28.06.2010

Roséprobe - sinnlich...

Nein, ich bin keineswegs zum Nur-Rosé-Trinker geworden, aber es liegt nun mal in der (warmen) Luft: Rosé ist für mich der Sommerwein, kühle Frische gepaart mit Kraft, das rötliche Glitzern der Sonnenreflexe im Glas, es passt einfach.
Wie groß die Unterschiede beim Rosé sein können, wurde auf einer reinen Roséprobe in der Bodegas Rioja in Bochum deutlich. 
  • Prächtige Rosés aus der Provence von Chateau Ferry Lacombe, es gibt die Linien Haedus, Fidis, Naos und Cascai, durchweg feine, blütenduftige Charakterspieler ohne Aufdringlichkeit. 
  • Ganz anders der  Kraftstil, wie z. Bsp. beim Monastrell Rosado 2008, Vins de Comtat: sehr dunkel, körperreich, mit viel Fett und Schmackes. 
  • Patrick Carteyron vom Chateau Penin aus dem Bordeaux präsentierte gleich drei Rosés. Den einfachen, säurefrischen Excess Merlot 2009, den Cabernet-Sauvignon 2009 und den Clairet Merlot 2009. Schon an der Farbe wurden die Unterschiede deutlich. Während die ersten beiden nur ein paar Stunden Schalenkontakt haben, bleibt der Clairet ganze vier Tage auf der Maische. Ist schon mehr leichter Rotwein als Rosé. während die anderen schon tagsüber gut munden, bleibt der Clairet eher dem abendlichen Menü vorbehalten, wie Patrick Carteyron mit einem Schmunzeln sagte.

    alle Weine: Bodegas Rioja/Bochum
Rosé - Forschung im Centre de recherche et d ´ expérimentation sur le Vin Rosé in Vidauban/Provence

Schmeckt vor Ort natürlich (noch) besser: Roséprobe in der Provence 

27.06.2010

WM Rosé, die Zweite

Meine Zweifel vom vorherigen Post waren unbegründet: Rooney war ein Schatten seiner selbst, Nutella-Neuer hat den englischen Ball in seinem Kasten cool ignoriert und das Beste:
  • Eine Flasche Bouvet Ladubay Rosé "Tresor" (ab ca. 14€, z. Bsp. hier) wurde unverhofft und unabgesprochen zum Spielkucken mitgebracht. Rosaroter Sekt nach Champagnermethode von der Loire, völlig korrektes Erzeugnis mit Kraft und Länge. Die Flasche lag aber wohl schon länger herum, war relativ dunkel. Hatte aber eine angenehme Ruhe und Ausgeglichenheit im Trunk  - also durchaus passend für den Anlaß !

Deutschland - England - Rosé


Der Wein, der heute alles richtig macht: Kühle Erfrischung bei 30 Grad im Schatten, leicht mit nur 11,5%, sehr "süffig" durch schmeckbare Restsüße, trotzdem genug Frische drin - für 5€ herrlicher Saft aus der Pfalz ! Und dann diese Farbe - sehr gut, um das "Entscheidungsspiel" gleich gegen England auch dann noch wie durch eine rosarote Brille erscheinen zu lassen, wenn der katholische Malochertyp aus Manchester brutale Bälle in das schöne Tor vom "Schalker Jung" schiessen sollte...

25.06.2010

Rosé Fritz Keller Edition...

... gab es diese Woche bei Aldi - Nord. Nach dem Spätburgunder und dem Riesling vor einigen Wochen nun das Richtige für heiße Sommernachmittage und laue Abende (zum Hintergrund der Zusammenarbeit von Fritz Keller und Aldi bitte hier nachlesen).

  • Spätburgunder Rosé 2009 Baden Edition Fritz Keller (4,99€). Intensives Lachsrosa, deutlich frische Frucht in der Nase, schön beerig (him & erd), im Mund kein leichtes Wässerchen, entwickelt durchaus cremige Kraft. Gut für alle, die auch gerne Rosés aus dem Languedoc trinken. Die gibts allerdings auch schon für ein paar Cent mehr im Fachhandel, z.Bsp. den hier. Ansonsten eine klare Aldi-Empfehlung, falls man noch ein paar Flaschen aus Theos Regalen abkriegt. 

24.06.2010

Pompaelo Weine...

