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30.09.2013

Kiwi Sauvignon Blanc



In Deutschland gehört Sauvignon Blanc zu den Sorten, die "im Kommen" sind. Etliche Kleinbetriebe und Familienwinzer in Rheinhessen und der Pfalz erweitern ihr ohnehin schon reichhaltiges Portfolio und setzen mit dieser Importrebe auf einen fruchtigen, reintönigen und in der Säure moderaten Sunnyboy-Stil. Es soll womöglich einen Hauch Exotik bringen, sowas trifft den Geschmack der Kundschaft und bringt neben Riesling, Silvaner und  Co. eine weitere Facette ins Spiel.
Soweit völlig in Ordnung, Diskussionen, ob denn der S.V überhaupt nach Deutschland gehöre, erübrigen sich da. Zudem im High-End Segment Betriebe wie Von Winning (klick) zeigen, was möglich ist. Und daß ein Top-Sauvignon eine sinnvolle Ergänzung zum Riesling sein kann (hier vor kurzem verkostet). 

Ansonsten ist der Sauvignon natürlich in aller Welt unterwegs, klassisch im Stammland an der Loire als Sancerre und Pouilly Fumé und auch im Verschnitt im weißen Bordeaux. Vor allem aber hat sich die Rebsorte in den letzten Jahren als Sorte der "Neuen Welt" einen Namen gemacht. Jeder wird hier sofort an Neusseland denken. Der Cloudy Bay wurde da zur Ikone und geschickt weltweit vermarktet. Der brachte es sogar als Trinkempfehlung mal in ein Listing mit dem schönen Titel "10 Dinge, die ein Mann im Laufe seines Lebens getan haben muß"...

Mittlerweile liegt der Sauvignon Anteil im Kiwiland bei 70% der Gesamterntemenge, jedes Jahr werden 190.000 Tonnen verarbeitet. Nirgendwo sonst entwickelt die Rebsorte eine so intensive Aromatik wie in Neusseland. Das kam in den letzten Jahren international gut an. Und um den typisch neuseeländischen Sauvignon-Touch zu erzeugen, ist im durchprofessionallisierten Weinanbau auch jede Menge High-Tech im Spiel, stainless steel, Einsatz von Aromahefen etc.

Wo steht Sauvignon Blanc aus Neuseeland heute? Eine Zusendung von zwei Musterflachen bot Gelegenheit, sich mit dem Thema mal stichpunkthaft zu beschäftigen. Beide Muster stammen aus Marlborough, der berühmten Region im Norden der Südinsel. 

Auntsfield Single Vineyard 2012 Sauvignon blanc Aunstfield Estate (13,5%/11€) Das älteste Weingut in Marlborough (first and oldest vineyard / 187). Ein Wein, der es schon in der Nase wissen will. Nicht schüchtern, öffnet gleich den Mantel und zeigt, was er hat. Mit etwas Erfahrung kommt man sofort auf Rebsorte und Region, quasi ein Muster. Reife Stachelbeere und Limette, sticht, Exotenobst kommt, Schilfgras im Sonnenlicht, roher grüner Spargel, dünn geschnitten mit Zitrone. Im Mund kommt zur Frucht noch was Krautiges dazu, Küchengarten, dann Säure, nicht zu knapp. Wirkt dadurch sehr lebendig und erfrischend. Feunde der Säure kommen auf ihre Kosten, anderen könnte das auch aber etwas zu nervös daherkommen...

Nautilus Sauvignon Blanc 2012 Nautilus Estate (13%/15€) Nach dem kleinen Mundteufelchen Auntsfield kommt der Nautilus etwas ruhiger rüber. Auch hier schöne Frucht in der Nase, Mango, etwas Banane, nicht so expressiv. Auch im Mund weniger Attacke, die Säure spürbar, aber sie prellt nicht so. Insgesamt etwas mehr Volumen und weicher. Nicht schlecht der Nautilus, aber auch beliebiger als der Auntsfield. Wenn schon NZ-SV, dann doch einen Fruchtposer, der es so richtig zeigt.







