29.01.2013

19.01.2013

Lidl - Amarone und Aldi - Priorat


Mal wieder Angebotsweine vom Discounter. Für Fachhändler ist ja alles von Aldi & Co. reines Teufelszeug. Auch in der Weinszene greifen bei diesem Thema oft reflexhaft Ablehnungsrituale, als stünde der Untergang des Abendlandes bevor. Ich empfehle da mehr Gelassenheit. Deshalb greift nicht nur nur Cordula Eich auf der Suche nach Superschoppenshoppern gerne ins Regal. Auch der Weindeuter muß regelmäßig das testen, was das Volk trinkt.

Corte Allodola Amarone della Valpolicella 2009 (15,5% / 14€) Amarone, die große Spezialität aus dem Veneto. Die Trauben trocknen nach der Ernte noch einige Zeit in gut durchlüfteten Räumen, verlieren so Wasser und bringen konzentrierte und alkoholstarke Weine hervor. Das Produktionsverfahren ist aufwändig, für Topweine werden Beträge weit jenseits der 50€ fällig, Amarone der bekannten Erzeuger kosten eher Richtung 30€. Was also kann der Lidl - Amarone für die Hälfte? Oft waren ja schon die Discountvarianten großer Namen enttäuschend, wie hier beim Aldi - Chateauneuf (klick). Nun, in diesem Fall kann durchaus Entwarnung gegeben werden. Der Corte Allodola weist hinreichenden Amaronecharakter auf. 
Duftwunder sind Amarone oft nicht, auch hier raucht es nicht aus dem Glas, es zieht sanft auf. Weich, voll, Rumtopfpraline, all das kündigt sich schon in der Nase an. Im Mund dann das erwartet cremig-likörige Aromenbild, Amarenakirsche, Süße wird durch schöne Bitternote konterkariert, füllig, alkoholschwanger. Nicht aufregend, für Leute aber, die sich bei der Kälte draußen einen Amaroneschuß geben wollen völlig in Ordnung.

Kaylus Crianza 2010 Cellers Scaladei Priorat Vertrieb über Schenk GmbH (14,5% / 5€) Aldi und Priorat, das hat eine Vorgeschichte: Einer der Vorgänger vom Kaylus, der El Patio 2008, entpuppte sich in einer große (Blind)Probe berühmter und teurer Prioratos bei Torsten Hammer, dem bekannten Priorat - Hammer, als Verkostungssieger. Und ging dann als legendäre "Wunderflasche" in die Verkostungsannalen des Priorat - Hammers ein. Details dazu sind hier (klick) nachzulesen.
Der aktuelle Kaylus bekam aber deshalb noch lange keine Vorschusslorbeeren, im Gegenteil. Denn gerade beim Priorat muß man folgendes in Verbindung mit dem Thema Discountwein bedenken. Priorat ist immer noch Newcomerregion. Im kargen Hinterland der katalanischen Küste produzieren vor allem weinverrückte Tüftler, die den kleinen und abgelegenen Rebflächen charakterstarke Rote abringen. Der Boom der letzten Jahre versprach gewissen Wohlstand, in der Folge wurden auch die kleinen Dörfer wiederbelebt. Man lebt dort aber mit hohem unternehmerischen Risiko, die häufig nur in Miniauflage erzeugten Weine haben ihren Preis. Der Absatz leidet zur Zeit jedoch unter der spanischen Wirtschaftskrise. Dazu nochmal der Priorat Hammer: Winzer, die selbst im Priorat derzeit froh sind, etwas abzuverkaufen, gibt es leider. Die Krise in Spanien hat leider ganz andere Ausmaße und da droht vieles schneller den Bach runter zu gehen, als man es sich vorstellen mag. Ich habe die Befürchtung, dass da viele enthusiastische junge Projekte, die es wert gewesen wären, dass sie sich entfalten können, aus ökonomischen Zwängen aufs glatte Eis geraten, an derem Rande schon die Geier die Schnäbel wetzen.
Das gilt es zu bedenken, wenn ein Priorato für 4,99€ ins Glas kommt. Und der Kaylus ist ja keineswegs schlecht. Direkt nach dem Aufziehen Nasenattacke, gibt überraschend viel Alarm, hat was wildes, schwarzer Rauch. Im Mund Kraft, Gerbstoff, zunächst auch abweisend, braucht Luft. Dann sattes und dunkles Fruchtspiel mit viel Boden. Kein Langweiler, machte auch nach drei Tagen Spaß.



