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08.01.2012

Nachzügler: Weihnachtswein im Januar


Schon der 6.Januar und immer noch Festtagsmenüs mit entsprechenden Weinen. Zu einer späten Weihnachtseinladung sollte es Rehkeule aus dem Römertopf geben, soviel wurde verraten. Welchen Wein dazu mitbringen ? Ein solches Schmorgericht läßt ja eine große Bandbreiten von (Rot)weinen zu. Angefangen im Burgunderbereich bis hin zu Vollschmeckern wie z.Bsp. Gigondas, Ribera, Brunello etc. Ich hatte was durchaus kräftiges im Sinn, allerdings gepaart mit geschmeidiger Fruchtigkeit. Man will ja schließlich nicht schocken. Anwesende Frauen am Tisch sollten nicht mit Gerbstoffbomben belästigt, sondern samtig umschmeichelt werden. Also schied ein zunächst vorgesehener Kandidat von der südlichen Rhone aus, den gibts demnächst in einer reinen Herrenrunde. Stattdessen wurde der Enamore geöffnet, der "argentinische Amarone".


Enamore 2008 Mendoza, Allegrini & Renacer Mendoza / Argentinien (Malbec, Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon, Syrah, Bonarda / 14,5% / 19,90€) Ein Argentinier nach dem Appassimentoverfahren hergestellt. Die frisch gele­se­nen Trau­ben werden einige Woche unter guter Belüftung lang getrocknet, um einen Teil des Was­sers in den Bee­ren ver­duns­ten zu las­sen und so eine höhere Zucker­kon­zen­tra­tion zu errei­chen. Damit kennt Allegrini sich ja aus, dieses Know-How wurde sozusagen nach Argentinien zur Bodega Renacer transferiert. Das Ergebnis überzeugt, vorausgesetzt man schreckt nicht vor den Attributen süß, weich, alkoholkonzentriert zurück. Sehr dunkel im Glas. Warme, reiffruchtige Nase, pflaumig, Schoko, Rosine, im Mund voll, weich, viel Wumms, aber nicht mit dem Boxhandschuh geschlagen, sondern mit dem Kopfkissen.
Kam auch bei den Frauen an, Aromatik, Name und Etikett sind auch in diese Richtung orientiert. Zudem gibts unter Enamore auch noch so manch anderes (Dessous klick).


09.05.2010

Dicke Brummer...

...wurden gestern aufgezogen - Weine, die bei der letzten Mövenpick - Probe aufgefallen waren und die einer intensiveren Prüfung unterzogen werden sollten. Dazu gab es dann auch noch eine Überraschung...
  • Einstieg war der UGABA 2008 von Anwilka aus Stellenbosch in Südafrika. Es ist wohl der gleiche Wein, der unter dem Fundi Label ("Wein mit Lehrauftrag") von Anwilka abgefüllt wird. Den hatte ich ja am 1. Mai und war da schon angetan. Ein Cabernetvollschmecker (mit Merlot + Syrah), sehr warm mit dunkler schokoladiger Frucht und würzigem Finale. Schmeckt teurer als er ist (15€), das Weinprojekt mit französischem know-how (Bruno Prats) ist noch im Aufbau, 2005 war der Debütjahrgang.
  • Dann der SALDO 2008 von Orin Swift Cellars (27€) aus Kalifornien, eine Zinfandelbombe (15,5% ) mit ähnlicher Aromatik wie der UGABA, machte aber noch mehr Druck in Nase und Gaumen. Dabei keine Trinkmarmelade, die Reifesüße und der Alkohol sind eingepackt in eine gewisse Fruchtfrische. Eine große weite Welle also, für geübte (Kraft)weinsurfer kein Problem...
  • Der Dritte im Flight war ein Klassiker aus Chile: DON MAXIMIANO FOUNDERS RESERVE 2006, das Flagschiff von Errazuriz (38€) aus dem Acongagua Valley. Überbordende Cassisnase, irrer Duft, der da aus dem Glas kam. Man konnte sich mit dem Trinken Zeit lassen, die Nase reichte eigentlich schon. Im Mund cremige Fülle, Frucht und Gerbstoffe perfekt beisammen, viel Tabak, ein sanfter Riese.
Aber was machen Weinfreaks, wenn sie solche intensiven Überseeflaschen vor sich haben ? Es überkommt sie ein gewisser Zweifel, ein Wille, das Phänomen noch einmal anders zu beleuchten. Und deshalb wurde im Sinne der Dialektik und mit einem gewissen Übermut noch ein Cabernet-Sauvignon aufgemacht, aus einer ganz anderen Welt, von der Ahr !
  • CASANOVA 2007, der in geringer Menge erzeugte Cabernet von Kreuzberg (21€) aus Dernau/Ahr. Schon die Flasche - statt in dicker Pulle abgefüllt in einer schlanken Schlegelflasche. Die Farbe, nicht dunkle Tinte wie oben, sondern durchscheinend, transparent. Natürlich waren Duft und mouthfeel hier weniger üppig, schlanker, weniger intensiv. Aber er konnte mit seiner sehr fokussierten Frucht und mineralisch-rauchigen Art durchaus gegen die Brummer bestehen, brachte sogar eine Erfrischung für die geplagten Gaumen. Auch hier war Stoff drin, der direkte Glas an Glas-Vergleich  mit dem Chilenen machte absoluten Spaß.
  • Als Nachtisch gabs dann noch was Süßes: Chateau Le Fagé aus dem Montbazillac mit einem Botrytistraubenanteil von ca. 70% und ohne Holzausbau. Deshalb kommt hier der edelsüße Genuß sehr frisch und lebendig daher.
Zweimal Cabernet-Sauvignon:  Chilenisches Dickschiff und Kreuzbergs CaSaNova von der Ahr. Ja darf man das denn überhaupt zusammen trinken ?

