10.07.2012

Weine zur Tour de France: Rosé - Champagner und Gewürztraminer


Zwei Weine zur Tour de France. Die läuft ja gerade Richtung Alpen. Die Etappen durch die Champagne und durch die Vogesen sind schon Geschichte. Darum noch schnell zwei Weine, die ich dazu verkostet habe...
Épernay - neben Reims das Zentrum des noblen Schaumweins. Kein anderes Getränk auf der Welt hat so einen Nimbus, so eine legendäre Aura und lebt so sehr vom Image wie der Champagner. Bordeauxfreunde mögen hier widersprechen, aber Champagner ist nun mal das Getränk für besondere Anläße weltweit, der Feierwein, auch Türöffner für erotische Abenteuer. Kein anderer Wein ist so aufgeladen mit Sinnlichkeit, nirgendwo sonst ist die Ikonographie auch in der Werbung so verknüpft mit einem Leben in Lust und Luxus. Dabei soll es ja ausgerechnet ein Mönch, ein gewisser Dom Pérignon, Kellermeister der Abtei von Hautevillers, gewesen sein, der im 17.Jh. das Resultat der zweiten Gärung in der Flasche entdeckt hat und dabei ausgerufen haben soll: "Kommt schnell Brüder, ich trinke Sterne !"

Zur Tourverkostung trat an: Chartogne - Taillet Rosé (12% / 31€ / 60% Chardonnay, 40% Pinot Noir, vor allem Trauben aus 2007) Chartogne-Taillet ist ein eher kleiner Betrieb in Merfy im Norden der Region. Man verfügt 11 ha eigene Weinberge, lange, 30-monatige Kellerfreifung. Schöner voller Duft, nach Öffnung immer stärker werdend, Milchbrötchen mit leichter Kruste, Himbeerbowle mit Likör, macht Druck am Gaumen, reife Frucht, dazu das feine Prickeln auf der Zunge. Sowas schmeckt einfach und verdunstet viel zu schnell im Glas...




Am Fuß der Vogesen, im Elsaß wird es romantisch, viel schöner als östlich des Rheins. Nix gegen den Kaiserstuhl, das Markgräfler Land, die ganze badische Weinszenerie, aber mit den Butzenscheibenfachwerkdörfern links des Rheins kann das alles nicht mithalten. Bis auf den Wein - aber auch da bietet das Elsaß seine Spezialitäten:

Joseph Cattin "Gewürztraminer Réserve" 2009 (13% / 11€) Wenn schon Elsaß, dann auch ein Gewürztraminer. Die Rebe hat dort Tradition, sie mögen dort die intensiv-duftigen Noten dieser Aromensorte. Und der Cattin hält sich diesbezüglich nicht zurück, im Glas sehr schnell sehr "blumig". Parfüm wie aus einem in dieser Hinsicht gut sortierten Frauenbadezimmer, geschmorte Banane, Exotik, Honiglikör. Auch im Mund recht präsent, deutliche Restsüße. Der Wein ist insofern ein klassischer Vertreter seiner Zunft und das ist auch gut so. Kann ja nicht alles wie Riesling schmecken. Für Weinfreunde auf der Suche nach Mineralik und Säure gibts ja genug anderes auf dieser Welt...








05.07.2012

Tour des Vins 2012



Auch in diesem Jahr bloggen unter dem Motto "Tour des Vins" wieder zwei Weinfreunde die Tour de France 2012. Der "Priorat-Hammer", Wein - und Kletterfreund, zudem ein intimer Kenner auch abgelegener französischer Landstriche, mit seinen detailreichen Genuss- und Reisekommentaren und der "Weindeuter", auch an Radsportthemen interessiert und selber als Radler unterwegs.

Nachdem der helle Funke der Tourbegeisterung in Deutschland endgültig erloschen ist, fristet der Sport in der Öffentlichkeit leider hier wieder ein Nischendasein, ARD und ZDF übertragen nicht mehr. Wer erinnert sich heute noch an die Ulrich - Jahre nach seinem Toursieg 1997, an die Duelle in den Folgejahren gegen Lance Armstrong ? Das ist vorbei, die deutschen Fahrer sind Helfer, unermüdliche Rackerer wie Andreas Klöden oder Jens Voigt. Der ist mittlerweile 41 Jahre alt und feiert in diesem Jahr seine 15. (!) Tourteilnahme. Mal schauen was das Nachwuchstalent Tony Martin noch machen kann, am ersten Tag hatte er beim kurzen Zeitfahren in Liège zum Einstieg gleich mal einen Platten, danach erlitt er nach einem Sturz einen Knochenbruch in der linken Hand.