...aus dem Navarra sind das Produkt einer deutsch-spanischen Zusammenarbeit und ein schönes Beispiel dafür, daß man weder Weinberge noch eine Kellerei sein Eigen nennen muß, um guten Wein zu machen. Björn Steinemann und der Weinmacher Alberto Flamarique kaufen selektionierte Trauben und nutzen die Einrichtungen einer befreundeten Bodega für ihre Pompaelo Weine. In der Weinhandlung Rolf Kaspar in Essen gab es Gelegenheit, diese im Rahmen einer kleinen Probe kennenzulernen.
  • Der Weiße Pompaelo 2009 (6,95€) ist der 1. Jahrgang, Chardonnay mit 30% Moscatel ergeben einen angenehm frischen Wein mit lebendiger Säure, gute Länge.
  • Der rote Pompaelo 2008 ist ein Blend aus Cabernet-Sauvignon, Tempranillo und Merlot, nur kurzer 4-monatiger Barriquekontakt (Semi-Crianza). Der Wein überrascht für den Preis (6,95€): Dunkelfruchtiger Vollschmecker, richtiger Stoff mit Zartbitterschoko. Sehr gut.
  • Die Pompaelo Crianza 2005 (Blend wie oben, 12 Monate Barrique, 8,95) erinnerte mich in der Nase etwas an scharfe Tomatensoße mit Curry, wie die Gute zur Dönninghaus Currywurst. Die 5 Jahre merkt man dem Wein nicht an, noch sehr kraftvoll, spicy.
Björn Steinemann nutzt seine Berufserfahrung im Weinmarketing auch, um weitere Weine unters Weinvolk zu bringen. Zwei davon, die es wirklich in sich haben, wurden auch noch aufgezogen, beide vinifiziert von Norrel Robertson, einem Master of Wine mit Sitz in Spanien. Der ist Schotte und bekannt als “El Escocés Volante” (The Flying Scotsman). Die EL PUÑO Weine stammen aus der D.O. Calatayud.
  • EL PUÑO Weiß 2009 (Viognier, 16€): Dicke Flasche, dicker Wein aus der Viognier Traube. Goldgelb, cremiger Mundfüller mit 14% Alkohol, nichts für Freunde harmloser Erfrischungsweinchen sondern für solche, die vor einem weißen Chateauneuf oder eben ähnlich gehaltvollen Viogniers von der nördlichen Rhone nicht zurückweichen.
  • EL PUÑO Rot 2007 (Garnacha 18,95€): 100-jährige Garnacharebstöcke aus Höhenlage ergeben einen wilden Wein mit 15%. Kein Schmeichler, kein weicher Vanille-Darling, kernig-kleinbeerige Frucht, Mineralik, nicht fett aber trotzdem mit viel Tiefe. Erinnert eher nicht an weichfruchtige Grenachebomben von der Südrhone, hat  die "kühle" Intensität eines Nordrhonesyrahs - sehr gut.
Die Etiketten der beiden sind übrigens auch klasse, Zitat bei Lovely Package:
“A brand new wine from Spain named EL PUÑO. Inspirated in the 1930s street graphics of political protest. (The winery was founded in the middle 30’s during Franco’s dictature, and their walls were hand painted with this kind of graphics).”
Weiteres zu den Weinen hier bei Genußbereit und bei Dirk Würtz (Video).
Björn Steinemann und die drei Pompaelos

23.06.2010

Weinprobe Türkei

Mit Liebe und Sorgfalt geführt: Alis Pamukkale-Grill in Dortmund -
am 21. Juni auch Türkische Weinzentrale. 

Die Türkei steht in der Traubenproduktion weltweit auf Platz drei und hat fünfmal mehr Rebfläche als Deutschland. Davon werden aber nur wenige Prozent für den Weinbau verwendet, die große Menge wird als Tafeltrauben gegessen oder zu Rosinen verarbeitet. Der Weinkonsum liegt heute nur bei einem knappen Liter pro Kopf und Jahr. Dabei hat das Land eine uralte Weinbau-Tradition, schon im 4. Jahrtausend v.Chr. gab es kultivierte Rebflächen in Anatolien. Außerdem ließ sich ja auch schon Noah dort als Winzer nieder, nachdem er mit seiner Arche nach der Flut auf dem Berge Ararat gelandet war. In der osmanischen Periode war es dann nur den christlichen Minderheiten erlaubt, Wein zu produzieren. Erst unter dem als Weinliebhaber bekannten Kemal Atatürk nahm in den 1920er Jahren der Wein in der Türkei wieder einen gewissen Aufschwung, die auch heute noch existierenden Großbetriebe wie Doluca und Kavaklidere wurden in dieser Zeit gegründet. Kleine, individuell arbeitende Winzer gibt es bisher so gut wie nicht. Dabei sind die Voraussetzungen für einen neuen Schub gegeben. Terroir und klimatische Bedingungen sind vielfältig und günstig, eine westlich orientierte Mittelkasse wäre möglicherweise von mehr Weinkultur zu begeistern.
Auch bei uns ist türkischer Wein klar ein absolutes Nischenprodukt. Wir Weinfreunde hier sind ja durch das Angebot völlig übersättigt, selbst lange angekündigte Aufsteigerländer wie Ungarn, Rumänien, Kroatien etc. haben es da schwer. Eine Möglichkeit für Türkweine wäre jedoch in Deutschland die türkische Gastronomie mit ihren würzigen Speisen, besonders auch diejenige, die die Finessen der orientalischen Küche herausstellt.
Eine Probe aktueller türkischer Weine mußte deshalb natürlich in einem kulinarischen Umfeld stattfinden, in einem für den Ruhrpott typischen Döner-Grill. Auch da gehört türkischer Wein hin (in jeder  Pizza-Bude steht doch italienischer herum, meist von unterirdischer Qualität). Schließlich ist die türkische Küche eine der Säulen der heutigen kulinarischen Landschaft der Ruhrgebiets. Näheres dazu hier im kulinarischen Manifest des Genießers. Acht Weine wurden im Pamukkale-Grill im Dortmunder Kreuzviertel verkostet, darunter das absolute Flagschiff "Corpus", der mit einem Verkaufspreis von 39€ teuerste Wein aus der Türkei:

  1. "Sultaniye-Emir" 2008 DLC Doluca (alle DLC Weine 8,40€). Einstieg mit einem Weißen aus der Ägäis, kräftiger Wein aus der Sultaniye Traube, hat was harzig-kräuteriges, kommt knackig-trocken mit Charakter, gut.
  2.  „Legend“ Villa Doluca aus der autochthonen türkischen Rebe Ökügözü, zu deutsch „Ochsenauge“, Alicante und Carignan (Real, ca. 3 Euro). Die Einstiegslinie von Doluca, mehr drin als erwartet. Frische Säure, etwas kurz, aber saubere (kleine) Frucht, zu einfachen Grillgerichten absolut korrekte Trinkbarkeit.
  3. "Öküzgözü" 2005 DLC Doluca - Zentralanatolien. Nochmal das "Ochsenauge", diesmal aus der DLC Linie von Doluca. Leider fehlerhafte Flasche, braune Farbe, Madeiranase, der Wein war dem Oxy-Dativ anheimgefallen.
  4. „Boğazkere“ 2005 DLC Doluca aus der Traube Boğazkere, auf deutsch „Der im Hals kratzt“, aus Südostanatolien (Türkischer Weinversand, ca. 8 Euro). Sehr viel Frische drin, klare kirschige Frucht, sehr lebhaft, der Wein macht seinem Namen alle Ehre. Erinnerte mich an einen spanischen Monastrell. Gute Länge.
  5. "Kalecik Karasi" 2005  DLC Doluca - Ostanatolien. Eine alte Rebsorte, die schon die Hethiter getrunken haben. Leichte Reife, mehr Süße und Schmelz, kraftvoller beeriger Wein, mein Favorit in der DLC Reihe.
  6. "Angora" 2008 (Cabernet-Sauvignon/Kalecik Karasi) von Kavaklidere - Ägäis (3,98€). Schöne Fruchtnase, man merkt durchaus den Cabernet, im Mund Paprika. Modern gemachter kleiner Türk-Bordeaux für kleines Geld.
  7. „Anfora“ 2006 von Pamukkale Sarapclik aus Öküzgözü und Boğazkere (aus dem türkischen Restaurant „Tablo“ in Essen, 10,45€) Durchaus "viel Wein": Lilafarben, dunkel, kleiner Stinker in der Nase,  Gerbstoffentwicklung im Mund, Kraftbursche, gut.
  8. "Corpus" 2005 von Corvus (Merlot/Syrah/Cabernet-Sauvignon) Ägäis (39,90€). Wir waren gespannt, hohe Erwartungen wurden durch den Preis geweckt. Der "Corpus" kommt nicht von einem Großbetrieb, sondern ist ein Projekt des Istanbuler Architekten Resit Soley, der auf der Insel Bozcaada in der Nordägäis mit seiner Kellerei Corvus ergeizige Qualitätsziele verfolgt. Der "Corpus" ist das Spitzengewächs aus internationalen Rebsorten, ausgebaut in französischer Alliereiche. Und was soll man sagen - so schmeckt der Wein auch. Eine dichte warme Woge Wein, reichhaltig mit süßer Frucht, viel Vanilleschmelz und Tabak, üppig ausgestattet wie der Harem eines osmanischen Sultans. Erinnert natürlich an ähnlich angelegte Gewächse, spontan fiel mir da der Montiano von Falesco ein, auch ein Merlot von intensiver Machart. Aber was solls, der Wein ist klasse und schon aufgrund seiner Herkunft originell.
Die meisten Flaschen der Probe gibt es beim Türkischen Weinversand in Bochum, die haben eine große Auswahl. Auch hochwertige Rakis können dort bestellt werden. Zur Probe auch hier Berichte bei Genußbereit und beim Mahlzeitblog. Weitere links zu "Türkei + Wein" hier:
8 Weine - 4 Verkoster: Mahlzeitvogel, Weindeuter, Genießer,
Chefkoch Jan von der Siedlerklause

22.06.2010

Kommt bald...

...hier. Die Themen stauen sich, ich hab zu wenig Zeit zum posten, Geduld...
  • Roséprobe in der Bodegas Rioja
  • Fritz Kellers Aldi - Rosé
  • Große Weinprobe "Türkei" in Dortmund
  • Persische Trauben nach Südfrankreich ?
Weinprobe "Türkei" im Pamukkale 

21.06.2010

Ein schönes Etikett...


...was ganz gut in die Reihe "Weinerotik" passt, wurde mir zugemailt (dank an den Priorat-Hammer): 
Der Ocho 2003 vom Weingut Bodegas "La Vinya del Vuit" im Priorato. Da wechseln die (Künstler)etiketten jährlich, so wie bei Mouton - Rothschild. Die hatten ja in den USA Ärger mit ihrem für den 93er Jahrgang von Balthus gestalteten Etikett, auf dem unschuldige Nacktheit zu sehen war - hier beim Ocho geht es da ganz anders zur Sache...
Der Wein ist übrigens ein seltenes und hochwertiges Gewächs, zu 95% aus Carinena vinifiziert, eine Mikro -Cuvée mit  nur 2000 Flaschen Auflage im 70€ Bereich.