14.03.2010

"Überseeprobe"

Weine aus "Übersee", das klingt so schön romantisch nach der Ferne ! Ich muß da immer an Hamburg und die Landungsbrücken denken, an Hans Albers und Seemannsbraut ist die See. Die aus europäischer Sicht so genannten Überseeweine sind ja tatsächlich alle auf ihre Art europäischen Ursprungs, die Weintraditionen in Kalifornien, Australien, Südafrika und Südamerika sind von den europäischen Besiedlern/Auswanderern/Eroberern begründet worden. Aus den genannten Ländern stammten auch die Weine, die in den Mövenpick Weinkellern probiert werden konnten, mit Schwerpunkt Kalifornien. Von Einstiegsgewächsen wie dem Avalon Cabernet 2006 (gab es schon bei der Weindeuter Veranstaltung auf dem Zeltfest Ruhr im letzten Jahr) bis hin zur 50€ - Klasse aus dem Napa Valley stand da einiges bereit. Keine detaillierte Auflistung, nur ein paar Impressionen, trotzdem mal ein wenig wine-name-droping, muß auch mal sein:
"Coro Mendocino" 2005 von Fetzer (Zinfandel,Syrah,Petite Sirah - Sonderpreis 20€ statt 26€) , Fruchtwürze, Kraft und Weichheit in Balance. "A Pic" Bunnell Family Cellar 2007 (27€) aus Washington State ("Rhone-Mischung" aus Syrah, Cinsault, Mourvedre, Grenache) Es überwog dessertartige Fülle, die (Gerbstoff)bässe fehlten (Zitat vom Geniesser). Dann der Hunnicutt Zinfandel 2006 (nur 26,50€) aus dem Napa Valley, Superwein mit robust-intensivem Auftritt, wirkte auf mich dabei anregend frisch, süffig ohne aufdringliche Süße mit "bescheidenen" 15,5% ! Anders, aber auch klasse der 2007er Dutch Bill Creek Pinot Noir aus dem Russian River Valley. Nicht so laut, fein, viele kleine reife Erbeeren...
Die Garde der 50€ Cabernets stand hinter einer Theke, die wurden serviert. Und da war eigentlich nichts Enttäuschendes dabei. Probiert habe ich den 2006er Napanook/Dominus Estate, Zweitwein vom großen Dominus von Moueix, den 2006er DR II Stephens Estate,  den 2005er Round Pond Estate, den 2007er "Juliet" Beau Vigne Vineyard, den 2005er Col Solare aus Washington State und und den
2006er Cabernet von Caymus - mein Favorit in der Reihe. Alles Weine zwischen 44,50€ und 56€, alles ausdifferenzierte Aromenkonzentrate auf hohem Niveau, keine botox- und silikonverstärkten „Spitzen-Cabernets". Warum schmecken die so gut ? Dazu unten für alle, die es genauer wissen wollen, ein längeres Zitat von einem Fachmann zum Thema, von Martin Kössler.