18.01.2013

Hugenpoet - Probe am 26.Januar



"Same procedure as last year, same procedure as every year..." Am übernächsten Wochenende gibt es wieder das Kierdorfschen Weinevent in den prächtigen Räumen von Schloß Hugenpoet in Essen Kettwig. 35 Elitebetriebe sind dabei, hier vorab die Winzerliste:


Sekthaus Raumland, Flörsheim-Dalsheim, Rheinhessen
Weingut Schloss Lieser, Lieser, Mosel
Weingut Pauly, Lieser, Mosel
Weingut Markus Molitor, Zeltingen, Mosel
Weingut Heymann-Löwenstein, Winningen, Mosel
Weingut Van Volxem, Wiltingen, Saar
Weingut Forstmeister Geltz-Zilliken, Saarburg, Saar
Weingut Hermann Dönnhoff, Oberhausen an der Nahe
Weingut Johann Baptist Schäfer, Burg Layen, Nahe
Weingut Battenfeld-Spanier, Hohen-Sülzen, Rheinhessen
Weingut Kühling-Gillot, Bodenheim, Rheinhessen
Weingut Wittmann, Westhofen, Rheinhessen
Weingut Milch, Monsheim, Rheinhessen
Weingut Von Winning, Deidesheim, Pfalz
Weingut Jürgen Leiner, Ilbesheim, Pfalz
Weingut Zehnthof - Luckert, Sulzfeld, Franken
Weingut Schloss Gobelsburg, Gobelsburg, Kamptal
Weingut Kurt Angerer, Lengenfeld, Kamptal
Weingut Franz Proidl, Senftenberg, Kremstal
Weingut Knoll, Dürnstein, Wachau
Weingut Anita & Hans Nittnaus, Gols, Burgenland
Weingut Kollwentz, Großhöflein, Burgenland
Weingut Wenzel, Rust, Neusiedlersee
Weingut Ernst Triebaumer, Rust, Neusiedlersee
De Sousa & Fils, Avize, Champagne
Domaine de l´Horizon, Calce, Roussillon
Domaine Matassa, Calce, Roussillon
Celler de Capçanes, Capçanes, Montsant
Cava Gramona, Sant Sadurní d'Anoia, Penedes
Clos Mogador, Grattalops, Priorat
Terroir al Limit, Torroja del Priorat
Azienda Agricola Vigna Rionda di Massolino, Serralunga d´ Alba, Piemont
Marchesi Mazzei, Castellina in Chianti, Toscana
Niepoort Vinhos, Quinta de Napoles, Douro
Obstkellerei van Nahmen, Hamminkeln, Niederrhein



11.01.2013

Weihnachtsweine im Januar: Elsaß, Sardinien, Chile



"Ja ist denn immer noch Weihnachten?" So ein Gedanke angesichts einer verspäteten Einladung zum Weihnachtsmenü. Aber was im Dezember nicht klappt, muß eben im Januar nachgeholt werden. Und weil die Zeit zwischen Fest und Frühling ja ohnehin eine harte Zeit ist, folgt man einer solchen Einladung sehr gern. Und weil natürlich auch der Wein da eine Rolle spielt...
Crémant d ´Alsace Henri Martischang (12,5%) Frisch, mild, keine aufdringliche Säure, nicht zu brut(al), ganz so wie man es von einem elsässischen Cremant erwartet. Zur Kartoffelsuppe mit Pistou sehr angenehm.



