21.07.2014

Rhone Nord





Die Tour der France ging in der letzten Woche in die Alpen, endlich. Nach den Etappen über die Schlachtfelder von WW I und vollem Programm in den Vogesen wurde von St. Etienne kommend straight ahead nach Osten geradelt, Etappenziel war Grenoble. Zur besseren Orientierung oben mal die Etappenkarte, für uns Weinleute wurde es kurz nach dem 3er Pass interessant, südlich von Lyon wird die Rhone gequert, genau durch die Weinberge vonCondrieu.
Ich erinnere mich an einen Aufenthalt dort vor 9 Jahren, eine Übernachtung ein paar Kilometer nördlich in Vienne. Wir waren auf dem Weg ins Languedoc am späten Nachmittag dort, hatten Hunger und Durst und keine Lust mehr, weiter nur Kilometer zu fressen. Gegessen haben wir damals sehr schön im Restaurant Le Cloitre, direkt neben der mächtigen Kathedrale St-Maurice. Den Wein dazu weiß ich nicht mehr, es wird aber gewiß einer von der nördlichen Rhone gewesen sein.







Der weitere Verlauf bis Grenoble führte dann durch eine reizvolle und fruchtbare Mittelgebirgslandschaft, rurales Frankreich erster Güte. Etwas nördlich der Streckenführung gibt es den sehr schön zwischen Hügeln, Wiesen und Wäldern gelegen Lac de Paladru.





Auch dort legten wir auf dem Weg in die Provence mal eine Zwischenübernachtung ein. Nach Tretbootfahren und Schwimmen gab es eine Stärkung im Le Relais de la Tourelle, ein Gasthaus, wie es sie in Frankreich abseits der großen Touristenströme noch immer gibt. Ein preiswertes, reichliches und handwerklich gut zubereitetes Menü, das glücklich macht. Dazu gab es einen Vin de Savoie.





Auch der Zielort Grenoble gehört zum Standardprogramm auf dem Weg ins Midi. Wählt man die (längere, dafür schönere) Anreise durch die Schweiz, kommt man nach dem Genfer See über die A41 schnell über Annecy und Chambéry in die Alpenmetropole. Nur zum durchfahren ist die Stadt zu schade. Auffallend ist die enorme Studentendichte (4 Unis mit ges. 60.000 Student/innen !) und die hohe Zahl italienischer Lokale. Im 20. Jahrhundert erlebte die Stadt zwischen den zwei Weltkriegen eine massive italienische Einwanderung, vor allem ins Stadtviertel Saint-Laurent, das "quartier italien".



Es lohnt sich, mit der Seilbahn, den "bulles de grenoble", auf die Bastille, hochzufahren. Der Blick nach Süden, vorne das Stadtpanorama, dahinter die Alpenkette, ist großartig. Für die weitere Route Richtung Süden muß man sich dann entscheiden. Hat man es eilig fährt man die N75 (Route Hannibal) über den Col de Croix Hauteund ist dann (relativ) schnell in Sisteron, der "Pforte zur Provence". Oder man läßt es ruhiger angehen und nimmt die N85, die berühmte Route Napoleon. Die beginnt direkt in Vizille kurz hinter Grenoble, aber da fahren sie erst morgen durch, auf dem Weg in die Hochalpen. Heute geht es quasi in Sichtweite der Stadt knackig hoch, ein HC-Anstieg auf das Skiplateau von Chamrousse.

Der Wein zur Etappe ist natürlich einer von der nördlichen Rhone, da wo sie heute rüberfahren. Nordrhone findet in Deutschland eher selten den Weg in die Gläser von Weinnovizen. Da ist zum einen die Syrah, die von den Hängen des Hermitage, von der Cote Rotie, aus Cornas etc. nicht so schmelzig- üppig ausfällt, wie man es aus dem Süden kennt. Hier kommt sie maskuliner daher, wenn diese Beschreibung mal erlaubt ist. Weniger breite, süße Frucht, mehr fokussiert auf würzige Strenge, Lakritz, Blut, Stein. Falls sich die Gelegenheit ergibt, unbdigt mal einen Cru aus der Gegend probieren.
Das oben schon erwähnte Condrieu ist eine Ecke für besondere Weiße aus der Viognier Traube, daraus ist auch der Etappenwein.





Viognier de Rosine Mas Ogier d ´Ampuis (12,5%/20€) Ein weißer vom Rande der Appellation, darum als VdP deklariert, wieder einer, der auf Granitböden wächst (klick), wieder sehr eigen in der Aromatik. Keine Riesennase, aber das muß er auch nicht, kommt fein daher. In der Kindheit gab es mal was, das nannte sich Eisbonbon, das erinnere ich hier, kühle Frucht, ganz leicht tropisch, fester Pfirsich und Ananaswasser. Aber immer ohne Übertreibung, bleibt dezent, man muß reinriechen und reinschmecken. Im Mund dann schöner Schmelz, recht weich, wenig Säure, kleidet aus, was nussiges kommt dazu, vom Holz (2/3 im neuen Barrique, zu 1/3 im Edelstahltank vergoren), aber auch hier dezent.
Nach längerem Schmecken und einiger Luft, bitte den Kandidaten hier nicht zu kühl verkosten, wird klar, daß die Rosine bei aller Leichtigkeit ein ziemlich solides Fundament hat, und auch die Baßtöne ganz gut am Gaumen aufzuspielen weiß.

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