Für uns behält die Tour nach wie vor ihre Faszination, nicht nur als Sportereignis mit über hundertjähriger Tradition, sondern auch als große Erzählung über unser westliches Nachbarland. Transportiert durch oft herrliche Filmbilder, Eurosport überträgt natürlich nach wie vor.

Schaut man sich die Karte oben an fällt auf: Die Strecke konzentriert sich stark auf den Osten. Zwar dringt man natürlich wieder bis in die Pyrenäen vor und quert auch den Südwesten - die Bretagne, Loire und Bordeaux bleiben aber außen vor. Beim Wein wird da echten Frankreichfans natürlich was fehlen. Trotzdem bleibt noch reiche Ernte für alle, die die Große Schleife mit dem Glas in der Hand verfolgen möchten. Es geht durch die Champagne, das Elsaß kommt in Sichtweite, dann Burgund, Jura, Savoyen, Rhone, das Languedoc-Roussillon und schließlich Sud-Ouest.

Also, alle Wein-, Rad- und Frankreichfreunde bitte hier klicken hier: Tour des Vins 2012.




28.06.2012

Zwei Portugiesen: Azamor aus dem Alentejo


Portugal, Land am Rande Europas. Leider viel zu kurz und schon einige Jahre her - eine Reise nach Lissabon. Unvergessliche Stadt, in der sich der Horizont nach Westen weitet, atlantische Stadt mit tiefer offener Seele. Seitdem mag ich sehr gerne Portugiesen im Glas, Weinvorlieben sind immer "gefühlig" by the way...
Portugal, natürlich auch ein Land mit eigenständiger Weinkultur. Die ist keineswegs nur ein Anhängsel des großen iberischen Bruders im Osten, sondern entwickelt nach langen Jahren der Abgeschiedenheit eigene Dynamik. So auch hier. Azamor im Alentejo ist mit 60.000 Flaschen p.A. ein mittelgroßer Betrieb, die Rebstöcke sind noch jung (gepflanzt 2001), beschäftigt wird ein australischer Önologe und man bemustert freundlicherweise auch deutsche Weinblogger mit seinen Erzeugnissen. So soll es sein...
  • Azamor 2008 (Syrah, Touriga Franca, Merlot, Alicante Bouschet, Trincadeira, Touriga Nacional, Petit Verdot  14,5% / 10€) Der "kleine" Azamor, ein ganzer Strauß an Rebsorten ist drin. In der Nase schön voll, ein beerendralles Früchtchen, intensiv-saftige Noten. Freunde eines guten Einsteigerzinfandel kommen hier auf ihre Kosten. Schöne Reifesüße, etwas Vanille, modern aber nicht aufgespritzt-marmeladig wirkend, eher der trinkig - süffige Stil. Am Gaumen trotz hohem Alkoholgehalt angenehm. Hielt sich gut über drei Tage. Gutes PLV.
  • Azamor Selected Vines 2007 (Syrah, Touriga Franca, TourigaNacional, Alicante Bouschet 14,5% / 20€) Der große Azamor, eine Auslesqualität mit mehr Syrah drin, längerer Faßausbau. Vom Charakter ähnlich, hat aber mehr Wumms und Dichte. Dunklere Noten, Zartbitterschoko. Im direkten Vergleich kam der frischere und saftigere Charakter des Kleinen besser an.

Lissabon...

19.06.2012

Maybach Riesling


Peter Mertes ist die größten deutsche Weinfabrik. Jedes Jahr stoßen die vollautomatischen Abfüllstraßen über 200 Mio. Liter Wein aus und überschwemmen die Supermarktregale zwischen Krün und Klixbüll. Es gibt eine Vielzahl von Linien und Etiketten. Manche Marketingidee mutet bizarr an, z. Bsp. die Bree Weine in ihren satinierten Designerflaschen ("Genuss in seiner schönsten Form – mit den BREE-Weinen kommt Design auf Ihren Tisch!").