30.04.2013

Frühlingsgefühle: Von Winning Sauvignon Blanc I


Nicht nur die Winzer folgen dem Rythmus der Jahreszeiten, auch das Weinmarketing richtet sich nach Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Kein Händler, der zur Zeit keine Frühlingsweine anbietet. Aber auch in den Blogs und Gruppen zwischen Facebook und google+ sind allerorten Weine, die den Frühling preisen, den langersehnten, nach dem längsten Winter seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.
Mal abgesehen vom Kommerz, es hat natürlich auch was (wein)romantisches, und darum auch hier beim Weindeuter ein Frühlingswein. Ein Wein der hinausführt aus der Kälte und Dunkelheit, hinaus ins Offene, in die sprießenden Gärten und Auen. Das gefüllte Glas nicht gerichtet Richtung dunkler Zimmer Kerzenschein, sondern hoch in der hellen Himmel Sonnenstrahl...

Sauvignon Blanc I Von Winning / Pfalz (12,5 %/ 17€) "Von Winning" ist die Neuerfindung des Weingutes Dr. Deinhard in Deidesheim, quasi das veredelte Segment, die Marke für die aufwändiger und mit hohem Anspruch produzierte Premiumlinie. Man will hier ganz nach vorne.
Der Werbe - und Medienunternehmer Achim Niederberger hat nach Bassermann - Jordan und Reichsrat von Buhl auch das VdP - Weingut Dr. Deinhard gekauft und wurde dadurch zum größten privaten Weinerzeuger Deutschlands. Die drei Traditionsgüter an der deutschen Weinstraße gehörten schon mal zusammen, wurden aber im Rahmen der Jordanschen Erbteilung im Jahre 1848 getrennt. Mit viel Geld wurde bis heute umgestaltet, ein Restaurant und ein Hotel sind eröffnet worden - Deidesheim, das Genußeldorado in der Pfalz. Schon Helmut Kohl hat ja gerne im Deidesheimer Hof mit Michail Gorbatschow und Maggie Thatcher Saumagen gegessen ("Deidesheimer Hof, Kohls zweites Wohnzimmer", klick).

Doch zurück zu Von Winning. Zuständig für den Wein dort ist Stephan Attmann, ein Mann der für seine Sache brennt und lebhaft zu erklären weiß, wie ich vor ein paar Wochen wieder beim Hugenpoet Weinevent in Essen erleben konnte. Kerngeschäft sind natürlich die Rieslinge aus den klassischen Lagen um Deidesheim, die stellen über 80% der zur Zeit 40 ha Rebfläche. Hinzu kommen im weißen Bereich Chardonnay und, ganz einem Trend in der Pfalz und in Rheinhessen folgend, seit dem Jahrgang 2008 Sauvignon Blanc.
Der kommt gleich dreifach: Der Einsteiger für 10€ ist der Sauvignon II, die Spitze markiert der 500 (Selektion von 500 Liter-Holzfässern, in denen der Wein spontan vergoren wurde) und der verkostete I. 70% wurde hier im Holz vergoren, reiche Exotik-Fruchtnase, Im Mund merkt man das starke Fundament. Ein saftiger Gaumenfüller, gepuffert durch kräftige Säure im Caipirinha-Stil, Limette, kräutrige Würze. Ein intensiver Wein mit Wumms, kein leichter Terrassenschlotzer, obwohl er auch da seine Figur macht.








04.02.2013

Hugenpoet Rundgang 2013



Anders als der Betriebsname Vino Grande vermuten läßt, ist das Ladengeschäft von Thomas Kierdorf in Essen-Rüttenscheid eher klein, verkostet wird in einem gemütlichen Hinterzimmer. Viel Stammkundschaft trifft sich da, Leute mit "Weinabitur" und elaboriertem Geschmack. Das Motto ist hier klein aber fein.
Einmal im Jahr, im kalten Januar, verlagert sich aber das Geschehen, dann gibt es wirklich Vino Grande. Im Schloßhotel Hugenpoet, einer edlen von Wassergräben umsäumten Anlage in den Ruhrauen zwischen Essen Kettwig und Mülheim, inszeniert Kierdorf seine Hausmesse. Das ist jedesmal großes Weinkino, die Veranstaltung ist das Gegenteil von Beliebigkeit. Man will es hier nicht jedem recht machen. Wer auf der Suche ist nach Bordeaux, Burgund oder dem neuesten "Parker-Spanier" für 7€ oder gar Übeersee ist hier falsch, das kommt alles nicht vor.
Den Schwerpunkt der Qualitäts- und Geschmacksvorstellungen von Thomas Kierdorf bilden deutsche Rieslinge und Weine aus Österreich, dazu etwas Iberien und Südfrankreich. Eine solche Ausrichtung mit deutlicher Handschrift ist nicht ohne Risiko. Die Weine müßen erklärt werden, lautes Anpreisen, Schnäppchenangebote, Prahlerei mit Punkten und dergleichen passen hier nicht ins Konzept. Doch auch vornehmes Undersatement mobilisiert die Fans, wenngleich mir in diesem Jahr mehr Platz in den Räumen und an den Probentischen zu sein schien...