1  "á pic": Chateauneufkopie aus Washington State, leider ohne Bass
2  Hunnicutt Zinfandel: Erfrischungsgetränk mit 15,5%, only 250 cases produced
3  serve youself...
4  Geniesser, Weindeuter und Uwe "Ch9dP" Bende
5  Die 50€ Klasse wurde eingeschenkt

"So wie der Australier und der Spanier den deutlichen Einfluss neuen Holzes mag, so wie der deutsche Weintrinker wie kein anderer auf der Welt Säure im Wein schätzt, so mag der Amerikaner weiche und harmonische Fülle. Diese erzielt man durch besonders sorgfältige Verarbeitung des Lesegutes und eine entsprechend schonende Vinifikation. Man erzielt sie aber auch im Weinberg, wo die Trauben sehr viel länger an den Rebstöcken hängen können, als bei uns, mit deutlich gleichmäßigerer Temperaturverteilung über die Wachstumsperiode. Beides zusammen ergibt jene sanften, geschmeidigen Gerbstoffe, die die guten Weine Amerikas so charakteristisch auszeichnen. Wir Europäer reagieren darauf gerne ablehend, weil uns die Weine fast schon zu schön vorkommen und unterstellen deshalb den oft schon in der Jugend unverschämt leckeren und "schönen" Weinen wüste Manipulationen. Dabei handelt es sich um pure Natur. So stehen z.Bsp. die Farbstoffe (Anthocyane) in kalifornischen Cabernets in geradzu idealem Verhältnis zu den Tanninen (Polyphenole). Der wohl wesentlichste Unterschied zwischen den Rotweinen der neuen und der alten Welt zeigt sich deshalb in der Dauer der Maischegärung: Während man in Bordeaux meist weit über die alkoholische Gärung hinaus zu extrahieren versucht, trennt man in Amerika während der Fermentation den Wein von der Maische, um die Tannine nicht zu dominat werden zu lassen. Das führt in Verbindung mit gezielt oxydativer Weinbereitung in neuem Holz mit langer Hefelagerzeit dazu, daß heute die Spitzenweine Kaliforniens deutlich besser integrierte Gerbstoffe aufweisen, mit merklich mehr Frucht trotz höherer Extraktwerte, als die meisten europäischen Barriqueweine, geschweige denn Bordeaux."
Martin Kössler  K&U

27.02.2010

Weinstreit

A: Na wie waret denn in der Weinzeche auf bei der Übersee-Probe ? Lecker Wein verkostet ?
B: Lecker ist das Stichwort. Da waren 94 Weine offen, es lag ne richtige Duftglocke im Raum. Und dann im Glas erst, Zinfandel, Shiraz, bei den Weißen die Viogniers, da geht natürlich die Post ab. Und du ? Bist ja lieber ins Mövenpick gefahren und hast den Abend mit duft-und geschmacksarmen Bordeaux verbracht.
A: Also Moment mal bitte, fang nicht so an. Du bist eben ein unverbesserlicher Frucht- und Körpertrinker. Das flauschig-weiche Kuschelhäschen von  Stuart Pigott, harmloses für die Müller-Milch Generation !
B: Huch, gleich so böse. Also "Übersee" ist ja wohl nicht gleich easy-drinking. Bei der Probe waren herrliche Malbecs aus Argentinien dabei oder auch Australier wie der Einsteiger von D´Arenberg "Stump Jump" für unter 10 €. Alle lebendig und frisch. Und was Pigott angeht, gerade der lobt doch die Neue Weinwelt und hat in einem seiner Bücher mal nen ätzenden Veriss mit dem Titel "Warum man keinen Bordeaux trinken muss" geschrieben.
A: Bordeaux ist und bleibt der Klassiker, an dem sich gerade Übersee, Chile, Südafrika und auch das neue Weinchina orientieren. Warum organisieren die denn immer wieder Vergleichsproben mit ihren Sachen, stellen ihre Cabernets und Merlots blind neben die Crus aus Medoc und Pommerol ? Imagetransfer nennt man das.
B: Sicher, Bordeaux ist eben ne Megamarke, so wie Coca-Cola oder McDonald. Ist halt Big-Business.
A: Du nervst ! Die Weine schmecken auch ! Haben Feinheit, Eleganz, Finesse, auch in der Preisklasse bis 25€ geht da schon die Sonne auf...
B: Hat man ja auch in letzter Zeit viel für getan, ich sag nur "neue önologische Verfahren", gerade im sogenannten Bordelaise.
A: Natürlich, um auch in schlechten Jahrgängen trinkbare Weine zu machen. Was dagegen ?
B: Nein, aber in dem Punkt kopieren die Franzosen eher die Flying-Winmaker-Methoden der Neuen Welt. Ist in Ordnung, man soll dem Ganzen nur nicht immer so eine Aura des guten alten Weineuropa geben. Die Reben für den "RunRig" von Torbreck aus dem Barossa Valley zum Beispiel sind 120-160 Jahre alt. Das ist Tradition von Natur aus. Ohne Chateaux und Adelsgedöns. Und bereitet werden die Weine in absoluter Handarbeit. Hatte ich im Glas, frag mich mal wie der geschmeckt hat.
A: Das gibts natürlich, mußt aber auch dazusagen, das der "RunRig" mal eben 189€ kostet.
B: Und die 2007er Mouton & Co. über 300€. Geradezu ein Schnäppchen, die 2006er gabs ja erst fürs doppelte. Außerdem ist schon Torbrecks "Juveniles"  für 20€ raffinierter Genuss. Und erst die Pinots aus Neuseeland ! Probier mal den "Te Muna Road" Pinot Noir von Craggy Range. Pure Zärtlichkeit im Glas...
A: Ähhh, sowas war in Dortmund auch offen. Dutch Bill Creek Pinot Noir für 25€ vom Russian River in Kalifornien. War nicht schlecht...
B: Na also, geht doch ! Die nächste Probe im Mövenpick ist auch Thema "Übersee". Übrigens unter dem Motto "Trends und Tradition".