Vor ein paar Tagen stand auswärts ein weiteres Highlight von Peter Mertes vor mir, ein Maybach Riesling 2010 (11%)Zitat: "Maybach - dieser Name steht für höchste Qualitätsansprüche. Nur speziell selektierte Rebsortenweine aus deutschen Anbaugebieten entlang des Rheins werden von uns mit dem Maybach-Siegel versehen und garantieren Ihnen so einen exzellenten Weingenuss. Die Winzer unserer Maybach Weine blicken dabei auf Jahrzehnte alte Weinbautraditionen zurück und haben sich so über viele Generationen das Wissen angeeignet, welches es bedarf um vollendete Weine wie unsere Maybach Weißweine zu kreieren."

Also ganz was Besonderes, exklusives. Zudem abgefüllt in satinierter Flasche mit doppeltem Scherenschnitt des Autokonstrukteurs drauf, Goldornamente. Im Glas nix Besonderes, schmal, leichte Bitternote, muß gut kalt sein und geht dann als leichte Erfrischung durch. Ist aber mit 5€ völlig überbezahlt. Eher ein Fall für einen lustigen Kommentar von Cordula Eich im nächsten Supershoppenschopper...


16.06.2012

Reichhaltig: Racknitz - Riesling von der Nahe


Mal warm, mal kühl - der Sommer kommt nicht so richtig in die Pötte. Deshalb wird z.Zt. bei den Weißen nicht nur aus dem Bereich "frisch+knackig" (klick hier) geöffnet, sondern auch serious stuff:

Louise von Racknitz-Adams und Matthias Adams sind im Weinbau an der Nahe noch relativ neu im Geschäft. Zwar ist das traditionsreiche Weingut schon seit 1753 im Familienbesitz, doch erst seit 2003 führen die beiden den Betrieb, durchaus zu neuen Qualitätsufern. Dazu gehört die Wiederbelebung alter Weinlagen wie Odernheimer Disibodenberg oder Schloßböckelheimer Königsfels, aus dem die Trauben für den verkosteten Riesling stammen. Apropos Riesling - man verzettelt sich hier nicht, die gesamte Produktion oberhalb der Gutsweine ist Riesling zu 100%. Die Einzellagen kosten zwischen 16€ und 29€, dies allerdings dann für die Niederhäuser Herrmannshöhle, die Toplage an der Nahe.
Zitat: Schloßböckelheimer Königsfels’, eine der besten Lagen der Nahe.Verschwand durch Verwahrlosung und Aufgabe in der Bedeutungslosigkeit. Das soll und wird sich ändern. Seit 2005 wird das einstmals bedeutende Grand Cru vom Weingut vom Racknitz regeneriert und bewirtschaftet. Auf seinen extrem steilen Porphyrböden stehen 40 Jahre alte Rieslingreben, die sich den Standort mit einem Biotop seltener Wildkräuter teilen, die dem Wein ein nach sommerlichen Wildkräutern duftendes Bukett vermitteln.
Der Königsfels kommt in herrlichem Goldton aus der Flasche, sehr offen in der Nase, reiche Aprikosenfrucht, erste Reife andeutend. Im Mund fordernde Dichte, cremige Frucht, würziger Kern. Ist zwar kein schneller Terrassenschlotzer, entwickelt aber durch seine saftige Art sehr schön animierenden Trinkfluß - die Flasche war überraschend schnell leer...

Von Racknitz Weine mit Anwesenheit der Winzer auch bei der großen Deutschland Probe in der Weinzeche in Essen am Samstag 23.Juni

08.06.2012

Hambacher (Weißwein)Fest: Weingut Naegele



Das Wetter ist wechselhaft, die Weine müssen daher ständig angepasst werden. Mühsam, aber das ermöglicht abwechslungsreiche Proben.
Der Mai war ja heiß, welche Weine haben den Weindeuter durch den Wonnemonat begleitet und an warmen Tagen für innere Abkühlung gesorgt ? Nun, das war (auch) eine Kollektion von erfrischend-knackigen Weißen vom Weingut Naegele aus dem traditionsreichen Hambach in der Pfalz. Da hatte mir vor kurzem ja schon der Frühlingsbote (Müller-Thurgau) gefallen. Wie überaus freundlich und im Ergebnis dann ein Glücksfall, daß mir Ralf Bonnet, der den Traditionsbetrieb zu Füßen des Hambacher Schlosses heute leitet, einen ganze Karton mit knackig-frischen Weißen zur Verkostung ins Haus geschickt hat. Und weil das keine Keller- sondern Kühlschrankweine sind, wurden sie alle in dichter Taktung hintereinander aufgezogen.