Hugenpoet: Genießer und Weindeuter (links) mit Rolli und Zaltoglas...

36 Weingüter mit 250 offenen Flaschen verteilten sich in den ehrwürdigen Salons des Hauses, Drinkers Paradise. Alles probieren geht natürlich nicht, hier ein paar Schlaglichter des Rundgangs, ohne jeglichen Anspruch auf Vollständigkeit. Zunächst Rieslingklassik von Mosel/Saar und weiteren Weißweinwonnen...

Van Volxem gewohnt stark, Dominik Völk präsentiert 2011 Scharzhofberger und 2011 Altenberg Alte Reben: Herrliche Verbindung von reichhaltiger, cremiger und gaumenfrischer Frucht und solidem Schieferfundament. Top.
Gegenüber Clemens Busch, die Pündericher zeigen die verschiedenen 2011er aus ihrer Toplage Marienburg. Anderer Stil, kompromisslos trocken, pure Mineralik, druckvoll, männliche Mundfüller, brauchen Zeit.
Leichter und im Kontrast fast erholsam kommt danach Heymann-Löwenstein in die aufnahmebereiten Gläser. Röttgen und Uhlen scheinen ganz von der weichen, sehr zugänglichen Frucht getragen.
Großes Tennis dann aus der Pfalz, aus Deidesheim. Stephan Attmann (Von Winning) erklärt intensiv, schenkt freudig ein und alles schmeckt einfach enorm gut. 2011er Langenmorgen und Pechstein sind Rieslinge am Anschlag, volle Konzentration, saftige Frucht, viel Exotik drin, mitreißend, Lustmacher pur. Überraschung dann die Sauvignon-Blancs. Eine Mode in der Pfalz? Egal, die drei Sauvignons I, II und 500 sind sensationell, werden hier nochmal gesondert vorgestellt...
Fehlt noch Chardonnay. Und da steht natürlich wieder Karlheinz Milch aus Monsheim aus Rheinhessen bereit, der sich auf diese Rebsorte spezialisiert hat. Ein eher ruhiger Winzer, er läßt seine Weine für sich sprechen. Und die befriedigen sehr, vom Einsteiger Kalkstein für unter 8€ über den Blauarsch bis zum XXL für 25€. Die müßte man mal direkt gegen Burgund stellen...



Im Obergeschoß geht es ohne Umschweife zu Terroir al Limit, Priorat extrem. Preislich, wie auch aromatisch sind diese Weine nicht unumstritten. Torsten Hammer ("The Priorat-Guide") beklagte sich bei einer früheren Verkostung mal über allzu knapp bemessene Probenschlückchen von Dominik Huber, die ein reguläres Verkosten kaum zuliessen. Aber auch jenseits solcher Anekdoten polarisieren diese Weine die Prioratgemeinde. Man strebt hier Finesse an. Die auf den Schieferböden des Priorat intensiv-kräftige Grenache wird gebändigt, sozusagen "burgundisiert". 
Wiederum ein Kontrast dann die Weine der Domaine Horizon aus dem Roussillon, neu im Programm bei Vino Grande. Thomas Teibert ist ein barock-salopper Typ mit roter Hose und Hosenträger und macht Wein im Hinterland von Perpignan. Irgendwie fällt mir da sofort Gerard Gauby ein. Der kommt ja auch aus Calce und sieht auf Fotos immer ähnlich aus. Und tatsächlich gibt es eine, sogar sehr enge Verbindung: Teibert und die Tochter von Gauby haben ein gemeinsames Kind...



