08.11.2010

Rote von der Nahe und aus Südfrankreich

Deutscher Dunkelfelder gegen kräftigen Südfranzosen 

Auf der Weinmesse Rheinand Pfalz in Bochum wurde (wieder) klar, daß auch Winzer aus der 2. und 3. Reihe wissen, wie man Wein macht. Und dabei trotz handwerklich aufwändigem Arbeitseinsatz und geringen Stückzahlen in ihrer Preisgestaltung unter den "üblichen Verdächtigen" bleiben.
Paul Neumann aus Wallershausen an der Nahe hat, wie viele Winzer in Deutschland, trotz überschaubarer Betriebsgröße eine umfangreiche Weinkarte, bereitet aus einer Vielzahl von Rebsorten: Bacchus, Cabernet-Mitos, Portugieser, Chardonnay, Dornfelder, Grauer Burgunder, Dunkelfelder, Kerner, Portugieser, Riesling, Spätburgunder, Rivaner, Scheurebe,Weißer Burgunder. Das alles zum Teil auch noch unterschiedlich als trocken, feinherb oder lieblich ausgebaut, dazu kommen im Barrique ausgebaute Versionen. Außerdem noch div. Sekte incl. Flaschengärung und Hochprozentiges aus dem eigenen Brenngut. Für jeden Geschmack also etwas dabei und man könnte natürlich jetzt abwinken und meinen, daß aus so einem Gemischtwarenladen, zudem mit einigen unter Weinfreaks nicht gerade angesagten Rebsorten, nix G´scheites rauskommen kann. Doch Vorsicht, die probierten Roten verdienen differenzierte Betrachtung:

  • 2008er Cabernet Mitos feinherb (Rebneuzüchtung aus Cabernet-Sauvigon und Dornfelder), kommt intensiv fruchtig daher, die Restsüße ist gut verpackt. Die trockene 2006er Barriqueversion bringt dann Tabak, Schokoschmelz und Fülle ins Glas. Mit seinen geschmeidigen Gerbstoffen dürfte der auch Weinfreunden schmecken, die sich gerne in Übersee tummeln (9,70€ + 15,70€).
  • Mein Favorit war der 2006er Dunkelfelder , eine als Decksorte entwickelte Neuzüchtung (11,20€ / 14%). Sehr intensive Beerennoten, ein Nasenwein mit Kraft und Frische. Gerbstoffe und Säure werden ganz von der satten Frucht aufgenommen, erinnert (incl. der Flaschenform oben am Hals) etwas an kalifornischen Zinfandel. Das Potential der Rebneuzüchtungen wird hier gut ausgelotet, die Paul Newman Weine sind auf drinkability, Geschmeidigkeit mit einer gewissen Süße hin orientiert, kommen aber weder eindimensional noch banal rüber.
  • Parallel zum Dunkelfelder kam zur "Geschmackseichung" noch was ganz anderes ins Glas, allerdings aus der gleichen Preiskategorie: Chateau Estanilles 2007 Cuvée Prestige Faugeres Südfrankreich (14,5%). Der Languedoc  - Pionier Michel Louison hat sein Weingut unlängst verkauft, der 2007er stammt aber noch aus seiner Tätigkeit, zeigt die ganz Klasse eines handwerklich bereiteten Winzerweins: Syrah, Grenache und Mourvedre von kargen Schieferböden, ungestümer, wilder und dunkler in der Aromatik als der Dunkelfelder, Kraft mit minziger Würze. Aber auch hier sehr "trinkbar", zugänglich, nicht gerbstofflastig. Vom Faugeres zurück auf den Neumann zu gehen war schwierig, die Süße des Roten von der Nahe haute da dann doch etwas durch.
    (Estanilles für 11,90€ Weinhandlung Julius Meimberg in Herne)

Paul Neumann dekantiert und präsentiert


Kommentare:

  1. Deutsche Rote - immer gut, was davon zu lesen. Auf sog. Neuzüchtungen zu setzten muß kein Fehler sein, wenn man im Weinberg und im Keller weiß, was man zu tun und auch zu lassen hat.

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  2. Bei solchen Weichspülern bin ich immer skeptisch, was Kellertechnik angeht. Und wirklich günstig sind die Weine auch nicht. Die Preise sind ja ab Hof, ohne Händlerspanne.

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  3. Würde ich hier so nicht sehen, die Weine sind duftig, fruchtbetont, trinkbar - aus erkennbar seriöser Fertigung. Die Auflage ist sehr gering, beim Dunkelfeklder laut Winzer nur 1600 Fl., die Preise scheinen mir da angemessen.

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