20.06.2010

Extraschicht - Wein


Jedes Jahr im Ruhrgebiet findet das Kultur-Event "Extraschicht - Die Nacht der Industriekultur" statt, überall gibts zwischen Duisburg und Hamm jede Menge Kunst zu kucken: Aufführungen, Austellungen, in die Landschaft gestellte Objekte. Besonders beliebt hier auch bunt beleuchtetes Gedöns aus der Montanzeit und in farbige Tücher gehüllte Stelzenläufer, beides gehört inzwischen zur kulturellen Ikonographie im Pott, wie die Soße auf die Wurst.
Auch der Weindeuter hat sich mal eingereiht und schnell erfahren, warum das abendliche Treiben auch  "Extraschicht des ÖPNV" genannt wird - man fährt viel mit Bus und Bahn und steht auf zugigen Bahnsteigen herum. Aber das kann natürlich alles nicht schrecken, wenn ein guter Wein mitgeführt wird. In diesem Fall mußte es ein robuster Roter sein, nichts kompliziertes aber doch intensiv genug, um im Trubel auch herauszuschmecken. Natürlich bot sich da Pierre Clavels "Le Mas" einfach an (seit 2007 mit praktischem Schraubverschluß). Er wurde geöffnet im Schiff auf dem Rhein - Herne - Kanal zwischen Nordsternpark und Gasometer Oberhausen und bewies wieder mal seine Klasse mit animierender Frucht und viel warmer Lakritzwürze, auch aus den Plastikkelchen einfach klasse.

Hier machen 200 Kulturfreunde gerade einen Bus kaputt, wegen Achsüberlastung mußte der in die Werkstatt. Ansonsten natürlich Stelzenläufer und Beleuchtetes, rechts unten Theaterboot auf dem Rhein-Herne-Kanal.

19.06.2010

Roter von der Rhone


Das war ja wohl nix, das mit bzw. gegen Serbien. Die waren doch ziemlich tough, Jogis Jungs am Ende mutlos. Lag es an der salzhaltigen Meeresluft ? Als Wein mußte jedenfalls etwas sanftes, beruhigendes her, geöffnet wurde nach dem Spiel (wieder einmal) ein Roter von der Rhone. Der half, WM-bedingte nervöse Verspannungen zu lindern. Weiteres zum Drumherum hier.
  • "Les Becs Fins" 2008 CdR von Tardieu - Laurent (Grenache/Syrah, ca. 11€, z. Bsp. hier). Tardieu - Laurent ist ein Handelshaus, ein Negociant mit Sitz in Südfrankreich. Unter der Leitung von Michel Tardieu werden sowohl von der nördlichen (Hermitage, Cote Rotie etc.) wie auch von der südlichen Rhone (Gigondas, Ch9dP etc.) Weine selektiert und mit großem Aufwand ausgebaut. Insgesamt eine beindruckende Palette, international nachgefragt, preislich und qualitativ immer ziemlich weit oben mit dabei. Dies ist sozusagen der Einstiegswein, für das Haus aber typisch: Trotz aller Dichte sehr gerundet und fein, kein Charakterbursche mit Ecken und Kanten, eher ein Schmeichler, der seine Kraft (auch Alkohol, 14,5%) auf sanfte Art bändigt. Im Video unten werden der Wein und das Weingut vorgestellt.

18.06.2010

Rauchen = gesund

Nach dem Fruchtsaft noch mal ein themenfremder Post. Hat aber auch mit Genuß zu tun. Wer raucht denn heute noch ? Wir Weinfreunde wohl eher selten. Für alle anderen hier mal was, so seltsam, daß ich es reinstellen muß: Vitasmoke - die elektrische Zigarette. Ein hochkomplexer Mechanismus in Form einer normalen Zigarette, aber  ohne Teer, ohne Tabak, ohne Glut und ohne Asche, dafür mit Glutlicht an der Spitze. Für Neugierige + Süchtige hier klicken.
Die Vorteile (Zitat):

"Gesundheit: Bei VitaSmoke entstehen keine toxischen Verbindungen durch die Verbrennung von Tabak. VitaSmoke ist völlig teerfrei! Man inhaliert Wasserdampf mit einem gewünschten Aroma und bei Bedarf auch Nikotin.Bares Geld sparen: Mit VitaSmoke können Sie bares Geld sparen. Ein Raucher mit einem Tagesverbrauch von 1 Päckchen Zigaretten kann bis zu 1.000 € im Jahr sparen. Rauchen in Kneipen, Restaurants und öffentlichen Gebäuden: VitaSmoke ist kein Rauchen im klassischen Sinne und fällt damit nicht unter das Rauchverbot."


