18.07.2011

Durch das Roussillon ins Languedoc: Gauby und Mas Jullien

Roter Kadett vor 20 Jahren, unermüdlich drehte er seine (letzte) große Schleife durch die Weingebiete des Midi .
Oben vor den Zinnen von Carcassonne

Die Strecke von den Pyrenäen raus durch das Roussillon und durchs Languedoc bin ich auf ähnlichen Pisten wie die Pedaleure der TdF 2011 auch schon in unterschiedlichen Richtungen gefahren. Allerdings mit Autos, auch mit dem alten roten Kadett, der in Lourdes durch Heiliges Wasser den Segen der Gottesmutter empfangen hatte (klick hier). Die Weine zu Füßen der Pyrenäen in Richtung Mittelmeer sind eine Klasse für sich. Unter dem Dach der  AOC Roussillon werkeln  Genossenschaften, aber auch eine Riege von sehr individuell-handwerklich arbeitenden Weintüftlern. Immer wieder auch Neueinsteiger, wie die erst kürzlich hier vorgestellte Domaine des Enfant (klick) mit absolut ausgereizten Qualitäten. Ein Qualitätspionier und immer noch Schrittmacher für die Weine des Roussillon weltweit ist Gérard Gauby in Calce. Nach allem, was über ihn zu erfahren ist, ist Gauby kein Routinewinzer, sondern ein Suchender, ein Experimentator. Er hat komplett auf biodynamischen Anbau umgestellt. Die Aromatik seiner Weine geht seit einigen Jahren weg von Überkonzentration, Holz, und süßem Schmelz. Was steht stattdessen auf der Geschmacksagenda ?

Hier wachsen sie, die Grenache-Reben von Gauby.
Im Hintergrund der Pic du Canigou
  • Les Calcinaires 2009 Domaine Gauby (Grenache, Carignan, Mourvedre, Syrah /13,5% / ) Gauby macht nur drei Rote, das Flagschiff Muntada, den Vieilles Vignes und als Einstiegsroten den Les Calcinaires. Wobei Einstieg hier knapp 14€ bedeutet, was z.Bsp. bei Pierre Clavel schon mit dem Copa Santa die Spitze markiert. Der Wein ist von großer Tiefe und Dichte. Schon farblich völlig undurchdringlich, tiefe dunkle Tinte. Die Nase ist voll dunkler Frucht, dazu deutlich frisch gemahlener schwarzer Pfeffer. Sehr pur, kein Rauch, kein Toast, keine lockendes Vanilleschoko. Im Mund kommt er zunächst fast schmeichelnd, täuscht etwas Süße an,  um aber dann doch einen pikant - herben Akzent zu setzen. Ist zwar etwas abgedroschen, aber er ist ein bißchen die Faust im Samthandschuh. Im Abgang schöne lange Zartbitternote. Am zweiten Tag dazu dann etwas Uhu, nicht der Vogel, sondern der Kleber. Was nach dem Schwenken des Glases aber immer wieder verfliegt, dann aber wiederkommt. Dazu dann auch was speckiges, animalisches. Ein Weincharakterkopf, der macht, was er will. Speziell. Ein Top-Wein, den man in 10 Jahren nochmal pobieren sollte.

Wächst aus dem Fels: Katharerburg Peyrepertuse
Vom Roussillon gehts es vorbei an den Kartharerburgen ins nördlich gelegene Corbieres. Wildromantisch, dünnbesiedelt, Heimat der Wildschweine, die sich in der heißen Strauchheide tummeln. Auch dort jede Menge interessante, individuelle Winzer. Am Nordrand der Corbieres, von Limoux aus startete gestern die Etappe. Der Ort ist ein Nest für Weißwein, auch schäumenden Crémant de Limoux, hauptsächlich bereitet aus Chardonnay. Die Radroute schlängelte sich dann weiter durch viele weitere Weinbauzonen des Languedoc. Gequert wurden, immer in nordöstlicher Richtung, zunächst das Minervois (bekannte Winzer hier z.Bsp. die Chabberts (Clos de l´ Escandil), dann St.Chinian ( z.Bsp. Domaine Guy Moulinier) und schließlich Faugeres (Jean-Michel Alquier).

Weinurlaub 2005: Weindeuter-Verkostung im Minervois
Es folgt dann die weite hügelige Zone bis Montpellier, überall Reben, soweit das Auge reicht. Am nördlichen Rand der Küstenebene, an den Ausläufern der Cevennen, liegen die Côteaux du Languedoc. Überall agieren hier qualitätshungrige Winzer, Alteingesessene wie Aime Guibert mit seinem Daumas Gassac, Quereinsteiger, Newcomer. Bekannte Qualitätsnester sind hier u.a. Montpeyroux, Aniane und Jonquières. Ein Name ist prägend geworden für die Region: Olivier Jullien. Mit sein Mas Jullien Weinen hat er ähnliche Schrittmacherfunktion wie Gauby im Roussillon. 
  • Les Etats d ´Amme (Grenache, Cinsault, Syrah, Carignan / 14% / 18€) Ebenfalls sein roter Einsteiger, ebenfalls schon in der gehobenen Preisklasse, übersetzt die "Seelenzustände". Einen Tick heller als der Gauby, aber immer noch tiefrot. In der Nase zunächst ein Stinker, da wurde was Lebendiges aus der Flasche gelassen, quasi ein "Weinfurz". Dann ebenfalls viel dunkelwürizge Frucht. Im Mund reiten die Seelenzustände Attacke, eher im Zustand der Manie. Überhaupt kein fruchtweicher Kuschler, der sich anschmiegt und verwöhnt. Lakritz, Tannin, fordernde Aromatik. Braucht Zeit... 


Zwei Klassiker aus dem Süden im Direktvergleich:
Gauby und Jullien
Ich sah den Gauby etwas weiter vorne...


Zum gleichen Komplex auch hier der Priorat-Hammer (klick)


Kommentare:

  1. Beides gute Weine von etablierten Namen, beide natürlich zu jung geöffnet

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  2. Endlich sieht man den den roten Kadett auch mal von hinten; leider jedoch nicht en detail.

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