27.03.2010

26.03.2010

Lidl Wein

2 Italiener mit großen Schildern


Ja, liebe Lohas und Scuppies aufgepasst, hier kommt mal wieder was über Wein vom Discounter, sogar von Lidl. Meinem Aufruf "Keine Euros für den ausbeuterischen, mitarbeiterbespitzelnden und in frühkapitalistischer Selbstherrlichkeit auftretenden Schwarz-Konzern" bin ich untreu geworden, aus reiner Chronistenpflicht...
Lidl versucht ja sein Image mit einer Genusskampagne hochzupushen (Genuß mit Stern). Beim Wein gibts jetzt das Label "Viajero = Der (Wein)reisende". Zitat:
"Das Viajero-Weinprojekt bringt für Lidl weltweit renommierte Weinmacher mit führenden Weinexperten zusammen. Das Ziel: Unseren Kunden besonders hochwertige und außergewöhnliche Weine anzubieten…"
Lidl kauft offenbar nicht nur ein, sondern mischt auch schon beim Produktionsprozess mit und läßt unabhängige Prüfinstitute ran. Das ganze wird auf dieser Seite ausführlich dargestellt. Die beiden ersten "Viajero-Weine" kommen aus Italien, einmal Nord, einmal Süd, haben große Schilder und ein "sehr gut" - Siegel von Meininger um den Hals. Soweit das Marketing - wie schmecken die beiden ?
  1. 2007er Valpolicella Classico Superiore Ripasso (7,99) der Tenuta Pule, ein 80ha Weingut mitten im Valpolicella Gebiet östlich des Gardasees. Der Wein ist geschmacklich vollkommen in Ordnung, schöner feiner Fruchtduft, seidiges Nasenparfüm. Im Mund sanft, angenehme, nicht aufdringliche Ripassosüße mit etwas fordernder Säure. Auch nach 24 Stunden noch eine runde Sache.
  2. 2008er Primitivo di Salento von Masseria di Metrano (6,99) aus Lecce in Apulien, ein "flying winemaker - Wein" - wie viele, auch berühmte, in Italien in letzer Zeit. Der Primitivo aus dem heißen Süden kommt natürlich mit mehr Power daher, dickfruchtig, relativ süß, zudem mit einer dicken Portion Kakao in der Nase, gute Länge. Hält sich sehr gut nach 24 Stunden in der offenen Flasche. Auch hier also ein absolut korrekter Wein. Wirkt vielleicht etwas "gemachter" als der Valpolicella, reiht sich aber völlig in die lange Reihe der vielen auch im Fachhandel angebotenen warmen (Frucht)Weine aus Süditalien, Südfrankreich und Spanien ein.
Trotzdem sollte man sowas natürlich im Fachhandel kaufen. In Verbindung mit einer Probe, die ja alle Händler regelmäßig anbieten. Macht einfach mehr Spaß und man hat einen ideellen Mehrwert, auch wenn man für eine vergleichbare Flasche mal ´nen  Euro mehr bezahlt.

25.03.2010

Frühlingsgruß...


...mit einem Vinho Verde, dem "Riesling Portugals", wenn diese Analogie mal erlaubt ist. Zwar steht Vinho Verde (der grüne, frische Wein) nicht für eine Rebsorte, die Grünen aus Portugal erinnern mich aber manchmal an einen deutschen Rieslingtyp: Frischer Apfelduft, knackige Säure, leicht (auch im Alkohol, hier 11%). Genau so ist der gerade im Garten probierte "Veigas da Matanca" Vinho Verde 2009 der Valdelima - Cooperativa Polivalente de Desenvolvimento Rural.

23.03.2010

Pro Wein in Düsseldorf...


...und ich konnte nicht hin ! Obwohl nur 30 Autominuten von hier entfernt war einfach keine Zeit übrig, um in die temporäre Weinschwemme in den Düsseldorfer Messehallen zu fahren. Deshalb hier ein paar links zu Leuten, die das Vergnügen hatten vor Ort gewesen zu sein:
(wird fortgesetzt)

22.03.2010

Probe in Essen...