Nun, die Teibertschen Reben haben Meerblick, deshalb der "Horizont." Preislich sind die Weine nicht schüchtern kalkuliert, schon der rote Einsteiger Esprit de l ´Horizon kostet 19,50€. Für den Domaine de l ´Horizon werden 33€ fällig. Beide sind aber top, der neue Südstil ohne Überkonzentration, haben delikate Frucht, trotzdem natürlich genug satte Sinnlichkeit und Schmelz, sehr gut.

Dann Österreich, ein Schwerpunkt von Thomas Kierdorf. Dorli Muhr und Fritz Wieninger nebst ihren Weinen glänzten diesmal durch Abwesenheit. Eine feste Größe auf Hugenpoet ist aber Margarethe Triebaumer. Ihr Ried Mariental (2010) repräsentiert den sehr straighten Blaufränkisch-Stil. Der erfährt seine Klasse durch fokussierte kühle Frucht und Mineralik, wenig Holz, großer Wein für Medoc-Freaks. Mehr Wonne und Wärme dann bei Hans Nittnaus, auch aus dem Burgenland. Der Erfinder des Pannobile-Konzepts schenkte seinen 2010er Pannobile allerdings aus halben Flaschen aus, die reguläre Größe ist ausverkauft. Satte Kirsche, Vanille, reichhaltig, Top-Wein.

Eine Legende zum Schluß, im roten Salon präsentieren in absolut bescheidener Weise René Barbier und seine Frau Isabelle ihre Flaschen. Auch wer vom Priorat keine Ahnung hat - Clos Mogador kennt jeder. Einer der Begründer des neuen Priorat, Trendsetzer und bis heute Qualitätsmotor für die Region. Clos Mogador 2010 aber auch ´05er und ´08er Manyetes zeigten Größe, reichhaltige, dunkle Weine mit Tiefgang.



Was noch? Der Rest ist Schweigen. Sicher kamen noch einige weitere mouth-pleaser ins Glas. Aber unter uns, Hugenpoet ist auch mal einfach sinnlicher Genuß, ohne dauernde Analyse und Verkostungsnotizen. Besser als hier retrospektiv nachzulesen ist auf jeden Fall ein wirklicher Besuch. Nächste Chance also Januar 2014...

Zur Hugenpoet Probe auch hier bei Genußbereit (klick)








Hier die komplette Winzerliste


Sekthaus Raumland, Flörsheim-Dalsheim, Rheinhessen
Weingut Schloss Lieser, Lieser, Mosel
Weingut Pauly, Lieser, Mosel
Weingut Markus Molitor, Zeltingen, Mosel
Weingut Heymann-Löwenstein, Winningen, Mosel
Weingut Van Volxem, Wiltingen, Saar
Weingut Forstmeister Geltz-Zilliken, Saarburg, Saar
Weingut Hermann Dönnhoff, Oberhausen an der Nahe
Weingut Johann Baptist Schäfer, Burg Layen, Nahe
Weingut Battenfeld-Spanier, Hohen-Sülzen, Rheinhessen
Weingut Kühling-Gillot, Bodenheim, Rheinhessen
Weingut Wittmann, Westhofen, Rheinhessen
Weingut Milch, Monsheim, Rheinhessen
Weingut Von Winning, Deidesheim, Pfalz
Weingut Jürgen Leiner, Ilbesheim, Pfalz
Weingut Zehnthof - Luckert, Sulzfeld, Franken
Weingut Schloss Gobelsburg, Gobelsburg, Kamptal
Weingut Kurt Angerer, Lengenfeld, Kamptal
Weingut Franz Proidl, Senftenberg, Kremstal
Weingut Knoll, Dürnstein, Wachau
Weingut Anita & Hans Nittnaus, Gols, Burgenland
Weingut Kollwentz, Großhöflein, Burgenland
Weingut Wenzel, Rust, Neusiedlersee
Weingut Ernst Triebaumer, Rust, Neusiedlersee
De Sousa & Fils, Avize, Champagne
Domaine de l´Horizon, Calce, Roussillon
Domaine Matassa, Calce, Roussillon
Celler de Capçanes, Capçanes, Montsant
Cava Gramona, Sant Sadurní d'Anoia, Penedes
Clos Mogador, Grattalops, Priorat
Terroir al Limit, Torroja del Priorat
Azienda Agricola Vigna Rionda di Massolino, Serralunga d´ Alba, Piemont
Marchesi Mazzei, Castellina in Chianti, Toscana
Niepoort Vinhos, Quinta de Napoles, Douro
Obstkellerei van Nahmen, Hamminkeln, Niederrhein


