26.04.2011

24.04.2011

Osterweine...


Die Rieslinge vom Weingut Toni Jost aus Bacharach am Mittelrhein schmecken so gut, wie sie hier auf den beiden Fotos aussehen. Links der Einstiegswein mit dem Roten Hahn, Toni Jost Riesling 2009 (ca. 6,50€ ab Weingut): Saft und Zitrusfrische pur, herrliche Erfrischung in diesem sommerlichen Frühling.
Rechts der Sekt des Hauses, handgerüttelt, knackig trocken, auch hier geradlinige und pure Charakteristik. Ein guter und den Preis mehr als werter Genuß. Ein Besuch lohnt sich auch vor Ort, Bacharach ist der schönste Ort zwischen Koblenz und Bingen.

Für weitere Infos hier klicken


22.04.2011

Haldenwein: Kreuzberg


Auf den Bergehalden hier im Ruhrpott ist viel Platz. Unendliche Weiten auf der Halde Hoheward in Herten, enormer Fernblick über das grüne Ruhrgebiet - immer wieder überraschend. Schon Stuart Pigott hat ja zu Füßen dieser Halde auf einer Veranstaltung der Weinhandlung Molitor den Vorschlag gemacht, diese Flächen auch für den Weinbau zu nutzen (klick hier). Nachdem nun die Restriktionen beim Anbau gelockert sind und klimatisch sich alles zum Wärmeren wendet spricht eigentlich nichts mehr dagegen.

Auf exakt 152,5 m ü. NN verkostete der Weindeuter auf jeden Fall schon mal einen Wein, wie er sicher auch in bevorzugter Haldenlage möglich wäre:  Spätburgunder "Devonschiefer" 2008 Weingut Keuzberg / Dernau / Ahr (13% / 20€). Funkelndes, transparentes Rot im Glas, saftig-zarte Kirsche, im Mund natürlich kein großer breiter Füller, eher leicht, trotzdem intensiv und nachhaltig. (2006er hier verkostet)

Weinbau im Pott: Auf den Halden ist noch Platz


21.04.2011

Jules - Rosé: Sommerwein im April


Ja ist denn schon Sommer ? Noch April, aber bei den Temperaturen versetzt der Jules 2009 von Julian Faulkner (Domaine Grand Cros / Provence 13%  / ca. 5€ ab Weingut) endgültig in südliche Gefilde.
Ein blütenduftiger, geschmeidiger Saft, ein kleiner Genußwein, der ohne große Weintheorie einfach gut schmeckt. Solche Rosés sind für mich die idealen Warmwetterweine, getrunken in der zweiten Tageshälfte, wenn die Sonne sich schon dem Horizont zuneigt...

Roséromatik auch hier (allein schon wegen der Farben anklicken):

20.04.2011

"Junge Winzer" bei Lidl


Im Badischen gibts sehr viel Wein. Die Winzer sind fleißig, die Sonne scheint zuverlässig, jede Menge Hektar stehen unter Reben. Wie soll das alles an den Trinker und die Trinkerin gebracht werden ?
Schon Fritz Keller hat mit seiner Edition Fritz Keller die Discountschiene genutzt und über Aldi Nord + Süd jede Menge Weiß-und Spätburgunder aus "Deutschlands Toskana" abgesetzt (klick hier).
Etwas ähnliches gibt es auch bei Lidl. Unter dem Label "Junge Winzer" werden aktuell ein Weißburgunder und ein Spätburgunder Rosé angeboten. Zitat:  "60 begeisterte Winzer der jungen Generation haben sich zur Aufgabe gemacht, den traditionellen Weinbau mit eigener Handschrift und neuem Profilzu weiter zu entwickeln". "Junge Winzer", das hört sich ja gut an, passt in die Zeit, soll wohl auch junge Käuferschichten ansprechen. Marketingmäßig flankiert wird das Ganze noch durch Kolja Kleberg, der als "Lidl - Genußscout" in den badischen Weinbergen der "Jungen Winzer" nach dem Rechten sieht (klick hier).
Vinifiziert werden die Weine allerdings, wie die Keller - Edition auch, im Badischen Winzerkeller in Breisach. Nur da scheint die erforderliche Logistik für die großen Mengen bereitzustehen. Da laufen überörtlich die genossenschaftlichen Weinfäden zusammen. Da werden hunderte verschiedener Weine gemacht, auch die Tropfen der "Jungen Winzer". Die sind also genaugenommen hier keine Winzer, sondern lediglich die Traubenlieferanten. Verramscht werden die Weine keineswegs, die Preise liegen mit 5,99€ bzw. 4,99€ knapp oberhalb vieler Einstiegsweine der Ortsgenossenschaften.

