18.01.2012

Wo Noahs Arche strandete: Weine aus Armenien


Ein Kurztrip im Dezember nach Berlin. Im Winter wirkt die Stadt irgendwie östlich. Fliegende Händler verkaufen haufenweise Babuschkas und Uschankas. Kalter Wind fegt um die dicken Mauern der Museumsinsel. Für Wein ist eigentlich gar keine Zeit, aber ein paar Schritte vom Alex in der Karl - Liebknecht - Straße 7 findet sich unvermittelt ein Weinladen, der Interesse weckt. Angepriesen werden Weine aus Georgien und Armenien. Nun, einen Georgier hatte ich ja schon im Glas, Stuart Pigott präsentierte ihn vor zwei Jahren auf Zeche Ewald in Herten (klick).
Aber Armenien ? Angeblich liegt die Wiege des Weinbaus ja dort in Transkaukasien. In Armeniens bekanntester Ausgrabungsstätte, dem Höhlensystem Areni-1, wurden im Sommer 2010 Relikte einer Weinproduktionsstätte gefunden, die 6100 Jahre alt sein soll - mit Weinpresse, Gärkrügen, Trinkbechern und sogar Samen der Vitis Vinifera (klick hier).
Auf all das wies man bei Spirituosen Koch voller Stolz hin. Auch auf die besondere Qualität des armenischen Brandys. Der hattte in den ehemals sozialistischen Ländern einen guten Ruf, in der Zeit der Sowjetunion war "Armenischer Cognac" das bevorzugte alkoholische Getränk der Diplomaten. Heute wird Ararat Brandy in der "Super Premium" Linie für bis zu 95€ die Flasche angeboten. Es sollte für eine spontane Verkostung aber doch lieber ein Wein sein. Zwei Flaschen mußten mit, auch die keineswegs schüchtern bepreist:
  • Samvelyan - Areni 2005 Ararat Tal / Armenien (11,5% / 14,95€) Zitat: "Dieser Wein ist dem legendären Winzer Samvel Samvelyan gewidmet. Er war für die Moderniesierung des Weinbaus in Armenien verantwortlich und arbeitete über 30 Jahre als Professor und Mentor der heutigen Winzergeneration in Armenien. Seit seinem Tod führt sein Sohn Garush Samvelyan das familieneigene Weingut mit viel Erfolg weiter, ihm wurde in den letzten Jahren 8 Mal die Auszeichnung des besten Winzers Armeniens verliehen. Unter den Schülern Samvel Samvelyans geht das Gerücht um, dass sie viel von Samvelyan gelernt hätten, aber seinem Sohn hat der Vater noch mehr Geheimnisse des Weinbaus anvertraut."
    Probiert wurde im Hotelzimmer, aus dem Glas stechend-spitze Nase, im Mund starke Säure, unreife Frucht, leicht - kein großes Genußerlebnis. Kriegt aber den Originalitätsbonus. Erstaunlich allerdings die Aromtik nach 4 (!) Wochen, ein kleiner Rest blieb nämlich in der Flasche. Der war keineswegs endgültig ins Reich des Ungenießbaren gewechselt, sondern lockte zumindest in der Nase mit feinem Duft nach Honigwachs.
  • Arame Pomegranate Wine 2009 (11,5% 11,95€) Neben dem Brandy ist Granatapfelwein eine weitere armenische Spezialität. Nach alter Tradition schleudern Bräute einen Granatapfel gegen die Wand, die Körner aus dem aufgeplatzten Apfel sichern den Kindersegen. Auf jeden Fall ist der Granatapfel seit Urzeiten ein Symbol für Leben und Fruchtbarkeit und in vielen Religionen verankert. Auch Eva hat ihren Adam ja schon mit einem Granatapfel verführt.
    Den Liebesnektar aus dem Pardies hatte ich in Berlin leider nicht im Glas. Obwohl als semi-sweet deklariert dominierte enorme Bitterkeit: Beißend, zusammenziehend, unreif wirkend. Was zum Mixen vielleicht, pur kein großer Genuß.


Die ganze Pracht vom Ararat


Kommentare:

  1. erst lange nix und dann dies. Schön, auch wenns nicht geschmeckt hat.

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  2. Vielleicht könnt ihr mir helfen reicht es wenn man Wein im Keller lagert oder braucht man dazu einen Weinkühlschrank? :)

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  3. Längere Lagerung (mehrere Jahre): keine großen Temperaturschwankungen, dunkel, kühl. Da ist der Keller i.d.R. ideal.

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