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05.01.2012

Nordseeweine...


Zum Jahreswechsel in Noordholland. Nach dem Chateauneuf - Highlight (klick) ging das (Wein)niveau etwas zurück. Blieb aber originell. Zum perfekten, frisch vom ganzen Fisch zugeschnittenen Matjes, stilvoll auf Papptellerchen und mit süßer Gurke, ein Weißwein im Plastikbecher: Undefinierbarer Charakter...

Dann lieber ein Wein aus der Gegend, gewachsen nur ein paar Kilometer von der Nordsee entfernt, direkt hinter der Käsestadt Alkmaar. Zu "Mosselen met frites" gab es den Rondo du Nord vom Wijngaard Nordland (12% / je 8,90€). Der wurde vor zwei Monaten schon einmal verkostet (klick hier). Der Wingert liegt 3,70 Meter unter dem Meeresspiegel. Auf mittlerweile 3000 qm Rebfläche stehen neben Rondo und Solaris auch noch die weiße Palatina und die rote Salomé. Hört sich romantisch an, und das ganze Projekt wird mit viel Liebe betrieben. Der Rote ist überraschend farbstark, kirschfruchtige Nase, auch im Mund frisch, durchaus süffig-saftig, leicht gekühlt am besten. Zu den im kräftigen Sud gegarten Muscheln völlig in Ordnung. 



Zu Silvester gab es im Grunde ein Käsefondue. Ich dachte, es sei eine gute Idee, vorher noch schnell einen Sushi /Rotweinsnack einzuschieben. Nach der entsprechenden Mövenpick Probe mit Hendrik Thoma immer wieder ein Thema. Leider diesmal kein gutes Match. Die Bento - Box vom Fischhändler sah zwar gut aus, der Reis war jedoch komplett ungewürzt. Ohne Reisessig, eingestellt mit etwas Salz und Zucker schmeckt das einfach nicht so gut. Auch der Penfolds Bin 2 dazu präsentierte sich unharmonisch. Shiraz und Mourvedré finden nicht zusammen, einerseits ein Vanilleplätzchen in Nutellea gedippt, andererseits zu viel Säure und mangelnde Fülle, das schmeckte nicht. Der Bin 2 ist mit ca. 15€ inmitten des riesigen Penfoldssortiments schon aus der etwas besseren Linie. Und ein Wein, der laut Werbung "in völliger Harmonie mit sich selbst steht".  


01.06.2011

Bounty - Wein


Der Weindeuter ist Hobbyverkoster, dem Weinthema nur durch Leidenschaft verbunden, quasi finanzinteresselos. Weil er das aber nicht  im stillen Kämmerlein tut, sondern sich mit diesem Blog ins große weiße Rauschen wirft, bekommt er auch schon mal eine Flasche Wein frei Haus geschickt.
Und dagegen ist ja auch nix zu sagen. Man sollte das allerdings bei vorgestellten Weinen kenntlich machen und zugeschickte Musterflachen als solche bezeichnen.
Außerdem wäre es schön, auf diese Weise auch mal was wirklich gutes ins Glas zu kriegen. Wenn schon bestochen, dann aber mit Genuß. Und nicht mit so einer mediokren australischen Duftbombe... 
  • "The Black Stump" Durif / Shiraz 2009 Casella Wine (14% / 9,20€) Dicke Duftwolke nach Kokos und Schoko, etwas Fruchtkompott, auch im Mund satte Süße, weich. Ein Wein für die "Müller-Milch Generation", ein flauschig-weiches Kuschelhäßchen (S. Pigott). Hier wurden offensichtlich alle Register des australischen Winemaking gezogen.
    Aus gleichem Hause kommen übrigens die Yellow Tail Weine. Die mit dem springenden Känguruh, eine der erfolgreichst platzierten Weinlinien der letzten Jahre, mit der Casella seinen Anteil am australischen Gesamtexportmarkt auf 15 % steigern konnte. Noch ein Highlight (Zitat): "Casella Wines' newest bottling line can process 36,000 bottles per hour. It's the world's fastest bottling line".
    In Deutschland wird der Black Stump über Chateau Direct vertrieben. Der Welt am Sonntag Weinclub preist ihn ("ein Dauerbrenner"). Auch der Weinspion ("hat das Zeug zu einem australischen Klassiker") und das Weinblättchen ("Wir haben es hier mit einem äußerst vielschichtigen Wein zu tun") hatten ihn, welch Zufall, vor kurzem im Verkostungsglas.