Wie viele Familienweingüter in Deutschland wird auch hier mit allerlei Rebsorten gewerkelt. Dennoch präsentiert sich das Programm klar strukturiert, oberhalb der Schoppenweine und unterhalb der Einzellagen gibt es eine Rebsortenlinie. Es sind dies natürlich keine raffiniert spontanvergorenen Charakterköpfe für Weinesoteriker, sondern in Aromatik und Aufmachung modern gemachte Weine mit klarer Stilistik. Die jeweilige Sortentypizität ist gut herausgearbeitet, präsentiert sich aber ohne Übertreibungen. Der Schwerpunkt liegt bei allen auf knackig-frischer Frucht, schon in der lustmachenden Nase, Reintönigkeit und nicht zuletzt guter Bekömmlichkeit mit moderatem Alkoholgehalt. Natürlich ist auch der neue Trend Sauvignon-Blanc dabei, der Silvaner hat etwas mehr Bass im Trunk, der Riesling kommt limettenfrisch mit anregendem Süße-Säure Spiel. 

31.05.2012

Aldi Parker aus Spanien


Herrliches Wetter, überall frischer Weißwein in den Gläsern. Oder kalter Rosé, so gehört sich das, so soll es sein. Nur der Weindeuter muß schimpfen, er ärgert sich über zwei Rotweine aus Spanien, zwei schwere Geschütze mit 15% Alkoholgehalt. Gut, vielleicht hätte man die lieber im Winter verkosten sollen, aber die standen nun mal jetzt im Aldiregal. Und nicht nur Cordula Eich greift da auf der Suche nach Superschoppenshoppern gerne zu. Auch der Weindeuter muß regelmäßig das testen, was das Volk trinkt. Aldi ist mit Abstand der größte Weinhändler in Deutschland. Und da gibt es ja neben dem Brot-und Butter Stammsortiment immer wieder die nur temporär erhältlichen Angebotsweine, gerne auch mit Parkerfähnchen (vorherige Verkostungen hier und hier).

  • Las Rocas Garnacha 2009  Bodega San Alejandro  Calatayud (15%/6,99€) 90 Parkerpunkte, erneut ein Grund zu spekulieren, wo er die her hat. Las Rocas ist eine Art Discountlabel der für ihre Balthasar Gracian Weine bekannten und gelobten Genossenschaft. Farblich tiefe Tinte, schon in der Nase aber unharmonisch. Der Wein wirkt wie ausgepresst, übertriebene Extraktion, dadurch konzentriert aber brandig-scharf. Nicht angenehm, bricht schon am zweiten Tag weg, wirkt bitter. Für 7€ gibts viel schöneres, z. Bsp. sowas hier (klick).





  • Masia Solana Reserva 2006 Bodegas Altanza Rioja (14% / 9,90€) Auch der zweite Kandidat ist ein Spanier. Da gibts ja enorme Überproduktion, die Bodegas sitzen auf riesigen Beständen. So offenbar auch die erst 1998 gegründetete Bodegas Altanza. Immerhin wirft sie die Reste ihrer 2006er Reserva mit Miró-Künstleretikett für unter 10€ über Aldi auf den Markt.
    Die gewaltige Flasche wiegt schwer. Dunkel, vanilleduftig, satte Frucht, international gemacht, austauschbar: Weiche Überwältigungsstilistik für Fruchtfreunde. Ist natürlich trinkbar. Aber auch hier schon am zweiten Verkostungstag unangenehm oxydative Noten, abgestandener Tee, ansonsten spritig. Insgesamt besser als der Rocas, trotzdem lohnt das Geld hier nicht. Bei Aldi lieber was aus der Basisklasse in weiß trinken, ein Tip dazu folgt...


14.05.2012

Rot-Grün: Kleiner Öko-Genosse aus Spanien



Eigentlich ein kleiner Wein, ein Genosse aus dem Navarra, den ich in den letzten Jahren gerne als Basisroten getrunken habe. Der wurde leider vom Mövenpick Weinkeller aus dem Programm gekickt, wie so viele andere aus der Kategorie gut + günstig.