27.12.2012

Weihnachtsweine 2012



Zu Weinnachten regiert die Tradition, keine kulinarischen Experimente! Das gibt Halt auf hoher See und vereinfacht die Abläufe, auch wenn es hektisch wird. Weder Hummer noch Bockwurst - hier gibts zum Heiligabend immer: Maronencremesuppe, einen winterlichen Salat mit Orangen, roter Beete, Walnüssen und dann einen Krustenbraten vom Schwein. Nur die Weine wechseln natürlich. Was übrigbleibt wird an den beiden Feiertagen dann ausgetrunken und verputzt...

Die Kandidaten in diesem Jahr waren:

Schneider "Kaitui" Sauvignon Blanc 2012 Pfalz (13% / 10€) Der "Neuseeländer" aus der Pfalz, das Motto hier: duftige Exotik, Leichtigkeit und Frische. Auch die Maronensuppe dazu war in diesem Jahr leichter, süffiger, dank Zugabe von Wein.

2010 Domaine des Aires Hautes "Réserve" Minervois La Livinière (14% / 10€) Ein Favorit in seiner Klasse! Obwohl die Gesamtaromatik des Südfranzosen weit über seine preisliche Einstufung von 10€ hinausweist. Die Brüder Chabbert erzeugen einen absoluten overachiever, Glückskauf pur. Sehr dunkel im Glas, zunächst volle Erdigkeit, Gerbstoff, viel Baß, braucht Luft, unbedingt dekantieren. Dann bringt er auch differenzierte Mittel- und Obertöne zu Gehör, wird richtig freigiebig, teilt Fruchtsüße und delikate Würze aus, Topwein.   

Hunnicut Zinfandel Napa Valley (15% / 26€) Fruchtpralle Californication, erfüllt völlig, was man von einem Zinfandel in dieser Kante erwartet, absoluter Gaumenpleaser. Ich machs mir mal einfach und zitiere kurz aus der Mövenpick-Notiz, die bringt es nämlich auf den Punkt: "Tiefes Purpurgranat. Konzentriertes Backpflaumenbouquet und Zimt, Schokokirschen, Heidelbeerkonfitüre, typische Zinfandelwärme ausstrahlend. Crèmig-weicher Gaumenfluss mit perfekt ausbalancierten Tanninen und verschwenderischer dunkler Kirschfrucht, Bienenwachs, geléeartige Extraktsüsse und betörende Fülle in der saftigen Mitte, Cocktailkirsche, Zwetschgenkompott und feine Honig-Mocca-Note im sanft ausklingenden Finale." Noch Fragen?

Quinta de Noval Port LBV 2005 Douro (19% / 19€) Nun ja, Port passt natürlich zu Weihnachten, muß einfach sein, als Nachtisch. Volle Ladung, Zartbitterschokolade, Kirschlikör, süßer Tabak. Kein Zwang zum schnellen  Leeren der Flasche, es ist bis heute immer noch was drin...

Soweit für diese Jahr, allen einen geschmeidigen Rutsch.
Auf ein Wiederlesen in 2013!







23.08.2012

Experiment 1: 2007er Sauvignon Blanc aus Israel



Die Weinszene im Web trinkt ewig Riesling. Oder was von der Loire. Alles Top, aber Weindeuter gibt sich experimentierfreudig und verkostet einen Sauvignon Blanc aus Israel. Obendrein hat der schon ein paar Jährchen auf dem Buckel...