Fotos: VitaSmoke GmbH

17.06.2010

Merlot = gesund


Kleine Weingenußpause, trotzdem einen schönen Merlot trinken ! Das geht, mit dem 100% Direktsaft aus der Merlot Traube von Rewe (2,49€). Die Kette bietet zur Zeit über 120 Produkte, vom englischen Karamellbonbon bis zum apulischen Chilipesto, unter dem einheitliche Label "Rewe Feine Welt" an. Durchweg abgepackte Sachen, in z.T. aufwendigen, hell gehaltenen und  mit viel Golddruck aufgewerteten Verpackungen. Lustig sind auf den Seiten die Videos, in denen zwei "Genußscouts" (ein Dicker und ein Dünner) durch die Welt reisen.
Bei Traubensaft muß ich sonst immer noch an Rotbäckchen denken, der Wundersaft, um krankheitsgeschwächten Kindern wieder Kräfte einzuflößen (gibts noch, mittlerweile als "Immunstark" oder "Knochenstark"). Beim Rewe - Merlotsaft sollen wohl auch Weintrinker durch die betonte Rebsortenreinheit  angesprochen werden. Und was soll ich sagen, es schmeckt natürlich: Sehr frische Traubennase, saftig-süß mit kleiner Säurespur. Außerdem gut für den Körper, Saft von roten Trauben ist ja angeblich der gesündeste Fruchtsaft.
Ansonsten kein Anlaß zur Besorgnis, hier gehts natürlich weiterhin um Säfte, deren Trauben nach der Pressung einem Gärvorgang unterzogen werden !

15.06.2010

"Bulletproof" Cabernet aus Chile


Nach der schönen Mätresse wurde eine äußerst hässliche Flasche geöffnet, vielleicht die hässlichste der Welt. Auf jeden Fall eine mit überbordendem Machismo, was ja zum Inhalt  der Flasche passt, es war nämlich Cabernet-Sauvignon aus dem chilenischen Maule Valle drin. Die als "durchschußsicher" (bulletproof) deklarierte Flasche wäre sicher auch passend für Weinproben an Schauplätzen des Drogen-Kriegs wie Ciudad Juárez in Mexiko, wo allein im letzten Jahr 2700 Morde registriert wurden.
Chilene mit Panzerung

14.06.2010

Die Mätresse

Lecker zur Vorspeise,  einem leichten Ziegenfrischkäsetürmchen mit eingeschichteten Feigen

Gestern gabs was was "sinnliches", einen Rosé - Sekt aus der Provence, oder wie der Franzose schöner sagt, ein "vin mousseoux de qualité-méthode traditionelle": La Maitresse von Le Grand Cros.
Das Weingut liegt versteckt zwischen Carnoules und Besse sur Issolles im ruhigen Hinterland des Departement Var, ungefähr 25 Kilometer von der Küste entfernt. Ein stattliches Anwesen (Alterssitz von Hugh Faulkner / kanadischer Politiker) mit schönem Verkostungsraum und angeschlossener Kunstgalerie. Ein Besuch lohnt sich da, die Weine sind durchweg erstklassig. Die Top-Linie erscheint unter dem Namen Nectar : Der Rote basiert auf Cabernet-Sauvignon, der Nectar-Blanc aus Semillion ist ein intensiv duftender provencalischer Blütenstrauß.
  • Der Prickler, "Die Mätresse" aus Grenache, Syrah, Semillon und Chardonnay wird klasssich einer Zweitgärung in der Flasche unterzogen und ist bei aller Beschwingtheit ein richtig seriöser Stoff, der gut ein paar Jahre im Keller liegen kann, wie die letzten zwei der im Jahr 2007 vor Ort gekauften Flaschen jetzt zeigten. Tief lachsfarben, die Nase schon etwas weg von fruchtig-frischen Noten, hat Eleganz und Tiefe.
Le Grand Cros im Hinterland des Var 

11.06.2010

Us de Kap


Heute geht das ja los, in Südafrika. Keine Angst, jetzt kommt nicht dauernd ein WM - Wein, dazu packt es mich dann doch nicht genug, die Sorge um Jogi, Poldi, Schweini. Und ob sie es schaffen, uns emotional zu entlasten oder im Strudel der Krisen nur eine weitere Krise anrichten, die Fußballkrise eben - abwarten und Wein trinken. Hier ist einer, der schon mal unsere Perspektiven mehr in Richtung Optimismus lenkt: Ein Südafrikaner mit Wurzeln im schönen Dernau an der Ahr. Von da zog nämlich Werner Näkel von seinem Weingut aus in die Welt, das kleine Ahrtal war ihm wohl etwas eng geworden, um auch anderswo Wein zu machen: In Portugal und in Südafrika.
  • "Us de Kap" Shiraz 2008 Meyer-Näkel Südafrika (9,99€) Schon eine gewissen Exotik, "Western Cape" und "D-53507 Dernau" auf dem schönen Etikett zu lesen, das macht mich als Ahrfahrer an. Zum Inhalt vorweg im Urteilsstil: Der Wein ist absolute klasse ! Sehr dichte dunkle Fruchtnase mit einer frischen Attacke. Auch im Mund ein Gleichgewicht aus belebender Frucht und Kräuterwürzigkeit mit schönem Syrahpfeffer. Das "Barriqueküßchen" kommt mit etwas Zartbitterschoko auch noch, gute Länge. Alles richtig gemacht und für unter 10€ preislich korrekt.