Kalbsragout mit Champignons, die cremige Soße herrlich abgeschmeckt mit Zitronenschale, gewinnt dadurch Frische. Dazu ein Roter? Gut, hier kann man natürlich einwenden, ein Weißer, ein schöner Weiß- oder Grauburgunder, vielleicht auch ein kräftiger Pfälzer Riesling mit schöner Crema wäre hier passender gewesen.
Aber es kam nun mal "Le Sabbie" Cannonau di Sardegna 2008 von Meloni (14% / 18€) in die aufnahmebereiten Gläser, ein Wein, zu dem Taube in Trüffelsoße empfohlen wird. Meloni ist mit 250 ha Weinbergen ein großer Spieler auf Sardinien, modern aufgestellt. Man orientiert sich am Ökolandbau. Der rote Sabbie zeigt Charakter, ist kein weichgespülter Vanillebomber. Wenig Holz, er liegt nur 6 Monate in großen 5000 Liter Eichenfudern. Stattdessen viel reife Frucht, schön gekontert durch eine säuregepufferte Saftigkeit, wie ich sie in vielen Süditalienern schätze. Sehr fein.



Ein Roter kommt aber selten allein, dem Sarden wurde noch ein Genosse aus Chile an die Seite gestellt:  Gran Reserva "Etiqueta Negra" Cabernet-Sauvignon 2010 Vina Tarapaca (14,5% / 23€) Hier nun Opulenz, ein fruchtgeladenens Geschütz aus dem Maipo Valley: reife Brombeere, viel Schmelz am Gaumen. Das schwarze Label wird nur in den besseren Jahren angeboten. Verteilte festlich-barocke Großzügigkeit am Tisch, sehr gut.



08.01.2013

Silvester in Holland: Morgon, Champagner, Port...

Der Weindeuter wünscht allen
ein genußreiches 2013
Zum Jahreswechsel ging es wieder in unser schönes Nachbarland, in das Königreich der Niederlande. Auch dort wird ja an vielen Orten Wein produziert. Das wurde hier in der Vergangenheit schon öfter gewürdigt und Weine aus den Niederlanden kamen in die Verkostung.
Eine gewisse Tradition hat der Weinbau allerdings nur im Süden, in Limburg und Brabant. Das bekannteste und renommierteste Weingut ist immer noch Apostelhoeve der Familie Hulst bei Maastricht, im "burgundischen" Teil der Niederlande. Weingärten gibt es aber im ganzen Land verteilt, Tüftler, Hobbywinzer, weinverrückte Milch - und Gemüsebauern nutzen das landwirtschaftliche Kow-How, um Trauben anzupflanzen und selber zu vinifizieren (zusammenfassend diese website: "Wijngaarden in Nederland")
Ein Wein aus diesem Bereich, der mir mal recht gut mundete kommt aus Zeeland: Rivaner - Auxerrois 2010 vom Weingut  De kleine Schorre (11,5% / 9,90€). Näheres zum "Hollandwein" beim Weindeuter hier und hier.


Was den Konsum in diesem Silvesterurlaub anging, war der Weindeuter konservativer. Es wurde eher klassisch getrunken. In Erinnerung an den Aufenthalt in Lyon im Herbst gab es einen Morgon. Diesem Cru aus dem Beaujolais sagt man ja nach, daß er gut altern kann. Und dann in das Stadium des "morgonnierens" kommt. Und so war es auch. Morgon 2006 von Marc Signerin (12% / 12€) präsentierte sich gereift und ruhig, mit feiner Kirschfrucht, leicht, bekömmlich...
Champagner muß natürlich sein, wenns knallt müssen auch die Korken knallen. Gobillard Tradition hatte schöne Hefenase, reife Birne, feine Perlenbrausung im Mund.


Ansonsten gab es zweimal ein süßes Zungenküsschen. Ein Rest vom Weihnachts-Port war noch in der Flasche. Quinta de Noval Port LBV 2005 Douro (19% / 19€) präsentierte sich auch nach zwei Wochen offen als reichhaltiger-süßrauchiger Genuß.
Dann etwas aus Griechenland, ein Tribut an den Sommer auf Kreta mußte am Jahresende sein: Samos Vin Doux 2009 L'Union de Cooperatives Samos (15% / 9€). Eine honigduftige Essenz, Muscat, reichhaltig, cremig, dicht. Dabei aber nicht überschwer, seidige Ölung für den Gaumen...



