10.12.2010

Gedanken zum Billig - Chateuneuf

Großer Name - kleiner Wein. Wußte ich allerdings schon vorher, trotzdem griff ich wie schon im letzten Jahr reflexhaft zum Billig - Chateauneuf von Aldi:
Wie gehabt war wieder nix Besonderes in der Flasche, ein geruchsarmer, dünner Saft, der mit dem, was Ch9dP sein kann, so viel zu tun hat wie Pink mit dem Papst.
Passend dazu ist eine Frage, die der Genießer in seinem blog angesichts einer Konservendose San Marzano Tomaten aus dem Supermarkt aufwarf: Geht das Bewußtsein, etwas Besonderes, also in jenem Falle die Tomaten, hier den Wein im Teller bzw. im Glas zu haben, im banalen Überfluss des Supermarktalltages unter ?
Man könnte natürlich zunächst argumentieren, daß Menschen, die den Fachhandel, aus welchen Gründen auch immer, meiden, dann eben im Supermarkt zu besseren, schmackhafteren Produkten greifen können. Denn meint man es ernst mit dem Erhalt und der Verbreitung von Qualität, besonderen Erzeugnissen, Bioprodukten etc. und einem Umsteuern in den Genuß - und Ernährungsgewohnheiten, sollten sie auch für viele Menschen im Alltag erreichbar sein. Und nicht nur einer Elite von Bewußtseinsessern und zeitgeistigen Mittelklasse - Lohas als Lifestyleaccessoire dienen.
Ich bin für einen "demokratischen Konsumismus", wenn es denn wirklich "besondere" Produkte sind. Dazu gehört natürlich die ganze Kette: Korrekte Bezahlung der Produzenten, überhaupt Sorgfalt bei der Erzeugung (ggf. nach Biorichtlinien etc.) und eine gewisse Produktehrlichkeit. Bekomme ich mit meinem Einkauf wirklich einen Genußmehrwert ? Oder täuscht eine besonders edle Angeberaufmachung diesen nur vor ? Die Regale der Supermarktketten und auch der Discounter sind ja voll mit goldverzierten Gourmet, Exquisit, Rewe feine Welt Sachen. Das ist oft aufgepimpte, überteuerte Massenware, reines Marketing mit denen eine Idee, ein Image verkauft wird.
Handwerklich gearbeitete Produkte zeichnen sich ja gerade dadurch aus, daß sie oft, nicht immer, nur in begrenzter Menge erzeugt werden können. Das reicht dann nicht für Massenmengen im Supermarkt.
Womit wir wieder beim Wein wären, dem Chateauneuf bei Aldi. Da liegt nun wirklich eine Banalisierung des Produkts vor. Weinlaien, die sich mal was Gutes tun wollen, für die 9€ für eine Flasche möglicherweise schon viel Geld ist, werden enttäuscht sein, weil sie sich von einem großen Namen mehr versprochen hatten. Und  dann möglicherweise wieder zu  ganz einfacher Kost greifen. Und sich dadurch um die Genußaromatik bringen, die ein guter Winzer-Chateauneuf nun einmal bietet...


Kommentare:

  1. Die ganze Sache ist eher ein Problem des Marketings als der Produkte selbst. Wenn sich die Prodzenten der San-Marzano-Tomaten an ihre DOP-Richtlinien halten, wovon ich ausgehe, sind alle San-Marzano-Toamten gleich gut, egal ob es die sündhaft teuren von Manufactum, dei weniger teuren von den exklusiven Fachhandlungen, die z.B. Slow Food verpflichtet sind, oder die auch nicht viel billigeren aus dem Supermarkt sind. Bei Rewe stört mich der Goldaufdruck. Gefühlsmäßig ziehe ich die San-Marzano-Tomaten des Großkonzerns Mutti, die man bei Real bekommt, vor. Allein deshalb, weil man bei Real in Wattenscheid anscheinend gar nicht weiß, was für einen Schatz man anbietet. Die Dosen stehen bei den normalen Tomatenkonserven und nicht im Sonderregal für italienische Spezialitäten, wo ich sie mit meinen Loha-Bewusstsein eigentlich verorten würde. Oder stecken da auch schon wieder Absprachen dahinter, die man als Kunde gar nicht durchschaut?

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  2. man soll ja nicht Äpfel mit Birnen vergleichen, aber vielleicht doch mal Tomaten mit Rotwein. Auch der Negociant hält sich bei seinem Chateauneuf (hoffentlich) an die AOC - Regeln. Trotzdem ist seine Aldiabfüllung mieser als viele einfache Cotes du Rhone guter Erzeuger, wo über die Mindestanforderungen hinaus ein viel größerer Aufwand in Weinberg und Keller getrieben wird.

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  3. Es gibt ja den Typ Aldi Gourmet, auch bei Lidl tummelt sich der Kleeberg mit Rezept Tips. Ob die Produkte Feinschmeckerniveau haben, kann man nicht nur objektiv sagen. Es kommt auf die Erwartungen und Erfahrungen der Konsumenten an. Vielen werden z. Bsp. die Aldiweine durchaus schmecken.

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