Rieslingworkshop mit Markus del Monego

...veranstaltet von der Weinhandlung Rolf Kaspar, das Ladenlokal liegt in Essen an der Ruhrallee, die Veranstaltung im Stile einer Hausmesse fand aber in der Stadtgarten-Gastronomie in Essen-Steele statt. Für die komplette Verkostung wurden nur 10€ berechnet und man sah ein besonders junges und vor allem weibliches Publikum, wie es auch dem Genießer in seinem Bericht zur gleichen Veranstaltung schon aufgefallen war.
Doch vor dem Vergnügen stand an diesem Abend die Pflicht, ein Weinworkshop zum Thema "Riesling" wurde besucht, Dozent war der bekannte Markus del Monego MW ! Der Mann ist kleiner als gedacht aber auch viel lustiger. Locker und und natürlich voller Kenntnis kommentierte er die Eigenheiten der ausgeschenkten deutschen Rieslinge, unter häufiger Würdigung des Binger Lochs für die mikroklimatischen Bedingungen des dortigen Weinbaus am Rhein. Mein Favorit hier war die 2008er Zeltinger Sonnenuhr Riesling Auslese von Schömann (14,50€/Mosel).
Im Saal herrschte schon fröhliches Treiben, schlendern & schlürfen war angesagt. Nach den Rieslingen suchte ich vor allem rote Gewächse auf, zunächst die komplette Reihe von Herdade dos Lagos (HDL) aus dem Alentejo/Portugal: Vom einfachen Tinto bis zur Syrah Reserva (16,95) kraftvolle Tanningeschütze. Konzentrierte Holzbomben aus der Maremma/Italien von der Fattoria di Magliano wurden präsentiert von zwei Italienern im Maßanzug mit verschränkten Armen: Poggio Bestiale (sic!) und Perenzo (36,95€). Rebsorten: ABS (anything but sangiovese).
Das erste Highlight dann zwei sehr engagiert und freundlich servierte Bordeauxs: 2006er Chateau Mondorion und 2005er Grand Enclos du Chateau de Cerons (eigentlich für ihre edelsüßen Klassiker bekannt). Schmelzig-elegante Aufsteigergüter zu zivilen Tarifen (19€ / Foto links) .Top auch die Weine der Celler Capcanes aus dem Montsant in Spanien (nähe Priorat in Katalonien), hier lohnt die gesamte Palette, schon der Lasendal für 8,50€ hat Charakter, die "dickeren" Mas Torto und Cabrida  haben trotz Kraft differenzierte Aromatik. Das gleiche gilt für die Weine von Chateau Moyau aus La Clape/Südfrankreich. Für mich die Entdeckung der gesamten Veranstaltung. Keine Einheits-Schoko-Würze-Syrahs sondern feinfruchtige Essenzen mit viel alter Carignan, Cinsault und Mourvedre drin, je nach Cuveé (6-33,95€) Probieren ! Nochmal Südfrankreich, Domaine Coudoulis von der südlichen Rhone zeigte in aller Bescheidenheit drei Rote, alle klasse. Flagschiff die süßreife Saftbombe "Cuveé Bacchus 2005" für 12,95€. 
Nach den bewährten Spätburgundern von Bercher und Ziereisen noch ein reichhaltiger Schönling aus Südafrika:  Momberg 2005 von Middelvlei Estate. Ein Exot muß auch noch Erwähnung finden, aus der Thermenregion/Österreich wurde ein Merlot - Eiswein ausgeschenkt (Johanneshof Reinisch, 20€ 0,375): Leichter (9%) und tänzelnd-süßer Abschluss.

Extravagant in Essen: Weinprobe mit Hund und Merlot Eiswein

20.03.2010

Genug gelegen, jetzt wird getrunken (3)

Aus dem staubigen Kellerfundus von liegengebliebenen Flaschen aus dem letzten Jahrtausend heute mal ein Wein aus Bordeaux, genauer aus St. Emilion, also dem sogenannten "rechten Ufer":
Ein Klassiker aus den Rebsorten Cabernet Franc und Merlot, in der Jugend eher mit kräftigen Gerbstoffen ausgestattet, den Prognosen nach ein "Langstreckenläufer". Nach 16 Jahren kommt er in noch immer kräftigem Rubin aus der Flasche, im Duft zunächst verhalten - ich entschließe mich zum dekantieren. Nach einiger Zeit dann klassiche "Bordeaux-Reifedüfte", man erwartet sie ja irgendwie: Noten von Tabak und Zigarrenkiste ziehen in die Nase, am Gaumen dann gerundet weich. Das ganze also keineswegs überschwänglich, sondern eher introvertiert, elegant, zurückhaltend und vornehm: Ein Gentlemen in noch sehr guter Verfassung, so wie ich ihn eigentlich auch erwartet hatte. Dazu gabs Kurzgebratenes vom Lamm mit grünen Böhnchen und gebratenen Kartoffelwürfeln. Was ich damals bezahlt habe kann ich nicht mehr sagen, der ´94er wird noch gehandelt, Flaschenpreis um die 40€.
Klickt auf den Weinlink oben, der führt zur Seite des Chateau, im Intro läuft eine schöne Interpretation von Fly me to the Stars von Julie London.