Zum Test des Weißburgunders bot sich spontan eine kleine Blindverkostung mit weiteren badischen Gewächsen an. Dabei die Weine:


Wein 1: Frische Nase, Cidre, viel Frucht, im Mund knackig, frische Säure, lebendig, offener Wein. Kam bei den mitverkostenden Frauen deutlich am Besten an (= Junge Winzer).
Wein 2: Verhaltener im Ton, etwas buttrige Nase, im Mund mehr Fett, cremiger, wenig Säure, im direkten Vergleich mit 1 fehlende Frucht und Frische. Fiel mit der Zeit eher ab (=Bickensohler).
Wein 3: differenzierte Nase, Birne Helene, frisches Heu, Melone, im Mund Schmelz, zarte Säure, mit der Zeit Öffnung in Richtung ätherisch - würzig. Machte auch noch im wärmeren Zustand Spaß und war Favorit der verkostenden Männern. Urteil der Frauen: "muffig" (=Heger).

Der Lidl ist nicht schlecht, ein guter Geradeauswein für Fruchttrinker. Natürlich spielt der jüngere Jahrgang (2010) beim "Junge Winzer" auch eine Rolle. Trotzdem greift mal wieder das Diktum des Genießers, wonach  der teurere Wein in der Regel auch aromatisch mehr zu bieten hat. Die Qualität des Heger, einem Top Winzer vom Kaiserstuhl, schlägt auch beim kleinen Kabinett durch.
Außer Konkurrenz, als Nachtisch sozusagen, gab es dann noch den "Junge Winzer" Spätburgunder Rosé 2010 (12% / 4,99€). Auch hier dominiert Frische direkte Frucht, schon knackig und trocken, schmeckt. 
Weißburgunder - Blindprobe:
mitverkostende Frauen sahen die "Jungen Winzer" vorn



19.04.2011

Männerwein aus Argentinien



Welchen Wein nimmt man für einen Männerabend ? Für einen Abend, an dem ein dickes Stück Fleisch gegrillt wird und an dem Filme von Robert Rodriguez gekuckt werden. Und an dem anwesende Männer keineswegs alle Wein- sondern in der Mehrzahl eher Biertrinker sind. Die Kriterien waren also "Fleisch, Südamerika, hoher Alkoholgehalt, leichte Trinkbarkeit für Novizen". Meine Wahl:

Machete-Mariachi-Style zum argentinischen Malbec:
Gegrillte Schweinekruste, etwas angekokelt...






18.04.2011

Depardieu: Weißwein zum Frühstück


Wieder mal Gérard Depardieu, der Charakterspieler, Vollblutgenießer und Winzer. Eigentlich dachte ich, er würde kürzer treten, immerhin hat er schon eine Ersatzleber implantiert bekommen.
Umso schöner deshalb ein Artikel in der WAZ von letzter Woche. Depardieu fängt danach den Tag mit einem Weißwein an: "Mit diesem spüle ich den letzten Tag hinunter. Danach fühle ich mich immer wie befreit".
Zum Rendezvous dann ein Weintip: Erst was Prickelndes, dann eine Spätlese. Aber mit dem Wein verführen will Depardieu nicht mehr, lieber zu "intellektuellen Gesprächen" anregen.
Da würde ich mich inhaltlich (noch) nicht anschließen wollen. Ansonsten sind die Ratschläge eines so erfahrenen Genießers natürlich zu beherzigen.

