05.05.2009

Zwei Gute aus dem Minervois

Neben vielem, was man durchaus mit Genuß trinkt, fallen Weine mit besonderem Charakter und Qualitätsstatus dann doch auf. Beide aus dem Minervois, einer AOC im Languedoc, beide eine absolute Empfehlung.

Abbots Cordis Carignan 2002 - ein Wein aus 50 Jahre alten Carignan Rebstöcken, nur 4000 Flaschen produziert - ist wunderschön balanciert zwischen Kraft und Finesse, feinduftig, er tänzelt, kein Klotz sondern mit ausdifferenzierter Tiefe. (ca. 20€ vinery Tobias Arndt/Bochum)

Les Hauts de Bassanel 2005 dagegen ist ein im Midi eher üblicher, von der Syrah geprägter Intensivschluck. Das besondere ist der Duft: Sehr offen, sehr dicht mal wirklich nach dunklen Früchten und warmen Zartbitterschoko- und Tabaknoten. Sicher eher etwas auf der gefälligen und etwas auf "lecker" gemachten Seite, aber durch ordentlich Gerbstoffe, Würze und Länge kein langweiliger Genuß !
(14,50 bei Bodeags Rioja)

Weingartenidylle...


...aber natürlich auch Raum für intensive Probentätigkeit unter freiem Himmel bietet ein endlich fertiggestelltes romatisches Eck im Garten. Erste Verkostungen wurden bereits erfolgreich durchgeführt...

04.05.2009

Nordseeweine...


..zu Ostern ! Übersee ist stark im alten Handelsland der Niederlande und Albert Heijn da gut sortiert. 
Mit Blick vom Balkon der Ferienwohnung auf den sonnigen Nordseestrand in Egmond aan Zee schmeckten mir Weine von Concha y Toro aus Chile aus der Einstiegslinie Casillero del Diablo (6€). 
Der Chardonnay -soepel en rond- zu mildcremigem Matjes, der Syrah -vol en krachtig- zu herzhafter Rindersugopasta. 
Auch gut zum Fisch: ein kaltes Heinecken !


Weine mit Parkerfähnchen...



...tauchen auf !

Bei Aldi/Penny/Lidl/Plus nobeln spanische Massenerzeuger ihre 5 € - Flaschen mit auf den Hals gesteckten Pappfähnchen auf. Darauf Hinweise auf Weinpapst Parker und sein Punktesystem.

  • Sabor Real 2006 der Bodegas Campina aus dem Toro schmeckte nicht schlecht, hat süffigen Schmelz und kräftige Tempranillo-Noten. Lohnt sich durchaus, einen 6erKarton habe ich nach Hause getragen.
  • Falset Etim Seleccion 2006 (Garnacha, Carinena, Syrah) aus dem Bereich Falset sieht edel aus, bietet laut Beschreibung am Gaumen "einen Korb voller blauer und schwarzer Früchte" und hat immerhin 91 PP. Mich machte der Katalane nicht so an, es blieb bei der Testflasche...

26.03.2009

Marlies Dumbsky...



..kannte ich bis eben gar nicht. Dabei ist sie doch doch als amtierende deutsche Weinkönigin nicht nur Repräsentantin des deutschen Weins, sondern quasi  auch die Chefin aller Weinfreaks in Deutschland. Sind wir ihre Untertanen in der Weinmonarchie  - oder sehe ich das falsch ? 

25.03.2009

Knisterfinken und Moppelkotze...


...sind zwei wohlklingende Bezeichnungen für Stielmus und Wurstebreieintopf - Traditionsgerichte der westfälischen Küche meiner dem Biere und dem gebrannten Korn verbundenen Heimat !

Feiner und durchaus weinkompatibel ging es letzte Woche bei einem von Slow food initiierten Westfälischen Menü im Restaurant "Zum Neuling" in Bochum zu.

Blutwurstmaultaschen auf Sauerkraut, Pfefferpotthast mit Potthucke und Schwarzwurzelgemüse und Pumpernickelcreme mit Holundermark schmeckten vorzüglich zum Weißburgunder.
Hier ein Bilderalbum vom Abend und ein Bericht mit Fotos von Weindeuter.