Ansonsten gibt es an der Noordzee natürlich schöne Biere, die Niederlande und Belgien halten eine Vielzahl von Kloster, Spezial - und Starkbieren bereit. Für Weinfreunde passen die gut, weil die Trappisten & Co. in der Regel in schönen großen Kelchen serviert werden und aromatisch von großem Reichtum sind. Verkostet wurden u.a. Brand Imperator, Ciney (Empfehlung!), Palm und Westmalle Dubbel.





07.01.2013

Probe in Bonn mit Top-Libanesen...



Eine beeindruckende Leistungsschau libanesischer Weinkunst: Eine Probe im Dezember in der Phönicia-Lounge in Bonn brachte wirkliche Spitzen aus dem Morgenland in die aufnahmebereiten Gläser. Eine kleines Video schon mal hier, Verkostungsbericht folgt...



27.12.2012

Weihnachtsweine 2012



Zu Weinnachten regiert die Tradition, keine kulinarischen Experimente! Das gibt Halt auf hoher See und vereinfacht die Abläufe, auch wenn es hektisch wird. Weder Hummer noch Bockwurst - hier gibts zum Heiligabend immer: Maronencremesuppe, einen winterlichen Salat mit Orangen, roter Beete, Walnüssen und dann einen Krustenbraten vom Schwein. Nur die Weine wechseln natürlich. Was übrigbleibt wird an den beiden Feiertagen dann ausgetrunken und verputzt...

Die Kandidaten in diesem Jahr waren:

Schneider "Kaitui" Sauvignon Blanc 2012 Pfalz (13% / 10€) Der "Neuseeländer" aus der Pfalz, das Motto hier: duftige Exotik, Leichtigkeit und Frische. Auch die Maronensuppe dazu war in diesem Jahr leichter, süffiger, dank Zugabe von Wein.

2010 Domaine des Aires Hautes "Réserve" Minervois La Livinière (14% / 10€) Ein Favorit in seiner Klasse! Obwohl die Gesamtaromatik des Südfranzosen weit über seine preisliche Einstufung von 10€ hinausweist. Die Brüder Chabbert erzeugen einen absoluten overachiever, Glückskauf pur. Sehr dunkel im Glas, zunächst volle Erdigkeit, Gerbstoff, viel Baß, braucht Luft, unbedingt dekantieren. Dann bringt er auch differenzierte Mittel- und Obertöne zu Gehör, wird richtig freigiebig, teilt Fruchtsüße und delikate Würze aus, Topwein.   

Hunnicut Zinfandel Napa Valley (15% / 26€) Fruchtpralle Californication, erfüllt völlig, was man von einem Zinfandel in dieser Kante erwartet, absoluter Gaumenpleaser. Ich machs mir mal einfach und zitiere kurz aus der Mövenpick-Notiz, die bringt es nämlich auf den Punkt: "Tiefes Purpurgranat. Konzentriertes Backpflaumenbouquet und Zimt, Schokokirschen, Heidelbeerkonfitüre, typische Zinfandelwärme ausstrahlend. Crèmig-weicher Gaumenfluss mit perfekt ausbalancierten Tanninen und verschwenderischer dunkler Kirschfrucht, Bienenwachs, geléeartige Extraktsüsse und betörende Fülle in der saftigen Mitte, Cocktailkirsche, Zwetschgenkompott und feine Honig-Mocca-Note im sanft ausklingenden Finale." Noch Fragen?

Quinta de Noval Port LBV 2005 Douro (19% / 19€) Nun ja, Port passt natürlich zu Weihnachten, muß einfach sein, als Nachtisch. Volle Ladung, Zartbitterschokolade, Kirschlikör, süßer Tabak. Kein Zwang zum schnellen  Leeren der Flasche, es ist bis heute immer noch was drin...

Soweit für diese Jahr, allen einen geschmeidigen Rutsch.
Auf ein Wiederlesen in 2013!