Weiteres zu Depardieu anklicken:


17.04.2011

Pfefferer aus Südtirol


Im Glas ein origineller Wein aus Südtirol:


Die Genossenschaftskellerei Schreckbichl in Girlan bei Bozen ist unter ihrem Geschäftsführer Luis Raifer seit den 70er Jahren in Sachen Qualität ein Trendsetzer in Alto Adige. Die "Pfeffertraube", eine Spielart des Goldmuskateller, ist eine regionale Spezialität. Schreckbichl ist der z.Zt. einzig verbliebene Produzent.
Sehr hell in der Farbe, fast weiß mit grüngelben Reflexen. Besonders "pfeffrig" oder generell würzig, wie es manchmal beschrieben wird, fand ich den Südtiroler eigentlich nicht. Stattdessen schon in der Nase und dann auch im Mund intensive Frische. Leicht, aber auch sehr spritzig, ein quellklarer Gebirgsbach weckt die Sinne. Auch was für Rieslingfreunde, der Wein "läuft"...


14.04.2011

Domaine Roche: Rhone - Genuß


Eigentlich geht Weintrinken ganz einfach: Einen Wein aus seriöser Produktion ins Haus holen, der sehr gut schmeckt, keinen Phantasiepreis dafür bezahlen, dazu ein einfaches Gericht, schon ist das Genußglück zum Greifen nahe. Nach den Verkostungen und Diskussionen hier und hier also mal was anderes. Wieder aus dem Süden Frankreichs, diesmal aber kein "Elitewein", vielmehr ein großes Gewächs aus dem demokratischen Segment.
  • Domaine Roche 2009 Cairanne Cotes du Rhone Village (15% / 9.90€ / 70% Grenache + 30% Syrah)
    Ein neuer Name an der südlichen Rhone, Romain Roches vinifiziert erst seit kurzem von elterlichen Weinbergen in Cairanne. Nach weltweiten Wanderjahren ist 2009 sein erster "eigener" Weinjahrgang. Um es vorwegzunehmen: Der Wein ist sehr gut, angesichts des Preises sogar sensationell gelungen. Blind in eine Probe mit Crus aus Chateauneuf oder Gigondas gestellt, müßte er bestimmt nicht sofort den Schwanz einziehen, sondern könnte lange mithalten.
    Schon in der Nase sehr konzentriert, die für die Region so typische anmachende Mischung aus tiefer warmer, dunkler Frucht und erdiger Würze. Vorn auf der Zungenspitz zunächst kühl und süß, charmant lockt er an. Im Mund dann aber volle Expansion: Schlehenfeuer, cremig lodernder Saft, Erinnerung an prallreife schwarzen Oliven kommt hoch, Tapenade, Brombeerkonzentrat. Natürlich schlägt auch der hohe Alkohol durch. Bei aller Kraft aber keine aufdringlich - marmeladige Aromatik. Der beste 10€Wein, den ich seit langem im Glas hatte.
Roastbeef vom Grill mit Grünem Spargel



13.04.2011

Zwei weiße Langeweiler aus dem Piemont


Zwei moderne Weiße aus dem Piemont: Sicher könnte man jetzt (wieder mal) schreiben, wie gut die Weine zum Frühling passen. Die Flaschen sehen ja auch schön aus, so im Grünen. Solche hellen, frischen und leichten Weine mit netter Aufmachung verkaufen Weinhändler viel, gern auch an ein weibliches Publikum.
2010 Araldica Piemonte Chardonnay (6,50€ / 12%)
2010 Araldica Piemonte Cortese (5,90€ 7 11,5%)
Einen großen Unterschied in der Aromatik konnte ich nicht erkennen, immerhin war es einmal der internationale Chardonnay und einmal der einheimische Cortese. Beides sind reintönige Stahltankweine, die allen schmecken, sanfte Wässerchen, die nicht weiter stören und weitgehend geschmacksneutral und säuremild runterrutschen. Eigentlich nichts gegen zu sagen, und die beiden Testflaschen waren ja auch schnell weg. Trotzdem hatte ich mehr erwartet als das, was gerne auch als "Spargelwein" bezeichnet wird.


12.04.2011

Weintäuschung 2


Liegt im Wein immer Wahrheit  ? Huldigen wir Weinfreaks einer Illusion, leisten wir Götzendienst ? Was stimmt nicht an diesem Bilde ?