Recanati Reserve Sauvignon Blanc 2007 (13,5%/19,80€) Viel Fett deutet sich im Glas an, reife Noten - grasige, stachelbeerige Sauvignon-Frische kommt hier nicht. Der Wein ist aber trotzdem nicht over the top, der Oxy-Dativ hat noch nicht zugeschlagen. Es ist was für Weinfreunde, die es schmelzig-schmalzig mögen, mit reifer tropischer Frucht, hat "Überseechardonnay-Charakter". Ist aber auch ein Stil, der von israelischen Winemakern geschätzt wird. Gut gekühlt zu würzigem Essen funktioniert das. Der israelische Weinpapst Daniel Rogov gibt hier 88 Punkte...



11.03.2012

Wein auf Zollverein

Eine Highlight - Verkostung bei Katie Jones : Finessenreiche, in handwerklicher Kleinproduktion erzeugte Weiße und Rote aus dem östlichen Languedoc. Mehr dazu hier (klick).

März, der Marathonmonat für Weinfreaks. Auf der Prowein wird verkostet als gäbe es kein Morgen. Der Markt ist riesig, unübersichtlich, es herrscht Überfluß, Suff total. Manchmal fragt man sich, wer das eigentlich alles trinken soll. Aber vielleicht sind solche Überlegungen auf einem Weinblog gar nicht angebracht. Also nimmt auch der Weindeuter das Probenglas zur Hand und läßt sich einschenken. Schon am Vorabend der Prowein auf der Hausmesse von Rolf Kaspar in der Zeche Zollverein in Essen gab es interessante Gewächse "satt".

Zum Einstieg was frisches: "Gemischter Satz Riesling Gewürztraminer"  von Kühling - Gillot. Die beiden Rebsorten wachsen einträchtig im Pettental am Roten Hang nebeneinander. Duftig, milde Säure, süffig...(13,95€)

Dann ein "Gegenschluck", der Silvaner Kabinett 2011 Weingut Roth im fränkischen Wiesenbronn: Würze, Erde, Kreide, Kraft im Mund (7,50€).

Mit Piratentuch auf dem Kopf schenkt Andreas Engelmann vom Schloßgut Ebringen / Baden aus, die haben einen leckeren  Sauvignon Blanc im Programm: Reife Stachelbeere, international, ein Gefallschluck, gut (11,50€).

Der Einstieg in die rote Phalanx dann Mallorca. Castell Miquel gehört dem Pharmaunternehmer Michael Popp ("Sinupret") Auf der Homepage werden besonderes die gesundheitsförderneden Wirkungen herausgestellt („Trinke Wein und du wirst gesund sein“). Aus der Reihe Stairway to Heaven kam der dichte Syrah und der offenere feinere Cabernet ins Glas (je 21,90€).


Am Tisch daneben stehen die Pompaelos. Unter diesem Label produzieren und vertreiben Björn Steinemann und einige Freunde Weine aus dem Navarra. Die Pompaelo Crianza 2007 aus Cabernet-Sauvignon, Tempranillo und Merlot für preisfreundliche 8,95€ ist kein Weichspüler, hat Würze.



Direkt daneben Norrel Robertson, Master of Wine mit Sitz in Spanien. Der ist Schotte und bekannt als “El Escocés Volante” (The Flying Scotsman). Er präsentiert seine Weine aus der D.O. Calatayud: El Puno (Garnacha) und Dos Dedos De Frente (Syrah,Viognier). Karge Böden, extreme Höhenlage alte Rebstöcke sind hier das Rezept. Beides keine Schmeichler, kernig-kleinbeerige Frucht, kühle Mineralik, nicht fett, viel Tiefe (19€ / 21€).


Zum Abschluß was aus der Heimat - und das ist alles andere als schlecht. Peter Kriechels Früh- und Spätburgunder von der Ahr setzen einen schönen Aromenakkord. Der Walporzheimer Kräuterberg 2009 (29,95€) ist ein in jeder Hinsicht großzügiges, warmduftiges, fruchtweiches und rauchiges Muster.