14.12.2010

Südafrika - Probe in Essen

Thilo Marquaß und Axel Biesler
Es gibt Weinhändler, die bieten ihre Flaschen an im Stil der Marktschreier, loben ihr Sortiment in den siebten Weinhimmel oder vergeben sogar eigene Punkte für Weine, für die gerade keine Parker-, Gabriel-  oder Spectator - Punkte zur Verfügung stehen.
Nicht so Thilo Marquaß von der Weinhandlung Rolf Kaspar in Essen, der sein Marketing mit einem gewissen Understatement betreibt. Sein Fazit nach einer Probe mit südafrikanischen Weinen aus seinem Sortiment leitete er jedenfalls mit den Worten ein: "Beim Wein muß man Europa nicht unbedingt verlassen." Bei der Vielfalt an Rebsorten, Regionen und Stilen in good old europe vollkommen richtig. (Es gibt natürlich auch Weinfreunde, die sagen würden, man müsse beim Wein Deutschland nicht verlassen, da würde ich widersprechen.) 
Dabei hatte das von Axel Biesler (büffeln und süffeln) geleitete Weinseminar Südafrika durchaus seine Höhepunkte. Und zwar gerade da, wo die Weine eben nicht Geschmackskopien waren, sondern eigenen Charakter zeigten.

  • Zum Beispiel Sauvignon Blanc 2008 gegen Chenin blanc 2008, beide von Allée Bleue im Franschhoek Valley. Der Sauvignon mit intensiv fruchtigen Primäraromen, Limette, Ananas, ein saftiger Schluck, wie ihn viele mögen. Dagegen der Chenin, im Mund weicher, cremiger, rauchiger (z.T. Ausbau im großen Barrique) - mehr Charakter !
  • Ähnlich gelagert der Flight Pinotage "Starlette" gegen Cabernet-Sauvignon, ebenfalls beide von Allée Bleue. Der Cabernet (12,50€) ein typischer moderner Vertreter: Reife Paprika, Cassis, Süße, im Mund nicht fett, hat Frische. Für mich besser der Pinotage (10€ / 15 % Alc. / Rebzüchtung aus Pinot Noir und Cinsault). In der Nase schöne intensive Zartbitterschoko, süße Frucht, abgeschmolzene Gerbstoffe. Erinnert insofern an einen Pinot oder auch an deutschen Spätburgunder, eher fetten Charakters, hatte aber auch diesen typischen rauchig-torfigen Südafrika - Ton. Mein Favorit des Abends.
  • Im letzten Flight dann die beiden Kracher, der 2007er De Grendel Shiraz (14,5 % Alc. / 16€), roch und schmeckte nach auf Holzkohle gegrilltem rotem Fleisch mit dick Pfeffer drauf, ein Powerwein, der in der Runde sehr gut ankam. Axel Biesler verglich ihn mit einem Chateauneuf du Pape, ich hatte nicht diese Assoziation. Die Südfranzosen sind trotz aller Potenz in der Regel duftiger, feiner, differenzierter. Dann der Spitzenwein von Allée Bleue: "L´ Amour Toujour" 2007 (23€ /14 % Alc.). Eine (wilde) Mischung aus Cabernet, Merlot, Grenache, Shiraz und Petit Verdot. Man spürte den Drang zur Hochwertigkeit, schien mir aber aromatisch noch noch nicht integriert/trinkfertig - ewige Liebe entwickelte sich bei dem kurzen Flirt im Glas noch nicht.
Zur Probe auch hier beim Genießer.




11.06.2010

Us de Kap


Heute geht das ja los, in Südafrika. Keine Angst, jetzt kommt nicht dauernd ein WM - Wein, dazu packt es mich dann doch nicht genug, die Sorge um Jogi, Poldi, Schweini. Und ob sie es schaffen, uns emotional zu entlasten oder im Strudel der Krisen nur eine weitere Krise anrichten, die Fußballkrise eben - abwarten und Wein trinken. Hier ist einer, der schon mal unsere Perspektiven mehr in Richtung Optimismus lenkt: Ein Südafrikaner mit Wurzeln im schönen Dernau an der Ahr. Von da zog nämlich Werner Näkel von seinem Weingut aus in die Welt, das kleine Ahrtal war ihm wohl etwas eng geworden, um auch anderswo Wein zu machen: In Portugal und in Südafrika.
  • "Us de Kap" Shiraz 2008 Meyer-Näkel Südafrika (9,99€) Schon eine gewissen Exotik, "Western Cape" und "D-53507 Dernau" auf dem schönen Etikett zu lesen, das macht mich als Ahrfahrer an. Zum Inhalt vorweg im Urteilsstil: Der Wein ist absolute klasse ! Sehr dichte dunkle Fruchtnase mit einer frischen Attacke. Auch im Mund ein Gleichgewicht aus belebender Frucht und Kräuterwürzigkeit mit schönem Syrahpfeffer. Das "Barriqueküßchen" kommt mit etwas Zartbitterschoko auch noch, gute Länge. Alles richtig gemacht und für unter 10€ preislich korrekt.