11.04.2011

Weintäuschung 1

Vorsicht, genau hinschmecken: Axel Biesler schenkt ein

Von wegen In Vino Veritas ! Man kann beim Wein ganz schön danebenliegen, vor allem wenn Axel Biesler in ein Sensorikseminar ein paar "Gemeinheiten" einbaut.
Zum Start zwei Gläser, zwei Weine. Die versammelte Runde, darunter gestandene Weinprofis, spekulierte. Der erste Wein kam eindeutig schlechter an ("unterstes Supermarktregal"). Auch der Weindeuter entdeckte Unterschiede, fand aber nach intensivem Schnüffelvergleich, daß sie doch recht ähnlich rochen. In dem Moment enthüllte Biesler schon -  in beiden Gläsern war der gleiche Wein drin:  Grauburgunder 2009 von Landerer /Baden.
Also erstmal Verunsicherung war die Devise. Doch wie erlangt man beim Verkosten Sicherheit ? Wie weit läßt sich das eigene sensorische Instrumentarium verläßlich eichen, wie tief sitzen häufig ja schon in der Kindheit durch Geschmacksprägung entwickelte Vorlieben und Abneigungen ? Und wie sehr sind Weinfreunde bereit, sich auf neue, ungewohnte Aromatik einzulassen ?
Als nächstes kreisten die Schwarzgläser, da war ein neutraler Grundwein mit allerlei verschiedenen Zusätzen drin, um bestimmte Aromenkomplexe ("fruchtig frisch", "würzig-ätherisch") darzustellen.
Höhepunkt dann die Aufgabe, drei Weißweine in eine Rangordnung von einfach bis komplex zu bringen. Das Ergebnis sorgte dann (natürlich) für die Schlußpointe des Abends. Der Calvus Mons Riesling 2008 von Sven Leiner / Pfalz, ein biodynamisch angebauter und spontanvergorener Wein für 16€ landete auf dem letzten Platz. Der befand sich  allerdings auch in einer eigenartigen Verfassung: Hochfarben, in der Nase Ananas mit Honig, überreif wirkend, im Mund dann doch recht bitter, im Ganzen eher unausgewogen. Dagegen fand ein ganz einfacher Massenriesling für 2,50€ aus Rheinhessen (Weinkellerei St. Michael / Pfalz) viel Zuspruch ("sehr trinkbar"," lecker"), ebenso der Einstiegsriesling  No. 9 von Tina Pfaffmann für 6€.


Fazit: Man erkennt nur, was man kennt. Deshalb offen sein, neugierig sein, viel probieren. Wenn man denn ein Weinanalytiker werden möchte. Und auch Weine genießen will, die auf Anhieb nicht mehrheitsfähig sind, die Charakter mit Ecken und Kanten haben, die Eigenheiten des Winzers oder der Region transportieren. Und die nicht unbedingt "lecker" sein müßen...

Zum Seminar auch hier beim Genießer klicken.
Das nächste Weinseminar mit Axel Biesler, veranstaltet von der Weinhandlung Rolf Kaspar in Essen:

"Wir stellen Ihnen unsere ganz persönlichen Favoriten vor - solche für jeden Tag und solche für besondere Anlässe. Ein Workshop aus der Perspektive von Weinhändler und Sommelier. Gnadenlos subjektiv und Einladung zur Diskussion zugleich."




10.04.2011

Weinfrühling

Hinaus ins Offene ! Zum Trunke und Genuße !
Dernauer Weinfrühling
Frühlingserwachen in den deutschen Weingebieten, überall locken die Winzer die Trinker an. Am 16./17. April gibt es das WeinWanderWochenende:  "Ob zu Fuß, hoch zu Ross oder im Planwagen: „Wein- und Wanderfreude finden in diesem Jahr ein Angebotsvielfalt vor, wie noch nie zuvor“ (DWI)
Für alle Weinfreunde im Ruhrgebiet ist es am nächsten ins romantische Ahrtal, da findet zum zweiten Mal der Dernauer Weinfrühling statt: Wandern & Genießen auf dem Rotweinwanderweg. Die Wein-Wanderroute führt durch die Einzellagen Hardtberg, Pfarrwingert, Schieferlay in Dernau und den Klostergarten in Marienthal. Entlang des rund 6 km langen Weges laden zahlreiche Weingüter und Gastronomen zu regionalen Genüssen, Ahrwein und (wenns unbedingt sein muß) Traubensaft ein.
Ich kann das nur empfehlen, es lohnt sich, im letzten Jahr war das eine sehr ansprechende Veranstaltung. Die Winzer und Gastronomen geben sich wirklich Mühe mit Speis und Trank. Außerdem ist ja diese Jahr die  amtierende Deutsche Weinkönigin dabei ! Mandy Großgarten stammt aus Dernau...
Romantik und kräftiger Genuß an der Ahr



Ebenfalls an der Ahr ein weiteres bizarr anmutendes Angebot ist das Wandern mit Wanderlamas. Zitat: "Ihr ruhiges und distanziertes Wesen überträgt auf Wanderer eine Gelassenheit, die einen vom Alltag abschalten und die Natur erleben lässt."