19.03.2010

Wein im Pott

Für Weinfreunde aus meiner Region, dem Ruhrpott, in diesem Jahr auch Kulturhauptstadt genannt, gibt es an diesem Wochenende schöne Weinveranstaltungen:
  • Bei MEIMBERG in Herne findet am Samstag von 17-20 Uhr im Stil einer Hausmesse eine große internationale Weinprobe statt. Über 20 europäische Weingüter sind persönlich vertreten, ca. 80 Weine im Ausschank. Erhoben wird eine Gebühr von 25€ incl. Imbiss.  Infos hier und hier.
  • Zeitgleich in Essen-Steele werden bei der großen Frühjahrsweinmesse der WEINHANDLUNG ROLF KASPAR jede Menge Flaschen geöffnet. Der Eintritt incl. aller Proben beträgt 10€. Zusätzlich finden dort auch verschiedene Wein-Workshops mit Markus del Monego statt. Für Kurzentschlossene sind noch Plätze frei. Infos hier.
Auch der Weindeuter wird natürlich eine der Veranstaltungen besuchen, welche, dazu hier bald mehr...


16.03.2010

Genug gelegen, jetzt wird getrunken (2)

Nach dem ´95er Südfranzosen wurde diesmal einer der ältesten Kandidaten aus dem Keller geöffnet: Don Jacobo Gran Reserva 1983 der Bodegas Corral aus der Rioja (gekauft vor zig Jahren in einem kleinen spanischen Laden in Köln für ca. 16 DM). Diese Gattung steht für das klassische Spanien, Tempranillos mit langer Faß-und Flaschenreife schon im Weingut. Die Gran Reservas kommen eigentlich schon trinkreif beim Konsumenten an, vertragen in der Regel aber auch noch eine weitere Aufbewahrung recht gut. In der Rioja werden die Jahrgänge offiziell bewertet (m/n/b/mb/e), der Jg.83 wird mit B wie bueno, also gut angegeben.
Und wie war er  denn nun in Form, der 27 Jahre alte Spanier ? Nun, der Korken sah unter der Kapsel noch sehr gut aus, brach aber dann leider beim öffnen in zwei Teile, der untere flutschte in die Flasche - also vorsichtig den Inhalt umfüllen. Ärgerlich, denn ich wollte dem Wein nicht zu viel Sauerstoff gönnen. Diese Sorge erwies sich aber als unbegründet. Farbe sehr hell, transparent, orangefarben am Rand. Der Duft war schön, sehr offene Reifnase, etwas Orangenschale, kalter Früchtetee, getrocknete Kräuter- da entwickelte sich auch noch was. Es war noch Leben im Wein ! Im Mund dann allerdings ziemlich wässrig, etwas Bitterkeit wie abgestandener Schwarzer Tee, nur ganz wenig Karamellsüße auf der Zungenspitze. Das ganze hatte natürlich trotzdem seinen Reiz und ließ sich, auch durch eine gewisse  alkoholarme Leichtigkeit, gut wegschlürfen (12,5%). Passend dazu gabs dann ein spanisch inspiriertes Gericht: Huhn mit Pestokruste und krossem Speck auf eingekochtem Tomaten-Karottengemüse.


P.S. probiere gerade nach 16 Stunden noch einen Schluck, der Wein zerfällt langsam, die Farbe tendiert ins bräunlich, die Bitterkeit nimmt zu, ich erlebe das Ende eines langen Weinlebens... 

14.03.2010

"Überseeprobe"