23.03.2009

Chateau Rayas 2003...




...gab es am Samstag im Rahmen der Frankreichprobe in der Weinzeche in Essen zu probieren !
Rayas (bei der großen Ch9dP Probe von Uwe Bende in Bochum nicht dabei) ist eine der großen Legenden der Weinwelt: Der Grenachegigant aus Chateauneuf du Pape, den man nicht oft vor die Flinte bekommt.
Weltweiter Nachfrage steht eine sehr geringe Produktion gegenüber. Durch die knappe Verfügbarkeit und eine gewisse Abschottung der Winzer umgibt das Weingut der Familie Reynaud eine geheimnisvolle Aura.

Hier sind gute Informationen und hier Bilder vom Winzer.
Besonderheiten von Rayas:
  • kein Rebsortenverschnitt, sondern 100 % Grenache noir
  • sandige Böden, aus denen die berühmten wärmespeichernden Kiesel entfernt wurden
  • extrem geringe Erträge pro Hektar + alte Reben
  • Weinbereitung sehr traditionell, kompletter Versicht auf "Technik"
Wie schmeckt er ? Anders ! Gerade im Kontrast zu gleichzeitig probierten Chateauneufs der Blockbuster-Riege kein schwerer Würzbomber, sonder fein und seidig, schon in der Farbe recht hell. In der Nase leicht oxydativer, süßer "hellroter" Duft wie kleine Walderdbeeren, sehr verlockend. Im Mund dann total einnehmend, sehr füllend, ein reiner süßer Balsam. Frucht, Würze, Gerbstoffe laufen ziemlich elegant auf einer Spur, und das noch lange nach dem Schlucken...
Irgendwie hatte ich plötzlich eine Geschmackserinnerung an eine besonders gute Flasche des Chateau Musar, jenem berühmten libanesischen Roten aus dem Bekaa Tal. Davon hab ich noch was, probier ihn Samstag mal + berichte dann.


19.03.2009

Ein Bordeaux Menü...



...im Dortmunder Bistro@55 bot die Gelegenheit, mal einige Bordeaux  der Jg. ´o5,´06 und ´07 zum Essen zu probieren.

Fazit: siehe unten !
Qualität und Aufmachung der Speisen: Fein !

Bitte für Detailansicht die Bilder klicken...

Bordeaux...


... schmeckt nur (und selbst dann nicht immer) teuer gut, ist was für konservative Weintrinker, die sich für Hierachien und Einteilungssysteme aus dem 19. Jh. begeistern können, für Weinadel und Weinbourgeoisie schwärmen. Das ist einfach das gewachsene Verdikt bei vielen, die in den letzten zehn Jahren zu Weinfreaks geworden sind - und die sich stattdessen den aromastarken, warmwürzigen Weinen z.Bsp. von der Rhone, dem Languedoc und dem Ribera etc. zugewendet haben. Im Weinhandel wurde entsprechendes immer breiter aufgestellt, gute Qualitäten ab 7€, ab 12€ geht da schon häufig "die Sonne auf"...