08.04.2011

Bandol und Languedoc-Legende

Nochmal "Eliteweine" aus Frankreichs Süden, vor kurzem verkostet bei einem wahren Spezialisten für diese Region, der Weinzeche in Essen. Da gibt es auch Gewächse, denen man nicht so häufig im Glas begegnet.




Zunächst Bandol ! Inmitten des Rosé - Sees in der Provence eine AOC mit absolut hochklassigen Roten, auch bei Weinfreunden immer noch wenig beachtetet und unterbewertet. Wenn man vor Ort ist und einen Überblick haben möchte, fährt man am besten nach Le Castellet. Dort liegt mitten in den Weinhügeln mit Blick aufs Meer das offizielle Maison des Vins.
  • In der Zeche, hier bei uns im Pott also,  gibt es die Weine der Domaine Tempier, DEM Klassiker und Qualitätspionier aus dem Bandol-Gebiet. Schon der "normale" Bandol", die Cuvée Classique 2008 (25€ / 75 %  Mourvèdre + Grenache/Cinsault/Carignan), ist ein wahres Muster an Bandol-Aromatik: kernige, jugendliche Kraft, in sanfte Frucht gepackte würzige Wildheit, mehr Frische als weiche Üppigkeit. Vom Körper her keine aufgespritzen Bodybuilder, sondern geschmeidig sehnige Langstreckenläufer, die vor allem nach 10 Jahren getrüffelt-geschmeidige Reifenoten intensivsten Charakters entwickeln.
    Eine Steigerung dann die Einzellage "La Migoua" 2008 (39€) mit weniger Mourvèdre, mehr Grenache und Cinsault, allerdings von über 40-jährigen Rebstsöcken. Eine "Auslese" in höherer Konzentration und Länge, allerdings natürlich auch zu deutlich höherem Tarif.

Im Languedoc geht es weiter, 200 Kilometer westlich, im wildromatischen Hinterland von Montpellier. Hier regierten 100 Jahre die Genossenschaften, Wein war das Getränk des Alltags. Winzer, die nach den Sternen greifen gibt erst seit gut 30 Jahren. Ein Pionier war Aimé Guibert mit seinem 1978 erstmals vinifizierten Mas de Daumas Gassac in Aniane.
  • Am gleichen Ort wird seit 1992 auch der Grange des Peres erzeugt, aus je 40% Syrah und Mourvèdre, der Rest ist Cabernet - Sauvignon aus Höhenlagen, selektierte Minierträge, das Ganze wird mit denkbar größtem Aufwand unter Beachtung biodynamischer Regeln bereitet.
    Der beste Wein des Languedoc ? So meinen viele, aber was bedeuten solche Superlative. Tatsache ist, der Wein von Laurent Vaillé ist extrem gefragt. Die Produktionsmenge von ca. 20.000 Flaschen ist stets reserviert und kontingentiert, und neben den Spitzen aus Bordeaux/Burgund als großer französischer Cru anerkannt. Grange de Peres verleitet Weinpresse und Händler zu Jubelarien: "ein erotisches Weingemälde, zweifellos zu den besten Gewächsen Frankreichs zählend, ein unkopierbarer Individualist, einer der großen Weinsolitäre der Welt", "einer der großen, mythischen Rotweine der Welt!, "...schuf er einen bewegenden Wein, der ohne Zweifel zu den ganz großen Crus Frankreichs gehört." Ein wirklicher Kultschluck also, dem man sich natürlich nicht unvoreingenommen nähert, zudem soll der ´07er der beste jemals erzeugte sein. Der Wein gilt nicht unbedingt als bis zum Anschlag konzentrierte Fruchtbombe, sondern als finessenreicher Edelmann. Ich hatte ihn nun nach den beiden Tempiers, dagegen kam Grange des Peres dann doch sehr üppig, sehr offen und opulent daher. Duftiges Nasenparfüm, im Mund konzentrierte Reifesüße, Tanninschmelz - alles ohne jede kitschige Attitüde. Ein ausbalancierter, im jetzigen Zustand schon sehr trinkbarer Lustmacher. Verglichen mit dem kürzlich verkosteten und auch sehr guten "Hallucinant" von Moyau (klick) ist durchaus mehr Musik drin. Auch angesichts der Qualitätshistorie scheint hier der Preis eher gegeben.