24.12.2012

Adventwein 4: Abadia Retuerta - Spanischer Edelmann



Schon der 4. Advent, der Countdown zum Fest ist fast abgezählt und noch nix aus Spanien im Glas gehabt. Höchste Zeit heute also für einen Iberer. Die passen mit ihrem schönen Tempranillo-Duft irgendwie sehr gut zu Weihnachten, wie ich finde. Dabei war der Wein, der gestern in die aufnahmebereiten Gläser floß gar kein reinsortiger Tempranillo, sondern enthielt auch noch einen guten Schuß Cabernet und etwas Merlot.

2009 Abadía Retuerta  (Sardón de Duero 75% Tempranillo, 20% Cabernet Sauvignon, 5% Merlot /  14% / ab 20€) Abadía Retuerta, ein ehemaliges Kloster mit langer Weinbautradition wurde ab1988 von Schweizer Industriellen mit viel Aufwand und großen Investitionen wieder flottgemacht. Das Gut steht heute unter den Top-Produzenten im Ribera, es geht los ab 9€, an der Spitze stehen die Einzellagen, die Vinos de Pago. Da wird es dann auch richtig teuer, für den Petit Verdot werden bis zu 140€ aufgerufen.
Die hier verkostete 20€ - Selección Especial vereint ausgewählte Trauben aller Parzellen der Finca. Und ich kann Entwarnung geben, hier ist kein Mittelmaß im Glas, sondern richtig Stoff. Der Wein zieht schon an der Nase sehr duftig los, sehr klar, frische Beeren. Am Gaumen zunächst ein etwas keckes Holzküsschen, läßt aber mit Luftkontakt nach, es öffnet sich seidige Frucht. Vereint gekonnt Fundament und Rafinesse mit süffigem Trinkfluß - was will man denn mehr...


22.12.2012

Weihnachtsweine...


 ...schon 4 Tage vor Heiligabend: Bei einer Libanonprobe in der Phönicia Lounge in Bonn wurden Weine aus dem Morgenland aufgezogen, als gäbe es gar kein Morgen mehr. Hier im Bild die Libanonlegende 86er Musar und der herrliche Comte de M 2006 von Kefraya. Details folgen...



19.12.2012

Adventswein 3: Gigondas & Chateauneuf


Dritter Advent und große Augen am Tisch: "Ja ist denn schon Weihnachten?" entfuhr es einem Mitverkoster. Kein Wunder, denn zwei stattlich wappenverzierte Flaschen standen bereit: Gigondas und Chateauneuf kamen in die aufnahmebereiten Gläser. Und es ist ja auch genau die richtige Zeit für solcherart Weine. Das Schmuddelwetter draußen erfordert Tropfen, die wirklich Wärme geben und den Raum mit warmwürzigen Düften füllen - wie eben diese beiden hier von der südlichen Rhone.

Zum einen Chateauneuf du Pape, "Le Roi du Rhone". Prächtige Weine in prächtigen Flaschen, mit barocker Grundaromatik. Dabei aber keine eindimensionalen Fruchtbomben und Tannintanker, nie langweilig, machen aber auch nicht nervös, sondern strahlen eine ausgeglichene Harmonie und Ruhe aus. Auf dem Fuße folgen dann die kräftigen Charakterköpfe aus Gigondas, ein paar Kilometer nordwestlich gelegen.