Weine aus "Übersee", das klingt so schön romantisch nach der Ferne ! Ich muß da immer an Hamburg und die Landungsbrücken denken, an Hans Albers und Seemannsbraut ist die See. Die aus europäischer Sicht so genannten Überseeweine sind ja tatsächlich alle auf ihre Art europäischen Ursprungs, die Weintraditionen in Kalifornien, Australien, Südafrika und Südamerika sind von den europäischen Besiedlern/Auswanderern/Eroberern begründet worden. Aus den genannten Ländern stammten auch die Weine, die in den Mövenpick Weinkellern probiert werden konnten, mit Schwerpunkt Kalifornien. Von Einstiegsgewächsen wie dem Avalon Cabernet 2006 (gab es schon bei der Weindeuter Veranstaltung auf dem Zeltfest Ruhr im letzten Jahr) bis hin zur 50€ - Klasse aus dem Napa Valley stand da einiges bereit. Keine detaillierte Auflistung, nur ein paar Impressionen, trotzdem mal ein wenig wine-name-droping, muß auch mal sein:
"Coro Mendocino" 2005 von Fetzer (Zinfandel,Syrah,Petite Sirah - Sonderpreis 20€ statt 26€) , Fruchtwürze, Kraft und Weichheit in Balance. "A Pic" Bunnell Family Cellar 2007 (27€) aus Washington State ("Rhone-Mischung" aus Syrah, Cinsault, Mourvedre, Grenache) Es überwog dessertartige Fülle, die (Gerbstoff)bässe fehlten (Zitat vom Geniesser). Dann der Hunnicutt Zinfandel 2006 (nur 26,50€) aus dem Napa Valley, Superwein mit robust-intensivem Auftritt, wirkte auf mich dabei anregend frisch, süffig ohne aufdringliche Süße mit "bescheidenen" 15,5% ! Anders, aber auch klasse der 2007er Dutch Bill Creek Pinot Noir aus dem Russian River Valley. Nicht so laut, fein, viele kleine reife Erbeeren...
Die Garde der 50€ Cabernets stand hinter einer Theke, die wurden serviert. Und da war eigentlich nichts Enttäuschendes dabei. Probiert habe ich den 2006er Napanook/Dominus Estate, Zweitwein vom großen Dominus von Moueix, den 2006er DR II Stephens Estate,  den 2005er Round Pond Estate, den 2007er "Juliet" Beau Vigne Vineyard, den 2005er Col Solare aus Washington State und und den
2006er Cabernet von Caymus - mein Favorit in der Reihe. Alles Weine zwischen 44,50€ und 56€, alles ausdifferenzierte Aromenkonzentrate auf hohem Niveau, keine botox- und silikonverstärkten „Spitzen-Cabernets". Warum schmecken die so gut ? Dazu unten für alle, die es genauer wissen wollen, ein längeres Zitat von einem Fachmann zum Thema, von Martin Kössler.


1  "á pic": Chateauneufkopie aus Washington State, leider ohne Bass
2  Hunnicutt Zinfandel: Erfrischungsgetränk mit 15,5%, only 250 cases produced
3  serve youself...
4  Geniesser, Weindeuter und Uwe "Ch9dP" Bende
5  Die 50€ Klasse wurde eingeschenkt

"So wie der Australier und der Spanier den deutlichen Einfluss neuen Holzes mag, so wie der deutsche Weintrinker wie kein anderer auf der Welt Säure im Wein schätzt, so mag der Amerikaner weiche und harmonische Fülle. Diese erzielt man durch besonders sorgfältige Verarbeitung des Lesegutes und eine entsprechend schonende Vinifikation. Man erzielt sie aber auch im Weinberg, wo die Trauben sehr viel länger an den Rebstöcken hängen können, als bei uns, mit deutlich gleichmäßigerer Temperaturverteilung über die Wachstumsperiode. Beides zusammen ergibt jene sanften, geschmeidigen Gerbstoffe, die die guten Weine Amerikas so charakteristisch auszeichnen. Wir Europäer reagieren darauf gerne ablehend, weil uns die Weine fast schon zu schön vorkommen und unterstellen deshalb den oft schon in der Jugend unverschämt leckeren und "schönen" Weinen wüste Manipulationen. Dabei handelt es sich um pure Natur. So stehen z.Bsp. die Farbstoffe (Anthocyane) in kalifornischen Cabernets in geradzu idealem Verhältnis zu den Tanninen (Polyphenole). Der wohl wesentlichste Unterschied zwischen den Rotweinen der neuen und der alten Welt zeigt sich deshalb in der Dauer der Maischegärung: Während man in Bordeaux meist weit über die alkoholische Gärung hinaus zu extrahieren versucht, trennt man in Amerika während der Fermentation den Wein von der Maische, um die Tannine nicht zu dominat werden zu lassen. Das führt in Verbindung mit gezielt oxydativer Weinbereitung in neuem Holz mit langer Hefelagerzeit dazu, daß heute die Spitzenweine Kaliforniens deutlich besser integrierte Gerbstoffe aufweisen, mit merklich mehr Frucht trotz höherer Extraktwerte, als die meisten europäischen Barriqueweine, geschweige denn Bordeaux."
Martin Kössler  K&U