    Granges des Peres in der
    Weinzeche für 65€

    04.04.2011

    Neue "Eliteweine" aus Südfrankreich...

    Bildunterschrift hinzufügen

    ...für finanzstarke Freaks und  Fans gab es auf der großen Rolf Kaspar - Weinmesse auf Zeche Zollverein. Beides sind Newcomerweine, erzeugt keineswegs von ahnunglosen Aussteigernaturen, sondern von einem Deutschen und einem Schweizer, die beide aus der Finanzbranche kommen und die sich eine angemessene Refinanzierung ihrer südfranzösischen Investition erhoffen, auch in (wein)wirtschaftlich unsicheren Zeiten.
    •  "Hallucinant" 2008 Chateau Moyeau La Clape / Languedoc / Frankreich (65€) Chateau Moyeau, ein romantisch an der Küste vor Narbonne gelegenes Weingut, erzeugt eine breite Palette, mit Einstiegsqualitäten auch für unter 10€. Der "Hallucinant" ist jedoch der absolute Top-Wein: 100% Mourvedre von alten Rebstöcken, 24 Monate Barrique. Der 2008er ist der erste produzierte Jahrgang.
      Sehr konzentriert, sehr differenziert, verströmt Größe. Ist aber kein überextrahiertes Muskelpaket und folgt damit konsequent dem neuen önologischen Trend, auch in "heißen" Regionen Spitzenweine mit  Feinheit, komplexer Vielschichtigkeit und einer gewissen mineralischen Kühle zu erzeugen.
      Gerade zu La Clape fällt mir dazu als Gegenbeispiel das quasi Nachbarweingut  Ch. Negly ein, die beiden Flagschiffe "Clos des Truffiers" und "Porte du Ciel" (ab 80€) sind dagegen wahre Dickschiffe.
      Moyeau wird vom Eigentümer Bernd Köhler, einem in der Schweiz tätigen Fondmanager, hochprofessionell betrieben. Es ist einerseits Hobby und Refugium, andererseits Kapitalanlage. Da kann jeder mitmachen, der bereit ist 2500€ zu investieren.
      Zitat: "Als kreatives Weingut haben wir uns deshalb entschlossen nur einem kleinen begrenzten Kreis von Anlegern (der Verkaufspreis für alle angebotenen Wertpapiere beträgt weniger als 100.000 Euro über einen Zeitraum von zwölf Monaten) die Möglichkeit zu bieten, unmittelbar an unseren Weinen zu partizipieren. Bereits ab 2.500 Euro ist es möglich die limitierten Genussscheine von Château Moyau zu zeichnen, die wir mit einer attraktiven Verzinsung von 7 % p.a. versehen haben. Diese Anlage ist zumindest in Form Ihrer jährlichen Ausschüttung garantiert „flüssig“, denn die Zinsen werden in Wein ausbezahlt, den sich jeder Anleger zur Weihnachtszeit aus unserem aktuellen Sortiment zusammenstellen kann."

