut aus, brach aber dann leider beim öffnen in zwei Teile, der untere flutschte in die Flasche - also vorsichtig den Inhalt umfüllen. Ärgerlich, denn ich wollte dem Wein nicht zu viel Sauerstoff gönnen. Diese Sorge erwies sich aber als unbegründet. Farbe sehr hell, transparent, orangefarben am Rand. Der Duft war schön, sehr offene Reifnase, etwas Orangenschale, kalter Früchtetee, getrocknete Kräuter- da entwickelte sich auch noch was. Es war noch Leben im Wein ! Im Mund dann allerdings ziemlich wässrig, etwas Bitterkeit wie abgestandener Schwarzer Tee, nur ganz wenig Karamellsüße auf der Zungenspitze. Das ganze hatte natürlich trotzdem seinen Reiz und ließ sich, auch durch eine gewisse  alkoholarme Leichtigkeit, gut wegschlürfen (12,5%). Passend dazu gabs dann ein spanisch inspiriertes Gericht: Huhn mit Pestokruste und krossem Speck auf eingekochtem Tomaten-Karottengemüse.


P.S. probiere gerade nach 16 Stunden noch einen Schluck, der Wein zerfällt langsam, die Farbe tendiert ins bräunlich, die Bitterkeit nimmt zu, ich erlebe das Ende eines langen Weinlebens... 

12.03.2010

Genug gelegen, jetzt wird getrunken ! (1)

Ich trinke Wein eigentlich gerne jung. Weiße, knackig frisch, mit Frucht, die noch direkt von den Trauben kommt. Auch gegen satte rote Frucht und jugendliche Gerbstoffe hab ich in der Regel nichts einzuwenden, mir gefällt diese direkte, ungestüme Art. Viele Weine sind heute ja auch auf sofortigen Genuß erzeugt, auch bei seriösen, kleinen Produzenten, auch im Bordeaux zum Beispiel. Diese Schnellebigkeit kann man beklagen, oder eben auch nicht.
Von allen Genußmitteln begleitet aber gerade den Wein der Mythos des Weglegens, der Reifung im dunklen Keller. Traditionell war "großer Wein" stets "alter Wein", der auch heute noch unwiderstehliche Anziehungkraft ausübt, wie etwa auf Weinauktionen, wo für Weinantiquitäten Rekordsummen gezahlt werden. Zu einem gereiften Wein verhält man sich eben oft emotional: Man trinkt vielleicht mal den eigenen Jahrgang, legt Flaschen aus den Geburtsjahrgängen der Kinder weg, läßt im eigenen Keller so manches reifen, um es dann nach Jahren mit einer erhofften Genußdividende öffnen zu können.
All das mache ich natürlich auch. Dabei ist das Alterungspotential vergorenen Traubenmostes keine technische Standardgröße und deshalb nicht zuverlässig und präzise vorhersehbar. Und natürlich wird nicht aus jedem jungen schruppigen Entlein nach 10 Jahren oder mehr ein geschmeidiger Schwan. Deshalb werden nun nacheinander alle Flaschen aus den achtziger und neunziger Jahren aufgezogen und hier vorgestellt. Der erste Kelleropi ist:
Ein Südfranzose aus dem Languedoc, 1997 für ca. 16 DM gekauft, damalige Spitzencuvée der Domaine aus Syrah/Cabernet/Mourvedre mit 14% Alkohol. Ein von Martin Kössler (K&U Weinhalle) seinerzeit hochgelobter Wein mit einer Genußprognose von 5-6 Jahren. Nach 15 Jahren, davon 13 Jahre (durch 2 Umzüge in 3 Kellern) Lagerung nun probiert - und: Der Wein war spitze !  Farbe immer noch kräftig, Duft von Trockenfrüchten und Schokolade, schmelzig, warm. Altgeworden, Nervosität abgelegt, aber nicht müde oder ausgezehrt, immer noch mit Spannkraft (sicher auch bedingt durch die "Langstreckensorten" Cabernet-S. und Mourvedre).
So, genug der Attribute, sonst hab ich ja nix mehr für die noch folgenden Kandidaten der " Altweinvernichtungsaktion".