12.03.2010

Genug gelegen, jetzt wird getrunken ! (1)

Ich trinke Wein eigentlich gerne jung. Weiße, knackig frisch, mit Frucht, die noch direkt von den Trauben kommt. Auch gegen satte rote Frucht und jugendliche Gerbstoffe hab ich in der Regel nichts einzuwenden, mir gefällt diese direkte, ungestüme Art. Viele Weine sind heute ja auch auf sofortigen Genuß erzeugt, auch bei seriösen, kleinen Produzenten, auch im Bordeaux zum Beispiel. Diese Schnellebigkeit kann man beklagen, oder eben auch nicht.
Von allen Genußmitteln begleitet aber gerade den Wein der Mythos des Weglegens, der Reifung im dunklen Keller. Traditionell war "großer Wein" stets "alter Wein", der auch heute noch unwiderstehliche Anziehungkraft ausübt, wie etwa auf Weinauktionen, wo für Weinantiquitäten Rekordsummen gezahlt werden. Zu einem gereiften Wein verhält man sich eben oft emotional: Man trinkt vielleicht mal den eigenen Jahrgang, legt Flaschen aus den Geburtsjahrgängen der Kinder weg, läßt im eigenen Keller so manches reifen, um es dann nach Jahren mit einer erhofften Genußdividende öffnen zu können.
All das mache ich natürlich auch. Dabei ist das Alterungspotential vergorenen Traubenmostes keine technische Standardgröße und deshalb nicht zuverlässig und präzise vorhersehbar. Und natürlich wird nicht aus jedem jungen schruppigen Entlein nach 10 Jahren oder mehr ein geschmeidiger Schwan. Deshalb werden nun nacheinander alle Flaschen aus den achtziger und neunziger Jahren aufgezogen und hier vorgestellt. Der erste Kelleropi ist:
Ein Südfranzose aus dem Languedoc, 1997 für ca. 16 DM gekauft, damalige Spitzencuvée der Domaine aus Syrah/Cabernet/Mourvedre mit 14% Alkohol. Ein von Martin Kössler (K&U Weinhalle) seinerzeit hochgelobter Wein mit einer Genußprognose von 5-6 Jahren. Nach 15 Jahren, davon 13 Jahre (durch 2 Umzüge in 3 Kellern) Lagerung nun probiert - und: Der Wein war spitze !  Farbe immer noch kräftig, Duft von Trockenfrüchten und Schokolade, schmelzig, warm. Altgeworden, Nervosität abgelegt, aber nicht müde oder ausgezehrt, immer noch mit Spannkraft (sicher auch bedingt durch die "Langstreckensorten" Cabernet-S. und Mourvedre).
So, genug der Attribute, sonst hab ich ja nix mehr für die noch folgenden Kandidaten der " Altweinvernichtungsaktion".


10.03.2010

Promi-Weine




Es gibt viele Promi-Winzer, Rebenstars, die in der Szene einen hohen Bekanntheitsgrad haben. Aber wer, außer uns Weinfreaks, kennt denn wirklich den Roman Niewodniczanski ?
Anders ist es, wenn Promis unter die Winzer gehen, wie vor ein paar Tagen Günther Jauch, als er das Weingut Othegraven übernommen hat und gleich als Winzer in den VdP aufgenommen wurde. Ein anderer aktueller Fall ist Gianna Nannini, bei uns in Deutschland seit jeher mit dem Zusatz "Rockröhre" versehen. Die Italienerin stammt ja immerhin aus Siena und ist mittlerweile Eigentümerin eines Weinguts in der Toskana: Certosa di Belriguardo im Chianti delle Colline Senesi (klickt auf den link und ihr hört G.N. mit ihrere rauchig-sinnlichen Stimme über Wein und Musik sprechen). Das passt auch zu den Aktivitäten eines anderen Stiefel-Winzers, Antonio Termi aus den Marken. Der ist ein großer Bob Dylan Fan und bietet von seinem Weingut Fattoria Le Terrazze nach dem Wein "Planet Waves" zur Zeit einen 100%igen Montepulciano mit dem schönen Namen "Visions of Johanna" an. Auch da lohnt der Klick auf den link, es erklingt  Dylans "Sad-eyed Lady of the Lowlands" in voller Länge.



