14.02.2010

Akademische Weinprobe


Aufgereiht von rechts nach links: akademisch geprüfte Weinqualität

Das Weinthema ist Hobby, eine zweckfreie Leidenschaft, so wie andere Leute z.Bsp. ein Modelleisenbahnland erschaffen. Oder aus 956.000 Streichhölzern und 1686 Tuben Klebstoff das Weltmeister Auto von Mika Häkkinen nachbauen. Man will aber natürlich auch mit anderen drüber reden, sich austauschen, deshalb gibt es diesen Blog. Außerdem geht dankenswerterweise das Akademische Förderungswerk Bochum das Risiko ein, Studenten der Ruhr-Uni-Bochum regelmäßig meiner Missionsarbeit in Sachen Wein auszusetzen: Boskop, das Kulturbüro des Akafö, bietet zweimal im Jahr im Rahmen ihres Kursprogrammms (neben "Kreativem Schreiben" und Capoeira) auch meinen Weinkurs an. Der Abschlußabend besteht immer aus einer im geselligen Rahmen abgehaltenen Weinprobe, bei der jede/r Teilnehmer/in eine Flasche mitbringt. Probiert wird verdeckt, nach dem ersten Durchgang bleiben die Favoriten übrig. Die müssen dann nochmal ran, im Prinzip also wie bei Dieter Bohlen. Das ist immer interessant, zeigt, wie unterschiedlich die Geschmäcker sind, wie Vorlieben durchschlagen, wie sich aber auch wirkliche Qualität durchsetzt. Außerdem hat sowas ja immer einen guten Unterhaltungswert. 
Alle Teilnehmer brachten diesmal Rot mit, ohne Preisvorgabe. Es wurde sehr konzentriert gerochen, geschmeckt, diskutiert, so wie es sich für das akademische Umfeld der Probe schließlich auch gehört. Bewertung dann nach dem 15-Punkte System (15P. 1+ / 0P.6-). Raus fielen zunächst auf den Plätzen 8-5

  • Eagel Canyon Zinfandel, helle, süße, easy-drinking Party-Plörre mit angeblich 14% aus dem Penny Markt für 2,99€.
  • Le Bosc Merlot-Syrah, langweilig-kurzer Rebsortenmix VdP von Jaques-Weindepot für 5,20€.
  • Chateau Grand Village 2004 Bordeaux Superieur, ein kleiner paprikaduftiger, etwas dünner Einstiegsbordeaux,  kurz im Abgang, ansonsten sauber.
  • Terre Longue 2007 Cuvée Vent Marin, eine Discounterüberraschung, die es ab und an bei Aldi gibt (2,99). Einfacher Genossenschaftswein aus den Corbieres in Südfrankreich mit schöner Nase nach getrockneten Früchten, stimmig angenehm im Mund, dann aber auch schnell weg.

Im zweiten Durchgang traten dann nochmal die übriggebliebenen Favoriten an, von 4-1mit folgender Platzierung:
  • Chateau Belgrave 2006 (26€), Bordeaux Grand Cru aus St.Jullien, noch ganz in der frischen Fruchtphase, angenehm, aber auch etwas langweilig, "Anpasserwein", seriös wie ein Sparkassenangestellter mit gebügelter Hosenfalte.
  • Stimson Estate Cellars Merlot 2008 (ca.8€), ein Duftkracher aus Washington State aus großer, aber seriöser Kellerei. Sehr weich, ein Sahnekaramellbonbon, im Grunde das flauschig-weiche Kuschelhäschen (Stuart Pigott) - aber trotzdem nicht schlecht, hat Länge, entwickelte zunehmend florale Duftnoten aus dem Kräutergärtlein. Frauenwein/Studentinnenwein, falls diese Bemerkung erlaubt ist.
  • El Parron Cabernet Blend Reserva 2008 (9,60€), groß promoterter "Wein des Jahres" im Mövenpick Weinkeller (Video) aus dem Hause Errazuriz aus Chile. Cassiswolke steigt aus dem Glas, ein Blaubeermuffin, nach der Süße dann auch eine geballte Ladung Syrah-Pfeffer. Nicht eindimensional, befriedigendes Geschmackserlebnis.
  • Coyam 2005 der Spitzenreiter aus Syrah, Carmenère, Cabernet Sauvignon, Merlot und Mourvèdre, auch ein Chilene (ca. 20€). Warmer, reichhaltiger Weinbalsam aus eingekochten Früchten, trotzdem ist der hohe Alkohol versteckt in filligraner Frische, Kennzeichen für wirkliche Klasse. Hat was von einem guten Chateauneuf du Pape. Import für Deutschland von Naturian/Ökoweine.
    Bemerkenswert an der Probe: 
    • -die Studis brachten keinen (sonst üblichen) Spanier mit-
    • -der Belgrave war gegen den 20€-Chilenen müde und langweilig-
    • -der Mövenpick-Wein ist ein Preis-Leistungs-Treffer-
    • -der Genossenschafts-Aldi aus dem Midi ist nicht schlecht-
    • -Wein probieren macht immer wieder Spaß-

Kommentare:

  1. Das entspricht meiner Erfahrung: Dass die teuersten Weine nicht unbedingt am besten schmecken; die, die gut schmecken, aber meistens zu den teureren gehören.

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  2. schöne Sache das, schade, dass ich nicht an der RUB studiere.

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  3. hört sich im Prinzip ja gut an, auch wenn sich in einem solchen Umfeld natürlich die "leichter-trinkbar-Weine" schnell durchsetzen. Frucht zieht immer.

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