Wie sah es nun bei dem kleinen Adventsduell der beiden Rhonecrus aus? Zugegeben, der Vergleich war etwas unfair angelegt. Der "Prémices" Chateauneuf du Pape (Domaine Giraud 15% / 20€) stammt zwar aus gutem Hause, ist aber eher ein Einstiegsmodell. Und er mußte gegen ein wahres Flagschiff der Nachbarappellation antreten: "Gigondas Tradition" Domaine Santa Duc 2010 (15,5% / 20€). Das ist der "Basis-Gigondas" von Yves Gras, sein Portfolio ist mittlerweile recht umfangreich. Seine Top-Weine sind der Hautes Garrigues und der Grand Grenache 66, eine absolut likörige Essenz, vor kurzem verkostet in der Weinzeche Essen.
Doch zurück zum "Tradition", auch der hat es schon in sich und ist ein ziemlich kompletter Wein. Steht gesättigt-dunkel im Glas, volle Frucht, Lakritze, Süßholz, im Mund dann Druck und Dichte. Gerbstoffe sind bei so einem jungen Burschen natürlich vorhanden, sind aber auf anregende Weise in die Gesamtaromatik eingebunden. Auch der hohe Alkohol sorgt für keinerlei Schärfe. Zeigte nach etwas Luftkontakt seinen ganzen satten Grenachecharakter, für den diese starken Weine von der südlichen Rhone nun mal stehen. Ein südfranzösischer Nasen- und Backenfüller besonderer Qualität, allerdings kein Wein für die Mädchenparty.
Dagegen hatte es der Ch9 zunächst etwas schwer, der Prémices ist kein großer Blockbuster, kommt eher duftig aus dem Glas. Auch hier viel dunkelwürzige Frucht, aber nicht (zu) fett. Feiner floral-femininer Schmelz, nasenfein, im Mund seidig, schon jetzt herrlich trinkbar.

Begleitung für Gigondas und Chateauneuf:
Lammstelzen auf Schmorgemüse

13.12.2012

Große Libanonprobe: Weinkönige aus dem Morgenland



In der Antike gehörte das Gebiet des heutigen Libanon zum historischen Kanaan, wo ja bekanntlich schon Jesus Wasser in Wein verwandelt hat. Man bewegt sich beim Verkosten sozusagen auf biblischem Boden.
Auf jeden Fall hat Weinbau im Libanon eine uralte Tradition, gekennzeichnet bis in unsere Zeit immer wieder durch außerordentliche Zeiten des Wachstums, aber auch durch empfindliche Rückschläge. 
Die Phönizier sorgten für den ersten großen Boom. Sie verbreiteten mit ihren Schiffen die reichhaltigen Weine der Levante im ganzen Mittelmeerraum, die ersten Weinhändler der Welt.
Während der langen muslimischen Herrschaft hielten Juden und Christen das Wissen um die Rebkultivierung aufrecht, die Weinproduktion wurde in geringem Umfang bis in die Neuzeit nach antiken Methoden betrieben.
Spannung kommt erst wieder Mitte des 19. Jh. durch die Franzosen ins Spiel. Unter ihrem Schutz wird die autonome Provinz Mont Liban ausgerufen, 1857 legen Jesuitenmönche den Grundstein für den neuzeitlichen Weinbau und gründen das Weingut Ksara, nach einer ehemaligen Festung aus der Zeit der Kreuzritter. 
Während der französischen Mandatszeit zwischen den Weltkriegen steigt die Nachfrage nach Wein, Beirut wird zum "Paris des Nahen Ostens". Es kommt zu umfangreichen Neupflanzungen, vorwiegend französische Rebsorten wie Cinsault, Carignan, Mourvèdre, Grenache, Merlot, Cabernet Sauvignon, Syrah, Sauvignon Blanc, Blanc, Sémillon und Chardonnay.
1930 gründete Gaston Hochar Château Musar, das legendäre Weingut, welches bis heute für den libanesischen Wein ein dickes Ausrufezeichen setzt und einen  Platz unter den Crus dieser Welt behaupten kann.
Erneuter Rückschlag dann durch den libanesischen Bürgerkrieg zwischen 1975 und 1990. Rebberge im Bekaatal wurden zerstört, der Weinbau kam beinahe zum Erliegen.
Wenn heute wieder von einer Renaissance des libanesischen Weinbaus die Rede sein kann, sprechen wir hier von einer Entwicklung der letzten 20 Jahre. Viel Geld wurde in die Modernisierung der Weingüter gepumpt, gleichzeitig gab es Neugründungen, z.T. innovative Boutique-Weingüter mit ausländischem Kapital und Beratung.
Im Jahr 2010 erzeugten im Libanon rund 40 Weingüter auf rund 30.000 ha etwa acht Millionen Flaschen, wobei die sechs größten Erzeuger (Château Ksara, Château Kefraya, Château Musar, Château St. Thomas, Domaine Wardy und Massaya) für 85% der Jahresproduktion verantwortlich sind. 