"Pagos de Isarpe" 2006 Sociedad Cooperativa Agraria Orvalaiz / Navarra / Agricultura egologica (14% / 4,99€) Nach ein paar Jahren im Keller präsentiert sich der Isarpe immer noch in lebendigem Rot, nur leichte Reifetönung, zum Rand hin orangefarben aufgehellt. Schön kirschduftig, etwas nasse Erde, immer noch ein kleiner (Bio)stinker. Im Mund feine Fruchtsäure, kein Süßeverwöhner, appetitanregend, schönes Würzespiel, überhaupt nicht langweilig, zudem gute Länge. Ein kleiner Charakterspieler aus Cabernet und Tempranillo in bester Verfassung...

06.05.2012

Endlich: Wein im Ruhrpott

Bald Rebland: Phönixsee in Dortmund Hörde

Mein Vorschlag, auf den Bergehalden im Ruhrgebiet Wein anzubauen wurde von der Ruhrkohle AG leider bisher nicht aufgenommen. Auf der Halde Hoheward in Herten sollte sowas ja mal begonnen werden, in Zusammenarbeit mit Ingeborg Molitor von der Weinhandlung Molitor in Recklinghausen. Stattdessen setzt man auf die Halden Observatorien, begehbare Achterbahnen und Himmelstreppen (klick).

An anderer Stelle nutzt man jetzt aber doch eine Hinterlassenschaft der Montanindustrie für den Weinanbau. Nach umfangreichen Abriß- und Entgiftungsmaßnahmen wurde auf dem riesigen Gelände einer ehemaligen Eisen- und Stahlhütte in Dortmund Hörde nämlich ein richtig großer See angelegt. Seit kurzem fahren Boote darauf, ringsum werden Häuser mit Blick aufs Wasser gebaut. Produkt einer bizarr anmutenden Metamorphose, dieser Phoenixsee.

Um das ganze an Abgedrehtheit noch zu toppen, wurde dazwischen jetzt auch ein kleiner Weinberg angelegt, mit zunächst 92 Rebstöcken. Betrieben wird der von der Emschergenossenschaft. Die hat eigentlich nix mit Wein am Hut, sondern ist vor allem zuständig für die Wasserwirtschaft der immer noch das Ruhrgebiet von Ost nach West durchfließenden und offen kanalisierten Kloake namens Emscher. Wissenschaftlich wird das Projekt übrigens begleitet durch die (Weinbau)forschungsanstalt Geisenheim. Als Rebsorte für den Ruhrpottwein wurde (natürlich) die Phoenix ausgesucht, eine robuste Neuzüchtung aus Bacchus und Villard Blanc.

Unten ein Artikel aus den Ruhrnachrichten zum Thema (link hier, klick).
Hier ein link auf eine Fotostrecke (klick)


Diese alte Thomasbirne diente früher der Stahlproduktion.
Sie ist dekorativ am Phoenixsee aufgebaut, vielleicht erlebt auch
sie ja eine Transformation - als Gärgefäß für Wein aus Dortmund - Hörde 





Projekt der EmschergenossenschaftAm Phoenix-See wird Wein angebaut

DORTMUND Der Phoenix-See ist ab sofort Weinanbau-Gebiet: Die Emschergenossenschaft pflanzt dort die vor zehn Jahren gezüchtete Phoenix-Rebe auf einem kleine Berg am See an und folgt einer vor Jahrhunderten begründeten Tradition.Von Peter Bandermann
Bauingenieur und Projektleiter Helmut Herter stammt aus einer Winzerfamilie. Weil der Weinbau durch den Klimawandel zwangsläufig in Richtung Norden wandert, forscht die Emschergenossenschaft mit Experten der Forschungsanstalt in Geisenheim am Rhein. (Foto: Peter Bandermann)

Die im Herbst 2013 einsetzende Traubenernte symbolisiert nicht nur den ökologischen Umbau der renaturierten Emscher. Der Anbau dient auch Klimaforschern, die mit diesem Experiment auf 150 Quadratmetern in bester Lage die von Experten prognostizierte „Nordwanderung“ des Weinbaus in Deutschland untersuchen.