10.06.2010

In die Aldi - Lidl Regale...


Si: 5€ Ribera vom reichen Theo

...drängen immer häufiger Weine aus renommierten spanischen Weingebieten. Sicher, den billigen dünnen Rioja hat es da immer schon gegeben - aber Priorato und Ribera del Duero für unter 5€ ? Im Ergebnis wohl der Abverkauf von Überproduktion in den Boom - und Moderegionen der letzten Jahre. Zwei aktuelle Vertreter:
  1. Vinya Carles Crianza 2005 Priorat (Lidl 4,99€), der Erzeuger bleibt anonym. Schon in der Nase eher verhalten, höchstens ein "verwaschenes Früchtchen", im Mund macht er sich zwar breit, es dominiert aber der Alkohol (14,5%) mit einer brandigen Schärfe, die überhaupt nicht durch reife Fruchtsüße gepuffert ist. Macht keinen Spaß. Zum Wein und  seiner Herkunft hier auch was beim Priorat-Hammer.
  2. Vina Carpio Tempranillo Crianza 2006 Ribera del Duero (Aldi Nord 4,99€). Hier sieht es etwas anders aus, Weine der Finca el Carpio, dahinter steht die Bodega Funtespina aus Burgos, gibt es z.Bsp. auch in Martin Kösslers "Weinhalle" oder im Casino Zollverein in Essen. Fachhandelsware also, die hier den Weg zum  reichem Theo gefunden hat. Moderne Aufmachung, der Wein duftet nach Pattex und gequetschter Plaume (= lecker), im Mund etwas Fruchtschmelz mit Vanilleschwänzchen, Alkohol steht allerdings auch hier etwas verloren in der Gegend rum, insgesamt kein absoluter Treffer, für 5€ aber korrekt. 
    Gegen solche Weine im Discount kann man nichts sagen, sie brechen eigentlich auch nicht ins Revier des Fachhandels ein. Dafür gibt es davon pro Filiale einfach zu wenig, die sind schnell weg. Wer daran gefallen findet, muß dann zum Weinhändler...
No: 5€ Priorat vom reichen Dieter

07.06.2010

Rotwein gegen Sonnenbrand

Passt gut zum letzten Post "Drei Rote, hitzeerprobt": Ein Artikel aus der Ärztezeitung weist auf die dermatologisch schützende Wirkung der im Rotwein enthaltenen Polyphenole hin. In einer Studie wurden Testpersonen Chateauneuf-du-Pape Proben verabreicht...hier.

"Rotwein - auch ein Sonnenschutz für die Haut


Links der Weindeuter mit Sonnenbrand, das ganze aber im (Rot)weingebiet Bandol in der Provence - Melanomgefahr also gemindert ! 

Drei Rote, hitzeerprobt

Draußen dreimal Rhone...

Nichts gegen Rosés und frische kühle Weiße, aber auch bei den hochsommerlichen Temperaturen stand mir der Sinn nach Rotwein. Reine Lust, pure Emotionsentscheidung, an drei Tagen mal nur Exemplare von der südlichen Rhone aufzumachen. Alle drei haben die Hitzeprobe jedenfalls bestanden, in doppeltem Sinne: Sie wurden alle am Grill getrunken, denn bei einem solchen Wetter wird natürlich im Garten gegart.
  1. "Marselan" 2007 der Domaine Chaume Arnaud (ca.6€). Ungewöhnliches Etikett, ungewöhnlicher Wein: Marselan ist der Name einer Rebneuzüchtung aus Cabernet-Sauvignon und Grenache Noir, erst 2002 wurden die ersten Weine sortenrein gekeltert. Der Charakter liegt auf gerbstoffreicher, frischer Frucht mit merklicher Säure. Darum gibt der Winzer hier eine Temperaturempfehlung von 12 Grad (!). Hält man sich dran, hat man einen tieflilafarbenen, enorm frischen und lebendigen Tropfen mit nicht zu viel Alkohol im Glas, der ideale Sommer-Terassen-Balkon-Garten-Rotwein !
  2. Der Wein im Bild in der Mitte war ganz was anderes: Domaine de Tours VdP 2006 (ca.9€), der einfache Basiswein aus dem Hause Reynaud (auch Ch. Rayas), eine klassiche Südrhonemischung aus Grenache, Counoise, Syrah, Cinsault und Merlot. In der Farbe recht hell, entwickelte Nase, duftig erdbeerig, im Mund sanfte feminin fließende Frucht. Passte gut zum milden Straußensteak.
  3. Der dritte war der Beste: Domaine La Loyane 2007 aus Lirac, auch hier der Basiswein, der einfache Cotes du Rhone. Und der kann schon was, wieder ein Beweis, das von der südlichen Rhone um Avignon herum Weine kommen, bei denen das Preis-Genußverhältnis einfach stimmt. Sehr warme und reife Frucht, satter breiter Schluck, man schmeckt den Top-Jahrgang 2007. Dies war so eine Flasche, aus der der Wein einfach verdunstet, trotz kleiner Gläser, es wurde auswärts verkostet.
    Der Wein hatte mir schon im kalten Februar geschmeckt...hier
    6,90€ z. Bsp. bei Julius Meimberg/Herne

05.06.2010

Wein und Sex...