Doch nun zu den Weinen. Verkostet wurde in lockerer Runde, nach dem ersten Durchgang zu den Weinen sehr passend ergänzt durch würzig-feine Spezialitäten der libanesischen Küche im Restaurant Arabesque in Essen. Eines vorweg: Wer bei Wein und Libanon "heißgekochte" und plumpe  Gewächse voller Alkohol assoziiert liegt falsch. Die Tropfen profitieren in ihrer Gesamtaromatik von der ausgeprägten Höhenlage vieler Pflanzungen, z. T. bis in 1000 Meter Höhe. 






Clos St. Thomas Rosé Les Gourmet Rosé 2011 (Syrah, Petit Verdot, Cinsault 14% / 9€) Angenehmer Einstieg mit einem fruchtvollen, weichen Schluck, kein leichter Erfrischer, intensiver schmelziger Rosé. Der Rosé gibt die Richtung vor, Leichtgewichte sind hier nicht zu erwarten.

Altitudes Ixsir weiß 2010 (Muscat, Viognier, Sauvignon, Sémillon 13,5% / 12€) Schöne, leicht würzige Nase, Muskatnuß, voller Körper, kein leichtes Früchtchen. 

Clos St. Thomas Les Emirs 2008 (Cabernet Sauvignon, Syrah, Grenache 14% / ab 10€) Viel Duft im Glas, Aromen wie aus "Tausend und einer Nacht", Schokopraline, im Mund, dann weiche Gerbstoffe, hinten raus belebt etwas Säure, sehr gut.

Ixsir Altitudes 2009 (Cabernet Sauvignon, Syrah, Caladoc, Tempranillo 13,5% / ab 12€) Seidige Nase, gute Mischung aus Frucht und Würze, etwas Tabak, runde Sache ohne Übertreibungen, könnte auch ein moderner Schluck aus dem Languedoc oder aus Spanien sein. Neues Weingut mit interessanter Kellerarchitektur, moderne Aufmachung, hier hat man viel Geld in die Hand genommen und offenbar noch einiges vor. Die Önologie liegt in spanischen und französischen Händen.




Chateau St. Thomas 2007 (Cabernet Sauvignon, Syrah, Merlot 14% / 25€) Der große Bruder vom Emir, warme Fruchtnase, Vanille, Schoko, süße Weihnachtswürze im Glas, dicht, hat Länge, ein Gaumenpleaser. St. Thomas wurde 1990 gegründet, bis heute ein Familienbetrieb mit 65 ha, die Reben wachsen in Hanglage bis zu 1.300 m.




Kefraya "Les Breteches" 2009 (Cinsault, Cabernet Sauvignon, Syrah, Mourvèdre 13,5% / ab 10€) Leisere Töne, feine Nase `a la Bordelaise, kleine Beeren, frischer Mund, Süße-Säure Spiel mundwässernd, Top.

Ksara "Reserve de Convent" 2009 (Syrah, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc 13% /ab 9€) Wärmer, mehr Tabakwürze, spielt etwas mehr die exotische Klaviatur. Ksara ist DER Klassiker im Libanon, seit 1857 von Jesuiten aufgebaut, 1973 nach einer Entscheidung des Vatikan privatisiert. Großer Betrieb mit insges. 300 Hektar Rebfläche, stetig modernisiert. Liefert sich mit Kefraya stets ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Auch bekannt für seinen Arak "Ksarak".




Chateau Kefraya 2008 (Cabernet-Sauvignon, Syrah, Carignan, Mourvèdre 13% ab 20€)  Hellduftig, Eleganz, luftig, superfein, erinnerte mich spontan an Musar, Topwein. (Verkostungen zum Musar hier und hier) Gegründet in den 1950er Jahren, mit viel Aufwand und französischer Hilfe, litt stark im Bürgerkrieg, in den Wirren der Kämpfe stürzte  ein syrischer Kampfjet mitten in die Rebberge.

