19.05.2010

Bordeaux 2009...


...gilt ja als etwas Besonderes, die Winzer dort sind zum großen Teil in einer regelrechten Jahrgangseuphorie. Ein "Jahrhundertjahrgang" ist natürlich im Jahr der großen Krise auch sehr praktisch, der Absatz wird angeheizt. Auch viele Kritiker ziehen nach den großen Primeurverkostungen mit. Rene Gabriel spricht von einer legalen Droge, Parker "erwartet" Preise für die Spitzen Crus bis 1000€. Die Vinexpo in Hongkong zeigt die Richtung auf, der Markt für die Prestigeflaschen wird in Asien gesucht, da ist der Stern Bordeaux als Luxusmarke etabliert, so wie Uhren von Patek Philippe oder Taschen von Louis Vuitton (Chinese speculators not drinkers will buy Bordeaux 2009).
Auch in der Weinzeche Essen gab es die Gelegenheit, einige 2009er zu probieren. Allerdings keine der angesagten Spitzengüter, sondern passend zum Motto der Weinzeche "Qualität statt großer Namen" die Produkte kleinerer Erzeuger - und gerade die sollen sich ja in guten Jahrgängen besonders lohnen. Es handelte sich allesamt um  Faßmuster, d.h. Weine, die vor dem Ende ihrer Ausbauzeit dem Barrique entnommen und unstabilisiert, quasi provisorisch für Vorabproben auf Flaschen gefüllt wurden. Die Weine werden von der Weinzeche in Subskription angeboten, darauf beziehen sich auch die ungefähren und unverbindlichen Preise.

  1. Ch. Saint-Nicolas Bordeaux Superieur: Kerniger, kraftvoller Wein, etwas Merlot-Süße (unter 10€)
  2. Ch. Val de Roc Bordeaux Superieur: Fässer von Ch. Ausone, Merlot + Cabernet, feiner als Nr. 1, gute Länge (unter 10€)
  3. Ch. Poitevin Medoc Cru Bourgeois: Viel Kaffe in der Nase, dichter Cabernet-Frucht-Schluck (unter 10€)
  4. Ch. Saint-Paul Haut-Medoc CB: Ungestüme Frucht, im Mund Gerbstoff satt, sehr fleischig, "Madirancharakteristik", für mich klasse.
  5. Ch. Belle-Vue Haut-Medoc CB: Etwas Kakao, satte Frucht, Veilchen ?
  6. Ch. Mille Roses Margaux CB: 60% Cabernet + 40 % Merlot. sehr feinduftig, schon sehr verbundene weiche Aromen in Nase und Mund, fast cremig, Margaux ist zu erkennen...(17€)
  7. Ch. Brun St. Emilion: Ein Klassiker, beerige Frische, mittlerer Körper mit Säurespitzen (12€)
  8. Ch. De Parsac Montagne St. Emilion: Merlotwein aus dem Hause Lafite (9€)
  9. Pierdon Puisseguin Saint-Emilion: Kraft im Glas, aber Luftton des Musters
  10. La Mauriane Puisseguin Saint-Emilion: Einzellage von Ch. Rigaud, wieder viel Wein mit Saft und Kraft, Kakaopulverschwänzchen am Ende...(15€)
  11. Ch. La rose Perriere Lussac Saint-Emilion: Wie oben, hohe Dichte, Alkohol (13€)
  12. Clos Les Grandes Versannes St.Emilion Grand Cru: Dichte Frucht, aber auch Schmelz, sehr trinkbar, der Wein "fließt", lecker, mein Favorit (15€)
  13. Du Parc Saint Emilion (13€)
  14. Ch. Franc-Maillet Pomerol: Duftige, cremige Frucht (Kirsche/Pflaume ?), voller "Tanninsaft".
Zum Abschluß dann noch ein (zunächst verdeckter) Bordeaux, sehr hell, transparent, orangefarbener Saum, sehr reif, süße Feigen, kleine Erdbeeren, nicht überbordend, fein, wäre als Burgunder durchgegangen: Ch. L´ Arrosée 1985 St.Emilion Grand Cru. Eine Flasche, die jegliche Nervosität abgelegt hatte, nach den frucht -und gerbstofflastigen Faßmustern genau das Richtige, eine Wohltat für den Gaumen.

Reifer Roter aus einem gut bestückten (Dortmunder) Privatkeller: Chateau L ´Arrosée 1985

1 Kommentar:

  1. Na geht doch, ein Probenbericht ganz ohne Weinerotik.

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