Zur Probe auch hier bei Genußbereit (klick)

14.12.2010

Südafrika - Probe in Essen

Thilo Marquaß und Axel Biesler
Es gibt Weinhändler, die bieten ihre Flaschen an im Stil der Marktschreier, loben ihr Sortiment in den siebten Weinhimmel oder vergeben sogar eigene Punkte für Weine, für die gerade keine Parker-, Gabriel-  oder Spectator - Punkte zur Verfügung stehen.
Nicht so Thilo Marquaß von der Weinhandlung Rolf Kaspar in Essen, der sein Marketing mit einem gewissen Understatement betreibt. Sein Fazit nach einer Probe mit südafrikanischen Weinen aus seinem Sortiment leitete er jedenfalls mit den Worten ein: "Beim Wein muß man Europa nicht unbedingt verlassen." Bei der Vielfalt an Rebsorten, Regionen und Stilen in good old europe vollkommen richtig. (Es gibt natürlich auch Weinfreunde, die sagen würden, man müsse beim Wein Deutschland nicht verlassen, da würde ich widersprechen.) 
Dabei hatte das von Axel Biesler (büffeln und süffeln) geleitete Weinseminar Südafrika durchaus seine Höhepunkte. Und zwar gerade da, wo die Weine eben nicht Geschmackskopien waren, sondern eigenen Charakter zeigten.

  • Zum Beispiel Sauvignon Blanc 2008 gegen Chenin blanc 2008, beide von Allée Bleue im Franschhoek Valley. Der Sauvignon mit intensiv fruchtigen Primäraromen, Limette, Ananas, ein saftiger Schluck, wie ihn viele mögen. Dagegen der Chenin, im Mund weicher, cremiger, rauchiger (z.T. Ausbau im großen Barrique) - mehr Charakter !
  • Ähnlich gelagert der Flight Pinotage "Starlette" gegen Cabernet-Sauvignon, ebenfalls beide von Allée Bleue. Der Cabernet (12,50€) ein typischer moderner Vertreter: Reife Paprika, Cassis, Süße, im Mund nicht fett, hat Frische. Für mich besser der Pinotage (10€ / 15 % Alc. / Rebzüchtung aus Pinot Noir und Cinsault). In der Nase schöne intensive Zartbitterschoko, süße Frucht, abgeschmolzene Gerbstoffe. Erinnert insofern an einen Pinot oder auch an deutschen Spätburgunder, eher fetten Charakters, hatte aber auch diesen typischen rauchig-torfigen Südafrika - Ton. Mein Favorit des Abends.
  • Im letzten Flight dann die beiden Kracher, der 2007er De Grendel Shiraz (14,5 % Alc. / 16€), roch und schmeckte nach auf Holzkohle gegrilltem rotem Fleisch mit dick Pfeffer drauf, ein Powerwein, der in der Runde sehr gut ankam. Axel Biesler verglich ihn mit einem Chateauneuf du Pape, ich hatte nicht diese Assoziation. Die Südfranzosen sind trotz aller Potenz in der Regel duftiger, feiner, differenzierter. Dann der Spitzenwein von Allée Bleue: "L´ Amour Toujour" 2007 (23€ /14 % Alc.). Eine (wilde) Mischung aus Cabernet, Merlot, Grenache, Shiraz und Petit Verdot. Man spürte den Drang zur Hochwertigkeit, schien mir aber aromatisch noch noch nicht integriert/trinkfertig - ewige Liebe entwickelte sich bei dem kurzen Flirt im Glas noch nicht.
Zur Probe auch hier beim Genießer.




21.09.2010

Von Winning 2 (Die Weine)



(Teil 1 "Deidesheim" hier)