...dazu hab ich mich hier ja auch schön mal versucht, ein Thema mit jeder Menge kulturanthropologischer Verwicklungen. Schön, auch woanders darüber zu lesen. Der Weinblogger Captain Cork (Wiener, in Berlin lebend mit eigenem Weinberg in der Toskana) hat  mit Lena, Karen und Rebecca gesprochen: "Wer weiß, daß es bei Champagner Jahrgänge gibt, der kennt sich auch in Liebesdingen besser aus". Für Weiteres hier klicken.

Italiener...

Links die Giacosas, in der Mitte schenkt Luis Raifer großzügig ein

...sind in diesen Weindeutungen hier unterbelichtet, kommen (zu) wenig vor. Dabei ist der Stiefel zwischen Bozen und Bianco doch voll mit Reben, überall werden Trauben zu Wein. Die Italienprobe in der Weinzeche Essen bot Gelegenheit den "Italiengeschmack" aufzufrischen, einen Geschmack, den es natürlich gar nicht gibt. Eher ein Nord-Süd Gefälle, wie auch in Frankreich. Unten die sonnenverwöhnten Fruchtschmecker aus Apulien, Kalabrien, Sizilien - ein riesiger Weinsee mit viel Masse und in letzter Zeit mit Marketing und Design hochgebrachten Weingütern in der "unter 10€-Klasse". Zu den traditionellen Rebsorten Primitivo, Nero d ´Avola, Negroamaro gesellen sich gerne auch  Merlot und Syrah. Beispiele hierfür: Di Giovanna aus Sizilien.
  • Ich hab eher ein paar Klassiker aus dem Norden probiert. Die Südtiroler Weinlegende Luis Raifer persönlich schenkte Weine "seiner" Genossenschaft Schreckbichl/Colterenzio aus. Viel Ausdruck in der Nase (Blumenwiese/Stachelbeere) der Sauvignon Blanc "Prail" 2009 (12,90€), auch der Altkirch Chardonnay 2009 ein M;uster. Das können sie, mit den internationalen Rebsorten umgehen, das war die Renaissance für den Südtiroler Wein. Bei den Roten dann aber die örtlichen Rebsorten, der süffig leichte "Menzenhof" Vernatsch  2008 (11€) und die beiden Lagrein "Grieser" 2008 (11,50€) und "Mantsch" Riserva 2006 (17,90€): Weine ohne Übertreibungen, feinfruchtig in Nase und Mund, sanfte Gerbstoffe.
  • Zwei Klassiker aus dem Veneto: Ca Morandina Ripasso 2007 und Ca Morandina Amarone 2006 (49€). Vor allem der Amarone kein Tropfen, an den man angesichts des Wetters gerade denkt bei seinen 16% Alkohol. Enorme Tiefe und Konzentration, kein breiter lauter Klotz, der Wein ruht wie ein sanfter See im Glas, herrlich.
  • Dann kam Bruno Giacosa: "Falletto" Barolo 2004 (120€)  und der "Asili" Riserva  Barbaresco 2004 für immerhin 199€ die Einheit, beides Weinmonumente vom Klassiker aus dem Piemont. Überraschend zugänglich und offen, feine süße Frucht mit exotischer Würze, wie ein Chutney, dabei aber das Gegenteil von Dicke und Breite. Hier läßt man sich natürlich immer etwas durch den Preis einschüchtern, dagegen kann man gar nix machen. Diese Nebbiolos spielen aber unter den europäischen Premiumweinen ganz oben mit, muß man mal probiert haben um zu merken wie "konzentriert geht" ohne Holz-Frucht-Orgie. In dieser Hinsicht sind sie hochwertigen Burgundern verwandt.

04.06.2010

Naturwein


"Vin issu de raisins cultivés sous la bonne étoile" - das steht auf dem Etikett und ist schön. Wer möchte das nicht haben, einen Wein aus Trauben, "die unter einem guten Stern" kultiviert wurden. Ich will jetzt hier gar nicht viel über Biowein, biodynamisch erzeugten Wein etc. schreiben. Für Biowein gibt es gesetzlich vorgeschriebene Mindeststandards und Bio-Zertifizierungen (in Frankreich ecocert), die Biodynamie geht weiter, streift und überschreitet die Grenze zur Esoterik, und erzeugt dabei vielfach Großartiges. Auch wenn nix auf der Flasche steht, richten viele seriös arbeitende Winzer weltweit mittlerweile ihre Methoden nach Bioan-und Ausbau. So macht es auch Sebastien Vincenti mit seiner Domaine Fondreche vom Mont Ventoux/Südliche Rhone mit seinen Weinen. Es sind kraftvolle und fruchtdichte Gewächse, mittlerweile hochbepunktet und unter Liebhabern gesucht. Selbst die Syrah-Spitzencuvée "PERSIA" ist mit 16€ preislich dabei noch absolut im Rahmen.
  • Seit ein paar Jahren gibt es im Programm den "NATURE", ein kleiner Charakterkopf mit Eigenheiten. Erstmal die Mischung: 50% Mourvedre, 30% Syrah, 20% Grenache. Der hohe Mourvedre Anteil sorgt für Straffheit und Mineralität in diesem lilafarbenen Jungspund, alles ist sehr knackig-frisch. Kein breiter warmer Kakaoschmecker, der Wein kommt mit einer rustikalen Herbheit, die den Gaumen wach macht. Gut, ihn ein paar Grad kühler zu trinken, max 16 Grad. Der Alkoholgehalt, auch das ein Unterschied zu vielen Südfranzosen (und auch den anderen Fondreche-Weinen), liegt niedriger bei 13%. Der Winzer geht beim Ausbau des "NATURE" anders vor, er vinifiziert passiv und verzichtet auf die Zugabe von Schwefel. Probiert den Wein mal, gerade im Sommer draußen (Stichwort Grillwein) ist er klasse. "NATURE" z.Bsp. hier für 8,50€.