Planet Waves Forever Young

09.03.2010

Der lange Hund


Wenn man die "Autoroute du Soleil" in Höhe der südfranzösischen Stadt Orange Richtung Westen verlässt, fährt man 300 Kilometer durch Weinfelder. Vom rechten Ufer der Rhône bis an den Fuß der Pyrenäen reicht das größte zusammenhängende Weinanbaugebiet der Welt, das Languedoc-Roussillon.
Die Weinbauern dort, meist in großen Genossenschaften organisiert, haben seit 100 Jahren den täglichen Weinkonsum der Franzosen sichergestellt und damit einen verdienstvollen Beitrag zur Ernährung der Bevölkerung in den industriellen Zentren des Nordens geleistet. Seit 20 Jahren ist die Massenerzeugung aber in der Krise, obwohl die Überproduktion schon auf 250.000 Hektar abgebaut wurde.
Während die vielen kleinen Winzer auf Klasse statt Masse setzen und mittlerweile jede Menge gesuchte (Kult)weine produzieren, die problemlos nachgefragt werden, müssen sich die Massenerzeuger etwas einfallen lassen. Heraus kommen natürlich bestenfalls Weine, die keinen besonderen Terroiranspruch haben, die Zielgruppe sind auch gar nicht die "Weintheoretiker".
Hier ein schönes Beispiel zu dem man sagen muß: Alles richtig gemacht ! Absolut originelle Aufmachung, Schraubverschluß, frische, saubere, nicht übertriebene Fruchtaromatik, Alkoholgehalt moderat (12,5%), Vertrieb über holländische Supermarktkette (Super de Boer): Longue-Dog Colombard/Chardonnay Vin de Pays d ´Oc 2009 (3,99€)

Deze wijn is afkomstig uit de zonnige Zuid-Franse Languedoc regio en gemaakt van de druiven Colombard en Chardonnay. Een soepele wijn met verfrissende aroma’s van citrus, appels en peren en een frisse lange afdronk. 

08.03.2010

Holland

Ein (Arbeits)kurztrip ins königliche Nachbarland hat mich ein paar Tage am posten gehindert, für (Wein)genuß blieb wenig Zeit. Deshalb nur ein Schnappschuß meiner Leibspeise an der Nordsse: Hollandse Nieuwe mit etwas Salat und Zwiebeln, dazu ein frischer Weißer, Undurraga Chardonnay aus Chile. Außerdem werde ich in den Niederlanden manchmal zum Biertrinker - wenn es so schön dargetan wird wie hier !

04.03.2010

Schnell austrinken !

Eine Flasche Tawny Dee von Niepoort (ca.17€) hatte ich angebrochen, als draußen der Winter bei minus 9 Grad nicht enden wollte. Zwar hat er natürlich nicht die Wucht und Dichte eines "richtigen" Vintage-Ports, er wirkt eher hell, saftig, mit einer gewissen fruchtigen Frische. Trotzdem bereiten Noten von Trockenfrüchten, Nüssen und Bitterschokolade zusammen mit dem Alkoholgehalt von 20% einen eher üppigen Gaumeneindruck. Deshalb muß diese Moin-Cheri Praline aus Portugal nun schrittweise vernichtet werde - ehe der Frühling kommt...  

03.03.2010

Weinmonat März !

Unter Genußbereit könnt ihr ausführlich etwas über die ProWein in Düsseldorf und die damit verbundenen Weinmessen in Herne und Essen lesen. Links zu den Veranstaltungen auch unten bei den Weinterminen.


02.03.2010

01.03.2010

Ein Chilene und ein Franzose...

...stehen hier einträchtig nebeneinander, vergessen aller Streit um neue und alte Welt !

El Parron 2008 (9,80€ exklusiv im Mövenpick Weinkeller) hatte ja schon bei der Boskop-Probe gezeigt was er kann. Eine Cuvée aus Cabernet, Carmenere und Syrah mit viel Duft und satter Primärfrucht. Ein Blaubeermuffin, gepuffert mit Würze, Kraft, Struktur - Spaßmacherwein für unter 10€. Gleichzeitig probiert wurde ein Franzose aus der Provence mit ähnlichem Rebsortenmix (Cabernet-Sauvignon mit Beigaben von Grenache und Syrah) und fast gleichem Preis: Chateau Paradis 2007 (11,80). Hier kein Fruchtbömbchen, sondern ein Würzbömbchen. Dunkle eingekochte Früchte, Lakritzwürze mit mehr Gerbstoff als der weiche Chilene. Der Wein hat insgesamt mehr Biss und kam im direkten Vergleich (bei den männlichen Verkostern) dann doch besser weg - Geschmacksache.  

(Alle Weine vom Chateau Paradis in der Weinzeche Essen)