Bordeauxprobe mit Russian River-Pinot

03.01.2010

Weinwoche an der Nordsee



Die Woche über Sylvester an der niederländischen Nordsee war winterlich, gute Gelegeneit also sich dem Wein und weiteren Genüssen zu widmen. Zunächst: Der von mir geschätzte Marteau schmeckt auch an der Nordsee am Strand, wie man auf dem Bild sehen kann - wurde aber bei minus 2 Grad dann doch schnell kalt. Eher gut waren die Temperaturen für die Flasche Mööt, die leer dann als Raketenabschussrampe diente.


Die Niederländer schätzen traditionell Weine aus Übersee. In Weinhandlungen bewunderte ich vor Jahren schon große Südafrika- und Australiensortimente. In den Albert Heijn Märkten hat das aber mittlerweile zu einer totalen Verflachung des Weinsortiments geführt. Gab es in den eigentlich hochwertigen Supermärkten früher eine breite Auswahl mit Flaschen über 10€, die man normalerweise auch im Weineinzelhandel findet, dominiert heute eine Überseemassenweinschwemme: Lindemanns, Rosemeount, Penfolds, Jacobs Creek, Aliwen, Nederburg, Casillero del Diablo aus Südafrika/Australien/Chile produzieren alle die gleichen leicht trinkbaren Weltweine aus Cabernet/Merlot/Chardonnay. Dazu natürlich noch Italien, Spanien und Frankreich, aber nix besonderes. Aus Deutschland eine Riesling Spätlese für 1,99 € und Liebfraumilch. Probiert habe ich aus einem Weihnachtssonderposten den Nederburg Noble Late Harvest 2008 (8 € 0,375), zum in Wiskey eingelegten Stilton ein passender dickflüssiger Süßsaft. Apropos Käse: Neu für mich war ein mit Wasabi aromatisierter grüner Gouda, nicht schlecht.
Gerade für Weinfreunde sind natürlich die Trappistenbiere immer ein Genuß. Biere mit einem wirklich komplex schmeckenden Charakter, mit Liebe serviert im großen Kelch. Es lohnt sich hier weiterzulesen,  zur "Mutter aller Tripel", gebraut von den fleißigen Mönchen der Liebfrauenabtei vom Heiligen Herzen von Westmalle in Belgien.



24.12.2009

Ja, der Weihnachtswein


Mein Weihnachtswein, nicht kompliziert, nicht nervös (bin ich heute schon selbst genug), barocke Fülle, samtige Frucht, streichelnd, so hoffe ich zumindest...
"The Prisoner" 2005 von Orin Swift Cellars /Napa Valley 39€ (48%Zinfandel, 26%Cabernet Sauvignon, 14% Syrah, 10% Petite Syrah, 2% Charbono)


Details folgen ! Frohes Fest !