    • Domaine des Enfants, das zweite Start-up, setzt die Schwerpunkte etwas anders. Der Schweizer Marcel Bühler kommt ebenfalls aus dem Finanzbereich, geht aber fundamentalistischer und kompromißloser an die Sache heran. Er ist wirklich umgestiegen, hat Weinbau studiert, ist Winzer geworden und hat ein heruntergekommenes Gut in der Nähe von Maury im wildromantischen Roussillon wieder zum Leben gebracht.
      Statt von Kapitalanlage ist hier von "Selbstwerdung" die Rede. Zitat aus der Homepage: "Die Gründung der Domaine des Enfants entstand als Antwort auf eine persönliche Sinnkrise. Die Realisierung eines Traumes: Selbstwerdung, im Einklang mit sich selbst, anderen und der Natur zu sein. Dementsprechend sind unsere Weine das Resultat unseres Arbeitens in und mit der Natur. Die Liebe und Energie, die wir in die Pflege dieser kraftvollen und aussergewöhnlichen Rebstöcke investieren, gibt uns Ruhe und Zufriedenheit. Zu beobachten, wie diese genügsamen Pflanzen unter unserer Fürsorge erstarken und gedeihen, ist Belohnung und erfüllt uns mit Stolz. Mit unserer Arbeit wollen wir unsere Kreativität ausleben und etwas ausserordentliches Erschaffen, was uns und anderen Menschen Freude bereitet, sie einander und sich selbst näher bringt. Wir hoffen, mit unseren Weinen, unseren Ideen und Vorstellungen immer wieder neue Menschen anzusprechen und vielleicht auch zu berühren."  
      Das Ganze ist sehr ambitioniert, zum hohen Ton, der da gesungen wird passt die Preisgestaltung. Schon der Einstiegsrote  kostet 24 € und liegt damit im Bereich sehr guter Crus von der südlichen Rhone:
      2008 «L'enfant perdu» Vin de Pays Côtes de Catalanes rouge (14,5%). Cuvée von alten Grenache- und Carignan-Parzellen sowie Syrah, die 18 Monate in französischen Fässern verschiedener Grösse ausgebaut wird. Der "Kleine" gibt den Hausstil vor, komplexe Aromatik aber keine übermässige Extraktion und Restzucker. Keine weichen Kopfkissenkuschelweine, keine breiten Vanilleschmecker.
      Im Prinzip ist es die Richtung, die der große Roussillon - Erneuerer Gérard Gauby vorgegeben hat. Sein Flagschiff Mutanda setzte preislich für die Region Maßstäbe nach oben und brachte trotz mächtiger Konzentration auch Feinheit und Frische ins Glas.
      «Suis l'étoile» (48€) und «La larme de l'âme» (65€) sind die beiden Weine darüber, verwendet werden hier nur die wirklich alten, über 50jährigen Rebstöcke. Die Erträge und die damit verbundene Auflage sind entsprechend gering. Die Weine haben monolithische Kraft, sind dichte Weinwände, mit hoher Spannung aus Mineralik und Frucht. Erinnerten mich an die Großen aus dem Priorat, die es vor kurzem beim Priorat -Hammer in Bernburg gab (klick hier).

      Statt weiterer Gaumenlyrik zum Abschluß noch ein bißchen Etikettenpoesie der Domaine des Enfants:

      "wir fühlen uns innerlich leer. Wir sind zwar da, aber wir nehmen nicht wirklich am Leben teil, es vermittelt uns ein Gefühl der Irrealität. Grund ist das verlorene Kind in uns, welches dazu führt, dass wir keine Verbindung zu uns selbst haben. Das Überleben unseres Planeten hängt jedoch davon ab, zu begreifen und zu erfahren, dass wir alle eins sind. Dieses Gefühl der Einheit mit allem, was lebt, können wir erst dann spüren, wenn wir uns selbst als eine Einheit erleben."

    Berichte auch hier: NZZ

    Pferd Nina Das Maultier sorgt für gesunde, lebendige und durchwurzelte Böden


    02.04.2011

    Kork - Flasche

    Für alle Weinfreunde, die einen Korken wieder aus einer leeren Flasche holen wollen - ist ganz einfach:

    01.04.2011

    Ab heute Milch...



    Aus dem Weindeuter wird von heute an der Milchdeuter. Auf ärztlichen Rat muß ich auf unbestimmte Zeit eine Alkoholpause einlegen. Da mir aber das Bloggen großen Spaß macht, ändere ich deshalb den Gegenstand meiner Betrachtungen. Auch Milch ist ein facettenreicher Klassiker menschlichen Genusses. Auch erhoffe ich mir mit einem Milchblog, ich geb es gerne offen zu, etwas mehr Aufmerksamkeit als im überlaufenen Bereich der Weinbloggerszene.
    Vielleicht halten mir ja einige Stammleser weiterhin die Treue auch beim neuen Thema.