Erwähnung schon im Jahr 1342

Die Idee zum Weinbau am See hatte der Heimatforscher Willi Garth vor fünf Jahren. Den wissenschaftlichen Hintergrund, an dem nun die Forschungsanstalt in Geisenheim am Rhein arbeitet, gab es da noch nicht.

Historische Dokumente belegen, dass der Hörder Stadtgründer Konrad von der Mark im Jahr 1342 einer Antoniusbruderschaft einen „Winberg“ (Weinberg) auf dem „Renneberghe“ (heute Am Remberg) geschenkt hatte. 1429 wird der Rebhang als „Wingarden“ erwähnt. 138 Jahre später ist von einem adeligen „Graven Wyngard“ die Rede.

Der Standort ist ideal

Nun kommt ein Bauingenieur der Emschergenossenschaft zu Wort. Der Projektleiter Helmut Herter stammt aus einer Winzerfamilie in Rheinland-Pfalz und kennt den Weinanbau von der Pike auf. „


Fotostrecke Klimaforscher nutzen Weinbau am Phoenix-See

Dieser kleine Weinberg verfügt nicht über die kalkhaltigen Böden wie im Rheingau und wird nicht so intensiv von der Sonne verwöhnt wie die Berge an der Mosel, aber für die robuste Phoenix-Rebe ist dieser Standort ideal“, so der Bauingenieur, der bislang den Umbau der Emscher von einer „Mit dem Wasser der sauberen Emscher bewässert Herter nun die 92 Pflanzen, die in den nächsten zwölf Monaten gut 100 Zentimeter wachsen.

Der Phoenix-See arbeitet dabei als „Lichtspiegel“. Größte Feinde des Weinanbaus sind Hasen und Spaziergänger. Gegen die Hasen stülpen die Emscherwinzer dünne Plastikrohre über die jungen Pflanzen, und die Spaziergänger sollen Vernunft walten lassen.

Denn der Anbau hat einen sehr ernsten Hintergrund: Wie einst der Bergbau im Ruhrgebiet schreitet der Weinanbau in den nächsten 50 bis 100 Jahren mit der Erderwärmung in Richtung Norden voran.


01.05.2012

Zum Tag der Arbeit...

...mal ein älterer Post, in seiner klassenkämpferischen Schärfe immer noch aktuell:


 


1. Mai ! Aufruf zum Genuß ! Starke Aromen ! 
Klare Kante aus Küche und Keller !


Die vier Weine zum 1. Mai wurden kulinarisch solide eingebettet. Zum Salat und zur Waldorfsalsa gab es den Rosé der Domaine Aires Hautes aus dem Minervois. Viel Frucht, erdbeerig, kraftvolle Erfrischung pur. Zu den "kleinen Gefüllten" dann nochmal Rosé: Charles Mock "Edition Sansibar", aus La Clape im Languedoc (nähe Narbonne am Mittelmeer). Etwas heller, leichter - ein Wein, der am Tisch nur so verdunstet. Dann zum Lamm mit gebratenem Spargel und Bärlauchpesto (dazu noch Minikartoffeln in der Schale und grob geraspelter Parmesan) die beiden Roten:
  • Domaine de la Tour du Bon 2005 (ca. 19€). Ein Bandol, DER klassische Rotweincru aus der Provence: Weinberge voller Mourvedre mit Blick auf das Meer und eine Handvoll Weingüter, die damit umzugehen wissen. Dieser war absolut Top. Genau im Gleichgewicht zwischen satter Cassisfrucht und Würze, zwischen Kraft und Finesse, ein delikater Schluck. Hätte auch noch sehr gut liegen können.
  • Fundi 2007 von Anwilka Stellenbosch (Cabernet Sauvignon mit etwas Syrah und Merlot). Der Wein aus dem Ausbildungsprojekt "2000 Sommeliers für Südafrika". Schon die Alkoholangabe mit 15% weckte Erwartungen, sie wurden erfüllt. Der Wein hat Muckis, ein Vollschmecker, der sich in keiner Lage schüchtern zurückhält. Sehr warm schon in der Nase, viel Schoko mit süßer dunkler Frucht. Sehr geschmeidig, die Gerbstoffe streicheln den Gaumen, zum Ende hin dann auch viel Würze, tolle Länge. Der Wein schmeckt einfach, dicker Stoff für einen absolute reellen Tarif (15€).