Von Winning, der neue Name aus der Pfalz. Mit großem Ehrgeiz und Aufwand will man aus dem Stand heraus ganz nach oben, in die Spitzengruppe der deutschen Rieslinge. In der Machart sind alle Weine "state of the art", mit allen Merkmalen, die heute bei Weinfreaks ein wohliges Nicken auslösen. Es wird - ohne Zertifizierung - biologisch gearbeitet, die Moste werden nicht vorgeklärt, die Weine nicht geschönt, Spontanvergärung und teilweiser Ausbau im Neuholz inklusive. Es gibt eine Vielzahl von getrennt ausgebauten Einzellagen in und um Deidesheim. Dr. Deinhard / Von Winning ist groß, bewirtschaftet insgesamt knapp 40ha Rebfläche (davon 30 ha Riesling).
Eine Probe in Thomas Kierdorfs Vino Grande in Essen bot Gelegenheit, einen großen Teil der Winning - Weine zu probieren.
  • Riesling „WinWin“ trocken 2009 12,0% vol. 9,90
    Der Einstiegswein, beinhaltet Trauben aus GroßeGewächs -  Lagen, schon "sehr viele Riesling" drin, saubere Frucht, knackig, schmelzig. Reicht eigentlich schon...       
  • Riesling Deidesheimer Paradiesgarten trocken 2009 12,0% vol.13,50
    mehr Druck, gute Länge
  • Riesling Königsbacher Ölberg trocken 2009 12,0% vol. 15,00
    Würze, sehr dicht, Pfeffer
  • Riesling Ruppertsberger Reiterpfad trocken 2009 12,5% vol.15,00
    Kommt etwas leichter und offener daher, Limettenfrische
  • KALKOFEN GG Deidesheim 2009 13,0% vol.26,00
    Extraktreich und voll im Mund, Säure, Schmelz
  • LANGENMORGEN GG Deidesheim 2009 13,0% vol. 21,00
    Ein Brummer, ein  fruchtduftiger Rieslingsaft mit Tiefe. Musterexemplar für die Verbindung von frischer Säure und tiefem weichen Schmelz. Beeindruckend hier der für ein GG moderate Preis, der Wein geht bei Kierdorf für 21 € über die Theke.
  • Sauvignon Blanc 2009 12,0% vol. 17,50
    Auch nicht schlecht, sehr reintönig, fein, klar, zarte Limette. 

  • Chardonnay 2009 13,5% vol. 15,00
    Nach den intensiven Rieslingen mit ihren Säurewogen endlich Erholung für den gestressten Gaumen: Ein Chardonnay, der auf Samtfüßchen daherkommt. Weicher, cremiger Saft. Irgendwo zwischen Burgund und Kalifornien. Gerne getrunken...
  • Pinot Noir 2008 13,0% vol. 28,00
    Das zum Chardonnay gesagte, stimmt auch hier. Man merkt, das Weinmacher Stephan Attmann in diese Richtung eine Vorliebe hat und die "französischen Sorten" in Richtung Fülle, Wärme und Reichhaltigkeit ausbaut. Offenduftige,  rauchige Pinot - Nase, reife süße Frucht. Hat mir besser gefallen als der parallel probierte Kirschgarten 2007 von Knipser.

15.05.2010

Zweimal "Weiß" zum Spargel...


...aus sehr unterschiedlichen Weinregionen dieser Erde, die aber dann doch recht ähnlich schmeckten - auch als  Resultat einer modernen, auf Frische orientierten Weinbereitung. Beides keine Weine für Proben unter Weinfreaks, über die man länger reden kann oder muß, unkompliziete Tischweine also:
  • Silvaner 2008 der Winzervereinigung Freyburg/Saale-Unstrut (7,99€). Ein Wein aus dem nördlichsten deutschen Anbaugebiet, neben den Elbweinen aus Meißen und Dresden das zweite "aus dem Osten". Insgesamt gibt es nur 660 ha Rebfläche dort, von denen allein die 500 Weinbauern der Genossenschaft schon die Hälfte bewirtschaften. Der Silvaner ist eher ein unauffälliger Vertreter, hat nichts von der Erdigkeit und Würze so mancher Franken, sondern begleitet das Geschehen am und auf dem Tisch mit einer leichten, säurearmen und  frischen Art (in diesem Fall grünen Spargel/ Fisch/Serranoschinken). 
  • Sauvignon Blanc Grande Cuvée 2008 von Boschendal (Western Cape/Südafrika). Allein dort werden (gegr. 1685 !) ca. 250 ha Rebfläche bewirtschaftet. Auch diese Flasche ist kein Charakterspieler: Typische Sauvignon-Blanc-Zitrusnote, saftige Limette, mittlerer Körper, von Barriquereife ist nix zu spüren, mit 13,5% etwas mehr Alkohol. Ein auf unkomplizierte frische Trinkbarkeit hin orientierter Wein, mit etwas mehr Wumms als der Ostdeutsche, zum würzigeren zweiten Teil des Menüs also gerade recht (Schweinfilet, Spargel, Schwarzwälder Schinken und Bärlauchpesto). Ca. 10€, z. Bsp. hier.