Chateau Ksara 2006 (Cabernet Merlot Petit Verdot 13% / ab 20€) Hier ist Wumms drin, dunkel, Tausendundeinenacht, Sonne, Haremsdüfte, Verwöhner...



Ixzir Grand Reserve 2009 (Cabernet Sauvignon, Syrah, Caladoc, Tempranillo 13,5% / ab 20€) Der Wein gibt sich zunächst zugeknöpft, viel Gerbstoff, öffnet sich erst nach längerem Luftkontakt, zeigt dann seriöse Qualitäten mit viel Struktur. Man experimentiert hier noch, ändert den Rebsortenspiegel über die Jahrgänge. Details auf der sehenswerten Homepage.

Aurora 2010 Cabernet Franc (13,5% 28€) Waldboden, Trüffel, dunkle Früchte, ein Schluck mit Tiefe, sozusagen der Barolo der Verkostung - herrlicher Wein. Aurora ist eine Neugründung, nur 4000 Flaschen werden insgesamt pro Jahr auf 1,4 Hektar erzeugt. "Garagenwein" mit hohem Qualitätsanspruch.





St. Thomas Le Merlot "A" 2005 (ab 35€) Das Beste zum Schluß, ganz und gar dunkle Frucht, reichhaltig, viel süßer Kaffee, Kakao und Vanille, dabei aber noch viel Gerbstoffsubstanz vom Feinsten, hohe Konzentration, die sich dem Verkoster bereitwillig öffnet, großes Weinkino. War beim Mondial du Merlot 2012 in Lugano als Nr. 1 platziert als "Best Older Vintages Merlot"  (klick).






Weine von Libanon Feinkost
53129 Bonn Heinrich Körner Straße 11





10.12.2012

Adventswein 2: Weiße Südfranzosen


Am zweiten Advent kamen zwei Weiße aus dem Süden Frankreichs in die aufnahmebereiten Gläser. Wobei gleich vorweg gesagt werden muß, daß sie nicht "gegeneinander antraten", bitte kein wine-battle in friedlicher Lichterkettenkerzenzeit. Auch beim Hinweis auf die Bezugsquellen soll jeglicher Konkurrenzgedanke vermieden und nur kurz vermerkt werden, daß die Weine von den beiden Platzhirschen im Ruhrpott kommen, der Weinzeche in Essen und dem Mövenpick Weinkeller in Dortmund. Pure Harmonie also - auch im Glas? Im Grunde ja, wenn man bereit ist, in erster Linie mal nicht auf Frucht und Frische zu setzen, sondern auch würzige Fülle zu ihrem Recht kommen zu lassen.

Der Chardonnay 2011er der Domaine Pesquie (12,5% / 9,90€) kommt aus Mormoiron, ein Dorf zu Füßen des mächtigen Ventoux. Im direkten Vergleich etwas leichter, gefällt mit reifer Birne und floralen Noten, ist relativ weich, behält aber ausreichend Säure für angenehm frisches Mundgefühl. Ein stärkeres Kaliber dann der weiße Chateau de Nages "Vielles Vignes" (Costiere de Nimes / 13,5%/11€).  Der Wein kommt vom anderen Ufer der Rhone, das Anbaugebiet liegt geographisch eigentlich schon im Languedoc. Mehr Baß schon in der Nase, kein Früchtchen, hier steht ein warmer Würzer im Glas. Sowas mag nicht jeder, Weiße von der südlichen Rhone aus Grenache Blanc und Roussanne, zumal mit Barriqueausbau, polarisieren manchmal. Das hab ich bereits bei erheblich teureren weißen Chateauneufs erlebt, da läßt schon mal eine 100€ Flasche Beaucastel blanc die Verkoster etwas ratlos zurück. Dies hier ist seriöser Saft, selektierte Trauben von alten Reben. Schön gelb im Glas, etwas Vanille, getrocknete Orangen. Der Wein braucht Luft, am besten war er einen Tag später, dabei nicht zu kalt trinken, entwickelt dann im Mund Fülle mit cremiger Exotikfrucht.