Bordeaux wurde derweil in den Spitzen immer teurer. Die Top crus über 500€ Fl., die aktuellen 2006er werden noch auf diesem Niveau angeboten (Mouton Rothschild für 595.-, Petrus für 73€ pro Schluck) Aber diese Preise geraten zur Zeit total unter Finanzkrisendruck und mit ihm das ganze kartellartige System der Bordeauxvermarktung mit ihren Maklern, Negociants und Importeuren. Die noch in den Gütern lagernden 07er und 08er lassen sich offenbar nicht mehr zu diesen irren Summen verkaufen. Hier und hier dazu etwas.
Bei Veranstaltungen von Karstadt-Wein (=Perfetto, das neue Feinschmeckerlabel von Karstadt) in Dortmund gab es die Gelegenheit einige aktuelle Bordeaux zw. 12€ und 100€ zu kosten. Überraschung: Schon der 2005er Ch. Pey la Tour (11,99€) zeigte in der Einstiegsklasse reife dunkle Frucht feine dichte Gerbstoffe. 2006er Belgrave auch erstaunlich üppig und "trinkbar", selbst 2006er Phelan Segur aus St. Estephe zugänglich, dicht mit viel Kaffeschmelz.
Die Marketingdirektorin von Phelan Segur mit dem schönen Namen Josianne Himmelberger brachte die Anstrenungen vieler Chateaus auf den Punkt: bessere Weine auch in schlechteren (Klima)jahren durch Fortschritte in Vinifikation und geändertes Weinbergsmanagement. Stichworte: dichterer Bewuchs, intelligente Entlaubung, Entfernung unreifer Traubenbüschel, Ernte reifer Trauben durch angepassten Leesezeitpunkt, Sortierung der Trauben auf Rütteltischen für getrennte Vinifizierung, sanfte Abbeerung, angepasste schonende Maischegärung.
Auch ohne chemo-technische Manipulationen zur Mostkonzentration wie Umkehrosmaose, Vakuumverdampfung etc. führt all dies zu auch schon jung sehr gut trinkbaren Weinen mit Befriedigungspotential, ohne dabei preislich völlig abzudrehen.

Orson Welles...


.. hat in den 70er Jahren in  Werbespots für die US-Weinmarke Paul Masson den genussverliebten Weinfreund gegeben - sehr lustig hier dieses outtake !

02.03.2009

Chateauneuf satt...


...gab es am Sonntag nachmittag in Bochum.

138 Weine von 68 Weingütern aus Chateauneuf du Pape zur gleichen Zeit am gleichen Ort, alle offen und über 4 Stunden von Organisator Uwe Bende zur Verkostung freigegeben - das war am 1. März für einige Weinfreunde in Bochum die genussvolle Herausforderung !
Für einen Fan der Edlen Roten von der Rhone sorgte allein der Anblick der vielen prächtigen Flaschen für einen gewissen Adrenalinausstoß. Dabei kam natürlich keine Komplettverkostung in Frage, ich wollte nicht zu sehr spucken, nicht enzyklopädisch rangehen, sondern ausgewählt wirklich geniessen.
Bei allen Unterschieden durch Jahrgänge (vertreten waren´95-´07 mit Schwerpunkt´06) und Stilistik: Angefangen bei den für Chateauneuf günstigen Enstiegsqualitäten (z.Bsp. Domaine Saint Siffrein 2006) bis 20€ bis zu den Spitzen jenseits 50€ (Beaucastel, Mordoree, La Nerthe, Janasse, Charvin) war das Niveau absolut beeindruckend. Ob cremig, schmelziger Schmeichler wie Tardieu Laurent Vielles Vignes 2005 (Kirschlikör mit Cappuccino), vollfruchtiger und dunkelwürziger Barockengel wie Pegau 2006, feingeschliffener, elegant und differenziert schmeckender Edelmann wie Marcoux Vielles Vignes 2006 – immer ein Spaßgenuß, die Nase ins Probenglas zu halten und Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu erschmecken.
Warum machen ausgerechnet diese Weine so an ? Mein Fazit: Im Chateauneuf gelingt die Verbindung von südlich-dichter Opulenz mit Delikatesse und Finesse. Von zart bis hart, oft sogar gleichzeitig ! Es sind, auch bei eher „modern“ arbeitenden Winzern, keine eindimensionalen Fruchtbomben und Tannintanker. Sie sind nie langweilig, machen aber auch nicht nervös, sondern strahlen eine ausgeglichene Harmonie und Ruhe aus: Ausdifferenzierte und tiefgründige Charakterdarsteller.
So – genug der Schwelgerei ! Geht mal auf diese Seite zu Ch9dP und schaut euch die Porträts der Weingüter und Winzer an. Man sieht, daß es hier überwiegend eher kleine, sehr individuell und handwerklich arbeitende Erzeuger sind.


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