03.06.2010

Ahrkönigin

Wer hier öfter kuckt weiß, daß ich die Ahr klasse finde. Nicht unbedingt als Fluß, aber doch als Weinbaugebiet. Es ist von meinem Standort in 1 1/2 Stunden zu erreichen, da kann man sich ab und an mal unter die Reben mischen. Ich hab links die Posts zur Ahr mal in einer eigenen Seite zusammengefasst.
Eine schöne Meldung zur Ahr hab ich erst jetzt mitbekommen, die neue Ahr-Gebietsweinkönigin wurde gekürt:
Alina Bäcker, 19 Jahre alt, aus Mayschoß. Ihre Eltern sind Nebenerwerbswinzer, im Weinberg half Alina schon in jungen Jahren mit. Im August 2009 begann sie eine Ausbildung bei der Winzergenossenschaft Mayschoß.
Eine schöner Ahr-Wein-blog ist übrigens hier: Arme Winzer.

Mandy Großgarten (rechts), Ahr-Gebietsweinkönigin 2009/10, setzt ihrer Nachfolgerin Alina Bäcker das Krönchen auf

02.06.2010

Weinseminar Baden: büffeln und süffeln


Die zukünftigen Winzer studieren in Geisenheim und der Weinhandelsnachwuchs drückt die Schulbank z.Bsp. in der Weinakademie Berlin um da WSET-Zertifikate zu erlangen. Dagegen könnte sich der reine Weingenießer eigentlich ganz vorbehaltlos seinem Lieblingsgetränk hingeben. Doch weil auch für ihn die Welt des Weines in ihrer ganzen Bandbreite so vielfältig und unübersichtlich ist, gibt es auch für die Weinkonsumenten kommentierte Proben, Kurse, Weinseminare. Meistens geht es da harmlos locker zu, der Weingenuß und, wenn Händler die Veranstalter sind, der Weinverkauf stehen im Vordergrund.
Mit mehr Anspruch ging es vor ein paar Tagen bei einem Weinseminar der Weinhandlung Rolf Kaspar in Essen zur Sache. Axel Biesler betrieb über 3 Stunden intensive Konsumentenschulung, verteilte "Arbeitsblätter", animierte zum intensiven Riechen und Schmecken und forderte von den Teilnehmern Statements zu den probierten Weinen ab. Dabei war wieder mal schön zu sehen, wie sehr die Sinneseindrücke und deren Beschreibung bei ein und demselben Wein auseinandergingen.
Probiert wurden immer paarweise je 5 Weiß- und Grauburgunder von 5 badischen Winzern: Landerer, Köbelin, Bercher, Ebringen, Ziereisen. Dabei schlug erstmal der Sortencharakter der beiden Rebsorten grundsätzlich durch: die Weißburgunder eher auf der fruchtigen Seite mit mehr Frische und Säure, die Grauburgunder cremiger, dichter, mehr Körper und "Fett". Vor allem die am Schluß präsentierten Weine vom Schloßgut Ebringen  und von Ziereisen zeigten auch sehr schön unterschiedliche Winzerphilosophien.
  • Die beiden Ziereisens (Weißer Burgunder 2008 und Grauer Burgunder 2008):  Eher schlank und straff, auf Mineralik fokussiert, der Weißburgunder mit einem kleinen Stinker in der Nase. Diese spontanvergorenen Weine aus dem Markgräfler Land erschienen mir im direkten Vergleich zwar als differenzierte Gewächse für "Weinintellektuelle", mehr Spaß haben mir an diesem Abend zu später Stunde aber die Ebringer gemacht.
  • Ebringens Weißburgunder 2007 (frankophil als Pinot Blanc) mit satter gelber Frucht, Schmelz und Alkohol. Der Grauburgunder 2008 (Pinot Gris) ein Vollschmecker, vom Barrique geprägte Aromatik mit Rauch, Speck und Vanille, Opulenz, im Mund fetter Schmelz.
Die Seminare mit Axel Biesler (sehenswerte Hompage "DIEWEIN") werden fortgesetzt, der nächste Termin ist der 1.Oktober, Thema sind dann Rotweine aus dem Languedoc/Roussillon. Zur Veranstaltung auch hier beim Genießer.

alle Weine Weinhandlung Rolf Kaspar / Essen

Badische Gewächse, lehrreiche Seminararbeit