14.07.2012

Altmeister aus dem Süden: Mas de Daumas Gassac 1995



Mas de Daumas Gassac 1995 Aniane / Languedoc (12,9% / 30€) Wer über die A9 von Avignon bis zur spanischen Grenze fährt sieht unendliche Rebflächen. Hier werden bedeutende Mengen deseuropäischen Weinsees produziert, Massenerzeugung total.
Seit den 80er Jahren ist dies aber auch eine Boomregion für Qualitätswinzer. Trendsetzer war hier Aimé Guibert mit seinem Daumas Gassac in Aniane. 1978 war der erste Jahrgang, der auf Mas de Daumas Gassac produziert wurde, unter Beratung des damaligen "Star-Oenologen" Emile Peynaud aus Bordeaux, einer Art Vorgänger von Michel Rolland. Anfang der 80er begann die Weinszene auf Daumas Gassac aufmerksam zu werden. Gutes Marketing kam dazu, zudem der Nimbus des Newcomers aus einer Underdog-Region. Der Gault Millau titulierte den Gassac gar als „Lafite des Südens". Wie auch immer, alles was aus dem Languedoc danach kam und kommt, steht durchaus auf den Schultern von Aimé Guibert.
Der ist übrigens bis heute ein kantig-knorriger Streiter für den Wein als regional verankertes Naturprodukt. Im Jahr 2000 erlangte Aniane Bekanntheit, als die Mondavis hier ein Weingut etablieren wollten. In der Bevölkerung formierte sich Widerstand, die Kalifornier zogen sich zurück. Anzuschauen ist das in Jonathan Nossiter herrlicher Dokumentation Mondovino. Gleich am Anfang gibt es da ein Inetrview mit einem grantelndem Aimé Guibert: "le vin est mort..." Der Trailer bei you-tube hier (klick).
Ein Großteil (80%) der Weinberge ist mit alten, ungeclonten Cabernets bepflanzt - diese inzwischen schon 40 Jahre alten Reben erzeugen auf natürliche Weise nicht mehr als 35hl/ha. Daneben gibt es Parzellen mit Malbec, Merlot, Cabernet Franc, Syrah und vielen weiteren Rebsorten. Das Mikroklima ist kühl inmitten des heißen Languedoc, angestrebt wird nicht der opulent-fruchtige Stil, man setzt eher auf Feinheit und Komplexität. Die Weine gelten als sehr gut lagerfähig.
Gute Voraussetzungen also für den 17 Jahre alten Kameraden. Der Kork war im unteren Teil suppig und brach beim Ziehen, es mußte also etwas gefiltert und dekantiert werden. Die Lüftung tat dem Wein gut, schöne rauchige Nase, entwickelt, aber noch voller Kraft. Dunkel, eingelegte Früchte - dabei nicht aufdringlich, bewahrt Anstand und hat Manieren. Gut mundfüllend, kein dicker Klopfer, fein mit mürbe gewordenen Gerbstoffen - schöner, die Sinne anregender und beruhigender Genuß.

Blog zur Tour de France: Tour des Vins 2012 (klick)


Kommentare:

  1. Oh, ein Wein aus der guten alten Zeit. Hätte ich gern mitgetrunken.

    AntwortenLöschen
  2. War nach 15 Minuten verdunstet - halbe Flasche allein bei der on-bike Fotosession. Next week mal was im Garten, spontan...

    AntwortenLöschen